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Jüdische Rundschau · 1936-10-13 · Heft 82 (13.10.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 82 (13.10.1936)
Date
1936-10-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 82 13. X. 1936 ׳/ Statistik der Kibbuzim Das ״Coopcrative Bulletin“ ■veröffentlicht statisfische Daten überden Stand der Kibbu/im im Jahre 1935 36. Das Material ist auf einer Rundfrage aufgebaut, welche von der Arbeilerbank in 65 Kibbuzim unternommen wurde, ln den Resultaten *plegelt sich inibesondere die Wirkung der Pro־ sperity auf das Dorf und auf den Kibbuz. Entgegen den Be- ■fürchtungen, die von vielen Seiten gehegt wurden, zeigt sieh jetzt, daß trotz der hohen Anziehungskraft, welche die Stadt damals ausßbte, die Kibbuzim nicht nur absolut gewachsen sind, sondern auch relativ Im Verhältnis zur gesamten Zahl der jüdischen Arbeiter im Lande. Im Jahre 1032 waren 4275 Mitglieder In den Kibbuzsiedlungen, da■ waren 12,1 0/0 der Zahl der Arbeiter damals (35 380). Im Frühjahr 1036 zählte die Kibbuzbewegung In Ihren 01 Siedlungen 10635 Mitglieder, das sind 12,4 »% der Zahl der jüdischen Arbeiter zu dieser Zeit, die 86 000 betrug. Die Kibbuzim gehören verschiedenen Verbänden »״, und zwar 19 Siedlungen m't 3337 Mitgliedern dem ״Kibbuz hameuebad“, 22 Siedlungen mit 1908 Mitgliedern dem ״Haschomer Hizair", 12 Siedlungen mit 810 Mitgliedern dem ״Chewer hakwuzot“, 6 Siedlungen (315 Mitglieder) dem ״Noar zltmj1‘, 2 mit 171 Mitgliedern dem Poel misrachi. Vier Kibbuzim atanden mit 371 Mitgliedern außerhalb eines Verbandes. Interessant sind die statistischen Angaben über das Wachstum der Kinderzahl, Ihre Zunahme ist relativ schneller als die Steigerung der Zahl der Mitglieder. Im Jahre 1931 betrug die Zahl der Kinder in allen Kibbuzim: 90, 1934: 310, März 1936 : 646, Bekanntlich besteht in allen Kibbuzim das Bestreben, die Eltern der Siedler in die Siedlung aufzunehmen und ihnen die Einwanderung zu er« möglichen. Doch bleiben die tatsächlichen Möglichkeiten weit hinter den Wünschen der Siedler zurück. In den zwei Jahren 1934/1035 konnten 240 Eltern aufgenommen werden, Die Statistik erfaßte auch die Größe der Fluktuation der Mitglieder in den Kibbuzim, Eines der wesentlichsten Momente, das den Arbeiter, der sich mit einem Kibbuz ver- Bünden hat. dazu bewegt, seine Arbeitsstelle atrfzugeben und In die Stadt •zu gehen, Ist die Sorge um Eltern und Ver* wandte, wenn der Kibbuz sie nicht übernehmen kann. Wäbrend des vergangenen Jahres verließen in 40 Kibbuzim 444 ständige und 831 provisorische Mitglieder den Kibbuz. Der Prozentsatz betrug unter den Mitgliedern 0,6 gegenüber 17 bei der vorigen Zählung, und unter den provisorischen Mitgliedern 18«>% gegenüber 5״/« bei der vorigen Aufnahme. Sehr schwierig Ist noch immer die Wohnungsfrage. Im Januar 1936 betrug diu Zahl der Wohnungalosen (ln Zelten u»w. untergehrachten): 16%, gegenüber 780 im Jahre 1934. Dabei Ist die Durchschnittszahl der Bewohner eine* Zimmer» 4—5, 80 daß tatsächlich die Zahl der Wohnungslosen mit 2000 eingeschätzt werden muH. Pie Gefahr ansteckender Krankbeiten ist natürlich unter solchen Verhältnissen vorhanden. Um ihr entgegenzutreten, wurde ein sanitärer Fond» begründet, an dem die Agency, die Arbeiterbank und die Arbeiterkrankenkasse beteiligt sind. Doch sind seine Möglichkeiten begrenzt, da er nur über sehr beschränkte Mitte! v erlügt. Terrorakte der Woche Am Montagvormittag ist in Jedda bei Nahalai der jü- *Hseh• Siedler Mordechai Feldman au• Jagur wlhrend das Wachdienstes, den er als Hilfspolizist leistete, getötet worden. Am Sonntag morgen ist der 29jährige jüdische Lehrer Oi iim G 1111!1 e r aus Haifa, der zum Besuch seiner Eltern nach Jerusalem gekommen war, auf dem Weg zur Klagemauer, wo er seine Andacht verrichten wollte, von arablichen Tmo« risten durch Messerstiche und Stockhiebe erheblich verletzt worden. An der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Awiw sowie in der Nähe von Kirjat Anawim und Atarot Ist ca zu heftigen Schießereien gekommen. Verwundet wurde hierbei niemand. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurden an der Grenze zwischen Tel-Awiw und Jaffa mehrere Bomben geworfen, die keinen Schaden anrlcnteten. In jüdischen Pflanzungen bei Kfar Sirkin wurden 3000 Bäume durch arabische Terroristen vernichtet. Ein Truppcnlager bei Bethlehem i3t am Sonntag von Terroristen beschossen worden. Bel der Abwehr des Angriffs sind zwei Terroristen gefallen, ein dritter wurde verwundet gefangen genommen, Ein ehemaliger arabischer Polizist wurde ln einem Dorfe bei Nazareth von arabischen Freischärlern erschossen. Die Q c 11 e i t u n g der frag Petroleum Company wurde bei Bclsan bzw, bei Kauchab-al-Hawe beschädigt, 15 Araber find im Zusammenhang mit den Anschlägen verhaftet worden. Ein Lastauto aus O i n e g a r, da* eine Ladung Milch führte, stieß auf eine Mine und wurde beschädigt; der Chaufleur kam unversehrt davon, Poli/ei-Hauptmanii Halim Basta wurde beim Verlassen seines Hauses in Haifa durch zwei Schüsse verwundet. Die Täter sind entkommen, Halim Basta, ein ägyptischer Mohammedaner, diente ■eit dem Kriege in der paTIstinensi־ scher! Polizei, wo er als der tatkräftigste arabische Polizei• Offizier einen guten Ruf genoß, Im Dezember!932 leitete er mit Erfolg die Untersuchungen über den Bombenanschlag In Na ha!31, Er Ist der Vorgesetzte des vor einiger Zelt er• mordeten ara bischen Polizei-Offiziers Ahmad Naif, fm Zusamiurnliuiig mit dein Attentat wird gemeldet, daß der Täter verhafte{ wurde. Halim Basta befindet sich auf dem Wege zur Besserung. In der Nahe des 11 e r o d e * - T o r e 5 f n Jerusalem wurden zwei Araber, Vater und Sohn, vor! einer Gruppe bewaffneter Araber überfallen. Der Vater wurde getötet, der Sohn verwundet. Beide standen im Verdacht, mit der Polizei in Verbindung zi! ״teilen. In Y c r 11 a I), einen! arabischen Dorfe im Süden, wurde lin Verlauf einer Streiterei ein Mukhtar getötet und fünf Dorfbewohner wurden verletzt. Eint; bewaffntte Bande veranstaltet<• einen UeberfsH auf die Pollzeistation in Beit Dnjan bei Jaffa. Die Polizei wehrte den Angriff erfolgreich ab. wobei zwei Araber verwumlet wurden. Bei der Polizei sind keine Verluste zu ver. zeichnen. ln der Nähe de* D .1 in a י k 11 י ■ T o r t 8 In Jeru• salem wurde cm jüdisches Holzlager in Brand gesteckt. Auf ein arabische* Dorf, dessen Bewohner sieh geweigert hatten, die Oeldforderiingen der Terroristen zu erfüllen, wurde nachts von den Hügeln bei Bethlehem ,aus geschossen, wobei einer der Dorfbewohner verwundet wurde. In dem vom Keren Kajeineth gepflanzten King George- Wald In den Hügeln von Nazareth wurden wiederum zahl« reiche Bäume ansgerodet. Auf der llchroncr Chaussee wurde nacht* eine Militär-Patrouille von einer Araberbande überfallen, wobei drei Soldaten und ein englischer Polizist verwundet wurden. Die Patronlüe nahm die Verfolgung der Bande auf, die mehrere Verluste erlitten haben soll. Eine 50 Mann starke Araberbande verübte nachts einen Uebcrfall auf einen Pan/erwägen in der Nähe von Hebron; wie man annimmt, wurden zwei Araber getötet und mehrere verwundet, Von Gerichten und Behörden Die Oegeml um T u I k e r e m u n d Nablus wurde vom Militär nach der von Kaukji geführten Bande durchstreift. Es wurden 20 Araber unter dem Verdacht, mit den Banden In Verbindung zu stehen, verhaftet. Eine Militärabteliunp׳, unterstützt durch Polizei, umstellte den arabischen Ort Semach, demolierte das größte Oebiiude sowie zwei weitere I Rinser und nahm 6 Araber in Halt, die der Beteiligung an der Zerstörung einer jüdischen Mühle vor )4 Tagen veiilaclitig sind, ln einem ara bi sehen Dorf zwischen Akko und Safcd wurden zwei f Einser, aus denen auf Truppen geschossen worden war, vom Militär demoliert. Zwei der Ermordung der Familie Ungar In Safed sin 13. August beschuldigte Araber werden demnächst vor Gericht gestellt werden. Drei Araber, die unter der Anklage standen, am 13. Mar« den Juden (1,11111 in amt ermordet zu haben, wurden vom Jerusalemer Gerichtshof wegen Mangels an Beweisen freigesprochen, , Kultur-Konferenz Eine vom Waad Leumi einberufenc nationale Konf *״*ז z ן u r Vereinheitlichung der kulturellen Tätigkeit in Pa lästlna trat In Tel-Awiw zusammen. An der Konferenz beteiligten sich 400 Delegierte, die siimtliehe Parteien und Organisationen im Jlaclmw vertreten. Das Präsidium setzt sich aus Rabbi O * t r o w s k v, Dr. M o * s 111 - non, sowie den Herren Rubaschow, Suprasky und Shragal zusammen. Dr. Jehuda Kauf man, Leiter des Departements für kulturelle Arbeit beim Waad Leumi, reffrierfe über eine Reibe von Problemen, die von der Konferenz behandelt werden müssen. Die Konferenz beschloß die Auferlegung einer Steuer für K 1111 u r 1 w c e k e, die für den ganzen Jlschuw obligatorlseh sein wird, sowie die Einsetzung eines Kultur.Aussebusses beim Waad Leumi. Bei der Schlußsitzung referierte ein vor kurzem aus Rußland gekommener Chalttz über die Lage der Juden im Sowjetstaate, wo trotz der ungeheuren Assimilation große Telle der jüdischen Ikvölkerung, ungeachtet der Verfolgungen, noch ihre Liebe zu Erez Israel bewahrt haben; *ein Bericht übte auf die Anwesenden eine tiefe Wirkung aus. י Der Misrachi hatte sich an der Arbeit der Konferenz nicht beteiligt, in einer Erklärung begründete er die Enthaltung damit, daß eine jüdische Kultunätigkelt, die nicht auf der Thora begründet Ist, nicht 81* jüdisch anerkannt werden könne, und daß die Kultursrbeit de* Waad Leumi rein säkular sei. Die Auswirkung der Abwertungen Jerusalem, 5. Oktober, (ITA.) Die F!־ankenab- Wertung und die in ihrem Gefolge stattgeftmdenen anderen Abwertungen werden auch aut die Handclsbezichungen Palästina* Einfluß haben, Dieser Einfluß wird sich im Verhältnis Palästinas zur Tschechoslowakei, das bisher an einem weitgehenden Ausbau der Handelsbeziehungen mit Palästina interessiert war, ausvvirken. Er wird aber besonders Im Hinblick auf die Beziehungen Palästinas zu Syrien zu spüren sein. Palästina war bisher der beste Kunde von Syrien-Libanon, Die Abwertung des Franken wird nun noch mehr als bisher eine einschneidende Verminderung der Austuhr von Palästina nach Syrien lierbelfülircn. Auf der anderen Seite kann die Abwertung Veranlassung dafür »ein, daß sich die syrische Ausfuhr nach Palästina in einem Maße erhöht, daß die syrische Konkurrenz sich in Palästina schädigend bemerkbar macht, Eine Rückwirkung der Abwertung auf die Zitrusausfuhr, deren Saison soeben begonnen hat, ist noch nicht abzusehen, Bedeutend wäre nur die Veränderung der Währungslage In bezug auf Holland, das größere Mengen Zitrusfrüchte bisher ahgenommen hat, Audi inwieweit die gesamte übrige Ausfuhr Palästinas von den Veränderungen der Wahrungen betroffen sein wird, steht dahin. Amtlich wird bekanntgegeben, daß dl■ Kgl. Konint isslon Mir Palästina im Colonial Offig« Ihre erste Sitzung abgshaltcn hat. Dis Beratungen waren geheim und galten der Erörterung von Fragen der Untersuchungsprozedur und anderen vorbereitenden Maßnahmen, Die Finanzen der Palästinaregierung Aus Tel-Awiw׳ wird uns geschrieben: Der ״Dawar״ berichtet: Die Berichte der Regierung erscheinen immer erst nach Ablauf einer längeren Zeitspanne. So liegt un* über die Finanzen der Regierung ein voller Bericht nut für da* Rechnungsjahr 1034-1935 vor. Die Verhält« nisse haben *Ich natürlich Inzwischen nicht unwesentlich verschoben, trotzdem sind die Angaben noch von großem Interesse. Die Steuern pro Kopf des Einwohners betrugen 3529. Pfund gegenüber 2734 Pfund im vorausgehenden Jahre. Die Steigerung ist auf die Einwanderung zurückzuführen, die durch ihren weit über den Durchschnitt gehobenen Lebensstandard zu einer solchen Erhöhung der Regierung»־ dnkünfte führte. Zudem haben noch viele dieser neuen Einwanderer ihr Vermögen in der Form von Waren in» Land gebracht und dadurch der Regierung hohe Zollein nah me 11 verschafft. Im Berichtsjahr waren 5732 Kapitalisten mit einem Mindest ver mögen von 1000 Pfund eingewantiert. Auch kamen 100 000 Touristen ins Land. Die Einlagen in den Banken vermehrten sich um 4 Millionen Pfund, fast 6 Millionen wurden im Bau und eine Million in Pflanzungen angelegt. Der Umsatz, in Boden und Häusern betrug 10,3 Millionen Pfund. Der Exportüberschuß betrug im Berichts- Jahre 11,5 Millionen Pfund. Davon deckte allein die Tourlstik 1' , Million, die zionistischen Fonds ■V, Millionen, lind 1,2 Millionen wurden für importierte Waren Im Ausland gezahlt. Das Oeld In den Banken bringt nicht genug ein, um den Rest dieses Ausfall» zu decken, aber das clnsfrömcnde Kapital ist fürs erste groß genug, dm keine Besorgnis auf« kommen zu lassen. ~ Pie Ausgaben setzen sich wie folgt zusammen: a) Gesundheit, Erziehung, öffentliche Arbei» len: 1046734 Pfund, b) Verwaltung, Justiz: 873980 Pfund, c) Militär, Polizei, Gefa״:;nlswe:sc־;״/()f220 Pfund, d) geh״(- dentilgung: 126 904 Pfund, c) Defizit der Eisenbahn•׳805 33 ־ Pfund. Initer diesen Ausgaben finden wir 59 440 Pfund für den u10sle111l*cl1en Rat, 8291 Pfund für Wofmungazulagen an Beamte in Haifa und Tel-Awiw, 7000 Pfund Entschädigung an die deutschen Besitzer de* Augusta-Viktoria-Stift» auf dem Oelberg, da* 1027 schwur« Eidbebenschäden erlitt, 12 367 Pfund Ueberschwemmungsschäden in Tiberias. Alexander Adler-Kibbuz Rodg•• spricht Ober Aktuelles zur Situation des religiösen Zionismus in Palästina 1ח Würxburg am Dienstag, dem 13. Oktober ״ Nürnberg ״ Mittwoch |.14 י ״ Mönchen ״ Donnerstag ״ .15 ״ Rahel steht Wache Von C. Z. Kloetzel, Jerusalem ״,.,, Und warum hast du den dicken Mantel an, imrnale? Es iat doch «נ «,arm!“ Rahel knöpft den Mantel zu. Am Schnitt kann man er« kennen, daß es di! alter Soklatenmantel Ist: wer weiß, welcher Chawer ihn in welchem Schützengraben de» Weltkriege* einmit getragen hat? Jetzt tragen ihn die Frauen der Kwazah, wenn sie nachts auf dem Wasserturm Wache halten. ״Es Ist warm hier unten, Liebling, aber oben aut dem Turm weht ein kalter Wind. Und jetzt mußt du *ehlafen, Riwkele. Wenn Ich denken muß, du schläfst nicht, wie kann ich da aufpassen? Schlaf. Riwkele,,.." Da» Kind sieht zu ihr auf: ״Und wo irt Abbale heut nacht? Muß Ich ganz allein bleiben?" Rahel unterdrückt einen Seufzer: ״Der Vater hat den ganzen Tag gearbeitet, er ist *ehr müde. Aber er muß bei den Pferden Im Stall schlafen. Wenn die Araber kommen.,,. Du weißt doch noch, was du zu tun hast, wenn e* anfingt zu schießen?“ ״Ja“, sagt Riwkele eifrig, ״ich stehe ganz schnell auf und ziehe mir den Morgenrock und die Sandalen an. Und dann lege ich mich unter das Bett und warte, bis Sarah mich ins Kinderhaus holt. Und ich darf ja nicht aas Licht anknipsen I“ ״Out, Riwkele. Und nun schlaf, damit die Imman gut aufpasaen kann.“ Da• Kind legt sich gehorsam nieder. Rahel beugt •ich hernieder und küßt Ihr föchterchen. Dann geht aie schnell ata dem Zimmer.... An der Küche reicht man ihr eine Thermosflasche mit heißem Kaffee hinauf. Dann geht ale quer über den Platz zwischen den Baracken auf den Waaserturm zu. Die Kwuzah liegt wie ausgeatorhen da, kein Licht, kein Laut. Unwillkür• lieh bemüht §ie »ich, kein Geräusch zu machen, «׳ährend »ie die schmale eiserne Leiter emporklimmt. Sie vermeidet «*, nach oben zu sehen; ihr wird immer noch ein wenig schwindelig, wenn die riesige dunkle Masse de» eisernen Tanks Wie ein Berg über ihrem Kopf lagert. Endlich Ist die Platt« form erreicht, durch ein» schmale Lücke In der Balustrade au» Sandsäcken gelangt sie auf das flache Dach des Turmes. ״Schalom, Rahel!“ sagt eine leise Stimme und ein mensch- Heber Schatten taucht vor ihr auf, ״Schalom, Mirjam I Gibt’s etwas Neues?" ״Nein. Es ist *ehr dunkel heute nacht. Im Beduinenlager drüben war vor einer halbe״ Stunde viel Hundegebell,.. Miriam übergibt Rahel das erste Zelsgla» und die schwere Leuchtpistole, dazu drei Patronen ״Rotlicht", Dann verschwin« def sie lautlos durch die Lücke zwischen den Sandsäcken. Rahel beugt sich über den Rand. Sie möchte der Chawerah nachrufen: ״Sieh einmal nach Riwkele!" Aber Mirjam hat ad bat zwei Kinder, die *|e den ganzen Tug nicht gesehen hat. Und »10 muß um fünf Uhr morgen* wieder zur Arbeit.... In der Mitte de» kreisförmigen Daches steht eine Art firlmitlver Drehstuhl, ein Sitz, den man durch einen leichten )ruck de» Fuße* nach jeder Richtung hin bewegen kann. Wer In ihm *Itzt, ragt mit dem Kopf über den Wall der Sand« •äcke hinaus, so daß er das Gelände rbig»um beobachten kann. Heber der Lehne liegen Kopfhörer und Sprechmuschel eine» Feldtelephon», auf der rechten Armlehne iit der Knopf des Summer» angebracht, Rahel stülpt das Gerät über den Kopf und drückt auf den Knopf, ״Mah jesch?״ tönt die Stimme Masche* Im Hörer, der Dien»! In der Wachtutubc hat. ״Was gibt'»?" ״Rahel spricht. Ich habe eben abgelöst. Prüfe den Summer!" Gleich darauf schnurrt der Summer, das Telephon lat in Ordnung. Sie setzt sich hin, legt die schwere Leucht* piitoi« In Griffnähe.... Ei Ist *ehr dunkel und sehr still, Der Wind von den Bergen weht mit einem hohen, gleichmäßigen Ton. Der Mond wird erst gegen Morgen aufgehen, in dem samtschwarzen Himmel über Ihr flimmern Sterne. Rahel läßt langsam Ihren Sitz krelaen. Das Qlai vor den Augen, tastet sie mit den Blicken den Umkreis des Gebietes ab, das Ihrer Hut anvertraut ist. Man siebt keine festen Dinge, man sieht nur mehr oder weniger dunkle Schatten. Aber Rahel weiß von jedem, was er birgt. Dort die große, verschwommene dünkte Fläche ist dl« Baumschule mit den jungen Zitrushäumchen. Port, wo die Pflanzung den Feldweg berührt, liegen die beiden fremden Chawerim, die vor drei Tagen als üaffirim aus Tel-Awiw gekommen sind. Dort rechts der kleine, hellere Fleck Ist das weiß gestrichene Brunnenhäiuchen, dä fteht Rüben, der Siebzehnjährige, der vor einem Jahr mit der Jugendalijah aus Deutschland gekommen ist, Bel Ihm Ist die schwarze, wilde Malkah, die von kaukasischen Berijjuden abstammt und um keinen Preis ihre altmodische, lilberbeschlagene Pistole gegen eine moderne Waffe eintausehen würde. Links das dunkle Rechteck ist der Pferdestall, da schläft jetzt ihr Mann Schlomoli, der zehn Stunden auf der Mähmaschine gesessen hat. Schlomoli schläft wie ein Stein, aber beim ersten Schuß wird er aufspringen und mit seiner tiefen Stimme, die sic so gut kennen, die Pferde beruhigen, wenn •le unruhig werden wollen,,,, Gegenüber steht das Kluderhaui. Es ist nur eine Holzbaracke, aber von drei Selten wird «ie von anderen Baracken gedeckt, und auf der vierten hat man eine Mauer au* Sandsäcken gebaut, durch die kein Schuß durchdringt. Die Säuglfnge schlafen im Kinderhaus, und wenn es schießt, bringt man auch die neun größeren Kinder dorthin. Dann läuft Sarah, die Kindergärtnerin, schnell und gebückt zwischen der Slugliitßsbaracke und den Wohnbarackcn hin und her, trägt die Kinder ln den sicheren Schutz.... Auch Riwkele wird ale so tragen, Unwillkürlich blickt Rahel in die Richtung der eigenen Baracke, ״Sie liegt am weitesten entfernt“,... muß sie denken, ״Riwkele hat den weitesten Weg In die Sicherheit... ״ Dann gibt sie Ihrem Sitz einen energischen Stoß, der ihn In die entgegengesetzte Richtung dreht, Man hat sie nicht hier hinaufgeschickt, um den Pfcrdestall und da* Kinderhaus zu beobachten, sondern die arabischen Dörfer an den Berghingen und das Beduinenlager, bi dem Jetzt wieder wie toll di« Hunde bellen.... Vier Stunden dauert ihre Wache. Vier Stunden der schärf- Step Nerven- und Slnnesanspannung. Es kann sein, daß diese Anspannung ganz unnütz Ist, daß die da drüben In den beiden arabischen Dörfern und dem Beduincnlager beschlossen haben,

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