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Jüdische Rundschau · 1936-09-22 · Heft 76 (22.9.1936) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 76 (22.9.1936)
Date
1936-09-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 76 22. IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Kfar Jedidjah Eine Mitielstandssiedlung der Alijah aus Deutschland auf Boden des KKL. Mitten im Emek Chefer, dem neuen Kolonisationsgebiet der Jewish Agency, liegt Kfar Jedidjah. Das Emek Chefer (Wadi Chawarith), (Jessen Erwerb der Keren Kajemeth Lejisrael im Jahre 1927 der Opferbereitschaft kanadischer Zionisten verdankt, ist ein schmaler Kiistenstreifen, der sich von Natbania bis Chedera erstreckt. Dieses hüglige, äußerst wasserreiche Gebiet bildet das Bindeglied zwischen dem Nordteil der Kiisten/one südlich von Haifa, dem Schornron, und dem Südteil der Küstenebene von Tel-Awiw nordwärts, dem Scharon; so führt auch die projektierte Chaussee Tel-Awiw—Haifa mitten durch das Emek Chefer. Der Reisende, der auf dieser Cliausse dereinst fahren wird, wird seinen W'eg fast ausschließlich durch jüdisches Gebiet nehmen. Kfar Jedidjah selbst ist eine der jüngsten Siedlungen des Emek Chefer. Während der Großteil der Siedlungen in diesem Gebiet — es handelte sich hierbei bisher fast ausschließlich uni ehaluzisclie Arbeitcrkolonisation — bereits vor ca. drei Jahren in Angriff genommen wurde, ist Kfar Jedidjah erst irn Frühjahr 1935 begründet worden. Die An- Siedlung jüdischer Einwanderer aus Deutschland an diesem Punkt entsprang der initiative der Jewish Agency, d. h. der bei dieser gebildeten Abteilung zur Änsiedhing von Juden aus Deutschland. Die Ansiedlung wurde dadurch erleichtert, daß von ägyptischen Juden für Einwanderer aus Deutschland ein Fonds gesammelt wurde, welcher zur Vornahme der ersten Investitionen, zum Bau von Häusern und Wirtschaftsgebäuden und zur Gewährung zusätzlicher Anleihen diente. Die Siedlung im Emek Chefer basiert auf intensiver gemischter Wirtschaft. Sie unterscheidet sich hierdurch sowohl von den großen Getreidewirtschaften des Emek JcsreeS (extensive gemischte Wirtschaft) als auch von den einseitigen (intensiven) Pflanzungswirtschaften des Scharon. Auf den 171/2 Dunam bewässerbaren Bodens ist knapp ein Drittel für Pflan- Zungen, mehr als ein Drittel für Futterbau und der Rest für Gemüse und Wirtschaftsgebäude (Kuhstall, Hühnerstall usw.) vorgesehen. Es ist zur Zeit erst die Hälfte der 45 projektierten Sied-!erstellen besetzt. Man findet hier neben den Einwanderern aus Deutschland, die zahlenmäßig vorwiegen, auch Siedler, welche aus anderen Ländern stammen. Zur Zeit ist ein Großteil der Siedler noch beim Aufbau ihrer Wirtschaft besehäftigt. Doch gibt cs am Orte bereits mehr als 30 Kühe, mehr als 3000 Hühner, die Böden sind bereits zum größten Teil mit der Wasserinstallation versehen, und ein Teil der Siedler schickt auch bereits Oemiise auf den Markt. Der Verkauf der Produkte und der Einkauf der Futtermittel und Materialien erfolgt durch eine von den Siedlern geschaffene Cooperativc, die den Centralcoopcrativen der Arbeiterkolonisation (Tnuwah, Hamashbir) an geschlossen ist. Die Schwierigkeiten, welche sich den Siedlern aus Deutschland in Kfar Jedidjah entgegenstellen, sind nicht ge- Ting, Im Gegensatz zu der Arbeiterkolonisation im sonstigen Emek Chefer, welche ihre Wirtschaften mangels der erforderliehen Mittel allmählich aufbaut und zur Zeit fast ausschließlieh von den Erträgen bezahlter Außenarbeit lebt, wird in Kfar Jedidjah der Versuch unternommen, möglichst schnell die Siedlerstelle so auszubaucn, daß der Siedler allein davon leben kann. Hierbei ergeben sich naturgemäß besondere Schwierigkeiten der Wirtschaftsplanung, nicht zuletzt Hinsichtlieh des Absatzes der Produkte. Der Absatz wird insbesondere durch den Mangel einer ausreichenden Verbindung er- Schwert. Kfar Jedidjah liegt ca. 40 km von Tel-Awiw entfenit; infolge der schlechten Wegeverhältnisse aber dauert eine Autofahrt dorthin ca. 2>'2 Stunden, und auch hierbei kann es einem passieren, daß man im Sommer im Sande, im Winter im durch Regen aufgeweichten Boden stecken bleibt. Diese schlechte Verbindung erschwert nicht nur deri Absatz, sie verteuert auch infolge der entsprechend höheren Transportkosten alle Wirtschaftsinvestitionen und die gesamte Lebenshaltung. Es hat den Anschein, als oh diesem Mangel nunmehr bald ein Ende gesetzt sein wird; denn der von der Regierung unternommene Chausseebau Tel-Awiw—Haifa soll noch dieses Jahr bis kurz vor Chedera, d. h. jedenfalls von Tel-Awi\V aus über Kfar Jedidjah geführt werden. Eine weitere Schwierigkeit der Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Kfar Jedidjah liegt in dem Menschenmaterial selbst. Es handelt sich mit geringen Ausnahmen um Menschen, die erst infolge des Umschwungs der letzten Jahre zur körperlichen Arbeit überhaupt und zur Landwirtschaff umgeschiclitct haben. Den meisten fehlt auch das zum Aufbau einer Mittdstandssiedlung erforderliche Kapital, d. h. die meisten verfugen nur über einige 100 Pfund Eigenkapital. Hinzu kommt, daß es sicii in Kfar Jedidjah nicht um eine schon vorher organisierte Gruppe handelt, welche zur An- Siedlung gekommen ist, sondern um Menschen, die mehr zufällig an diesem Siedlungspunkt Zusammenkommen. Dazu erschwert und verteuert die mir schrittweise Besetzung der Siedlerstellen naturgemäß jede kollektive Arbeit. Hier ist es wieder die Jewish Agency, d. 11. die Aht e i 1 u n g z u r Ansicdlung von Juden aus Deutschland, welche durch Gewährung von Anleihen an die Cooperative und an Einzclsiedler über eine Fülle von Schwierigkeiten hinweggeholfen hat. Ihr ist es auch zu verdanken, daß zur Schulung der mangelhaft vorgebildeten Siedler Instruktoren für die wesentlichen Betriebszweige (Kuhstall, Hiihnerstall, Gemüsebau) am Orte zur Verfügung stehen. Sie hat dadurch, daß sie den Bau von Häusern und Wirtschaftsgebäuden in eigene Regie nahm, den Siedler vor vielen Sorgen und Kosten bewahrt. Vor allem aber ist die Ansicdlung in Kfar Jedidjah dadurch erleichtert, daß der Keren K a j e m e 111 Lejisrael den Siedlern den Boden unentgeltlich und nur gegen den üblichen Erbpachtzins zur Verfügung stellt Hierdurch sparen die Siedler einen ganz erheblichen Betrag, den sie an anderen Plätzen für Bodcncrwerb aufwenden müssen. Wer das Land aus der Zeit vor der Besiedlung kennt und weiß, wie sfeppenmnßig früher sein Charakter war, der muß statinen, was in der kurzen Zeit bereits geschaffen wurde. Ein Kreis von 30 hübschen und praktischen Häusern gleichen Typs umschließt einen öffentlichen Platz, dessen Mittelpunkt von einem großen Wasserturm eingenommen wird. Schon sieht man geackerte und bestellte Felder und an den Häusern die ersten Ansätze zu Obstkulturen und Blumengärten. Von den 30 Häusern — 15 weitere Häuser sind noch zum Bau vorgesehen — steht ein Teil noch leer. Naturgemäß sind alle Siedler am Orte an einer schnellen Besetzung des gesamten Dorfes außerordentlich interessiert. Ist erst die volle Zahl der_ Siedler erreicht, so wird ein, großer Teil der bisherigen Schwierigkeiten fortfallen. Erst dann wird sich etwas über den gesellschaftlichen Charakter der Siedlung selbst, die Verwurzelung der neuen Siedler in der Landwirtschaft und überhaupt über den neuen Versuch einer Mittelstandssiedlung im Emek Chefer aussagen lassen. ״Bezalel Hecliadasch“ Jerusalem. Die Werkschule für Kunst und Handwerk unter der Leitung von Joseph Budko ist in der Lage, einer Anzahl besonders talentierter Schüler aus Deutschland unter vorteilhaften Bedingungen Studienmöglichkeiten zu eröffnen. Die Aufnahmebedingungen sind bei der Künstlerhilfc der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Berlin- Charlottcnburg 2, Kantstr. 158, Gth., zu erhalten. Radio in Programmfragen. Vor einem Jahr konnte noch feigende Anekdote aus Jerusalem auf Wahrheit beruhen: Ein Neueingewanderter will einen Konzertsaal betreten. Er wendet sich an den Programmverkäufer mit den Worten: ״Bewakascha, tafrit!“ (״Bitte eine Speisekarte!“) — worauf ihm lächelnd ein ״tochnit“ (Programm) überreicht wird. In der Tat glichen bis vor einiger Zeit die hiesigen Konzertprogramme Speisekarten. Die Vortragsfolge wurde wahllos zusammcngestcllt. Es gab keine Kriterien. Das ist seit der Eröffnung des Jerusalemer Senders anders geworden: jetzt ist die Musik nicht mehr zum Ruhme des Künstlers da, sondern der Interpret wird in den Dienst der Kunst und eines einheitlichen, zielbewußten und doch vielseitigen Programms gestellt, wie es sich gehört. Solche Erwägungen sind irr Europa längst Banalitäten — hier jedoch keinesfalls. Das zeigt auch das Eröffnungsprogramm des Huberman-Orchestcrs, das sich durchaus im Rahmen des Lieblichen hält. Bei einem derartigen Aufwand hätte man mindestens eine Mahlersinforiie erwartet! Es zeigt sich als», daß man die Voraussetzungen einer sinngemäßen Prograinm/iisammcnstellting noch einmal klären muß. Meist sind an der Gestaltung eines Kon/ertprogranims viel zu wenig Faktoren aktiv beteiligt: Der Unternehmer, der Künstler, das Publikum, die Kritik und, zuallerletzt, die aufgeführten Komponisten. Solch eine Zusammenstellung kann nur unsaubere Kompromisse ergeben. Der Interpret muß absolut autonom und der alleinige aktive Faktor bei der Progratnrnvvahl sein. Er darf sich von keinem der übrigen Faktoren bestimmen lassen — am wenigsten von seiner Gefallsucht. Der Interpret muß nicht nur Werke wählen, die ihm ״liegen“, er muß sich auch in den Dienst weniger wirkungsvoller Werke stellen können, wenn die Programmidee es fordert. Die Zeit des individualistischen Künstlers ist vorbei. Der Interpret hat Diener des Komponisten zu sein. Er hat nicht sich selber, sondern die Komposition darzustellen. Ist seine Persönlichkeit stark genug, so kommt sie um so stärker zur Erscheinung, je sachlicher er spielt. Der Erfolg, der durch effektvolle Programm wähl erreicht werden soll, ist ein durchaus imkünstlerischer Gesichtspunkt —- das wird von den Künstlern lange ni״ht genug beherzigt. Man steht hier noch viel zu sehr unter der Suggestion der Nunmernprogramme gastierender Stars. Hoffentlich wird in der kommenden Saison die Programmgestaitung der Konzerte von derjenigen des Radio lernen. Man müßte endlich wissen, daß ein Präludium nicht an den Schluß eines Konzertes gehört und daß Bach mit Hindemitli eine gute, Bach mit Chopin aber eine durchaus geschmacklose Zusammenstellung ergibt. Ebenso ergibt sich die Pflicht, jüdische Musik und moderne Autoren in zureichendem Maße aufzuführen, eigentlich von selbst. Musikalische Erwachsenenbildung. Während in den musikalischen Kindcrstunden — an denen sich Elieser Lubrani meist aktiv beteiligt — allerhand mehr oder weniger gelungene musikpädagogische Versuche unternommen werden (z. B. durch Towa Berlin, Therese Goitein, Jochebed Dostrowsky, Silvia Gelber usw,), ist an eine musikalische Erwachsenenbilching, wie sic das anspruchsvolle Musikorogramm erfordort, noch gar nicht gegangen worden. Das ist sehr bedauerlieh, zumal das Programm sich ja keineswegs nur an die in Fragen der Musik immerhin mehr oder weniger vorgebildate städtische Bevölkerung richtet. Die Programmvoransage, mit Andeutungen von Motiven, Angabe knapper Daten tisw. und die Gauserien über Orammophonplatten (Hermann Swet. Sidnev Seal) sind dafür natürlich kein Ersatz, wenn sie auch bisweilen geeignet sind, einen gewissen oberflächlichen Kontakt zwischen dem Werk und dem Pub'iktim herzustellen. Da es ohnehin der hebräischen Stunde des öfteren an interessantem theoretischen Material zu fehlen scheint, ist dieser Mangel eigentlich nicht recht zu verstehen. Mahler, Mendelssohn und Schubert auf Hebräisch. Mit mehr oder weniger großen snrachlichcn Umbiegungen, Freiheiten, mit vieler Mühe und Konzentration seitens der Ausfüllrungen läßt sich schließlich die gesamte Oesangslitcrahir ins Hebräische übertragen und oftmals erstaunlich überzeugend zur Darstellung bringen, Fs ist natürlich seltsam, wenn einem aus Mahlers Gcsellenliedern plötzlich das Wort ״Schalom!“ (als IJeberset/ung von ״Adel“) entgegentönt. Immerhin sind auch diese Texte auf Hebräisch singbar, wenn man auch oft die extrem enge Wort-Me'odie-Kommimika nn der Urlnssung schmerzlich vermißt. Imm-rhin bewä'tigte der Bariton Mexander ßodanofl diese hebräische Erstaufführung mit viel Ausdruck und stimm'i’her Zartheit und einem instinktiven Können für die Gestattung Mahlersclien Wesens, vortrefflich unterstützt durch Karl Salomons Begleitung. Margarete Czapskv hatte ihrerseits dagegen die Vorteile der vorzüglichen IJebersetzungcn S■liubcrtschcr Texte I. Livnis, durch die ihre dramatische Auffassung selten gesungener Gesänge gefördert wurde. MaiHima! hätte die Linie etwas ruhiger sein dürfen, dafür entschädigte die intelligent durchdachte und durch fühlte Gestattung. Auch Edith Boroschcks Wiedergabe einiger Lieder von Felix Mendelssohn wirkte zart und freundlich. Die hebräische Zeitung bei den «luden des Jemen Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ bringt folgenden Bericht über den Eindruck, den die palästinensischhebräische Presse im Jemen macht: Die Juden des Jemen sehen in der hebräischen Zeitung ein Anzeichen für das Nahen des Messias. Nur wenige Auscrwähltc bekommen die Zeitung, und diese verleihen sie weiter an Leute von Ansehen und Einfluß. Wer eine solche Zeitung in die Hand bekommt, glaubt, «laß er gewürdigt worden ist, etwas Heiliges zu berühren. Die Mehrzahl der Juden ist aut die Mitteilungen der Glücklichen angewiesen, die die Vorsehung begünstigt hat, und die selbst die Zeitung aus Palästina lesen durften. Man bedrängt sic immer wieder mit denselben Fragen: Was geht dort vor? Ist die Erlösung schon nahe? Was sagen die Weisen des heiligen Landes über das Kommen des Messias, und für welche Zeit haben sie es festgesetzt? Die Leser aber suchen in der Zeitung lind können keine Antwort auf diese Fragen finden. Also antworten sie in der üblichen Weise: ״Heute noch (wird der Messias kommen), wenn ihr auf Gottes Stimm« hört“. Und die Frau des Lesenden blickt auf ihren Mann, lauscht seinen Worten, und sie kann nicht länger warfen und fragt: ״Was stellt in der Zeitung von unserer Mutter Rahel und von der Höhle Maclipcla, der Klagemauer und von all unsem heiligen Vorfahren? Haben sie schon begonnen, für uns zu beten und uns den Schutz ihrer Worte zu leihen?“ Und der Mann sucht weiter in der Zeitung, findet nichts dergleichen erwähnt, und wundert sich: Sollten all diese Dinge vergessen sein? Seiner Frau aber antwortet er: Die Vorzeichen der Erlösung werden schon sichtbar, nur unsere Sünden halten sie noch zurück. -- ln Wirklichkeit versteht der Jude im Jemen das, was in der Zeitung steht, nur zum geringsten Teil. Das hat seinen Grund zum Teil im Fehlen aller sachlichen Vorkennt־ nisse, zum Teil aber auch in der veränderten hebräischen Syntax und im Einfluß ander«• ihm fremder Sprach«« auf Jerusalem Eine Rossini-Hochflut! Die Golinkin-Oper führt mitten in Sommer- und Unruhezcit die hebräisierie Oper ״Der Barhier von Sevilla“ auf. Hermann Swet widmet einen seiner ״Tolks“ Rossini. Marcel Roe (Tenor) und Jehuda Riasanzew singen ein Duett daraus vor dem Jerusalemer Sender. Das ausgezeichnete Studio-Ensemble (Ersatz für das europäische Salon-Orchester) spielt ebenfalls Rossini, und Zippora Cohen, eine jugendliche palästinensische Debütantin, singt mit einer frischen Sopranstimme eine Arie aus dem ״Barbier“. Kammerorchestermusik des 17. Jahrhunderts. Was bleibt den Dirigenten anderes iibiig? Die besten Werke für Kammer* Orchester sind im 17. Jahrhundert geschrieben worden. Mart ist schon ein wenig des Gcigcnkiangs überdrüssig, trotz wertvoller dirigentischer Leistungen und findig hervorgesuchter fast vergessener Schätze. Wenn Chanaan Eisen st ad t auch nur das kleinste und primitivste Orchester zur Verfügung hat, so klingt und schwingt es. Er hat eine ganz evidente Fingerspitzen-Suggestivität. — Eisenstadt spielte interessante Werke von Johann Bernhard Bach, Gactano Schiassi (mit Philipp Scharf als vorzüglichem Solisten) und Maurizio Cazati. Ady Daus dirigierte mit Frische und angenehmer Sachlichkcit eine Svmplionie von Philipp Emanuel Bach. Michael Taube brachte Bachs fünftes Branclenburgisches Konzert und eine schon ins 13. Jahrhundert weisende Ouvertüre von Pli. E, Erlebach. Das Konzert war repräsentativ und zeichnete sich durch große Vitalität aus — die langsamen Sätze wirkten wohl etwas zu heftig. Das Flötensolo hatte einen besonderen Reiz (William van Bla esc). Karl Salomon brachte in einem Orchesterkonzert eine Sonate für Streicher und Cembalo von J. S. Bach — in einem anderen eine Sinfonie von Salomone de Rossi und ein Werk von Oorelii. Andreas W e i ß g e r 11 e r dirigierte ein Concerto Grosso von Gcminiani, ein Yiolin-Konzcrt von Vivakii (Solistin: Hella Yamm) und ״Don (')uixote“ von Telemann. Opernsängerinnen singen Orientalisches. Ls ist durchaus anzuerkennen, wenn Künstler, die aus ganz anderer Schulung und Kultur herstammen, sich mühen, ein fremdes Kimstgebiet zu erobern. So etwas kann sielt natürlich nicht von heute auf morgen entwickeln und hat erhebliche prinzipielle Schwierigkeiten. Lvdia Lipowska, eine typische Opern-Sopranistin mit hübschem Material, hätte «in geeigneteres Debüt im R.'idio gehabt, wenn sie nicht palästinensische Lieder gewählt hotte, die besonderen Kiangstils bedürfen, der in einer g 111/ anderen Zone liegt, als die Gestaltung traditioneller Opernarien. Ganz ähnlich liegt das Prohiem bei Miriam Sc gal, die palästinensische!Jeder von S. Almau in der Art von Opernarien, also mit dem üblichen Pathos, vortrug. Das schädigt den Künstler lind läßt den Hörer unbefriedigt. Besonders, da kurze Zeit darauf Brach;1 /. c f i r a derartige Lieder so darstellte, wie es sich gehört, d. 11. wie sie natürlicherweise gesungcti werden sollen. Neue Musik. Andreas Weißgerber präsentierte als Uraufführung ״Pastorale und Tanz.“ von Karol Rathaus, ein itn unüblichen Sinne melodisches, wenn auch nicht sehr überzeugendes Werkelten (für Cello). Marcel Not1 und Jehuda Riasanzew sangen zweistimmig ein kettenförmiges Arrangement hebräischer Lieder von Erich Walter Sternberg. Die Lieder selbst werden itnbegleitet gesungen — das Klavier besorgt Einleitung, Ab- Schluß und Zusammenhang, Die formale Konstruktion wirkt reizvoll und geschlossen, neuartige Modulationen und Orgelpunkte verhelfen den Stimmen zu unaufdringlicher Plastik. Für das Studio-Ensemble wurde zum erstenmal der Versuch gemacht, einen Satz einer Mahler-Sinfonie (in einer redtizierten Besetzung) zu spielen. Es ist natürlich erfreulich, daß man hier überhaupt endlich einmal etwas von Mahler hört, nur kann sich der Musiker schlecht von der cltarakteristischen Besetzung gerade dieses Komponisten loslös eil. Außer diesen wurden in den letzten Wochen noch viele kleinere, mehr oder weniger interessante Kompositionen von Bernhard Sekles, de Fa'la, Martin!!, Janarok, Williams, Holst, Bridge, Alben!/, Ravel, Debussy, Eigar, Bax, Korngold, Tansmann, Rachmaniitoff gespielt Besonders erwähnenswert ist darunter ein Variationenwerk ober eine palästinensische I lirfetinielodie von Berthold (ioldsrhniidt, dessen kühl und klar disponierte Technik durch entsprechende Eigenschaften des ausführenden Pianisten Joseph G r 11 c 11 t 11 a I deutlich zur Geltung kamen. — Paul Frankenburger (ben (Ihaini) bewies seine starke und originelle komposiiinncSle Befähigung wieder in zwei biblischen Gesängen (FH\ Kurz). Anna 11 1 r s c h - F e 11 h c i m e r sang mit ihrer warmen Altstimme ein Orchesteriicd von Respighi, Erna Schnabel zeigte Musikalität an Lieden! von ilonnegger und .Arnold Schönhcrg (der hier zum ersten Male im Programm erschien), Arie A b i I c a 11 spielte vorzüglich zwei Klavierwerke des italienisch-jüdischen Komponisten Castclnuovo-Tedewo. Alice J a c o b - L o e \e e!1 s ת ס den Wortschatz des Hebräischen. Hier hat der ״Dawar la-ole“ (die vokalisicrte und kommentierte Ausgabe, die fur Ein- Wanderer bestimmt ist) viel Gutes gewirkt. Seit seinem FZrscheinen kommt er regelmäßig nach dem Jemen und hat dort ein lebhaftes Echo getunden, Die Bausparkasse Zcl Korati, die erste Bausparkasse Erez Israels, die in den ersten drei Halbjahren ihres Bestehens zinsfreie Bauspardarlehen in Höhe von £‘P 2b'350 zu geteilt hat und darüber hinaus ca. 120 Häuser vorfinaim'eri hat, befaßt sich in steigendem Maße mit dem Bau von Batispar- Siedlungen. Trotz der Unruhen und trotz Schwierigkeiten, einzelne Baumaterialien zu beschaffen, werden ländliche und vorstädtischc Eigenheime geschaffen. So wurden eine Anzahl Zwci-Zimmer-Häuser in Raanana gegen mäßige Anzahlung und kleine Monatsraten zur Verfügung gestellt. Ferner ist durch Vorfinanzierung eine Arbeitersiedlung in Ncss-Zionah durchgeführt worden, bei <lcr die einzelnen Arbeiter selbst ihre Häuser erbauen und nach einigen Jahren, in denen sie keine höheren Raten als die üblichen Mieten zahlen, Besitzer eigener schuldenfreier Anwesen sein werden. Jetzt ist mit einer Mittelstandssicdlung in der Stadtrandzone von Tel-Awiw begonnen worden, die landschaftlich und vcrkclirsteclmisch besonders bevorzugt liegt. Dort sollen in verschiedenen Rauabschnittcn 150 moderne Zwei-Ziminer-Häuser errichtet werden. Ein Autobus verbindet alle fünf Minuten (Fahrzeit 12 Minuten) die Siedlung mit Tel-Awiw. Mit dein ersten Bauabschnitt ist bereits begonnen worden. Bei dieser Siedlung, bei der die Häuser jeweils sofort nach Abschluß der Bausparverträge errichtet werden, beträgt die Anzahlung £P 150 und die monatliche Rate — sechs Jahre lang zahlbar — £P 5,100. Barmiiwah-Termtn. Am 3. Oktober (17. Tischri): Ernst 3 <• c 1 i ״. mann, Sohn von M. Sceligmanr.. N'aharia, Port Haifa P.ra.H. 573, (Schluß des Palästina-Teils)

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