Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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לל "זז״5 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78/79 30. IX. 1936 unscnAU die I labnnali n״f eine lebhafte vor, die weif uber ehe eigent- Erziehung und Bildung / J. Sandbank Die uncrseliiitterte Halttin«־ des Jiscliuw in diesem schweren Sommer 11:1t auch in den Bemühungen, die Btklungstätigkeit nicht zu unterbrechen, iluen Ausdruck gefunden. Die Lr/iehungs• und IJililiingsarbeit in den Monaten der Uuruheii 11,1t, abgesehen von den Orten, die durch ihre geographische Lage besonders in ^Mitleidenschaft gezogen wurden, nicht nur keim.־ wesentliche Störung erlitten, sondern es wurde sogar tnannigiach neue und beachtliche Ini!ia:ive entwickelt. Diese Tatsache verdient besonders verzeichnet zu werden, beweist sie doch mehr als alles andere einen ungestörte!! Lebetisrlivtlmiüs, der eine Besinnung erfordernde Aktivität, wie cs die Bildungsarbeit ist. ermöglicht. Wie in norm,׳!len /feiten in den Sommermonnten winde auch jetzt mehr das Vort r a g s w e s c 11 und weniger die intensive Arbeit gepflegt Der Jahr/eite״ Arlosuroffs, Bialiks, Rabb. Koks wurden von dort verschieder.en Organisationen und Krei.-en in vielen Vortragen und Traiierfeieni gedacht lind das geistige Schaffen dieser Männer auf die aktiielle Lage (der Judenheit, insbesondere des jüdischen . Jiscliuw im Lande bezogen; der Tod Maxim (iorkis gab in vielen (irten Vcranlassung. sein, literan-rhcs Werk und dessen Standort 111 der r11-,-N1,!’-.1 11׳ itcrafur zu hespreeheu; ei; 0 \V!;!.>»״ bea! der ( Mreg-schab- Irnt-f um l1.,1!־;r;teil, uer A1׳be1ie1״rg;»nisalion in *je1' S!ad!!en und Kof! .:den, dir 1 iitaeiiihitli Ob'j-( iermaniah und anderer f *risanisationen wurden iinuiitor 1:1 oeben dmvlig, nlirt; die Theater gai>u1 l'rcinici eit, uad die Aiiliuhriing des ״Kaiifiiumi \n!1 Venedigunter leliners Regie diin-f-!1 Diskussion hebe I heinaiik hinaus w iehti w־, kulturelle l'robleitii di׳• jiidisduai!’:1, ׳!;-,.[ןaaidnfe. .Außer dieser laufenden [adekint, diaiir gibsti״ sanimeliule und fordernde Krall gerade i!1 dieseil Monaten «aar!lieht hoeb!.fer!ng eiligeschal/t werden kann, hat man sirli aiieli um iieugestal’eud 1 1! Idniigsm;d l־'r/ielumgsnrbeit bemubt. I >,׳u du r soll im fni-ca Jen einiges berichtet tuaditi. Sommerkurs für Sprachlehrer Die in diesem Jab.re begründete Kultura b t e i 111 n g des \V a a d L e u in i, die sich vor allem •die Aufgabe gestellt hat, die von den verschiedenen (hganisationen und örtliehen Instanzen eingerichteten hebräischen Sprachkurse pädagogi-eh und organisatorisch /usammen/ufasM'ii und zu fördern, hat einen sechswöchig. .1 So!;1:m׳; k11rs für Sprachlehrer eingerichtet, der in Jerusalem im Menoraliklub stattland mul von etwa 113 Sp.avlTchrem und Lelirerlcüidiitafen besucht wurde. Der l'nterrieht erfolgte 8 Stunden täglich, sowohl durch; Vorträge wie in Seminaren, und umfaßte nie- Modisch-didaktische Fra ׳;er! des Sprach-, des Tenach ־ und Lifer.iUinuUemclii.s wie auch Cieschichte, Paliistinakuiulc, N'utur des Landes und Llrwacksenenbilihtrigdc’ire. Als Lehrer ftm- gierten liesor.dei's ei'faln eile Sprachlehrer und baelimämier auf den genaimleil (iebic'.cii. Die 110rer, die den ganzen Kura hsoh iert und praktische und tlleni etiselio I *r 11 f liiigen bc-Tnnden hallen, weiden nF Kandidaten für Sprach- Ichrerstelk 11 \ nrgc-w!:c!1. [ >;ew: Kurse hatten auch die Aufgabe, die in den verschiedenen Orten wirkenden Spracblclu er / usain mcimibringen 11!1,1 einen M< iiirng-.uMnusdl iilier ihre Erfahrungen 71! ern1ö>”!;ch!׳n. Die•■!■ Frfahrungeti 11n1f;iv-1׳t1 11 re ht nur pädagogische Fragen, sonö rii au,11 <101 K 1׳!u׳'.i. I lebräisihc im tägliehiii Le hm 11, ■r in de:1 kt.׳teil Jahroi eilig, w aiidei len .V. o-eu du: ek/u.-U/ eil. Dieser Kampf 1h .hilf der go-o׳;m1 U,1:ndia:• 111־, denn ui, 111 nur um ehe Schaf- ,11׳ Vc;'׳-,..m jgaingsmiUd', gib goide V׳ )i'ausset/nng, futig eines ,■11l.;e: sondern tun eise die aus verschiedener Lebens- und Geisteshaltung erwachsene Differenziertheit der Eingewanderten zu überwinden. Der hebräische Lehrer für Erwachsene hat heute die Aufgabe, das bildende Kulturgut der hebräischen Sprache zu übermitteln. Die Kulturabteilung des Waad Leumi hat mit dieser neuen Einrichtung einen wichtigen Schritt zur Vertiefung dieser Erkenntnis getan. Fortbildung der fugend in den landwirtschaftlichen Siedlungen Die Frage der Fortbildung der aus der Volksschule entlassenen Jugend in den landwirtschaftlichen Siedlungen beschäftigt seit einigen Jahren die Elternschaft und die Erziehungsinstaii/eii der Uistadruth. In mehreren landwirtschaftlichen Siedlungen gibt es bereits eine Jugend, die die aclitkias&ige Volksschule absolviert hat und in die Arbeit der Siedlung hiiui!!gewachsen ist. Weder die Elfern noch die Jugend selbst begnügt sich mit der in der Schule erworbenen Bildung. Die Jugendorganisation, die auf dem Gebiete der zionistischen und gesellschaftlichen Bildung manches leistet, kann dem Bedürfnisse nach geregelter Fortbildung nicht entsprechen. Man ist sich daher schlüssig geworden, daß eine Form von Au fbauk lassen, in denen die Jugend mindestens noch 2 Jahre geregelten Unterricht erhalten soll, erforderlich ist. War die geistige Einflußsphäre, aus der heraus diese Fortbildung gestaltet werden muß, klar vorge/ciehiiet, so stand man doch vor dem Fragenkomplex des Unterrichts plan s. Man konnte nicht einfach den Unterrichtsplan der höheren Schule des Landes übernehmen, denn dieser Plan entspricht nicht den konkreten Notwendigkeiten dieser Jugend, die doch vor allein darin bestellen, die geistigen (iriuullagen und Perspektiven ihrer Arbeit in den landwirtschaftlichen Siedlungen zu schaffen. Der Lehrplan mußte hier sowohl mit der landwirtschaftlichen Arbeit verbunden, wie mit den wesentlichen Gegenwartsfragen und Werten des arbeitenden Palästina durchsetzt werden. Die ersten Versuche in dieser Riehtung wurden vor einigen Jahren gemacht. Inzwischen ist die Zahl der Jugendlichen, die die Volksschule verlassen haben, gewachsen und der Anfgabcnkreis hat sich erweitert. Ende Juli fand in Tel-Awiw eine pädaga« g i s c )1 e T a g u n g statt, die sieh der Erörterung dieser für die geistige Entwicklung der Jugend sehr wichtigen Frage gewidmet hat. An dieser Beratung nahmen Lehrer und Erziclier aus acht Siedlungen teil, und sie führte zu einer Festsetzung der ürundzüge des Lehrplans. Die aus der aclitklassigen Volksschule entlassene Jugend soll noch weitere 2 Jahre lernen. Der Lehrplan soll 2lJ Stunden in der Woche , Unterricht und l?.״. Sl,unde11,,manuelle. Arbeit ln der Landwirtschaft und in den zur Landwirtschaft gehörigen Werkleitern unifassen. Die 20 Unterrichtsstunden verteilen sich auf 10 Stunden hebräisch-humanistische Fächer (Tenach, Mischnah, mittelalterliche mid neue Literatur, Geschichte), 7 Stunden Natur- Wissenschaft, 5 Stunden Sprachen (Arabisch und Englisch), 4 Stunden Mathematik, 3 Stunden Gesellschaftsfragen. Der üescbiciits- und Litcraturimtcrricht soll möglichst vom Aspekt der Gegenwartsfragen ausgehen. Hier ist ein Versuch, die sehr schwierige Bildungsirage der Jugend zu lösen. Ihr Gelingen kann von großer Bedeutung für das gesamte höhere hebräische Schulwesen im Laude sein, Moderne Schulen im religiösen Geiste ln der letzten Zeit sind einige private Schuleu - hauptsächlich durch pädagogisch interc'-sicrtc Linuanderer ans Deutschland - gegründet worden, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Diese Schulen machen den ernsten )’ersuch, die traditionellen jüdischen Kulturwerte als Bilduugs- und Erziehungsmacht in moderne, pädagogische Bestrebungen organisch einzureihen. Sie erfüllen somit eine Funktion, die über die interessierte Eltern- Schaft hinaus für das gesamte Schulwesen von Bedeutung werden kann. Viele Eltern im Lande, die sich der Problematik der historisicrendcn und relativierenden Betrachtung reitgiöscr Werte, wie sie in der allgemeinen, hebräischen Schule gepflogen wird, bewußt sind und die sich andererseits mit der Schule des Misraclii nicht begnügen können, werden die Arbeit dieser Schulen begrüßen. Die Schule des Misrachi hat zwar die traditionelle Er- Ziehung modernisiert und überliefertes Kulturgut zum Ausgangspunkt der pädagogischen Arbeit gemacht, sie hat aber die Gegenvvartskräfte in ihre Arbeit nicht genügend hineinbezogen und sich in die aus der neuen Situation ergebenden Er/iehungsfragcn und -aufgaben nicht hineingefunden. Insbesondere für die aus Westeuropa kommenden orthodox orientierten Ncu-Eingewanderten, aber auch für viele bereits längere Zeit in Palästina Ansässige bedeutet dieser Fragenkomplex eine große Schwierigkeit. Diese neuen Schulen (״Moriah“ in Tel-Awiw, ״Maalch“ in Jerusalem, ,,Jawneh“ in Flaifa), die eine religiöse Erziehung, frei von politischer Bindung, erstreben und zu einer gesetzestreueil Haltung in der lebendigen Wirklichkeit Palästinas erziehen wollen, bedeuten einen interessanten Versuch zur Lösung dieser Schwierigkeit. Rechtswissenschaft / Dr. f. Löwenstein (Schluß der Umschau in Nr. 73 v. 11.9.1936, Verteidigung und Angriff Am 19. 8. 1936 hat der Court of Appeal, wie oben erwähnt wurde, das Urteil des District Court bestätigt, durch den zwei jüdische Schomrim wegen unbefugten Waffenbesitzes, der eine zu 7, der andere zu 6 Jahren Zuchthaus, verurteilt wurden. Bei dem letzteren wurde die Strafe au! 5 Jahre herabgesetzt. Es ist dies das erste Urteil gegen Juden während dieser Unruhen, abgesehen von einigen unwichtigen Uebertretungen, insbesondere der Curfew-Orciruing. Der Fall liegt besonders kraß. An derselben Stelle, wo diese Juden auf Wacht waren, sind wenige Wochen vorher eine Reihe von arabischen Angriffen gemacht worden. Die beiden Schornrim schliefen, als sie von einer englischen Patrouille gefaßt wurden, der eine mit einem Revolver, der andere mit einem Revolver und einer Bombe bewaffnet. Die erste bemerkenswerte Tatsache ist hier, daß der Jerusalemer Richter des District Court, IMunkett, der bisher entschieden den Standpunkt vertreten hatte, daß er an das Minimum von 5 Jahren nicht gebunden sei, es gerade in diesem Falle für richtig hielt, über das Minimum herauszugehen und iiir das bloße Besitzen eines Revolvers 6 Jahre Zuchthaus zu geben. Aber auch der Court of Appeal nahm grundsätz- יי Waffenbesitz zum Zwecke her Verteidigung anders beurteilt werden müsse als der Waffeilbesitz zmn Zwecke des Angriffs, mißlang durchaus. Freilich konnte das Gericht nicht mehr tun, als die Strafen beider aut 5 Jahre lierabzusetzen und im übrigen ein Gnadengcsuch au den High Commissoner zu riehten. Aber auch das wurde abgelelmt, offenbar im Sinne jener Unparteilichkeit, die so häufig größte Ungerechtigkeit gegen die Juden bedeutet. Juristisch gesprochen wird unbefugter Waffenbesitz wohl niemals als Notwehr angesehen werden können, die jede Strafe ausschlicßen würde. Notwehr richtet sich nach palästinensischem wie nach deutschem Recht gegen einen gegenwärtigen Angriff, und von einem solchen konnte hier nicht die Rede sein. Aber sogar, wenn die Schomrim geschossen und von der Anklage der Tötung mit Rücksicht auf die Selbstverteidigung freigesprochen worden wären, wäre die Strafe wegen des Waffenbesitzes doch ausgesprochen worden. So hart es klingen mag, 90 wird man doch nach dem Gesetz schwer zu einem anderen Ergebnis kommen können. Die wahre Abhilfe liegt in der Forderung, das Gesetz zu ändern, also die Bewaffnu 11 g der Juden als des bedrohten Bevölkerungsteils zu gestatten. Der Court of Appeal hätte auch bei besserer Einsicht unter dem heutigen Gesetz nicht sehr viel, aber doch etwas helfen können. Das Urteil wird nicht verfehlen, neue Empörung und Beunruhigung hervorzurufen. Gesundheitswesen / Fritz Noack. (Siehe Umschau in Nr. 68 v. 25. S. 1936) Ergebnisse des Weltkongresses jüdischer Aerzte Es wäre eine Aufgabe des Weltkongresses jüdischer Aerzte gewesen, der im April dieses Jahres bereits nach Ausbruch der Unruhen in Tel-Awiw tagte, die Parole auszugeben für eine große Aktion der Aerzte in aller Welt zuni Aushau des jüdischen Gesundheitswesens Palästinas und zur Verwurzelung der jüdischen Aerzte im Lande. Er hat diese Aufgabe ■ebenso versäumt wie manche andere. Immerhin ist doch beschlossen worden, einen Verband der jüdischen Aerzte zu gründet! und eine besondere Zeitschrift herauszugehen. Es ist bishet nicht bekannt geworden, wie die Durchführung dieser Beschlüsse gedacht ist und welche Aufgaben der Verband übernehmen will. Es wäre sehr zu wünschen, daß er bald zu arbeiten beginnt und sich für die Fragen des Gesund- Üei'tswcsens und die Lage der ״Aerzte Palästinas in aktiver Weise interessiert. Finanzsorgen Schon vor einem Jahre, noch in der Zeit der ,.Prosperity“, war es zweitelhaft, ob der Jischuw bereits imstande sei, seine Aufgaben aut den Ocbieten des Gesundheitswesens, der sozialen Arbeit und der Erziehung zu erfüllen. Heute kann man mit Sicherheit sagen, daß er ohne Hilfe der Galutli seine Einrichtungen nicht ausbauen, nicht einmal aufrecht erhalten kann. Die Regierung hat sich bisher in der Hilfe für die durch die Unruhen entstandenen Scliäden sehr passiv verhalten. Der Jischuw ist in seiner Leistungsfähigkeit geschwächt, aber seine Lasten sind größer geworden. Gewiß erwarten wir, daß in absehbarer Zeit sich die Lage bessert; aber es wäre eine Illusion anzunehnteu, daß der jiscliuw allein die Last tragen kann. Es wäre ein großer Fehler und nicht zu verstehen, wenn die ״Hadassah“ an ihrem Plan, ihre Ausgaben für das Gesundheitswesen eiuzuschränken, festhielte. Damit soll nicht bestritten werden, daß sie das Recht hat, innerhalb ihres Rahmens durch Reorganisation Einsparungen zu machen; aber es scheint nicht die rechte Zeit, die Zuschüsse zu kürzen und dein Jiscliuw die Aufbringung der fehlenden Beträge zu überlassen. Institute wie die Stadt» Verwaltung Tel-Awiw und die Kiipath Chol im) die noch im vorigen Jahre bereit und imstande waren, ihren Arbeitsbereich aut dem Gebiete des Gesundheitswesens auszudehnen, haben heute Schwierigkeiten, ihre Einrichtungen aufrecht zu erhalten. Die Frage der Finanzierung unserer Krankenhäuser und Fiirsorgoeinrichtungeil wird in naher Zukunft ernst diskutiert werden müssen. ״Ui im“ Die Zentrale für Erziehung bei der Arbeiter- Organisation publiziert von Zeit zu Zeit Broschüren zu den Fragen der Erziehung und des Unterrichts, an denen sich ausgezeichnete pädagogische Kräfte beteiligen. Einige Beispiele aus dem Inhalt: Das Kind in den Liedern von Tscliernichowski; die körperliche Arbeit lind die Entwicklung des Kindes; die körperliche Arbeit im Kinder״,irtenalter; die Schule am Scheidewege; der Sch ul!garten und der damit verbundene Unterricht usw׳. ist nun (1k Aü-gabe in hi .Geher Jugendbücher fast vollständig in Luv l-r.iel v! 1!׳int.!Fe grüße Mchr/ahl der Bücher u ,;rni 1,־11;/ין IT ׳ungut, eist in diesem Jahr verspricht 111,111 iuk, den Anteil der Origmalwcrke zu vcr• größer!!. Mit du •ui wc,:,gen Namen ist d.e Liste der Jugend־ ve! ui ge cTsd״•[*!!. Mangel an Auswahl Was steht mm dem hiesigen Kind tatsächlich an Lektüre zur Verfügung? hur den Anfänger, etwa bis zum Ende des zweiten Schul;;ihres, ist noch gesorgt. Von den verschiedenen Reihen der Heftchen ist ein erheblicher Teil für ihn bestimmt niul durch grollen Druck,!eichte Sprache undeinfacb.cn Inhalt geeignet. Eigentliche Märchen finden sieh sehr wenig darunter, i’lie hiesigen Seini(tstdier und Püuogogen halten offenbar die häufig *dusteren .Motive (Stiefmutter, Hexe) für die unter einer helleren Sonne lebenden Kinder nicht entsprechend. I),־)gegen erschien in Polen eine Reihe von Grimms Märchen, ebenso lUnif und (für ältere, impunktiert) Andersen. Vielfach werden diese Heftchen auch zu mehreren in Buchform zusamme11״ebund111 verkauft. Man kann also auch dem kleinen Kinde" em richtiges Buch geben, was unter Umstünden erzieherisch wertvoll ist. Aller selten vom dritten Schuljahr an zeigen sich für die Mehrzahl der Kinder Schwierigkeiten der Lektürehcsehalfuiig, die vorher nur bei den starken Lesein bestanden. Mangels eines anderen Auswegs wühlt man aus den für die höheren Altersstufen bestimmten Büchern das geeignetste aus mit dem Erfolg, daß in den nächste״ Jahren sich das Fehlen verstärkt bcirei klmr macht. Lin erfahrener Jugendbibüotliekar sagte mir einmal; Für ein no/tital lesendes Kind stellen uns in jedem Jahrgang für 3-4 Monate Bücher zur Verfügung. Den Rest des Jahres kann es nur wieder und wieder das Gleiche lesen. Das tim die Kinder 1(1 der Regel natürlich nicht, sondern greifen nach Neuem, Aber wieviel gibt es wirklich für sic? Verteilen wir die 300 bis TOD vorhandenen wirklichen Bücher (nicht Heftchen) auf die Altersstufen von 9 bis 12 bis 14 Jahren, so ergibt sich eine Zahl von 70 bis 80 pro Jahrgang, die motutSich um 3 bis 6 Bücher im Durchschnitt wachst, una damit ist bestenfalls in jeder Stufe der Zuwachs ein Buch. Der eifrige Leser konsumiert also vorzeitig, was noch nicht für ihn bestimmt ist, und mit 10 bis 12 Jahren hat er die gesamte Jugendliteratur gelesen. So manches davon war ״nicht schön“ oder ,,nicht interessant“, besonders von den für Aeltere bestimmten Büchern. Aber gerade diese Bücher, ״die er ja längst kennt“, wird er nicht später nochmals zur Hand nehmen." Der Leser muß allerdings in Betracht ziehen, daß das hiesige Kind im Durchschnitt erheblich früher erwachsen ist als in nördlicheren Ländern. Ls beginnt jetzt mit der Erwachsenenliteratur. Davon ließe sich natürlich auch eine Auswahl treffen, die für Halbwüchsige geeignet ist. Aber jetzt liest er wahllos. Jenes Buch ist schön — so hört er es von einem älteren Freund. Diesen Roman 11 at er im Kino gesehen. Das ist das neue Buch, dessen hebräische Ausgabe überall angezeigt ist. Also liest er es, wenn er es nur erlangen kann. Selbstverständlich ist auch hier der!Mangel an Geeignetem groß. Es gibt kaum populärwissenschaftliche Werke, Jugend• und historische Romane, Reisehesclireibungen. Man könnte nun meinen, daß der jugendliche Leser das so wenig umfangreiche Material restlos durelinimmt, da ihm zu wenig zur Verfügung steht, um sich mit der Auswahl der ihn besonders interessierenden Schrif* ten zu begnügen. Aber da er nun die Erwachseneriliteratur begonnen hat, sind ihm jene ״kindischen“ Sachen schon ״über“, ebenso wie auch die Kleineren immer schwerere Bücher verlangen, Fingst bevor sie zumindest das wenige, das für sie voll geeignet ist, restlos gelesen haben. Zu geringe Anleitung Und das hängt schon mit der mangelnden Anleitung bei der Auswahl geeigneter Bücher zusammen. Das Kind versorgt seinen Lese bedarf aus verschiedenen Duellen. 1111 Durch• sclmittshaus finden sich hierzulande gewöhnlich keine größeren Bibliotheken für die Erwachsenen, erst recht nicht für die Kinder. Vielleicht hat man die eine oder andere der neuesten Buchreihen, die ein Bücheragent verkauft hat, ohne gerade genau zu untersuchen, ob sie für die Kinder in diesem Hause geeignet ist. Das ist kein Wunder in einem Land, in dein man in kleinen Wohnungen mit wenig Möbeln wohnt und von einem Mucharein zum nächsten nicht _ weiß, ob man im folgenden Jahr nicht wieder in eine neue ziehen muß. Schulbibliotheken Die Kinder wenden sich also, ihren Lesehunger zu stillen, an die Schule, Die meisten Schulen haben nun Schülerbibliotheken, und in der letzten /.eit haben die zen• trnlen Steilen besonders darauf geachtet, den Schulen Be• träge im Rahmen des Möglichen für Bibliotlicks/wccke zur Verfügung zu stellen. Es gibt auch Schulen, die rocht umfangreiclie Bibliotheken besitzen. Aber je;inner eine Schule ist und je ärmer die sie besuchenden Kinder sind, desto weniger Geld bleibt für die Bücherei übrig, das nicht für wichtigere Zwecke gebraucht wurde. Die ärmste Schule, deren Kinder sich außerhalb der Schule den Luxus, ein Buch zu besitzen, vollständig versagen müssen, besitzt auch die ärmlichste Schulbüchern. Aber auch die reichere» Bihlio• theken genügen keineswegs den Ansprüchen der Kinder. In den Ferien, in denen die Kinder erst wirklich Zeit zum Lesen haben, ist nicht nur die Schule geschlossen, sondern auch deren Bibliothek. Und wie lange besuchen denn die Kinder wirklich die Schulen? Es ist bekannt, daß viele und vielleicht die Mehrzahl der Schüler nach 4 bis 6 Schuljahren im Alter von 10 bis 12 Jahren die Schule wieder verläßt, und daß Schulen, die den ersten Jahrgang mit zwei Parallelklassen von je 40 bis 50 Schülern führen, in der obersten Stufe mit einer sehr kleinen Klasse schließen. LeihbOchereien Bleibt also den Kindern, die lesen wollen und vielleicht sogar bereit sind, es sich etwas von ihrem ersten seihstverdienten Geld kosten zu lassen, nur die Leih bi bl iothek, die gegen Entgelt Bücher verleiht. Die meisten Buch- Handlungen führen auch Leihbibliotheken. Abt! diese sind für das' allgemeine Publikum bestimmt und enthalten nur mehr zufällig auch eine Anzahl Jugendsaelien. Diese sind bald geschafft. Dann muß der Verleiher, für den es im Grunde nur ein Geschäft ist, sehen, andere Bücher vor- Zuschlägen, will er den Kunden nicht verlieren. Bücher mit lockendem Titel finden sich schnell, und schon ist der Jugendliehe in die allgemeine Literatur eingerührt (cs gibt auch erfreuliche Ausnahmen). Was fehlt, sind öffentliche Jugendlei hhibliotheken mit Lesemöglichkeiten, die von interessierten Fachlernten geleitet werden. Das ist auch mit den hier evtl, nur beschränkt zur Verfügung stehenden Mitteln möglich. (Schluß des Palästinateils)