Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 83 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit® 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 83, 16. X. 1936 Polen und die jüdische Emigration Eine Erklärung des polnischen Außenministeriums Das polnische Außenministerium veröffentlicht soeben ein Communioue über die Haltung tlcr polni- «eher! Delegation beim Völkerbund bei Behandlung der E m ig r a t i o!1 s f r a g e. Es heißt darin: ״Jüdische Emigration ist ein internationale* Problem, das durch Zusammenarbeit mehrerer ausländischer Ökonomischer und finanzieller Faktoren gelöst werden muß; die Juden selbst müssen hierin eine widitige Rolle spielen. Das nächste Jahr muß eine Intensivierung der bereits begonnenen Nachforschungen über die Möglichkeiten der Kolonisierung von Juden außerhalb Palästinas bringen, da Palästina allein nicht die Emigrationsbedürfnisse der polnischen Juden befriedigen kann. Diese Untersuchtingen müssen sich nach zwei Richtungen hin bewegen: 1• Es müssen neue Gebiete fiir jüdische Kolonisation im Gleichklang mit den Bestrebungen der jüdischen Territoria listen ausfindig gemacht werden; 2. finanzielle Mittel fiir Emigration und Ansiediung In anderen Ländern müssen sichergestellt werden. Diese finanziellen Mittel kann Polen, das bis fetzt mit großen Schwierigkeiten die bisherige jüdische Auswanderung nach Palästina gedeckt hat (offenbar wird mit dieser Bemerkting darauf angespielt, daß Polen den nach Palästina auswandernden Juden die teilweise Mitnahme ihrer Vermögen gestattet hat - - Red.), nicht beschaffen; vielmehr müssen ausländische Finanz leute, hauptsächlich jüdische, die erforderlichen Kapitalien aufbringen, um die jüdische Auswanderung aus Polen zu fördern. Sie würden dabei im wohl!■׳erstandenen eigenen wirtschaftlichen Interesse der armen jüdischen Bevölkerung handeln, die in dem überbevölkerten und kapitnlarmen Polen erstickt.“ Aus gut informierter L>ucl!e in Genf wird mitgeteift, daß die p»lui.'ciu- Delegation auf der V d 1 k e r 11 ti n <1 s v c r - sammln 11g einen Plan aufgestellt hat, wonach uubeschadet der jmlimhca I'ulastiija-Kolomsatiun ein großes K 0 1 11 11 i י׳ ,! t i 1!!1 - w e r k a 11 I der I 11 s e I C v p e r 11 inauguriert werden soll, und /war m einem Umfange, daß 200(XX) Jude 11 ans Polen uinl anderen osteuropäischen Ländern auf Gypeni k1׳lou!sier1 werden. Verteidigung des polnischen Standpunktes ln einem Artikel, der in der ״P 0 1 s k a Sbrojna“ erschienen isi, einem Blatte, das als Sprachrohr des polniseilen ( u ine ,dwoimw R v d / - S 111 1 g I y gilt, wird an die Juden Polens, nmbeomdere an die jüdische Presse, der Appell gerichut, ׳em/iiseheii, daß die Ponlentng der poliii'-ehmi Regderimg nach einer internationalen Akt i o n / 11 g!1 11 s 1 e n 11 e r S c ii a f f u n g v o n A u s w a n ־ d e r 11 11 g s 111 ö g 1 1 e 11 k c 11 e n f 11 r die j 11 d e n IJ o lens berechtigt sei. In dem Artikel, der auch im polnischen Rundfunk wiedcrgegebcu wurde, wird erklärt, es gebe zu viele Juden in Polen. Dieser Uebersehuß hänge am Halse Polens wie ein Mühlstein und beeinflusse in Verhängnisvoller Weise die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Fs sei einfach unmöglich, ein starkes, also wirtschaftlich gesund gegliedertes!,ölen zu schaffen. Wenn das Problem der jüdischen Auswanderung eines der brennendsten des Tages geworden sei. so sei dies nicht auf irgendwelche antis eniitische Grunde /unickziifuhren, sondern die Folge der 11 n g e s 11 n d e ח W i r t s c 11 a f t s s t r u k t u r der j ii - d i s c h e n Bevölkerung und der gegenwärtig unter den polnischen Bauern herrschenden Krise. Es wird sodann aut die jüngsten Erklärungen J a b o t i ti s k v s hingewiesen. Jabotinsky, so wird in dem Artikel ausgei’ührt, hat offen erklärt, daß 11 :■ Millionen Juden aus!-,ölen auswaudern müßten. Auch Dr. Tartakower hat auf dem Indischen Weltkongreß die Tatsache fest gestellt, daß die Juden aus ihren Wirtscli.'iftspo-itioneit nicht nur infolge antisemitischer Propaganda, sondern infolge der W'irfseh,tftsverhalt1us.se ihres Landes verdrängt werden. Es ist unmöglich, die Absichten dieser jüdischen Persönlichkeiten zu verdächtigen. Wenn diese jüdischen Führer zu solchen Schlüssen kommen, so bedeutet dies, daß die jüdische Presse fälschlich die polnisclie Regierung des Antisemitismus beschuldigt, weil sie das jüdische Auswanderungsproblem hei der letzten Völkerbunds Versammlung zur Sprache gebracht hat. Das jüdische Aiiswanderungsproblem ist von höchster Bedeutung. Wenn die polnische Delegation beim Völkerbund diese Frage vorgebracht hat, so geschah es nicht nur im Interesse P o I e n s, sondern auch im Interesse der gesamten J u d e n 11 e i t. Das ist gewiß vollkommen klar. Die Juden selbst suchen nach neuen Auswanderungsländern. Sie halten eine Konferenz nach der anderen über diese Frage ab, und Polens Vorgehen beim Völkerbund kann die eigene Arbeit der Juden nur unterstützen. Die polnische Delegation beim Völkerbund hat das Problem der jüdischen Auswanderimg nicht erfunden, sie hat bloß eine bestehende Tatsache f c st ge s t e 111. Diese Frage wird nur! sowohl in!’ölen wie in Genf erörtert werden. Erst wenn die Frage gründlich durchgesprochnn ist, wird cs möglich sein, die praktische Arbeit durch eine Kooperation nicht nur zwischen den interessierten Staaten, sondern auch zwischen der jüdisehen und polnischen Bevölkerung zu beginnen. Wir glauben, heißt es zum Schluß, daß es uns möglich sein wird, zu einer Verständigung zu gelangen, und dann werden beide Seiten großen Vorteil davon haben. Erklärung der WeltkongreB-Exekutive Die Exekutive des ,,Jüdischen Weltkong r e s s c s“ hat zu dem Vorstoß, den die polnische Delegation bei der letzten Tagung der Völkcrlnmdsvcrsammlung in der Frage der jüdischen Auswanderung unternommen hat, eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: ״Die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses hat am 11. und 12. Oktober in Paris eine Sitzung abgchaltcn, bei der sie sich u. a. mit den Erklärungen der poln i s c 11 e 11 Regierung über die Erschließung neuer Einwandcrungsländer für jüdische Auswanderung aus Polen befaßte. Nach erschöpfender Debatte gelangte man zu der Ansicht, daß jeder Versuch, dieser Politik die Merkmale einer Einschränkung der den Juden Polens auf Grund der polnisehen Verfassung und völkerrechtlich gewährleisteten Rechtsgleichheit zu geben, von den Juden mit äußerster Energie bekämpft werden muß. Es ist auch nicht zulässig, daß auf die jüdische Bevölkerung irgendein Druck zu dem Zwecke ausgeübt wird, die Juden zur Auswanderung zu zwingen, denn tlies würde der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden widersprechen. Andererseits hat der Jüdische Weltkongreß bereits festgestellt, daß mit Rücksicht aut die in den Ländern Osteuropas benschende Wirtschaft«- not zweifellos für einen Teil des jüdischen Volkes das Bed U r f 11 i s nach Aus Wanderung* in öglichkeiten besteht. Unter diesem Gesichtspunkt müssen alle Bemühungen, die Einwanderungsländer zur O e f f n u n g ihrer Tore zu bewegen, gleichgültig ob solche Bemühungen von jüdischcn oder nichtjüdischen Stellen ausgehen, begrüßt und gefördert weiden. Der Versuch, das Auswaiiderungsprobleni international zu behandeln und Organe des Völkerbundes mit der Regelung dieser frage zwecks Erleichterung der Auswanderung zu betrauen., kann sich als höchst wertvoll erweisen, vorausgesetzt, es vvird immer betont, daß die volle Gleichberechtigung der jüdischen Bürger in den Auswanderungsländern in keiner Weise beeinträchtigt und daß die Frage der jüdischen Auswanderung als einer der Aspekte des sich ergehenden allgemeinen Problems — aus der Notwendigkeit für die überschüssige Bevölkerung der betreffenden Lander einen Ausweg zu finden — bctrachtet und behandelt wird. Die Stellung und Tätigkeit der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses zu diesen Problemen wird daher durch diese Richtlinien bestimmt werden.“ Ein literarischer Wettbewerb Prag,!1. (>1,tobet. (J FA.) Der Verlag James B. Pinkcr ft Sun in I ondoii lut gemeinsam mit dem Verlag Eric Pinkcr ft Muni-חס in New York v.,r einiger Zeit einen Roman- P reis w e t 11 ז e w e r b veramtaitet, an dem sieh Amerika, Fm׳!a111l, f 1 an kr ei. 11, I Jeutsehlaiid, Italien, Spanien. Dänemark, Norwegen, Suiwoien, t innlaml. Ungarn, die '1 •whcchoslowakci und Holland beteiligten, jede dieser Nationen hatte eine Jury IH'Imhiiis, de! e!1 Aufgabe es war, das beste Buch in der hetreffe ndrii gpiin, he au-/11\v,ihlcn. Die preisgekrönten Bücher gehen dann nach I omlon, wo für eines von ihnen durch eine Jurv unter dem Vor-itz von Hugh W a I p o I e ein Ibais von 4000 I י t!1 11 d beMmimt wird, der 111 der kommenden Wotln• zuget׳. iit w malen soll,! sie |u,i v für B 11 e!1 e r i 11 d e 11 t s <■ 11 e r S p r a e h e (gh'ii hgultig aus u ckliem lande sie stammen), tagte unter dem Vor-itz von Rudolf <!. Bi 1111 i n g in Luxemburg. Diese jure tiat den Rom an ,.Das fehlende Kapitel“ von Paul N e u 1! a u e r als hmiis Bush au-gewulilt. Der Verfasser des Werkes, dessen llandhing in den Jahren 1914 bis 1926 in Indien und in den enghstlieii Dominien spielt, ist Jtitle. Alle Bücher, die in die engere Wahl kommen, werden gleichzeitig in zwöif Sprachen erscheinen und soweit sie sich dafür eignen von Warner Bros, in Hollvwood verfilmt. Neubauen; Buch gehört zu denjenigen, die verfilmt werden sollen. Der Preis für die Verfilmung betragt laut den Bedingungen des Wettbewerbs 11001) bis 2»000 Dollar, das Honorar für die Buchausgabe 1000 bis 1300 Pfund. Carl Menger. Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 13. Okf, schreibt: ״F. A. von Hayek, Professor der Volkswirtschaftslehre an der Universität London, teilt uns zu dem Bericht von der Hochschullehrer-Tagung des NS.-Rechtswahrcrlnindes mit, die in einem dort gehaltenen Vortrag ausgesprochene• Behauptung, daß neben anderen führenden Mitgliedern der ״Ocstcrrrirhiscben Schule“ der Volkswirtsehafiskhre insbesondere mich ihr Begründer Carl M enger Jude gewesen sei, treffe nicht: zu. Professor von Hayek hat, Wie seinem Schreiben zu entnehmen ist, anläßlich der Vorbereitungen zu einer von der London School of Leonmies veranstalteten Gesamtausgabe der Werke von Carl Meng er auf Grund von Belegen aus dem Besitz seines Sohnes Uslgcstcllt und in einer biographischen Einleitung zu dieser Gesamtausgabe auch niedergelegt, daß Carl Menge» sowohl väterlicherals auch mütterlicherseits aus Familien stammt, die sich in verschiedenen Orten Deutsch-Böhmens in den Kiichmbiichern bis ins 17. und 18. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.“ Leiwik aal der PEN Klub-Tagung Bei der PFN-Klubtagungir! Buenos Aires veransfaltete die jüdische Kolonie einen Hhreuabem! für H. Leiw i k, den Delegierten fiir jiddische Literatur. Fs wurde das Drama ״Der Poet ist blind geworden“ von Leiwik aufgeführt und beschlossen, ein Leiwik-Buch mit einer Biographie des Dichters und Beiträgen namhafter Autoren herauszugeben. 111 seiner Rede hei der Tagung sagte l.ciwik u. a., cs müßte vor allem die Kluft zwischen Nationalismus und Universalismus, zwischen Jude und Welt überbrückt werden; die Weit kenne allenfalls die Namen einiger jüdischer Bankiers, die wahren jüdischen Dichter und Denker kenne sie nicht, und besonders die neuere jüdische Literatur sei unbekannt. Aber wie könne man, fuhr l.ciwik nach einer Schilderung der allgemeiner» Jitdeunöte fort, dann noch von Literatur sprechen, zumal das Wort, das Diehtcrvvort als moralischer Ausdruck, als Bekenntnis des Gewissens in dieser Zeit entwertet sei. Im zaristischen Rußland Habe nach Kischiuew ein Koroleriko, ein Gorki, hei der Dreyfiis-Affärc ein Zola das Wort genommen, und während Polen unterdrückt war, haben Siowacki und Miekicwicz. ihre gewaltigen Stimmen erhoben; wo sei jetzt das Gewissen der polnischen Literatur? Auf Opatoschtis offenen Brief an die Schriftsteller Polens haben diese Mitglieder des PEN-Klubs geschwiegen. In dem in Rio de Janeiro erscheinenden iornal (Io Gommerrio hat, wie uns n i geteilt wird. Fritz Wurm einen Artikel über Stefan Zw« j r und sein Werk veröffentlicht. Der Dichter war auf sei 1er Reise zum PEN-Kongrcß nach Buenos Aires eine Woche Gast der brasi.ianischen Regierung und Gegenstand vieler Ehrungen. Kleine Nachrichten Die Getreidcgroßhandclsfirma Gehr. Qadiel, Grottkau in Obersclilesien, ist in arischen Besitz übergegangen, und zwar in den Besitz der Firma Albert Viescl 6t Söhne, Wansen, Kr. Strehlen. Das Schuhwarenhatis N. Springer in Landsberg a.d. Warthe ist in den Besitz von Kurt Gierkc übergegangen. Nach einem Bericht der ״Neuen Freien Presse“ fand in Wien eine Gerichtsverhandlung gegen Frau Melitta Na s h a - s h i b i, die geschiedene Frau des Distrikts-Kommissars von Jaffa, wegen Verbrechens des mehrfachen Betruges statt. Die Angeklagte wurde 711 sechs Monaten Kerker sowie zur Landesverweisung verurteilt. Fritz Mahler, der Neffe Gustav Mahlers, debütierte als Dirigent im New-Yorker Rundfunk; u. a. mit dem Aöagietto aus der V. Sinfonie seines Onkels. Beanspruchung von jüdischen Aerzten, Rechtsanwälten usw. Für Kosten, die durch Inanspruchnahme von jüdischen Aerzten, Zahnärzten, /Apotheken, H e i I ק e r s o n e n, Kranken- und Heilanstalten, E n t b i n ■ dungsheimen, Beerdigungsinstituten, Rechtsan walten usw. entstanden sind, werden, wie der Reichsminister des Innern in einem Runderlaß milteilt, Notstandsbei hälfen oder Unterstützungen an Behördenangchörige nicht mehr gezahlt, es sei denn, daß ein ganz besonders gelagerter Einzeifall vorliege, zuni Beispiel wenn die Zuziehung eines jüdischen Arztes bei drohender Lebensgefahr unvermeidlich gewesen sei. Ferner werden Zeugnisse jüdischer Acrzte in Zukunft zum Nachweis einer dauernden oder vorübergehenden Dieustunfähigkeit nicht als ausreichend angesehen. Diese Bestimmungen gelten entsprechend für ehemalige Behördenangchörige und derer) Hinterbliebene mit Ausnahme der jüdischen Beamten im Ruhestand und jüdischer Hinterbliebenen, Wer Jude ist, ergibt sich aus der Definition in der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935. Gehört der Untermieter zur Hausgemeinschaft? In dem in Nr. 80 81 enthaltenen Bericht über das in der ,,Frankfurter Zeitung“ wiedergegebene Urteil des Amtsgerichts München, womit eine jüdische Frau wegen Anstellung eines 23jährigen deutschbiütfgcn Dienstmädchens zu 50 RM. Geldstrafe verurteilt wurde, weil in dem Haushalt ein jüdischer Untermieter wohnte und deshalb in der Verwendung des Dienstmädchens ein Vergehen gegen die Nürnberger Gesetze erblickt worden ist. wurde mißverständlich erwähnt, daß bei der Verhandlung eine Rolle spielte, ob dem Dienstmädchen eine ״Familienzugchörigkcit" eingeräumt worden sei. Diese letzte Angabe ist aber irrig, wie wir aus einem Briefe von Rechtsanwalt Dr. Wassermann, München, ent* nehmen, der uns dazu schreibt: ״Die entscheidende Frage war vielmehr, wie sich dies aus 8 3 des Blutschutzgesetzes und aus § 12 der Vollzugs- Vorschriften hierzu ohne weiteres ergibt, ob der Untermietcr zur Hausgemeinschaft gehörte. Diese Frage war —MAGISTER KIRSCH- Der gut« HkAr Magister-Llkörfabrik, Manchen VII bisher in ähnlich gelagerten Fällen stets verneint worden. Hatte sieh doch der maßgebende Kommentar Stuekart-ülobke zur Rassengesetzgebung des Deutschen Reiches (Anmerkung 7 zu § 3 des Blutschutzgesetzes) auf den Standpunkt gestellt, daß ein Jude nur dann zur Hausgemeinschaft gehöre, wenn er im Haushalt dauernd Unterkunft und Verpflegung erhalte. Der Kommentar hatte sogar speziell auch darauf hingewiesen, daß jüdische Mieter eines möblierten Zimmers ohne Familienanschluß nicht Angehörige der Hausgemeinschaft seien. Das Gericht hat gegen die Ansicht des maßgebenden Kommentars entschieden und die Angeklagte zu 50 RM. Geldstrafe verurteilt. L)a gegen das Urteil Revision ztim Oberlandesgericht München eingelegt wurde, wird demnächst dieses Gericht die für zahlreiche jüdische alleinlebtnde Frauen, die Mieter aufnehmen, sehr bedeutsame Frage endgültig klären.“ Spezial Strafkammer für Rasseschutzsachen Wie ein gegenwärtig in Stuttgart weilender Referent des Reiehsjustizministers It. ״Berliner Tageblatt“ vom 12. Oktober den Vertretern der Presse mitteilte, hat der Reichsjustizminister soeben die Einrichtung von Spezi alstrafkam* 111 e r n für die Entscheidung in allen Rasseschutzstrafsachen angeordnet. In Stuttgart hat eine solche Sondcrstrafkammer bereits bestanden, tlie aber erst von jetzt an ihre Arbeit aufnimmt. Die /Aufgabe dieser Rassevergehcn-Strafkammern soll darin bestellen, itn ganzen Reiche eine einheitliche B c h a ח d I u n g . aller Straffälle wider die Nürnberger Gesetze zum Schutze vön F.hre und Blut des deutschen Volkes zu erreichen. Der Reichsminister für Justiz hat diesen Bestrebungen bereits dadurch vorgearbeitet, daß er im Frühjahr 1936 an sämtliche Staatsanwaltschaften Richtlinien für die Behandhing von Rassevergehen erließ. Die einzelnen Gesichtspunkte waren folgende: es müßten von nun an, nachdem eine gewisse Zeitspanne für die Wirkung der Rasseschutz-Gesetz* gehung ahgelaufen sei, alle weiteren Zuwiderhandlungen durchweg als Delikte angesehen werden, die mit Zuchthaus zu bestrafen seien. In allen Fällen von Rassevergehen, die sich bis in das Jahr 1936 erstreckten, könne die oft hervorgebrachte Entschuldigung, daß die geschlechtlichen Beziehungen der jeweilig Angeklagten schon vor dem Erlaß der Kasseschutzgesetze begonnen und bestanden hätten, nicht mehr regelmäßig als Strafmilderungsgrund betrachtet werden. Prozeß gegen dänische Antisemiten Kopenhagen, 11. Oktober. (JTA.) In Kopenhagen wurde ein Prozeß gegen sechs Schriftleiter faschistischer Zei- Bingen eröffnet. Die ‘”Angeklagten werden beschuldigt, durch ihre Veröffentlichungen die staatlich anerkannte jüdische Religionsgemeinschaft absichtlich und planmäßig diffamiert zu haben. Dem Prozeß ging eine von dem lustizminister Steinckc geleitete lange Untersuchung voran. Der Prozeß wird als Probefall für die Regierung angesehen, die durch das Urteil eine Handhabe gegen weitere juden« feindliche Propaganda gewinnen will. Die Anklage stützt sich auf einen Paragraphen des Strafgesetzes, der öffentlichen Diffamierung und Beschimpfung von öffentlich anerkannten Religionsgemeinschaften in Dänemark verbietet. Die faschistisenen Blätter, von denen einige unentgeltlich verteilt wurden, haben in der letzten Zeit eine erbitterte judenfeindliche Propaganda durch aufreizende Artikel geführt. Gegen eine Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten, darunter auch gegen den Oherrabbiner Dr. Friediger, sind in diesen veröffent- Hebungen persönliche Angriffe gerichtet worden. Genf, 11. Oktober. (JTA.) Die politische Kommission des Völkerbundes hat beschlossen, alle Mitgliedstaaten zur R a t i - fizierting der Beschlüsse aufzufordern, die die Zwi* schcnstaatliche Rcgieritngskonfcrenz für Auswandererfragen am 4. Juli 1936 gefaßt hat. Ferner soll eine zweite Zwischenstaatliche Konferenz einberufen werden, die eine internationale Konvention betreffend die Auswanderer aus Deutschland entwerfen soll. Den Organisationen, die sieh mit Auswandererfragen befassen, soll jede Unterstützung gewährt werden. I für Treppen, Ulclan, Anschlägekostenlos GroBes Lager In Cacos-, MMPHSUVÜ Zimmer und Küchen 1• Reter. / Oegr. 1B9B Beuel*• u. VelourlBufern Fritz Stoehr Memhardstr.15 früher® MUnzstr. IT Kl Berolina 1t68-87