Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 84 (20.10.1936)
- Date
- 1936-10-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 84, 20, X. 1936 JÖDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Brief aus Holland Von unserem Berichterstatter Die englischen Mittelmeerkolonien rl. d1״ Haag, 18. Oktober Die Zukunft Maltas 11nd Cyperns Rechtsprechung zu den deutschen Ehegesetzen Es ist an dieser Stelle bereits verschiedentlich über Ent- Scheidungen holländischer Gerichte zur Nürnberger Gesetzgebung berichtet worden (siehe Nr. 50, 55, 66 der ״Jüdischen Rundschau“). Jetzt hat auch das Landgericht Den Haag über die Zulässigkeit einer Mischehe zu entscheiden gehabt. Es handelte sich um die beabsichtigte Eheschließung zwischen einem nach deutscher Rechtsauffassurig nichtarischen Mann holländischer Staatsangehörigkeit und einer arischen Frau deutscher Staatsangehörigkeit. Der Standesbeamte hatte die Vollziehung der Eheschließung verweigert, weil das Ehefähigkcitszeugiiis der zuständigen deutschen Behörde nicht vorlag. Nachdem die Frau sich vergeblich an diese Behörde gewandt hatte, wandten sich die zukünftigen Eheleute an das Gericht. Dieses erklärte die vorliegenden Urkunden für ausreichend. 111 den Gründen wurde angenommen, daß weder die Nürnberger Gesetze noch die Verordnung vom 14. November 1635 auf den vorliegenden Fall aruuwenden wären, erstere nicht, weil hinreichend dargelcgt sei, daß der Bräutigam kein Jude ist, letztere nicht, weil — selbst angenommen, daß dieses Verbot seine gesetzliche Grundlage in den Nürnberger Gesetzen finden würde — die eventuell aus der Ehe hervorgehenden Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen würden und daher eine Gefahr für die Reinheit des deutschen Blutes nicht zu befürchten sei. Einbürgertingspraxis Der Justi/minister teilte gelegentlich der Behandlung eines Gesetzentwurfs, der eine Reihe von Einbürgerungen zum Gegenstände hatte (in Holland erfolgt die Einbürgerung durch Gesetz), mit, daß bei der Beurteilung von Einbürgerungsgestichen unter Berücksichtigung des Standes des holländischen Arbeitsmarktes nicht nur den VerlüLtnLseii auf dem Arbeitsmarkt in dem fraglichen Beruf oder üewerbezweig, sondern auch den Interessen der holländischen Wirtschaft und den persönlichen und Famiiieniriteressen des Antragsleilers Rechnung getragen wird. Ebenso wie beider Erteilung von Arbeitsgenelimigungen für Ausländer werden auch moralische und Familienverhältnisse in Betracht gezogen, wobei die Interessen des Gewerbes mit im Auge beha.ten werden. Weiterhin ist für diese Prüfung die Aufenthaltsdauer des Aus'änders in Holland von Bedeutung. Aut ansprechende Einwendungen erwiderte der Minister, daß das Anliörcn des Ministeriums für Soziale Angelegenheiten keineswegs zu einer nennenswerten Verzögerung führe. Kunst Von Marc C 11 a g a 11 sah man im Kunstsaal d’Audretsch im Haag eine Ausstellung von Radierungen, in denen die für Chagall kennzeichnenden Elemente des Jüdischen und einer volkskunstarligcn Primitivität zum Ausdruck kamen. Die bekannte Keramikerin Lea Fl a Ipern hat bei Kleykamp im Haag die Erzeugnisse ihrer Töpferkunst ausgestellt. Die Mannigfaltigkeit der Form und der Farbe und die technischc Vollendung der Arbeiten sind ein Beweis für den hohen Grad ihrer Kunst. Sie findet damit auch hier überall wohlverdiente Würdigung. Auch die königliche Familie hatte bereits früher Arbeiten von Lea Halpern erworben. Im Musikleben Hollands hat sich Bruno Walter rasch große Beliebtheit erworben. Bei Gelegenheit seines 60, Geburtstages kam dies in der Presse deutlich zum Ausdruck. Zum Zeichen der Würdigung seiner großen Verdienste für das holländische Musikleben wurde er von der Königin rum Grofiotfizier im Orden von Oranje-Kassau ernannt. Bruno Walter kam gestern wieder in Amsterdam an, um die Leitung des Concertgebouw-Orchesters neben Willem Mengelberg zu übernehmen. Carl F losch spielte kürzlich hier, und Arthur Schnabel, der seit Jahren nicht rrrehr in Holland war, wird zu einem Beethoven-Abend erwartet. Die weit über die Grenzen Hollands hinaus bekannte Harfeiisolistiii Rosa Spier wurde bei Gelegenheit des dreißigjährigen Jubiläums ihres ersten Auftretens sehr gefeiert. Große Erfolge konnte der 16jährige jüdische Violinist O s s y R e 11 a r d y erzielen. Er gab sein Debüt in einem Volkskotizcrt im Kurhaus in Scheveningen und mußte dann wiederholt in Solokon/erten in Amsterdam und im Haag auftreten. Die für sein Alter ungewöhnlich ausgeglichene Vereinigung .von großem technischen Können und starker Musikalität kam in dem sorgsam ausgevvählten Programm zu schönster Entfaltung mul sicherte ihm den Beifall der hier an hohe Maßstäbc gewöhnten Kritik. Die B'zzaron-Aktion Die Mifal Bizzaron-Aktion ist hier zur Zeit im Gange. Eingeleitet wurde sie durch die bedeutsame Rede Weizrrianns in Amsterdam, die auch in der Tagespresse große Bcachtung fand. Wie die Vorsitzende der ״Joodsclie Vrouwenvereenigitrg voor Practisch Palästinawerk“ Frau Vrornen-Snapper, in der E’trechter Arbeitstagung aller holländischen Ortsgruppen linier allgemeiner Zustimmung mitteilen konnte, ist der Plan einer besonderen ״Pfundaktion unter den Frauen“ aufgestellt werden, die bereits in vollem Gange ist. Auch die allgemeine Bizzaron-Aktion hat bereits einen Betrag von mehr als 40 000 Gulden ergeben. Unterstützt wird die Kampagne durch die Aufführung des Palästina-Films ״Dies ist das Land“, der hier überall eine warme Aufnahme findet. Die katholische Presse, die den Film eingehend würdigt, vermißt zwar eine überzeugende Verbindung von Neuem und Altem, begrüßt aber im übrigen den Gehalt des Films. Zum Ableben Julius von Gömbös* Von unserem Budapester Korrespondenten Budapest, 17. Oktober Während die Tagespresse nach dem Ableben Gömbös׳ —> wie wir irr unserem letzten ״Budapester Brief“ schon berichteten — nur kurz seiner ״Revision der Anse hauu n g“ in der Jude 41 frage gedachte, beschäftigen sich die jetzt ,nach den Feiertagen erschienenen jüdischen Blätter eingehend mit den Wegen seiner Judenpolitik. Am zusammenfassendsten äußert sich darüber ״Mult es J ö v ö“, das Organ des bekannten Schriftstellers Josef Patai: ״Die Judenhcit betrachtete ihn lange Zeit hindurch als ihren Gegner, besonders nach den ersten Aeußerungen seiner politisehen Karriere, die bekanntlich in den Oppositionsbänken der bewegten Nachkriegszeit begann. Aber auch damals erschien er als offener Gegner, der aus innerer Ueberzeugung und nicht mit versteckten Absichten kämpft. So war cs zu erwarten, daß seine Ueberzeugung slclr nach genügender lnformation in neuer Richtung entwickeln werde. Das geschah auch, besonders als er sich in verantwortungsvoller Stelle Von unserem Berichterstatter London, im Oktober Di« neu« Verfassung Maltas Palästina wird bekanntlich von derselben Abteilung für Mittelmeerfragen im Londoner Colonial Office verwaltet wie Malta und Cypern, die beiden Kronkolonien. Die jüngste Verfassungsreform in Malta verdient daher auch von diesem Standpunkt besondere Beachtung als Beispiel, wie die Londoner Regierung seit Jalirai mit in vielen Fällen ahnlieh gelagerten Problemen herumcxpcriineiiticrt. Es handelt sieh darum, welche Regierungsform für nicht-englische und oft uneinheitlich zusammengesetzte Bevölkerungen vom englischen Standpunkt aus am vorteilhaftesten ist. Im politischen Laboratorium stehen alle Staatsformen von der Autokratie bis zur Demokratie zur Verfügung. Und das Beispiel Maltas zeigt, daß auch eine Entwicklung von der Kronkolonie zimr parlamentarisch regierten Quasi-Dominium nicht unwiderruflieh ist. Die Inspektionsreise des Mariucrninisters Sir Samuel H o a r e hat kürzlich die drei Stützpunkte der englischen Mittelmeermacht in nähere Beziehung gebracht, und es ist bemerkenswert, daß jetzt auch wieder die Diskussion aufgenommen wurde, Palästina in eine Kronkolonie um/uwanddn. Malta hatte seit 1921 Selbstverwaltung in Foim eines aus zwei Kammern bestehenden Parlaments. Lediglieh nicht-lokale, mehr die allgemeinen britischen Interessen betreffende Fragen wie Verteidigung des Mittelmeerweges und Status der englischen Minderheit blieben der Kompetenz des Parlaments entzogen. Italienisch war neben englisch offizielle Landessprache und war auf Kosten des Maltesischen im Schulwesen und in der Rechtspflege absolut vorherrschend, bis es nach dem Bericht einer Untersuchungskommission aus den Volksschulen verdrängt wurde. Als aber nach einen! überwältigenden Wahlsieg die italier,freundliche Partei neue Ansprüche in der Sprachenfrage erhob und zu keinem Kampromiß bereit war, sah sich der Gouverneur vor drei Jahren veranlaßt, diese Verfassung zum zweitenmal kurzerhand zu suspendieren und zunächst aus eigenen Machtvollkommenheiten weiterznregieren. Seitdem nahm die italienische Propaganda an Umfang zu und führte besonders im vergärtgenen Jaiir zu mehreren Zwischenfällen. Infolge der anhaltenden Krise im Mittelmeer ist jetzt die die Seibstrcgierung vorschende Verfassung durch Letters Patent endgültig außer Kraft gesetzt und Kronkolonieregiine, das heißt unumschränkte Alleinherrschaft des Gouverneurs, wiedereingeführt worden. Dem Gouverneur steht lediglich ein beratender Exccutiv-Council zur Seite, der sich aus den obersten Beamten der vier Regierungsdcparternents und mindestens drei vom Gouverneur für drei Jahre zu ernennenden Mitgliedern als prominenten Vertretern der Bevölkerung zusammensetzt. Die Bedeutung des Executiv-Council ist weiter dadurch verringert, daß der Gouverneur in Dringlichkeitsfällen oder wenn er es sonst für ratsam hält, den Council nicht einziihcrufcn braucht. Allerdings rruiß er in solchen Fällen eingehend dorn Colonial Office Bericht erstatten. Eine wichtige Veränderung trat in der seit 50 Jahren umkämpften Sprachen frage ein. Italienisch wurde als offiziehe Sprache vollkommen ausgeschaltet. Dafür wurde das Maltesische, ein dem Hebräischen verwandter semitischer Mischdialekt, von der Regierung entdeckt und neben dem Englischen zur offiziellen Sprache erhoben. Religions- und Gewissensfreiheit wurde ausdrücklich in der Verfassung v«rankert. Bekanntlich lebt auf Malta eine alte jüdische Gemeinde. In typisch englischer Weise wies der Gouverneur Sir Charles Bonham-Carter darauf hin, daß auch die neue Verfassung nur Uebergangscharakter trage. Je mehr die Bevölkerung ihren Kooperationswillen mit der Regierung zum Ausdruck bringe, desto eher würde man eine repräsentativere Verfassung ins Auge fassen. Der Kolonienminister selber aber, der nicht in Malta, sondern im Londoner Parlament sprach, machte die weitere Verfassungsentwicklung iu Malta in erster Linie von der allgemeinen Lage ins Mittelmeer abhängig und gab offen zu, daß an eine Rückkehr zum unabhängigen Zweikammersystem von 1921 nicht zu denken sei. Allerdings stellte auch er eine schrittweise Einfiihrung demokratischer Elemente in die Verfassung in Aussicht. Die Zukunft Cypern■ Die Insel Cvpcrn war, seitdem sie Disraeli im Jahre 1878 auf dein Berliner Kongreß für seine Vcrinittlungstätigkeit dem britischen Weltreich erwarb, von London Stiefmütterlieh behandelt worden. Solange England in Aegypten war, diente das klimatisch herrlich gelegene Cvpern’' zu nichts anderem als zum Erholungsaufenthalt der auf Urlaub gehenden Beamten. Die . englische Flotte kam nicht nach Cypern und nicht einmal die englischen Schiffahrtslinicn liefen die schlechten cypriotischen Häfen an. Selbst die beträchtlichen Kunstmit den Fragen des Judentums befassen mußte. Schon als Honvedminister gab er den jüdischen Soldaten Gelegenheit, ihren religiösen Pflichten innerhalb des Dienstes naehztikornmen. Kauin war er als Ministerpräsident an die Spitze der Regierung getreten, erklärte er angesichts des ganzen Landes: ״Was die Judenfrage anbelangi, erkläre ich offen, daß ich meinen alten Standpunkt revidiert habe.“ Und er sprach von den jüdischen Ffcldcn, ״die tapfer und aufopferungsvoll samt ihren christlichen Kameraden gekämpft haben, goldene und silberne Tapfcrkcitsrnedaillen erlangt, ihre Truppen heldenhaft geführt haben“. Als die Alterspräsidentenscliaft des neu zusammentretenden Parlaments dein greisen Paul Sändor gebührte, war Götnbös es, der d«n damals schon kränkelnden Politiker persönlich ersuchte, das Ehrenamt anuinehmen, um den Schein zu vermeiden, als ob sein Judesein ihn daran gehindert hätte. Während der Regierungsperiode Gömbös’ trat auch der jüdische Landes- Kongreß zusammen, dessen Vorbereitungen Hofrat S. Stern eingehend mit Gömbös besprach, um der jüdischen Konfession eine der Zeit angemessene neue Verfassung zu geben. Als in jüngster Zeit der Antisemitismus an manchen Provinzorten aggressiver auftrat, verfügte Gömbös sofort feiephonisch, daß den Unruhen ein Ende bereitet werde. Dr. A. F. Verteidigungsminister Inskip gegen j udenieindliche Propaganda Der englische Minister für die Koordinierung der Landes- Verteidigung, I n s k i p, wandte sich in einer in Hertfordshire gehaltenen Rede gegen die Judenfeind liehe Propaganda in England. Welches Recht, fragte der Minisfer, hat ein Teil der Ocffcntlichkcit, der sich als fascliistische Kirrperschaft bezeichnet, mit dem Finger auf einen anderen Teil der Bevölkerung zu weisen, der längst bei uns beheimatet ist? schätze, die Cypern seit dem Altertum birgt, wurden vernaeftlässigt. Erst die Mittelmeerkrise des letzten Jahres hat Cypern der Vergessenheit entrissen, und in London wird das Wort Bismarcks auf Disraeli zitiert: ״Der alte Jude, das ist der Mann.“ I>as wichtigste Ergebnis von Sir Samuel Hoares Mittelmeerrcise ist der bevorstehende Ausbau der Insel zum Stützpunkt der englischen Luftflotte im Mittelmeer und vielleicht auch zum allgemeinen Flottenstützpunkt. Cypern liegt in nächster Nachbarschaft Aegyptens und Palästinas, sowie des stark befestigten italienischen Dodekanes. Die geplante Entwicklung wird auch zur Lösung der inneren Probleme Cyperns beitragen. Die Bevölkeruiig ist aus Griechen tmd mohammedanischen Türken gemischt, von denen die griechische Bcvölkerungsmchrhcit die Hoffnung 11 ach Vereinigung mit <lc-m griechischen Festland noch nicht anfgegeben hat. Diese Schwierigkeiten kamen zu einem Höhepunkt, als im Jahre 1931 Unruhen ausbrachen, in deren Verlauf das Regierungsgebäude von der aufrührcrisehen Bevölkerung ange/unclet wurde. Das allerdings zur Mehrheit nominierte Parlament ist von dem Gouverneur nach Hause geschickt worden und ist seitdem nicht mehr zusammengetreten. Die englische Regierung aber beschloß, ihren Kurs zu ändern. I>cr Korrektur von Fehlern und Mißstunden wurde ernste Aufmnksamkeit zugewandt. Mau begann mit der Er- Ziehung. Im vergangenen Jahr wurde zum erstenmal Englisch als Lehrfach in 83 Volksschulen eingeführt, denen inzwischen zwölf weitere gefolgt sind Im kommenden Jahr wird ein Lehrerseminar eröffnet werden, in dem alle zwei Jahre 50 V'olkssclmllehrer ihre Ausbildung erhalten sollen. Außerdem wurden auch zum erstenmal einige höhere städtische Schulen teilweise unter Regierungskontrolle gebracht. Die Bearbeitung der natürlichen Bodenschätze des Landes hat Fortschritte gemacht und beschäftigt jetzt über 13(MH) Personen. Die Konzession der Lrz- und Goldgruben ist im wesentlichen in den I landen einer amerikanischen Die Regierung Kt aber jetzt selber w i r t s c h a f 11 i c h e n H aiiptprnagrarische Verschuldung und Wasser« ist vorgeselien, daß bis Ende nächsten sämtlicher Bauern schulden iese dann von der Regiewesentlichen Gesellschaft vereinigt, daran gegangen, die h 1 e rn e des Landes, mangel, zu beheben. L Jahres die Arbeiten zur I rmitth.mj. abgeschlossen sein werden, damit rung direkt oder durch die l.andwirtschaftsbank übernommen werden können. Um eine ähnliche Verschuldung in Zukunft zu verhindern, wird das I lypothekenreeht umgewandelt und den Bauern die Beschaffung kurz-, mittel- und langfristiger Kredite durch Kooperativgenossenschnften ermöglicht werden, hon mehrere Regierungen Versuchsbolmmgen und ׳1111!-gegeben worden, jedoch hat man eingesehen, daß die größten Aussichten ans dein Colonial Develop- I )as VI' a s s e r p r o b I (׳ m hat beschäftigt. Große Summen sind Konstruktion von Reservoiren at ohne großen Erfolg. Erst jetzt die unterirdischen Wassorqucllen bieten. Das Colonial Office hat ans dein Colonial ment Fund eine Summe von 10(KM) Pfund zur Feststellung der vorhandenen Wassei quellen durch geologische Unter- Stichlingen und artesische Bohrungen zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis dieser Untersuchungen soll als Unterlage für zukünftige öffentliche und private Investitionen in der Wasser- Wirtschaft dienen. Die ״Times“ hob in einem kürzlichen Bericht die segensreiche Wirkung zweier von palästinensischen Juden betriehenen Musterwirtschaften aut Cypern hervor. In der Nähe von Limassol könne der cypiriotischc Bauer ein Zitrusfeld von 1000 acres sehen, das nach neuesten Methoden hewirtschaftet und bewässert wirrt, und wenn es sich weiter atisdehnen wird, einen wertvollen Beitrag zum Fruchtexport der Insel liefern werde. Die zweite jüdische Farm in Kouklia bei Famagttsia sei beispielgebend für die Verbesserung der Milchwirtschaft. Ein großes Hindernis in der Entwicklung der Insel ist die hygienische Lage. Malaria ist sehr verbreitet und umfaßt noch 65 ־״! aller ansteckenden Krankheiten. Samtliehe jüdischen Vorarbeiter und Spezialisten in den Fassouri- Pflanzungen bei l.imassol waren von ihr betroffen. Auf Vcranlassung des cypriotischen Gesundheitsamts hat die Inter• nationale Ciesundheitsabteihmg der Rockefellcr-Stiftung eine Untersuchung vorgenommen, auf Grund deren im nächsten lahr mit Unterstützung der Rockcfeiler-Stiftmig die planmäßige Bekämpfung der Krankheit begonnen werden soll. Gleichzeitig hat die ״National Association for 111 e Prevention of Tuberculosis“ Dr. B a r d s w e 1 1. eitlen der hervorragendsten englischen Autoritäten auf diesem Gebiet, mit einer Unter• suchung der Tuberkulose beauftragt. Schließlich hat sich auch die ״Ncar East Foundation“ des Carnegie-Trusts an der Entwicklung der Insel beteiligt. I >io Stiftung hat 3(*00 Pfund für die Propagierung landwirtschafl* lieber Ausbildung in 20 Dörfern nach dem Vorbild des jm Irak diirchgeführtcn [,laues bewilligt. Ein Teil des Gehles wurde für die Ausbildung eines englischen Beamten bestimmt, der diese Arbeit in Zukunft fortfuhren soll. Julius K o i I e n s c h er• Die ungarländische Orthodoxie hat ihre führende Persönlichkeit verloren. R. Abraham F r a tr k 1, der Lhrenvorsitzende der orthodoxen Landesorganisation, ist in seinem 78. Lebensjahre nach kurzer, schwerer Krankheit verschieden. Der Verstorbene, der aus der Umgebung seines großen Lchrers, J. A. Landesberg in Grolkvardcin, und aus der Rabbinatssciiiile in Preß bürg die besten Traditionen mitbrachte, kam in jungen Jahren nach Budapest, wo er sich — fern von Tagesfragen — ganz dem Thorastudium und Werken der Wohltätigkeit widmen konnte. 1905 wurde er einstimmig von den Genieinden Groß - Ungarns zum Vorsitzenden der orthodoxen l.andeskarizlei gewählt und hat das schwierige Amt mit vollendeter Klugheit und Geschicklichkcit zur vollen Zufriedenheit aller Gruppen durch dreißig Jahre verwaltet. Als die ungarische Orthodoxie einen rabbinischcn Vertreter ins neuorganisierte Oberhaus schicken sollte, fiel die^ Wahl auf Adolf Frankl, weshalb die Budapester orthodoxe Gemeinde ihn zu ihrem Rabbiner wählte. (I)cr Vertreter der Theologie wurde Oberrabbiner Itirnianel L ö w, S/egcd.) Frankl war eine weise abgeklärte Persönlichkeit, in der sich weltliches Wissen (er beherrschte mehrere moderne Sprachen) mit cchtjinlRcher Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, sowie edler Menschlichkeit vereinigten. In der Vorkriegszeit war er mit vielen bedeutenden Männern des In- und Auslandes persönlich befreundet und unerschöpflich schien seilt Anekdotenschatz, der leider nicht zur Niederschrift gelangte. Mehr als vierzig Jahre hindurch trug er den Ehrentitel; ״Nassi“ des Heiligen Landes, an dein er mit allen Fasern seines Herzens hing und das er gegen Kritik und Angriffe mit verständnisvoller l iebe verteidigte. Seinen Schwiegersohn, den Mann seiner einzigen, künstlerisch hochbegabten TocFiter, Samuel Kahan-Frankl, seinen Nachfolger im Präsidium der Latideskanzlei, schickte er nach Amtsantritt vor allem nach Palästina, um Land und Lage zu studieren. Dr. A. F. (Budapest).