Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 80-81 (7.10.1936)
- Date
- 1936-10-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 80/81, 7. X. 193(5 Jüdische Winterhilfe in den Jerusalemer Bazaren Bilder von Fauzi verkauft werden. Das ist ein Zustand, der gewiß abnormal anmutet. Wir Juden begreifen die Bedenken, die der Verkiindting des Kriegszustandes entgegenstehen, insbesondere die Befürchtung einer unversöhnlichen Verbitterung für die Zukunft; trotzdem wissen wir, und die Politik der letzten zwanzig Jahre ist voll von Beispielen dafür, daß politische und militärische Auseinandersetzungen, sogar mit schweren Menschenopfern verbundene, einem späteren Wechsel der Beziehungen nicht im Wege stehen, falls eine neue Situation andern Erwägungen den Vorrang verschafft. Auf alle Fälle ist das Gefühl allgemein und auch bei vielen Arabern vorhanden, daß dem nun schon fast ein halbes Jahr bestehenden Ausnahmezustand ein Ein de gemacht werden muß, damit wieder ,normale Lebensbedingungen einkehren; freilich wird dann erst voll erkannt werden, was auf manchen Gebieten zerstört worden ist. * Das Fest der Frnte! Nach Rosch Haschanah und Jom Kippur, nach den Tagen der Selbstbesinnung, der inneren Einkehr, des Sündenbekenntnisses und des Flehens um Entsühnung, nach diesem Eintauchen in die Tiefen der geistigen Welt, kommt die Erinnerung daran, daß sich das Göttliche auch im äußeren Leben, in der Natur und der Fruchtbarkeit, im Segen der Erde manifestiert. Der indische Mensch weiß, daß beides z u s a nt in e n g e 11 o r t, Natur und Geist, höchste geistige und sittliche Verantwortung und die Pflicht des Aufbaus des Lehens in all seinen reichen Ycrz.weigungen der Kultur und der materiellen Güter. Als oberster Abschluß ist uns dann jener Tag; gegeben, den wir als die ,Tuende an der l ehre*‘ in echter Heiterkeit, als ein Volksfest, an dem vor allem die Kinder teilhaben, begehen sollen. Wir danken für die Ernte, aber wir danken besonders und vor ,allem für die heitre, die von Generaiion zu Generation überliefert wird, dieses Wissen, daß das Leben allein nicht seinen ungezügelten Kräften überlassen werden darf, sondern unter ein höheres Gesetz, ein Sittengesetz gestellt werden muß. Die Juden gehörten 711 den ältesten Kulturvölkern, die sich ein Recht und ein Gesetz gaben, als das formale Gerüst, in dem sich das l eben des Volkes entfaltet, und dieses Recht ist beherrscht von der Idee der höheren Berufung des Menschen zu seiner sittlichen Aufgabe. * Es ist in unserer Zeit für uns Juden notwendiger als je, daß wir — wozu unsere f este immer wieder den äußeren Anstoß geben — uns über die Eigenart des Judentums und seiner sittlichen Grundlagen klar werden. Denn zu dem schweren l eben, das wir zu führen haben, ist nichts so unentbehrlich wie eine rechte Selbstbewertung. Wir lctyn ja in Deutschland auf einer geistigen Insel, da wir am den Ereignissen, an den Festen und an den Aussprachen des deutschen Volkes keinen Anteil nehmen können. Wir, die wir am Sukkoth in unserer Art Gott für die Früchte des Bodens danken, sehen mit Bewegtheit, wenn auch aus der Distanz, das Volk um uns her sein Erntedankfest hegehen. Wie verschieden auch die Formen sein mögen, es ist dieselbe göttliche Macht, an die der Dank sich richtet. Wir Juden würdigen dabei voll die großen und tiefen Unterschiede zwischen Rasern und Völkern, Schicksalen und Lebensformen, Unser Schicksal ist fürwahr ganz einzigartig, denn wir sind seit Jahrhunderten Objekte der Willensaktr• anderer und demgemäß auch einem Wechsel unserer Stellung und Beurteilung unterworfen, der nicht von uns abhängl So haben wir oft Gelegenheit, den Wandel der Anschauungen und seine Auswirkung auf uns 711 uberdenken. 111 Berlin wurde dieser Tage eine große Diskussion über die luden in der R e c h t s w i s s e n - schaft dm chgefuhil. Die Mitwirkung bedeutender Hochschullehrer und die Zahl der Referate beweist, vclelu׳ Bedeutung dieser Sache beigekgt wird. Es handelt sieh dabei nicht um die Ausschaltung von Juden aus leitenden juristischen Stellungen oder von Lehrkanzeln, denn diese Ausscheidung ist bereits restlos durchgeführt, sondern tun die I igimlierung des wissenschaftlichen Erbes eines fiuneren Zeitalters, in welchem Juden an Werken der Rechtswissenschaft mitgewirkt haben. Es kann uns, die wir an dieser Aussprache über uns nicht beteiligt sind, nicht obliegen, von uns aus eine Meinung über den Wert der rechtswissenschaftliehen Arbeit vor, Juden vorzutragen. Aber für die Erkenntnis, die wir selbst über das Wesen der Judenfrage erlangen müssen, ist ein Ereignis wie diese Tagung eine große 1 ehre V iele Juden der älteren Generation werden sich erinnern, daß der Anteil der Juden an den modernen weltlichen Wissenschaften im Zeitalter der Emanzipation oft von den Juden mit Stolz empfunden wurde, weil diese Männer in der Außenwelt hohe Anerkennung fanden. Es kann dabei nicht \ ersehwiegen werden, daß eine große Zahl führender Juristen dem Judentum auch formell den Rücken kehrten, um sich draußen leichter dmch/uset/.en. Diese Entwicklung wurde von dem allgemeinen Zeitgeist gefördert. Vom jiidisehen Standpunkt schien es uns ein Paradox, daß ein getaufter Jude wie Friedrich Julius Stahl die Lehre vom ״christlichen preußischen Staat" begründete, und es ist ein verspätetes Nachspiel, wenn dieser Mann, der jahrelang in preußisch konservativen Kreisen in hohem Ansehen stand, nunmehr von einem führenden Staatsrechtler unserer Zeit als ״Ghettojude“ abgetan wird. Wir stehen vor der Tatsache, daß ein von Juden in gutem Glauben geleisteter Beitrag zu den Gütern der Zivilisation ihrer Zeit jetzt als unerwünscht und schädlich abgelehnt und ausgeschieden wird, daß alle Werke jüdischcr Juristen, von denen mehrere jahrelang auf ihren An die Jndenhext Deutschlands! Zum zweitenmal gehen wir, auf uns selbst gestellt, In den Kampf gegen Wintersnot und Kälte. Die Juden Deutschlands sind dem Ruf, der vor Jahresfrist an sie erging, gefolgt. So konnten wir allen Hilfsbedürftigen unserer Gemeinschaft in schwerer Wintersnot hilfreich 7,ur Seite stehen. Ueber 83 000 Menschen hat die Jüdische Winterhilfe in den Großgemeinden und in den kleinsten Orten betreut. Ueberall wurde sie nicht nur als Mittel zur Linderung der Wirtschaftsnot, sondern stets auch als der Beweis der Einheit der Judcnheit Deutschlands empfunden. Wir werden in diesem Winter vor schwereren Aufgaben noch stehen als im letzten Jahre, weil die Not gestiegen ist und die Zahl der Menschen, die noch helfen können, immer kleiner wird. Aber die Not hatte in unserer Geschichte immer eine erweckende Kraft. Es kommt darauf an, daß wir aus ihr einen Segen machen. Eine Gemeinschaft, die nicht von der Verbundenheit aller ihrer Glieder getragen wird, ist verloren. Wir wissen, daß die Forderung der jüdischen Winterhilfe auch in diesem Jahre von allen Juden in Deutschland gehört werden wird. Reichsvertretung der Juden in Deutschland Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Verband Bayerischer israelitischer Gemeinden Oberrat der" Israeliten Badens Sächsischer Israelitischer Gemeindeverband Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs Landesverbände der Israelitischen Religionsgemein׳׳en Hessens Landesorganisation der Agudas Jisroe) in Deutschland Allgemeiner Rabbiner-Verband in Deutschland Großloge für Deutschland UOBB Jüdischer Ccntral-Verein Jüdischer Frauenbund Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland Reichsverband der jüdischen Lehrervereine Vereinigung für das religiös-liberale Judentum Vertretung der unabhängigen jüdischen Orthodoxie Deutschiands Zionistische Vereinigung für Deutschland * Die Zentralwohlfahrtsstelle bei der Reichs- Vertretung der Juden in Deutschland legt soeben den Rechenschaftsbericht für den Winter 1915-1036 vor, der in seiir eingehender Form die Arbeit schildert, die im letzten Winter zu leisten war. Einige Zahlen aus diesem Bericht, der ein erschütterndes Bild von der schweren wirt- Tumulte im Londoner East-End Am vergangenen Sonntag kam es in Ost-London zu schweren Straßen-Tumulten in Zusammenhang mit einem Propagandamarsch, den die Union Britischer Faschisten unter der Führung Sir Oswald Mosleys in diesem Stadtteil unternehmen wotlte. Der Marsch sollte auch durch die jiidisehen Viertel in Whitechapel gehen. Schon die Ankündigung hatte zu erheblicher Erregung geführt, und sowohl die Bürgermeister der Stadtbezirke East-Ends wie auch jüdische Organisationen hatten das Britische Innenministerium ersucht, den Marsch der Faschisten zu verbieten; ein derartiges Verbot war jedoch nicht erlassen worden. Ais nunmehr der Aufmarsch stattfand, kam es zu heftigen Zusammenstöben. Der Polizeipräsident teilte daraufhin Sir Oswald Mosley mit, daß er den Marsch nicht gestatten könne, da angesichts der Erregung der Bevölkerung mit schweren Zwischenfällen gerechnet werden müsse. Er gestattete aber den Faschisten den Marsch auf einem anderen Wege nach Westen. Daraufhin rückte Mosley׳ mit seinen 5000 Schwarzhetnden ab. Inzwischen war es jedoch bereits zu Zusammenstoßen gekommen, die in einer Gegenkundgebung der Unabhängigen Arbeiter-Partei ihre Ursache hatten. Etwa 100 000 arbeiterparteiliche Demonstranten standen einem Polizeiaufgebot von 5000 Beamten gegenüber. Dabei wurden insgesamt 269 Personen, darunter 35 Polizisten, verletzt; 70 Veriiaftungen wurden vorgenommen. Ein Teil von ihnen wurde im Schnellverfahren zu Geldstrafen verurteilt. Unter den Verhafteten befand sielt eine Anzahl von Juden. Die britische Öffentlichkeit ist über die Vorgänge außerordentlich erregt und stellt die Frage, ob das Innenministerium den! Anträge der Bürgermeister entsprechend den Umzug der Faschisten'mit Rücksicht darauf hätte verbieten sollen, daß die Demonstration unter den im East-End wohnenden Juden und Kommunisten große Erregung hätte hervorrufen müssen. Ebenso wird die Frage gestellt, ob nicht ein Verbot der Gegendemonstration erforderlich gewesen wäre. Der Tadel Gebieten als Standardwerke galten, unabhängig von ihrer wissenschaftlichen Einzelbewertung verbannt werden. Wenn früher von Juden über Antisemitismus debattiert wurde, glaubten manche, daß minderwertige Juden, Menschen, die der jüdischen Gemeinschaft zur Unehre gereichten, den Antisemitismus fördern und uie Abwehr der anderen hervorrufen. Demgegenüber deutete man mit Stolz, auf diejenigen Personen, die es in der nichtjüdischen Welt zu Ruhm und Ansehen gebracht hatten und meinte, daß durch deren Leistung die Position des ganzen Judentums gehoben wird, weil dadurch der Umwelt bewiesen wird, wie wertvoll die Mitwirkung der Juden sei. Heute erleben wir, daß gerade die Leistungen derartiger prominenter Juden als besonders verderblich gebrandmarkt und dem Judentum als Gan* zem zum Vorwurf gemacht werden. Dies ist eine Erfahrung, die wahrlich zu denken geben muß. Zugleich zeigt uns dieses Ereignis, wie stark der jüdische Einfluß in der Rechtswissenschaft vergangener Zeit eingeschiit/t wird, während bei uns Juden die Neigung bestand, die jüdische Mitwirkung nur als einen winzigen Teil der ungeheuren und von uns tief verehrten Kulturarbeit des deutschen Volkes zu betrachten. 5p Wir sehen mit Bestürzung, daß nach Jahrzehntelanger Zusammenarbeit nunmehr von den maßgebenden Führern der deutschen Rechtswissenschaft die Beschaftlichen Lage der Juden in Deutschland gibt, seien hier erwähnt. 83 761 Hilfsbedürftige mußten von der Jüdischen Winterhilfe betreut werden. Dies entspricht etwa 20°/« der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutschland, Jeder fünfte Jude bedurfte also der Unterstützung. In diese Zahl miteingcrechnet sind freilich auch die Mischlinge und die nicht zur Religionsgemeinschaft gehörenden Juden. Die Verteilung der Hilfsbedürftigen in den verschiedenen Gebieten ist sehr unterschiedlich; das Torhandenscin von Klein-, Mittel- oder Großgerneinden bestimmt das Bild erheblich, im Bezirk Grenzmark Poscn-Wcstpreußen waren 33,85 °0 der jüdischen Bevölkerung, im Saarland 30,74 ״/o unterstützungsbedürftig. Im übrigen schwanken die Ziffern zwischen 20 und 27 « 6; nur in Bayern betrug der Prozentsatz 15,77 ״יי. In Berlin waren 19,72 öö der jüdischen Bevölkerung vom Winterhilfsvverk zu unterstützen, ״ln den kleineren Gemeinden der Provinz Hessen-Nassau“, so heißt cs in dem Bericht, ״erreiclit das Verhältnis der Hilfsbedürftigen zur jüdischen Gesaintbevöikerung eine Höhe von 26,59 0/0, in den entsprechenden Gemeinden Ost- und Westpreutiens 32,07 0׳o, in der Rheinprovinz stellt Hamborn mit 40,05 "״ Hilfsbedürftigen an der Spitze der Skala der Not, ihm folgt Mülheim an der Ruhr mit 31,58 0'״ hilfsbedürftigen Juden.“ Der Bericht weist ferner aus, welche bedeutenden Geld- und Sachleistungen für die Arbeit der Winterhilfe aufgebracht «׳erden mußten. Die Versorgung der über 83 000 Hilfsbedürftigen erforderte einen Betrag von rund 3 644 000 Reichsmark. Es wurden Lebensmittel, Kohlen und Kleider beschafft und auch durch künstlerische Darbietungen der Versuch gemacht, seelische Not zu überwinden. Nut! stellt wieder der Winter vor der Tür, trnd es gilt, die gewiß nicht kleiner gewordene Zahl der Hilfsbedürftigen wieder zu stützen, daß sie diese schwere Zeit überstellen. Der Aufruf der Reiehsvertretinig und der zu ihr stehenden Organisationen sagt in eindringlicher Weise alles, was nötig ist. Aber darüber hinaus wollen wir nicht vergessen, daran zu erinnern, daß neben der notwendigen Caritas-Arbeit des Vinterhilfswerks die ständigen Aufgaben des Ju» dcntums w e i f e r g e h c n 11!111 niemanden aus seiner Verantwortung entlassen. Der Aiifbau Palästinas erfordert den Einsatz unserer ganzen Kraft; er allein ist die einzige produktive Hilfe für das Judentum. Das Werk der Berufs- Umschichtung, der Hachscharah, der Jugend-Alijah, der jfidi* sehen Schulen, die Wanderung und all die vielen Aulgaben, die uns heute gestellt sind, werden weiter nur existieren können, wenn jeder einzelne Jude sich der Pflichten bewußt Wird, die ihm heute aufcrlegt sind. Der Appell an die Opfcrbe-reitschaft unserer Menschen wird — des sind wir gewiß — nicht ungehört verhallen. Vir alle wissen, wofür wir oplcrn, und wir alle hegen die Gewißheit, daß aus unseren Anstrengungen einmal eine bes* sere Zukunft erstehen wird. richtet sich gegen den Innenminister Sir John Simon, und es ist anzunehmen, daß die Ereignisse auch im Parlament ein Nachspiel haben werden. Engländer und Juden Der ״Pester Lloyd“ beschäftigt sich anläßlich des Krönung Eduards VIII. mit einem vor kurzem in der ״Times“ erschienenen Artikel über den Stein, aut dem der Krönungsstulil in der Westtninster-Abtei steht. Von diesem grauen Steinblock, ■der der Ueberlieferung nach das Kopfkissen Jakobs in Bef El gewesen ist, wird behaupfet, daß er von dem heilig gesprochenen Ratsherrn Joseph von Arimathia nach dern Schloß Dunstaffnage gebracht wurde. Viele Engländer glauben an diese Legende, so schreibt der ״Pcster Lloyd“, und manche versichern, daß Joseph von Arimathia das Christentum nach England eingeführt hat und demnach England als das älteste christliche Land zu gelten hätte. Das älteste christliche Land muß aber vom ״a user wählten V o 1 k“ bewohnt sein und so ist cs selbstverständlich, daß in England eine besondere und keines- Wegs machtlose religiöse Gemeinde mit dem Namen ״Brit i s 11 Israelit c <־ existiert, die in großen Propagandafddztigen ihre Ueherzeugung hundgibt, daß die Engländer die direkten Nachfahren der aus der Gefangenschaft nicht znniekgekchrten Stämme des Volkes Israel sind. Die Mitglieder dieser Gemeinde sind keine Juden. Es heißt sodann in dem Aufsatz weiter, daß die ״British Israclitcs“ im Krönungsjahr ihre Werbung um die englische Seele noch verstärken wollen. Der bemerkmiswerte Fal! der Gemeinde zöge, ״daß auch heutzutage nationaler Glaube seine nationale Weihe erhalten kann — und es ist sicher der Erwähnung wert, daß in einem europäischen Lande viele Menschen ihrem nationalen Stolz einen Ausdruck geben, indem sie ihre Deszendenz, vom Stamme Israel mit allen Mitteln unter Beweis zu stellen suchen.“ Ziehung der Juden zum Recht in völlig negativer Weise gedeutet wird. Wir haben diese Ablehnung als ein Faktum zur Kenntnis zu nehmen. Im Zeichen der geltenden Rassenlehre wird auch das Recht in noch höherem Maße, als man dies früher artnahm, ein völkisch umgrenztet■ Bezirk. Dies ist eine historische Wendung, deren Tragweite wir richtig cinzuschätzcn haben. Aber für unsere jüdische Selbstbcwertung ist cs wesentlieh, gerade angesichts vieler Acufierungcn, zu denen diese Tagung Anlaß gab, uns selbst bewußt zu machen, was für das jüdische Volk die Idee des Rechtes und der Gerechtigkeit stets bedculet hat. Für die Idee des Rechtes und der Gerechtigkeit haben seit den Propheten die größten Juden auch gegen äußere Widerstände, die oit genug aus dem eigenen Volk kamen, geeifert. Wir feiern das Fest der Gesetzesfreude als den Ausdruck des Dankes, daß unser Volk vor Jahrtausenden gewürdigt worden ist, einen unvergleichlichen Kodex des Rechtes und der Sittlichkeit zu empfangen, den wir auch weiter unser eigen nennen und von Geschlecht zu Geschlecht überliefern wollen. HaupUchrifllciter! Dr. Robert Welt sch, Berlin Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stell vertreten Kurt Loewenstein, Berlin W15 Anreigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen! Hermann Pinn, Berlin W 16• Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom X. April 1938. Verlag und Anzeigen Verwaltung! lildiscbe Rundschau, Berlin W 15, Meinckestr. 10. O-A. September 35 112. — Druckt S. Scholem, Berlin - Schöneberg.