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Jüdische Rundschau · 1936-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1936) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JOOISCH6 RUNDSCHAU Nr. 78/79, 30. IX. 1936 r hinweghelfen, daß jene vielgerühmten Salons allenfalls eine jüdische Drapierung aufwiesen, im Grunde genommen aber doch nicht mehr waten als unverbindliche ästhetische Zusarnmcnkiinffe der Gebildeten aus beiden Lagern. Für die jüdische Wirklichkeit hatten sie nicht die mindeste Bedeutung, und es führte von diesen Orten kein Weg zu den zaghaft sich öffnenden Toren des Ghettos. Mit erschreckender Deutlichkeit wird diese Diskrepanz aus einem Briefe ersichtlich, den die etwa 20jäl1rige Bettina Brentano, die spätere Frau von Arnim, um das Jahr 1803 an Karolinc von G ü 11 <1 e r o d e richtet, mit der sie eine überschwenglichc Freundschaft verband. Aus Anlaß der jetzigen Feiertage sei sein für uns wesentlicher Inhalt hier wiedergegeben: ״Der Jud kommt heut um fünf Uhr und sagt er hart den Brief heut Morgen im Stift abgegeben und hat nichts von Dir gehört, der ungeheure Esel mußte heut wieder wie ein Windspiel heriirnlauten, er hätt müssen Paradiesäpfel zum Laubhüttenfest ein kaufen, da hätt er nicht warten können. Der Kerl sah so närrisch aus, aus seinem Sack guckten lange Palmzweige über seinen Kopf, mit der einen Hand hielt er seinen langem Bart fest, mit der andern stellt er seinen Sangen Stab weit von sich und schwört immer bei seinem Bart, und keuchte unter der Last; ich ließ ihn eine Weile stehen, so gut gefiels mir ihn anzusehen, wers verstund zu malen.“ Die These von dem krassen Kontrast zwischen der Gegenwart und den Jahren der Romantik weist überdies noch einen anderen, schwer ins Gewicht fallenden Widerspruch auf. Nichts wäre verlehlter, als in der Romantik ausschließlich, oder auch nur vornehmlich, eine idealistisch gefärbte literarische btrdiming selicn zu wollen, Sic stellt sich der historischen Forschung vielmehr von Begum an als eine politisch zu bewertende, ausgesprochene Na'.ionalhewegung dar. Felix Hirschtnann Das ״Wunderkind“ von Hollywood Zum l ode von Irving Thalberg Irving Thal Berg, einer der bedeutendsten Filmproduzemten von Hollywood, ist, nur 35 Jahre ait, einem Herzleiden erlegen. Die breitere (.)Öffentlichkeit hat selten von ihm gehurt, da er vermied, vo!! sich reuen zu machen, aber wer mit dem 1 ihn /u tun hatte, kannte seinen Namen, der trotz Ihalbcrgs Jugend langst einen fast legendären Klang hatte; denn die Karriere, die dieser F'ilmtnami gemacht hatte, war selbst für HoMvwnoiJcr Verhältnisse beispiellos, und seine Leistungen und sein Charakter sind es nicht weniger. Ihalbergs Vater, der einer jüdischen l'mnilic aus der Gegend von Gießen entstammte, ist jung!!ach Amerika gekommen und heiratete eine amerikanische Jüdin. Obwohl beide Litern liberal waren, ließen sie den jungen Irving bei zwei Rabbmen viel Jüdisches lernen. Liner Krankheit wegen konnte er dann das Universitäts-Studium nicht vollenden. Er hatte eben die Abendkurse einer I landeLsscliule absolviert und eine kleine kaufmännische Stellung angenommen, als Carl Lacmnilc, der Inhaber der Ihm ersal-Filmgcsellschaft, ihn zufällig kennenlernte und ihm eine Stellung anbot. Aber Irving Thalherg schlug das Angebot ab, er wollte mit Film- Sachen nichts zu tun haben und Laemmles Protektion nicht ausnutzen. Als er dann aber anderweitig kein Glück hatte, nahm er schließlich eine kleine Stellung in einem Provinzbüro der Universal an, ohne daß Laemmle es wußte. Nach Kurzer Zeit wurde Laemmle aber docli aut ihn aufmerksam und beförderte den jungen Mann, der ihm gefiel, zu seinem Privat- Sekretär. Und kaum ein Jahr später war Thalberg der Hauptgeschäftsfuhrer der Universal. Es ist Laemmles Verdienst, Thalbergs Fälligkeiten zuerst erkannt zu haben, aber diese Talente waren auch nngewöhnlieh und vielseitig, und cs ist erstaunlich, in welchem Maße Thalberg sowohl <|je schwierigsten Seiten des Technischen und Kommerziellen wie des Künstlerischen auf dem komplizierten Gebiete des Films beherrschte. Fr reorganisierte das Verleihwtserj der Firma, er führte Regie, keim: dramaturgische Fntsclieidim״ wurde ohne ihn gt troffen, er entdeckte neue Srhaimpieler, schuf europäische Filialen und dirigierte das riesige, weit verzweigte Unternehmen. ()hwohl sein Name kaum auf der Leinwand oder in den Zeitungen erschien, wußte nun in Hollywood doch bald, daß die größten Filmerfolge jener Zeh, wir ״Der Glöckner von N’otre Dame“ und ,,Reputation“, vor allem ihm zu danken waren. Als dann Louis B. Mayer und Samuel Go 1 d w y n ihre Produktionen zu-,:mmentaten und die Metro-( ioldwyn- Mayer die größte I ilmgesdlscliaft der Welt wurde, machte man Irving Th.'tlbrri; zun! Leiter des gesamten Unternehmens. Er fungierte fortan als einer der Vizepräsidenten und war tatsächlich der ״(diuf Fxccutiv" und Producer. Sein organisatorisches Talent bewahrte sich in der schwersten Krise, als »Ser Tonfilm auf kam und das große, in den Grundfesten erschütterte Unternehmen in kurzer Zeit völlig umgestelit werden mußte, der Erfolg der neuen Filmart aber noch durchaus zweifelhaft war. In dieser Krise sind manche großen Ihluiuesellschaften ruiniert worden, andere, die zuerst mit ungeheurem F'rfolg 1 onfüme!nachten, verschwanden trotzdem heim ersten Abebbe!] der Hausse, und heute sind in den Fümzentren von Hollywood mindestens die Führer, die eins( unerschütterlich erschienenen Fdlmgcwaltigen wie Carl Laemmle, William Fox, Warner b ros. persönlich;msgeschaltet. I hink Thalbergs ,,Kunst“ aber, die ihm den Namen 1״ las Wunderkind von Hollywood“ eintrug, steht die ״M. ü. M.“ besser da denn je. F'r schuf auch im Tonfilm einen neuen Typ mit ״Broadway Melodie“, ״Grand Hotel“, ״Ziegficld“, und auch der Film ״Meuterei auf der Bounty“ entstand unter seiner Acgide. Thalberg war mit Norma Shearcr verheiratet, die zum Judentum iibergetreten ist. Die beiden Kinder aus dieser ״besten Ehe von Hollywood“ werden jüdisch erzogen. Thalherg seihst war immer stolz auf sein Judentum und hatte seine eigene Theorie über die Judenfrage. Er betrachtete die Religiosität als den Kern des menschlichen, menschenwürdigen Daseins. Er forderte jüdische Erziehung im hrcitesten Ausmaß und verstand darunter vor allem: Hebräisch, jüdische Geschichte, Religion, stolze jüdische Haltung. Er äußerte mehrfach seine Freude an der jungen Generation amerikanischer Juden, die nicht mehr gleichgültig der Religion gegenüberstehe und lebendig und frisch nationale jü- «!sehe Ideen pflege. Mit besonderem Interesse verfolgte er den Aufbau Erez Israels, das ihm aber, selbst Transjordanien mitperechnet, ״wie ein Hospital für wenige Patienten“ er״ schien. Eine wirkliche Lösung setze ein Land voraus, das alle Juden der Weit aiifnelimen könne. Da es nicht vorhanden ist, müsse man Erez Israel um so kräftiger fördern. Was er dazu in aller Stille, wie es seine Art war, getan hat, laßt sich schwer ermessen. Nur einmal erfuhr man etwas von seiner Taktik dabei, als nämlich von den 100 000 Juden von Los Angeles eine Quote von 75 000 Dollar erwartet wurde: Irving Thalherg hatte Gäste, machte sie darauf aufmerksam, fab selbst den größeren Teil, und am nächsten Morgen hatten ie 100 000 Juden von Los Angeles keine ״Chance“ mehr, die Summe aufzubringen, die bereits eingezahlt war. H. Fragen des Religionsunterrichts Zu der Zeit, als wir noch zur Schule gingen, gab es einen jüdischen Religionsunterricht. Er wollte Unterrieht in Religion sein und unterschied sich deutlich vom Unterricht in anderen jüdischen Gegenständen, d. h. vor allem von dem in Geschichte. Aufbau und auch Ausgestaltung dieses Religionsunterrichts glichen sehr stark dein Christliehen. Dieser war öfter Katechismus-Unterricht genannt, darum mußten auch wir als Unterrichtsgrundlage ein Buch haben, das sich Katechismus nannte. Bei uns, in Süddeutscliland, erfüllten die Bücher von Herxheim er und Groß diese Aufgabe. Ucber die Wirkung dieses Religions- Unterrichtes scheint cs nur e i n Urteil zu geben, wenigstens wenn man die Menschen hört, die durch diesen Unterricht gegangen sind. Es gibt nur wenige jüdische Zeitgenossen, die nicht darüber klagen, einen schlechten Religionsunterricht gehabt zu haben. Es müßte aber doch merkwürdig zugegangen sein, sollten in einem bestimmten Berufszwcige sich nur ungeeignete Kräfte betätigt haben. Die schlechte Wirkung kann also — von einigen Fällen abgesehen, wie sie sich bei den Vertretern aller Berufe finden — nicht durch die Lehrer verursacht gewesen sein. Der Religionsunterricht von gestern und vorgestern bctrachtete seine Aufgabe dahin, objektives Wissensgut zu vermitteln. Der Schüler sollte schön geordnete Lehren — über Gott, Welt, Mensch — binnelmicn, auswendig lernen und als unerschiitterbaren Besitz mit ins Leben nehmen. Inzwischen aber war die Grundlage, auf der dieser Besitz ruhen sollte, doppelt erschüttert worden. Lehrhaftes Wissen um religiöse Dinge war aufgelöst worden iin gesamten Prozeß!m111111!111111!111;1111111H11m11!11m1m1m1!111111!11!!m111111m111111!!1!11n1m:11m!11!111!m1111111m1111111u!1!1111mmi111111t11111>11 •י w■» ta» m t mjmi DER.JÜDISCHEN RUNDSCHAU Aclon 020m Aus der neuen Freitagabend-Liturgie von Jakob Weinberg Alle Reihte Vorbehalten Naihüxudi verboten Ch. Wlnawer •tfe, f>C*CO ״-pjr.*r־.־׳hz dort 0 . tarn . ro . /e. #*t . *4-0 * * zM o Je. . - io *V lecfy *rrfe . mo- ״zr/'A - ro,. אדיו עולם אעיר מלך׳ בטרם כל יציר נברא: לעת נעשה בחםצ1 2ל׳ אזי מלך שמו נקרא: ואחרי ככלות דבל־ למ־1 ימלוך נ1רא: והוא היה והוא ה1ה׳ והוא יהיה בתפארה: והוא אחד ואין שגי׳ להמשיל ליו להחבירה: בל* ראשית בלי תכלית׳ ול1 ה?יז והמשרה: והוא אלי וחי גאלי׳ וצור חבלי בעת צרה: 5 4 ־; T t I : v והוא נסי ומנים לי׳ מנת כוסי ביום אקרא: בידו אפקיד רוחי׳ בעת אישן ואעירה: ועם רוחי גויתי׳ יי לי ולא אירא: 1 * 1׳זי;ז . T Es ist Brauch, an den Festabenden nach Schluß des Betens das ״Adon 010m“ zu singen. Es gibt hierfür verschiedene traditionelle Melodien. Das ״Adon 010111“ unseres ״Singblattes“ habe ich, mit Genehmigung des Komponisten Jakob Weinberg (eines bekannten jüdischen Musikers in Amerika, dessen Kompositionen z. T. — so z. B. seine Oper ״Hcchaltiz“ — durch Prämien ausgezeichnet wurden) seiner neuen Freitagabend-Liturgie entnommen. Diese ״Adonolom1,-״Melodie klingt wie eine altüberlieferte Melodie, obgleich sie von Weinberg selbst komponiert worden ist. In der Wcinbergschcn Liturgie ist das ״Adon olom“ als große Komposition enthalten, daneben aber auch als Gesang der Gemeinde, und man darf wohl sagen, daß es etwas Schöneres, etwas ״Jüdischeres“ in unserer liturgischen Literatur kaum geben mag als dieses ״Adon oiom“, von der ganzen Gemeinde gesungen. Es wäre an der Zeit, sich der Vereinheitlichung des liturgischen Stiles anzunehnien, dem Zustand, daß jede Gemeinde ihren eigenen ״Nussacn“ hat, ein Ende zu bereiten; — insbesondere dort, wo man in der Verwendung synagogalcr Motive nicht allzu wählerisch zu sein pflegt. Es wird noch lange dauern, bis die Vereinheitlichung der Stile in unserem Gottesdienst verwirklicht sein wird, aber es wäre Zeit, damit zu beginnen und jetzt neu« jüdische Gesänge (״neu“ nur für den westjüdischen Beter; in Wahrheit aber wertvolle, altüberlieferte Gebetsmelodien) in unserem Gottesdienste einzuführen. Sei das ״Adon olom“ (obgleich es den Schluß des Gottesdienstes darstellt) der erste Beginn. Chemjo Wjnawer Berichtigung. In den vorletzten ״Singblatt"-Text (״J. R.“ Nr. 74,73) nat sich ein Druckfehler eingeschlichen; Es muß natürlich, wie in der Noten-Ueberschrift, lauten: ״W’sscroe lefoncclio“, nicht: ״Wsseorew lefonecho“. der Auflösung religiöser Haltung des ״aufgeklärten Menschen“. Und unsere Kinder waren in immer größerer Zahl aus diesem aufgeklärten Großstadtmilieu. Andererseits ging auch jeder andere, vielleicht säkulare Zugang zu Fragen der jüdischen Religion, z. B. Gemeinschaftsgefühl, Traditionsbewußtsein, immer mehr verloren. Jener Religionsunterricht mußte darum an Wirkung immer mehr verlieren, da Stoff und Schüler einander immer weniger begegneten. * Bei der Schülergeiieratiori, die uns jetzt zur Verantwortung übergeben ist, hat sich das Bild vor allem nach der letzten Seite vollkommen gewandelt. Wir können heute mit lebendigem Interesse für alles Jüdische rechnen. Von dort her kann man alle Seiten des Judeseins in den Unterrieht tragen und für die Bildung des Kindes fruchtbar werden lassen. Es wäre nun zu erwarten gewesen, daß von dieser Zunahme der Verlebendigung des jüdischen Unterrichts auch der Religionsunterricht beeinflußt würde. Dein ist nicht so. Wir stellen fest — in absichtlicher Kürze —, daß cs in den meisten Fällen keinen Unterricht gibt, den wir wirklich Religionsuiiterneht nennen könnten. In der Regel hat man wohl ganz, lautlos und ohne es sich vielleicht selbst zum Bewußtsein zu bringen, an die Stelle des Unterrichts in Religion einen solchen in allgemein-jüdischen Dingen treten lassen. Mit Freuden griff man darum nach dem von Buber gebötenen neuen Begriff der ״Juderitumskund e“, hat diesen jedoch gründlich mißverstanden, wenn man glaubte, ihn debattelos ztun Nachfolger des Religionsunterrichts stempeln zu können. Für diesen gegenwärtigen Zustand glauben wir in erster Linie zwei Momente als Ursachen benennen zu müssen: 1. Geht inan bei der Zielsetzung des Religionsunterrichts immer noch davon aus, daß er mir, wie früher, objektives Wissen vermitteln soll, so wird man erfahrungsgemäß auch auf die damit verbundene Interesselosigkeit stoßen. Da aber doch heute alle anderen jüdischen Gegenstände sich einer so regen Anteilnahme der Schüler erfreuen dürfen, erscheint es oberflächlicher Betrachtung fruchtbarer und angesichts der wenigen uns zur Verfügung stehenden Stunden auch verantwortungsvollcr, diese kurze Zeit für ״sachlichere“ Dinge zu verwenden. 2. Die Interesselosigkeit der Schüler besteht nur dem Religionsunterricht gegenüber, der wnbefragbar Fertiges zu geben beabsichtigt. Dagegen gibt cs eine wirklich ernste und offene Bereitschaft, durch eigenes Fragen und Suchen zu einer eigenen Haltung in diesen Dingen zu kommen. Weithin gehend kann man sogar davon sprechen, daß die religiöse Fragestellung nicht erst an die jungen Mensehen herangebracht werden muß, sondern daß dort, wo dies nicht geschieht, ein entscheidendes Ringen der jugendlichen Seele allein überlassen bleibt. Darum aber wäre nötig, statt objektive Wissensdinge vermitteln zu wollen, sich mit der subjektiven Situation des Schülers auseinanderzusetzen. Schlagwortartig gesagt: aus dem Unterricht in Religion muß ein Arbeiten an und um Religiosität werden. (Dieses liebergreifen in den Aufbau einer eigenen Weltanschauung durch den Schüler kann schließlich allein einem geläuterten Begriff von Bildung genügen.) * Aus der hier vorgenommenen Analyse ergeben sich als Grundlagen für eine notwendige Aenaerung der Praxis im Religionsunterricht: 1. Wir haben nicht genug damit getan, wenn wir Ge* schichte, Soziologie und Sprache des Judentums gelehrt haben. (Es gibt Bünde, die bereits ein sehr waches Gefühl hierfür haben.) 2. Religionsunterricht kann nicht davon ausgehen, kntcchismusartig Stoffe vermitteln zu wollen. Nicht das Wissen imlcbendiger Dinge, sondern <laS lebendige Sichstellen der jungen Menschen zu diesen Dingen ist gefordert. Es braucht wohl nicht gesagt zu sein, daß damit nicht eine Flucht vor dein Stoff an sich gemeint ist, sondern nur eine Wegbereitung von der Jugend, die Werte sucht, hin zu dem Stoff, der die Werte geben kann. 3. Die jungen Menschen, besonders die in den Bünden organisierten, beginnen ihre eigene i laltung damit auszubauen, daß sie den Zweifel radikal führen und ernst nehmen. 91)״;״ aller unserer Schüler verlassen heute den Unterrieht in einem Alter, in dem sie gerade erst in den Zweifel hineingekommen sind. Es muff darum das klare Ziel des Religionsunterrichts werden, dem Schüler die Sicherheit zu geben, daß der Zweifel in der Rcligionsstunde seinen Platz hat. Das religiöse Zweifeln darf nicht durch den Lehrer dem Bereich des vor den Erwachsenen Gelieimgehaltencn ausgeliefert werden. Dadurch, daß der Schüler noch in der Schule erfahrt, wie sehr der Zweifel zur Entwicklung eigener Religiosität gehört, soll vermieden werden, daß er später glaubt, aus seinem Zweifeln nur mehr ein totaler Neinsager werden zu können. Wir haben hiermit die Richtung dessen skizziert, was wir unter einem wirklichen Religionsunterricht verstehen. Eine Konkretisierung der einzelnen Fragen und Probleme, die zwischen Lehrer und Schüler zur Sprache kommen sollen, kann jetzt nicht vorgenommen werden. Wir begnügen uns fürs erste damit, die Fragenkreise 7.11 umreißen und sie alle den! Gesamttitel ״Verhinderte Religiosität“ einzuordiien: 1. Verhinderte Religiosität aus dem Erleben der pan• rationalistischen Periode des jungen Menschen. 2. Verhinderte Religiosität aus gcsellseliaftskrifischem Betrachten des Kreises von Menschen, die als religiöse Menschen gelten. 3. Verhinderte Religiosität aus Kritik an Tradition Und Quellen. * Es wird doppelt Klage geführt. Man klagt darüber, daß dort, wo junge Juden ein Leben in Gemeinschaft und Verantwortung aufbauen, Religion keinen Platz habe; man denkt dabei sehr oft an das Leben der Chajuzim. Man klagt aber auch darüber, daß zwar die Schule Wissen zu vermitteln vermag, daß sie aber nichts zu sagen habe zu den vielen letzten Fragen, die heute junge Juden als Juden und Menschen anfallen, lieber die beiden Seiten gibt es Situationsschildenmf, , ...־"'־׳* י' -י-׳. ״ interessant sein. Weiterbringen kann uns aber nur ein von beiden Seiten unternommener Versuch, zusammen zu fragen und zu antworten, Dr, Heinrich L e m I e, Frankfurt a. M. In der Synagoge Adolphstraße in Altona, die von aus dem Osten stammenden Juden besucht wird, brach in der Nacht zum Versöhnungstag ein Schadenfeuer aus. Es waren in der Synagoge nach herkömmlichen Brauch Kerzen aufgestellt worden, von denen eine das Vorbctcrpult entzündete. Das Feuer, das auch den Thorasehrein ergriffen hatte, konnte von der Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt werden. Der Thoraschrein mit insgesamt zehn Thorarollen und Schmuck brannte vollständig aus. 1

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