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Jüdische Rundschau · 1936-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nf. 78/79, 30. IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Segen der Bäume / Eine Sukkoth-Gesdiichte Es war im vergangenen Jahre. Ich verbrachte Jom Kippur in J c r u s a 1 e ni und machte mich nach Neilah auf, den Emck zu besuchen. Am zweiten Tag meiner Wanderung kam ich in ein Dorf, das zu den ältesten Emeksiedl iingen zahlt. Die noch immer sehr kräftige Sonne hatte mich ermüdet, und ich gedachte deshalb, in diesem Dorfe den Rest des Tages zu verbringen. Als ich die ersten Häuser der Siedlung passiert hatte, sah ich in einem geräumigen Garten, der zu einem der stattlichsten Sicdlcrhäuscr gehörte, eine Gruppe von Menschen sichen, ich lenkte meine Schritte auf sie zu und gewahrte beim Näherkoinnicn, dali die Gruppe aus einem älteren Manne — wohl in den sechziger Jahren — und einer Schar von Kindern bestand, die gemeinsam eine Sukkah bauten. Aber welch eine Sukkah war dies! Vier genau in einem Rechteck gepflanzte Bäume bildeten die vier Ecksäulen des Raumes; zwischen den Räumen und als gewölbter Abschluß nach oben war allerlei Laubwerk eingefügt, so daß das ganze den Eindruck eines aus dem Boden Gewachsenen, eines organisch mit dem Boden Verbundenen, kurzum eines Natur־ Werkes machte. Der ältere Mann, der die Arbeit leitete, mußte meine Verwunderung über diesen eigenartigen Bau sofort bemerkt haben, denn nach dein Gruße fragte er mich ganz unver* niidelt, wie mir die Sukkah gefalle. Natürlich mußte ich erwidern, daß ich eine derartige, gleichsam aus dem Boden gewachsene Sukkah noch nie gesehen habe, dali ich aber seine Erfindungsgabe, wie sie sich 'im Ban dieser ganz neuartigen Sukkah dokumentiere, höchst bemerkenswert fände. Der Alte schien von dem Lobe, das ich ihm wegen seiner schöpferischen Phantasie zollte, nicht sehr erbaut zu sein: Er schüttelte etwas ärgerlich seinen klugen, von der Erfahrung fczcichnctcn Kopf und meinte, der eigenartige Bau dieser ukkah verdanke nicht etwa der Schrulle eines Sonderlings seine Existenz, sondern er sei aus der drängenden Not eines Menschenlebens, aus der gestaltenden Wirklichkeit unserer Tage heraus entstanden. Aut meine Frage, daß ich den Sinn seiner Worte nicht recht begreife, hielt der Siedler in seiner Arbeit, die fast vollendet war, inne, nahm die Kinder an die Hand und führte sie und mich unter einen Baum. In seinem Schatten ließen wir uns nieder und also hob der Siedler an zu sprechen: ״Euch, Kinder, und Ihnen, der Sie als Gast bei uns Weilen, will ich jetzt erzählen, welches Ereignis mich dazu brachte, diese natürliche, aus dem Boden gewachsene und ihm verbundene Sukkah Jahr für Jahr, Zeit meines Lebens, zu bauen. In den Jahren nach dem Kriege, die für die Juden in der Ukraine noch viel schlimmer waren als der Krieg seihst, befand ich mich in meinem Geburtsort Proskurow. Mit meiner Familie wohnte ich in der Nähe der Stadt, in einem an einem Flusse gelegenen Gutshof in einem weiten Park. Mein Vater schon hatte dieses Gut bewirtschaftet, und ich war daher gerne wieder dorthin gekommen, als die andauernden Unruhen in Petersburg mir den Aufenthalt in dieser Stadt, die mir eine zweite Heimat geworden war, unmöglich machten. Aber wir kamen vom Regen in die Traufe! Schon kurze Zeit, nachdem wir uns häuslich eingerichtet und die Bewirt- Schäftung des Gutes aufgenomrnen hatten, erzählte uns ein Freund aus der Stadt von den furchtbaren Gerüchten, die die Luft der Ukraine verpesteten und die jede Freude, jedes Lebensgefühl zu Grauen werden ließen. ,Sie werden sich ja selbst‘, fuhr er zu mir gewandt fort, ״an die furchtbaren Pogrome der Scharen Pctljiiras erinnern. Ich war als russischer Soldat an das viele Schreckliche dieser Jahre gewöhnt; das Kriegshandwerk hatte uns etwas stumpf gemacht. Was ich aber über die Verfolgungen hörte, die Juden in unserer nächsten Nachbarschaft heimsuchten, ließ uns das Blut in den Adern erstarren. Dabei dachte ich weniger an mich. Es hätte mich auch im Felde eine Kugel treffen können; dann wäre icli wenigstens den Soldatentod gestorben. Was mich aber in einem fürchterlichen Ausmaße bedrückte, war das Schicksal meiner Frau und meiner Heranwachsenden Kinder. Sollten wir sofort fliehen? ich verwarf diesen Gedanken, der uns in dem brodelnden Hexenkessel jener ukrainischen Tage kaum Rettung, desto sicherer den Untergang unterwegs auf der Landstraße oder in den Wäldern bedeutet hätte. Schon rückte die Gefahr näher, wie wir von Menschen, die dem Gemetzel entronnen waren und halb irrsinnig landab, landauf flohen, erfuhren. Es litt mich des Nachts nicht mehr im Bett. Unfähig, auch nur auf einige Stunden Schlaf zu finden, kleidete ich mich um Mitternacht an, verließ heimlich, ohne daß Frau und Kinder etwas hiervon merkten, das Gutshaus. Es war eine bezaubernd schöne Nacht. Der Vollmond übergoß Gebäude und Garten mit einem milchigen Lichte; ein Sternenhimmel, wie ich ihn nie mehr sah, war die erleuchtete Kulisse, vor der der Mond sich bewegte. Es war, als ob die Natur sich von dem frevelhaften Tun der Menschen distanzieren wollte, so unberührt und in sich vollendet lag sie vor mir ansgebreitet Dieses Bild des nächtlichen Friedens und der lieblichen Sammlung der Natur schien mich etwas zu beruhigen, ich war eben im Begriffe, meine nächtliche Wanderung im Parke abzubrechen und wieder in das Haus zuriickznkehren, als mein Blick, gleichsam um Abschied von diesem zauberhaften Bild der nächtlichen Natur zu nehmen, noch einmal in die Runde schweifte. Entsetzen lähmte mir die Glieder, a's ich am Horizont, dort wo die Stadt lag, raten Feuerschein erblickte, der zu dem silbrigen, alles überflutenden Lichte des Mondes wie Hölle und Himmel kontrastierte. An Schlaf war natürlich nicht mehr zu denken! Ich rannte wieder in den Park, in dem Bewußtsein, daß nunmehr etwas geschehen müsse, um wenigstens meine Familie zu retten. VC•',15׳ ich auch überdachte, kein Plan schien mir die Rettung der Meinen zu verheißen. In schwere Gedanken verloren, war ich in dichtes Gestrüpp fast unmittelbar am Flusse geraten. Ie!1 konnte in diesem Dickicht nicht mehr weiter und wollte schon wieder umkehren, um meine unruhige Wanderung nach der anderen Seite fortzusetzen, als ich in diesem Teil des Parkes vier Bäume sah, die — merkwürdig genug — genau im Rechteck standen. Mein Blick hing wie angeheftet an dieser geometrisch geordneten Batungruppe. Ich konnte mich von ihr nicht trennen, und je länger ich hier verweilte, tun so beständiger und nachhaltiger keimte in mir das Gefühl auf, daß diese Bäume unsere Rettung bedeuten. Zunächst konnte ich mir dieses Gefühl nicht erklären. Je wacher jedoch mein Sinn wurde, je mehr er sich von dem verklärten Bild dieser Nacht befreite, desto wunderbarer kam eine große Erleuchtung über mich: Wie unseren Almen einst in der Wüste die Sukkah, aus Erzeugnissen der Natur zusanmicngefügt, Schutz vor den Unbilden gewährte, so boten auch uns, den späten Nachkommen jener wüstenwanderer, Geschöpfe der Natur, diese Bäume Zuflucht vor dem dräuenden Schicksal. Wir brauchten nur die Abstände zwischen den Bäumen mit grünem Gestrüpp auszufüllen und auch nach oben für eine grüne Strauchdecke zu sorgen, תזט in dem weifen Park, der vielfach mit Strauchwerk durchsetzt war, eine von der Umgebung kaum zu unterscheidende Naturhütte zu haben. — Der Morgen zeichnete sich mit seinem fahlen Lichte, vermischt mit dem überall nunmehr sichtbar werdenden roten Schein der brennenden Dörfer und Städte, noch kaum vom Firmament ab, als ich das gesamte Gesinde entließ und mich mit meinen Söhnen an die Arbeit machte. Schon nach wenigen Stunden war die grüne Laub-Hütte um die vier Bäume herum, in der Nähe des Wassers, errichtet. Wir schafften Lebensmittel, Kleider und Lagerstücke in den grünen, von den vier Bäumen gehaltenen und von den weitverzweigten Acsten geschirmten Bau und warteten in ihm, nachdem wir das Hans verlassen hatten, ergeben in Seinen Willen, gelobt sei Er, den weiteren Gang der Ereignisse ab. Was soll ich euch noch viel erzählen? Wir verbrachten vierzehn Tage in unserer, dieses Mal nicht dem Feste geweihten, aus schwerster Lebensnot entstandenen Sukkah. Mehr als einmal schien unser Schicksal besiegelt; Zu wiederholten Malen streiften die Marodeure durch den Gutshot und den Park, doch die Mimikry unserer Naturhütte bewahrte uns vor der Entdeckung und damit vor dem traurigen Lose unserer Brüder. Sobald die erste Pogrom welle vorübergerauscht war, schlugen wir uns unter unsäglichen Mühen nach Erez Israel durch. Als ich diesen Boden, aut dem wir heute stellen, erwarb, war mein erstes Tun, gleichsam als Symbol der Verbundenheit mit ihm, vier Bäume im Rechteck zu pflanzen, genau im Abstande der Bäume, die mir und den Meinigen auf ukrainischer Erde Reifung brachten. Am Sukkoth jeden Jahres baue ich um die vier Bäume diese Naturhütte, die ihr nun fast vollendet dort drüben sehet. Zeit meines Lebens will ich Klage um Etrog und Lulaw Von Chaim Nuchman Biallk Jus Deutsche übertragen von Dr. Fritz Arnholz* Wer öffnete des Lulaw’s Band, 7|לף nj 5לי Und wessen Hand sein Schmuck-Gewand? כלן הלולב סוזגו־ותיו־ ומכלוליול Ach, Etrog, hat man dich zerstört? הוי׳ אתרוגי׳ Wer hat die Spitze dir versehrt? ללה הכלקפל קמם m??י את זז??5םן Zerschrumpft der Goldfrucht Haut. — פך, זהבי Voll Scham, ,1צפד $לד Lulaw, dein Mark zum Vorschein kam. בלש לולבי׳ נוזללף?זלזיו• Vorbei ihr Fest, kein Schatten mehr, ע3ר ה?ם׳ Sie sanken so sehr, Niemand rettet sie mehr. הופל ללס׳;רדו ללאים ואין מ?ילם. Zum Schmaus sinkt, was als Etrog galt, ל5לךקר!ת Vom Lulaw wind' ich Kränze bald. ילד אתרוג׳?!ן הלולב זרים א?זו*ג< Kleine Kränze, geflochtene Dinge, ז\ים?]מלים. Auch für die Finger manche Ringe . . . {?!קליעות׳ גם שבעות לאצבעות ■ 'Au» Chaim Nachman Bialik ׳?ייים <?!.־יינ’ת ^ייס• — Verlajj Dwir, Tal-Aviv; enlnommen einem Leseheft von Dr. E. 1.. Ehrmann : ״Snukkot u.Ssimrfint-Torn" herauscnjnhnD im Aufträge der Rcii-hsvertrntuns■ der Juden in Deutschland. — Im Schocken Verlag. es so halfen, denn ich will nie vergessen den Segen der Bäume.“ Die Erzählung des Alten hatte mich so tief gepackt, daß ich ihm nur wortlos die Hand reichen konnte. Am Abend saß ich noch lange mit dem Siedler aus der Ukraine und seiner Familie zusammen. Als ich ihm sagte, daß seine Bäume ־ Sukkah auch einen Gedanken Theodor Herzls verwirkliche, den er in der ״Menorah“ ausgesprochen hatte, nämlich die. schöpferische Neugestaltung alter, etwas erstarrter Formen in Anlehnung an die Vorbilder der Natur, da zog ein beglückendes Leuchten über das Gesicht des Alten: Aus dem persönlichen Schicksal eines einzelnen Juden hatte sich ein neuer Brauch, naturverbunden und sinnvoll, geformt. — Heute kam mir, als ich von der Vernichtung vieler Bäutne in Erez Israel las, dieser Bericht mit besonderer Find ringiichkeit wieder ins Gedächtnis. Ob wohl die vier Bäume im Garten des Siedlers noch stehen? Ob sie, wie damals ihre Brüder in der Ukraine, auch jetzt in diesen Sturmfageii Znflucht gewähren? Gleichviel, wie es auch sei! Faßt auch dieser oder jener Baum, andere werden wachsen und bleiben, und mit ihnen die Juden, die unter ihren segnenden Aestcn Schutz vor den Gefahren der Umwelt suchen. Ludwig Meyer Izß /1/f yr.fr 1 [A u' ALLIGATOR dos s i n d g u t e 11׳ d c r w u r n UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE: Berli n, Tn*.><*nt7.ienstTaße 16 Hamburg־, Jungfernstieg43 ־ Köln a. Rh., Hohe Straße 115 Es 8 eti, Essen, Am Hauptbahnhof 10 Bochum, Korlumstraß« 67 Fr a nk f u rt-M., RoBmarkt 15 Zentrale: Offenhach a. M. Herzogstraße 36 Limbeckerstraßc 10 V/ uppcrtal - Elberfeld, Sukkothsymbole auf Denkmälern der jüdischen Antike Zu den interessantesten Dokumenten der jüdischen Antike gehören die von Juden geprägten Münzen. Zur Zeit des ersten Tempels wog man noch Gold und Silber mit Gewichtsteinen. Erst aus der hasmonäisdien Zeit stammen die ältesten von Juden geprägten Münzen, Diese Münzen sind nicht nur wichtige Gesellie 11 tsdok 11 mente, sie sind auch durch die darauf enthaltenen Darstellungen aufschlußreich für die jüdische Geistesgeschiclite. Etrog und Luiaw, die Svmhole des Sukkothfestes, werden häufig als Schmuck der Münzen verdet. Das Laubhiittciifest war ja ursprünglich das Hauptfest des Jerusalemischeu Tempels das Fest, be- Bar - Kochba - Münze; linhs: Vorderseite, rechts; lliiciisvite der Bibel einfach mit ciiag, una wird in zeichnet. Die Makkabäer, die den Tempcldieiist aufs neue wieder einriciifctcn, haben auf ihren Münzen Etrog und Lulaw ahgcbildct /״ Ehren des Festes, an dem sich der Glanz des Tempels besonders festlich auswirkte. Im H. Makkabäerbucl), einer wichtigen Cieschichtsqließe für diese Zeit, wird als Ursprung des Chamikkaiifestes erzählt, es sei zum Andenken an das vorangegangenc Sukkotlifest, welches Juda Makkabi und seine Anhänger wegen der religiösen Verfolgungen in (ichirgs'iöiileii feiern mußten, festgesetzt worden. Vielleicht Sassen sieh Ltrogim und l.iiiawim auf den Makkabäermünzen auch in diesem Zusammenhang erklären. Die ursprüngliche Entstehung des Chamikkaiifestes wäre im Laufe der Zeit vergessen worden und die achttägige Dauer, die es mit dein Laubiiutteiiled gemein-am hat, ist dann in taiminlisdier Zeit uns dem Wunder des Oclkrugleins erklärt worden. Auch die wälnentl des Bar Korliba-Aufst;indes von Juden geprägten Münzen tragen zum Teil die Sukkothsvinbole Etrog und Lulaw. liier ist der Zusammenhang mit dem Glanz des fcmpels!11 Jerusalem besonders deutlich zu erkennen, denn auf der Vorderseite der Münze ist das Tcnipeltor und auf der Rückseite Ltrog und Lulaw abgebiidet. lieber dem Teinpeltor ist ein Stern angebracht, ein Hinweis auf Bar Kochba, in dem die Zeitgenossen nach Num. 2-1, 17 den ,Messias, den Sternensoi 111, sahen. Mir diesem messianisduu Hinweis erhalten auch Ltrog und Lulaw auf der Rückseite eine besondere Bedeutung, denn uac!1 Sech. 11, 1(1 ist das Sukkotlifest das l est, an dem dereinst in den Tagen des Messias auch die anderen Volker zum Tempe! wallfahren werden, um es in Jerusalem zu feiern. Man erkennt hier deutlich die Rolle, die das Sukkotlifest in der iiHSsiaiiiselum Vorstellung der jüdisehen Antike gespielt hat, und die Münzen aus jener Zeit werden uns zu einem Dokument jüdischer (ieistcsgcschiclite, Audi auf den <1 o I d z w i s e 11 e n g I ä s c r 11, die in den jüdischen Katakomben gefunden wurden, finden sicli immer wieder Etrog und Lulaw abgebildet. Diese (ioldgläser waren Gaben, die man den loten mit ins Grab gab. Hier sind Etrog und Lulaw Ausdruck für die Hoffnung, daß der Tote dereinst auferstellen möge und der Freuden der niessianisclien Zeit teilhaftig werde. Mit den messianisclien Freuden hängt noch eine andere Vorstei hing zusammen, daß nämlich in den Tagen des Messias das Meeresimgeheuer l.iwjatan geschlachtet wird und den Frommen aus seinem Fell eine Sukkah bereitet wird. (B. Bat. 75a.) Audi liier wird ein Sukkotlisymbol mit dem messianisclien Gedankenkreis in Verbindung gebracht. Diese Denkmäler •der jüdischen Antike spiegeln aufs deutliciiste die Bedeutung des Sukkothfestes und seiner Symbole wider. Etrog und Lulaw werden über ihre killt «gerat liehe Verwendung hinaus als Sinnbild des Jerusalemischen Tempels, dessen Hauptfest Sukkoth war, empfunden. Etrog und Lulaw werden dann einer späteren Zeit zum Sinnbild des inessianischeu Tempels, in dem derciu-d im alten Glanze nach der Prophezeiung des Propheten Sukkoth geleiert wird. Dr.! r m g a r d Schüler Sukkoth im Spiegel der Romantik Das Schicksal hat uns zwar eine passive Rolle in der Geschichte z.ugewiosen, aller noch stets, wenn unsere nieiischliehe Wurde besonders schmerzlichen Erschütterungen ausgesetzt war. regte sich in uns das begreifliche Verlangen, die Tragik dieses (jcschehcns wenigstens durch die Erweckung von Erinnerungen an Zeiten zu paralysieren, die - ■ nach der traditionellen Betrachtungsweise mit der bedruckenden Gegenwart wohl tuend kontrastierten. Beruft man sich zur Herausstellung solcher Gegensätze zwischen Einst und Jetzt 111 unseren Tagen mit einer gewissen Vorliebe auf (Sie als ״Deutsche R o m a n 1 i k“ hekannte Epoche der Vergangenheit, so fehlt es in der Tat nicht an einer Reihe beweiskräftiger Argumente für die Beredttigimg gerade dieser Gegenüberstellung. Es wird hierbei jedoch mir allzu bereitwillig übersehen, daß die namentlich in der Spätromantik den Juden gegenüber geübte Toleranz längst nicht so sehr einem wachsenden Verständnis für unsere Wesensart entsprang, sondern zutreffender als logische Begleiterscheiiumg der damaligen weltanschaulichen Einstellung anzusehen ist. Es war eben schlechterdings unmöglich, dem Judentum als Konfession feindlich zu begegnen, während sich allenthalben die Tendenz bemerkbar machte, die religiösen Probleme der Zeit aus der ursprünglichen Sphäre kirchlicher Ueberiieferung in den Gesichtskreis rein philosophischer Deiitungsmi'tlioden zu nicken. Der berühmte protestantische Theologe und Kanzelredner S c I1! e i e r 11! a c I1 e r war es, der diesen Weg konsequent verfolgte und sieh bemühte, bei den gleichgültig gewordenen Gebildeten wieder für ein verstärktes religiöses Verständnis zu werben, indem er ihnen mit hohem sittlichem Ernst sein Postulat vom ״Gefühl der schlechthimiigen Abhängigkeit“ verkündete. Gewiß, man war bereit, sich ebenso philosophisch auch mit der Judenfrage nuseinanderzu.setz.en, jedoch durchaus nicht gewillt, aus humanen Erwägungen die jüdische Masse als solche mit all ihren art- und enhvickimigsbedingten Eigentümiiclikeiteii nun kurzerhand als gleichberechtigt gelten zu lassen. Die zutage tretende Toleranz erstreckte sich also in erster Linie auf die mit ihrer Gemeinschaft nur noch lose verbundene jüdische Intelligenz; der ״posdicte Jude“, der einfache Mann aus dem Volke, sali sich in diese wohlwollenden Gefühle nicht niiteinbczogen. Man könnte zur Entkräftung dieser kritischen Auffassung versucht sein, hier die bekannten Namen der klugen und reizvollen Frauen jüdischer Abstammung in die Debatte zu werfen, in deren Berliner Salons sich die führenden Männer der Zeit aus dem Bereiche der Wissenschaft, Politik und Literatur nicht so sehr als Gehende, sondern mehr noch ais Empfangende einfanden, von der hohen Kultur dieses einzigartigen Milieus sichtlich beeindruckt und angeregt. Ein solcher Einwand würde nur die Oberfläche streifen und nicht darüber D0090$$/::+^./:491-10.+//4:4--^+.3+^^/$C

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