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Jüdische Rundschau · 1936-10-13 · Heft 82 (13.10.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 82 (13.10.1936)
Date
1936-10-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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NR. 82,13. OKTOBER 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU ¥ WC* Das Manifest des arabischen Komitees Vor dem Streik-Abbruch Von unserem palästinensischen Korrespondenten Der nachstehende Artikel ist als Stimmungsbild aus der letzten Periode des Streiks und der Auseinandersetzungen um seine Beendigung auch im gegenwärtigen Augenblick noch von Interesse. (Red.) Der Appell der arabischen Könige gl. T e 1 - A w i w, 4.זOktober Die Vermittlungsversuche von Muri Pascha, des irakischen Außenministers, in der palästinensischen Frage wurden im Lande sehr ernst genommen. Sic wurden von mancher Seite positiv gewertet als eine Möglichkeit, sich aus dem politischen Dschungel, das sich im Laufe von fünf Monaten gebildet hatte, herauszuwinden, von anderer Seite wieder mit schwerer Sorge betrachtet, da hier der Präzedenzfall der Intervention eines Nachbarstaates oder zumindest einer seiner leitenden Persönlichkeiten in die palästinensische Politik geschaffen wurde. Was jetzt in den letzten Wochen an neuen Verliandlungs versuchen vor sich geht, bekommt nach und nach den leisen Anstrich einer Komödie. Die Araber und als ihre Vertretung der Oberste Arabische Rat sind eifrig bemüht, die Könige Arabiens als Vorspann für ihren politischen Wagen zu benutzen, wie wir bereits berichteten. Auch dieses Mal sind die Einzelheiten der Ver- Handlungen in Dunkel gehüllt, und so ergibt sich für die arabische Presse eine glänzende Gelegenheit zum Ausstreuen von Gerüchten, zur Erweckung neuer Hoffnungen, zur Vcr- Schiebung des Streikabbruchs von Tag zu Tag und von Woche zu Woche. Die Sitzungen des Arabischen Rates werden immer länger, die Gerüchte über wichtige und ״endgültige“ Telegramme aus den verschiedenen arabischen Hauptstädten immer zahlreicher. Während cs aber heute heißt, daß bereits alles geordnet und abgeschlossen sei, berichtet man morgen, daß der oder jener König, dieses oder jenes Land sich dem lange erwarteten Appell an die palästinensischen Araber, den Streik abzublasen, nicht anschlicßcn könne, oder daß der Arabische Rat sich mit dem vorgcschlagcnen Text des Appells nicht einverstanden erklären. Unterdes sitzt der Führer des Istaklal, Auni ßey Abdul H a d i, der bis vor kurzem noch ein Insasse des Konzentrationslagers in Sarafend war und dann für ״Zahnbehandlung“ nach Jerusalem überführt wurde, bereits seit zwei Tagen beim Emir Abdallah in Amman und verhandelt. Das arabische Publikum wartet unterdes mit gespanntester Aufmerksamkeit und Ungeduld auf den Erfolg dieser Vcrhandhingsvcrsuche und man kann an seiner Reaktion auf die Nachrichten deutlich feststellen, was es hofft und wünscht. Als z. B. die Aussichten auf eine baldige Klärung der Sachlage gut standen, war in manchen arabischen Städten ein deutliches Abflauen des Streiks zu bemerken. Läden wurden hie und da geöffnet und man bereitete sich, wie schon mehrmals in den letzten Monaten, auf die unmittelbare Rückkehr zur normalen Arbeit vor. Sobald sich dann wieder die Aussichten auf eine baldige Ordnung der politischen Schwierigkeiten verschlechterten, sanken die Hoffnungen, während die lokalen Streikkomitees ihre Aktion verschärften. Erfolg — wiederum Ausbreitung des Streiks, Verschwinden des Glaubens an eine friedliche, d. h. diplomatische Lösung; zugleich wieder auf seiten aller Kreise, Juden wie Araber, Kopfschütteln über die doppelsinnige Regierungshaltung. Die Truppen rollen ein Während nun diese politischen Verhandlungen, die vielfach schon bereits ein Achselzucken und ungläubiges Lächeln hervorrufen, schweben, werden in Haifa fast täglich neue Truppensendungen ausgcschifft und über das Land verteilt. Endlose Eisenbahn- und Autoscndüngen von Soldaten, Munition, Waffen, allem Zubehör einer riesigen Truppenzahl, rollen vom Hafen in die verschiedenen provisorischen Lager. Vielleicht die einzige Stelle, wo man von dieser Bewegung wenig oder nichts verspürt, ist Tel-Awiw, das bisher keine Truppen in großer Zahl aufgenommen hat und immer noch seinen ״Friedenscharakter“ wahrt. Alle anderen Städte und auch die Siedlungen wandeln sich in Truppenlager, und das Militär Das Manifest des Obersten Arabischen Komitees vom 11. Oktober, worin der Abbruch des arabischen Generalstreiks angeordnet wird (siehe S. 1 der heutigen Ausgabe) enthält u, a. folgende Erklärungen: ״Die arabische Nation in Palästina proklamierte einen Streik und beschloß seine Fortsetzung, angesichts der ungeheuren Gefahren, die die Nation als Ergebnis der gegenwärtigen Politik und der Vorenthaltung ihrer politischen Rechte bedrohen. Sie hat in einer erstaunlichen Weise der ganzen Welt gegenüber ihre feste Ueberzeugung kundgetan, daß eine Aenderung der gegenwärtigen Politik dringend nottut. Es liegt jedoch in unserer vererbten Tradition, den Wünschen der arabischen Könige und Fürsten Folge 7.u leisten. Das Oberste Komitee ist fest überzeugt, daß die Herrscher ihren Söhnen nicht befehlen würden, dies zu tun, wenn es nicht in deren Interesse und Im Interesse der Wahrung der Rechte der Nation gelegen wäre. Das Oberste Komitee erkennt den großen Vorteil der Intervention und der Unterstützung der Herrscher, und appelliert an die Araber, den Streik und die Unruhen zu beenden.“ Gottesdienste für die gefallenen Araber Neben dieser Erklärung hat das Arabische Oberste Komitee einen Aufruf veröffentlicht, in ■dem die Araber aufgefordert werden, am Montag morgen den Frühgottesdiensten in den Moscheen beizuwohnen, um für die Seelen der arabischen Toten zu beten und Allah für die Geduld zu danken, die er den Arabern geschenkt hat. Sofort nach Scnluß des Gottesdienstes soll die normale Arbeit wieder aufgenommen werden. Waffenstillstand mit den Terroristen? Jerusalem, 11. Oktober. (JTA.) Die Tageszeitung ״Dawar“ veröffentlicht einen Bericht über die Basehltisse einer Konferenz, die die Führer der arabisch«■ Ferroristen im Gebirge zwischen Nablus und Tulkercm abgchalten habe». An der Konferenz haben zahlreiche ״Offiziere“ der Terrorbanden teilgenommen. Es fand eine Ausspreche über die Verhandlungen statt, die in Jerusalem zum Zweck der Einstellung des Streiks geführt wurden. Nach eingehender Debatte und nach Verständigung mit dem Mufti Und den Mitgliedern des Obersten Arabischen Komitees wurde eine Resolution gefaßt, in der erklärt wird, die Aufständischen seien bereit, die zwischen dem Arabischen Komitee und den arabischen Herrschern einerseits und der Regierung in London andererseits getroffenen Vereitibarungen zu unterstützen. Sie würden daher, wenn sie die Aut- Forderung erhalten sollten, ihre Aktion zu beenden, um das Eintreffen der Kgl. Kommission zu ermöglichen, dieser Aufforderung Folge leisten. Sie würden jedoch die Waffen, die sie noch brauchen könnten, nicht niederlegen, sondern bloß einen zeitweiligen Waffen- Stillstand mit der Regierung schließen und das Ergebnis der Arbeit der Kgl. Kommission äbwarten. Sollten macht seine Vorbereitungen für die ״Expedition“, angefangen von Camps und Kantinen bis zur Einrichtung eines militarisehen Pressebüros, das die Reporter mit Einzelheiten über die Aktionen der Truppen versorgen soll. Der Terror hat sich in diesen letzten Tagen relativ verringert. Neue jüdische Opfer sind nicht zu beklagen, auch die englischen Verluste sind minimal, und während wir in der vorigen Woche Dutzende von Toten unter den Terroristen zu verzeichnen hatten, sind jetzt keine größeren Scharmützel zu registieren. Ob diese Schwächung des Terrors jedoch nur eine momentane Erscheinung ist, läßt sich nur schwer heurteilen, da Palästina in den letzten Monaten an ein Auf und Ab der Angriffe sich gewöhnt hat. Ermächtigungen zur Verhängung des Kriegsrechtes Die vom englischen König erlassene ״Order in Council“, die den palästinensischen Oberkommissar dazu ermächtigt, die Empfehlungen der Kgl. Kommission nicht zugunsten der Araber ausfallcn, so würden sie sich wieder zum Kampf gegen die englische Regierung erheben. Schwere Gefechte Bandenführer getötet In der vorigen Woche, der letzten Woche des Streiks, landen noch eine Reihe schwerer Gefechte statt. Darüber wird gemeldet? In der Nähe von Bethlehem kam es zu einem Gefecht, als ein 30 Mann starker Trupp Cameron Highlanders aut der Rückkehr von einer Streife in den Hügeln auf eine Gruppe von fünf bewaffneten Arabern stieß. Dabei wurde der Anführer der arabischen Banden im Süden, Said B e k El asi, getötet, der, ein Flüchtling aus Syrien, sich erst kürzlieh in Amman niedergelassen und den Oberbefehl über die Banden im Süden übernommen hatte. Sein Helfershelfer, Abdul Kader el Husseini, wurde schwer verwundet. Letzterer ist ein Neffe des Mufti und der Sohn des verstorbenen Musa Kassim Pascha, des ehemaligen Präsidenten der arabischen Exekutive. Vor dem Ausbruch der Unruhen war er Regierungsbeamter im Dezernat für Bodenfragen; er legte dann seinen Posten nieder, um sich den Terroristen anz.uschließen. Der Tod des Bandenführers Said Bek Elasi hat in arabischen Kreisen tiefen Eindruck hervorgerufen; man ist allgemein der Ansicht, daß er in der Terruristen-Organisation die wichtigste Rolle spielte, insbesondere was Waffenschmuggel anbelangt. Polizisten, die im Panzerwagen auf dem Schauplatz des Gefechts eintrafen, um die Leiche Elasis fortzuschaffen, trafen auf vier bewaffnete Araber, die im Begriff standen, die!.eiche ahzubolen. Einer wurde verhaftet; die anderen wandten sich zur Flucht. Am Karmel kam es in der Nähe von Haifa zu einem schweren Gefecht zwischen einer zirka 200 Mann starken bcwaffneten Bande und englischen Truppen, die, unterstützt von Flugzeugen, die Araber zu umzingeln versuchten. Der Kampf zog sich bis zum Einbruch der Dunkelheit hin. Die Araber sollen 1 <>, die Truppen keine Ve:■'׳■ te erlitten haben. ln der Umgehung von Tulkercm kam es zu einem Gefecht mit einer grollen hewaflneten Bande. Die ganze Gegern! um Tulkercm und Nablus, wo der größte Leu der von Katikji geführten Banden sieh aufhalten soll, wurde von drei Bataillonen abgeriegelt. Die I nippen, die zwei 1 anks mit sich führten, sollen den Arabern 20 Verluste beigebracht haben. Ein anderes schweres Gefecht wird aus der Gegend von A kko gemeldet. Die Truppen brachten sechs Tanks ins Gefecht. Zu schweren Ausschreitungen kam es in der Omar• Moschee in Jerusalem während des Freitag- Gottesdienstes, als ein Teil der Versammelten sich auf einen der Andächtigen, den 35jährigen K 11 a I i 1 Alshayib aus Tulkercm, stürzte, der bei den Terroristen im Verdacht steht, mit der Polizei in Verbindung zu stehen. Er wurde von der Menge fürchterlich mißhandelt und dann in den Vorhof gedrängt, wo man ihn auf die höchste Mauer der Moschee emporhob, um ihn dann in die Tiefe zu stürzen; er war sofort tot. das Kriegsrecht in Palästina zu verhängen, ist in dieser Woche im Lande veröffentlicht worden. Da man schon seit Wochen mit der Ausrufung cies Kriegszustandes gerechnet hat, hat vielfach das Publikum diese Order bereits als die Erklärung des Ausnahmezustandes angesehen, während sie zunächst nichts anderes bedeutet, als die Erteilung der nötigen gesetzliehen Befugnisse an den Oberkommissar. Mit der Veröffentlichung dieser ,,Order in Council“ und der Ueberführung von ungefähr 10 000 Mann neuer Truppen nach Palästina sind nun endlich alle Vorbereitungen zu jener geradezu schon berühmt gewordenen ״I i q 11 i d i e r u n g der Unruhen“ geschaffen, auf die Palästina seit so langem wartet. Die arabische Führung bemüht sieh mit allen Kräften lim die geschilderte Intervention der arabischen Könige, um die bevorstehenden scharfen Maßnahmen des Militärs abzuwenden und irgendeinen ehrenvollen Ausweg in letzter Stunde zu finden. Oh das gelingen wird, erscheint unter den gegebenen Verhältnissen iiu llcrst fraglich. Aktuelles aus Haifa Auf dem Jlafengelände ist trotz Unruhen und Streik fieberhaft weitergebaut worden Haifa ist von Militärlagern umgeben; ein Camp am Fuße des Carmel Foto«; Ltiftx Düaoer \:*זי*י z t;: ■t*׳|** I»־*י j’ll ~ יי י^* ’,fl׳ * «יי«**־»״,*. Ife tHiiÄkiy C'iS'i V'": ,״׳■

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