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Jüdische Rundschau · 1936-09-25 · Heft 77 (25.9.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 77 (25.9.1936)
Date
1936-09-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 77. 25. IX. 1936 Deklaration der Warschauer Gemeinde Für faktische Gleichberechtigung in Polen in ganz konkreter Form erfaßt oder nur gefühlt und geahnt haben, tut nichts zur Sache. Es war eine Art Intuition, die im Volke lebte. Als man während des Krieges von einer neuen und besseren Welt träumte, wollte inan auch diesem Zusamtnenhangc, den das englische Volk empfunden hat, eine konkrete form gehen. Dieses Streben wurde bestärkt durch ein zweites Gefühl, daß die Juden frage eine lästige und ungerechte Sache sei, und daß irgendwie ein Versuch gemacht werden muß, eine würdige Lösung /u finden. Was lag näher, als diese zwei grundlegenden Momente 7u verknüpfen, besonders in einer Welt, wo alles im Flusse war. Man erwartete eine Welt, in der Frieden herrschen wird, in der Gerechtigkeit herrschen wird, in der jedes Volk zu seinem Eigenen kommen wird. Zu diesen Völkern zählten auch wir, ein altes Volk mit einer alten Kultur. Es waren tief moralische Gründe, die die Staatsmänner Englands und besonders den, dessen Name dem berühmten Dokument aufgeprägt ist, dazu geführt haben. Wenn man heute davon spricht, daß es taktische, utilitaristische Gründe waren, so halren sie zweifelsohne bei manchem mitgespielt, aber ohne die tiefe moralische Grundlage hätten die strategisehen und sonstigen Gründe keine Rolle gespielt. Als die Deklaration unterzeichnet wurde und uns übergeben werden sollte, wurde 1ms eine Bedingung gerade von Balfour gestellt: Die. Juden sollen nicht fordern, daß England das Mandat über Palästina übernimmt. England würde die Deklaration geben. England würde veranlassen, daß diese Politik irgendwie konkrete Formen annehmen sollte. Irgendein anderer Staat sollte das Mandat übernehmen. Und cs bedurfte einer jahrelangen Diskussion, um England dazu zu!)ringen, das Maildat über Palästina zu übernehmen. Daß heute Palästina zu einem sehr wichtigen Punkt auf dem Wege der Verbindungen lies Britischen Imperiums geworden ist, daß manche cs auch in den Jahren IÜ!7 und ]91$ so gesehen haben, ändert nichts an der 7'atsache. Es ist .'mell nicht neblig, wie es die landläufige .Meinung haben will, daß man die arabischen Interessen zu vernachlässigen gesucht hat. Der Vertrag mit Feisal Ich hatte die Ehre, im Jahre 191$, im Frühjahr und den £.1117111 Sommer hindurch, in Palästina zu sein, und zwar im Juni b)I 3 in Begleitung von Orm s b v - G o r e, mit dem ich von Jerusalem nach Trans Jordanien, nach Aman reiste. In Aman stand die arabische Armee. In Aman wirkte der einzige Mann, der im Namen seines Volkes sprechen und verhandeln konnte, und zu ihm fuhren wir, mit ihm verhandelten wir, ihm erzählten wir, welches unsere Be- Strebungen sind. Seit der Begegnung im Juni 191$ bis zum Tode von Feisal, der dann in den letzten Jahren zum König von Irak wurde, wurden die Beziehungen unterhalten, die sich im Jahre 1919 zu einem Vertrage zwischen uns und ihm verdichteten. Dieser Vertrag; wurde kürzlich veröffentlich!. Die Welt hat sich seit jener Zeit verändert. Die großen Traume, daß eine bessere Welt entstehen ward, haben sieh zerschlagen. Und vielleicht sind die Schmerzen, die wir heute ertragen, nichts anderes als eine Funktion der großen Verwirrung und der großen Schmerzen, die die ganze Welt heute leidet. Es ist auch nicht ganz richtig, wenn unsere arabischen Gegner behaupten, daß man im Mandat die Interessen der arabischen Bevölkerung nicht berücksichtigt habe. Das Mandat wurde drei Jahre hindurch studiert, wurde nach meiner Frinnc-nirtg ungefähr fünf zehnmal urnredigiert, und die arabischen Klauseln und die jüdischen Klauseln des Mandats sind das Resultat langer Arbeit. Der jüdische ,,Realismus“ Worin drücken sich die Grundlagen aus? fn entfachen Worten: Man hat bestimmt, daß wir ein Recht für das jüdische Volk haben, in Palästina unser nationales Heim zu bauen und aus diesen einfachen und grundlegenden Sätzen fließt alles andere. Es ist schwer, einer Welt, die glaubt, daß Realismus in Kanonen, in Armeen, Sprengstoffen und Giftgasen seinen höchsten Ausdruck findet, unseren Realisntus entgegeiizustellen. Unser Realismus drückt sich aus in einem unverwüstlichen Gedächtnis. Die Juden haben Palästina einfach nicht vergessen. I )ic-ws (iedächtnis, diese Tradition, die in nidds weiter als ':erdichtetes Gedächtnis ist und die von «I,!! sogenannten Realisten als Sentiment empfunden wird, 11 at >!' 11 in 1 ine eh namiche Kraft verwandelt. Es giht viel bessere Lautier in der Welt, die sich zur Kolonisation besser eignen. Es gab Versuche 1111 Judentum, eine* Kolonisation in diesen I andern zu u!1term׳l!1m n. Bedenken Sie, vor etwa bl) Jahren fingen wir in Palotina an und der Baron Hirsch In Argentinien an. I>׳*r eine fing an in einem Inn de, wo es keine Araber oder Türken gab, wo es Land im I \ berfhiß billig gab, wo alles dazu geeignet war, eine iiin.glninv Menschenmenge aii'/unehmeii. Und nicht zu vergessen, sie fingen mit etwa 19 Millionen Pfund an. II) Millionen Ihimil v״r bO Jahren ist mehr, als unser ganzer Keren Hau■»-! ,d. unser ganzer Keren K.iictneth mul alle Fonds gesiutuiH if haben und in dem jia.hsten 10 Jahren sammeln werden. Es beschäftigten sieh damit Männer, du: große Frfalming hatu n, die auf wichtigen Gibieten niensch- ]!eher Tätigkeit Großartiges geleistet haben, die den besten Willen haften, daraus einen Erfolg zu machen. Sie fingen an lind wir fingert an. Wir gingen na•!1 Palästina, einem kleinen l.ändchen, das in der Westentasche von Argentinien sich verstecken kann. Es gab kein Wasser, viel Sand, viele Steine. Unerfahrene Menschen aus Wilna und aus Minsk, wo man kein Geld hat und viel Sentiment, und Leute, die• nicht einen Spaten in der Hand fuhren konnten, kamen hierher. 59 Jahre sind verflossen. Heute sind in .Argentinien, wenn ich nicht irre, 6000 jüdische Familien angesiedelt. Sie sprechen spanisch und leben argentinisch. Die Kinder finden ihren Weg nach •Buenos Aires. Viele von ihnen wissen überhaupt nichts mehr vom Judentum. Was in Palästina ist, brauche ich Ihnen nicht zu beschreiben. Viele Hunderttausende Juden, Hunderfe von Dörfern, hebräische Sprache, Literatur, Kunst, l eben, Freude am Weiterarbeiten. Der Unterschied zwischen dem ■einen tmd dein anderen ist: das eine hatte Geld, das andere hatte Sentiment, hatte dieses unverwüstliche Gedächtnis. Unser Recht auf Einwanderung Ich brauche nicht andere Beispiele aus unserer ganz modernen Geschichte zu zitieren. Wenn heute unsere Feinde sagen: ,Ihr habt kein Recht, nach Palästina zu kommen, ihr seid Eindringlinge', so ist die Antwort darauf: die Arbeit der letzten 50 Jahre ist der Ausdruck dessen, was das jüdische Volk über Palästina fühlt und denkt. Dies ist heute eine Realmacht. Da* jüdische Volk besteht darauf, daß die Alljah nicht einen Augenblick unterbrochen werden darf. Denn das ist unser elementares Recht. Jeder Jude hat das Recht, in sein Heim zurückzukehren und weder eng- Esche Polizei noch arabische Terroristen werden den Weg versperren. Wenn wir uns an den Verhandlungstisch mit unseren arabischen Gegnent setzen, muß diese Einsicht bei ihnen durchdringen. Ich glaube, cs wird ihnen allmählich klar. Die Haltung des Jischuw zeigt die Tatsache, daß das Leben im Jischtiw, wenn es sich auch verlangsamt hat, nicht für einen Moment stehen geblieben ist. Nachdem man die Bombe in eine Schule geworfen hat. hat nicht eine Mutier am nächsten Tage ihr Kind verhindert, in die Schule zu Warschau, 23. September. (JTA.) Die erste Sitzung der!1 e u g e vv ä h 11 e n Repräsentanz, der Warschauer Jüdischen Gemeinde, die lediglich einem formalen Zweck, der Einsetzung einer Kommission für die Wahl des Vorstandes, dienen sollte, hat unerwarteterweise zu einer umfangreichen ideologischen A u 5 c i ת a 11 d e r s e f z u n g geführt und einen äußerst stürmischen Verlauf genommen. Die Beratungen zogen sich bis in die Morgenstunden hin und endeten mit der Annahme einer von dem Nationalen Block und den Agudistcn gemeinsani vorgelegten Entschließung, in der einerseits der Anspruch auf bürgerliche Gleichberechtigung in Polen, andererseits das Recht aul Einwanderung nach Palästina betont wird. Sie hat folgenden Wortlaut: 1. Angesichts der schweren Lage der jüdischen Bcvölkerung in Polen, angesichts der Tatsache, daß die Haß und Feindschaft gegen die jüdischen Bürger säende Hetze sich von Tag zu Tag verstärkt, daß eine systematische Verdrängung des jüdischen Kaufmanns und Handwerkers aus ihren mühevoll erworbenen Wirtschaftspositionen vor sich geht, daß die Einführung der vor kurzem beschlossenen Ein- Schränkungen der Schccliita, •durch die ein bedeutender jüdischer Erwerbszweig untergraben und der verarmten jüdisehen Bevölkerung der ElcischgetiuB unmöglich gemacht wird, vor der Tür stchf, erhebt die ncugewählte Warschauer Gcmeinderepräsentanz ihre sch1ncrz־erfrillte Stimme des Profestes gegen diese antisemitische Hochflut und gegen die Bestrebungen, die jüdische Bevölkerung als Bürger zweiter Klasse zu behandeln. Die Gemeinderepräsentanz stellt fest, daß die jüdische Bevölkerung, die gemeinsam mit der ganzen Bevölkerung gehen. Das Leben ging weiter und es geht weiter. Das können nur Männer und Frauen tun, die bewußt sind, daß sie in ihrem Hause gegen einen Gegner kämpfen, der ihre Mentalität noch nicht verstanden hat Jüdische Arbeit and Landesentwicklung Und nun einige Worte über die Resultate dieser Arbeit und den Einfluß, den sie auf das Land und die Bewohner des Landes hafte. Es heißt im Mandat — und das ist die einzige beschränkende Klausel des Mandats — daß alles, was wir tun, so getan werden muß, daß es den nichtjüdischen Bevölkerungen Palästinas nicht schadet, daß es ihr Leben, ihre Entwicklung nicht beeinträchtigt. Haben die Resultate unserer Arbeit dein nicht jüdischen Teil Palästinas geschadet oder genutzt? Wir sind nicht deswegen nach Palästina gekommen, um anderen zu nutzen. Wir sind gekommen, weil es unser Recht ist. Wir bezahlen nicht den Weg nach Palästina dadurch, daß wir für andere arbeiten. Aber wir sind glücklich, daß unsere Arbeit den anderen nicht nur nicht geschadet, sondern genutzt hat. Entgegen den Nachrichten, die unsere Gegner verbreiten, daß wir die nicht jüdische Bevölkerung Palästinas verdrängt haben, stellt die Tatsache, daß sich in den letzten 18 Jahren die arabische Bevölkerung Palästinas um 40 f)0 vermehrt hat. Die Zunahme ist hauptsächlich in demjenigen Teile Palästinas zu beobachten, wo die Juden gearbeitet haben: Und wie kommt das? Daß an der Kiiste, in Tibcrias, im Jordantal, dort wo das Hauptgewicht unserer Arbeit liegt, die arabische Bevölkerung so angewachsen ist, ist einfach dadurch geschoben, daß durch jüdische Energie, durch jüdisches Kapjtal, durch unseren Schweiß und unser Blut der Sand der Küste, wo nach den Angaben eines englischen Staatsmannes vor etwa 5 Jahren keine Katze leben konnte, in einen Boden verwandelt wurde, auf welchem, statt daß ein Mensch schlecht lebt, heute fünf Menschen gut leben können. Wenn man. um ein Existerizminimum zu haben, vielleicht 79 Dun am brauchte, kann man heute auf 12 Dunain leben, d. h. wir haben die Küste Palästinas fünfmal größer gemacht tmd selbstredend können dort Juden und Araber Platz finden. Es ist so — und das ist ein schwerer Vorwnrf, den wir Zionisten der Mandatarmacht machen —, daß wenn die Mundatarmacht das übrige Palästina so entwickelt hätte, wie cs dazu fähig ist, Platz wäre nicht nur für die gegenwärtige Bevölkerung der Araber und für eine weitgellende jüdische Immigration, sondern für die Kinder und Kimleskinder beider Völker. Deswegen ist es leeres Geschwätz und feindselige Propaganda, wenn man sagt, es gibt keinen Platz für beide. Es giht keinen Platzt, wenn man nicht will. Aber weder Worte noch hes c 1! rankende Maßregeln wer ci e!1 d e n j ii <1 i - s e h י n Euer g i e 11 d e n Weg versperr e n. Wir haben auf dem Felde bewiesen, daß man heute auf 29 tmd sogar 15 Dun,am leben kann und noch vor 5 Jahren haben große englische Experten beweisen wollen, daß man mindestens 49 oder 59 Dunum bewässerbaren Bodens braucht, damit eine Familie leben kann. Noch heute nimmt ein arabischer Ziegenbock mehr Platz ein als ein jüdischer Chaluz. Sein Existenzniinimun! ist ein viel größeres als das eines zivilisierten M cnscheii. Natürlich, wem! man das Land verwüstet läßt, so gibt es keinen Platz, wird es auch morgen für die* Araber keinen Platz haben. Entwickelt man aber das Land, so ist für die nächsten 50 Jahre genug Platz für den natürlichen Zuwachs d׳T arabischen Bevölkerung. Vor dem Kriege gab es eine große arabische Emigration aus Palästina. Nach dem Kriege ist nicht nur keine Emigration mehr, .sondern es sind in den letzten vier bis fünf Jahren 17 000—25 ÜÜO Araber rach Palästina hineingekomnien. Nicht herrschen noch beherrscht werden! Heute sind wir bereit, uns auf diese einfache Forme! zu einigen: Wir wollen niemand beherrschen, aber wir wollen auch von niemand beherrscht werden. Wir sind bereit, dieser Formel konkreten Ausdruck zu geben. Heute sind wir eine Minorität von etwa 3t)Morgen kann es anders werden. Sicher wird es anders werden. Wir wollen niemand tnajorlsieren, aber auch wir werden nicht majorisiert werden. Es ist nicht richtig, daß die Araber vor unserer MajoHsierting sich fürchten. Deswegen macht man heute den Versuch, uns in dem Zustand einer permanenten Minorität zu lassen. Wir könnten heute Ruhe haben, wenn wir bereit wären, immer 40 ״;, der arabischen Bevölkerung zu bleiben. Wir sind dazu nicht bereit. Wir sind aber bereit, wenn wir auch 51 ״’״ sind, nicht die 49 »0 irgendwie 7» niajorisicren, und ihre Religion, ihre Sprache, ihre Interessen sind uns wert und heilig. Wir erwarten aber von ihnen, daß sie genau so sieh uns gegenüber stellen. Wenn das durchdringt, werden wir uns einigen. Unsere arabischen Gegner haben keinen Grund, im Trak die 30 OCX) Christen zu fürchten. Es lebten dort 30 000 As- Syrer, Nachkömmlinge einer großen Zivilisation. Sie waren nicht Eindringlinge, sie lebten dort seit Tausenden von Jahreti, sie waren nicht Chaluzitn in westlichen Anzügen mit westlichen Manieren. Sie waren Bauern, sie sprachen ihre Sprache, sie lebten ihre Sitten. 30 990 Mcn'׳'bcn, aufrrrL'ist i!1 einer Masse von zwei Millionen Arabern im Irak! die in des Landes die Last aller Bürgerpflichten trägt, gleiche Rechte wie alle übrigen Bürger genießen muß. Die Genieinilerepnisentanz erachtet es als notwendig, die tatsächlich vorhandene Emigration und insbesondere die Ali jah nach Erez Israel zu organisieren, wendet sich jedoch in schärfster Weise gegen die Anschaumig, daß ausschließlich Auswanderung der Weg zur Lösung der Judenfrage in Polen sei. eine Anschauung, die zu der neuen antisemitischen Propaganda, die Juden in Polen als überzählig zu erklären, geführt hat. Die Oemeinderepräsentaiiz stellt fest, daß die jüdischen Massen in Polen unbedingt entschlossen sind, an ihren Wohnsitzen um tatsächliche Gleichberechtigung, um volle Freiheit der Wahrung ihrer religiösen und kulturellen Eigenart und um Erhaltung ihrer wirtschaftlicher, Positionen zu kämpfen. 2. Die Gemeinderepräsentanz in Warschau sendet den 1n schwerem Kampf stehenden jüdischen J i s c h u w in Erez Israel ihren brüderlichen Gruß. Gemeinsam mit dem Jischtiw in Erez Israel und mit dem ganzen jüdischen Volk betrauert die Gemeinderepräsentanz. die Opfer des arabischen Terrors, der sieh gegen die heiligen göttlichen und mcnschliehen Rechte des jüdischen Volkes im Laude seiner Väter richtet. Mit dem ganzen jüdischen Volk drückt die Gemeinderepräsentanz Glauben und Hoffnung auf den Sieg 11er jüdisehen Sache in Erez Israel, das ihm durch prophetische Verhei (hing zugcsicliert ist, aus. Die Gemeinderepräsentanz schließt sich der Forderung aller Juden in der Welt an, dem Terror keine Zugeständnisse! zu machen und die jüdische Einwanderung׳ nach Erez Israel nicht einzuschränken.“ einem Staat organisiert waren. Und diese Leute mußten Irak verlassen. Heute sucht der ganze Völkerbund einen Platz in der weiten Welt für die armen Assyrer. ich fürchte, daß die Erfahrung, die die Menschen mit dieser kleinen unschuldigen Minorität gemacht haben, es uns verbietet, im Zustand einer permanenten Minorität zu bleiben. Wir werden von diesem Standpunkt nicht abgehen. Wir sind aufrichtig und ehrlich bereit, eine politische Parität anzuerkennen, unabhängig von der Zahl. Ich glaube, ich habe genug gesagt und ich glaube — tmd das ist nicht der einzige Vorwurf, den wir der Mandatarmacht zu machen haben — daß der Schlüssel zur Lösung der Schwierigkeiten eine weitgehende Entwicklung des Landes ist. Die Wc'lt soll bedenken: In Aegypten gab es keinen Zionismus. In Syrien gab cs keinen Zionismus. Fast dasselbe, was sich heute in Palästina abspielt, hat sich vor sieben Monaten in Aegypten und vor fünf Monaten in Syrien abgespielt. Es sind ganz andere Kräfte und Bewegungen, die hier im Spiele sind. Wir sind nur ein A n I a ß, ein punctum minoris resistentiae. Wenn man das alles in Betracht zieht, kann man auch eine Lehre daraus ziehen. Das was man Sentiment nennt, ist eine Macht und die Zeit wird kommen, wo in der Welt diese Worte noch einen Kurs haben werden, und wenn wir es heute schwer haben, so vertrauen wir auf diese Zeit, wo diese Worte den richtigen, Kurs haben werden. Es ist sehr schwer für einen jungen Bauern, zuzuschcn, wie sein Acker verbrannt wird und die Herde vernichtet oder ein junger Orangengarten zerstört wird, oder Kinder kalten Blutes vor den Augen der Mutter und Großmutter ermordet werden, und man brauchte nur einen Finger zu rühren, um einen Bürgerkrieg in Palästina zu entfesseln. Es gehörte vielleicht Mut dazu, und es war vielleicht ein stolzer Beitrag zu der jetzigen Situation, wenn nur ein passives Verhalten da war, wenn wir nicht auf das Niveau derjenigen gesunken sind, die glauben, für ihre Freiheit kämpfen zu können mit Methoden, die nicht viel von Freiheit in sich enthalten. Aber wir sind bereit, genau so wie 2500 Menschen heute in die Polizei eingestellt wurden, in die legale Schutztruppe einzutreten, und man brauchte nur einen Ruf zu tun und wir würden 40 000 bis 60 000 jungt Männer haben, die sich in die Reihen der Ordnung und der Stabilität in Palästina stellen würden. Ich will keine Lobsprüche auf die Haltung des Jischuw und der Zionistisehen Organisation sprechen. Es wird uns noch schr_ zugute stehen, daß wir es verstanden haben, diszipliniert und würdig das zu ertragen, was wir heute zu ertragen haben. Aufgaben der Zukunft Nach einiger Zeit, vielleicht sind es Wochen, wird die Königliche Kommission nach Palästina fahren. Sie wird alles gründlich prüfen. Wir sind bereit, 11ns dieser Prüfung zu unterziehen. Sie soll unsere Arbeit, unsere Leistung sehen. Sie soll die Wirkung unserer Arbeit auf das Land sehen. Aber ich glaube, daß wir auch gleichzeitig Wege suchen werden, um mit dem Teil des arahisehen Volkes, der noch verstehen kann, daß sie und wir bestimmt sind, im Lande zusammen zu leben tmd zusammen zu wirken, zu sprechen. Ich zweifle nicht, daß dieser Weg bald gefunden werden wird. Um das tun zu können, um das durchhalten zu können, ist cs wesentlich, daß Sie genau so wie •der Jischuw in Palästina auf dem Posten stehen, und ich bin gern gekornmen — nach schweren Sorgen und schwere^ Mühe — um Sie zu bitten, auf diesem Posten zu bleiben und die Pflicht zu tun, die von Ihnen heute gefordert wird. Wir müssen gutmachcn, was gefehlt worden ist. Wir müssen unsere Wache, unsere Schutztruppe bereit halten. Dazu ist Ihre Anstrengung notwendig, und ich zweifle nicht, daß Sie Ihre Schuldigkeit tun werden. In einigen Tagen wird sich das ganze jüdische Volk in den Synagogen versammeln. Ueberail, wo Juden wohnen, ob in Moskau oder New York, in Jerusalem oder Johannesburg, wird am Schluß des Tages ein inbrünstiges Gebet zum Himmel gehen. Viel sind unsere Bedürfnisse und unser. Können ist vielleicht nicht ausreichend. Es ist nicht ausreichend und wir waren nicht vorbereitet auf diese schwere Erschütterung. Aber nun sind wir da. Wir werden es durchhalten mit Ihnen und mit denen, die Sie in die vordersten Schützengräben der zionistischen Bewegung geschickt haben. Und wenn wir vielleicht nach Jahr und Tag uns wieder treffen, wird das alles, was wir heute erleben, vergangene Geschichte sein, wie viele tragische Episoden der jüdischen Geschichte, und das Leben wird immer einen Schritt vorwärts gemacht haben.“ Wcizmanns Rede, die öfters durch Beifall unterbrochen wurde, machte auf die Versammelten einen sehr starken Eindruck. Ifauptschriftleiter: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin - Charlottenburg I (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenstein, Berlin VV 15. Anzeigetileiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigern Hermann Finn, Berlin W IS Gültig Anzeigen- Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und An• zeigenveiwnliung: Indisch״ Rundschau. Berlin W15. Meinekestr. 10 D.-A. AuguA 35X02. —י Druck; Sicgüied iächokm, Ifcilut-ScUünebMg,

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