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Jüdische Rundschau · 1936-10-07 · Heft 80-81 (7.10.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 80-81 (7.10.1936)
Date
1936-10-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NK. ÖO/ÖF 7. OKTOBER 1936 M Jüdische Memoiren J. H. Weiß; Meine Lehrjahre. Aus den hebräischen Erinneruitgen des Verfassers, deutsch von Moritz Zobel. Bücherei des Schocken Verlages 65. Die Kenntnis der jüdischen Vergangenheit, besonders der uns noch so nahen und in vieler Hinsicht schon so fern gerückten Vergangenheit des 19. Jahrhunderts, tut uns Heutigen besonders gut, wollen vir unser eigenes Leben und insbesondere auch unsere geistige Situation verstehen. Diesem Ziel kann durch nichts so gut gedient werden wie durch die Zugänglichmachung der Memoire n-Literatur, die es in unserem Bezirke gibt. Einen eigenartigen Beitrag dieser Art stellen die Erinnerungen dar, die der große Erforscher des Talmud und der jüdischen Literaturgeschichte, der Vorfasser der berühmten fünfbäiidigcn Geschichte der jüdischen Tradition ״i>or Dor wedorscliaw'‘, Jizchak Zwi (Eisik Hirsch) Weiß geschrieben hat. 1 in 80. Lebensjahr schrieb er seine Erinnerungen in hebräischer Sprache, in denen er nicht so sehr die persönlichen Erlebnisse, die er hatte, fcsthalten wollte, als das Typische in seinem Studiengang und seinem wissenschaftlichen Werden niederlegte. In dem vorliegenden Bändchen gibt Moritz Z o b e I neben einer Einleitung in das Gesamtwerk dieser Erinnerungen und einem Nachwort, das einiges Wichtige über das spätere Schicksal des Verfassers sägt, mit einigen Kürzungen den R iiV* h a r? Buchhandlung Marlin Salomon lj# U %#llw I | : Berlin N0 43, M*u• Kofu0״k79 •0»־ / Telephon: E3 2633 ersten Abschnitt der Erinnerungen in deutscher Sprache vdeder, die die Kindheit und Jünglingsjahre des Verfassers behandeln. Wir erleben eine Welt, die so reich an Gestalten wissenschaftlicher, menschlicher und jüdischer Art ist, wie. wir sie uns kaum belebter vorzustellen vermögen, die Welt der Jeschiwoth in Mähren und Ungarn, die Welt vieler berühmter Rabbiner, eine Sphäre zugleich der Enge und der Weite, die Auseinandersetzung mit den Problemen der Aufklärung und der Erhaltung der Tradition, und wir erleben nicht zuletzt die schweren Sorgen, die auf der Judenschaft jener Länder lasteten, die Erniedrigungen, die sie auf sich nehmen mußte. So sehen wir nicht allein eine lernbegierige und im Judentum tief wurzelnde junge Seele sich entfalten, sondern wir empfinden den ganzen Reichtum jüdischer Substanz, der sich noch in jener Zeit in diesen Ländern auswirkte und von dessen letzten Auswirkungen auch wir Heutigen zehren, oe. K Abraham Hesdiels Prophetenbudi China ־ Literatur Gustav Atnann: Chiang Kaishek und die Regierung der Kuomintang. Verlag Kurt Vovvinckel, Heidelberg-Berlin, 1936. Von Gustav Amann, der als Berater der chinesischen Regierung in Nanking selbst eine wichtige _ Stellung im Neuaufbau des nationalen China einnimmt, ist als Fort- Setzung seines Buches: ״Sun Yatsens Vermächtnis“ dieses Buch über China erschienen, in dessen Mittelpunkt Chiang Kaishek steht. Amann schildert die politischen und militarisehen Ereignisse der Jahre von 1927 bis 1933 und entrollt ein lebendiges und dadurch, daß es aus der Nähe miterlebt ist, bei aller Kompliziertheit der Vorgänge stets plastisches Mild dieser Epoche der chinesischen Geschichte. Darüber hinaus gelingt es Amann, nicht nur die Gestalt des chinesischen nationalen Führers selbst, sondern auch eine große Reihe anderer führender Persönlichkeiten jener Epoche mit Fleisch und Blut zu versehen und sie in ihren Motiven, in ihren Hemmungen und auch in ihren Erfolgen uns nahezubringen. Wir sehen das Ringen einer Nation um Neugestaltuiig ihrer eigenen Lebensvcrhültnissc und um politische Geltung. Wir erleben den Machtkampf der Ideen, der sich auf dem uralten Boden der chinesischen Tradition abspielt und dessen Ausgang heute noch nicht entschieden ist. Amann selbst vertritt mit überzeugenden Argumenten die _ These, daß der Geist China s, der der Geist Asiens ist und seinen Niederschlag in den jahrtausende alten Formen des sozialen Gefüges gefunden hat, auch bei diesem Prozeß immer wieder zum Durchbruch kommt und nach Verwirklichung drängt. Die Darstellung bricht mit dem Eingreifen der Japaner in Maiidscluikuo ab, jenem Wendepunkt, der die ganze Welt an dun Rand einer tiefgehenden Erschütterung gebracht bat. Wer sich über die chinesische Geschichte unserer Zeit informieren will, die aus den Mitteilungen der Presse uns nur unvollkommen zum Bewußtsein kommt, wird dieses Buch, das durch zahlreiche Bilder und Kartenskizzen belebt ist, vortrefflich benutzen können. —■K Peter Fleming: Mit mir allein. Eine Reise nach China. Deutsch von Hans Reisiger, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin. Den Ciiinabüchern des Franzosen Gervais ״Ein Arzt erlebt C 11 i n a“ und ״M a I v c n auf weißer Seide“ folgt jetzt ein China buch von Peter Fleming, einem jungen englischen Schriftsteller, der von der ״Times“ zu einer sieben Monate langen Reise nach China geschickt worden war. Peter Fleming hat eine ganz besondere Art, uns seine Erlebnisse zu erzählen. Sein Stil ist ungekünstelt und so überzeugend, daß man glaubt, nicht selbst zu lesen, sondern vor ihm zu sitzen und seine Reiseerlebnisse zu hören. Er verblüfft durch seine Ironie, die aber nichts Vcrletzendes an sich hat, sondern nur entwaffnend komisch wirkt. Treffend zeichnet er Menschen und Situationen, in die er täglich, ja fast stündlich hineingerät. Er scheint nichts ernst zu nehmen, am wenigsten sich selbst, und dach soll erade dieses Urteil nichts Negatives enthalten. Sein jungenafter Ucbcrinut läßt ihn zü keiner Mißstimmung, trotz Beschwerlichkeiten, denen er auf dieser Reise ausgesetzt ist, kommen, immer ist er bereit, mit offenen, aber oft kritisch blickenden Augen alles aufzunehmen. Fleming fährt zuerst über Rußland mit der tramsibirisehen Bahn nach Mandscliukuo bis nach Charbin. Er bekommt hier die Macht der Japaner zu spüren, die außerordentliche Anstrengungen machen, um sich dort zu bchaupten. Dann geht seine Reise weiter quer durch Mandschukuo, wo er Expeditionen gegen die Banditen Im felsigen Gebirge mitmacht. Der Hauptteii seiner Erzählung berichtet von der langen Reise ins Innere von Südchina, wo er in Nangking auch eine Audienz bei Tschiang Kaiscbek erreicht, dem Führer des nationalen China. Wir erleben mit dein Erzähler die gewaltigen nationalen und sozialen Auseinandersetzungen, die sich in China abspielcn. Bis zum Schluß seiner Reise, die in Amerika endet, hält sich die Darstellung aut hohem Niveau. Ch. F. Abraham Heschel: Die Prophetie. Krakau, Verlag der polnischen Akademie der Wissenschaften, 1936. In Deutschland zu beziehen durch den Erich Reiß Verlag, Berlin W 15. 1111 ״Ausdruck“ ist das Fremdseelische unmittelbar wahrzunehmen. Die Unmittelbarkeit des Verstehens Gottes durch die Propheten der Bibel beruht in ihrer ״pathetischen“ Gottesvorstellung, daß sie den Herrn in einem empfindungsvollen Verhältnis zur Welt, nicht nur als das ״Ganzandere“, Uebernatürliche, Allmächtige erkannt haben. Aus den Vorgängen der Geschichte sprach ihnen der Geist Gottes, und dieser Geist bedurfte einer Auslegung. Im Praktischen und Realen spürten sie das höhere, iiberweltliche Wesen. Der Gott der Propheten ist auf die Welt gerichtet, er ist nicht (wie bei Aristoteles) das ewige Unbewegte, das kein Leiden kennt, sondern eben ״pathetisch“, sein Denken ist auf die Welt bezogen. Die Geschichte Israels, also als das Gegenteil einer Sinngebung des Sinnlosen, sondern als ,,Ausdruck“ Gottes! So analysiert Abraham Heschel, der im Maimonides- Jahr durch das reifste und selbständigste Maimonidcs-Buch überrascht hat, die Gottesvorstellung der Propheten. Wer ein Gesamtbild der alttestamentlicheii, der biblischen Welt des Glaubens gewinnen, nicht nur ihrem historischen und kultureilen Hintergrund nachgehcn will (wie cs etwa Elias Auerbach in den Bänden ״Wüste und gelobtes Land“ sich vornimmt), der darf in der Exegese des Wortes nicht stecken bleiben. Aus ״Auerbach“ kann man die biblische Religion nicht kennen lernen, noch weniger kann man das aus einem bloßen Text- und Wortverständnis, wenn man es noch so genau nimmt. Es ist in der Tat der Einbruch und die Durch- Setzung der Königsherrschaft Gottes in dieser Welt, der Bezeugungswille dieses Einbruchs, der das biblische Wort über das Religionsgeschichtliche hinaus zuin Auslcgungsmittel des sonst unverständlichen Weltgeschehens bis heute gemacht hat. Man kann auch darstellen, wie sich die altisraelitische Religion nach aller! Seiten entfaltet hat und durch welche Entwicklungsstadien sie gegangen ist. Neben dieser historisehen Forschung und neben der Exegese des Wortes hat die systematische Betrachtung mit sachlicher Zusamnienordnung und׳ streng gedanklicher Entwicklung der in der Bibel manifestierten Religion ihre Berechtigung. In der jüdischen Wissenschaft hat bisher eine systematische Theologie der Bibel aus einer auf voller Höhe stehenden Problembetierrschung mit gereiften philosophischen Methoden noch kaum eine Stelle gefunden. ״Theologie“ ist hier aus vielen oft erörterten Gründen verdächtig, woran die Theologen selbst nicht immer unschuldig waren. Wir ersparen uns und dem Leser, an moderne jüdische Theologie-Fachleute zu erinnern, welche die modernsten Geister Schelcr, Heidegger, nicht zu reden von Kierkegard, an den biblischen Geist heranführten. Abraham Heschel hält sich peinlich iin Bereich der Bibeltexte, im Rahmen des im Schriftwort Gegebenen, und zwar der vorexilischen Schriftpropheten. Er treibt weder erklärende Psychologie, noch will er über die Wahrheit der prophetischen Aussagen urteilen. Nicht die Tatsachen und Umstände, sondern Sinn und Wesen der Prophetenpersönlichkeiten sollen erkannt werden. Die Ganzheit der prophetischen Persönlichkeit wird als Einheit von Eingebung und Erlebnis angesehen. Wir müßten von dem Stand der heutigen rcligionsphänomonologischen Forschung, im Speziellen auch von der erkenntnistheoretischen Stellung Max Dessoirs und David Koigens sprechen, wenn wir hier die Methode kennzeichnen wollten, der sich Heschel für seine Analyse des prophetischen Bewußtseins bedient. Die Akte der ״Eingebung“ und des ״Erlebnisses“ sind in den ersten Teilen von Heschels Untersuchung■ Ausgangspunkte seiner Propheteuerkenntnis. Die verschlungenen Wege der Wesenserforschung, der ״Ordnungstypen“ und ״Strukturkategorien“ können wir hier unmöglich nachgehcn; sie ״gemeinverständlich“ zu machen, hieße die Subtilität der ganzen Untersuchung in Trivialitäten oder homiletische Paraphrasen aufweiclicn. Hingegen sei hier noch kurz von der ,.pathetischen Theo l’o g i e“ der Prophetenbücher die Rede. Um eine philo- Uwd-Buefe geb. MM durch die jüdisch. Burhh. odfr die Rudthrandiun״ Edmand Meyer, Berlin W50, fhimbcrg-er Str. 61- Postscheck •815 09 sophische Gotteserkenntnis konnte es sich hei dem Denkverhalten der Propheten nicht handeln. Ihre Denkfunktion war ein direktes Empfangen oder ahnendes Erfassen von Zeichen —■ von Worten in der Eingebung, von Vorgängen als geistigen Aeußerungen Gottes in der Welt. Sie wollen Gott in seiner unmittelbaren Teilnahme am Weltgeschehen verstehen, nicht spekulativ Gott, das Absolute, das reine Sein, Gottes ״Eigenschaften“ erkennen. Denn die Propheten haben ihr Wissen um Gott entweder im Ereignis empfangen oder durch deutende Betrachtung der Umwelt expliziert. Wort und Welt war ihnen stets ein ״Ausdruck“ Gottes. Die Vorstellung von einem Eingreifen der göttlichen Macht in allen Stufenleitern menschlich ausgeilriickter Affekte vom höchsten Zorn bis zum mütterlichen Mitleiden nennt Heschel den ״pathetischen Monotheismus“ der Propheten und untersucht diese Erscheinung nach allen Seiten in vergleichender rcligionsphänomonologischer Methode. Denn die Bedeutung der Pathosidee und des ״pathetischen Monotheismus“ wird aus der Betrachtung der möglichen Formen, in denen die Gottesbeziehung zur Welt sich dar bietet, ersichtlich. ״Eine Mannigfaltigkeit von Verbindungen zwischen Gott und Mensch, zahlreiche Spielarten der Annäherung und Begegnung, wie auch das unmittelbare öerichtetsein der menschlichen Innerlichkeit auf das göttliche Subjekt wird durch die Pathosidee ermöglicht und legitimiert.“ Auf diese Weise ist weit über den moralisch deutbaren Bereich des menschlichen Daseins das Menschliche in seiner spannungsreichen, ״moralisch“ gar nicht erfaßbaren Ganzheit in Beziehung zu Gott gebracht. Das ״Pathos“ schließt nämlich den Gedanken ein, daß Gott an der menschliehen Geschichte, den menschlichen Leidenschaften ihrer Verstrickung beteiligt ist, daß ihn jede Tat angelit und ihn alle Ereignisse betreffen. In der Geschichte der Zähmung und Erziehung des Menschengeschlechts, die noch heute in ihren ersten Anfängen stellt, eine weltbewegende Vorstellung! Man denke etwa an das gewaltige theologische, die ganze Geschichte der Theologie durchziehende Phänomen des ״Zorns Gottes“! Dem milden, humanen, hypokritischen 19. Jahrhundert haben die ״pathetischen“ und irrationalen Züge des biblischen Gottescharakters Verlegenheit genug gebracht. Heute bezeugen die verstellenden Werke der Religiortsphänonienologie (G. van Leeuw, Rudolf Otto usw.) und sysfematischcn Theologie (vor allem Walther Eichrodt) die Dis- Position unseres Zeitalters für das wichtigste biblische Urphänomen des ״Charon-aph“, der göttlichen Zornesglut. Man nehme Jecheskels (5, 13 f.) furchtbare Darstellung der ״DIES IRAE“: Erschöpfen muß sich mein Zorn, meine Glut muß ich stillen an ihnen, ich muß mich letzen. Dann werden sie erkennen, daß ICH es bin, der geredet hat, an meinem Eifer, wann meinen Grimm ich erschöpfe an ihnen. Ich mache dich zur Oede, zur Schande unter den Stämmen die rings um dich sind, allen Wandrern vor Augen, Schande sei cs und Schimpf, Mahnungsschreck und Erstarren den Stämmen die riipgs um dich sind, wann ich Gerichte tue an dir mit Zorn, mit Grimm, mit grimmigem Züchtigen — 1CII bins, der geratet hat. Diese Sätze sind heute wie der auch ohne Theologie und Phänomenologie ״verständlicher“ gewoiden. Auch Luther etwa hat davon etwas gespurt; aller die Theologie des vorigen Jahrhunderts (die Smeml, .Marti, Budde) haben daran vorbeigetappt; sie hatten ״Bedenken" gegen diese Formen der ״Anthropopatliie"! Was ist wirklich das Letzte am göttlichen Pathos? Ob mit der von IksHtel subtil entwickelten ״Iranszemleilten Aufmerksamkeit“ Gottes I!1t-.cheidendes ansgesagt ist? Hier rühren wir an die Fragwürdigkeit der ״Wesenschau“ und ihrer Aussprechbarkeit uln-rliaupt. Es sei hier wiederholt: Hesdiels I,ruphetenbuch ist eine ungewöhnliche rdigioiiswi^sviischaft’iche Leistung, die sich mir dem begrifflich geschulten Lewer ganz erschließt. Unsere Propheten-Erkiärungen haben im letzten halben Mcnschenalter eine eindringliche Vertiefung erfahren; und davon sei noch kurz die Keile, um ״I lesclui1־ in unsere Judentiimsforschuiig, die wir nicht aufgeheu dürfen, einzureihen. Max Weher und später sein Bruder A 1 ( re d W e b e r (in seiner Kl! Hilf- Soziologie) haben die Frage ganz .scharf gestellt: ״Wodurch sind diese Männer, welche die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums lieraufgeführl haben, die ersten Schöpfer dieser Bedeutung geworden?״ Man mag die theologische, soziologische, geschichtsphilosophBclie Antwort einschätzen wie man will, in den uns erhaltenen I'rophefeiibuehern ist das Grundpostulat des alle Vernunft einreißenden himmelstürmcn-den Glaubens, das als Erfüllung der Gebote dieses Gottes gestellt wird, so stark verinnerlicht, daß das Phänomen auf die Oeschichte, so weit sie unter diesen Einfluß gekommen ist, immer wieder gewirkt hat, fundamental, als Absolutes, nicht aus bestimmten historischen Bedingungen, aus diesem Volk und für sein Schicksal Erwachsenes (Alfred Weber, Kulturgcschichte als Kultursoziologie S. SG f.). Die religiöse Großmacht des Judentums ohne Staat und Heer rührt unmittelbar aus der Gewalt des prophetischen Urwortes. Grund genug seiner Durcliforsdning mit allen Mitteln! Die tiefste Einsicht in die Eigenart der klassischen Prophetie hat uns der Baseler Theologe Eichrodt (in seiner ״Theologie des Alten Testaments“) vermittelt. Die prophetische Beurteilung des innerw eltlichen Handelns und die prophetische Geschichtsauffassung, die Idee von Sünde und Gericht erfahren bei Eichrodt die bisher nicht (auch nicht von Heschel) übertroffene systcmatische und gedankliche textgerechte Interpretation. Bernhard Duhms berühmUs Proplietenbuch aus dem Jahre 1916 stellte sich zur Aufgabe, de» geschichtlichen Zusammenhang zwischen der Prophetie und der spateren Weltreligion durch eine Gesamtschau des biblischen Prophetcnttims aufzuhellen; Duhm wurde an dieser Aufgabe selbst zum Propheten und meinte, es würde noch einmal dahin kommen, daß man die biblischen Propheten ebensogut keimt wie die geistigen Führer der Griechen, Inder, (lhine-.cn und des eigenen Volkes. Aus dem gleichen Jahr wie I)11 hm stammt die von jedem humilctischen Uebcrichwang entfernte Interpretation von Ernst T r 0 e 11 s c h ״Glaube und Ethos der hebräischen Prophetea“ als der Vertreter Her Uiigemischtheit und Reinheit israelitischen Wesens, das noch nicht der Art der Pariavölker wie das nachtrajanische Judentum verfallen gewesen sei. Aus dem jüdischen Propliciciifum ist das mächtigste religiöse Prinzip der Welt hervorgcgnngcn; in der Jesuspredigt und in der Lehre Muhnmmcds ist es trotz der absoluten Eigenart der beiden Kultnrkrcise, die durch Christentum und Islam näher gekennzeichnet werden, zur weltgeschichtlichen Wirksantkeit geworden. Den ,!»!-.gezeichneten neueren Arbeiten von Alfred Jepsen (״N'.ihi״) und Euch Eascher (״Prophetes“) verdanken wir gv.mdh'gcmlt■ lhiterscheidungen auf dem weiten geistigen Eck I dis jüdischen Prophet is nttts. Die neuere ״Existcntiaiili• ologie“, zu der merkwürdige jüdische Neigungen seit I ran/ R o s e n / w e i g bei uns zu beobachten waren, hat für das innere zeitlose Anliegen des Prophetenworts eine besondere Verstehensberatschaft gezeigt (besonders die Arbeiten von Karl Heim und seiner Schiller zeigen das deutlich). Und emllich Italien Eichrodt (in dem schon genannten Werk) und Sellin (Theologie des /Alten Testaments) das religiöse Phänomen ״Prophetisintis“ systematisch mit durchdringendem Ernst durchleuchtet. Es ist erfreulich, du fl mit dem Werk von Abraham Heschel auch von jüdischer Seite ein auf der Höhe sysfematisch-theologischer Erklärung stehender Versuch über das Wesen der prophetischen BewulHseinstatsachen geglückt ist, Dr. Ludw׳ig Feuchfwanger Richard Flatter: Hamlets Flucht in den Tod. Herbert Rcichnei Verlag, Wien-Leipzig-Zürich. Eine neue Deutung und Darstellung des Hamlet-Problems wird von Richard Flatter, dem Kenner englischer Lyrik, der auch eine neue Ucberset/ung wichtiger shakespearischer Stücke vorbereitet, hier gegeben. Hamlet erscheint nicht mehr als der ״Schwächling“, als ■der er oft dargestellt wurde, der zwischen den Zerrissenheiten seines eigenen Selbst bin und her gezerrt wird, sondern er ist der Mensch, der vor eine unerfüllbare Aufgabe gestellt wird und der in dieser Situation dasjenige bewahrt, was die tiefste Art Shakespeares ist: echtes Menschentum. So erscheint Hamlets Tat sls die edelste Tat menschlicher Güte. -n. )n illcn c״v ■‘1"״״iKki”■׳■ AÖDEPARFUM« KOPFWASSER EAU DE COLOGNE* BADESALZ m

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