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Jüdische Rundschau · 1936-09-22 · Heft 76 (22.9.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 76 (22.9.1936)
Date
1936-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76, 22. IX. 1936 Ausschreitungen in Polen Juden in der Röntgenologie Zum Wiener Röntgeaologen-Kongreß Von unserem Wiener Korrespondenten Wien, im September 1936 Der bekannte Wiener jüdische Röntgenologe Primarius Dr. J. Borak, der als Primarius die Röntgenabteilung des Spitals der Jüdischen Gemeinde leitet und auf dem I. Röntgenologen-Kongrcif der österreichischen Röntgcnologen-Oeseli- Schaft mit einem viel beachteten Vortrag über eine wicht i g e Neuerung bei der rüntgentherapeutisehen K r c bs 1) e h a 11 d 1 u n g hervorgetreten ist, — Dr. Borak führte auch mehrere Kranke vor, die durch seine Bestrahlungsimlluxk• seit Jahren von ihrem Krebsleiden geheilt sind —, hatte die Freundlichkeit, über die Anteilnahme jüdischer Röntgenologen auf dem eben beendeten I. österrcichisehen Röntgenologen-Kongreli interessante Mitteilungen zu machen. Die Wiener Röntgenschule, die in dem vor 3 Jahren als Pionier der Wissenschaft tragisch verstorbenen Röntgenologen Guido U o I 7 k 11 echt ihren Begründer verehrt, kann auf eine überaus große Zahl jüdischer Vertreter hinweisen, die als Mitarbeiter und Schüler Holzknechts an der Fortentwickln!!״ dieser jüngsten medizinischen Wissenschaft, an ihrem großen Aufstieg bis zu der Anerkennung als selbständige medizinische Disziplin hervorragendsten Anteil haben. Der Nichtjude I iol/knecht fragte bei der Bestellung und Auswahl seiner Mitarbeiter nie nach Herkunft oder Abstammung. I Itd wie Hol/knccht vielen jüdischen Aer/ten die Möglichkeit zu weiterer Forschungsarbeit gab, so erhielt auch Holzknecht selber viele geistige Anregungen durch Juden. Auch die Zahl der jüdischen Opfer, die die Röntgenologen als Tribut für die neuen Erkenntnis■;!- zahlen mußte״, ist groß. A Mein i 11 W i e n sind unter den bedeutendsten Röntgen forschem, die ihr Suchen nach der segnenden Hilfe der geheimnisvollen strahlen mit dem l eben bezahlen mußten, die Juden 1־ r e u 11 11 (in Palästina verstorben), Dohan und P o r <1 e s zu nennen. Pin vor kurzem in Hamburg zur Aufstellung gelangtes Denkmal f 11 r die!(>() Opfer der R ח ס t g e t! ״s t r;1 11 I e n aus saiiitlit lien!.andern enthält auch die N a m e 11 d e r j 11 d 1 s c h e n IM o n 1 e r e, darunter die der jüdische!! Opfer in Deutschland, wie l.rw-ßorii aus Berlin, ferner f >r. Drei f 11 s aus Italien, I )r. Bacher aus der Tselu akei -,1. a. in. Die bedeut ende Rolle der jüdischen Röntgenologen W i e n s, aber auch anderer!.ander, wie vor allem Ungarns mul der 1 s c 11 e c 11 o s 1 n vr a k e i, kam an dem vom Bundes- Präsidenten .Mihlas eröffneten I. österreichischen R ö ti t g e 11 o I n g e ״ - K <> n g r e II in Wien, der eben geschlossen winde, zum Ausdruck. Besonders zahlreiche jüdische Vertreter der Wiener Röiitgcnsehnle traten ei 11 reh Vortrage, Referate und I )ent<mstrntionsvoif 1111 rtmgeii hervor. Der Altme ist er (Ist Mi teuer Rot11״c:1M׳hiile, Professor Dr. Leopold Freund, der Schöpfer der Röntgentherapie, hielt den Festv o r t r a g über 10״ [ a h r e R ö 1! t g c n o I o g i e in Oesterreich“. I )er Präsident der ״Ocsterreichischen Röntgen-Gesellschalt“, die diesen ersten Kongreß ein berufen hat, der hekannte Wiener Röntgenologe l)r. Kienböck, ist zwar selbst Nichtjude, aber mütterlicherseits jüdischer A h s t a m - mutig; Vizepräsident der Gesellschaft ist der jüdische Röntgcnologe Professor Dr. Gotfwakl Schwarz, der mit einem Hauptvortrag über die Entwicklung der Prinzipien der Bestrahlungstcchnik hervorgetreten ist. Geber Fragen der Röntgen- Therapie referierten noch die jüdischen Röntgenologen' Dr. S c h 1 o ß, Dr. (j o I <1 h ה m m e r, Dr. Deutschberger (sämtliche Wien), dann Dr. Ullmann (früher Deutschland, jetzt Konstantinopel), Professor Palmieri (Bologna) lind I)r. It/kowitsch (Haifa). Letzterer ii herb rächte die Grüße der palästinensischen Röntgenologen dem Kongreß, aut dem Palästina durch drei weitere Röntgenologen vertreten war, und berichtete über die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Wiener Rönfgenschiile und Palästina. Mit großem Interesse nahm der Kongreß auch die diagnostischen Referate mehrerer jüdischer Röntgenologen auf. Hier wetteiferten in interessanten und erkenntnisreichen Mitteilungen die Wiener Professoren S g;1 I i t / e r, der Dozent Fleische r, L e n k, Fisler und W a I d a p f e I, die alle über Themen der Röntgendiagnostik sprachen. Insbesondere aufschlußreich waren die Ausführungen Sgalit/ers über seme grundlegenden Frgebnisse bei < 1ef,1׳ B-t ä'kraitktmgen, Fleischers bei lungenkrankbeiten. Von ausw:1 rtigen jüdischen Röntgenologen sind in erster Linie noch die Röntgenologen II erzog aus Mährisch-Ostrau \m SAtMANL SCHHIUR ■Autorisierte Ueberselzung von Grete Fischer 9. Forlurtiungr N.cMrudt verbot« Pandre besann sieh, daß er wirklich hungrig war, steckte Meri unter die Deeken, ging die Hände waschen, zog einen riesigen Topf voll Bohnen aus der Röhre, holte einen hölzernen Löffel aus dem Kasten und ein Laib Brot und hockte sich ans Tischende und schlang mit Appetit. Ein junger Hengst an seinem Hafersack hätte Pandre um Beinen Appetit und um seine Zähne beneiden können. Meri lag und hörte mit Vergnügen dem Knuspern des Brotes zu und wie «1er Holzlöffel sieh tiefer und tiefer in den Bohnenberg grub. ״Zehn Milchbreis geh ich für so was!“ sagte Pandre und schluckte weiter. Sein Gesicht, war rot vor Vergnügen, und seine grauen Augen strahlten befriedigt. Sein Löffel schallte an den Wänden, des Topfes mit einem dumpfen Ton, dröhnender, je leerer der Topf wurde. Meri bekam schließlich Lust, selber zu kosten. Sic war schwanger und gelüstig. Sie drehte sich gegen die Wand, ober sie konnte sich nicht beherrschen. Schließlich sagte sie ein bißchen verlegen: ״Noah! Gib mir auch ein bissei, wenn hoch was übrig ist!“ Pandre lief schnell an ihr Bett, mit einem Haufen Bohnen auf einem Teller. ״Da, da, mein kleines Kabriolett! Ich hab fast aufgegessen, ich Vieh verdammtes!“ ״Schäm dich, so auf meinen Mann zu schimpfen“, sagt« Meri und kostete die kallgcwordcncn, säuerlichen Bohnen. Ihre Lust verging sofort. Danach wie Pandre schlang, hatte sie gemeint, es müßte paradiesisch schmecken. Sie würgte drei, vier Bohnen hinunter, ihm zuliebe, und schob den Teller weg. ״Schon genug?“ fragte Pandre erstaunt. ,,Davon willst du dick werden’“ /'•her Meri schob den Teller mit angeckcltem Gesicht zur Seite. Ihr wäre Übel, sagte sie, und er sollte sie in Ruhe Warschau, 15. September. (JTA.) In einer Reihe polnischer Kleinstädte ist es zu schweren juden feindliehen Unruhe 11 gekommen, bei denen zahlreiche jüdisciie Händler von nationaldemokratischen Exzedenteu verwund et wurden. In Wysokie Mazowiecki nahmen die Ausschrefhingen pogromartigen Charakter an. Anläßlich des Markttages wurden die jüdischen Händler überfallen, die Läden geplündert und die Waren vernichtet. Später durchzogen Exzedenten die Straßen, zertrümmerten die Fenster der jüdischen Geschäfte und Häuser und griffen die jüdisehen Passanten an. fm Verlaufe der Ausschreitungen, die bis in die späten Abendstunden andauerten, wurden über fünfzig Juden verwundet. Sechs von ihnen, Mosche Oidak und Chaim Brukarz, zwei jüdische Kaufleute aus Lomza und Nehemia Friedmann aus Radzymin wurden in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Die gesamte jüdische Bevölkerung des Städtchens Ist von Panik erfaßt. Alle jüdischen Geschäfte sind geschlossen, die jüdischen Einwohner wagen nicht, sich auf der Straße zu zeigen. Man befürchtet weitere Ausschreitungen, w׳eil in dem N'achbarstädtchen S o k o 1 y zu dem dortigen Markttag viele hunderte Bauern versammelt sind, die infolge nationaldemokratischer Verhetzung sich in einem Zustand hoher Erregung befinden. Das Hilfskomitee der Warschauer jüdischen Gemeinde hat nach Wysokie Mazowiecki eine Abordnung entsandt, um die Lage zu untersuchen und Bericht über die notwendigen Hilfsmaßnahmen zu erstatten. Auch der jüdische Parlamentsklub hat die Entsendung einer Kommission beschlossen. In einem amtlichen Bericht aus Bialystok wird bestätigt, daß die Ausschreitungen in Wysokie Mazowiecki zu den schwersten der letzten Zeit gehörten. Schuldig an den Ausschreitungen ist nach diesem Bericht eine Gruppe Isnger Bauern, die der Nationaldemokratischen Partei angelören. Diese Bande begann um 4.50 Uhr nachmittags gleichzeitig von verschiedenen Stellen der Stadt aus ihre Angriffe gegen die Juden, lieber 300 Fensterscheiben wurden zertrunimert, vier Juden und ein Priester wurden durch Steinwürfe verwundet. Um 6.30 Uhr abends traf Polizei ein, die den Unruhen ein Ende machte. Sechs jugendliche Nationaldemokraten wurden verhaftet. Audi in Pultusk haben die Nationaldemokraten den Markttag dazu benutzt, judenfeindlicfie Unruhen hervorzurufen. Neun Juden wurden mißhandelt, mehrere wurden gezwungen, ihre Läden zu schließen. Eine Abordnung der Jüdisehen Gemeinde hat die Entsendung stärkerer Polizeiabfeilungen in die Stadt verlangt. in Przvtyk wurden in der Nacht die Fenster vieler jüdischer Häuser cingeworfen. Die Behörden haben die Abnaltung von Märkten in Przvtyk für die nächsten Wochen verboten. Judenfeindliche Exzesse ereigneten sich auch m Wilna. Die Fenster vieler jüdischer Häuser und Geschäfte wurden zertrümmert, ein jüdischer Passant, Abraham Kahan, winde verwundet. In Lodz wird von den Nationaldemokraten anläßlich der bevorstehenden Gemeindcwahlen eine erbitterte antisemitische Kampagne geführt. Vor das Büro der Wizo-Ortsgruppe, das sich in demselben Hause wie ein Parteilokal der Nationaldemokraten befindet, ist eine Bombe gelegt worden, die von der Polizei rechtzeitig entfernt werden konnte. Die seit längerer Zeit in dem Städtchen Ti kt in im Kreise Bialysfok getriebene judenfeindliche Hetze hat zu schweren Ausschreitungen an dem letzten Markttag geführt. Eine Gruppe von hundert Jugendlichen blockierte die jiidisclien Stände und verhinderte den Zutritt von Käufern. Mehrere Juden, unter ihnen der 70jährige Schammes der Chewra Kadischa, Selig Oibsmann, wurden schwer mißzu nennen, darin Dr. Polgar und Dr. Haas aus Budapest, die ebenfalls mit bemerkenswerten Vorträgen hervortraten, sowie Prof. Her!־heiser und Dozent Altschul aus Prag. Schließlich ist auch noch der Wiener jüdische Ingenieur S. St rau.ss, einer der Mitschöpfer der Radiotechnik, zu erwähnen, dem die Schaffung eines Röntgendosiermessers zu danken ist, das die genaue Messung der Röntgenstrahlen ermöglich!■, was für die Behandlung von großer Wichtigkeit ist. lassen- 011״“, sagte Pandre. der anfing zu begreifen, ״und wie geht es denn deinem Füllchen?“ Meri drehte sich zur Wand. ״Geh weg! Geh lieber beten!“ Pandre ging gehorsam an seinen Platz znrück, aß auf, was Meri übriggelassen hatte, und ließ kein Bröckelten mif dem feiler, nachdem er den ganzen Topf voll Bohnen und einen halben Laib Brot gegessen hatte. F.r rieb sich die Hände, die vom Frost und der harten Arbeit schwielig und verkrustet waren. Es klang, wie wenn man eine Gurke mit einem stumpfen Küchenmesser schält. Und seine Sättigkeil sprach aus ihm einen Lobgesang noch vor dem Beten: ״Dank Gott, schön gegessen!“ * Pandre murmelte vor sich hin. Er sprach den Segen. Aber die Wärme in der Stube, die Nähe der Frau und seine gute Verdauung durchrieselten seinen ausgefrorenen, gewaltigen Körper mit einem Strom von Schläfrigkeit. Er war müde wie ein Pferd, das den ganzen Tag geackert hat, und 80 nickte er nm Tische ein, den Kopf auf den Armen, schon nach den ersten M orten des Spruchs. F.r lag und schnarchte und träumte, daß er führe. Das Pferd sprang. Er träumte große Töpfe voll Milchbrei und Meris weiße Schultern. Und mitten drin schrie Meri in den süßen Traum: ״Noah! Noah! Hör auf zu liefen und leg dich schlafen!" Meris Stimme. Noah raffte sich auf und murmelte weiter, ״Um. Ilm. Für den Boden und für die Nahrung...“ Aber er karn nicht weiter. Er summte ein bißchen und nickte wieder ein. Ein großer Topf voll fetter Bohnen kroch aus seiner Kutsche. Meri und er safien einander gegenüber, im bloßen Ilemd, den Topf zwischen sich und große Holzlöffel in der Hand. Sie aßen und lachten. Er nahm einen Löffel voll, und dann nahm sie einen Löffel voll, und dazwischen kitzelte er sie mit dem Faß. Aber das mochte sie nicht und schrie: ״Noah! Noah! Bist du verrückt, am Tisch zu schlafen! Komm und zieh dich aus!“ ״He?“ sagte Noah, erwachend. Fir gab sich große Mühe, den Kopf aufrecht zu halten. Niemand sollte ihn vom Weg abbringen, von seinen Pflich• ten, wie einen blinden Gaul. Er wußte genau, daß er den Segen sprechen sollte. Also rief er zu Meri hinüber: ״GJeich! — Für den Boden und für die Nahrung...“ ״Noah, geh schlafen!“ Er konnte nicht begreifen, wieso der Tischsegen so lang war. Es war wie verhext. Er konnte nicht aus den Sielen, Er sehnte sich nach dem warmen Federbett, und das Dankgebet hielt ihn fest wie ein schweres Kummet. — Los, mein handelt. Oibsmann ist später seinen Verletzungen erlegen. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Auf den Warschauer Hauptstraßen Nowyswiat und Aleje Ujazdowskie versuchten Gruppen von Nationaldemokratcn judenfeindliche Kundgebungen zu veranstalten. Mehrere jüdische Passanten wurden mißhandelt. Polizei griff ein und verhaftete dreißig Nationaldemokratcn. Die polizeiliehe Untersuchung wurde gegen sie eingeleitet. Das polnische Unterrichtsministerium hat Mitteilungen über wiederholte judenfeindliche Ausschreitungen an der Universität L e m b e r g erhalten. Nach einem Ucbcrfall nationaldemokratischer Studenten auf jüdische mußte der Student Samuel Rottraub schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Eine Untersuchung wurde eingeleilet. Verurteilte Exzedenten Warschau, 14. September. (JTA.) Vor einiger Zeit wurde die Dorfhändlerin Beile Rosenberg, als sie mit ihrem Warenpack von einem Dorf bei Minsk-Mazowicck in die Stadt ging, von einem Mann angefallen und schwer mißhandelt. Dieser Tage erkannte die Frau den Tater in Minsk- Mazowicck auf der Straße und veranlaßt« seine Verhaftung. Es stellte sich heraus, daß es sich um ein durch Beteiligung an Judenexzessen bekanntes Individium handelte. In der Gorichtsverhandlung erklärte der Staatsanwalt, der Täter verdiene eine schwere Strafe, da durch solche Exzesse der gute Ruf Polens im Ausland leide. Nach kurzer Beratung verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu drei Jahren Gefängnis und Verhüt der bürgerlichen Ehrenrechte für sechs Jahre. Das Gericht in Radom hat einen gewissen Roman Lcncki, der in Przvtyk die jüdischen Einwohner Abraham Ackermann und Abraham Zucker überfallen und mißhandelt hatte, zu einem Monat Gef ä n g n i s verurteilt. Wladislaw Karaczynski wurde wegen Zertrümmerung von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Przvtyk zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Gericht in Wlodzimierzec hat 14 jüdische Einwohner freigesprochen, die wegen Teilnahme an dem am 30. Juni abgehaltenen jüdischen Proteststreik gegen das vom Radomcr Kreisgericht in dem Prozeß verhängte Urteil wegen des Pogroms in Przvtyk angeklagt worden waren. Die Anklage lautete aut Beleidigung des Gerichts. Durch das Urteil wtircie im Gegensatz zur Anklagehehauptimg festgestellt, daß die Proklamierung lind Durchführung des Streiks keine gesetzwidrige Handlung war. Da in letzter Zeit in Warschau wiederholt antisemitische und staatsfeindliche Lieder durch Hof- und Straßensänger gesungen wurden, ist eine Verordnung erlassen worden, derzufolge Straßensänger, die künftig solche Lieder singen sollten, zu verhaften sind. Es dürfen nur solche Lieder gesungen werden, die die Zensur passiert haben. Die jüdischen Gemeinde wahlen in Polen Warschau, 10. September. (JTA.) Uebcr den Ausgang der am 6. September in Polen durchgefiilirten jüdischen Gemeindewahlen liegen folgende weitere Meldüngen vor: In Sosnowice erhielt der orthodoxe Block 7 Mandate, in K a I i c z erhielten die Aguda 6, der zionistische Block und die Chassidim je 3, die Poale Zion 2 und der Bund 1 Mandat. In Tarnow entfielen auf den zionistisch-niisracbistischen Block 8 Mandate, auf den Bund und die Aguda je 4, auf die Handwerker 2 und auf den Unabhängigen religiösen Block 1 Mandat. In Lomza erhielt die Aguda 6 Mandate, der Bund 4, die Zionisten und die Poale Zion je eines. In Orodno wurden dem Bund 6, den Poale Zion und der Aguda je 2 Mandate und den Zionisten 1 Mandat zugesprochen. In Suvvalki haben die Zionisten 5, die Misrachisten 2, die Handwerker und der Bund ebenfalls je 2, die Unabhängigen, die Revisionisten und die Parteilosen je 1 Mandat errungen. In Siedlice sind auf die Aguda 4, auf den Bund und die Zionisten je 3, auf die Linksparteien 2 Mandate und auf den Misrachi 1 Mandat entfallen. Der von der Mandatskommission angeforderte Ergärizungsbericht über Palästina und die dortigen Unruhen wird der Kommission von dem britischen Minister für die Dominions, Malcolm Mac Donald, vorgelegt. Junge! Hast dich vollgefres&eri, und beten willst du nicht? Gibt’s nicht! So ist es richtig, sagte Pandre schläfrig zu sich selber. Mußt beten. ״Noah! Noah!! Bim bam. Bim bam!“ W as war das? Die Glocken läuteten. Meri war auf einmal eine Glocke geworden. Sie wuchs und wuchs. Sie überwuchs ihn. Natürlich, sie war ja schwanger. — F,r mußte zu Bette gehen. Er mußte sich auskleiden. Aber warum schüttelten sie ihn denn? ״Noah! Noah!“ Offenbar sollte Pandre heute nicht zur Ruhe kommen, nach einem so schweren Tag in der Kälte. Denn kaum hatte er wieder angefangen, den Tischsegen zu murmeln, sah er Meri neben sich stehen, im Hemde, mit erschrockenem Gesicht, und sie riß ihn an den Armen. Und plötzlich kam auch der Schwiegervater Sender hereingelaufen, in Unterliosen und das Käppchen auf dem Kopf. Und draußen auf der Straße läuteten die Kirchenglocken. Pandre kam schwankend auf die Beine. Eine Weile taumelte er wie ein Betrunkener. Im nächsten Augenblick war er hellwach. ״Meri! Vater! Was ist los?“ ״Wir konnten dich nicht wachkriegen“, sagt« Meri. ״Siehst du nich(, daß es brennt? Schau hinaus!“ Durch die gefrorenen Fensterscheiben sah man eine böse Flamme. Sie wuchs und wuchs und breitete sich aus wie eine giftige Rose. Die Kirchenglocken klingelten traurig weiter, und die rote Glut wurde immer größer. Als ob eins das andere nährte. Pandre stürzte in die Küche und holte die Axt unter der Bank hervor. Es war seine Feuerwehraxt. Denn Pandre gehörte zur freiwilligen Feuerwehr, er war einer der besten Kletterer, die sie hatte. Er kletterte auf brennende Dächer, hölzerne Treppen hinauf. Mit einem Axthieb konnte er eine brennende Wand niederlegen, Läden und Türen cinschlagen, »o leicht, wie man einen geräucherten Hering abpellt. Wenn Pandre auf den Ilrandplatz kam, war Asehkenasi, der Lehrer Brandmeister, schon erleichtert und kommandierte »eine Leute mit mehr Schwung. Meri sank das Herz, als sie Pandre mit der Feuerwehraxt in der Hand sah. Warum mußte er wieder hinausrennen? Er war so müde, 80 abgearbeitet, und es war 80 spät. ״Bleib da, Noah“, bat sie zitternd. ״Ich fürchte mich! Bleib zu Haus!“ ״Das geht doch nicht“, sagte Noah. Er legte die Axt weg, hob die halbnackte Frau wie ein Bündel M atte, steckte sie wieder ins Bett und deckte sie gut zu.

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