Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 82 (13.10.1936)
- Date
- 1936-10-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 i Nr. 82, 13. X. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästina und Indien Von unserem Berichterstatter Delhi, Ende September (d. Luftpost) Die Tatsache, daß der Royal Commission ehemalige Beamte des britisch-indischen Verwaltungsdienstes angehören, würde allein schon genügen, die Augen des jüdischen Volkes von Palästina ül»er Arabien nach Indien schweifen 7.U lassen. Aber in diesen Wochen hat man sich in Indien selbst sehr lebhaft mit Palästina befaßt, und darum erscheint es höchst aktuell, wie Britisch-Indien mit seinen 77 y» Millionen Mohammedanern (von 350 Millionen Einwohnern laut Zensus Von 1031) auf die Ereignisse in Palästina reagiert. Um das Wichtigste vorwegzunehmen: ln diesen Tagen wurde eine Delegation von Mohammedanern vom Vuekönig in der Sommerresidenz der Regierung Simla (2000 Meter hoch in den Vorbergen des Himalaja gelegen), empfangen. Wenn diese Abordnung auch alle Kreise der m&hagimcdanischen Bevölkerung vertrat, so denke man nicht etwa, daß die Masse der muselmanischen Bevölkerung Indiens eine Einheit bildet. Sie ist religiös und politisch in Gruppen gespalten, und seit langem bemühen sich manche ihrer Führer, die Gegensätze auszugleichen, um in den neu zu wühlenden Parlamenten im April nächsten Jahres — nach Umwandlung Britisch-Indiens in einen Bundesstaat — den Stimmen der Mohammedaner die nötige Resonanz zu verleihen. Bei den mohammedanischen Einigungsbestrebungen spielt auch Aga Khan, der höchste Kirchenfürst der Koja-Mohamrnedaner (in Europa auch dadurch bekannt, daß seine Pferde die letzten beiden Derbys gewannen), eine gewichtige Rolle. Die Delegation, die von Sir Mahumed Yakub geführt wurde, überreichte dem Vizekönig, Lord L i n 1 i 111 g o w, eine Adresse. Unter Hinweis darauf, daß das Mandat des Irak und das von Syrien ihr Ende gefunden haben, bzw. finden TürkischJ, werden, wird die Fortdauer des Mandats in Palästina und das energische Durchgreifen von seiten Englands hervorgehoben, was bei der mohammedanischen Bevölkerung Indiens die größten Besorgnisse erweckt hat. Schließlich wird an die Menschlichkeit und den Begriff des fair play appelliert, dem Volke von Palästina Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Andernfalls würde unvermeidlich ein Keil , in die britischmohammedanischen Beziehungen getrieben werden. In seiner sehr ausführlichen Antwort, die im Wortlaut der Presse übergeben wurde, erkannte der Vizekönig die Berechtigung der Besorgnis der mohammedanischen Bevölkerung Indiens in bezug auf das palästinensische Problem an. Er habe sich auch verpflichtet gefühlt, die Regierung in London fortlaufend darüber zu unterrichten, wie Indiens Mohammedaner zu den Ereignissen in Palästina Stellung nehmen. Darüber hinaus habe er sich direkt mit dem Staats- Sekretär für Indien in Verbindung gesetzt, der als Mitglied des Kabinetts in diesem Gremium seiner Stimme Gehör verschaffen kann und als früherer Gouverneur der indischen Provinz Bengalen auch mit mohammedanischen Fragen vertraut ist. Immerhin müsse er (der Vizekönig) auf verschiedene Miß- Verständnisse aufmerksam machen. Niemand denke daran, arabische Bauern und Grundbesitzer zu enteignen. Im Gegenteil, es sind bereits Maßnahmen getroffen worden, um in ijgsiimmtem Ausmaß Landeigentum vor dem Verkauf zu schützen, der nicht im Interesse des Besitzers liegt. Zu Wichtigerem übergehend, wie der Vizekönig sagte, sei eine Verletznng der heiligen Orte nirgends vorgekommen. (״For tliat Suggestion therc is no basis whatever“.) Der entstandene Konflikt sei überhaupt mehr politisch als religiös. Es sei ferner zu beachten, daß auch die arabische Bevölkerung von 1922 bis heute auf über 50 0» angestiegen, und daß dieses Anwachsen besonders stark in den von Juden besiedelten Gegenden zu bemerken sei. Auch auf die sehr beträchtliche Kapitaleinwanderung und die damit für das ganze Land verbundenen Vorteile wies der Vizekönig hin. Andererseits habe die Britisch« Regierung bereits 1930 ihren Standpunkt ein für alle Mal dabin festgelegt, daß es für die jüdischen Führer zwecklos sei, ihre Ansichten den extreirien Fitigeln der Zionisten in bezug auf Einwanderung und Landerwerb anzupassen. Abschließend ersuchte der Vizekönig die Delegation, auf ihre Gemeinschaft in Indien in dem Sinne einzuwirken, daß sie überzeugt sein möge, die Regierung tue das Ihrige, das schwierige Problem in gerechtem Sinn« zu lösen. Die zweite bedeutende Persönlichkeit, die sich zur Palästina-Frage geäußert hat, war der Präsident des Indisehen Kongresses, P a n d i t Jahwaral Nchm. Der Kongreß ist die nationale Bewegung Indiens, der Jahrzehnte lang Gandhi den Stempel seiner Persönlichkeit aufgedrückt hat, N'ehru hat für seine politische Ueberzeugung oft und lange im Gefängnis gesessen. Wie sein Vater hat er Stellung und Vermögen geopfert, um der Sache seines Volkes zu dienen. Neliru wurde vor mehreren Monaten aus der Haft entlassen, um seine schwerkranke Frau, die in einem Schwarzwald-Sanatorium lag, zu besuchen. Nach ihrem Tode kehrte er als der gewählte Kongreßpräsident zurück. Seine erste wichtige Aeußetung zur politischen Lage war, daß er den Sowjet-Staat als die ideale Lösung anpries. Das schlug natürlich wie eine Bombe in die Reihen des Kongresses ein, und er fühlte sich bemüßigt, einzulenken, indem er diese Frage als nicht aktuell bezeichnete. Dieser Vorgang muß erwähnt werden, wenn man seine Stellungnahme zu der Palästina-Frage kennenlernt. Nachdem er sich nämlich sehr einseitig für die Araher ausgesprochen hatte, wurde er von der in Bombay erscheinenden Monatsschrift ״Jewish Tribüne‘‘ gestellt, die ihn auf die schwierige Lage der Juden in verschiedenen Ländern aufmerksam machte und seine Bemerkung, daß die Juden jm Verein mit dem britischen Imperialismus kämpften, richtig stellte. Er hat auch dann wieder einen Rückzieher gewacht, indem er die unglückselige Situation der Juden anerkannte. Trotzdem hat ihn das später nicht abgehalten, von seifen des Kongresses einen Palästina-Tag für den 27, September für ganz Indien anztiberaumen, der jedoch in der Oeffentiiehkeit nicht weiter in Erscheinung getreten ist. Die wirkliche Triebfeder zu seinem Handeln liegt bei Nehru jedoch ganz wo anders. ,,Den Sack schlägt man, und den Esel meint man.“ Er mußte nämlich den indischen Mohammedanern gewissermaßen zum Munde reden, veil es bis zum heutigen Tage nicht gelungen ist, sie in einem auch nur irgendwie nemerkenswerten Maße dem Kongreß zuzuführen. Denn aryßer einigen wenigen Personen bleiben die Muslims dem Kongreß mrn, was sich bei den kommenden Wahlen zeigen wird, /wischen Hindus und Mohammedanern in Indien besteht seit Jahrhunderten eine religiöse Kluft, die bis heute trotz vieler Bemühungen nicht nur nicht überbrückt ist, sondern, wie die 8״uf'gen Zusammenstöße beweisen, auch weiterhin offen Mafft. *)at also in seiner einseitigen Stellungnahme in bezug aut I alästina ״in das Parkett gespielt“, ohne jedoch einen crtolg bei den mohammedanischen Zuhörern zu erzielen. Daß es auch in Indien Stimmen gibt, die die Lage in raiastina n'cht so einseitig ansehen, beweist ein arabischer rarmer, der sich zur Frage geäußert hat, und diese Stimme w1egt um so mehr, als es sich eben um einen Mohammedaner Mifal bizzaron Aufruf der Exekutive der Jewish Agency Die Exekutive der Jewish Agency hat folgenden Aufruf an das jüdische Volk erlassen: Sechs Monate lang stand der Jischuw einem Angriff auf seine Wirtschaft und unaufhörlichen mörderischen lieberfällen gegenüber. Die arabischen Streikkomitees und die Terroristenbanden haben versucht, den jüdischen Bemühungen um eine friedliche Wiedergeburt in dem wiedererstehenden Heimatlandc durch grausame und feige Untaten Einhalt zu gebieten, indem Alt und Jung aus dem Hinterhalt ermordet, Ernten vernichtet, Pflanzungen zerstört wurden. Dieser versuchte Vernichtungskrieg ist nicht nur gegen Leben und Werk der vierhundert lausend Juden gerichtet, die jetzt im Nationaihcim leben, sondern auch gegen die Hoffnungendesganz enjüdischcnVolkes, gegen die Jahrhunderte alte Sehnsucht, in die lang vernachlässigte Heimat zurückzukehren, sie wieder aufzubauen und das eigene Leben in ihr zu erneuern. Aber der Jischuw hat sich durch diesen Anschlag 11 icht einschüchtern lassen. Die Kampagne des Blutvergießens, der Zerstörung und Wut, die die arabischen Briganten entfesselt haben, ist erfolglos an der lebenden eisernen Mauer zusammengcbrochcn, die die Erbauer der Heimat geschaffen haben. Brutale Provokation, die in Gesetzlosigkeit zum Ausdruck kommt, hat ihren Widerstand gefunden und Bürgerkrieg ist verhindert worden. Der Jischuw steht fest auf seinem Posten, in kräftiger Verantwortlichkeit und mit niiditernem Urteil, in ungebrochener Entschlossenheit und unaulhörlieber Wachsamkeit, in einer Hand das Arbeitsgerät, in der anderen die Verteidigungswaffe.. Der arabische Streik, befleckt mit unschuldigem jüdischem, arabischem und britischem Blut, hat die Entwicklung der jüdischen Wirtschaft nicht ablenken, noch das schöpferische Werk der Juden zum Stillstand bringen können. Die Unsicherheit auf den Straßen hat den Verkehr der Juden nicht zum Stocken gebracht, noch die Verbindungen zwischen Stadt und Dorf zerbrochen. Die Pioniere unseres Volkes Stn Land haben ihre Anstrengungen nicht auf den Schutz der bestehenden Positionen oder aut die Fortsetzung ihrer früheren Tätigkeit beschränkt. Inmitten der Unruhen, das Schwert der Vernichtung über seinem Haupt und die Hoffnungen des jüdischen Volkes in größter Gefahr, hat der Jischuw neue dauernde Stel- Tun gen erobert, die Erweiterung versprochen, und hat seine Wurzeln noch stärker in den Boden geschlagen. Die erste jüdische Stadt der Welt hat einen Weg zum Meer geschaffen und ein jüdischer Hafen wird an Tel-Awivvs Strand gebaut. Jüdische Arbeit in den jüdischen Kolonien ist auf eine festere Grundlage gestellt worden, und tausende jüdischer Arbeiter sind aufs neue in den jüdischen Siedlungen aufgenomnien worden. Die jüdische Landwirtschaft hat neue Märkte gewonnen, und hunderte neuer Pioniere haben Zugang in die Arbeitersiedlungen gefunden. Die Steinbrüche, die ciie Grundlage der Bauindustrie bilden, haben zusätzliche jüdische Arbeiter aufgcnomincn. Die jüdischen Verteidigungskräfte sind in einzigartigem Maße vergrößert worden, tausende junge Juden wurden in die Hi! fspolizei eingereiht und bewachen jetzt jüdisches Lehen und Eigentum, und in diesen Monaten, da Verbrechen und ungezügelte Leidenschaften wüten, sind tausende neue Einwanderer aller Klassen und jeden Alters ins Land gekommen und haben ihre Niederlassung gefunden, als Beweis für die Aufnahmefähigkeit des Landes, dem Terror zum Trotz. Sechs Monate lang hat der Jischuw allein das ganze Gewicht des Kampfes getragen, indem er für seinen Glauben an unser Werk der Erlösung mit der Frucht seiner Hände Arbeit, mit Eigentum und Leben seiner Söhne und Töchter bezahlt hat. Aber der Jischuw wird nicht zurückweichen, noch ein Opfer scheuen, sondern imerschüttcrt und bereit in dieser Stunde der Prüfungaut seinem Posten stehen. Dieser Kampf darf nicht dem Jfschuw allein überlassen werden. Der Jischuw wacht nicht nur für Leben und Recht der 400 000 Juden, die im Land sind, sondern er steht auf der Wacht für die Rechte des ganzen jüdischen Volkes, für sein Recht, in die Heimat zurückzukehren und seine nationale Selbstbestimmung wiederherzustellen. Das ganze jüdische Volk ist au »gerufen, teilzunehmen an dem Versuch der Verteidigung und des Aufbaus, von dein unsere nationale Zukunft abhängt. Die Jewish Agency, als die international anerkannte und gesetzlich bestätigte Vertretung des jüdischen Volkes, wendet sich an das ganze jüdische Volk und ruft jeden seiner Teile auf, sich ohne Verzug und mit aller Kraft zus a m m e n z u sc h I i e ß e n für die Kampagne der Sicherheit und des Aufbaus, die begonnen worden ist, um die Hand der Verteidiger an der Front zu stärken, die neuerworbenen Positionen zu erweitern und die wirfschaftlichen Stellungen in Stadt und Land zu stützen, damit eine größere Aufnahmefähigkeit und eine stärkere Einwanderung erzielt wird. Die Kampagne ist nicht der Unterstützung der Notleideitden oder Bedürftigen gewidmet. Der Jischuw, der Schweres erlitten und kostbare Opfer an Leib, Leben und Eigentum ertragen hat, hat vollkommenes Zutrauen zu seiner eigenen Kraft und vertraut ohne Wanken auf seine historische Mission, als die Vortruppe der Verteidiger und Erbauer, die ins Land entsandt worden sind, vom jüdischen Volk und für das jii« disehe Volk. Die Kampagne für Sicherheit und Aufbau hat diese grolle Aufgabe: das (iesamtjtiilentum, das sich ohne Verzug und in Treue ihr widmet, wird die Verbundenheit seines Schicksals mit dem der Pioniere unserer Erlösung und Wiedergeburt beweisen. Die Kampagne wird Zeugenschaft für die hebräische und ehrenvolle Verteidigung des Jischuvs und für seine ruhmreiche Taten ablcgen, die auch die des ganzen jüdischen Volkes sind. Demi hinter den 400 000 Pi»- nieren in F.rez Israel steht das Volk, geeint, voll Glauben und Entschlossenheit. Kurt Blumenfeld Sn Prag: Beginn (1er Müal Bizzaron-Aktion P rag, 6. Oktober Die Mifal-B1//.1־ron-Aktion, in der der Tschechoslo• wakei die Aufgabe zufällt, 1 Million Kronen aufzubringen, begann mit einer großen Kundgebung in der Getreidebörse, in der Kurt Blumenfeld zu dein Problem des Tages sprach: Was tun die Juden heute für Palästina? ln einer außerordentlich geschickt gesteigerten Rede, deren starke, leidenschaftliche Höhepunkte mit den ruhigen, überzeugenden Partien der Begründung und Erläuterung wirksam kontrastierten, schleuderte Blumctifeld die Gewisserisfrage inseine Hörerschaft. Er rechnete in einer sehr überlegenen Weise mit jenen exaltierten Phantasten ab, deren ganze Klugheit darin bestände, alle Forderungen noch zu übersteigern. Blumcnfeld führte die Dinge, die sich heute in Palästina begehen, und die Schwierigkeiten und Hoffnungen, die sie bergen, auf den Stand der Realität zurück. Er wandte sich gegen diejenigen zionistischen Gruppen, die sich in Protesten gegen die Mandatarmacht erschöpfen, mit der inan doch und durch die man allein etwas erreichen könne. Glücklicherweise gäbe es eine Anzahl Menschen, die sich von Stimmungsschwankungen, die nichts mit Erkenntnis zu tun hätten, nicht hin reißen lasse. Dazu gehört Weiz mann, der Realpolitik treibt. Die Araber haben sich durch die Ueberspit/ung ihrer Forderungen die Chance verdorben. Jetzt kommt es auf die Juden an, in den Verhandlungen mit den Engländern sich so zu verhalten, daß diese nicht ebenfalls die Juden als indiskutable Verhandlungspartner empfinden, sondern in der Stellungnahme der jüdischen Unterhändler eine Gewähr für eine künftige Zusammenarbeit im Sinne des Aufbaugedankens finden. Sei auf der einen Seite maßvolle und ziclbewußte Klarheit notwendig, brauche man aber außerdem auf der anderen auch die Tat. Heute muß das Judentum der Welt zeigen, daß es Palästina nicht im Stich läßt. In der Hausse etwas mitzumachen ist kein Kunststück, bei einer Baisse sich zu engagieren, zeigt, daß man Vertrauen für die Zukunft hat. Wenn heute die Juden aus!.ändern, in denen es ihnen noch gut geht, etwa aus Amerika, nach Palästina gehen, dann ist das eine für die Welt überzeugendere Fat als alle mögliche sinnlose radikale Parteiprogrammatik. Die entscheidende Stunde für das Judentum ist via. Heute muß es beweisen* daß es wirklich an seine Sendung glaubt. Der Beifall, den Blumcnfeld fand, war stürmisch und nach den Meldungen, die aus allen Teilen der Republik einlaufen, ist eine gute Durchführung der Mifal-Bi/.zaron- Aktion zu erwarten. Feberall wurden Partei- und Programmstamipunkfe zurückgestellt und die verschiedenen Organisationen haben ihren Stellen die strikte Anweisung gcgeben, sich hundertprozentig für diese große Palästinatat cinzusetzcn. t. gl. handelt. Mr. Ahmed Safadi sagte in einem Interview bei seiner Ankunft in Bombay, das in der größten Zeitung lndiens, der ״Times of 1 n d i a“, abgedruckt wurde, wie die Verhältnisse in Palästina in Wirklichkeit liegen. Die reichen Araber, heißt es darin abschließend, die selbst ihr Land an die Juden zu sehr guten Preisen verkauft haben, sehen nun ihren Einfluß auf die ärmeren Schichten schwinden, die in der Zeit vor der britischen Besetzung nichts anderes als ihre Sklaven bei 16- bis lßstündiger Arbeitszeit waren. Die Mcthoden des Terrors gegen die Juden bezeichnete Safadi als ״unislamitisch“. Pariser Brief Von unserem Berichterstatter K. Paris, im Oktober Zusammenstöße in Algier — Streiks in Syrien Trotz aller Bemühungen der französischen Regierung, eine Befriedung der französischen Mitteltneerkolonien herbeizuführen, hält der Unruhc-zustand unverändert an. Gerade in den letzten Tagen ist es wieder in Algerien zu Zusammenstößen zwischen Eingeborenen und der Polizei gekommen. Nach Beendigung einer Versammlung des ״nationalen Blocks“ kam es zu Zusammenstößen zwischen politischen Gegnern, bei denen zahlreiche Schüsse abgegeben wurden. Zwei Personen wurden verletzt. Die ״Garde mobile" mußte schließlich energisch gegen die Demonstranten Vorgehen. Verschiedene Personen wurden verhaftet. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in C o n s t a n t i 11 e, wo eine kommunistisehe Versammlung von politischen Gegnern angegriffen wurde. Auch hier fielen Revolverschüssc, und es wurden vier Personen verletzt. — In Syrien ist es im Zusammenhang mit der Abwertung der syrischen Währung zu einer Strei kbeweg ung in Damaskus und Beyrouth gekommen, die ca. 30 000 Arbeiter umfaßt. Die Führer der Arbeiterschaft weisen auf die Hausse der Lcbcnsmittclprcise hin und verlangen eine Anpassung der Löhne an den neuen Preisstandard. — Der neue General resident von Marokko, General N 0 g u e s, der frühere Oberkommamliefendc der algerischen Truppen, hat feierlich sein neues Amt angetreten. Der neue Gcneralresident versicherte in seinen Ansprachen, ״daß -das Protektorat Frankreichs über Marokko im Geiste Marseliall Lvautc.es weitergeführt werden würde. Frankreich wird sieh bemühen, den sozialen Fortschritt Marokkos systematisch zu fordern und im Verlauf der Zeit die marokkanische Bevölkerung enger mit der Verwaltung des Protektorates zu verknüpfen.“ Die antisemitische Propaganda Die antisemitischen Gruppen in Paris rufen in diesen Tagen ihre Anhänger zu einer Massenversammlung zusammen, in der die Leiter des ״Club Nationale“ über aktuelle politische Probleme im Zusammenhang mit der Judenfrage sprechen werden. Größere Besorgnis als diese Agitation der extremen Gruppen haben in französisch-jüdisehen Kreisen nittijüdische Aeußerur^gcn eines der führenden Vertreter der katholischen Kirche in Frankreich, des Kardinals B a t! d r i 11 a r t, hervorgerufen. Kardinal Baudriilart, der Mitglied der französischen Akademie ist, war bisher durch antijüdischc Aeußerungen nicht hervorgetreten. Jetzt erklärte Kardinal Baudriilart bei einer Feier, daß er auf ,,Grund persönlicher Informationen“ eine Einmischung revolutionärer Juden in Frankreich fürchte, wie sie in Spanien erfolgt sei. ln jüdischen Kreisen haben diese Aeußcrungen erhebliches Aufsehen h'crvorgerufcn und sind von der jüdischen Presse zurückgewiesen worden. Dizengoff-Trauerfeier in Parle Zum Andenken an Meir Dizcngoff wurde von den zionistischen Organisationen in Frankreich eine Gedenk• Versammlung im Hotel Majcstic einberufen, die unter dem Vorsitz Senator Godarts stand. Zahlreiche Redner rühm• ten die großen Verdienste Dizengoffs um die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims und insbesondere der Stadt Tcl-Awiw. Auch in der französischen Presse sind die Per• sönlichkcit Dizengoffs und seine Leistungen für Palästina gewürdigt worden. _ Am 4. Oktober wurde in Krakau eine allgemeine Palä• stinakonferenz für Westgalizien eröffnet, a.n der Vertreter aller zionistischen Gruppen und Richtungen, sowie der jüdischest Gemeinden, teilnahmen.