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Jüdische Rundschau · 1936-10-20 · Heft 84 (20.10.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 84 (20.10.1936)
Date
1936-10-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 JÜDISCHE RUND SCHAU Nr. 84 20. K. 1936 Der Konflikt zweier Kulturen In der ״Times" vom U. Oktober tm'.er/ieht Prof. II ancock (Universität Birmingham) das palästinensische Problem einer Betrachtung unter dem <n׳Mcl1t~punkt der kulturellen Auseinandersetzung, wobei er sich aut eigene Beobachtungen in Palästina im vcrg'.'mgencii Suimner beziehen kann, Er meint, zu einer objektiven Analyse der Ursachen und Wirkungelt der palästinensischen Ereignisse könne die große Erfahrung des Britischen Reiches mit Nutzen herangezogen werden. 1 bis Problem sei das der Beziehungen zwischen einer Einwandcrcrsclucht und einer bereit!, ansässigen Oemeirischalt. Die Erfahrung der I Jr>111 i 11 ieu (obgleich deren üevulkerungen, verglichen mit den Arabern, junger sind) sei in dieser Hinsicht beikMitungsvoih Hancock schätzt, daß die 60000 Einwanderer im Jahre 1935 einer jährlichen Eimv,•in- «icrung von 5001)01) nach Kanada oder 3501*10 nach Australien entsprechen würden, Habe jemals ein Land eine Eitiwamlerung von solchem 1'in tätig erlebt? Die kanadischen Verhaltnisse zwischen 1011 und 1013 seien in gewisser Ilmsicht vergleichbar; es wäre wichtig, sie zu analysieren und auch kanadische oder australische maßgebliche Kreise über eine Einwanderung in diesem Maßstab heute zu befragen. Aber das Eimv ander ung.-prohlmi Palästinas sei nicht nur ein Problem der Zahl. Die Liiuwandererschiebt spielt ökonomisch und sozial eine• Rolle, die in direktem Kontrast zu dem vorher erwähnten Beispiel der kanadischen Eimv anderung steht. Die Juden passen sich nicht der schon bestehenden palästinensischen So/iahmlnung an, somleni bringen ihre eigene Ordnung mit. Der Einfluß' der Juden auf die Araber sei noch lucht erschöpfend studiert worden, und es gäbe kein Material für exakte Untersuchungen. So sei die Statistik beispielsweise nicht . auf der Höhe. Es gäbe keine llankeiistatiMik und keine Statistik über die arabische Arbeitslosigkeit >ow ie mich ־licht über die teilweise Arbeitslosigkeit der I cikiclien, die einerseits von ihrer Pacht, andererseits von ihr eu I blinvn ,•!Idungeii. Es scheine in der palästinensischen Verwaltung Tradition zu sein, sich zu sehr mit persönliche 1 mdmeke zu verlassen. Beispielswci'C könne der Bens;her 111 Haifa in der ausgedehnten Und verelendeten Pitruleini’■/um-Stadt zwischen der Bahn Und dem Meer deutliche Zeit heil einer arabischen Proletarisimi 11g scheu. Alna11 ־ er \ erfasse r habe kenn.• genauen InformatDncn über das \X ackstuni erb dien können, und wenn er über die Bcvolkei ung etwa-, wissen wollte, erhielt er von verschiedenen Petsoiicn b1'!1.1t/11!1,; v!1, die /wis,h,!1 3000 und 7000 schwankten. Eine Para Heil; möchte I l.'tncock mit der Uitlamlcr- F.inwande! ung in die Randgebiete Mr.lm, ...as /E hen, (i )je l'itlander waren Veite, mei-t Fnglindcr, ohne Bürgerrecht. Amn. d. Red.) Auch in Afrika habe cs s:ch nieiit um ein rem ökonomisches!,roBIcm gehandelt, sondern uni einen natimi a I e 11 Konflikt /v :sei.en verscluedem n Kulturen und i cbcnoiuH .is..11:111׳! ־ ׳: d.cwar der enreiitln 11 e Grund des Kamph.s z.w 1>, iuai «len Atiikuuueni mul Britin, und es war die Vtir/cl des laugdaiiemdcn Streites zwischen den europiiiscliCil (iriipgeu in Südafrika und den Indern. Abschließend bemerkt llaiieoik, daß Ersuche und Wirkung genau so aufgetreteu seien, wie es zu erwarten war. Er wissc^ keine (iemeinschaft innerhalb des Briiischcn Reiches, wo eine Emwanderiiiig von solchem Ausmaß nicht zu einer Explo;011 geführt hätte. Ursache und Wirkung würden mich in Zukunft weiter wirken, wie immer die Entscheidung in der Frage des juridischen und moralischen Rechtes sein möge. * Die Ausführungen v״n Prof. Hancock erfahren in der ״Times“ vom!5. Oktober eine Ergänzung durch Sir Robert Waicv Cohen, der der Ansicht ist, daß I laneocks Analogie mit Kanada und Australien nicht stimme. Beides seien heute besiedelte I.amler, in «lenen der Kampf um die Kultur ausgepichten und gewonnen worden ist. In jedem britischen Ciebiet aber habe die eingeborene Bevölkerung solchen Bemühungen Wide! stand entgegengesetzt. I )ie Maori- Kriege in Neti-eelaml, die Kampf«• mit den;u1straHsclu.11 Eingeborenen, den n<1r<l.1nserik:1ni-׳ heil Indianern und den Südafrikanci 11 halt en alle (las }':el, die Fingt 'hure! mi mr Aufgabe ihrer he tclii ■n den Sn /kiiorclntmg zu i w-wc:. k־n und de n Ein wände: ׳cm die T!; it!!];■ nun; ihrer ei ge; ich OrilmmF 7\\ CI ׳möglichen. E s LT ' 1 t H.! keinen Fall, in dem «Sn Zw eitel bestehen könne, «I: 11! du..1,, ־ ,lene ( irdnuiig'' den i... uiucburtn eu matcr!eile und ־)•׳ ,!:< Vn;teilt / gebracht halie. 5 ir Robert ' '1k : / V i ־!! v it, du IS liancmk: י Via k!!l'U'! is/ahkai über «•ms Entwarn k::n fU!!! ׳u'h Kanada un d Am kralic •11 stknmen. Wenn sie auf de r t 1 e!net? }iS e: 111111.11L ווו! oder in׳ ciicmUai I ’> «■ \ ö i keilt Up lu 1 ־1 :- 1 < }׳ 111 d uml auf der Amiahm e. d; iß nicht nur a Ile M« 11-.il!eil <! k s ׳!mini ו1*יי gleich sind. '־־■ml vfH d aß auch i cd e י Stuck! am! de ו 1 Lrlt ..w'iu m M ert in 1t, dann i: -1 diese Bei e! Iminy.; Mi itcil;! h U 11! R h!14 T ‘ a t n a 011. ‘ I, t. 1׳, dan ii ie j ״ (1 i s e 11 e I . 1 1; SV a 11 d c r 11 n g jet/t um! fur 1 t־.־־tn: : Za eil ti 4.׳: r Haupt 1 a kt()!' f «1 r 1 0 r t - sehr n d ׳1 t t! W n!;! . s t a n 1! P a 1 ■1 s t : 11!׳'1 •י 1» « il.-en mii'se. S!e r lach irgci: uicn U;;il an«i l! en Uc.-ichNpuukt; 11s der Aufnahm - ־!; n 1 :;:■!-lu- י /Ii hegiam /eil , Min > i e s Elterlich ein s m '״ou.'!; n[k > V \ ־In )11 ■' ־)!1 gegen 1 ik• V leli-wl ilkVkeit sein, Wie well: 1 in .an tk11׳ K.n: ardi'11 11;11 U' rnf־.; eilen Wüllen, die für ilie iir: ind! m 1 k!־e! ■■ einzelnen d: r hnfn liirti (iebietc■ notig waren.! hi i \i!:! "tuia WC nie der <d< neioni isehc Kampf nicht so 11 et 11g SCI»׳ u ו tc in de;! I >un11nn-n infniL! e den einzii/• artigen Kraft deband;•■,, sowohl (dnaht.iNarbcitcr wie mich Kapital aimizulicn, •Mihtnge «las Vertrauen besteht, daß die Regierung Recht mul (minuiig auf :eehterhält. Auch hier müsse die 1.111 w andern!!;; Vorteile fur die eingeborene Bevölkcrung hiingcn, vorausgesetzt, daß England «he Rulle sichert. Der Augenblick sei einzig für England, der Menschlichkcit einen unendlichen Dienst zu erweisen und zugleich seinen eigenen Interessen zu dienet!. Er hoffe, daß man kein Kompromiß mit den Prinzipien schließen werde, die die englische Tradition lehre, die England seinen Platz als Schrittmacher der Kultur verschafft hat. Kaukjis Proklamation Wie verlautet, sind die arabischen Bauden zum größten Teil noch nicht au f g e I ö st, sondern befinden sich noch, mit Waffen ausgerüstet, in den Hügeln. Die Behörden haben bisher noch keine Schritte unternommen, tun ihre Entwaftnung clureh/uführen. I )er arabische Bandenführer Katikji hat einen Aufruf an die Banden crlusM■!!, in dem er diese unter Hinweis auf die Manifeste der arabischen Könige und des Obersten Komitees an weist, ihre Tätigkeit c i n z u stellen, sieh jedoch ui e 11 t a u f / 11 I ö s e n u n d a 11C h die Waffen nicht 11 i e «I e r z u I e g e n, um im Bedarfsfalle zur Wiediiuuiua’iiue des Kampfes bereit zu sein. Glückwunsch der arabischen Könige Die Könige (1 h a / i und Ihn S a u «1 h.iöc.1 in Erwiderung eines Telegrammen des Obersten Komitees mit der Nachricht über den Abbruch des Streiks, dem Komitee ein Glückw u n t c 11 - T 11 e g t 2 m 111 übermittelt, in dem sie den palästincnsischen Arabern zur Annahme ihrer Vorschläge gratu- Herrn und ihr Versprechen, weiterhin um die Interessen der palä stincnsischen Araber bemüht zu bleiben, erneuern. Das Neueste in Kürze Noch immer Ueberfälle ln der Nähe von Nazareth und auf der Straße nach Dschenin ist ein arabischer Polizist in der Nacht von Sonnabend zum Sonntag erschossen worden. Die Siedlung Sedschera war mehrere Stunden lang einer heftigen Be- Schiebung ausgesetzt. Verluste sind nicht eingetreten. Auf eine Militär-Patrouille in der Nähe der Ncsher- Werke bei Haifa wurden nachts von einer arabischen Bande mehrere Schüsse abgefeuert. Die Patrouille erwiderte das teuer; zwei der Angreifer wurden getötet. Auf die Siedlung Kfar Chassidim wurde nachts mehrfach geschossen. Ein Autobus-Transport wurde auf dem Wege vom Toten Meer nach Jerusalem von den Bewohnern des Dorfes Nazariya mit Steinen bombardiert, wobei einige Passagiere leicht verletzt wurden. Fünf bewaffnete Araber versuchten den Bewohnern eines arabischen Dorfes im Nord-Distrikt Geld zu erpressen; einer von ihnen wurde festgenommen. In der Nähe von Akko kam es nachts zu einem O e - techt zwischen einer bewaffneten Araberbande und Truppen. Die Araber erlitten drei Verluste, während auf seiten des ״Militärs ein Offizier und ein Soldat leicht verwundet wurden. Aut dem Wege zur Klagemauer, wo er seine Gebete verrichten wollte, wurde der Jude Yeliasliua ßorowsky von Arabern mit Steinen bombardiert und leicht verletzt. Auf die Siedlungen Ekron und Kfar Bilu wurde nachts geschossen. Politik und Verwaltung Es verlautet, daß das Jerusalemer Streikkomitee beschlossen hat, einen a 111 i j ii d i s c H e ח Wirtschaftliehen Boykott zu proklamieren, und daß das Komitee sich in ein Boykott-Komitee umwandcln wird. Die Ernennung des Nachfolger! von Meir Dizengotf wird demnächst sfattfindeii, trotz der Einwendungen der Progressiven ()nippen, die verlangen, daß die Wahlen verschoben werden und daß das Bürgermeisteramt von den zwei Vizcbiirgermeisteni abwechselnd ausgefibt werden soll. Als Kandidaten fur den Bürgermeisterposten werden wahrschein־ lieh die Herren Rokach und Mosche Chelouche, der ersfere von! Rechten Block, der letztere von den Progress!־ ven, nominiert werden. Mosche Chelouche wurde seinerzeit auf der sogenannten Dizengaif-Liste in den Stadtrat gewählt, Ben Gtirion und Mosche Schertok wurden von Sir Arthur Wauchope empfangen. Einer Meldung aus arabischer Quelle zufolge haben die Terrorbanden dem Obersten Arabischen Komitee eine Denk- Schrift übersandt, in der sie verlangen, daß die Forderungen nach Einstellung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Bodenverkaiifs an Juden und Einsetzung einer arabischen Nationalregierung erfüllt werden. Andernfalls würden sie den Kampf fortsetzen. Die Regierung hat den Bau eines neuen Flugplatzes, der der größte des Nahen Ostens werden soll, in der Nähe von Ludd in Angriff genommen. Der Bau wird eine Viertel Million Pfund kosten. Für Morstag, den 19. Oktober, wurde die Aufhebung der Einschränkungen im Auslandstelephonverkehr angekündigt. Verschiedenes Die Benutzung des T i b e r i a s - S e e s als Zwitchenlandungssiation für die Flugboote der englischen Luftverkehrsgesellschaften ist im Hinblick auf das religiöse Aergcrn i s, das eine solche Benutzung des Sees erregen konnte, von den Behörden verboten worden. Mit Rücksicht auf die Dürre im Kreise Beer Schewa hat High Comniissioner Sir Arthur Wauehope den dortigen Beduinen rückständige Zehentabgaben in Höhe von 6170 Pfund erlassen. Der High Commissoner besuchte die Kwuzah Jagur bei Haifa, die mit 800 Einwohnern die größte Kwuzah im Lande ist, Auf dem Wege nach Haifa sprach der High Commissioncr beim Bürgermeister von Nablus vor. In Tiberias sind am Donnerstag drei jüdische Kinder infolge der Explosion von Tecrfiissern schwer verwundet worden. Man vermutet, daß die Explosion infolge äbsichtlichcr Brandstiftung erfolgt ist. Die Bauarbeiten für das Hadassah- Universität*- Hospital am Berge Skopus wurden in Angriff genommen. 30 Araber sind aus dem Konzentrationslager in SarafemJ entlassen worden. Um das zionistische Endziel Die Londoner Wochenschrift ״Spectator“ nimmt die bevorstehende Entsendung der Kgl. Kommission zum Anlaß einer Betrachtung über die Möglichkeit der Sicherung dauernden Friedens in Palästina. Sie vertritt die Ansicht, daß das Streben der Juden nach Er- 1 a 11 g u 11 g der Mehrheit einem solchen Frieden hindernd im Wege stelle, und daß es Aufgabe der Kgl. Kommlssion sei, das Endziel der jüdischen Aufbauarbeit unzweldeutig festzulegen. Das Argument, die Araber seien ״besser dran“, weil die Jiklen nach Palästina {gekommen sind, sollte ein fur allemal fallen gelassen werden. Wichtig ist es zunächst, daß der Jude mit seinem intensiven Patriotismus dem Araber einen nicht weniger glühenden Patriotismus zusehreibe. Ein Jude war es, der gesagt hat, der Mensch lebe nicht von Brot allein. Auch die Araber sind Menschen. Das Problem in Palästina sei eher ein nsychologisch es als ein juridisches; der herrschende Antagonismus Ist die Frucht von Befürchtungen auf der einen und Aspirationen auf der anderen Seite. Die Berechtigung der Befürchtungen ist abhängig von dem Ausmaß der Aspirationen: das ist noch nie in offener Sprache von klarer unmißverständlicher Bedeutung gesagt worden. Wenn die Kgl, Kommission eine Defmicrung der Endziele der Juden herbeiführen kann, dann wird sie den ersten Schritt getan haben, um sie in Einklang mit den Ansprüchen der Araber zu bringen. Dies zu erklären, heißt die Möglichkeit einer Versöhnung anzunehmen; cs muß zugegeben werden, daß vieles gegen diese Annahme spricht. Mau kann, wie es auch tatsächlich geschieht, argumentieren, daß im Kriege den Arabern lind den Juden einander widersprechende Zusagen gemacht wurden, und daß der einen Seite nicht Gerechtigkeit widerfahren kann, ohne daß der anderen schweres Unrecht geschieht. Aber cs ist zu spät, um diesen Punkt jetzt zu betonen. Das Mandat, wie cs von den alliierten Mächten 1920 entworfen und in demselben Jahr vom Völkerbund bestätigt wurde, muß der Ausgangspunkt jeder Erörterung innerhalb uml außerhalb der Kgl. Kommission sein. ln «lern Artikel wird sodann festgcsicllt, daß das Mandat die Errichtung eines National heiirts für die Juden in Palästina in spezifischer und endgültiger Weise prokl,amiert. Auf Grund dieser Bestimmungen sei England Maildatarmacht für Palästina geworden und nach diesen Be- Stimmungen sei es für die Verwaltung des Landes verantwörtlich. Die Uehc-rtragung der Treuhänderschaft an eine andere Macht müsse mit Entschiedenheit abgelehnt werden. Die Kgl. Kommission habe nicht die Frage zu beantworten, oh überhaupt, sondern in welcher Weise das Mandat dtirchg•;führt werden kann. Diese Frage Icann nur beantwortet werden, wenn ein ernsthafter Versuch unternonmien wird, die Lage so zu selten, wie die Juden und wie die Araber sie sehen. Der Standpunkt der Juden ist gen ugend klar. Im Juden sind, wie in keinen! sonst auf Erden, Rasse Und Religion eins geworden; die Gefühle, von denen die Juden getrieben werden, die in das Fand ihrer Väter zurückwandern können, und von denen die Einbildungskraft derjenigen, die es nicht können, mit dem Bilde des mit seiner alten Heimat wiedervereinigten jüdischen Volkes erfüllt wird, entspringen den tiefsten Quellen des menschlichen Wesens. Aber je höher der Jude dieses Ideal liebt, um so stärker werden seine Asplratiouen unvereinbar mit den A n * p r ii eben des Arabers. Schult ist unter dem Druck der gegenwärtigen Verhältnisse die jüdische Einwanderung nach Palästina von etwa 12(DO jährlich auf 60(»00 gestiegen. Jüdische Führer sprechen offen von dem Tag, an dem die Juden in Palästina zahlreicher sein werden als die Araber. Diese Aussicht ist mehr als alles andere die. Ursache des Streiks und der Unruhen. Aber man kann cs den Arabern verzeihen, wenn sic fragen, wie sie sonst in wirksamer Weise gegen einen sich rasch verschärfenden Notstand hätten demonstrieren können, Ihre Hoffnungen herüben jetzt auf der Kgl. Kommission, Aber bis zu den Unruhen war von einer Kgl. Kommission keine Rede. Wäre der von der Palästina-Regierung geplante legislative Council verwitklickt worden, סי hätten die Araber sich Gehör verschaffen können. Aber der unversühnlichc Widerstand der Juden gegen das Council-Projekt hat den Plan vereitelt. Zum Schluß wird in dem Artikel darauf hingewiesen, daß für eine Beurteilung der Lage unter a r a - bi sc hem Gesichtspunkt die Erkenntnis notwendig sei, daß die Araber sich von der Gefahr allmählicher Utber- Hutung durch eine wachsende jüdische Einwanderung bedroht sehen, die sie in nicht ferner Zeit zu einer geduldeten Minderheit machen könnte. Es könnte kein Vertrauen weder unter den Arabern Palästinas, noch bei den arabischen Herrschern, die in ihrem Aufruf zur Aufgabe des Streiks ihr Vertrauen auf Englands guten Willen bekunden, zu einem England geben, das so ihre Unterordnung beschließen würde. Die Araber haben während des Streiks die Einstellung der jüdischen Einwanderung bis zum Abschluß des Berichts der Kgl. Kommission verlangt. Das konnte nicht zu^estanden werden, besonders, da es unter Drohung gefordert wurde. Aber die Einwanderung ist der Schlüssel der Lage- Ist es eingestandenermaßen die Politik des Zionismus, das Nationalheim in Palästina zu entwickeln, bis die Araber zahlenmäßig überflügelt, und arabischen Boden zu kaufen, bis die Araber zu landlosen Arbeitern herabgedrückt sind, dann kann man aut keinen Frieden in Palästina hoffen. Friede ist nicht unmöglich, Kluge und weitsichtige Freunde von Juden und Arabern haben Pläne für gemeinsame Beratung und Versöhnung entworfen. Irgendeine Form föderativer Regierung, irgendeine territoriale Verteilung der Bevölkerung, irgendem Hindernis für die Veräußerung arabischen Bodens könnten sieh als gangbare Wege erweisen. Englands arabische Politik ״Arabien erwache“ ist der Titel des Leitaufsatzes in ״Great Brltain and the East“ vom 15. Oktober, ir! dem darauf hingewiesen wird, daß die letzten sechs Monate demonstriert hätten, daß das panarabische Gefühl kein Mythos ist, sondern ein solider und ständig wichtigcr werdender Faktor in der Weilpolitik. Das sei keine Unbedeutende Entwicklung, und sie sei nicht von denen gewünscht, die Palästina nur als einen Vorposten Europas betrachten wollten und vielleicht auch als eine nichtarabische Enklave im östlichen Mittelmeer. Es sei nun klar, daß die Araber von Saudi-Arabien, Jemen, Irak, Transjordanien und Syrien, ganz zu schweigen von den arabisch sprechenden Äegyptern und Einwohnern Nordafrikas entschlossen seien, Palästina als einen Teil Arabiens anzusehen. Man könne ihnen in wissenschaftlicher Beziehung vielleicht lrriümer nachweisen, aber Tatsachen bleiben Tatsachen, auch wenn sie auf wissenschaftlichen Irrtiimern gegründet sind. jetzt und unter diesen Umständen ist eine Bewegung fm Entstehen mit dem Ziel, Palästina dein Britischem Empire als Kronkolonie einznverleiben. Man weiß nicht, welchen Widerhall sie in Palästina hat; sie soll von englischen Juden und Juden aus den Dominien in Tel-Awiw begünstigt werden. Jedenfalls erscheine dieser Vorschlag nicht zeitgemäß und werde wahrscheinlich eine weitere Entfremdung zwischen Araber nund Engländern hervorruten. Wozu wird der Vorschlag gemacht? Er geht wohl von der Voraussetzung aus, daß, wem! Palästina eine Kronkolonie gewesen wäre, der Aufstand der Araber gegen den Zionismus hätte leichter unterdrückt werden können. Dies sei aber nicht der Weg zur Wiederherstellung der arabisch-britischen Freundschaft. Es sei, 80 schließt der Aufsatz, ein Zukunftstraurn, sich Palästina als für die Eingliederung in das Britische Weltreich optierend vorzustellen; es sei sehr schwierig zu versuchen, sieh jene Zukunft der territorialen Vergrößerung des Empires durch Umwandlung eines Mandatsgebiets in eine Kronkolonie vorzusteücn. Zum Abbruch des Streiks bemerkt ״Great Britaln and the East“ (15. Oktober), daß dies bedeute, daß Palästinn aus seiner lokalen Lage herausgenommen und in seinen psycho!0(;i8;heJ1 und geogranhischen Hintergrund eingeordnet worden sei — Arabien. Es bedeute ferner, daß die Araber jetzt England beobachteten, ob Gerechtigkeit, wie sie die Araber auffassen, herrschen soll. Es bedeute also nicht das Ende, sondern den Anfang eines britisch-a r * b i - sehen Kampfes. Sein Ausgang hänge fast völlig vom Börieht der Untersuchungskommission und der Reaktion der engtischen Regierung auf ihn ab. Manche glaubten, daß die bedingungslose Beendigung des Streiks auf eine Demoralisierung der Araber schließen lasse mul da•1 die Oiangenerntc ihre Haltung bestimmt habe. Das Blatt hält diesen Standpunkt für oberflächlich und gefährlieh. Tatsache sei, daß die moralische Kraft der Araber nie größer gewesen sei; sic hätten einen beträchtlichen!nora- 1 i 9 c 11 e 11 \ 11 וו r i e b aus den Erfahrungen der letzten sechs Monate erhalten. Die englische Regierung dürfe keinesfalls den Fehler machen und sagen; ״Gottlob, nun ist der Streik vorüber“, und die Dinge ihren alten Gang wieder gehen zu lassen. Ernste Arbeit in Palästina stehe bevor. Denn die Araber, die von allen Selten Unterstützung erhielten, feetrachten sich keineiwegs als geschlagen. Das Empire dürfe nicht die Schwierigkeiten der Zukunft unterschätzen.

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