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Jüdische Rundschau · 1936-09-25 · Heft 77 (25.9.1936) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 77 (25.9.1936)
Date
1936-09-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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14 «*לי׳? J0Dl S CHE RUNDSCHAU Nr. 77, 25. IX. 1936 Vom Lebenskampf in der neuen Heimat Eine wichtige Untersuchung Von Ernst Kahn, Jerusalem Als Anfang-!933 viele Juden in Deutschland ilire Existenz bedroht sahen und sich mit Waudergedankcn trugen, da war die nllgcmcine Auffassung, daß im Audand mir geringe Aufnahrnelaliigkeit für Neueinwandercr bestünde. Ma-n verwies auf die Weltkrise, die überall bestehenden Arbeite- und Aufentlialtsheseiirankungen und manches mehr. Die Tatsachen haben dem nicht entsprochen. Schon befindet sich etwa ein Viertel der Juden aus dem Deutschen Reich im Ausland, und das Verhältnis verschiebt sielt von Tag zu Tag zu ungunsten der Zurückgebliebenen. Es hat sich erwiesen, daß die Welt trotz aller entgegen gesetzten Versicherungen immer noch recht weit ist und daß die tatsächlichen Verhältnisse viel elastischer sind als die Fornialvorschriften. Wie oft wurde uns erzählt, dali in Europa schlechterdings keinerlei Möglichkeiten für Auswarnlcrcr seien und docit ist dort fast ein Drittel der Emigrauten geblieben. Ereiiidi - - die Tatsache, daß heute etwa hunderttausend von 1ms tatsächlich im Ausland wohnen, ist /(machst nur eine quantitative, aber noch keine qualitative Widerlegung jener ,Skepsis. Wir wissen ungefähr, wieviel Juden in dieses oder jenes Land gegangen sind, es ist uns auch aus Kin/elberiehten manches über das Schicksal bekannt geworden, wir wissen, daß z. B. die nach Frankreich (iegangenen besondere Enttäuschungen erduldet, die nach Südafrika Emigrierten es in! Durchschnitt besser getroffen haben; aller an systematischen Darstellungen fehlt cs. Deshalb begrüßen wir es, daß das ״Ontral Bureau for the Settlement <>f (icruiau Jews" frei der ..l!׳wi<lt Agencv for Palcstiiu•״ eine t uitersuchung uber ״die l: m s c h i c h t 11 11 g der jüdischen L i n w a 11 d e rer ans Deutc 11 1;1 ח d zu städtischen Berufen in Palästina ve! aulaßt hat: doppelt zu begruben ist die l.'eberbngung der Aufgabe an eine so vorbildlichr Bearbeite; in wl*11 ׳ au Dr. B r i t s c!1 g i - Sc 11 s in in 1׳ r.! )1!in sie hat dank ihrer sozialpolitischen Selmhing und ihrem Hang zur peinlichen < icnauigkeit einen Berieht vorgeiegt, der an die klassischen Arbeiten von. Schnapper- Arndt erinnert, hTd Personen (zu zwti Dritteln Reich-deutsche) wurden von ihr bi th agt, ehi-chheßbell der t amiiieiiangt hörigen ist dndurch das schick-al v:m 1111 Menschen erfaßt worden. Da die Arbeit iedigiuii Stadtbewohner, und zwar nur von t '111g( schichteten studiert und im wc-cntlt'chen nur Personen umfaßt, die bereits eine längere Zeit hier sind, so ist die Zahl groll genug, um ais repräsentativ zu gelten. Einleitend wti»t die dieser Linwandci ung hm. durch die Motive, durch Alter. Der für Palästina Stilles Heldentum Bearbeiterin auf das Einzigartige Sic u iiter-clned sich von früheren Beruf und wohl auch durch das selten geeignete alte Beruf der Immigranten zwang zur Umschichtung - das Alter erschwerte diesen Prozeß. Nimmt man hinzu eine neue Umgehung, mit ungewohntem Klima!111(1 einer nur mühsam zu erlernenden Sprache, so ergibt sich eine De!}erfülle von Sch wier i g k e i t cn . ihn so gewaltiger ist der Eindruck des stillen Heldentums der vor uns Vomherziehenilen. Zwar ist ja noch nicht aller Tage Abend und noch werden diese Menschen in der Depression ihre Lebenstuditigkeit voll ־zu beweisen haben. Aber heute schon muß nach der I ektiire dieses Berichtes der freudigen Bewunderung und tJeherraschung Ausdruck gegeben werden, wie diese verwöhnten Mitteleuropäer bisher zurechtgekommen sind, wie ehemalige Aerzte als Chauffeure, Juristen als Bailhandwerker, eint• Journalistin als Hausangestellte, die Stcnotvpistin als Autolackiuvrm, die zu Hause herufslose Frau eines Ingenieurs als Steinklopferin beim Straßenbau usw. sich durch das I eben schlagen. Freilich warnt I )r. Britschgi davor, die Umseh ich tu 11g etwa der Akademiker zu tragisch zu nehmen, da die Studiermode auch sehr viele ungeeignete Elemente in brachte. Die besondere I nge der jüdischen Akademiker und ihre unbestreitbare große Zahl hat uns \ ieiieii ht manchmal vorgessen lassen, daß die erdrückende Mehrzahl der Juden kaufmännisch tätig war. Die vorliegende Arbeit bestatigt das. Von Handel, 27.1 12,n 1 . in ln in uiiverli.dti und sehr sei׳ in Deutschland diese!.auf bäht! - d i Rii 1 lochst 3 11 d c r 1! n! Die Arbeit habe: Soiiale Stellung Selbständige Angestellte Arbeiter (ii-11 f rfa|jt 111־ waren 1 in I )eiiHchlam! 5 1 1 ׳> un m ahadcniisrlirn, 3 •׳.! in )Tuen Berufen, ■ trie und Handwerk tätig gewc'-en, und zwar 1.:l',1.; großer Zahl :11■־. Arbeiter. in selbständiger Stellung, Soziale Umschichtung tlrui iwYt<!l 1 >t nun die grundlegend e Ver- :■ r s r. / i;! 1 e n M: II! iml׳; in uur luniun! Iu 1!11 nt. t dafur eine Tabclh die 1,11 ctvvdN ergänzt in Deutschland in Palästina b,V'>׳‘R«trO סח 6• r von Gf׳-r!: Den ״)’.׳rerhrie a!h ab, Arbeiter % , % 38.4 25 13,7 53,4 14,5 14.5 H,7 60.5 71,8 100 IOC) 100 Diese wenigen Zahlen sprechen eine beredte Sprache: Itt Deutschland über ein Drittel selbständig, hier weniger als ein Siebentel; in Deutschland über die Halite Angestellte, hier ein Siebentel; in Deutschland kaum mehr als 8 ,י ׳ Arbeiter, hier etwa siebenmal soviel (wenn man die Mitglieder der Genossenschaflcn oder wie man hier sagt ״Ko-operativen“ in diese Kategorie rechnet). Diese ״K o - o p e r a t i v e n“ sind bezeichnend für Palä- Ktina 11 nd für die Einwanderung aus Deutschland. Sie drücken in Stadt und Land der Wirtschaft den Stempel auf. l)ic Kvuzüfh und Kibbuzim und ihre Verkaufsgeiiossenschaft, die T'ituva, sind ja bekannt; in der Stadt sind es vor allem die Autogene,ssrnsrhafte״, die das Feld völlig beherrschen; nicht wertiger als 10 "2 der hier Berücksichtigten sind Chauffeure geworden (teils innerhalb, teils außerhalb der(icnossenschaften) und sind somit Angehörige jenes Berufes geworden, der heute nächst den Landwirten das höchste soziale Ansehen verdient auf Ciruud ihrer vorbildlichen Pflichterfüllung auf den gefahrvollen Landstraßen. Aber auch in anderen (icwerbezweigen finden wir Ein- Wanderer aus Deutschland genossenschaftlich organisiert und nach der Erkenntnis arbeitend, daß vh'Ie Schwache ein Starkes bilden. So sind sie z. B. die (ininder einer hier neuen Fensterputzer-Kooperative geworden; es wäre erfreulich, wenn die aus Deutschland, der Heimat von Schulze-Delitzsch, Kominenden den Cienosseiischaitsgedanken als Waffe gegen einen seelenlosen Oroßkapitalisnius in Palästina fördern würden. Denn in dieser Beziehung wäre hier noch viel zu tun; vor allem scheint einer straffen Revision hier noch eine große Aufgabe zu harren. Entsprechend dem Charakter des Aufbanlandes haben die Bauindustrie u!1d ihre Hilfsgewerbe am stärksten die Umgeschichteten — 26,7 an sich gezogen, je die Hälfte als Facharbeiter und ungelernte Arbeiter (״Scltwarzarbeiter“ werden sie hier genannt); wir finden da enemalige Kauflcute und Akademiker als Eisenbieger, Verschaier, Maurer, Verputzer, Installateure, Fliesenfeger, Anstreicher und ״Maler. Eine starke Vorliebe finden wir bei den Einwanderern für das üasts t ä 11 c n g e w e r b c, wo sie als Selbständige, aber auch als Kellner oder Portiers in Hotels, Cafes, Restaurants, Konditoreien und Eisdielen eine besondere Aktivität entfalten. Die vor den Unruhen abgeschlossene Arbeit liebt demgegenüber den damals noch geringen Anteil der Juden aus Deutschland im öffentlichen Dienst, Post und Polizei hervor. Das ist trotz der schlechten Bezahlung und trotz der Sprach- Schwierigkeiten in der Zwischenzeit als Folge der politischen Ereignisse, aber auch der Arbeitslosigkeit erheblich anders geworden. Ideologische Grande Mit großem Eifer hat die Bearbeiterin nach den Oründen der Umschichtung geforscht. Dabei werden auch bei Menschen mit iiicht/.ionistischer Vergangenheit ideologische Motive festgenteilt; Aussichtslosigkeit für den ursprüngliehen Beruf wird häufig, ganz besonders bei den Juristen, angegeben; manchmal auch der Wunsch, mit dem schon früher 1111ge־׳n ausgeiibteii alten Beruf zu brechen. Nicht zu ve,-gessen ist auch die Spra:hunkeniitnis als Itiiiderungsgrund für die alte Tätigkeit -- man denke etwa an Kindcrgärtnerinnen. Hier sei erneut darauf hingewieseit, wie verheerend die ungenügende Vorbereitung auf Schritt und Trift zu beobachten ist. Es vergeht kaum ein Tag, a!1 dein bei mir nicht ausgezeichnete Einwanderer erscheinen, die auf Grund ihrer Kenntnisse und ihres Charakters jede Förderung verdienten, bei denen aber gerade die sprachliche Vorbcrci- 11111 g völlig versagt. Namentlich bei jungen Mädchen fallt mir das auf — und nicht nur i!1 Palästina. Immer und immer muhte man der Ausrede entgegentreten, als wenn inan eine Sprache am besten in ihrer Heimat erlernen könne; nein -- zum mindesten die Grundlagen können billiger und manchmal auch besser zu Hause gelegt werden. Das gilt namentlich für Palästina, wo zum gut Engfischlernen kaum und zum Hehräischlerncn für den aus Deutschland Kommenden nicht ohne weiteres Gelegenheit geboten ist. Es ist geradezu rührend, welche Mühe lind Kosten auch die Minderbemittelten auf das Hebräisch lernen verwenden; trotz der mehr ais bescheidenen Budgets der von Dr. Britschgi Erfaßten nahmen 138 Sprachstumlen, darunter 88 hei privaten Lehrern; bis zu 25 ״״ des Einkommens wurden vereinzelt dafür verwandt. Immerhin konnten sich 146 der Befragten schon bei der Landung hebräisch verständigen, und beim Zeitpunkt der Erhebung war diese Zahl bereits aut 223 gestiegen; dagegen gaben 187 an, daß sie überhaupt nicht lernen, meistens aus Zeitmangel, aus Müdigkeit nach der Arbeit, aus ihrer Belastung mit Sorgen, manche freilich auch, ״weil sie es nicht nötig hätten“. Vereinzelt — auch das soll nicht verschwiegen werden — wurde sogar geklagt, man habe liier das aus dem Ausland mitgebrachtc Hebräisch mangels Gelegeiiheit völlig vergessen. Hier kann es sich natürlich nur um ,Menschen ohne jegliches öffentliche Interesse und •— ohne Kinder handeln. Denn diese sprechen gern und fließend hebräisch, lind wer etwas Anteil an dem Leben des Landes nimmt, muß hebräische Zeitungen lesen — auch wenn er keine Versammlungen besucht. Stadt und Land Viele werden fragen, warum denn so viele Einwanderer in die Städte und nicht aufs Land gegangen sind: denn das sei doch der tiefe Sinn der zionistischen Idee. Die hohe Bedeutung des Bauerntums für uns soll nicht bestritten werden; und man kann mit Genugtuung feststellen. daß auch heute noch dieser Gedanke in Palästina Gemeingut ist wie in keinem Land der Welt: Das hohe Lied vom Segen der Erde wird ja überall gesungen ■— aber es ist fast überall Lippendierist und muß es sein, weil die Nachfrage nach Agrar׳Produkten in der Welt in dem gleichen Maße sinkt, in dem Imhistrieprodukte immer begehrter werden, weil die! andwirtseiiaft unaufhaltsam in dein mcnschenverdrängenden Ration,־!lisu-rung-prozcß fortschreitet, und weil schließlich und endlich die meisten Menschen lieber in der Stadt wohnen. Anders in Palästina: Hier liegen ideell und materiell die Dinge wesentlich anders; Hier geben wir, die wir aus irgendwelchen sachlichen Gründen in der Stadt wohnen, willig zu, daß die draußen die sozial höher stehende Schicht bilden — und diese Erkenntnis ist schon unendlich wertvoll und wichtig. Daneben aber ist die P r o d u k t i o n s I a g c anders als anderswo: der Bedarf des Landes ist noch lange nicht gedeckt, der Import noch relativ sehr erheblich. Die Landwirtschaft hat nicht an einem Absatzproblem zu leiden, sondern an den zu hohen Produktionskosten; deren Verringerung ist eine der ernstesten Aufgaben. Aber auch in einem Land wie Palästina wird immer nur der kleinere Teil der Bevölkerung auf dem Lande Nahrung finden. Ls liegt nun auf der Hand, gerade diejenigen Ein- Wanderer dahin zu verpflanzen, die sich dafür besonders Orientalische Juden in Haifa Der ״H a a rc r‘ berichtet über die Wirkung der Unruhen auf das Lebert irn Viertel der orientalischen Ju• den in Haifa: Seit Monaten haben die meisten Einwohner das Viertel verlassen. Der Grund war die Ermordung einer sephardischen Jüdin in den ersten Tagen nach Ausbruch der Unruhen. Lin marokkanischer Jude und Hausbesitzer erzählt: Bis vor kurzem wohnten bei ihm 6 Familien aus Saloniki, die C 1 1!'׳ im Monat für ein Zimmer zahlten. Dies Viertel war das billigste in Haifa. Auch 1929 führten die Ereignisse zur Flucht der Juden aus der Siedlung. Der Schaden war noch lange spürbar, denn viele Familien kehrten nicht zurück, und erst die spätere Einwanderung füllte allmählich die Lücken wieder auf. Auch ein anderer Haushesitzer klagt über das voreilige Verlassen des Viertels. 400 jüdische Familien waren dort und nur etwa 40 arabische. Jetzt seien nur etwa 40 - 50 jüdische Familien zurückgeblieben. Die bereitwillige Aufnahme der Fliichtlinge in Hadar Hakarmel hat viel dazu beigetragen, eignen; das sind vor allem junge Menschen oder aber ältere, die neben der Liebe zum Land und einem Mindestmaß von Erfahrung und körperlicher Eignung über ein gewisses Kapital verfügen. Diese Voraussetzung wurde keineswegs von allen Ankömmlingen aus Deutschland erfüllt. Die Enquete liefert auch zti dieser Frage wertvolles Material: Von den 572 erfaßten Personen hatten 170 zunächst auf dem Lande gearbeitet; davon nur 72 nach entsprechender Vorbildung int Ausland; 76 waren in Kwuzoth und Kibbuzim, 9-1 ais einzeln lebende Landarbeiter tätig; 130 waren wegen zu geringem Verdienstes in die Stadt zurückgekehrt, davon 10, weil sie für ihre Eltern sorgen mußten, weitere 24 wegen Arbeitsmangels, 11 wegen Krankheit usw. Wer die magere Bezahlung 'und die unregelmäßige Beschäftigung, die häufig jämmerlichen Wohmmgsverhältnisse Rennt, wird diese Begrün• düng verstehen. Am meisten wird wohl die verhältnismäßig hohe Zahl derjenigen interessieren, die aus dem Kibbuz wieder hcrausgingen. Von Frau Dr. Britschgi wird hier auch die Ent• täuschung hervorgehoben, die man gegenüber den Sehilderungen zu Hause empfand; sie knüpft daran die Mahnung, den jungen Palästina-Auswanderern den Kibbuz als das hinzustellen, was er ist: als eine harte Realität des Lebens, die täglich und stündlich die Arbeit in den Vordergrund rücken muß. Im übrigen haben nicht weniger als 54 der Befragten betont, daß sic mit dem Ideal der Ansiedlung ins Land kamen, alter wegen Kapitalmangels darauf verzichten mußten. Etwa ein Drittel der Befragten hat bereits zum zweiten• mal oder öfter einen erneuten Berufswechsel vorgenommen; dabei spielte die ungenügende Ausbildung, n am ent» lieh im Ausland, eine sehr gewichtige Rolle. So weit man hört, ist dieser sehr ernste Mangel von den zuständigen Organen erkannt worden. Einkommens-Verhältnisse Aus dem überreichen Inhalt der Studie seien hier noch( zwei wichtige Kapitel erwähnt: die Ei n kom m en s>v e rhältnissc und die Wohnungsfrage. Es bezogen einen monatlichen Verdienst von: 4P 0—5 X*P 5-7 i־p 7—10 XP 10—12 i’P 12-15 X‘P 15-20 £1' über 20 Getarntzahl Minner 27 37 133 70 53 50 9 379 Frauen 77 32 25 4 1 1 — 140 Kinder 6 2 2 1 l — — 40 Kunuirbeifpr 29 10 — 1 — — — — 139 (21,5%) 81 (H%) 160 (28%) 76 (13%) 55 (10%) 51 ((>%) 9 (1.5%) 571 Wir müssen bei der Beurteilung dieser Ziffern beriicksichft» gen, dali die Einkommen ungünstig durch die kurze Zeit ihres Aufenthaltes im Lande, aber günstig durch die aufstrebende Konjunktur zur Zeit der Umschichtung beeinflußt warnt. Und schließlich die Wohnungsfrage. Die Feststeilangen sind ein beredter, unwiderleglicher Beleg für die dringende Notwendigkeit einer grundlegenden Reform. Ucber die Hälfte der Untersuchten wohnten in Untermiete, drei Viertel von ihnen mußten sich mit einem bzw. anderthalb Wohnräurnen begnügen. Die Belegung der Wohnungen würde etwa nach dem neuesten englischen Wohnungsgesetz, zum erheblichen Teil als strafbar gelten: Es wohnten je Wohnraum: 1 Person \y2 Personen 2 Personen 2%—3 Personen 4—7 Personen 24% 8.7% 45% “ 16,3% 6% Diese Zahlen sind um so bedenklicher, als die mit anderen in einem Zimmer Zusammen gepferchten häufig ein» ander Fernstehende waren. Das Geld reichte nicht für ein eigenes Zimmer , in Anbetracht der hohen Mieten. Trotz der erbärmlichen Enge sind, namentlich in dem besonders teueren Haifa, Fälle nachgewiesen, in denen für ein« E i n - Zimmer-Wohnung 30 bis 35 «0׳ des Einkommens von CP 10 bis 12 beansprucht werden. Schlußfolgerung Versuchen wir zu einem Gesarnteindnick aus den Fest- Stellungen zu kommen! Das Bild, das .sich uns bietet, ist gleichzeitig ernst und eindrucksvoll. Menschen, die fast alle schon recht weit auf dem Wege der Assimilation gegangen waren, Menschen, die fast alle den Versuchungen bequemer Berufswahl gefolgt sind, sehen sich reichlich spat vor einer untibersteigbaren Schranke; sie sehen, daß sie sich geirrt haben, daß dies ehrlich angestrebte Aufgaben in die Um• gebung nicht geht und daß dies einseitige Hineindrängen in die Medizin, die Juristerei, den Handel, keinen Segen bringt. Und sie ziehen die Konsequenz; sic wählen van den verschiedenen Wanderzielen die alte Heimat. Sie finden cs auch hier nicht leicht. Aber sie überwinden mannigfache Hindernisse und fügen sich mit Mut in die neue Lage —• und nicht am schlechtesten diejenigen, die am weitesten von; Judentum sieli entfernt haben. Gerade unter ihnen fühlen so viele den g rund legen• den Unterschied zwischen einem beliebigen Zufluclits• lantl und Palästina; sie sind erfüllt von der Wichtigkeit des Aufbaugedankens und der ihren Kindern bestimmten inneren Freiheit. Daran werden die Besten unter ihnen weder durch Depression noch durch arabische Bomben irre werden. Denn sie wissen, daß Aufbauarbeit nie leicht war. Wir anderen aber, die wir entweder im Galuth ieben oder hier uns gesicherterer Verhältnisse als diese Umgeschichteten erfreuen, müssen auf Mittel und Wege sinnen, um diesen schwer Kämpfenden ihren steinigen Weg soweit zu ebnen, wie es möglich ist. die Tendenz zur Abwanderung zu verstärken. Dabei arbeitet bis heute im Viertel eine Mosaikfabrik, und die dort beschädigten Arbeiterinnen kommen unbehindert jeden Tag dorthin. Die eigentlichen Bewohner aber kommen meist nur vorübergehend, um sich zu überzeugen, daß ihr zurück• gelassenes Eigentum noch unversehrt ist. Nach Auflösung der Flüchtlingslager sind etwa 4t) weitere Familien in die Siedlung zurückgekehrt. Die meisten aber ziehen es vor, in Zelten auf dem Boden von Hadar Hakarmel zu kampieren. Dabei würde die Rückkehr aller Einwohner die Regierung sicher Bestimmen, die Bewachung zu verstärken, die ihr jetzt, wo es sich meist nur um verlassene Häuser handelt, nicht im seihen Maße lohnend scheint. Immerhin sind auch jetzt 20 Polizisten im Viertel. — Die große Synagoge des Viertels wurde vor 15 —20 Jahren errichtet. Am Schahbat kommen die Flüchtlinge aus Hadar Hakarmel und beten in dieser Synagoge, ein Zeichen, daß das Band zu ihrer alten Wohnstätte doch noch nicht zerrissen ist. Auch die Kleinkinder-Fiirsorgestelle und der Kindergarten des Viertels werden von ihren ehemaligen Bewohnern in Anspruch genommen. Solidarität mit Erez Jisrael heißt Opfer bringen Spenden für neuen Boden in Erez Jisrael an den Keren Kaiemeth Lejisrael, Postscheckkonto Berlin 28X47 4

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