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Jüdische Rundschau · 1936-09-22 · Heft 76 (22.9.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 76 (22.9.1936)
Date
1936-09-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 17. jüdische Rundschau Nr. 76, 27. IX.!936 Palästina-Konferenz in Polen IN ALLER KURZE Gern;• fl den Bestimmungen der B es 1 a I hin gso rdmtn g für Aerzte wird jetzt amtlich ein Verzeichnis der Krankenhäuser und medizinisch-wissenschaftlichen Institute veröffentlicht, die zur Annahme von Medizi 11 alpraktikanten bis auf weiteres durch den Keichsinnenniinister ermächtigt worden sind. In dieser umfangreichen Liste sind auch diejenigen Anstalten aufgeführt, die im Ligentuin oder unter ärztlicher Leitung von Juden stehen und die künftig nur noch zur Annahme von jüdischen Mcdiz. inalpraktikan- 4en ermächtigt sind. In diesem Zusammenhang stellt der Minister fest, daß die Ausschüsse für ärztliche Prüfung die Kandidaten hierauf besonders hiiizmveisen haben. Durch einen Frlaß des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen Versicherung wird das Amt des Beisitzers im S p r u c h a 1! s s c h u ß des Arbeitsanrts als öffentliches Amt im Sinne des Reichsbürgergesetzes erklärt. Fin Jude könne daher nicht Beisitzer im hpruchausschuß sein. Der Nachweis der dcutscliblütigen Abstammung des Beisitzers sei nach den Vorschriften für die Spruchbehörden der Reichsversicherung zu erbringen. In einem Bericht der ,,Tilsiter Zeitung‘* über eine Bezirkstagung der Reichsbewejning ״Deutsche Christen“ wird mitgeteilt, daß der Gau-Obmann, Superintendent Friczewski- Königsberg■, auf die neuerliche Weglassung des ״Halle- I u j a‘‘ (weil hebräisch und fremd) bei den Gottesdiensten hinwies und erklärte, daß noch vieles andere als fremde Form weggelassen werden müsse. Präsident R 15 o s e v e 11 hat an den Mitvorsit/enden der Patriotic Foundation Harnet II mies ein *schreiben gerichtet, in dem er den Plan der i onmhtion, dem tun den Sieg der amerikanischen tJnabh.ingipkeiisbrwegiiiig verdienten jüdischen Bankier Oaim Salomo 11 ein Denkmal zu errichten, aufs wärmste begrüßt Das |)cnkm.1l wird Sa’nni.m zusammen mit den amerikanischen I'reiheitsheldeu George Washington und Robert Morris d,1r-t14L׳n. Der dem zionistischen Fiauerivorbnnii Amerikas Hadass ah angi'sdilosM ne Verband dr ,1 unggrtippcu hat in New York eine anßerordenl.i! he Konieren/ abgehalten. Es wurde mit K'Uiksichi auf 111e dureh die Unruhen in P.1Ustma bedingten Fr fonlcniiv-e in., ■lilm.-eii, das Pa'ä'tinalmdget des Verbandes um 10 000 Dollar auf 3a ui>0 Dollar zu erhöhen. Königin Mary von t: 11 g 1:1 n 1i hat sir Philip Dssoo 11 aut seinem l.ami::1!t hn DckrU-av!.;11011 Be-ue!! ab ■;ertattet. Die aus dem frühen .Vumealier stuminondc, vor einigen Jahren ausgegrabene hoturoein• >•. na 1:1״״ in der Cord o b a, die anlaiüicb der vor; ihrigen Maimonid!•»-Feiern von der Regierung der Jüdischen (umn-mdr uiicigcben wurde, ist jetzt in ein Lazarett 11,■!!gewandelt worden. Der ägyptische M 1 n i s t e r f 11 r H a 11 d e 1 11 ״ d Industrie hat eine Kommis-ioii eingimet7t. die die Maglichkeiten für die Entwicklung der Handelsbeziehungen Aegyptens zu den Ländern de* Nullen um! Mittleren Ostens studieren soll. Inshe-omiere sollen l'utersinlningen über einen Ausbau des Handels mit Palästina, Syrien, dem Irak und Arabien vorgenommrn werden. Am 13. September wurde der ehemalige Professor an der Universität Berlin, Dr. Ignaz, jastrov, 80 Jahre alt. Der jüdische Musiker und Komponist Julius Steinmann ist für diese Saison als erster Dirigent an die Rigaer Lettische Staatsoper verpflichtet worden. Bisher war Steinmann Dirigent an der Oper m Monte Carlo. Heinz. Ehrenberg, «in Schüler der Gesangspädagogin Gina Goetz-Levy, wurde zum Lehrer und Kantor an die Israelitische Gemeinde in Frankfurt a. M. berufen. Der Dichter Ernst Blaß ist mit der dramatischen Behändhatg von zwei biblischen Stoffen beschäftigt. Fr arbeitet an den Tragödien ״Lot“ und ״Saul“. Auf dem Internationalen Kongreß für Stimm- und Sprach- Heilkunde in Kopenhagen sprach Edith Ascher, Tel-Awiw, Über Probleme der Sprachheilkunde in Palästina. Aus dem Geschäftsleben Der Konzern. Messow f< W 1 1־ d s c h m i d t GmbH., Dresden, der vor kurzem in arischen Besitz übergegangen ist, hat laut ,,Berliner 1 ukdin/etger“ vom 17. <). seinen Namen geändert. Fr lautet künftig ,.Knoop fv Co. GmbH.•‘, Sämtliche dem Konzern aii1׳e<ch!o-,scnen Häuser in Leipzig, Breslau und Dresden, mit Ausnahme des Residenz- Kaufhauses in l )realen, das seinen alten Firmennamen beibehalten hat, t'tbirnehmen den neuen Lirmritmitnen. ln Leipzig gehört das Kaufhaus ״Brühl“ zu dem Konzern. I'111er der Firma SoPskcr fv Co. ist nach dem .,Konfektiom!r‘*' eine Komm, Ges. gegründet worden, welche die Firma B r ü cf e r I ה n d a 1! e r AD,, Kauf• und Modehaus in Stuttgart übernommen hat. Die rirrna F.uitiv L i 11 s t e i n in R c g e n s b u r g ist in den Besitz von 11. Warmuth niKrgeg.ingcii. Das Schuhlnuix S a II in Ort er ml c i-d in den Besitz des Schuhliauses Lrdni.um 111h r;11,׳.׳r..:111. Das Kaufhaus Daniel Mann in Mainz wurde unter der Firma Jakob A Co. wied! r eiuiimt. Warschau, 20. September. (JTA.) Unter Beteiligung von über 500 Delegierten aus allen Teilen des Landes fand am 20. September in Warschau die P a 1 ä s t i n a k o n ferenz der Juden heit Polens statt. Ansprachen hielten 11. a. die Mitglieder der Exekutive Rabbi J. L. Fischmann und Jizchak Griin bäum, sowie Berl Locker. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der gegen die Mög- Hchkeit einer auch nur zeitweisen Einstellung der Ein- Wanderung nach Palästina Protest erhoben wird. Es wird bctont, daß es sich bei der Einwanderung für eine große Zahl polnischer Juden um eine Frage von Leben und Tod handelt. Für die polnischen Juden, die 40 ",0 der Einwanderer nach Palästina stellen, habe im Hinblick auf Boykott und andere Schwierigkeilen, unter denen die Mehrheit der polnischen Juden 711 leiden 11:11, die Frage der Einwanderung auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überragende Bedeutung erlangt. In einer weiteren Resolution wird dem Jischuw, der trotz äußerster Provokation geeinigt blieb und es vermieden hat, Sportzwischenfall Bukarest, 20. September. (JTA.) Der jüdische Boxer Motie Spa ko v, der vor kurzem zum elften Male den Amatcnnneistcrtitel Rumäniens im Schwergewicht errang, hat mit Rücksicht auf antisemitische Kundgebungen von unglaublicher Roheit, die sich während des letzten Mcislerschaftskampfcs ereigneten, auf den Meistertitel verzichtet und sich vom Boxspurt zurückgezogen. Als während des Kampfes die linke Augenhöhle Spakovs durch einen Hieb seines Gegners Serbanesru geöffnet wurde, wurden die zum größten Teil den radikal-antisemitischen Gruppen angehörigeu Zuschauer von einem wahren Bluttaumel ergriffen. Mau rief 1m Chor: ״Wir wollen das Blut des Juden sehen, bis er keines mehr hat,“ Spakov kämpfte mit heroischer Anstrengung weiter, obwohl das strömende Blut ihn blendete und erfocht den Sieg. Nunmehr hat Motie Spakov an den rumänischen Boxverband ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, daß er sich aus dem Ring zurtickziehe. ״Die Gründe“, schreibt Spakov, ״die mich veranlaßt haben, den Meistertitel nufzugehen und mich aus dem Ring zurückzuziehen, sind, so seltsam wie dies für einen Boxer scheinen mag, rein gefühlsmäßiger Art. Ich, der ich mit ganzem Herzen bei Boxkämpfen in Frankreich, Polen und anderen!..ändern für Rumänien gefachten habe, werde in meinem eigenen Vaterlande nicht mehr als physisch echter Rumäne angesehen. Dagegen kann ich nicht länger kämpfen. So sehr ich es bedauere, verzichte ich aut den Titel und wünsche, daß mein Nachfolger die rumänischen Farben Budapest, 16. September Die Aufnahmen an der ungarischen Hochschule sind beendet; die Prozentnorm des numerus clausus, die die Zahl der Aufzunchmctidcn in erster Reihe nach der Beschäftigung der Eitern bestimmt, wurde noch strenger gehandliabt als sonst, Söhne von Kaufleuten, Gewerbetreibenden und Bauern kamen in ganz geringer Anzahl daran. Gleichzeitig erschieneu an der! Wänden der Universität die ersten Aufrufe der Jugcjulverbände, deren gemäßigter Ton Beachtung verdient. So beginnt die katholische Studentenverbindung ״Emcricatia“ mit der programmatischen Erklärung: Kommilitone! Dein Weg führt nach rechts, aber es gibt auf jener Seite auch solche, tkren Brot das Schreien ist, deren Temperament die Rebellion wünscht. Die mit Haßgefühlen erwachen und sich nicht ruhig niederlcgcn können, bevor sie nicht ihre tägliche Zerstörungsnrbeit geleistet haben. Unser Geist ist der der Gemeinschaft, komm, hilf uns bauen! An! ersten Sdichof htage wurde im neuen Sf.-Enterich• Stadtteile Ofens im Beisein der staatlichen und städtischen Behörden eine monumentale, moderne Synagoge cingcwciht, die nach den Plänen E. Novaks und Stefan Hamburge rs von Josef Tyroler ausgeführt wurde. Großrabbincr Dr. Arnold Kiss hielt die Festrede, Rabbiner E. Beneschofskv entzündete das ewige Licht, worauf der Vorsitzende, Dr. A. K r i s / 11 a be r, die Schlüssel des Gotteshaus es übernahm. Vi/ebürgermeister Karl I a motte überbrachte die Glückwünsche der Hauptstadt, Hofrat S. Stern die der Pesfer Israelitischen Gemeinde. Am sHben Tage weihte Oroürabbiner Dr. Simon Hevesi im Rahmen eines Festgoftesiliensles eine aus 32 Stücken bestehende 1!andarbcilsgernitur ein, die die Gemahlin des Griucimlenrüsidentcu S. Stern für den Thoraschrein, die Thnrarollen, die Kanzeln, die Vorleselind Vorsteherpulte der 1 Liupfsytiagoge in der Tahakgasse in vierjähriger Arbeit durch SIKtO Stunden gehäkelt liatie. Die Decken und Gehänge sind mit hebrai-rhen Zitaten durchstickt und bilden auf himmelblauer Scidengrundlagc eine Sehenswürdigkeit. Dr. A. F. sich ln dem Kampf hineinziehen zti lassen, Mitgefühl und Bewunderung ausgesprochen. Die unbestimmte und zweideutige Politik der englischen Regierung habe die Araber zweifellos zu Ungesetzlichkeiten ermutigt. Jizchak Griinbaum wandte sich in seiner Rede auch gegen «lie vor kurzem von Jabotinsky entwickelten Pläne. Die Juden, so führte er aus, würden sich trotz der Ausschreitungen von Przytyk und Wysokie-Mazowiccki und ihre Folgen nicht aus Polen verjagen lassen. Ein anderer Redner erklärte, die Juden Polens seien bereit, ohne Vernachlässigung der dringenden Bedürfnisse der polnischen Judenheit, ihren Brüdern in Palästina in jeder Weise zu helfen. Am gleichen Tage fand auch in Lemberg eine Paüüstinakonferenz ■der Juden Ostgali/iens unter Beteiligung von über 100 Delegierten aus mehr als 50 Gemeinden statt. Den Vorsitz führten das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Rottenstreich, und der Präsident des Misrachi in Amerika, Rabbi Wolf Gold. mit derselben Begeisterung verteidigen möge, wie Ich hl den letzten neun Jahren.“ — Gleichzeitig teilte Motie Spakov mit, daß er den in seinem Besitz befindlichen silbernen Preispokal dem Verband zur Verfügung stelle. Cuzistenexzesse Bukarest, 20. September. (JTA.) Aus verschiedenen Teilen des Landes werden schwere A us s c h r e i tun « gen der c 1! z i s t i s c h e 11 ״Blauhemde n“, die sich der von der Regierung anbefohlenen Auflösung widersetzen, gemeldet. In Baiolina bei Beiz in Bessarabien wurden 38 jüdische Häuser von Mitgliedern der cuzistischen Sturmabteilungen demoliert und alle ihnen in den Weg kommenden Juden schwer mißhandelt. Die Bande verschwand vor Eintreffen der Gendarmerie. In Cajutz bei Racnii wurde die Synagoge schwer beschädigt und die Beter mißhandelt. In Tetzcan wurden die Marktstände aller jüdischen Händler und die ausgclcgten Waren vernichtet. -. Die unter der Führung Professor Alexander C. Cuzas und des früheren Innenminister« Octavian Goga stehende Christlich-Nationale Partei hat für die bevorstehenden Krciswahlen ein Waldabkommen mit der von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Alexander Vaitla-Voevod geführten ״Rumänischen Front“ getroffen. Die ree■,“«stehende Presse deutet dieses Abkommen als einen entscheidenden Schritt auf dem Wege zur Bildung einer Rcehtskoalition. Baldwins Antwort an christliche Amerikaner New York, 11. September. fPaicor.) Die aus promlnenten amerikanischen Christen bestellende Gesellschaft für Pa- Iästina, die am 2. September sich in einem Telegramm an Staniey B a I d w i n gewandt und gegen eine Suspendierung der jüdischen Einwanderung sowie gegen irgendwelche Schmälerung der Bestimmungen des Mandats protestiert hatte, empfing heute durch die Britische Gesandtschaft in Washington folgende Antwort: ״Im Aufträge des Ministerpräsidenten versichern wir Ihnen, daß die Regierung Sr. Majestät durchaus gewillt ist, die von ihr mit dem Mandat übernommene Verpflichtung zu erfüllen, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina so zu gestalten, daß die Errichtung des jüdi« sehen National heims in Palästina sich er ge« stellt und gleichzeitig <Jie bürgerlichen und religiösen Rechta sämtlicher Bewohner des Landes, ungeachtet ihrer nationalen und religiösen Zugehörigkeit, gewährleistet werden.“ Nationalitätenkongreß Sa Genf Der 12. europäische Nationalitätenkongreß fand in diesen Tagen in Genf statt. Den Vorsitz führte der ehemalige! slowenische Abgeordnete im italienischen Parlament Dr, Wilfan. Der Kongreß umfaßte 14 Volksgruppen aus 10 Ländern. Die j ii d i s c h e n Minderheiten sind bekanntlich seit dem Konflikt auf dem Nationalitätenkongrcß itn Jahre 1033 nicht vertreten. In den Entschließungen, mit denen der Kongreß beendet wurde, wird das Lebensrecht der Volksgruppen in den Staaten Europas betont. Im Hinblick auf die Zustände, die zun: Teil auf diesem Gebiete bestehen, forderte der Kongreß eine grundlegende Erneuerung des Minderheitenschutzes. Ein weiterer Beschluß befaßt sich mit der Völkerbundsrcforni im Hinblick auf die Naiio• nalitätenfragc und fordert, daß die Garantiepflicht des Völker• bundes, und zwar erweitert, auf alle europäischen Minder» heilen in den Völkerbundspakt einzubauen ist. Budapester Brief Von unserem Berichterstatter Prof. Leo Graetz 80 Jahre alt. Am '2fi. September begeht Professor Dr. Lyo G ׳1 1: ז l /., cm Sahn di1 ־׳ iistorikers Heinrieh Graetz, seinen 8(1, ( n!!:;!־Mag. Der Jubilar, der in Broslau geboren wurde und heute in Mundieii lebt, ist ein bedeutender Physiker. Is>3 habilitierte ׳*,ich Graetz in Mim- Chen, wo er seit 13dl Extra-()rdinarius, seit 1037 ordentlicher Professor war. Zunäch-t hatte er sieh mit der Elastizität der Flüssigkeiten und Gase, dann mit dem Problem der inneren Reibung, der Strahlungsieha•, der Leitfähigkeit von festen und geschmolzenen Gasen befallt. Line Methode zur Umwandlung von Wechselströmen geht auf Leo Graetz zurück, der von ihrn erfundene Ahmimitnn-Gk'ii 'nrtronirkhier ist im Deutschen Museum zu München. Uns ,,(! r aetzin“ genannte Licht ist eine Erfindung des Jubilars. Die Lehrbücher von Leo Graetz sind durch ihre klare I)arxtdltmg populär geworden. ״Die Elektrizität und ihre Anwendung“ erlebte z. B. 1925 ihre 22. Auflage und wurde ins Französische,Italienische, Russische, Spanische und Holländische übertragen. Auch seine vielen anderen Bücher über Physik und insbesondere Elcktrophvsik wurden sehr verbreitet. H. 1״ Der jüdische Pianist und Dirigent Ossip Gabrilowltsch ist am 14. September in Detroit gestorben, wo er Leiter des Sy in plion i co r eh es t er s seit 1013 war. Er erreichte ein Alter von 58 Jahren. Oabrilowitseh ist in Petersburg geboren und erlebte sein Debüt im Oktober ISO•') in Berlin. Große Konzertreisen führte■« ihn über ganz Europa nach Amerika. Er war mit einer Tochter Mark Twains verheiratet. U. a. war er von 1933 bis 19M in München ansässig, wo er die Konzerte des Konzertvereins dirigierte. Er hat auch Lieder komponiert sowie Cello- und Klavierstücke. Die jiddische Urbersetzung des Bialikschen Gedichtes ״Jescii li gan“ im Singblatt in Nr. 71 stammt von Israel Majolis (erschienen 1922 ira ״Bialik-ßuth“, Jüdischer Verlag), Zur Lage der Juden in Spanien Von unserem Berichterstatter Barcelona, 12. September Die jüdischen Flüchtlinge, die gegenwärtig Spanien v־erlassen, meist ohne ein festes Ziel der Wanderung im Auge zu haben, kommen fast alle aus Barcelona und Madrid. Ausländern, die das Land verlassen wollen, wurde auch aus belagerten Städten freier Abzug gewährt. Die Sperre der Bankguthaben gilt eben falls nicht für abreisende Ausländer. Der entscheidende Grund der Abreise der Juden ist meist die UnmöpHchkeit, unter den gegenwärtigen Umständen den I clmisunterluilt verdienen zu können. Abgesehen von ,denen, die finanziell dazu in der l äge sind, einige Zeit vom Kapital zehren zu können, und von den wenigen Angestellten bleibt vielen Emigranten im Augenblick keine andere Erwerbsmöglichkeit als der S t r a ß e n 11 a 11 d e 1. Man kann daher in den Straßen Barcelonas eine große Anzahl von Emigranten als Stralienhändler arbeiten sehen, die in normalen Zeiten als Vertreter spanischer oder ausländischer Firmen ihr Brot vedienten. Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten tritt die Unsicherlich über die Entwicklung der politischen Lage hinzu. Wenn nicht die Frage des: Wohin? und die Schwierigkeilen der Devisenausfuhr (es werden nur Devisenerlaubnisse für 1000 Peseten für Ausreisen erteilt) bestünden, wäre die Wanderungsbewegung noch erheblich stärker. Auf dem Internationalen Pen-Klub-Kongreß in Buenos Aires verlangte der jüdische Dramatiker H. Leiwi k, daß die Schriftsteller gegen Judenverfolgung Protest erheben, und machte den polnischen Mitgliedern des Pen- Klubs Vorwürfe, daß sie zu den Pogrom« in Polen schweigen. Stockholmer Notizen Von unserem Berichterstatter HR, Stockholm, Mitte Septembeu Die Stockholmer Abendzeitung ״Aftonbladct“ brachtg kürzlich einen längeren Palästina-Brief, den der emigrierte Stockholmer Student N. Wirsehubsky schrieb, in dem die optimistischen Gesichtspunkte zur aktuellen Lage Palästinas vorherrschend und von der schwedischen Zeitung sehr judea» freundlich kommentiert werden. Anläßlich der internntionalen Tbeatcrkunst-Aussteliung la Wien wird Schweden von dem bekannten jüdischen Kunstmaler Isaak O r ii!1 e w a 1 11 repräsentiert werden mit Skizzen zu verschiedenen seiner Theater-Dekorationen. Bruno Walter wurde von ״Konsertförenigcn“ eingela« den, in diesem Winter verschiedene Konzerte zu dirigieren, Dcrn Gastspiel wird in hiesigen musikalischen Kreisen mit größtem Interesse entgegengesehen * Die 14jährige jüdische Schülerin Tarschys rettete eiiietl älteren Mann vom Tode des Ertrinkens unter eigener Lebens« gcfalir. Wie bereits bekannt, erhielt die Föderation der Wizo in Deutschland für das Jahr 1936/37 eine große Anzahl von Zertifikaten, um Mädchen aus Deutschland in die Institutionen der Wizo und in die Meschkej Hapoaloth aufzunchmen. Der erste Transport dieser Schülerinnen verläßt Deutschland am 23. September unter Leitung von Dr. Eva Lübeck.

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