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Jüdische Rundschau · 1936-10-07 · Heft 80-81 (7.10.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 80-81 (7.10.1936)
Date
1936-10-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 1936 en )ktober m eine iruppen hen in ■bracht, ,v Ischen Zio- :t. Erlit den . Wolf- ״Binin den t wornis gereinemlat der abend ufzu• der bis ler auf : nichts Hungen ich die lonisten r ״Zio- >ck der 1 einererseits, arunter eniiberajorität nicht ne nur mr der rsammtanken,?e vom nügung as Ver- :ehoben er hier in Zahl igewieihischer ler am ater“ Ci o 1 ־ in den Werngt. In d Otto iuo der gcndcn s Dirller be- Pause aiiaeten em die Kam- )ktober;r s in Saison eht als omödie lierung . Ernst Ludwig dekinds ammer• a u 1 s c“ von Ernst msbrinen von (Frau-!itzlers, ist, hat Ion inbeson-!Weben Lehrer, .talt in mannt. ־ Piotr weil er r Mort hatte, mtäters Bauern t hatte, t hat die in e, den drei igten us zu 1at sich he Oe- 1 hatte, m Mai dhauer, Weir durch Wiener r maßge ein m Aufl Aneraffenen;anzlers ir den Iritlang 1plastik Nr. 80/81, 7. X. 193« Jüdisch - arabischer Ausgleich? Von Dr. S i e g m u n d Kaz&elson!m Anschluß an die früher von uns veröffentlichten Artikel über die Voraussetzungen eines jüdisch-arabischen Ausglciches in Palästina bringen wir heute als einen weiteren Beitrag zur Diskussion die nachstehenden Ausführungen, die insbesondere dadurch interessant sind, daß der Herausgeber der Herzl-Gesamtausgabe dabei a. a. die Fraget aufwirft, wie Hertl die heutig« Situation beurteilt hätte. Der Verfasser legt Werl auf die Feststellung, daß sein Aufsatz bereits längere Zeit im Satz ist and ans Raummangel bisher nicht erscheinen konnte. (Red.) ■y|: '1! I 1- Worum es geht Das Manifest des Zionistischen Aktions-Comitcs, auf der Züricher Sitzung im August beschlossen, wiederholt den Grundsatz, den die verantwortlichen zionistischen Führer bereits seit einer Reihe von Jahren verkündet haben: den der Parätät zwischen Juden lind Arabern. Dieses Prinzip wird mit dem Worte umschrieben, daß weder Juden noch Araber herrschen oder beherrscht werden sollen. Fs mag verstandlieh sein, daß mitten im schwersten Kampfe um die Be- Häuptling des Jischuw und lim seine Zukunft konkretere und;enauere Angaben darüber unterblieben sind, wie diese Zu- ״.utift, und das heißt, wie die , Kooperation mit den Arabern“ atisselien soll. Dali diese sich nicht in der Versicherung des Manifests erschöpfen kann: ״Die Juden sind nicht die Feinde der Araber“, ist wohl jedem klar. Lieber diese Erklärung hiimisztijzelicn, kann dem Stolz und der Würde des Judentums in einem Zeitpunkt vielleicht nicht zngemutet werden, da die schrecklichsten, selbst in einem regelrechten Krieg zwischen Staaten als barbarisch verpönten Gewalttaten geschehen. Während dieses bisher einseitigen, niitnbcli mir von den Arabern geführten Krieges, dem die jüdische Bevölkerung lediglich mit bewundernswerter Selbstbeherrschung begegnet, zu betonen, daß die Juden trotz alledem die Araber nicht als ihre Feinde ansehen, ist an sieli schon sehr weitgehend. So ehrlich gemeint also aus der Einsicht heraus, daß die beiden Völker auch in Zukunft in diesem Lande nicht nur Zusammenleben, sondern auch Zusammenarbeiten müssen, diesc^ Feststellung ist, so wenig bietet sie, und mit ihr die neuerliche Proklamation der i;'1lis.'h-ara!11;,vl■ ״־• -«eichbercchtigung, konkrete AnkmipningspiuiKte für eine Losung der gegenwärtigen Krise. Es kommt heute nicht bloß auf den Widerhall der 710- Jiistischeii programmatischen Erklärungen bei den Arabern Palästinas und (was vielleicht ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger ist) bei den nuüerpaläslniensisdien Arabern an, sondern aut die Rückwirkung, die unsere Politik auf die englische öffentliche Meinung und die der iibrigen Welt hat. Deshalb ist eine weitere Unklarheit über die Wege und die Ziele unserer Politik nicht mehr möglich. Das schlimmste hieran ist, daß es unsere e i g c 11 e U n k 1 a rheit und Unsicherheit war, an der wir selbst gelitten haben v,rsd die der Welt nicht verborgen geblichen ist. Die Welt erwartet aber von 11ns, die wir _!n der Judcntraße wegweisend geworden sind, indem wir die ziemistisehe 1 ösimg als Ausweg gezeigt haben, daß wir ihr auch einen gleicherweise f er echten und annehmbaren Ausweg aus der Araberrage in Palästina zeigen. Es handelt sich tun die klare Erkenntnis all der Begriffe lttid Vorstellungen, die mit den Formeln ״jüdische nationale Heimstätte“, ״jüdisch-arabische Parität“, ,.hinationaler Staat“, ״jüdische Majorität“, .,Judeustaat“ usw. verbunden sind und unter denen sich anseneinend die meisten sehr Verschiedenes und die wenigsten etwas ganz Bestimmtes denken. Auf der anderen, auf der Seite der Araber herrscht noch geringere Klarheit. Und dazwischen steht als _ ratloser Dritter England, ebenfalls uneinheitlich und zersplittert in seiner Meinung und Haltung und daher auch unentschlossen und schwankend. Eines scheint mir jedoch sicher zu sein und gerade durch die zögernde Haltung der englischen Palästina-Verwaltung bestätigt zu werden: England wünscht «ine Aussöhnung und einen friedlichen Ausgleich 7.wisehen luden und Arabern, wobei cs allerdings erst in zweiter Linie die Frage interessiert, auf wessen Kosten dieser Friede geschlossen werden soll, wenn sich gleichmäßige Opfer von beiden Seiten als unmöglich erweisen. Hingegen liegt der populäre Verdacht, die Engländer trieben ihre alte Politik des ״divkle et impera“ auch in Palästina, so jenseits und so entgegengesetzt den englischen Interessen in diesem Lande und im Nahen Orient, daß ein ernsthaftes Eingehen auf diese Möglichkeit nicht notwendig erscheint. Nicht nur nach dem Gesetz der Periodizität, das .anscheinend für die tnnuishaft wiederkehrenden Araberunruhen in Palästina gilt, war für den aufmerksamen Beobachter ein neues Airfflackern in diesem oder dem kommenden Jahre fällig•. Der tiefer Blickende konnte vielmehr einen außergewöhnlichen, in seinem Umfang und seiner Intensität extremen Auflehnjingsversuch der Araber für jenen Zeitpunkt signalisieren, in dem der Kampf der Araber um ihre zahleniiiällige «ind Machtposition im Lande durch das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung in das Stadium der Ent sch eid u n g treten mußte. Aus zahlreichen Aeußermigcn von arabischer Seite und von englischen Fürsprechern der arabischen Sache ergibt sich als das ausschlaggebende Motiv für den noch immer andauernden arabischen Angriff auf de11 Jiscluiw und die diesen schützende englische Macht die Angst vor der IJ e b c r f I ii g e I u n g «Iure h d i c Juden, lind diese Furcht kt nach Art und Wärmegrad des arabischen Nationalismus, der ein gleichartiges Geiülil auch bei dem jüdischen Volk voraussetzt, identisch mit der Furcht vor gewaltsamer Verdrängung ans der p a I ä s t i - liensIschen Heimat. Diese Befürchtung ist die Haupttrkbkraft der arabischen Jugend. Nur durch äußere Einflüsse tltid^ eine bloß künstliche Aufreizung des Volkes mul ausschließlich durch eine terroristische Mentalität ist ein Kampf dies« Ausmaßes, wie er sich jetzt in Palästina abspielt, nicht zu erklären. Er wäre längst ziisammengcbroclH'n, wenn nicht hinter ihm die große Macht eines bis zum Fanatismus erhitzten Natioiialgelüiils stünde. Hinzu kommt noch ein Zweites. Auch wenn das rasche Wachstum der jüdischen Bevölkerung Palästinas in den letzlen drei Jahren die Angst vor der Majorisierting bei den Arabern Palästinas nicht maßlos gesteigert hätte, so wäre der jetzt noch andauernde Versuch gewaltsamer Durchsetzung der arabischen nationalen Ziele in diesem Jahre fällig gewesen, Wenn er auch bei einer den Arabern weniger dringlich er- \ Math#: ALLIGATOR ס י׳ s sind ף ul r 1 r rl <• UNSER!• VKRKAU F S Q E SCHÄ FT E ö s f* b y L¥ * 43 K S! n ä. Rh״, Hohe Straße 115 E 6 8 #, Umheck«rttt'1fte 1Ö Wuppertal-Elberfeld, Hcrzog8tft®e 35 Enten, Am Hmiptbnh&liof 10 Bochum, Kortuimtraß« 6? Frankfurt -M., Roßmorkt 1$ Zentrale: Offenb*cH *. M. sc 11 ein enden Gefahr vielleicht nicht mit so verzweifelten Mitfehl durchgeführt worden wäre wie heute. Nach den ersten blutigen, wenn auch nur kurzen Ausbrüchen der Araberfeindschaft_ in den Jahren 1020 und 1021 habe ich wiederholt, 7. B. in meinem Referat auf dem Dresdener Delegiertentag in einein 1022 in Hamburg gehaltenen Vortrag sowie vorher in Zcitschriften-Veröffentlichungen, von der Araberfrage als einer Zeit frage gesprochen und ich habe als den uns zur Verfügung stehenden Zeitraum damals immer wieder 12 bis 15 Jahre genannt. Daß diese Schätzung sich heute fast auf das Jahr genau als richtig erweist, hat nichts riiit irgendwelchen nicht rein Verstandesgeinäil fixierbaren Dingen, z. B. Prophezeiungen, zu tu!1, sondern sie war ein ebenso einfaches wie klares Rcchenexcmpel. 2. Ein Rechenexcmpel Dieses Recheucxcmpel bestand in der Errechnung des lingd.ährcii Zeitpunktes, in dem die nicht mehr in der türkischen Provinz Palästina aufwachscude, Sandern in den co« der englischen Maudalarniacht errichtet en nationalarabischen Schulen erzogene arabische Jugend diese verlassen utul die neuen Ideen des Nationalismus im Volke durchsetzen wurde. Für diesen_Zeitpunkt war die Krise zu erwarten, die jetzt auch tatsächlich äusgebrocheu ist. ln mehreren in der Zeitschrift ״Der Jude“ erschienenen Aufsälzeti 11a|>e ,Vi'jain Verfolg einer polemischen A״sein19^V’>-?4״fff.6tt|1;".-a^ wc,'dl(.!,/i+״r Vr״־׳ufhclt1mg der tieferen Hintergründe und auch der _ Grundlagen des arabisch-jüdischen Problems wichtig erscheint. Es sei daher gestattet, aus dem Mai-Heft 1022 dieser Zeitschrift (VI. Jahrgang, Seite 513) das Nachstehende hier zu zitieren: ״Die Alternative *wischen (Kn Juden als der künftigen und den Arnhem als der gegenvoirtigen Bevötkerungsmehrheit ikd.iMiniis steht Knjrinnd vor keine ieiclne Wühl. Die KntsrlieidtHig nach jeder Seite hin bieiet Vorum! Nachteile, wie wohl nicht erst naher au-gefulut tu werden braucht. Dadurch «rkliirt sich glich die lahile und im Gumde neutrale Haltung der englischen Verwaltung in ihdutüm. Diese Alternative läßt, die Atabeifrage für den Zionismus als das eigentlich zentrale, ja gegenwärtig geradest! vitale Pioblcm erkennen. Ls Ireileutet eine allzu Irequem« Vereinfachung und eine Verkennung des Ernstes dieses Problems wenn man es nur so verstellen will, ob eine Verständigung mit den Andrem Ironie ongestrebt werden soll oder nicht. Die aktuelle Frage des Verhaltens gegcmil!er der unvermindert: andauernden, vielfach auch erfolgreichen und geschickten Propaganda der arabischen Delegation in London braucht nicht unter schäm n werden. Aber diese macht nicht die eigentliche Araberfrage aus. Dies ist ntm freilich auch nicht im Sinne jener reckt fragwürdigen Meinung au verstehen, nach der es gelingen müßte, durch Hervorhebung des Klassenunterschiedes!wischen den Fellachen Und den E f f 0 n d t j einen Keil in die arabische Bevölkerung tu weihen und uns als die besseren Sachwalter der ökonomischen Interessen der arabischen haiidbevölkermtg — wie dies ja tatsächlich der 'Wirklichkeit entspricht — deren Gefolgschaft zu sichern. Die Hntwiekhmg der kleinen Nationen Europa! In! deutlich genug die völlige Lnhahbrirkeit und Unwilleamheit des marxi-tischen Klassen״«getwades in nationalen Fr.igen gezeigt. Die F.nlsi heiilisn״, vor der der Zionismus steht, lautet leider nicht: Kt irr« oder Frieden mit den Arabern? Eine solche Wahl ist für ihn gar ni. ht gegeben, was das Endziel und die Möglichkeit des Er- Mißerfolges de* 71׳c i!U l;-•■1 Anfhauwctkes anhingt. Ausgh־ich oder Krieg mit den Ambern, das ist letztrn Endes nur eine Kroge der Takt ik und der Form des unvermeidlichen, wen n auch nicht notwendig kriegerischen und g e w a11tä ligen Wettkampfes. Dieser selbst ist dimhatjs iinvcimcidlieh und UnaufhaUl , wenn anders das jüdische Volk auf?ein Kt reiten narb .seinem, dem jüdischen Eand•*, das!reißt al-o dem einzigen Lande, in den! es die Majorität der Bevölkerung bildet, nicht verzichten mul das manische Volk von vornherein und freirvillig jeden Widerstand gegen seine nationale Majorisientng nicht!migehon würde ■— eine für jedes nicht völlig entartete Volk absurde Vor» ussotriu! ״. So i-t cs die - höh־״■!; 0!1 ׳ des jüdischen Volkes, ob und wann es ihm gelingen wird, in Palästina eine jiidis־׳he M.ijoiilüt zu schalfen. Kein an sich unerhörte! und in (Er ('.!'schichte ohne BcUpiol da -!eilende? Vorhaben ist nur deshalb nicht von vot!!herein au ׳־-ichtslos. weil die arabischen Einwohner des!,:indes nicht nur ktihurtll, Sonden! vor allem national a t! f einer noch recht nie. d r i ge n E n t \v i 0 k 1 t! n g 5 s t 1t f e stehen. Wären die Araber I’al.istinas heute so national o!״mildert wie itgendeine der kleinen rtirojiiii?dien Nationen, so wäre die zionisti-che K<׳!׳mk;1tion unbedingt zum Mißlingen vcruneilt. Alle die vielen ge.rhoitcuton nationalen Koloni-.1t ionsver.sticht! aut der (iese'iiehn• der enrop -lieh. Und cs! tiiic'nslaaten 11rwcis<׳r! das unwi ide!l -! bcslculöiio.volle lind intervs.sank‘ l'cst-tcllung Karl R dnSS sei!!ad einem JaLi'l.msend. vm! geringen Schw seh1׳n, die nationalen .Grenzen Europas unverändert 11׳ •n Nationalieine besonders mieis gewesen, nkimgen abgegrldichen sind, die pakist inetisisehen na t i 0 na! or ״nl'a feiner kein Zweifel bestehen kami, daß auch At:!her sieh mit der Zeit immer stärker ni ticren und v e r c i n 11 c i t 1 i r h c n werden Und daß auch in dem heute vielleicht noch indiKoiouton Fellachen sehr bald (las nationale Ihwufitscin erwachen wird, zeigt es sich, wie sehr die A!,ihn finge eine 7, c i 11 r n g e ist. Ali: ihr steht der Zioni-mtis vor soiaer schwersten und cnt-ilieiöendslen!׳‘tage. Ali* unethittlicher Klarheit und Kcfiärfe!miß auf sie als auf seine Giuinl- und Schicksal.sfi.ige hingrewiesen wcnlcn. Das Wort T.loyd ('• eoifje.« nach der Konferenz v״u S.m Reino an M'ri/nmnn, daß die Juden nun ihren ״r-tart“ hätlen, hat eine viel woittingctidcre Bedeutung, als cs der englische Premier wohl seihst ahnte. Das Wettrennen Im! begonnen, und neben dem jüdischen läuft arahi-rhes Vollblut. KahU'iilige Erwägung unserer Oli.aneen, die zum Kie?;e fast ebenso notwendig ist wie Scbmdligkeit m l langer Atem, ergibt eine weitere «nBerordontlirli wie.1tige Krk'enntn»sr die Zeit ist nicht mit uns, sondern gegen uns. Je länger der Wettkampf dauert, um so schwerer werden unsere und um so leichter di« Anstrengungen des Konkurrenten. Eine vernünftige D;s|X>.,ition der Kräfte verlangt daher von Uns dir Iiatiptanstfertgung in der ersten Hälfte des Wettkampfes, da m der *weit-en die grüßte Ans|wnmtt,g erfordetlich sein wird, den errungenen X'orspmng zu Iwhanjitcn. Es ist daher keine «gitatmisclie Phrase, wandern ganz kalte und nii! htei m■ Erkenntnis, die zu der Behniipuiiif» führt, daß die nib listen J»i1re die wirklich entscltciilenden ihr den Z.ioiiisnlus wir» weiden — und daß cs die Jahre nach dem Krieg ende auch waren. Ich will die Frage nicht beantworten, ob die bisherigen Aiwirengmigen 1W jüdis'hen Volkes dieser Allfgolnetttsprcel«•!!. Das «ine «11er ist sicher: daß in der nächsten Zukunft eine gar» große, «in« fast üfKrmenschlirh« Kraltanstrengung des jihlisclKi» Volkes er- ») Vgi auch meine beiden Artikel über das jüdische und das arabische Selbstbestimmungsfecht im Februar״ und Marz- Heit 1921 der gleichen Zeitschrift folgen muß, wenn wir nicht «He Chancen zu siegen von vornherein verlieren wollen. I ml wir lulrcn bereits gcM-Iien, daß «ir hierbei auf keine andere Hilfe■ rechnen können und uul niemanden zählen dürfen als auf uns seihst. Wie um die Große der uns uuErlegten Aufgane immer nO'di holmr ins Gioainbche zu steigern, ist es das Besondere dieser Anstrengung, daß kein rasdier und vehementer Anlauf nützt, sondem <l;1ü d:!■ von uns g.dotdcite hoch-te Atisp.mntmg auch Datier und S!e!igl,,:1t haben muß. —- In der arabischem Lragr-, die die zi!>!ns1b1|1 :״). weg»;)״ vo! tlue bisher schwerste und gewaltigste Aufgabe steil!. di׳: Situation <K s jüdimhen Volkes vor dem Kriege eine gimoigeo• zu n« nrtoi! als 1mm■. Denn die gei- *t ige \\ eUrevoiution, die ,]! K:ieg mit sieh la.u lite, hat. auch die naiiotiale ilovcctmg unter d. 11 ,1\׳ahe:n, «i«■ die aller anderen Volker, mächtig gemodert, ja sie «aeilciehr cr,«t eigentli.ii jaovoz.iert. Leberdies hat, wie zugegeben aenlen muß. die׳ bulkaur-D( l.latatiem ebenso wie eil die großen jädio׳h־;n ManiKe-tatione!! mnenes Anspnudies auf Palä-titu die .Daher au« d־a (:!ilieren naii, *aalen SliiinpUien und Gleiebgui! igkia! auigc-• i״ m 1:1.'־ Dies wurde Anfang l<>2'2 geschrieben, also vor dwa fünf/.ehn Jahren. I־s ist meine ־tiefste Uebermigung (und heute kamt man sie ja offen ausspreehen), daß dieser Wehkninpt /wischen uns und den Arabern Für uns knapp vor Ablauf der fünfzehnjährigen Frist verloren schien. In den enlscheidcntleii Jahren seit der Einsel/.nn״ der Zivilverwaltung in 'Palästina mit Sir Herbert Samuel .als jüdischem High Commissiemer an der Spitze hat das j ii 11 i sehe Volk für P * 1 ä s t i n » a 11 1 11 nicht im e 111 f e r 11 f e s t e n die erf 9 r ff e r 1 י c b c n Menschen und Gelder zur Verffigung ״es fei II, Es i-t berechnet worden, daß die tlamnlige jüdische Einwanderung nicht einmal ausreichte, um den natürlichen ar.ibis; hm Be\ ö!ken!!1gs?u\vaclvs voll attszugleichen. In den vier Jahren 1921 - -1<)21 sind hingegen mehr als 270 000 Juden und! den Vereinigten Staaten von Amerika gewandert, bis dann die Sperrung der 1 :iiiwamierun״ auch dort die jährliche 7:1hl auf etwa l«)0׳m jüdischer Immigranten sinken liel’. Demgegenüber betrug >11c EinvraH'Jcning in 0״•׳ Jahren 1921—1021 "״ach Palästina noch.״!•.!• .'.m!ern!ig nach sind weniger als..,׳ ו?י.ה.יesiaratitm, I 1:! הי s! i nant ה tu tat, und trotz Vierzigjähriger /ionishsrher Irkenmni« und ,Arbeit war dies di« Antwort der Jinlenheit auf jene Ernge: ,,Nach Pa- 1 ä s t i n a oder nach A m e r i k a'j■־, ehe sehiu! in den aclitziger Jahren des vorigen Jalirlmmlerts d ie rii-sisehe Judentum .so leiilenseliafllieh bewegt hatte 11ml «.he auch Achad liaam im Jahre IS'll in s«־im־n1 er-ßen Ani«;u/ von ,,Die Wahrheit aus Palästina״ behandelt hat. Wer die jüdische Geschieh((' der kt/tesi funf/.elin Jahre näher befrai-htet, ist givwungeii, in der vo: :,tchemi gekennzeichneten N 1 v 11 t a 11 s!1 n t / 11 n g d e r g r ö ß t c*!1 Chane e, die dem jüdischen Volke je gegeben worden ist, während der Nachkriegsjalire die tiefere Ursache und damit nltcll eine nicht Wegzuieligiieude schwere Schuld des j iid i s c 11 e n V O! k e׳s :1 11 d c in A!1? in n 15 e, der Dauer u u d d er Intens i t ä t d e! j e t / i g u u a r a h i s c 11 e 11 Erhebung zu erblicken. Die in,!!igelnde politische, sprachliehe, kulturelle und auch \vu!,«. haltuche Fühlungnahme mit der arabischen Bevölkerung, die man auf jüdischer Seite jetrt als schwere Vcrs:i11mn1.-.se erkennt (was auch diejenigen anerkennen, die sich über die leider mir begrenzten Möglielikeileii solcher Bemühungen in entscheidenden Lebensfragen zweier Völker im klaren sind), bedeuten dieser unserer Federen Schuld gegenüber, die wir jet/.i so schwer büßen, nur Oberflächeu-Erscliciiumgen. Heute wird der inzwischen fast vergessene, verzweifelte Aufruf W'ei/manns aus dem Jahre 1921: ״Jüdisches Volk, was hast du getan?“ erst in seinem ganzen, wahrhaft tragischen Sinn verständlich. Die historische Parallele zu dieser Anklage Weizmniius ist jene Stelle aus dem Bride Ilcr/ls an Max Ataiidelstamm vom IS. August 1001, die für eine andere, friillere, der leider so vielen ״versäumten Gelegenheiten“ des Zionismus charakterisllsch ist: ״Müde habe ich mich gelaufen und bin von dem Gesindel, welches über das Gehl verfugt, nicht einmal angehört worden. Es wird Pech und Schwefel regnen müssen, damit diese Steine weich werden. Es ist unerhört und in fünfzig Jahren wird man diesen Leuten auf das Grab spucken, wenn man erfahren wird, daß ich mit ״.. (Sultan Abdul Hamid) nahezu fertig w a r u 11 d n 11 r d i e 1 u m p i g e n Gelder nicht b e k <> m!11 e n k o 11 n 1 e.“ So wurden die ersten, die kostbarsten Jahre unserer Skxllimgsarbeit vertan, und so war unser Ringen tun das zionistische Ziel bereits so gut wie verloren — als vor wenigen Jahren durch eine eislmalige, bisher noch nie dagewesene geschichtliche Konstellation das Schicksalsw 11 n d e r e i!! e s v ö 11 i g e!1 U in s c h w tt n g s cintrat. Dieses, das alle Bererlumngen auf jüdischer Seite, nicht nur die für Palästina gvltemleu, über den Hau fen warf, hat nnrh das oben erwähnte, an sich sonst unzweifelhaft richtige kecheiiexenipe! sozusagen n״ch im lei/fen Augenblick außer Kraft gesetzt: 11 i s t or 1 a f e c i 1 s a I t!! in. Nicht die maflmmatische Logik der so!!-4 für alle Nationen der Erde geltenden Entwicklungsgesetze, -':mlerii jenes allein für das jiidisclio Volk geltende, von I hzt/I entdeckte ,,Naturgesetz“ der JtHknfrage behielt recht, Zum erstenmal in der jüdischen Geschichte, das heißt in dm־ V'eltgeschichle überhaupt, traf ein revolutionierende.-. < nnhclmi« solchen Umfangs wie die letzte Welt Wirtschaftskrise mit einer ebenso weittragenden und ebenso allgemein gellenden Tatsache zusammen, wie cs die Schließung aller bi-henget! Lin wand crung.sl,ander war. (Viele wollen ja auch die besondere Schwere und die lauge Dauer dieser Krise mit ihren verheerenden Folgen darauf?.UTiickfi'ihren, daß der Abguß der arbeite- und ‘existenzios gewordenen Massen, statt wie sonst zu einer raschen Beetuligung der Krise bei/nfragen, diesmal fehlte.) Was die ideelle Kraft des zionistischen Gedankens trotz der von ihm erreichten völkerrechtlichen Sicherungen und Möglichkeiten nicht zustande gebracht hatte, nämlich wirklich große Teile des jüdischen Volkes in Bewegung■ zu bringen, das wurde iti den letzten Jahren, und meiner Ueberzetimmg nach auch im letzten für uns noch möglichen Zeitpunkt, Wirklichkeit. So wurde plötzlich und unverhofft aus der zionistischen Bewegung die Palästina-Bewegung (leider vielfach nur in zu buchstäblichem Sinne) von )teilte. Und wieder kann man, fast mit Erschrecken und mit Erschütterung, bei Hcrzl nachlesen, wie dieser vor 35 Jahren diese Enfwickhmg im vorhinein beschrieben bat. Er unterscheidet die Zukunftsträume moderner Utopistisch er Schriftsteller von den Triebkräften der künftigen Jmlenwanderiing: ״Sie (die UtopiCen) ״l.oilHcn, die M:e*־h!ne1־ic 5<:i das Wichtigste, tim etwas Modernes zu schaden. Nein, die Kraft ist es, nach wie vor die Kraft, immer nur die Krall. Freilich, wenn ich einmal über die Kraft verfüge, dann werde ich sie durch dir neucstm Erfindungen in! Maschinenwesen aufs höchste misiiütien. Wir af!er, wit hatten diese Kraft. Woher hatten wir sic? Aus dem ungeheueren und all״ehigen Druck, der auf uro nw-geübt wurde, aus der Verfolgung, ans der Not. Das 11 ich die Zerstreuten 7n,;!mmrn mul machte ihie Vereinigung st.uk, denn es «׳.um ni« hl nur Arme, sondern am 11 Mäi-tilige, nicht nur Junge, .solidem au« 11 Welse, nicht nur Knthu.-.ia.slen, sondern auch Gebildete, nicht mir Hunde, sondern auch Köpfe dalx'i. Ein Volk, ein ganzes \״!k iand sich zusammen, nein, fand si« h wieder, l'nd wir Indien die neue Gesellschatt gemaahl, nich! weil «־ir he-scie Mensdieii waien, sondern mir gan« einfach Menschen mit den gc\v,ih1,lic|!s!cn me:1»;-|,l!1־hen H1 «lin fni-seii nach Luft und Li!ht, nach Ge-undheil und Ll»e, nach Freiheit im Erwerben und Sicherheit ün Hc>it*es).“ *) Herzl-Gesamtausgabe, Band V, Seite 269 (Allueuland).

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