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Jüdische Rundschau · 1936-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 78/79 30. IX. 1936 JDDISCHE RUNDSCHAU Seife 11 Pariser Brief Von unserem Berichterstatter K. Paris, im September Wiederbeginn der sionistischen Arbeit Die durch die in Paris besonders lange Ferienperiode unterbrochene zionistische Arbeit wird jetzt wieder aufgenommen. Auftakt zur Winterarbeit wird eint: große zionistische Massenversammlung sein, die Anfang Oktober abgehalten und durch die die französische Kampagne zur Aufbringung des von dem Aktions-Comite beschlossenen Sonderbudgets von 300 000 Pfund eiugeleitet wird. Diese große Versamm- Jung, in der wahrscheinlich Dr. Weiztnann sprechen wird, wird unter dem Vorsitz eines führenden französischen Polttikers stehen. Anschließend ist von dem französischen Keren- Hajessod-Koinmissariat, dessen Leitung jetzt der bekannte jüdische Journalist Herr mann übernommen hat, eine Vertreterkonferenz nach Paris cinberufen worden, in deren Rahmen die technische Durchführung der neuen Keren-Hajessod- Kampagne und die Palästina-Arbeit überhaupt eingehend besprachen werden. Zu der Durchführung der Sonderaktion ist von dem Zentralbüro des Keren Hajessod Dr. O o I d s t e i n auf einige Monate nach Frankreich abgeordnet worden. Auch die verschiedenen zionistischen Gruppen in Paris haben jetzt ihre Tätigkeit wieder aufgenominen oder werden sie in Kürze n 11 flieh me 11. Vor allein ist aut die mehrfachen Palästina-Berichte hinzuweisen, die in der Organisation der allgemeinen Zionisten in Frankreich ״Organisation Sioniste de France“, die jetzt über ein gut ausgestattetes Vcreinslokat verfügt, abgehalten wurden. Obwohl die zionistische Arbeit in Frankreich in diesem Winter mit frischen Kräften und teilweise auch mit frischen Menschen wieder aufgenommen wird, darf man sich nicht darüber täuschen, dal) die zio-_ nistische Aktivität in den nächsten Monaten ווו Paris auf besonders großen Hindernisse stößt. Die Schwierigkeiten, denen die zionistische Aufbauarbeit in Palästina zur Zeit begegnet, mußten besonders in einem Lande zurückwirken, das wie Frankreich bisher nur periphär durch die zionistische Propaganda erfaßt worden ist. Es kommt hinzu, daß die innerpolitischen Kämpfe, die sich in Frankreich abspielen, cineii großen Teil der jüdischen Jugend in das Lager der französischen Parteigruppen gezogen haben. Ferner ist infolge der milderen Fremdenpolitik unter dem neuen Regime für einen großen Teil der ausländischen Juden in Frankreich der unmittelbare Anlaß für ihr zionistisches Interesse, die Auswanderungsnotwendigkeit, zum Fortfall gekommen. Schließlieh ist noch darauf hinzuweisen, daß infolge administrativer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten ein großer Teil der jiidisehen Emigranten aus Deutschland, die für die Palästina-Idee besonders aufgeschlossen waren, in der Zwischenzeit abgewandert ist. Es wird also eine besonders intensive Arbeit notwendig sein, um zu verhindern, daß in diesem Winter eine Verringerung des zionistischen Aktionsradius tot Frankreich eintritt. Die Pariser Zeitschrift ״La Ter re RetrouvSc“, die bisher als Propagandaorgan des Keren Kajeineth in Paris monatlich erschien, wird jetzt in eine unabhängige zionistische Zeitschrift umgewandeit werden, wieder unter der Leitung des französischen Generalsekretärs des Nationalfonds, Joseph Fischer. Der Leiter der Hochschule für Recht und Wirtschaft in Tel-Awiw, Prof. Max Lazarsohn, bereist zur Zeit im Aufträge des Keren Kajemeth Frankreich. Er hat bereits in einer großen Anzahl von französischen Städten wie Paris, Valencienties, Lens, Metz, Strasbourg, Nancy usw. Vorträge abgchalten, die eine Belebung der Keren Kajemeth-Arbeit in diesen Gebieten hei beiführten. Die lttxemburgische Volkszählung L)as Luxemburgische Statistische Amt hat jetzt die Ergebnisse der luxemburgischen Volkszählung, die am 31. Dezember 1935 durchgefülirt wurde, veröffentlicht. Dieser Volkszählung kam in dem kleinen Staat eine politische Bedeutung zu, da sie von manchen luxemburgischen Kreisen als Argument gegen eine weitere Einwanderung von Ausländem, insbesondere von Juden ,־ms Deutschland, dienen sollte. Die Volks- Zahlung hatte das Ergebnis, daß in Luxemburg׳ ca. 300 000 luxemburgische Staatsbürger und fast 4:101)0 Ausländer leben. Das ergibt den relativ hohen Satz von 13 «,0, doch ist gegenüber der letzten Zählung von 1930 ein relativer Rückgang der Ausländer zu verzeichnen. Die Zahl der in Luxemburg lebenden Juden ist von 2200 auf 3200 gestiegen, d. h. von Vom polnischen Judentum Die Stadtratswahlen in Lodz Die Waiden zutn Stadlrat in Lodz hatten folgendes Ergebnis: Von den 72 Sitzen erhalten 34 die polnischen Sozialisten, 6 die Bundisten und linken Poale Zion, 26 die Naticnaldemokraten und je 3 die Zionisten und die Agudah. Die Wahlbeteiligung betrug 85 0,״. Die Nationaldemokraten hatten sich während der Wahl bemüht, die jüdische Bevölkerung durch Terror von der Stimmenabgabe abzuhalten. Sie verbreiteten Flugblätter in jiddischer Sprache, in denen die Juden gewarnt wurden, die Wahllokale zu betreten. Exzesse Sn Leinberg Am Sonntag ist es in Lemberg zu schweren nationaldemokratischen Ausschreitungen gekommen. Eine Gruppe von Nationaldemokraten hatte versucht, eine Versammlung des regierungstreuen Jugendverbandes ״Legion Mlodvch“ zu störeii. Nachdem sie aus dem Saal hinausgeworfen worden waren, machten sie ihrem Unmut dadurch Luft, daß sie jüdische Passanten überfielen, die Fensterscheiben in jüdisehen Geschäften zertrümmerten und die Einrichtungen jiidischer Läden demolierten. In der Zyblikicwiez-Straße hielten die Demonstranten einen Straßenbahnzug auf, zwangen die jüdischen Passagiere zum Aussteigen und mißhandelten sie. Als sie dann versuchten, in den jüdischen Stadtteil einzudringen, wurde ein Demonstrant verprügelt. Im Zusammenhang damit wurde der jüdische Restaurateur Jecheskel Srum verhaftet, aber auf Intervention des jüdischen Abgeordneten Dr. Sommerstein wieder freigelassen. Die jüdischen Medizinstudenten in Posen Die ״Frankf. Zeitung“ vom 26. Sept. meldet aus Warschau: Nach Warschauer Biättermeldungen hat das Dekanat der medizinischen Fakultät an der Universität Posen keine jüdischen Studenten mehr zu den K I i - niken zugelassen mit der Begründung, daß die jüdische Gemeinde die für die Anatomie benötigten Leichen nicht zur Verfügung stelle. Damit ist den jüdischen Medizinstudierenden in Posen das Medizinstudium vorerst unmöglich gemacht. Es ist nicht das erste Mal, daß es an einer polnischen Universität zu. einem derartigen Zwischenfall kommt. Nach einem stillschweigenden liebereinkommen haben die medizinischen Fakultäten die Aufnahme jüdischer Hörer davon abhängig gemacht, daß auch die jüdischen Krankenhäuser in der üblichen Weise die Bedürfnisse der Anatomie unterstützen. Da die religiösen Vorschriften der Juden die Zerlegung eines Leichnams jedoch nur unter beson- -MAGISTER KIRSCH- Der gute Ukftr Maalster-Likörtabrik, Manchen VII deren Umständen erlauben, sind in den verhältnismäßig schwächer von Juden bewohnten Städten zuweilen Schwierigkeiten entstanden. Es wird angenommen, daß von interessierter Seite den Anforderungen der Posener Fakultät doch noch entsprochen wird oder daß das Warschauer Kultusministerium — wie schon in ähnlichen Fällen — einen Ausgleich herbeiführt Fingiertes Attentat auf den Bischof von Wilna Warschau, 23. September. (JTA.) Gegen den Wagen des katholischen Bischofs von Wilna wurde, als er durch das Städtchen Nalibokie fuhr, ein Stein geschleudert, der ein Fenster des Wagens zertrümmerte. Der Stein kam aus der Richtung eines jüdischen Hauses. Es entstand sofort ein Zusammcnlauf, und die Juden begannen die Läden zu schließen. Es fanden sich ״Zeugen“, die erklärten, gesehen zu haben, daß ein Jude den Stein geschleudert habe. Ein jüdischer Junge lief auf den Bischof zu und bezeichnet«: einen christlichen Jungen als den Täter. Der Bischof rief diesen heran und brachte ihn zu dem Geständnis, tatsächlich den Stein geworfen z.u haben. Er erklärte, zu der Tat von jungen Leuten angestiftet worden zu sein, die durch das fingierte Attentat einen Judenpogrom hervorrufen wollten. Auf Grund der Aussagen des Jungen wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Auswanderung aus Polen nach Palästina Warschau, 2,7. September. (JTA.) Bei einer Beratung des Warschauer Palästina-Amtes, der als Vertreter der Exekutive der Jewish Agency auch der Viz.edirektor des Einwanderungsdepartments, Elijahu I) ״ b k i ti, beiwohnte, gab der Vorsitzende des Amte־, In::. An>eim Reiß, bcmerkenswerte Zahlen über die jüdische Auswanderung von Polen nach Palästna bekannt. IIn den ersten neun Monaten des Jahres 1036 sind 10 286 Personen nach Palästina ausgewamlcrt. 1933 betrug die Auswanderung in demselben Zeitraum IS (139, 19.34 8631 Personeu. Voraussichtlich wird die (icsaintauxwandernng aus Polen in diesem |a!1r ungefähr 12 000 AU'imi•!!(.׳!! betragen, während 1935 25Ö00 und 1934 13 000 ausgewandert sind. Der Vorsitzende des Palästina-Amtes bezeichnet« es als bc״ merkenswert, daß nach den Unruhen des Jahres 1029 nur von den Chaluzim die Zertifikate ausgemit/t wurden, wahrend andere Elemente sich der Auswanderung enthielten. Jetzt dagegen ist es trotz der Tatsache, daß die Unruhen schon den sechsten Monat andauern, nicht einmal möglich, auch nur einen Teil der Anwärter zu berücksichtigen. Während in den Sonstigen Jahren mehrere hundert Zertifikate von dem von April bis September ausgegebenen Schetlule erst zwei bis drei Monate nach dem Termin ausgenutzt werden, sind diesmal fünf oder sechs Zertifikate bisher imausgenutzt geblieben. Unter den Auswanderern, die in der Zeit der 011ruhen nach Palästina gegangen sind, befanden sich Chaluzim, Kapitalisten, Handwerker, Angehörige von Personen, die bereits in Palästina ansässig sind, und Schüler palästinensischer Lehranstalten. Bei sämtlichen Kategorien hat sich kein einziger Kandidat durch die Unruhen abhalten lassen, die Alijah anzutreten. 0,75 auf 1,06״/!). Diese Zunahme ist hauptsächlich aut die Ein- Wanderung von Juden aus Deutschland zurückzuführen, denn die Zahl "der Juden mit deutscher Staatsbürgerschaft stieg von 422 auf 1096. Unter diesen Einwanderern befinden sich eine Anzahl vermögender Personen, die in Luxemburg neue Industrien gegründet haben. Soeben ist die erste Nummer des neuen Jahrgangs der hebräischen Wandzeitung Ba mol cd et erschienen, die vom Hauptbüro des Keren Kajemeth herausgegeben wird. Die Zeitung ist zur Hälfte punktiert und eignet sich zum Aushang in Schulklassen und Jugendheimen und zur Verwendung im hebräischen Unterricht. Die reicliillustricrte Wandzeitung etscheint allmonatlich und kann gegen eine Gebühr von 3 RM. für 12 Monatsnummern beim Jugenddezernat des K״ren Kajcmeth Lejisrael, Berlin W15, Meinekestr. 19, abonniert werd ווי. Die Israel-Zangwlll-Gedächtnisstiftung. Wie aus einer Veröffentlichung im ״Observer“ vom 27. Sept. hervorgeht, hilft die Zangwlli-Stiftung Schriftstellern bei der Eierausgabe von Büchern. Werke allgemeiner und jüdischer Gebiete konnten mit Hilfe ihres Fonds fortgesetzt oder veröffentlicht werden; auch konnte in mehreren Fallen aus Deutschland ausgewanderlen jüdischen Schriftstellern Unterstützung zuteil werden. Eine öffentliche Versammlung der Gesellschaft soll am 27. Oktober in der Kingswav Hall in London unter dem Vorsitz von Lord Cecil stattfinden; man hofft bei dieser Gelegenheit, die Arbeit auf eine breitere Basis stellen zu können. Das Komitee bittet um Mitteilung von Fällen, in denen es helfen kann, und zwar an die Adresse: J. Isaacs, King’s College, Strand, London WC. 2. Der Kulturbund Ostwe-tfalen und angrenzende Orte ver■ pflichtete Marion Krieg el für zehn Vortragsabende. SAiMAI^SCHHEUR 1Autorisierte Uebersetzung von Grete Fischer 11. Fortsetzung Na;hdrurk verboten Er steckte die Axt in den Gürtel und riß mit beiden Händen an dem schweren kantigen Brett, das quer zwischen den Pfählen eingeklemmt war. Das Brett gab mit Krachen nach und der Zaun riß sein Maul auf wie eine große Schere. Das dicke Brett sank auf den schneebedeckten Grund. ״Paß auf, Bickel!“ schrie Pandre, und zog an dem zweiten Brett. Mit jeden! Stück, das er so von dem Zaun abbrach, kam Pandre tieler mit hinunter, und endlich öffnete sich zwischen den beiden Pfählen eine viereckige Bresche, durch die er eindrang wie in eine eingenommene Festung. ״Zu mir, Junge!», zu mir!“ rief er zu anderen Feuerwehrleuten herüber. Sofort schob man die Fässer und den Schlauch zu ihm hin. Pandre wartete nicht. Er sprang in den Hof hinunter. * Der Wind blies ihm den Rauch ins Gesicht. Noah legte die Hand auf die Klinke. Sie w׳ar schon warm. Die Tür war nicht versperrt. Aber man konnte sie nicht aufreißen. Die Türstücke hatten sich in der Hitze gedehnt, der Riegel klemmte, die Tür schlug nach innen, und die schwere, schreck verstört« Kuh stemmte sich mit dem Rücken dagegen. Man konnte sie nicht bewegen. Sie stund und muhte und keuchte, vom Rauch erstickt. Da» Feuer hatte bereits das ganze Slallgebäud« überzogen, scliriigab vom Dach bis zutn Fundament. Ein Dreieck von Flammen war das, mit dem Giebel, und die Basis einschließlich des Stalles, wo die Kuh stand, schwell« schon. Keine Minute war zu verlieren. Pandre warf sich mit seiner ganzen Wucht gegen die eisernen Angeln der Tür. Sie stöhnten auf. Ein paar Schrau• b®n sprangen heraus. Noch ein Stoß, und die Tür riß eb, drehte sich und fiel dann um. Pandre fiel mit, kopfüber in den Rauch und Dampf des erhitzten Mists. Er sprang gleich auf. Er sah das breite Hinterteil der Tiroler Kuh. Ihre Hinterbeine waren störrisch und schwer in die Schwelle gepflanzt, und zwischen ihnen, und unter den Eutern dran״ ein Rauch hervor, der Pandre fast blendete. Mit lialbgcschlosscncn Augen versuchte er, die Kuh bei den Flanken zu packen, aller er konnte sie nicht einen Zoll breit wegschieben. In ihrer tierischen Verzweiflung hatte sie den starkgcliörnten Kopf zwischen die knienden Vorderbeine estemmt und verharrte so, hustend und ächzend, und unter em eingeklemmten großen Knäuel Fleisch drang der Rauch und Gestank der brennenden Streu hervor. So schreckerstarrt und unbeweglich hatte die Kuh das Dreifache ihres normalen Gewichts- Rickel und die anderen Feuerwehrleute waren inzwischen durch die Lücke des nicdergclcglen Zauns nnchgckommen; und sie sahen, wie Pandre etwas Erstaunliches tat: Er hockte sich plötzlich auf die Schwelle nieder, schob seinen Nacken unter den Hintern der Kuh, und so sitzend, fing er plötzlich an, sie aufzulüpfen, während ihre Hinterbeine auf seinen Schultern lagen. Ihre mächtigen Schenkel gegen seine Brust gedrückt, schnellte er auf wie eine große Stahlspirale und schleppte die Kuh mit, mit seiner ganzen Kraft. Das verschreckte, halb erstickte Tier hatte keinen Halt, um Widerstand zu leisten, und gab nach. Der Spritzenschlauch fing an, Pandre mit Wasser zu Ubergießen, und 80 erschienen in Rauch und Funken und Wasseraehleier zuerst die Schenkel einer Kuh, dann Pandre» zerzaustes Haupt unter ihrem Schwanz, während die Hinterbeine der Kuh rechts und links an »einer breiten Brust herabhingen. Pandre hielt die Beine mit •einen mächtigen Fäusten fest, 80 daß sie nicht ausschlagen konnten, und hinterher schleppte sich ein langer Kuhkörper und ein Kopf mit starren Augen. Es sah aus wie ein Halbgott der Sage, halb Mensch, halb Drache, mit zwei Köpfen, einem hinten und einem vorn, der Menschkopf mit einem Schweif gekrönt, und d:18 Kuhhaupt Rauch speiend. Dns riesige wunderliche Tier kroch auf diese Weise noch ein Stück weiter, dann machte os halt und spaltete sich in zwei Wesen. Der vordere Teil wurde Noah Pandre, und der hintere die Kuh. Die Feuerwehrleute brachen In brüllendes Gelächter aus. Im gleichen Augenblick brach das Dach de» brennenden Stalls in •einer Gänze zusammen, und di« Funken Überschütteten die Köpfe der Feuerwehrmnnnschnft. Das Gelächter verstummte. Sie merkten, in welcher Gefahr Pandre gewesen war. Für fremdes Gut, Er hatte sein junges Leben für eine Kuh gewagt. Wasser au« dem Schlauch strömte auf die brennenden Trümmer. Und es zischte wie siedendes Schmalz in der Bratpfanne. Die gerettete Kuh stand da und leckte ihre versengte Nase. Erst ein Nasenloch , dann das ande ־re. Und dann merkte sh «laß sie l'rsa■ che holte, dankbar zu sein und fing glückst :lig an zu muhen, »0 daß .sie das Zischen des Wassers au s dem Schlauch übertönte und die Stimmen der Leute. Mü-uh! Und dann zog sin den Atem pfeifend ein wie ein löcheriger Dudchack. Auf diese Art dankte sic dafür, daß sie mit dem Leben davongekommen war. ZWÖLFTES KAPITEL / DER NEUE STADTHAUPTMANN In jenem Winter, bevor das Feuer aushrach, war in Schklow ein neuer Stadthauplmann ins Amt gekommen. Ein schöner Mann, mit einem kupferroten nufgczwirhelten Schnurrbart und einem strengen Blick aus scharfen Augen, wie Nikolaus der Erste. Nikolaus I. Portritt hing seit Generalionen im Postamt von Schklow. Und der alte Postmeister bemerkte die Aehnlichkeit, als der neue Beamte den ersten Besuch bei ihm machte. Der junge Stadthauptmann fühlte sich sehr geschmeichelt durch den Vergleich, und er fing an, da» Zarenbild in allen Einzelheiten naclizuahmen. Er kämmt« sich den Backenbart von den Olrn.n bis zu den Schläfen hinüber. Und seine Blicke wuren immer streng, und sein Gesicht gespannt, als hätte er ständig Zahnschmerzen aber wollte es nicht merken lassen. Und er regierte über di« Juden in Schklow. Er macht« wahrhaftig Ordnung! Die alte hölzerne Brücke über den großon Gralzen mußte ausgebessert werden! Man tat es sogleich. Zwei Laternen, nicht weniger, mußten auf dem Marktplatz brennen bis Mitternacht. Bitte schön, gnädiaor Herr, machen wir, sofort, zwei Laternen mit Paraffinlichtem drin, nur keine Aufregung 1 — Alle Aborte müssen gereinigt werden, und ordentlich Karbol hineingegossen! Schon geschehen — die Gruben sind geleert und Karbol in Mengen darin. Da» Eis an den Brunnen muß weggehackt werden — es ist gefährlich für die Kinder. Alles tat man, was tut man nicht, wenn man seine Ruhe haben will. Man glaubte, er würde eine Weile komntandieren und dann endlich stumm werden. So machten es alle neuen Herren. Aber dieser wurde der Sache nicht müde. Immer neue Einfälle hatte er. Die Misthaufen zwischen den Marktständen müßten nach jedem Markttag weggefegt werden. Dann gefiel cs ihm nicht, daß man die Spüleimer in die Rinnsteine in der Mitte der Gasse aasschtlttete, in seiner StadtI Er ordnete an, daß jeder Hauseigentümer eine große

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