Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 84 (20.10.1936)
- Date
- 1936-10-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JODISCHE RUNDSCHAU NR. 84, 20. OKTOBER 1936 Mitteilungen der Winterhilfe Die nächste Haussammlung der Jüdischen Winterhilfe findet am Sonntag, dem 25. Oktober, statt. Der Herr Reichsbeauftragte für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes hat in den von ihm genehmigten Riehtlinien entschieden, daß Inhaber jüdischer Firmen, einschließlich der Offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften, jedoch mit Ausnähme der Aktiengesellschatten und Gesellschaften mit beschränkte!״ Haftung (juristische Personen) ihren monatlichen Beitrag an die Jüdische Winterhilfe abzuführen haben. Jüdische Angestellte, Beamte und Arbeiter aller Unternehmungen führen ihren monatlichen Beitrag an die Jüdische Winterhilfe ah. Ab 19. Oktober beginnen die Bezirks- und Zweigstellen der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde. mit der Aufnahme von Anträgen für die Jüdische Winterhilfe, und zwar bereits eine Woche nach Eröffnung derselben. Für unsere Pfundspende benötigen wir dringend Sammclkörbe zur Abholung der Lebensmittel. Wer gut erhaltene Tragkörbe, Wasclikörbc und ähnliches entbehren kann, wird herzlich gebeten, dies unserem Büro zu meiden. Jüdische Winterhilfe Abt. Pfundspende, Berliti-Orunewald, Jagowstr. 30, Tel. H 9 0237. Auch für unsere Pfundspende ist die Sammeltätigkeit von größter Bedeutung. Der Erfolg unserer Arbeit ist davon abhängig, daß sich uns Sammlerinnen in genügender Anzahl zur Verfügung stellen, l eider fehlt es uns für diese wichtige Arbeit an Helferinnen, besonders im Bezirk Schöneberg. Jedes Gemeindcmilglied, das bei dieser Arbeit helfen kann, sollte nicht zögern, dies zu tun. Meldungen erbeten an Fräulein Dienstfertig, Sehöneberg, Landshutcr Str. 9, Tel. Bö 2213. Auch andere Bezirke warten dringend auf Hilfe. Adressen erbeten an das Büro der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Abt. Pfundspendc, Berlin- Grunewald, Jagowstr. 30, Für den Westen Berlins werden dringend weitere ehrenamtliche Sammler und Sammlerinnen benötigt. Schriftliehe Meldungen an die Abt. Haussammlung der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Rosenstr. 2-4, erbeten. Postscheckkonto der Jüdischen Winterhilfe: Berlin 93 446. Assefalt des ״Habonim“. Am 17. Oktober vereinigten sich nahezu alle Berliner G’dudim des ״Habonim“ — etwa 600 Jungen und Mädchen — zu einer Assefah. Mit Liedern und dem Jiskor für die in Ercz Israel gefallenen Juden wurde die Feierstunde cingclcitct. Dann sprach Xiel Feder mann, der aut die Ereignisse im Lande hinwies und betonte, daß der Bund gerade in dieser Zeit sieh bewährt und durch die Alijah zahlreicher Chawerim bewiesen habe, daß er die Tat über das_Wort steile. Einige Rezitationen folgten, und dann (orderte B. Weint raub die Jungen und Mädel ztt versOkter Arbeit an sieh selbst und für den Rund auf. Die Aufgabe, das Leben im Bunde weit mehr zti hebraisieren, wurde zur Pflicht für jeden einzelnen Chawer erhoben. Berichtigung. In der Notiz über ein Bild von Käthe Schuftan in Nr. 83 siml zwei sinnentstellende Druckfehler entstanden. Es muß richtig heißen: Der rotfarbenc Leib, der verhaltene Lauf, die ungeöffneten Augen drängen zur Erde, und während das erste ein ein fernen Ziele zustreht, läuft das zweite ohne Richtung, ohne Weg, aus sich 11 n d von der Kraft des ersten mitgerissen. Ferner muß es heißen: Von rückwärts drängt zwischen beide ein drittes gelbes Pferd, den Kopf erhoben und mit unendlicher Zärtlichkeit an den Leib des roten Pferdes gelegt. Das Ephraim-Palais Bereits in Nr. 28 vom 5. April 1935 teilten wir mit, daß das Ephraim-Palais, das in der Poststraße gegenüber der Mühlendammschleuse steht und das noch sehr gut erhalten ist, aus städtebaulichen Gründen um 10 Meter zuriickvcrlegt werden muß. In diesen Tagen nun hat die Spitzhacke ihr Werk begonnen, Die einzelnen 'Teile des Gebäudes werden sorgf*uto; Herbert bonoenfeid דדיי*^ gk« -** *•*’t-־fl*“*•**^ ** 1 ׳. j faltig abgetragen, numeriert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder iri der alten Form zusammengesetzt. Wir sind bereits damals auf die Geschichte dieses Hauses und die Steilung der Juden zur Zeit Friedrichs des Großen eingegangen, so daß es jetzt, da dieses auch mit der jüdischen Geschichte verbundene Haus für absehbare Zeit verschwindet, wohl genügt, mir noch einmal auf die architektonischen Schönheiten dieses Baus hinzuweisen. Das Ephraim-Palais, das im Jahre 1706 entstanden ist, gilt als einer der schönsten Rokokob,tuten Berlins. Es ist von einer — man möchte fast sagen — unbeschwerten Heiterkeit. Mit welcher Anmut treten hier die kleinen Baikone des zweiten Stocks hervor, gleichsam getragen von dem langen Umgang im ersten Stock, und wie ziseliert und bis ins letzte gefeilt sind die Gitter! Welche Rokoko-Lehensfreude geht von den Figuren des Umgangs aus! Das Ganze ist mehr als ein repräsentatives Bürgerhaus: der Geist einer ganzen Zeit wird hier lebendig. Von besonderer Schönheit ist die Treppe dieses Hauses, die in unerhört schönen Kurven sich bis zum Dach schwingt und oben in einem großen weißen Rondell mündet, das sich gleichsam wie ein Himmel über dem Ganzen wölbt. Ein Stück Berliner Geschichte sendet hier den Abscliiedsgruß. N. Der Gedanke der Zukunft im Judentum Ein Vortrag von Dr. Baeck Der Kultiirhiimivortr.1 g, den Dr. Leo Baeck am 15. Ok« tober im Logcnhaiis vor einer großen Hörerschhar über die messianische Idee im Judentum hielt, war ein großes Erlebnis für die Hörer und ein Bekenntnis des Vortragenden zu einer eigenen Konzeption des Znkunftsgedankeiis. i>r. Baeck legte dar, wie alle antiken Religionen immer verbunden sind mit der Furcht vor der Zukunft und machte diese Tatsache mit psychologischer Feinfühligkeit klar. Die Phantasie des Menschen — und Religion ist Piiantasietäfigkeit — lebt von den Erfahrungen, unter denen die schlimmen sich stärker einprägen als die guten, diese Tatsache beeinflußt die Vor- Stellung von der Zukunft. Es ist eine der großen Wohltaten des Judentums, so sagte Dr. Baeck, daß es den Menschen von der Furcht vor der Zukunft befreit hat. Seit es in der Welt lebt, liaf die Religion anfgeliörf, Qua! und Beängstigung zu sein. Fs hat immer schon Lösungsversuche gegeben, die den Menschen von der Zukunftsfurcht befreien wollten: der Epikiirismus lehrt die Diesseitsfreude, um das Kommende zu vergessen •, dei Stoizismus lehrt die Gleichgültigkeit gegenüber allem 1 iesdielieii; Philosophen wie Kant und Goethe nannten als die eigentliche Aufgabe des Menschen die Pflicht des Tages. Demgegenüber hat das Judentum eine ganz, eigene Auffassung gewonnen. Das Judentum hat der Zeit und Zukunft einen neuen Sinn gegeben, in die cs den Gedanken des Gebotes hiiicingesklil hat. Zukunft Kt null! mehr da■--, was sein wird, sondern was sein soll. S;e ist ahn, wenigstens ihrem Anfänge nach, dem Menschen in die I fand gegeben. Der Mensch ist so narb jiu! i - .־hi־: Au! nicht mehr Objekt der Zukunft, sondern Subjekt, er bereitet selber Zukunft. Zugleich hat der f!׳■danke de״ Gebotes eine cfnig e 11 11 e Bedeutung. Zwar m füllen aße Menschen das Gebot individuell, aber die TnKiche der (icboKeifullung an sich bedeutet doch eine Geniei 11-:1u1keit, ein I liiistrebeii auf ein gleiches Ziel, auf eine Zukinilt. Das ist das Wesen der messianisclieti Idee im Judentum. Wenn die Antike von der Individualität sprach, so meinte sie die Schrankenlosigkeit lind Willkür. Das Judentum aber verbindet mit der Ancrkennuug der Individualität die Pflicht der Gebots eriüllung und damit die Idee einer Einheit der Menschen. N. ״Juden in Amerika“. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur berichtete 1 )r. Max Wiener über seine Amerikareise. Justizrat Magnus begrüßte den Redner. Der Vorfrag enthielt eine Fülle des Wissenswerten. Amerika, so führte der Vortragende aus, hat die merkwürdige Aufgabe zu erfüllen verstanden, alle diese von fernher kommenden Menschen — durchaus nicht mir Juden! - zu amerikanischen Bürgern zu machen, ohne doch ihr angestammtes Volksleben völlig ans ™löschen: so siebt man in der Ncw-Yorker Untergrundbahn russische, italienische, jiddische, hebräische und anderssprachige Zeitungen. Auch die Juden in Amerika sind nicht eigentlich assimiliert. Das hängt wohl damit zusammen, daß in Amerika als in einem noch heute die Grtindzüge eines Kolo״!,all,־indes fragenden Gemeinwesen die Ideologien merklieh z.uriicktreten, wenn nicht ganz verschwinden. In den Vordergrund treten alles beherrschend die praktischen Lobenswerte. Bekanntlich gebt damit eine gewisse Primitivität im Denken Hand in Haiul, zugleich auch ein von den Amerikauern seihst beklagter Tiefstand der Bildung, der von Wiener auf einen 1 Scherf!!iß der Bildiingsanstaitcn zurückgeführt wurde: von den 109!׳ Golleges des 1 amies stehen nach seiner Meinung nur (! 7 Umvce-itaten auf europäischem Niveau. Die religiöse Schichtung des armrikaniseben Judentums umfaßt sämtliche Schattierungen von ganz links bis nach ganz rechts. Die Auseinandersetzung tun den Zionisums spielt sieh in AmeriI״•! anders als in Europa ab; so Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV Dienstag BZV-Hnm, Neukölln, Jügetstruß«6 ־ Hvrmannplate 20. Oktob20.30 ״ Uhr Dr. Leo Scherek s Palästina, August 36, ein Reisebericht Mittwoch Ballenstedter Strnßp 2 fehrbeiliner Platt 21. OktoH., 20.30 Uhr Hans GSrtner r Jüdische Erziehung Ton heute Mittwoch BZV-Hfrim, I-imiUhprtfPr Straße* 87 Ftiedrichshain 21. Okt<ob20.30 ״ Uhr 6 Monate Unruhen in Palästina, Versuch einer Bilanz. Referenten: Walter Tempel, Riid. Abraham, Dr. Jos, Weiß Mittwoch Berolinn-bestsHW, Schon!!,־luser Allee 28 Nor dring 21. Oktob., 20.30 Uhr 6 Monate Unruhen in Palästina. Versuch einer Bilanz. Referenten: Dr. Alfred Kabau, Dr. Ham Capeil, M. Hirschfeldt. Mittwoch Spandau, Lind«nufer 12 Spandau 21. Oktob., 20.30 Uhr Dr. Ernst Berentt Palästina im August 1936. Ein Reisebericht. Donnerstag׳ Weißensee, \J'״ftbstr*ße 20 (Dauerheim) Wtißtnses 72.Oktob., 20,30Uhr Dr. Werner Levie: Auf dem Wege mm jüdischen Kulturleben. Donnerstag Tempelhof, Musschlstr. 22 (Synng׳oye) Tempri hot'K rentbtrg 22. Oktob., 20.30 Uhr PaUUtlnawanderun; und Üeberaeewinderun;• Referent: Dr. Georg; Lubinski. Sonnabend Neukölln, Jügerstr. 6 Hirmannplatt 24, Oktob.,20,30 Uhr Oneg Schab bat. Referent: Dr. S, Kdeko. Gesang־, Rezitation, Chor. Karten für RM 0.50 im Vorverkauf bes: Leipholz, Kaiser- Friedrich-Sir. 5S; NvifisLnum, Bergstr. 28; Schwalb, Hermann• straßc 46, un<i וזה der Abendkasse, Sonnabend Brückenstraß«• '* Sudost 24. Oktob., 20.30 Ubr Oneg Schabbat. Treffpunkt der westlichen Gruppen der PAP (Frauenarbeitigemeinschaft für Palästina) int Wlzo-Heim, Ufifttenbergpl. 38» Taanachmittaga / Beteilig•» Baltammartstln / Vorträge jeden Donnerstag, 16.30 Ul)r Gäste sind willkommen JUdlictier Kulturbund Berlin 1. V. «n Kleinkunstbühne Soruiab Loltung: MAX EHRLICH Jetzt Im Schumanntaal, Lülzowitraße 76 (am Magdeburger Platz) 8.30 Uhr J t da n Sonnabend und Sonntag Der große Erfolg Dis neue REVUE aufl* 22 Bilder von Willy Rosen u. Max Ehrlich Musik: WILLY ROSBN 0H. 35. S.nntg. Kain Vsrxshr MAX INRLIfH und andere Kein Verzehr Alle bisherigen Vorstellungen waren )ütvirkiulll Vorverkauf der Karten von RM 1.- - bir. 3*— beim Zeitung־*- itand im Cafä Leon, Kurfürntendamm 155 (J7 4229)* Philo* Verlag, ParlaFf Str. 44; Kulturbundthentc», Kommnndnntrn. straße 57. Eintritt auch für Nichtmitglieder des Kulturbundes mit der nfttlSfl Reiehiverbandlkarte (auch e. d. Abendk. erhalt).) HOBEL «AMERLING H, Ksatanienalfee 56 Ueb. 30 jähr. Bestehen Klavierstimmer Perez 0 2 Stagl. 1820 1a Benage! nun Oberpchlrsico lief. P 4, Am.-Abt. d. Jfid. Rumlsdh,, Berlin W I 5 lassen Sie sich Ihre Anreigen nur vom Fachmann aufsetzen Sonnabend, den 24. Oktober, 20 30 Uhr, BZV-Heim, Landsberger Straße 87 Oneg Schabbat Ampreohli Dr. Adler/Rezitation: Herbert Grünbaum (JUd.Kulturbund) Osten!: Kantor Haidberg / Chor der Jutiggruppe BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Bet. FHedrloheheln In den Wintermonaten werden Donnerstag, 33, Oktober Vortrag von Hanny Gutmann Arsumente flKr und gegen den Slonlsm•■• unsere Scheiter am Freitag stets etwa 40 Minuten vor dem Beginn des Schabbat geeehloeeen. KRANKENVERSICHERUNG | ab Beginn seitens der Gesellschaft unkündbar, sowie alb anderen 1 Zugunsten der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Dienstag, 27. Oktober 1936, 20 Uhr BACH SAAL, W 35, Lütaowetr. 76 Jüdischer Künstlernach wuchs stellt sich vor Ansprache Direktor Heinrich Stahl Vor-dj/endr? der jüdischen Gemeinde ast Ber)!!» Orchester des Jüdischen Kulturbundes Berlin uni־*'׳ I.mUmg־ von Kapellmeister Rudoll Schwan Solistin: Lade Stora «lern Programms Mozart J Techaikowsky / Strauß / Beethoven{ Klavierkonzert *, g. Karten 3utn Preis« von RM 1,— bis 6,— bei allen Zahlstellen des Kultur■, bundes und bei der Zentrale der JmÜschen Winterhilfe der Jfidisdiert Oemeinde tu Berlin, Heidereuterpaasc 5 א, '/-immer 3. Tel. D 1 (Norden) 6711, App. 62 ÄRZTEGESELLSCHAFT FÜR PALÄSTINA DER BZV! D0HG.rlta2.1ttn 22. X., 20,30 Uhr 1. י. Im Log.nhaoi, Kl.ittitr.l», Kim Stal VORTRAGSABEND OBltr dt® Yoralt* TOB Hrrrn Pro). Dr. E. Sollgaiaaa■ Et tprachMI Dr. Hans Frledenth&l: | Sion und Aufgabe der Ärztegeaellachadt j Dr. S. Spiro Leiter der Sritlicheo Abteilung des PaUsllttt־Amte•: Ergebnlaae and Probleme der Unteranchnng der Palästina-Auswanderer GUste wrillkomaeal