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Jüdische Rundschau · 1936-09-25 · Heft 77 (25.9.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 77 (25.9.1936)
Date
1936-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 77, 25. IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seif« 7 ־✓ ״Maftir Jonah“ oder Die Geschichte vom widerspenstigen Propheten Es ist in den frühen Nadirnittagsstunden des Jom Kippur. Eben ist die großartige Vision des Weltgerichts, vor dem selbst die Engel erzittern, an nnsern Augen' vorübergezogen; und das aufgewühlte Merz wurde drauf nicht minder tief von der Rückschau auf unsere alte Sühnefeier am Vcrsöhimngstage im Tempel 7,u Jerusalem ergriffen ... nicht nur Rückschau blieb es, sondern das Bild der alten Awodah zwang uns alle wieder in die Knice wie einst das Volk im Vorhofe, das den Heiligen Kamen vernehmen durfte... Dann aber wird — meist in abschwellender Bewegung und Teilnähme der Beter — ein ganzes Buch der Bibel verlesen. Noch dazu ein höchst seltsames Buch. Die Geschichte eines Propheten, gewiß; aber nicht eines Künders wie Jescliajahu, dessen rlammenwortc uns vorhin in der Haftarah in die Ohren dröhnten. Vielmehr: eines Mannes, von dem uns keine Predigt und keine Lehre berichtet wird, sondern nur die höchst persönliche Geschichte seiner ... Fehltritte. Einer, der zu den Meiden geschickt wird von Gott dem Herrn — und der sich widerspenstig diesem Auftrag entzieht; und als er ihn nach seltsamen Abenteuern und sonderbarer Rettung endlich ausführt ... auch dann nicht als Gottes Boten und Dolmetsch sich empfindet, sondern ein zweites Mal sich Eegen die göttliche Milde empört, weil sie sein eigenes Wort ügen straft... Wie kommt dieser Mann und dies Buch dazu, am heiligsten Tage des Jahres in der heiligsten Stunde angerufen und herbeigezogen zu werden? — So hat sich von alters her das jüdische Volk, und so haben sich seine Schriftgelehrten gefragt. Und gerade weil diese Frage so viele Rätsel aufzugeben schien, ist die jüdische Sage immer wieder zu dieser Gestalt des Propheten Jon ah zurückgekehrt und bat sie umgebildet und weiter entwickelt, bis dies scheinbar so anfrophctische Buch geradezu zu einer Schatzkammer jüdischen agengutes und jüdischer Gottcsanschauung geworden ist. Wer war der Prophet Jonah? — Die Bibel erwähnt ihn ein einziges Mal kurz im Buche der Könige. Aber die Sage weiß von einer Lebensgescliichte, die ihn schon früh zwischen Leben und Tod führt wie später im Merzen des Meeres. Danach ist er jener Sohn der Witwe von Sarepta, der von dem Propheten F.lijahu vom Tode wieder erweckt wurde. Er Weichst heran und pilgert nach Jerusalem wie alles Volk dazumal — merkwürdigerweise kommt seine Frau mit ihm, was sonst bei den Frauen nicht Sitte war — und dort nimmt er an dem großen Freudenfeste, dem Feste des Wasserschöpfens, teil: da zuerst ergießt sich der Geist Gottes über ihn, und er beginnt zu weissagen. Aber ... kein Segen wird ihm zuteil. Jerusalem muß er den Untergang prophezeien. Auf seine Mahnungen tat das Volk Buße — und Gott verzeiht ihm. Aber den Propheten Jonah nennt man fortan in Israel ״den Liigciiproplicter“, Darum flieht er, als der Herr ihn nach Ninivch mit der gleichen Botschaft schickt. Auf das hohe Meer will er nach dem Midrasch gehen: dort lebt kein Mensch — keiner kann sündigen — keinem muß er prophezeien. — Von dem ״Knaben auf dem Schiffe“ wissen nun manche Sagen vieler Völker zu erzählen. Siebzig Völkern gehörten die Schiffslente an; zu siebzig Göttern beteten sie — aber keiner halt ihnen aus dem Sturmgcbraus. Erst dann wenden sie sich an den schlafenden Jonah ... und die Entdeckung seiner Flucht vor Gott dem Herrn erschreckt alle die Heiden. Schon hier wird die einfache Menschlichkeit dieser Schiffsleute noch stärker betont als im Text der Bibel. Entschieden weigern sie sich, Jonahs Aufforderung nachzugeben, ihn ins Meer zu werfen, damit der Sturm aufhöre. Sie flehen zu Gott, ihnen dies unschuldige Blut nicht als Schuld anzurechnen. Als der Sturm weiter wütet, versuchen sie den Fremden bis zum Knie ins Wasser zu tauchen — da schweigt der Sturm, und sie ziehen ihn wieder aufs Verdeck. Da aber bricht der Sturm von neuem los. Dreimal versuchen sie ihn zu retten — aber immer beginnt der Sturm von neuem — so haben sie schließlich keine Wahl, als ihn zu versenken, wenn sie am Leben bleiben wollen. Nun kommt das große Abenteuer des Buches: das Erlebnis Jonahs mit dem Fische. Seit der Erschaffung der Welt wartet dieser Fisch, der bekanntlich noch am Freitagabend kurz vor Scliabhataufang von Gott dem Herrn erschaffen wurde, auf Jonah, um ihn zu verschlingen. Aber nach dem Midrasch ists zunächst ein höchst zugängliches Untier: groß wie ein großes Bethaus, seine Augen dienen lonali als Fenster, ein Diamant in seinem Innern leuchtet bell wie die Sonne, daß der Gast alles sehen kann. Ja der Fisch schließt eine Art Freundschaft mit seinem Gaste, der ihn vor dem drohenden Leviathan errettet. Dafür enthüllt der dankbare Fisch dem Propheten wiederum die Geheimnisse der Tiefe: den Ort, wo die Israeliten durchs Rote Meer zogen — die Stelle des Oehinnom und des Seheol. Da wird Jonah übermütig: drei Tage betet er nicht zu Gott. Und nun ... trifft den Widerspenstigen eine neue Strafe. Ausgehend von der grammatischen Besonderheit des Textes, die den Fisch zuerst als männlich, dann als weiblich behandelt, erzählt der Midrasch weiter: der Herr schickt nun einen andern Fisch, um Jonah zu verschlingen. Der aber war ein Weibchen, und trägt in seinem Leibe 365 000 kleine Fischcheu. Pa wird’s Jonah eng und bang in diesem neuen Gefängnis — and erst jetzt ruft er zu Gott und verspricht: ״Was ich gelobt, das will ich erfüllen!“ Darauf speit der Fisch ihn aus — 365 000 Meilen weit wird er ins Land geschlendert. — Die Schiffsleute sehen das Wunder, bekehren sicli und pilgern nach Jerusalem, um dort im Tempel des Herrn zu beten. Während die Fisch- und Meeres-Sagcn Zeugnis von der unbekümmerten Fabulierlust eines phantasiebegabfen Volkes ablegen, werden die Midraschim zum letzten Teile des Buches ernster und tiefer. Jetzt kommt für Jonah die zweite Prüfung, die er nicht besteht. Als er nach Ninivch kommt und dort Gottes Urteil verkündet, da steigt der König von seinem Throne und tut Asche auf sein Haupt. Noch mehr aber tun die Bürger der Stadt: sie zwingen Gott sozusagen zur Milde. Denn sie lieben ihre unschuldigen Kinder hoch zum Himmel und rufen unter strömenden Tränen: ״Um dieser Unschukligen willen erbarme Dich unser!“ Und die jungen Kälber trennen sie von den Müttern und rufen, als sie klaglieh blöken: ״Erbarme Dich unser, wie wir uns der Tiere erbarmen sollen!“ Aber sie beschränken sieh nicht auf Beten und Klagen; sie schaffen alles imrechte Gut fort aus ihrer Mitte, ja: Verbrecher gingen freiwillig zum Richter und bekannten ihre Sünden. Da blieb dem Herrn nichts übrig, als ihnen zu verzeihen. Und wieder ist der Prophet unzufrieden und muß erst durch das Wunder des Kikajon am eigenen Leibe erfahren, wie unrecht er hatte. Den Wunderbaum beschreibt der Midrasch mit großer Anschaulichkeit: 275 Blätter hat er, jedes von ihnen ist mehr als eine Spanne lang, so daß Jonah vor den sengenden Sonnenstrahlen geschützt ist. Als aber der Baum plötzlich welkt und Jonah am eigenen Leibe geplagt wird, da geht das Donnerwert Gottes über ihn hin, das von dem Mitleid Gottes mit den Menschen, die nicht rechts noch links unterscheiden können, mit den Kindern und den Tieren spricht. Und mit einem Male enthüllt sich aus diesen wenigen Worten, wie tief damals gerade das einfache Volk Aus der Haftarah für Jom Kippur Ist nicht erst dies die Kasteiung, die ich erwähle: die Klammern des Frevels zu Offnen, des Joches Bande zu sprengen und Geknickte auszuschldcen ledig, — allledes Joch solltet ihr zertrümmern! Isis nicht: für den Hungernden brechen dein Brot, da& schwellende Gebeugte du ins Haus kommen lassest, wenn du einen Nackenden siehst dafc du ihn hüllest: vor deinem Fleisch verstecke dich nicht! Dann dringt dein Licht hervor der Morgenröte gleich, cllens wfichst deine Wundhaut zu, deine Wahrheit gehl vor dir einher, Nachhut dir Ist SEINE Erscheinung. Rufst du dann, antwortet dir ER, schluchzest du auf, spricht er: Hier bin ich. Räumst du nur aus deiner Mitte Unterjochung, Fingerstrecken, Arggered, reichsl dem Hungernden dein eignes Seelensfiltlgstelne niedergebeugte Seele: [begehr, da strahlt dein Licht in der Finsternis auf, sonnenhöhgleich wird dein Düster, stetig geleitet dich ER, sättigt deine Seele mit Köstlichkeiten ermuntert dein Gebein, dafe du gleich wirst einemdurdirieseltenGarten, einem Wosserborn gleich dessen Wasser nie versagt. Trümmer der Vorzeit bauen die Deinen auf, Grundmauern von Geschlecht für Geschlecht erreichtest du wieder, rufen wird man dich Rlbverzöuner, Rückbringer der Pfade für die Besiedlung Jeschafahu SS, ö — 12 Verdeutscht von Martin Buber ......וווו......... Gegessen Von i) 0 w i d F r i s ch m a n Wir veröffentlichen nachstehende Erzählung im fid• dischen Original, jedoch in deutsche Buchstaben transkribiert (siehe die früheren Veröffentlichungen in Nr. 102, 1935 und 19:1936). Red. A majsse fun draj, wos hoben gegessen. Nit in an ejnfaehen gewejirtlidien tog hoben sej gegessen, nor um jojm kipur; nit balialtenerhcjt'), wu kcjner set nit, nor efentlach, in der grojsser schul, far dem ganzen ojlom-); un nit epes proste') gassen-mentschen senen es gewesen, wos kejner ken sej nit, nor di grösste chaschuwim'), di ongesehenste lajt fun solltet: der row un di bejde dajonini. Es senen denstmol gewen finstere teg. An umglik is fun himel gekumen, un gerufen hot men es initn nomen: Cholera! Fun wajte letuler, fun Asie, Ls si ongekutnen; zu uns, in unser klejn schtc-tel is si dergangen. ln der gass 110t si gearbet ninderbarinlech, un in di hajser hot si;geselltilst ׳) ohn an oifher. Wer kei! zejkn di tojtc, welche senen gefalen jene teg? Wer ken sej onrufen baj di nemen, un wer wejss dem dieschben•') fun di frische berglach, fun di naje kworinr)? .. . Iberhoipt hot di magejfe‘') majssim'■') gearbet in cier jidischer gass. Wi di fügen senen dort gefalen jung un alt, klein un grojss; es is nit gewen kejn haus, wu es sol nit sajn etlachc tojte. Un asoj is .׳!weg der smrier, un dernoch senen gekumen di hejlige teg, un noch sej der hejligste tog fun ale: der jojm kipur. In der nacht hin jojm kipur hot keiner nit farlost dt schul; — un fort1׳’) hoben inderfri etladie gefeit: sej senen geschtorben in dem in in Jen. Zwej senen bajnacht pltizling11) anidergefalcn in schul, zwischen dem ganzen ojlom, noch ajngehilt in di talejssim un kitien1-), asoj as sej hot Lemat13) schojn gornischt gefeit um ariber/uforen fumn leben in dem tojt arajn ... Un vun der jidischer gass kunien on riaclirichten in schul arajn — nachrichten wi noch kejmnol nit zufor 1111 kejnmol nit dcrnoch. Ober in der schul liert kejner nit un fregt kejner nit: jeder ejnziger hot niojre1 <) zu bereu, jeder einziger hot inojre zu wissen, wos es tut sich baj chm in der hejm... Un ot is schojn jojm kipur noch imissaf. Ojf dem baleiner1■'׳) sditejt der rovv mit bejde daionitn. Dein rows brenendige schwarze ojgen lajchten un glanzen araus fun dem wajssen blassem ponitn, wos is ajngeringdt in di wajsse hör mit der vvajsser bord. Mussaf is schojn lang obgedawent, un der ojloin schtejt un schwajgt un wart oif dem, wos der getiieher man wet rejden, kejner wagt sich nit afile1׳) dem otem hojch zu zihen. Un der row redt ... Wi a rajsseudiger krcchz11) zukt es durch dem ganzen ■ojlom, un noch dem krcchz 11creu sich werter: ״AI daass hamokojm weal daass hakohol18) — mit gots de je1״) un mit koliols de je — senen mir matir-'•1) zu essen un zu trinken iiajnt!“ A firchterlichc schtilkajt herrscht in der ganzer schul, es rirt sich kejner nit. In Winkel fun der .schul schtej ich un her, wi majn harz klapt in mir — un plu/liug falt ojf mir a sclireeklache finstere incjre. Ojf di wand schwimen ili Schottens21) abin un nher, un ich sch zwischen di Schottens di tojte, wos senen nachteil*־') un Gemachtem-), tm voi-cjerinichten geschtorben: a grojsse, sclireeklache niachne-'1), a grojsse schrecklache ejde1'־),., Un pltizling farsehtej ich klor un dajtlieh, wos der row farlaiigt da fun uns, as mir ■.ölen essen luijnt: der row farlangt, as jiden solen essen um jojm kipur un Solen nit fasten . wegen der magejie ... wegen der niagejfe ... Un ich schtej un liejh plu/liug on hoj. 11■'״) zu weinen. LJ11 nit ich allejn schtej do in schul 1111 vvejii — viele schtcjcm 1111 wojnen hojch un schtark, ojeh di draj dort ojf dem ha!einer schtejn un weinen, un der hechster fun sej sditejt 1111 wcjnt wi a klejn kinä. Un wi a klejn kind bet•״■) er .-.ich, u!1 sajuc werter senen asoj wejeli, asoj wcjeli; tcjlmols ׳) kiimen Irenen un schtiken eiiin tli vvei ler in hals: ״Essen! (1ejt emi! I>i /alt is aseidie! Ls macht sich atnol a zajt, as es d pio-t•'') a mizwe, a sach fun der tojre niewatcl zu sajn׳■׳)! Lehen col men durch di mizwes, ober nit s c 111 a r 11 e!1 durch sej!׳‘ ()her in schul rirt siel! nit keiner tun ort. Un plii/ling is dos ponmi fun dem row noch blejdier geworen, lief sinkt sajn Lop arob ai der brust, A ininut laug — tm a krecli/, a tiefer, I1ar//1n׳eissunliger kreellz hert sich fun cjit ek schul bi״ /um anderen ek, tm noch dem krcchz hert sich wi a murmeliu ״G,,ts vvilcn is es“, sogt der 1'cw mit;1 trukener sdiliinc, un cs hot a pan im, wi er wolt rejden zu sich allejn, ״zwejmwei 11/ig jor bin ich alt un bin kejnmol noch nit dem! gebracht geworen — wi es wajst sich ojs, is es gots vviien asoj, ich sol nit schtarben fritier, bis ich wel nit ojcli aseldies mekajem sajn"").“ U11 sclitil is gewen a mmut lang, seinil wi af a bejsahnen11), un plu/liug liert sich di schtime funm row, wie er ruft: ״Seliamesch!“ Un der schamesch gejt aruf, 1111 der rovv räumt’*‘) chm ajn epes in ojr, dernoch redt er schtilcrliejt epes mit di dajonini, di dajonini sehoklei! cluii zu mit di kep, wi sej woltcn chm masskim saj11:i;i) zu epes, dervvaji is der schamesch zurikgekumen fun rows wojntmg un hot mit gebracht a fleschei wajn un gleslach mit a por schtiklach lekadi. Un di draj hoben gegessen. ״Ir hot es dawke fun mir gewelt —• un ich hob cs geton“ — sogt der rovv izt, im sajn schtime is klor un fest 1111 zitert nit mer bajrn rejden — ״gots nomen sol sajn gebenscht!““ Un viel fun ojlom essen izt, essen un vvejnen... (Kürzung, Transkription und Fußnoten von Dr. Rabinowitz- Leipzig)!) heimlicher weise; '-’) Gemeinde; •!) gewöhnliche; l) Ehr■ würdigem; ■׳) gewürgt; ') Zahl; ■) Gräber; ׳■) Seuche; a) gewaltig; ׳נ■) dennoch; ״) plötzlich; >") (Sterbe)-Kittel; 1:i) fast; “) Angst; 1 ׳) Ahiicinor; Jl'■) auch nur; 1:) Seufzer; ’•') Formel vor dem K״!-nidre-Gebet; ״) Wissen: ׳'־) erlauben wir; ־') Schatten: --) gestern, vorgestern; -3) Heer- Iager; ־‘) Gemeinde; - ■) laut; -’>׳) bittet; ■־•) manchmal; ״־) direkt; -'■׳) aufzuheben; ■■׳׳) erfüllen; Jl) Friedhof; ״-) raunt; s;i) z.ustinimen. Gott den Herrn erfaßte — in seiner Vatergüte gegen alle Menschen-Judcm und Heiden (zu den Heiden ward der Propliet gesandt!), Große und Geringe — am meisten liegen ihm die Geringen und Unschuldigen am Herzen — um iliretwillen wird die Stadt gerettet. Allein der Midrasch — nicht der Bibcitext — weiß zu berichten, daß Jonah sich dieser •Einsicht nicht verschloß — er warf sich nieder und betete: ״O Gott, richte die Welt nach Deiner Güte!“ — Und allein der Midrasch weiß auch von dem Lohn zu berichten, der dem vielgeprüften Propheten zuteil ward: Da er im Leben schon das Grauen dev Todes im Abgrund des Meeres erfahren hatte, ward ihm die Pein des Todes erspart. Lebendig durfte Jonah ins Paradies eingehen. Dieser Jonah des Midrasch und des Jomkipptir ist es, den uns — in seltsamem Zusammentreffen — die größte kirnstlerische Darstellung des Propheten Jonah zu zeigen scheint. Michelangelos riesenhafte Jonah-Gestalt reckt sich aus dem Rachen des Fisches empor und begrüßt gewaltig aufatmend mit allen Sinnen das Licht des Himmels, das neugeschenkte■ Sinnbild des Menschengeistes, dem nach Gottes Ratschluß die Kraft verliehen ward, den Tod zu überwinden. Bertha Badt-Strauss Die Wiener Philharmoniker widmeten ihrem Ehrenmitglied Professor Bruno Walter anläßlich seines 60. Geburtstages einen an Hofkapellmeister Herbeck gerichteten Originalbriet Anton Bruckners aus dem Jahre 1867.?Alt0 it/ze ALLIGATOR (I 11 v sind gute Le d e r w <1 < e n UNSERE VERKAUF SG ESC HAFTE Berlin, Tauentzirmtrnße 16 Hamburg1, 43 Köln *. RR, HoheStr«8e 115 Essen, Limbeekersiraß© 10 Essen, Am Hauptlmhnhof 10 B0f bum, KoHumutmSe 67 Frankfurt.M., RoBmtfkt 15 Zentrale: Otfenbach ft. ML. Wuppertal-Elberfeld, HerzogstraBc 36 Morris Schwarz und seine Pläne Zwei Jahre lang hat Monis Schwarz in den Großstädten verschiedener europäischer Lander Gastspiele gegeben, von denen er kürzlich mit neuen Plänen wieder nach New York ziirüekgekelirt ist. Man hat ihn begeistert empfangen, und mittlerweile beginnt er bereits zu arbeiten und sein ״j u - disclies K u 11 s 1 - T h c a t c r“, dessen neues Haus sich am Times Square befindet, von neuen! auf/uhimen. Ich will ein besseres T lieater schaffen, erklärte Morris Schwarz einem Interviewer, das mit den ernsten amerikanischeii Bühnen Schritt halten kann. Ls hatte midi nach Europa gezogen, damit ich den englischen, französischen, beigischen, österreichischen und polnischen Juden mein früheres New-Yorker Repertoire zeigen konnte, und jetzt will ich den amerikanischen Juden zeigen, was ich in Europa gelernt habe. Morris Schwarz hat einige neue Stücke enropäisch-jiidischer Autoren in sein Repertoire atifgcnoinmen. Das erste ist ״Die Grenze“ von Albert G o n z e r t, das in Wien aufgeführt wurde. ״Die göttliche Insel“ und ״Estcrkc“ sind Dramen von Aron Zeitlin, einem der begabtesten jungen jüdischen Autoren Polens, dessen kleinere Arbeiten in Vers und Prosa Aufsehen erregt haben. Ein französisches Strick ״Jacques Bergson“ von Victor Felder hehandelt das Verhalten trauzösiseher Juden zu jüdischen Emigranten aus Deutschland. Den größten Wert legt Morris Schwarz für seine künftige Arbeit darauf, das jüdische Theater gegen den Schund und sentimentalen Kitsch abziigrcnzen, der liier eine besondere Gefahr bilde. Unter diesem Gesichtspunkt hat er mit der jüdischen Schauspieler-Union von Amerika verhandelt und seine neue Truppe zusammengestellt. Morris Schwarz hält die Aussichten einer betont künstkrischen Theaterarbeit jetzt für besser denn je. Das Theater werde von größeren Teilen der jüdische״ Massen als moralische Anstalt im weitesten Sinne bejaht, der Horizont der Zuschauer sei weiter, die Leistungsfähigkeit der Autoren wie der Darsteller vertieft worden. Den! wachsenden Interesse für jüdische Dinge entspreche die wachsende Aufgeschlossenheit gegenüber den allgemeinen. ♦ Um der Not unter den Schauspielern zu steuern, hat die Regierung der U. S. A. einen großzügigen Plan verwirklicht, der teilweise sensationellen Erfolg hat. Es wurden viele Truppen gebildet, die ernste und komische Stücke von Shakespeare bis Sheridan und bis zum Vaudeville vielfach unter freiem Himmel aufführen. Innerhalb dieses großen Projektes gab es auch Chancen jiir jüdisches und jiddisches Theater, die aber sehr wenig wahrgenommen wurden.

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