Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-10-16 · Heft 83 (16.10.1936) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 83 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653999--29667-2691205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jüdische Rundschau Nr. 83, 16. X. 1936 4V 41t■ #P 1!)>11 Ä! Ist*,* י r M ' ►1׳ יוו ׳#־ V!־ *1> 11 ׳ ••f jf|. i» '% t* J t י" fe ' |?V וי f. v Jl # ו,׳י 9 - m% wmוןיו,;;: Seife 12 Erfolg der Selbstbeherrschung Englische Pressestimmen Zum Streik-Ende Geber die Beendung des Araberstreiks stellt der Jerusaferner Berichterstatter des ״Daily Express“ folgende Be- Pachtung an: Wer Hat nach diesem erbittert ausgetragenen Kampf gesiegt? Hat die Regierung die Araber gezwungen, nach/ugehen und ihre Forderungen nach Einstellung der jüdi• sehen Einwanderung und des Verkaufs arabischen Bodens sowie nach Unabhängigkeit in gewissem Umfang fallen zu lassen? Oder haben die Araber die Ueberzeugung, daß sie gesiegt haben? Die Araber erklären offen, sie hätten gewonnen und rühmen sich, daß dem Löwen der Schweif gestutzt wurde. Es ist das Einschreiten der arabischen Könige, das dieser Erklärung zugrunde liegt. England, so sagen sie, wird in Zukunft mit einem tatsächlichen Bund der arabischen Länder in allen Palästinafragen zu tun haben. Jahrelang haben die palästinensischen Araber darauf gedrttnget1; daß König Gasi, König Ibn Saud und andere den Finger in den palästinensischen Fischkessel stecken. Jetzt ist es ihnen gelungen. Unabhängige Beobachter hier scheinen geneigt zu sein, dieser Ansicht zu zustimmen und erklären, daß der Abbruch des Streiks ein hinterrücks geführter Schlag gegen das englische [’rostige im Nahen und Mittleren Osten sei. Der Sonderberichterstatter der ״Daily Mail“ meldet: Nach jüdischer Ansicht wurde der Streik wegen der Furcht der Araber vor dem Kriegs recht abgebrochen. Von den Arabern wird dies entschieden in Abrede gestellt. Sicher scheint zu sein, daß ihre Ratgeber außerhalb Palästinas es als wiinsehenswert bezeichnet haben, das Eintreffen der Kgl. Kommission zu erleichtern, nachdem die Araber Palästinas die Augen der Welt auf ihre Sache gelenkt und ihre Widerstandskraft bewiesen hätten. Die größte Schwierigkeit, vor die die Führer jetzt gestellt sind, wird es sein, den Geist des Hasses zu zügeln und das Freibetitertum im Gebirge und auf dem I amte niederzuschlagen. Die vollständige Zerstreuung der Bande wird einige Zelt erfordern. Die ..Morn i n g Rost“ warnt anläßlich der bevorstehenden Entsendung der Kg!. Kommission nach Palästina die Regierung da wir, den Bericht dieser Kommission wie diejenigen ihrer Vorgängerinnen ad acta zu legen. Sie weist auf den Aufruf der arabischen Herrscher hin, in dem empfohlen wird, auf den guten Willen der englischen Regierung zu vertrauen, die bereits erklärt habe, cs werde gerecht vorgegangen werden. Man muß damit rechnen, schreibt das Blatt, daß bei den Arabern die Neigung bestellt, ״Gerechtigkeit“ als gleichbedeutend mit einer vollen Bewilligung aller ihrer Forcierungen zu interpretieren. Fs ist offensichtlich, daß eine von vornherein gegebene Zustimmung zu einer solchen l>cutung die ge«amte raison d’etre der Kgl. Kommission aufbeben und das Versprechen der Mandatarmacht zunichte machen würde, daß ein gerechtes Gleichgewicht zwischen den rivalisierenden Gemeinschaften aufrechterlialten werden soll. ״Gerechtigkeit“ schließt jedoch sicherlich ein, daB die Sache der Araber weit mehr wohlwollendes Verständnis finden soll, als ihr in d«r Vergangenheit zufeil wurde, ein Verständnis, das durch Wort oder Geist des Mandats keineswegs ausgeschlossen ist. Es ist an der Zeit, offen anzuerkennen, daß die bisher von der Mandatartnacht befolgte Politik niemals zu dauerndem Frieden in Palästina führen wird und daß sie im Licht ihrer Ergebnisse wesentlichen Aendmingen zu unterziehen wäre. ״E v e n i n g Standard“ spricht von ״gefährlicher Unklarheit“ der Balfour-Deklaration und verlangt E i n s t e 11 u n g der Einwanderung von jetzt an. Dies sei nicht nur für die Zeit, in der über den Streit geurteilt wird, eine logische Notwendigkeit, sondern auch einer der wesentlichen ersten Schritte bei Erfüllung der Aufgabe Englands, künftige Unruhen zu verhüten. Einen andauernden Zustrom jiidisener Siedler zuzulassen und gleichzeitig den Arabern Gercchtigkcit zu versprechen, könne nur neue Zweifel an der Aufrichtigkeit Englands erwecken. ״N e w s Chronic! e“ betont die Ehrenpflicht der englischen Regierung, eine Lösung zu finden, die Arabern und Juden in gleicher Weise gerecht wird. Indien und Palästina Im Anschluß an eine Aeulierung Lord Winterfons, daß im Vergleich zu Indien zu viele Truppen sich in Palästina befanden, schreibt Mr. S. V c s e y - F i t z Gerat d, Dozent für indisches und palästinensisches Recht an der Schule für orit'11talisrlie Studien in London, in einem Brief an die ״Times“ ((>. 10.j, daß es große Gebiete in Indien gäbe, die seit Jahrzehnten keine militärische Besatzung hatten und daß in diesen Distrikten die religiösen Spannungen stets ein Unruheherd gewesen seien, ohne daß es je zu größeren Ausbrüchen gekommen sei, abgesehen von kleinen Zwischenfällen, die nicht mit den Ereignissen in Palästina zu vergleichen wären. Den Grund dafür sieht der Schreiber darin, daß in Indien jedermann Vertrauen in die Zukunft des Britisehen Reiches habe. In Palästina werde jetzt in großem Maßstabe ein Experiment angf-tcllt, wie es niemals in Indien versucht wurde: nämlich es werde das bestehende religiöse Gleichgewicht durch die große Ein Wanderung pur allem auch derer, die nicht aus religiösen, sondern nationalen Gründen einwandern) gestört. Solch ein Experiment muß gefährlich sein; aber es sei kein Grund, weshalb es unnötig gefährlich gemacht werden solle durch die Ungewißheit über die Zukunft. Die Araber hätten die Furcht, daß die Engländer sich von Palästina zuriick/ichni, sobald die Juden stark genug eworden seien, -ich allein zu behaupten; und diese Furcht önne nur beseitigt werden durch die Klarstellung, daß Eng- I a n d für i m um in Palästina zu bleiben beabsichtige. Solange es Zionisten und Moslems gestattet sei, als rivalisierende' Parteien aufzutreten, müssen sic notwendigerweise Gegner sein. Es darf nur ein König in Palästina sein, Eduard VIII., in dessen Reich Palästina zum Nutzen aller Beteiligten sogleich eingeordnet werden sollte. Da« Ende der Konjunktur Der Londoner ״Econoniist" vom 10. Oktober schreibt, daß man bei einer Zusammenstellung der Verluste, die Palästina während des Streiks erlitten habe, berücksichtigen müsse, daß eine große Wirtschaftskrise bereits im April vorhanden war, nachdem die Konjunktur im Herbst 1935 abrupt beendet worden war. Das Blatt weist in einer Statistik darauf hin, daß der Export Palästinas, der von Januar bis März 1936 noch 2 044 764 Pfund betrug, in der Zeit von April bis Juni auf 218 862 Pfund sank, während der Export in der gleichen Zeitspanne des Jahres 1935 mehr als dreimal so groß war. Am unangenehmsten hat sich der Ausfall der Kapitalistcnfinw■anderung und des Touristenverkehrs sowie auch die Steigerung der Lebenskosten bemerkbar gemacht. Die Bautätigkeit ist nicht nur infolge der gerincren Einwanderung, sondern auch infolge der Schwierigeit, Materialien bin dem Streik heranzuschaffen, stark eingeschränkt worden. ____ Die Haavara teilt mit, daß ihre Büros ab 13. Oktober in der Allenhystr. 56 sind. Die Postadresse bleibt wie bisher P. O. B. 616. Die neue Telephonnummer ist 4233. Sprechstunden für das Publikum unverändert Sonntags bis Donnerstags von 9 bis 12 Uhr, Jf. Lufban schreibt in der Wochenschrift ״Hapocl Hazair“: Die Vermeidung der Einwanderungssperre ist in erster Linie der verantwortlichen Haltung des jischuw zu verdanken. Viele haben diese Haltung verspottet, und in der jüdischen Presse des Auslandes hat man sich gar ihrer ,,geschämt“, aber sie ist höchst ehrenvoll rehabilitiert worden. Wenn wir einmal später die Geschichte dieser Epoche schreiben werden, werden wir uns selbst über die jetzt offenbarte Scelenstärke des Jischuw wundem, über die beinahe spontane Erscheinung jener inneren Disziplin, die jeder Verlockung zur Reaktion auf die schlimmsten Taten widerstand. Heute ist uns noch nicht klar bewußt, was wir durch eine andere Haltung verloren haben würden. Es ist heute noch nicht die Stunde, Bilanz zu machen, aber eines ist sicher: Die Tatsachen, daß wir unerschütterlich feststanden, daß keine Siedlung aufgegeben wurde, daß der Verkehr nicht unterbrochen wurde, daß die Aufbauarbeit fortgesetzt wurde, sie alle bildeten eine Demonstration von großer Eindruckskraft. — Wir haben unter uns Sachverständige für die Psychologie der Araber, die uns schon oft weismachen wolllen, daß eine solche abgewogene, verantwortungsvolle Haitung auf die Araber den Eindruck von Schwäche macht. Wenn dem selbst so wäre, so hätten wir nicht das Recht, uns den Begriffen anzupassen, die die Söhne der Wüste von Heldenmut und Furcht entwickelt haben. Wenn die Ablehnung der Blutrache und tter Bestrafung Unschuldiger für die Sünden anderer von jemandem als Furchtsamkeit ausgelegt wird, so wollen wir diese Bezeichnung in Ehren und mit Stolz tragen. Maß für Maß ist nicht immer der rechte Weg. Zudem aber mag all diese Psychologie verfehlt sein, und es ist viel eher Antrag für die neue Schedule überreicht Die Jewish Agency for Palestine hat nunmehr der Reglerung ihre Anträge für die neue Einwanderung»- schedule des Halbjahres Oktober 1936—März 1937 überreicht. Es wurden von der Jewish Agency ungefähr 10 000 Zertifik ate angefordert. Die Anforderung soll bei der Regierung wohlwollende Berücksichtigung finden, da sie auch ihrer Ansicht nach durch die Wirtschaftslage gerechtfertigt ist. Wie die JTA, erfahren haben will, soll die Palästinaregierung sich bereit erklärt haben, eine Einwanderung»- schedule von 8000 Zertifikaten zu bewilligen, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Einwanderer noch im Laufe des Monats November nach Palästina kommen. Die Jewish Agency soll diese Bedingung als unerfüllbar abgelehnt haben. (Die Verantwortung für diese etwas unwahrscheinlich klingende Nachricht müssen wir der JTA. überlassen. — Red.) Nofstandsarbeiten Die LJnruhen haben der Exekutive der Jewish Agency eine Reihe besonderer Ausgaben auferlegt, die eine sofortige Befriedigung verlangen. Die Exekutive hat schon bisher für diese besonderen Erfordernisse £ 55 000 ausgeben müssen. Dieses Notstandsprogramm enthält eine Summe von £ 8000, die für Wacht dienst und Vert c i d i g u n g ausgegeben wurden. £ 2800 wurden für den Bau von S i c h e r 11 e i t s g c b ä 11 d e 11 ausgegeben, davon mehrere in den neuen Siedlungen i*1 der Scharon-Ebene, die bisher noch keinerlei Gebäude hatten, die für Vertcidigungszwecke benutzt Werder! können. £ 2500 wurden 111 den Bau von Straßen investiert, die Sicherhcitszweckcn dienen und zu den Siedlungen im Emck Jesreel, im Emek Chefer und in der Scharon-Ebene führen. £ 2500 beträgt die erste Zahlung, die die Exekutive für die Errichtung der Tel- Awiwer Mole gezahlt hat. Ein Betrag von £ 19 000 war für politische und Informationstätigkeit erforderlich. Der Garantie-Fonds, aus dem industrielle und kaufmännische Unternehmungen Kredite erhielten, soweit sie durch die Unruhen getroffen worden sind, wurde mit £ 6750 bedacht. £ 4000 wurden für die Unterbringung von tausenden neuen jüdischen Arbeitern in Landwirtschaff, Hafen und Schiffahrt und in Regierungsdiensten auf gewendet. Eine Summe von £8000 wurde für die Bereitstellung von Wolingelegenheiten für jüdische Arbeiter ii Kolonien, im Eisenbahn- und Hafendienst bercitgcstellt. Alle diese Beträge wurden auf Rechnung der Kampagne des Mifal Bizzaron ausgelegt und stellen nur einen Bruchteil des Programms für Verteidigung, Sicherheit und Konso'i .liening dar, das von der Jewish Agency aufgcstcllt worden ist. (Palcor.) Baubewegung zurückgegangen Jerusalem, 12. Oktober. (JTA.) Das Statistische Regierungsamt veröffentlicht Ziffern über die im ersten Halbjahr 1936 erteilten Bauerlaub 11 issc für Neubauten. Sie sind gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 36 °'o gesunken. Am stärksten war der Rückgang in Jaffa, wo im ersten Halbjahr 1036 Erlaubnisse für 54 436 qm Bodenfläche gegenüber 132 067 qm Bodenfläche in der gleichen Zeit des Vorjahres erteilt worden sind. In T e I ־ A w i w sanken die Bauerlaubnisse von 237 023 qm auf 139 126 qm, in Haifa von 204 417 auf 134091 qm. Gestiegen sind in Jerusalcm die für Bauten erteilten Erlaubnisse von 70 910 qm Grundfläche auf 00<793 qm. Im Juli trat besonders in Haifa, aber auch in Tel-Awiw eine geringe Belebung ein, die die Ziffern des Monats Juni übersteigt. Die Zahl der Bauerlaubnisse gibt an sich noch kein genaues Bild von der tatsächliehen Bautätigkeit, da der Eigentümer, dem die Batierlaubnis erteilt wrird, noch nicht sogleich mit dem Bau zu beginnen braucht Luftlinie Brindisi - Haifa Ein italienisches Wasserflugzeug, das im Haifa« Hafen eintraf, hatte den ersten Probeflug auf der neuen Luftlinie Brindisi —Haifa über Athen und Rhodos durehgefiihrt. Die offizielle Eröffnung der Linie erfolgt im April 1937; ein regelmäßiger Dienst dreimal wöchentlich wird in Aussicht genommen. Die hierbei benützten Flugzeuge fassen 18 Passagiere und werden die Strecke in elf Stunden zurücklcgen. Ausbau des Tel-Awiwer Bahnhofs Infolge des überaus starken Anwachsens des Verkehrs am Te1-Awiwer Bahnhof, das auf die Schließung des Hafens von Jaffa zurückzuführen ist, ist die Erweiterung des Bahnhofs in Angriff genommen worden. Es wird beabsichtigt, neue Warenschuppen zu errichten, die 10000 Piund kosten werden. Zwischen Rumänien und Palästina wurde ein Handelsabkommen geschlossen, das eine Einfuhrquote von Zitrusfrüchten aus Palästina im Werte von 150 000 Pfund für die Saison 4936/37 vorsieht. anzunehmen, daß unsere Selbstdisziplin für die Araber eine sehr unangenehme Ucberraschung war, wie sie es auch sicher für manche Engländer war, die es vorgezogen hätten, den Schiedsrichter zwischen zwei streitenden Parteien zu spielen. Es ist wohl im Gegensatz zur Meinung unserer Psychologen sicher, daß es die Araber in Verzweiflung treiben muß, wenn sie sehen, daß wir von allem, was sie tun, ganz unberührt bleiben. Die jungen Menschen, die weiter die Lastwagen auf der Chaussee Jerusaiem-Tel-Awhv führen, die Chauffeure, die sich für den Fall eines Unglücks gleich ihren Ersatzmann mitnelimen, sie müssen auf die Araber einen größeren Eindruck machen, als Schüsse und Bomben aus dem Hinterhalt es könnten. Wir Juden scheuen Menschenopfer, aber die arabischen Führer riskieren leicht das Leben einiger Fellachen mehr, wenn sie dadurch als Angegriffene dastehen könnten. Daß ihnen diese Provokation nicht gelang, hat ihr politisches Kalkül gestört und es ihnen erschwert, einett ehrenvollen Ausweg aus dieser schwierigen Lage zu finden. Jetzt weiß die ganze Welt, auf welcher Seite die größere sittliche Kraft war. Immer wieder betonte die englische, die europäische und die amerikanische Presse die großartige Haltung des Jischuw. Wenn der erste Akt der furchtbaren Ercignisse günstig für uns auszugehen scheint, so ist es nur dem zu danken. Und auch auf den zweiten schweren Teil der Vorgänge dürfte unser Verhalten eine Wirkung ausüben, wenn wir künftigen Leiden und Versuchungen mit demselben überlegten Verantwortungsgefühl gegenübertreten wie den ersten. Die instinktive Reaktion müssen wir ausschalten zugunsten der politischen Einsicht und der sittliehen Erkenntnis. Juden und britische Soldaten Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: In letzter Zeit setzten systematische Bemühungen ein, die Fremdheit zwischen dem britischen Soldaten oder Polizisten und dem palästinensischen Juden zu Überbrückern. In dieser Richtung will auch das nachstehende Eingesandt im ״Dawar“ wirken, das auf verschiedene vermeidbare Ursachen der Fremdheit und Spannung hinweist: Wir sind doch sicher «len britischen Soldaten dankbar und verstehen ihre schwere Lage. Aber da die meisten Juden hier nicht englisch verstehen, fehlt jeder lebendige Zusammenhang, und die Soldaten können unsere Beziehung zu ihnen nur nach unserem allgemeinen Verhalten beurteilen, und gerade in diesem sündigen wir durch Nachlässigkeit. So sind die britisehen Soldaten gewöhnt, jedes Cafe mit einem vernehmlichen Gruß zu betreten. Dieser Gruß bleibt in der Regel ohne Antwort, ja die anwesenden Gäste zeigen häufig Unbehagen, als ob die Fremden sic stören. Solch unbeabsichtigtes und unbedachtes Verhalten muß die Soldaten ärgern und erbittern, denn sie können uns schließlich nicht ins Herz sehen. — Der Soldat ist in tinsern Städten fremd, kennt nicht die Straßen und kann auch die Aufschriften nicht lesen, und so hält er Passanten an und fragt sie — natürlich auf englisch nach dem Wege. In den meisten Fällen wird der Angcredete ihn nicht verstehen, aber bei gutem Willen kann man ihm trotzdem helfen. Man kann leicht einen anderen Menschen ausfindig machen, der englisch versteht, und wenn auch das mißlingen sollte, kann man wenigstens durch ein höfliches, bedauerndes Läche|n seinem guten Willen Ausdruck geben. Statt dessen winkt der Befragte sofort ab, als wollte er sein Erstaunen darüber ausdrückeh, daß inan es wagt, ihn aus seiner Ruhe aufzustören, und setzt seinen Weg mit böser Miene fort. Der Soldat aber bleibt erbittert zurück. — Vor kurzem begegnete ich einem Soldaten, der eine falsche Auskunft bekommen hatte, und daher nicht mit der richtigen Autobuslinie gefahren war. Er erzählte mir, er habe viele Leute gefragt, aber sie seien alle ״so beschäftigt“ gewesen. Das mag wohl seine Richtigkeit haben. Aber wäre es nicht doch wichtig genug, sich für einen kleinen Augenblick freizumachen, um einem Soldaten eine genaue Auskunft zu geben? Wir luden sind doch häufig in Ländern, deren Sprache uns fremd ist, unsere eigenen Erfahrungen könnten uns eine Richtschnur sein. Man soll solche Dinge nicht gering achten! Es ist eine elementare menschliche Pflicht, Fremden freundlieh zu begegnen und ihnen zu helfen. Antijildische Hetze im Irak Aus dem Irak wird berichtet, daß die antijüdische Hetze dort im Wachsen begriffen ist. Aut das Gebäude des Jüdischen Klubs in Bagdad wurde eine Bombe ge« schleudert, die beträchtlichen materiellen Schaden anrichtete. Am 23. Oktober wurde der 30jährige Yelukel Kadif itn jüdischen Viertel von Bagdad tödlich verwundet, als es infolge der fortgesetzten antijüdischen Hetze im Irak zu Ausschreitungen kam. Zwei der Täter wurden ver* hattet. Aus Bagdad erfährt die ״Times“ vom 10. Oktober, daß vom Oberrabbiner Bagdads im Namen der jüdischen Gemeinschaft des Irak eine Erklärung zur Situation in Palästina erlassen worden ist. Der Rabbiner erklärt, daß die irakischen Juden keine irgendwie geartete Verbindung mit der zionistischen Bewegung haben, weder innerhalb noch außerhalb Palästinas, lind er fügt hinzu: ״Die Juden des Irak sind Iraken mit Leib und Seele und haben dieselben nationalen Empfindungen, Freuden und Sorgen wie ihre irakischen Brüder.“ Der Berichterstattcr fügt hinzu, daß diese Erklärung von arabischen Politikern mit großer Befriedigung aufgenommen worden ist, weil sie die Ansicht gewisser Kreise widerlegt, daß die Juden des Irak praktische Sympathien für die Zionisten bewiesen hätten. Siedlung in Uganda? ln der ״Times“ vom 10. Oktober macht Lord Lamington in einer Zuschrift einen Friedcnsvorschlag für Palästina. Er fragt unter Bezugnahme auf eine Stelle in dem neuen Buche von Lord Melchett ״Thy Neighbour“, in der über das Uganda-Projekt berichtet wird, warum man nicht diesen Plan wieder aufnehmen solle? Es sei in Uganda viel Platz für die fünf Millionen Juden, von denen Melchett glaubt, daß sie nach Palästina gehen können. Mit der Er« riclitung dieses jüdischen Staates könnte dann das Nationalheim in Palästina eigens für die Bewahrung der jüdischen Religion und Traditionen und für die Pflege des Hebräischen arbeiten, kurz, es würde das Weltzentrum der hebräischen Kultur unter dem Schulze der Mandatarmacht sein. Man müßte die Zionisten hierzu aufrufen, und es würde eine bessere Siedlung sein, als wenn man den gegenwärtigen Streit fortsetzen wollte, der, wenn nicht Juden und Araber zu einer Verständigung kommen, dem Zionismus nur Schaden bringen kann und für das Empire eine Gefahrenquelle ist, _ Auf der Straße von Jerusalem nach Tel-Awiw stürzte ein Militär-Lastauto um, wobei 6 britische Soldaten verletzt wurden. Jüdische Wächter aus dem Arza-Sanatorium leistete» erste Hule. ׳* i 6 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.