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Jüdische Rundschau · 1936-09-22 · Heft 76 (22.9.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 76 (22.9.1936)
Date
1936-09-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76 22. IX. 1936 Zur Wirtschaftslage Presseschau Vor der Untersuehungskommlsslon Im ״Observer“ vom 20. September veröffentlicht Prof. John Garstarie einen Aufsatz unter dem Titel ״Palästina m Gefahr“, in dem er sagt, daß niemand nach der Verkündung der Balfour-Deklaration dem Wunsch der Juden, nach Palä- *tina zurückzukehren, seine Sympathie versagen konnte, daß man aber nicht übersehen konnte, daß seit mehr als 1000 lähren das arabische Volk den Boden Palästinas in Besitz hat. Die Araber brauchten zur Zeit ihrer Befreiung und auch heute noch die helfende Hand Großbritanniens; in dieser Hoffnung bewilikommneten sie die Proklamation Lord Alienbys vom November 1018 mit ihrem endgültigen Versprechen an die Völker Syriens und Palästinas, ״nationale Regierungen und Verwaltungen einzurichten, die ihre Autorität von der Initiative und der freien Wahl der eingeborenen Bevölkerungen herleiten“. Im Laufe der Entwicklung haben die Araber aber erfahren, daß ihre Forderung• nach der Schaffung einer unabhängigen nationalen Regierung als unvereinbar mit den Versprech ungen an die Juden abgelehnt wurde. Später gab die britische Verwaltung■ freimütig zu, daß es unmöglich sei, den Arabern bei einer öffentlichen Körperschaft gemäß ihrer Zahl eine Vertretung zu gewähren, weil in diesem Fall die palästinensische Regierung in bezug auf ihre anderen Verpflichtungen aus dem Mandat in eine ständige Sackgasse hineingerate» wäre. Dies war das erste Versagen britischer Zuverlässigkeit, auf die sich die Araber verlassen halten. Fine große .Schwierigkeit lag in der Zweideutigkeit des Ausdrucks ו, \״ t io״ a 1 he im". Was hatte die britische Regierung dabei im Si!<!1 und was die Juden׳' f ine autoritative Definition wurde in dem Regierungs-Statement von 1022 gegeben, wo es heißt: ״Ls handelt such nicht darum, den Linwohnern Palästinas insgesamt die jüdische Nationalität aufzuerlegen, sondern um die weitere Entwicklung der bestehenden Gemeinschaft mit Hilfe der Juden in den anderen Teilen der Welt, damit Palästina uit Zentrum werden kann, an dem das jüdische Volk als Ganzes aus. religiösen und nationalen Gründen Interesse nehmen und auf das es stolz, sein kann.“ Diese negative und positive Definition war dazu berechnet, die Araber gegen numerisdie und [Miß tische׳ IJcbermacht zu schützen. Zusammen mit den Grundsätzen, die für die Ein- Wanderung gelten (wirtschaftliche Kapazität) zeigte sie eine Politik auf, die, selbst wenn sie die Araber verärgerte, ohne ernsthafte Verletzung ihrer kochte und Freiheiten hätte durchgeführt werden können. Unterdessen jedoch wurde es klar, wie immer auch die Regierung den Begriff ״Natiunallicim“ definierte, daß die Juden ihrerseits das Recht beanspruchten, nach ihrer e i g e 11 e!! sehr verschiedenen Ausl egung zu arbeiten. Die Araber seien beunruhigt worden, ais sie die steigende Eiiiwamlenmgsilut sahen, und ökonomische Probleme hätten die allgemeine furcht vergrößert. Schon unter Lord Plumer hätte die Verwaltung die dringende Notwendigkeit für eine Beschränkung der 1 iiiwamlcmng erkannt. Prof. Garst,ing erinnerte an das Weißbuch von 1930 und die darin zugunsten der Araber enthaltenen Feststellungen. Dennoch habe trotz der politisch und ökonomisch ungünstigen Bedingungen die Regierung die Einwanderung: nicht gesperrt, so daß sie von 4075 im Jahre löll auf <11 854 im Jahre 1035 steigen konnte. Zu diesen Ziffern seien noch die illegalen Einwanderer hinzuznrechnen. Während der letzten fünf Jahre sind mehr als 100 IKK) Juden ins Land gekommen und weitere 100ITO acrcs (zirka 400 000 Dttnam) Boden von den Arabern an die Juden übergegangen. Kein Land in der Welt könnte eine solche rasche Entwicklung vertragen. Der Aufsatz schließt mit folgenden Ausführungen: ״Man stehe vor allem einem Volke gegenüber, das auf dem Höhepunkt der Verzweiflung angelangt sei, das die Ver- *nrechmtgen, an die cs geglaubt habe, annulliert sieht, seine Proteste unterdrückt, seine berechtigten Beschwerden nicht abgestellt sieht. Aber es sei in der Tat zu bemerken, daß das Mandat, wie es i<i, entweder ungerecht ist oder unausführbar; daß es nicht ein rechtliches, sondern ein politisches Dokument ist. Die Tatsachen und Zahlen lassen keinen Zweifel darüber, und obgleich sie bekannt sind, ist es wichtig, daß sic nicht mehr ignoriert weiden. Die Königliche Kommission wird wohl, wenn sie zu arbeiten beginnt, die l'rsadien der gegenwärtigen Unruhen entdecken, aber es ist das verfassungstniifüge Recht und die Pflicht der britischen Wähler, dieses Mal endgültig die Ausführung ihrer Vor- Schläge / 11 sichern und so die Grundlagen eines gerechten und dauerhaften Friedens zu legen. Noch länger die uden mit falschen 1 loffiiungeu und die Araber mit wertlosen 'crsprednmgeii zu iäusihen, wiirde der englischen Ehre unwürdig und gciehrlkh für «las Empire sei״. Was jrl/t nach aller Lrfahnmg notig ist, ist eine unzweifelhafte Wiederholung des Mandats nach britischen Auffassungen, tun es von seinen Zweideutigkeiten 711!einigen tim! von jeder Möglichkeit, den Arabern oder den Juden unrecht zu tum Prof. John i a r s t;1 n g tritt weiter in einer Zuschrift an die ״Times“ vom 18. Septlir, zusammen mit Martin Hoffen für eine jtidi-1 h-a! abisclu׳ Rmuid-Table-Konfcrcnz zwecks Erzielung eines Abkommenüber Palästina ein. Prof. Garst,ang erklärt, du-1׳- Projekt kose zusammen mit dem der Jewish Agency nalu gelegten Ycrzk 11t auf Anforderung einer neuen Finwamlermig-sdictlule die I iutfmmg auf Wiederherstellung des Friedens ztt. Für Teilung Palästinas In einem Leitartikel der Zeitschrift ״New׳ States man and Nation" wird irklart, daß es zwar wichtig sei, daß Palästina in den Händen Englands bleibe, doch müsse der Preis, der für das Land als Aktivposten des Reiches bezahlt oder das Opfer, das für es ais heiliges Vertrauens- Pfand gebracht wird, int Rahmen des Vernünftigen bleiben. Man kamt von uns nicht erwarten, heißt es in dem Artikel, daß wir in dem Lande ständig ein Armeekorps zur Niederzwingung der Araber aufrecht erhalten, wir können nicht gleichmütig einer unbegrenzten Periode passiver Resistenz, des Boykotts und gefährlicher Rückwirkungen im Ausland entgegensehen. Der Artikel gipfelt in der Forderung nach Teilung des Landes, falls die beiden Völker sich nicht sollten einigen können. Indische Mohammedaner und Palästina ln der ״Times“ vom 15. September wird aus Simla über einen Wortwechsel berichtet, der in der indischen Oesetzgehend e n Versa m tn 1 u n g zwischen dein . Leiter des Amtes für innere Angelegenheiten Sir Henry Craik und Sir Muhammad Y a k u b, einem Führer der indischen Moharnmedaiier, stattgefumlen hat. Yakub wies in einer pariamen-!arischen Anfrage die Regierung darauf hin, daß der von Großbritannien i ti Palästina geplante militarisehe Feldzug die M o s 1 i m Indiens sehr b e 11 n - ruhige, und daß die in dem Mandatsgebiet befolgte britische Politik unter ihnen eine starke Mißstimmung erzeugt habe. In seiner Erwiderung erklärte Sir Henry Craik, die Regierung Indiens sei sich bewußt, daß die palästinensischen Vorgänge für die indischen Moslim eine Quelle der Sorge *eien. Er wies darauf hin, daß das jüngst in London ausegebene Manifest klarmache, daß das einzige Ziel der ritischen Regierung die Wiederherstellung der gesetzlichen Zustände und der Ordnung in Erfüllung ihr® Pflicht als Infolge der politischen Entwicklung der Dinge in Paläsiina ist seit Monaten ein Schrumpfen des Wirts c h a f t s v o 1 u in e 11 s festzustellen, ohne daß sich bisher nähere Angaben über Art und Umfang des Rückgangs machen ließen, da mir unzulängliches Zahlenmaterial vorhanden war. Inzwischen sind von offiziellen um! privaten Institutionen die wichtigsten Gebiete unserer Wirtschaft bearbeitet worden, so daß bereits heute die A b s c h 1 u li /. a h I e n fiir das erste Halbjahr 1936 größtenteils vorliegen, was bei der bisher gewohnten Langsamkeit bei der Aufarbeitung von Statistiken in Palästina ein bemerkenswertes Novum darstellt. Von besonderem Interesse sind diese Zahlen heute deshalb, weil beinahe die Hälfte der Berichtsperiode die Zeit des Streiks einschließt und somit Rückschlüsse auf die Widerstandskraft der palästinensischen Wirtschaft zulälit. Infolge der unsicheren Verhältnisse ist zunächst ein starkes Nachlassen der Gründertätigkeit festzustellen, das sich an den vorliegenden Zahlen über Ncugründüng von Aktiengesellschaften ablesen läßt. Hiernach wurden im ersten Halbjahr 1936 nur 89 Limited Companies mit einem Kapital von insgesamt CP 505 000 gegründet, während in der gleichen Zeit des Vorjahres beinahe die doppelte Zahl ((167) mit einer mehr als vierfachen Kapifalsumme (EP 2 200 000) neu entstanden. — Bei den 89 Neugründungen sind die Gesellschaften mit einem geringen Kapital von i'P 1000 in einer Anzahl von 30 am stärksten vertreten. Bei weiteren 38 Gesellschaften rangiert das Kapital zwischen CP 100(1 und CP laÜOO, während nur 3 Gesellschaften mit CP 50 000 Kapital neu gegründet wurden. — 20 bestehende Gesellschaften erhöhten während der ersten 6 Monate d. J. ihr Kapital um insgesamt CP 480 000. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 28 Gesellschaften, die ihr Kapital um CP 1890 000 erhöhten. Was den Außenhandel betrifft, so ist bei der Einfuhr ein Rückgang um etwa 22 0/0 festzustellen, während die Ausfuhr um beinahe 30 ״־׳ gesunken ist. Sowohl als Hauptlieferant als auch als bester Kunde hat sich Großbritannien gezeigt, das seinen Anteil an der Gesamtcinfuhr Palästinas während der ersten 5 Monate 1936 noch um 2 ״> auf 19,5 0/0 (verglichen mit der gleichen Periode 1935) verbessern konnte. Der Anteil Deutschlands, das an zweiter Stelle steht, ist sogar um 3«״ auf 15,4 *1n gestiegen. Rumänien, U. S. A. und Syrien hatten ihren Anteil an der Gesamteinfuhr mit je etwa 7»/״, während Italiens Anteil infolge der Sanktionen von 2,7 ״/o auf 0,2 0,״ gesunken ist. Der palästinensische Export wurde zu 58 0/0 (gegen 65,5 0;״) von Großbritannien aufgenommen, die weitere Reihe der Abnehiner sieht Holland an zweiter, Syrien an dritter und Deutschland aa vierter Stelle. Infolge des geschrumpften Außenhandelsvolumens, der geringeren Einwanderung und Touristik sind auch die Ver- Kehrsziffern weit 11 int er denen des Vorjahres zurückgeblieben. Die für den Hafenverkehr vorliegenden Zahlen sind bisher unzureichend und lassen sich daher noch nicht mit 1935 vergleichen, besonders da der Jaffaer Hafen seit Mitte April Die Ansiedlung der Flüchtlinge aus Jaffa lieber 10000 Menschen waren in den Tagen der Unruhen gezwungen, Jaffa zu verlassen. Die meisten von ihnen gehören orientalischen Gemeinden an.!Diese Kreise haften keinerlei Berührung mit dem jüdischen Aufbauwerk. Vor! den 10 000 Flüchtlingen hat eine gewisse Anzahl in Tel-Awiw selbst Arbeit gefunden. 500 Familien oder etwa 3000 Seelen müssen außerhalb Tel-Awiws seßhaft gemacht werden. Es ist nicht möglich, sie konzentriert an einem bestimmtem Punkt unterzubringen, weil der Keren Kajemeth hierfür keine große zusammenhängende Fläche besitzt. Andererseits ist eine solche Konzentrierung auch nicht erwünscht, weil es schwer sein wiirde, für eine so große Zahl von Familien, die an einer Stelle nisammenwohnen, neue Verdienstmogllcfikciten zu finden, und schließlich auch, weil man die Flüchtlinge mit der übrigen Bevölkerung verschmelzen Will. Nach dem von den mit dieser Frage beschäftigten Instliutionen ausgearbeiteten Plan sollen die Flüchtling auf vier Zentren verteilt werden: sie kommen nach Baith w’Gan im Süden von Jaffa, an einen anderen Punkt südlich von Petach Tikwah, einen weiteren westlich von Nachlath Jehuda und schließlich in die Nahe von üan Chaim bei Kfar Saba. Alle Böden, die das Komitee erwirbt, werden an den Keren Kajemeth übergehen. Der Keren Kajemeth seinerseits wird in den Bodenervverb einen Betrag investieren, der seinem Anteil an der Aktion für konstruktive Hilfe entspricht, die jetzt im Lande zum Abschluß gelangt. Bezüglich zweier Bodenflächen wurden bereits die folgenden Beschlüsse gefaßt: 1. Nachlath Jehuda. In der Nähe dieser Siedlung am Wege von Tel-Awiw nach Rischon le Zion ist eine Fläche von 450 Dunam Dünenboden gelegen, der zur Zeit des Krieges der Kolonie Rischon ie Zion geschenkt wurde. Schon im Jahre 1920 begann der Keren Kajemeth mit der Aufforstung dieser Fläche, um eine Ausbreitung der Sauddünen zu ver- Mandatarmacht sei. Die Heimatbehörden hätten betont, wie sehr sie darauf bedacht seien, eine unparteiische Hait u n g zu bewahren und insbesondere in Beziehungen der Freundschaft und des Vertrauens zu der mohammedanischen Bevölkerung der Welt zu bleiben. Bewegung unterschätzt Der Jerusalemer Korrespondent des ״Daily Tele• graph“ schreibt, daß im ganzen Lande Spannung herrsche und ein Gefühl vier Unsicherheit und Ungewißheit sich bemerkbar mache, wie es in Palästina seit dem Kriege nicht der Fall war. Die Gesetzlosigkeit, die urspriinglich nur gegen den Zionismus gerichtet gewesen sei, habe sich nunmehr in eine Kampagne gegen die Regier u n g entwickelt und sei in eine Revolte ausgeartet. Daß diese Bewegung einen solchen Umfang und Charakter annehmen konnte, ist unschwer zu ergründen: die Bewegung wurde von Anfang an unterschätzt; die Gerichte ließen äußerste Milde walten, und anstatt eine feste Haftung zu zeigen, hat die Verwaltung mit den Führern Verhandlungen geführt. All dies führte die Araber zu dem Glauben, daß trotz amtlicher Erklärungen gegenteiligen Inhalts nur fortgesetzter Widerstand eine Erfüllung der arabischen Forderungen ermöglichen könne, ״Eine salomonische Aufgabe'* Ein Abgchen von ihrem bisherigen a nt monistischen Standpunkt läßt die ״Daily Mail“ in ihrem Leitartikel vom 14. September erkennen.' Die Regierung, erklärt die Zeitung, habe recht mit ihrem drastischen Vorgehen. Auf alle Fälle werde nach Wiederherstellung der Ordnung das Grund• Drob lern, auf da» die wiederholten Unruhen der letzten geschlossen ist. Es ist anzunehmen, daß der Gesamtgüter• Umschlag in den palästinensischen Häfen um etwa 25 0/0 nachgelassen hat. Bei der Eisenbahn ist die beförderte Gütermenge während der ersten 5 Monate um 25,3 Vo (gegenüber Januar/Mai 1935) zurückgegangen, während die Einnahmen aus Güterverkehr 19 »0 und aus Personenverkehr 15 0/0 hinter denen der gleichen Vorjahrsperiode zurückliegen. Der Tau* ristenverkehr, der im ersten Halbjahr 1935 zirka 57 000 Per• sonen nach Palästina brachte, ist um mehr als 40 ״/o in den ersten 6 Monaten d. J. gefallen, d. h. auf zirka 34000 Be• sucher, wobei zu berücksichtigen ist, daß die durchschnitt• liehe Aufenthaltsdauer weit unter der des Vorjahres liegen dürfte. Ein starker Rückgang ist auch auf dem Baumarkt zu verzeichnen, und zwar nicht nur auf Grund der unsicheren Zukunftsaussichten, sondern auch auf Grund der Schwierigkeiten bei der Baumaterialienbeschaffung seit Ausbruch der Unruhen. Während im ersten Halbjahr 1935 die neu errichtete Fläche in Tel-Awiw 237 000 qm betrug, liegt diese Zahl in den ersten 6 Monaten d.J. mit nur 139 000 qm um 41 0/0 niedriger, ln Haifa beträgt der Rückgang etwas über 36 0/0, während Jerusalem mit einer Steigerung um etwa 12 0/0 eine Ausnahme bildet. Die im Z u s a m m e n h a n g mit dem Baugewerbe stehenden Industrien haben einen entsprechenden Rückgang zu verzeichnen, und es sind nicht nur stärkere Produktionseinschränkungen, sondern auch Schließungen größerer Betriebe vorgekommen. — Die Frage der Finanzierung kleinerer und mittlerer Industrien ist jetzt wieder in den Vordergrund getreten. Wenn angenommen wird, daß eine Gesamtsumme von etwa £P 750000 der palästinensischen Industrie als Bankkredite zur Verfügung gestellt sind, während die Anzahl der in der Industrie beschäftigten Arbeiter zirka 30 000 beträgt, so ergibt sich daraus, daß die Versorgung mit In• dustriekrediten unzureichend ist. Die verstärkte Tätigkeit der Gesellschaft für Öffentliche Arbeiten, der liidustriebank und des neu geschaffenen Hilfsfonds soll sowohl diesen Schwierigkeiten Abhilfe schaffen, als auch freiwerdende Arbeitskräfte absorbieren helfen. Im Gegensatz zu den rückläufigen Bewegungen au! fast allen Märkten steht das Fortsc 11 reiten der Inten 81• vierung der Landwirtschaft, die auf allen Gebieten eine starke Produktionssteigerung erfahren hat. Eine Kennziffer hierfür ist der Verbrauch von elektrischem Strom zum Antrieb von Bewässerungsanlagen, der in den ersten vier Monaten d. J. um 79 0/0 (gegenüber Januar bis April 1935) gestiegen ist, und auch während der Unruhemonate nicht absank. -- Geflügelfarmen und Gemüsebau zeigen weiter zunehmende Produktionsmengen, doch liegen hierfür genaue Ziffern noch nicht vor. — Die Aussichten fiir die kommende Zitruscrnte sind besser als in der vergangenen Saison, in der nur 5 896 000 Kisten (gegenüber 7 283 000 im Jahre 1934/35) exportiert wurden, während für die kommende Saison mit 8 bis 9 Millionen Kisten gerechnet wird. Dr. Ernst Aschnef, Haifa hindern. Diese Arbeit gab dem KKL das Recht, von der palästinensischen Regierung das Besitzrecht an diesem Boden zu verlangen. Dieser Bodenkomplex wird nunmehr endgültig auf den Namen des KKL eingetragen. Der gesamte Boden fet für städtische Besiedlung bestimmt, für Wohn- und Industrieviertel. Er grenzt an die äußersten Stadtviertel von Tel-Awiw (Sch’chunatn Moledetb). Von dieser Fläche stellt der KKL ca. 120 Duuain 200 bis 250 Flüchtlingsfamilien für Wohnzwecke zur Verfügung. Nahe diesem Boden, nach der Meeresseife hin, stellt die neue Silikat-Ziegelfabrik, die das Baumaterial liefern wird. Ein Haus wird schätzungsweise auf £P 75 zu stehen kommen, und die Flüchtlinge müssen als Miete insgesamt ein halbes Pfund monatlich zahlen, d.h. weniger als für ihre früheren Wohnungen in den Jaffaer Qäßchen. Ein Teil der Flüchtlinge wird beim Bau der Häuser byschäftigt werden, ein Teil wird Arbeit in den umliegenden Pardessim bekommen. Viele Familien werden sich durch Arbeit in Tel-Awiw ernähren können, denn der neue Siedlungspunkt wird durch eine direkte Straße mit der Stadt verbunden sein. Es sei erwähnt, daß die Silikat-Fabrik schon eine Straßen- Verbindung zur Chaussee Tel-Awiw Rischon le Zion besitzt. Mit den Nivellierungs- und Wegebauarbeilen wurde bereits begonnen. Der Keren Kajemeth beteiligt sich daran mit £P 2500. II. I);1 s 7 w e i t c A n s i c d I u 11 g s g c bi e t für die Flüchtlinge liegt zwischen Kfar Saba und Gan Chaim. Hier erwirbt der Keren Kajemeth von arabischen Grundbesitzen! etwa 350 Dunam. Davon werden 150 Dunam für Flüchtlinge bereitgestellt. 200 Dunam sollen nach einem Abkommen mit der Abteilung der Jewish Agency für Errichtung von Wohnhäusern für Einwanderer aus Deutschland Vervvendüng finden. 100 Flüchtlinge werden hier ie 1(3 Dunam er• halten, was zur Errichtung einer kleinen Hilfswirtschaft für Lohnarbeiter, die in den zahlreichen Orangenpflanzungen der Umgehung Arbeit finden können, genügt. fff. Der dritte Bodenkomplev liegt südlich von Petach Tikwah. Dort werden etwa 70 Dunam für die Ansiedlung der Jaffaer Flüchtlinge vorhanden sein. 16 Jahre in Palästina zurüekzufüliren seien, weiterhin sein® Lösung harren. Auf Grund des Mandats ist England die unmögliche Aufgabe gestellt worden, Selbstverwaltung in Palästina zu entwickeln und gleichzeitig ein Nationalheim für die Juden zu errichten. Während die Araber befürchten, daß zionistische Einwanderung großen Stils den Juden Vor- Herrschaft geben wird, erklären die Juden, daß Selbstverwaltung arabisches Ucbcrgewicht in der Gesetzgebung bö• deuten würde. Diese unvereinbaren Gesichtspunkte miteinander zu versöhnen, ist die der englischen Regierung gestellte salomonische Aufgabe. Der Prozeß des Ausgleichs schließt die Gefahr von Rückwirkungen außerhalb Palästinas in sich. Die Situation erfordert eine höchst heikle Behandlung. _ Den Juden und den Arabern in gleicher Werse Gerechtigkeit zu verschaffen, wiirde in der Tat einen Triumph bedeuten. Kurse palästinensischer Papiere. Am 15, September hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tcl-AwiW folgende Kurse Allgemeine Hypothekenbank 5 »/oige Pfandbrlefe 38/55, 97 •'oige Pfandbriefe 34/54, 102(4 ״«lge kum. Vorzugsaktien 104(4, gewöhnliche Inhaberaktien 1061/», P.L. D. C״ gewöhnliche Inhaberaktien, 98*4 «oige kum. Vorzug«• aktien 93 <•:», Keren Kajemeth LejIsrael 2»/! «oige Pfandbrief« 65, Blzur Ltd. 6 0/oige Pfandbriefe 99. Geh. Kommerzienrat Berthold Manasse, jetzt in Tel- Awiw, ist vom Government of Palestine zum ״Public Auditor“ ernannt worden. Diese Tätigkeit entspricht etwa der de• öffentlich bestellten Wirtschaftsprüfers.

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