Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 78 79 30. IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 21 Jüdische Kinder aus Deutschland in Palästina Beobachtungen, Erlebnisse, Gespräche 193336־ Der ״Roach-Kwuzah“ und sein Notizblock Der Leiter der Kwuzah, die morgen 62 Kinder aus Deutschland aufnehmen soll, sitzt am Abend im Büro und liest beim Schein einer kleinen Petroleumlampe die Notizen, die er sich gemacht hat: 1. Er mufi die Rutheriberg-Werke anrufen, um endlich den Vertrag unter Dach zu bringen, der der Kwuzah elektrischen Strom sichern soll. Die Schwierigkeit dabei ist nur die, daß Ruthenberg von ihnen verlangt, daß sie monatlich eine große Strommenge abnehmen. Würden sie weniger nehmen, so lohnte sich ihm der Bau der ganzen Anlage nicht. Man muß morgen jemanden zu ihm schicken, um nochmal mit ihm zu sprechen; es muß klappen! 2. Punkt zwei ist etwas einfacher: der Schomer verläßt das Dorf, er geht in das obere Cialil, um sich dort anzusiedeln. Er wufitc es schon lange, hat es aber erst vor zwei Tagen gesagt. Gestern hat man mit dem Verband der Schornrim telephoniert, und nun wartet und wartet man auf den neuen Mann. Der Junge, der gestern Nachtdienst hatte, und dem die Arbeit ungewohnt war, gähnt und nickt immerzu ein, während er Ziegelsteine abzähtt. 3. Das Zcrnentauto ist noch nicht gekommen. Der Bau des großen Kuhstalles stockt, die Leute kommen nicht vorwärts. Die Zementfabrik kann erst frühestens übermorgen liefern, weil ihr Rohmaterial nicht angekommen ist. Wie beschattige ich die Leute — es sind 11 — bis dahin? Zwei können die Mauer am Weinberg ausbessern, vier in der Baumschule helfen und die fünf anderen? Ach was, soll sich der ״Siddur-Awodah“ darum kümmern! 4. Im neuen Wohnhaus, das für die Kinder aus Deutschland gebaut wurde, fehlen noch Tische, Lampen, yorhänge und Bettzeug. Die Tische nehmen wir aus der Tischlerei, auch wenn 'sie noch nicht gestrichen sind. Sie sind zwar für das Schulhaus bestimmt, aber bis zuin Schulbeginn kann der Tischler neue machen. Lampen kaufen wir morgen in der Stadt (vornotieren und rot unterstreichen!), Vorhänge und Bettzeug erledigt Channah, und die Kinder werden Blumen pflücken, sie in Gläsern ordnen und auf die Tische verteilen. 5. Wer fährt zum Hafen, um die Kinder zu empfangen? Die beiden Lehrer und vier von den großen Kindern, die ja keine Schule haben, können fahren. Das Auto, das um 2 Uhr aus der Stadt zurückfährt, wird am Hafen warten. Wenn der Platz für das Gepäck nicht ausreichen sollte, wird es zweimal fahren müssen. Der Chauffeur kann es solange bei der ״Tnuvah‘• stehen lassen. Das werde ich ihm sagen müssen. 6. Morgen mittag: Sitzung der Chawerim, die die Finartzen verwalten. Wir werden genau festlegen, wie wir die Summe aufbringen, die wir vierteljährlich an die jewish Agency zurückzahlen müssen. Diese Summe von £ 3000 haben wir als Darlehen — rückzahlbar innerhalb 12 Jahren — zu niedrigem Zinssatz bekommen, um für die Kinder aus Deutschland Häuser zu bauen, und um ihre landwirtschaftliche und kulturelle Schulung für das Leben in Palästina zu finanzieren. 7. Wie teilen wir die Kinder zur Arbeit ein? Zunächst werden wir sie ohne weitere Auswahl nach ihren Wünschen und auch nach den Bedürfnissen der Wirtschaft vier Wochen zur Probe arbeiten lassen. Die verantwortlichen Leiter habet! innerhalb dieser Zeit Beobachtungen und Aufzeichnungen über ihre Befähigung zu machen. Die Beratung wird dann entscheiden, ob Acnderungen in der Besetzung von Arbeitsplatzen sofort oder erst nach einem Vierteljahr vorgenommen werden. 8. Der Plan, den wir gestern skizziert haben, muß noch etwas vervollständigt werden, so daß er so aussieht: Ausbildungszweige sind: I. Landwirtschaft: Getreidebau, Gemüsebau, Futtermittelanbau, Obstplantagc und Weinberg, Baumschule. II. Tierzucht: Kuhstall, Pferdestall, Hühnerzucht, Schafstall. III. Handwerk: Schlosserei, Tischlerei, Schmiede, Schusferei. IV. Haushalt: Kochen, Hausarbeit (Reinigung der Räume), Kleiderpflege (Wäsche- und Klcidernäncn). V. Hygiene: Krankenpflege, Säuglingspflege, Hilfeleistung beim Arzt und beim Zahnarzt. 9. Wir werden nach den ersten vier Wochen der Eingewöhnung verschiedene größere Ausflüge in die Umgebung der Kwuzah organisieren, damit die Kinder das Land kennen lernen; denn die beste Geographie ist die, die man sich selbst erwandert. 10. Wir werden mit den Erwachsenen und Führern, die zu der Gruppe gehören, schon am zweiten Tage nach ihrer Ankunft (das ist also übermorgen), die ״Richtlinien der Er- Ziehung im Kibbuz“ besprechen müssen. Die Petroleumlampe ist niedergebrannt und beginnt zu blaken. Es ist ill 12 Uhr, und der Rosch-Kwuzah ist eingeschlafen über seinen kleinen und großen Sorgen, die sorgfaltig numeriert aufmarschiert sind auf dem langen, gelbweißen Notizblock. Die ״Galiläa“ steuert Jaffa an Heute nacht schläft man nur ganz, wenige Stunden. Kein Mensch denkt an Horrah-Tanzcn und Singen. Die ganze lustige Gesellschaft von Jungen und Mädchen sitzt oben bei den Rettungsbooten. Der Führer der Gruppe spricht zu ihnen. Es ist gegen 1/25 Uhr morgens, und die Mäntel werden fest um die Schultern gezogen. Ein leichter Wind kommt auf, und der Küstenstrich wird immer schwärzer, deutlicher. Die Wellenkämme tanzen weiß und schaumig vorüber; alle sind aufgestanden, lind man hört kein W-ort. Nicht einmal die Mädel tuscheln ״Das Land“! Gestern dagegen war eine so ausgelassene Stimmung, ein Rennen und Packen! Jeder wußte noch genauer als der anderc, wie die Siedlungen zu einander liegen, wie die Auto- Straßen verlaufen. Diskussionen über ״Kibbuz und Kwuzah“, über ״Schomcr hazair“ und ״Kibbuz haineuchad“ hörten nicht auf. Es ging lebhafter, temperamentvoller zu als während der ganzen vorhergehenden Reisezeit. In der Ecke konnte man ernsthafte Unterhaltungen hören über die Ausrüstung, die der eine oder der andere mitbrachte. Neben Wolldecken und Arbeitshosen, Kopftüchern und Gummistiefeln, war die Lederjacke Symbol des neuen Lebens. Was ist auch ein ״Kibbuznik“ ohne Lederjacke? Ein Garnichts! Gestern noch waren Briefe in unvorstellbaren Mengen geschrieben worden. Zwei hatten tapfer das Heimweh geleugnet, das ihnen die Kameraden andichten wollten. — Ein Chaluz und Heimweh — einfach lächerlich! Eine kleine Gruppe von 6 oder 8 Jungen hatte ihre hebräischen Diskussionen jeden Abend mit Leidenschaft durchgeführt — wenn das Hebräisch auch lückenhaft und mit deutsehen Worten geflickt war. Sie waren ständig umlagert, bcstaunt, befragt von einer Menge Zuhörern jeden Alters. Die Grammophon-Fanatiker, die ewigen Photojäger, die beiden Mädel mit dem Skizzenblock — heute morgen sind sie alle stumm und wie erstarrt. Von oben herunter können sie ins große Deck sehen: alle Passagiere stehen ebenso stumm wie sie, und es ist wie eine stille Vereinbarung, nichts Dummes und nichts Kitschiges zu sagen.... Das Land war da! Das Nette, das Gefürchtete, das heimlieh Ersehnte! Vorbei das schöne In-der-Lult-Hängen, das Schweben im Meer, losgelöst von Daheim — gelandet noch nirgendwo! jetzt stehen die 62 zusammen. Wo werden sie in zwei Jahren sein? Jetzt sind sie alle wie eine Klasse mit ihrem Lehrer, wie behütet bisher, wie umsorgt, wie vorbereitet und wie erzogen! Das Land kommt näher: Td-Awiw liegt da drüben, weiß und grün, in tiefes Blau getaucht —- ganz flach und weit gegliedert! Dort der Berg mit den Türmen und Minaretts von Jaffa!! Die Sirene tönt, das Schiff steuert den Hafen an. Ein kleiner schwarzlockiger Araberjunge winkt aus einem Fischerboot — Landung! Lehrersitzung der Kmizahschule Acht Wochen später sitzen die Lehrer und der Leiter der Gruppe aus Deutschland hei der Beratung und sprechen über die Umstellung der Kinder und ihre Einführung in die neue Lebensweise. Aus der Rede des Gruppenleiters, der seine Kinder seit zwei Jahren aus gemeinsamer Arbeit kennt, sind einige sehr wesentliche Punkte zur!Diskussion gestellt worden: 1. Die Zusammenarbeit zwischen den neuen und den palästinensischen Kindern ist zunächst schwierig. Die Sprache ist noch kaum Vcrständigiingsmittcl, und die Charaktcrverschiedenheiten sind groß. Die ״Neuen“ sind meist aus sehr biirgerlichcm Milieu. Für sie bedeutet das differenzierte, genau abgezirkelte Wort — alles! Die ״Zabres“ sind — im Gegensatz zu ihnen — viel unkomplizierter, kräftiger, stolzer, und auch manchmal grob und wild. Diese Wildheit wird gesteigert durch den unbewußten Haß, den sie anfangs den ״Neuen“ entgegenbringen. Sie fürchten nämlich, die Zuneigung ihrer Lehrer und Führer zu verlieren, denn die müssen sich ja dert ״Neben“ viel intensiver widmen als den ״Alten“. Dieser unbewußte Haß entlädt sich in Aeußerungen der Feindseligkeit, die die Neuen tief erschreckt. Sie hofften in eine Heimat des Vertrauens und der Liebe zu kommen — und finden Feind- Seligkeit! Zu diesem Punkt äußert ein älterer palästinensischer Lehrer: In der Frage liegt die halbe Antwort. 1111 selben Maß, in dem die Erziehung ״der Neuen“ zur Arbeit, zur Sprache und zum Lebensstil der Kwuzah fortsclireitct, werden sic die Erzieher weniger in Anspruch nehmen. Sobald sich diese aber freier fühlen werden, werden sie sich allen Kindern gleichmäßig widmen können — wie früher — und die Feindseligkeiten werden sich von selbst in nichts auflösen. Der Schlüssel zur Verständigung aber ist und bleibt die Sprache. 2. Ueber die Stufen in der Entwicklung des Sprachbewußt- Seins konnten interessante Beobachtungen!nitgeteilt werden, die der Lehrer für Hebräisch an einem Elfjährigen gemacht hatte. Nachdem einzelne Wortgrtippen und Redewendungen des Hebräischen von ihm beherrscht wurden, entstand bei ihm die Einbildung, daß er fließend sprechen könne! Als er dann aber in seinem täglichen Umgang mit ״Hebräern“ die Erfahrung machte, daß sein Wortschatz klein, seine Ausspräche nicht akzentfrei und sein Sprechen voller grammatikalischer Fehler war, brach seine Illusion zusammen. Nun eigentlich beginnt die Arbeit des Sprachlehrers, die — wie jede pädagogische ,Arbeit — Selbstvertrauen durch sicheren Fortschritt geben soll. Langsamer, planmäßiger Aufbau des Satzgefüges, der Worte, der freien Rede — geschult an kindgemälier Literatur — erweitert und verankert die Sprachkcnntnisse des Elfjährigen. Die Rückfälle und Enttäuschungen sind selbstverständlich und werden (beim normalen Kind) leicht überwunden. In unserem Falle handelte es sich um eine aus Mutlosigkeit zunächst entstandene Trotzhaltung. Der Junge wollte überhaupt nicht mehr Hebräisch wciferlernett. Später erfand er (wie die meisten) eine Mischsprache aus Deutsch und Hebräisch, und zuletzt lockerte sich langsam die verkrampfte Art des Jungen und sein Hebräisch normalisierte sich. Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich, ob man also die Kinder sofort in eine rein hebräische Umgebung hineinstellen oder ob man sie in Sonderkurseu langsam an die Sprache gewöhnen solle. Es ■wurde mit großer Mehrheit für Sonderkurse gestimmt. Kinderlektüre in Palästina Von Viktor Unna, Jerusalem Es ist nur ein kleiner Zweig an dem weitverzweigten Baum der Gesamtliteratur, der den Gegenstand dieser Bctrachtung bildet. Aber diesem Zweig kommt im gesamten Geistesleben eines Volkes eine recht große Bedeutung zu. Ist doch die Jugendliteratur und ihre Benützung richtunggebend für das geistige Gesicht, das eine Generation zeigen wird, wenn sie dem Jugendalter entwachsen sein wird. Die hebräische Jugendliteratur weist einen recht bescheidenen Umfang auf. Und das ist nicht verwunderlich. Die Ausgabe hebräischer Bücher hat zwar im Laufe der Jahrhunderte eigentlich nie ausgesetzt, aber erst vor zirka dreißig Jahren fingen wieder Jugendbücher in hebräischer Sprache zu erscheinen an. Damals begannen die Pioniere der hebräischen Sprache auch fiir die Jugend Lektüre herauszugeben. Die Zahl der des Hebräischen Mächtigen, die sich für profane Schriften interessierten, war allerdings gering, und so auch die Anzahl der erscheinenden Werke. Heute sind diese Erstlingswerke schon kein vollwertiger Lesestoff mehr. Sie sind zwar überwiegend in gutem Hebräisch geschrieben, aber durch die schnelle Sprachentwicklung enthalten sie häufig Ausdrücke, die heute als veraltet oder altertümlich nicht mehr angewendet werden. Auch die äußere Form ist wenig ansprechend. Sie sind in kleinen Typen, auf geringwertigem grauem Papier gedruckt, und es kostet Mühe, die Kinder zum Lesen dieser Ausgaben zu bewegen. In den späteren russisch-polnischen Ausgaben sind sogar sprachliche, grammatikalische, ja selbst Ort.iographiefchlcr nicht selten. Trotzdem können wir bei unserer geringen Aiswahl auf diese Bücher nicht verzichten, unter denen sich einzelne der besten Werke der Wcltjugendliteratur befinden. Die Verlage Nach den Ländern Osteuropas begann in Deutschland das Erscheinen hebräischer Jugendbücher. Der bedeutendste einschlägige Verlag war ״Omanuth" in Frankfurt 6M., ursprünglich ebenfalls mit dein Sitz in Rußland. ״Omanuth“ brachte noch in Frankfurt eine ganze Reihe von Büchern heraus, in der Mehrzahl Uebersetzungen aus dem Deutschen (Barfüßcle u. a.), Französischen (A. Daudet), Englischen (Jerome K. Jcronte), sowie Originalwerke von Biaiik, Ben Zion u. a. Die Omanuth-Bikber zeichneten sich durch vorbildliches Hebräisch und gediegene Ausstattung aus. Nach einigen Jahren übersiedeltc ,Omanuth“ nach Tcl-Awiw und setzte dort seine alte Tradition fort. Neben der Reihe der Das entscheidende Moment bei der Schaffung des Sprachbcwußtscins bleibt allerdings die hebräisch sprechende Umgebung. Sie allein bewirkt auf natürliche Art, was i!1 Kursen hi::: Hielt gebaut wird: das zweite Sprachzentrum! 3. Die Lehrersitzung beschäftigte sich noch eingehend mit Fragen der Organisation des Unterrichts für die größeren Kinder. Der Plan einer Unterriditsivoche lag zur Diskussion vor: 4 Kinder arbeiten in den Räumen für Wäsche und Kleidung und in der N.ilistubc, 1 Kind hat Dienst im Krankenzimmer, 4 Kinder haben Ordnungsdienst (Reinigung der Zimmer und des Gartens), 2 Kinder haben Küchendienst, 12 Kinder arbeiten im Weinberg, 8 Kinder arbeiten in der Baumschule und bei den Blumenvcrsüdisbeeien, 6 Kinder arbeiten im Gemüsegarten. Der theoretische Unterrichtsplan war: 12 Stunden Hebräisch und Literatur (inkl. Grammatik), 3 Stunden jüdische Geschichte (mit Quellenlektüre), 2 Stunde'!] Theorie der Landwirtschaft, 1 Stunde Heimatkunde von Palästina (mit Ausflügen in die Umgebung), Sport und Singstunde, Schwimmen und Spielen in der Freizeit. Die Kindergruppe hat begrenzte Selbstverwaltung: 1. Sic teilt die Arbeit unter sich auf, schafft Kommissionen für jeden Bezirk. 2. Sie schlägt Anschaffungen in genossenschaftlicher Weise vor von Büchern, Grammophonplattcn usw. 3. Sie sorgt für Reinlichkeit und Hygiene in ihren Räumen. 4. Sie organisiert Sport, Spiel und Ausflüge in gemeinsamer Beratung mit den Lehrern. Die Kinder schreiben nach Hause Wie sich die neue Welt in den Kopien der Kinder spiegelt, zeigen uns einige wörtlich zitierte Briete und Aufsätze. In T cl-Josef, Deganiah, Kwiizatli-Kiueroth, Tel-( ,'liai, Giwath- Brenner, (iinegar, Chvath, Ejn Uiiaro.l, Mi'-ehmar liacinek, Rodges, Ben Schemen, Merehawjah, J:1״ur -״ überall, wo Kinder aus Deutschland leben, sitzen sie abends und versuchen, die neuen Eindrücke und Erlebnisse zu skiz/iemi. Wer sich diese Briefe anschaut, wird besser als durch lange Vorträge begreifen, was die Kinder bewegt und bcschättigt, was sie beglückt und was ihnen noch fehlt. Die zitierten Briefe stammen von 13 -löjährigen Kindern aus den Kwuzoth des Landes und sind auszugsweise — ohne Namen der Schreiber — wiedergegeben. Ueber die Aufgaben der Aelteren-Gruppe ״Trotz aller Mängel, in erster Linie der Spottsucht ״den Neuen“ gegenüber, hoffen wir, bald eine richtige Gemeinschafl zu werden. Wir sind die Aelu-slen und also das Beispiel für alle Kinder. Wir bemühen uns wirklich, den anderen das Richtig« und Gute zu zeigen: Sauberhuitung uik! Reinlichkeit in dem Wohnräumcn, ernste Beziehung zur Arbeit, Teilnahme an de! Arbeit der Kommissionen unserer Kiudergemcinschaft. Ueber dia Beziehung zu den Arabern ... von ferne leuchtet der Altar des Propheten Elijahu herüber, lind es steigt in mir die Erinnerung auf, daß auch unsere Vorfahren den Arabern gleich gelebt haben. Doch die Araber haben sielt kulturell nicht weiter entwickelt. Und wir kultivierten Menschen finden es unter unserer Würde, uns mit Arabern zu beschäftigen. Seid nicht stoiz! In mancher Beziehung ist das arabische Volk Europäern voraus. Und wir — als nächste Nachbarn der Araber — müssen vorhindern, sic 211 befehden und uns bemühen, in Frieden mit ihnen zu leben. Ueber die Erziehung zur Arbeit ln Deutschland hatten wir es gut; morgens weckte ltns das Dienstmädchen Paula. Wir tranken Kaffee, den Paula bereitet hatte. Kamen wir von der •Schule, so waren die Zimmer sauber: Paula hatte alles geputzt und schön gemacht. Wir aßen, was Paula gekocht halte. I >ie schmutzigen Schuhe stellten wir für Paula vor die Ture. Ohne Paula konnten wir nicht essen, nicht seid.den, nicht leben! - - jetzt wollen wir selbst Paulas werden: selbständig sein, für uns und für die anderen sorgen! Damit wir uns einmal selbst ernähren können .... A 11 s c 1 111 B i 1! g, Jerusalem Unterhalttingsbücb.er, weiterhin vorwiegend Uebersetzungen, erschien und erscheint gemeinsam mit dem Keren Kajemefh eine origina!hebräische Jugemllmcherci (Lanoar) lieimatiaimlliehen, historischen, biographischen inh.iHs. Außerdem bringt ״Omamilh“ die Heftchen der auch in Deutschland wohlbekannten ״Megilloth“ mul eine weitere Reihe von Heftchen (Molad'tenu) heraus. Nach Omanuth brachten auch die anderen großen Verläge im Lande Jugendbücher heraus, aber eine vor mehreren Jahren begonnene Buchreihe des .,!> w i r״- Verl a g s, die 12 Nummern umfassen sollte, erreichte nicht dir־ Hälfte, offenbar aus Mange! an Käufern. Nach vereinzelten Vorgängern brachten ״Stiebe!“ und ״M 1 z p a 11“ in den letzten Jahren teils gemeinsam, teils jeder für sieh Jugcndbiichreilion in den, Handel, sowohl für größere als für kleinere Kinder, jeweils ein Buch monatlich. Außerdem erschienen au Heftdien bei ,,Dwir“ eine umfangreiche Reihe ״Oplier“ fiir kleinere, verschiedene kleinere Reihen für größere, insgesamt etwa 200 Nummern. Die beiden vorhergenannten Verlage brachten eine nicht sehr große Anzahl Anfängerheftciicu heraus, darunter neuerdings ,,Stichel“ zehn gekürzte und in großen Typen gedruckte ״Erzählungen der Thora“ (aus dem 1. Buch Mose). Die übrigen Verlage, mit Ausnahme derjenigen, die nur ein bis zwei Bücher verlegten, darunter z. B. auch ein Dr. Doolittlc-Bucli, bringen nur Heftchen heraus: ״S c 11 a i“, der ״Histadruth“ nahestehend, hauptsächlich für Aeltcre, ״Safr u t h“ für die Anfänger. ״Knpath Masseter“, vor Jahren vor einer Gruppe von Lehrern und Erziehern gegründet — der einzige Verlag mit Sitz in Jerusalem, alle anderen sind in Tcl-Awiw - , brachte zahlreiche Heftchen für Anfänger und Fortgeschrittene, Erzählungen (K. Ewald, Kipling), populär-wissenschaftliche Darstellungen heraus, ging aber jetzt nn ,.Mizpah“ über. In New York erscheinen im ״S c h i I o 11“-V c r I a g Anfängerltcffcliett und Bücher. Man merkt ihnen aber an, ctaß sie nicht itt Palästina abgefaßt sind, sowohl a!1 der Sprache als am Inhalt. Der bedeutendste einschlägige Verlag im Ausland war zuletzt ״B a r k a i“ in Warschau, Er brachte im Laufe der Jahre zahlreiche Werke heraus, darunter Bücher wie David Alroy, Ben Hur, Gulliver. Seine Bücher krankten allerdings an den Gebrechen der meisten polnischcn Ausgaben wie minderwertiges Papier, schlechter Einband, unkorrekter Text. Vor zwei Jahren ging ..!1-0:-:;■׳ ebenfalls nach Tcl-Awiw über und setzt dort seine herausgebcrische Tätigkeit mit ausgesprochen guten Werken fort (Daniel Dcronda, Lehmann-Bücher), wobei die äußere Form jeden Vergleich mit anderen Verlagen aushaltcn kann. Damit