Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 76 (22.9.1936)
- Date
- 1936-09-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 76, 22. IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Blick nach Uebersce Jüdisches Leben in Chile Von unserem Berichterstatter Santiago, Anfang September Die Gesamtzahl der in Chile lebenden Juden kann mit 12000 bezeichnet werden. Mit dem Einsetzen größerer Ein- Wanderung aus Europa vor ca. 70--SO Jahren kamen auch die ersten Juden ins Land, doch steht fest, daß viele der bekanntesten chilenischen Familien von spanischen Juden abstammen. Der erste chilenische Historiker Benjamin Vicuna Mackcnna hat diese Feststellung in seinen Werken gemacht, und es ist bei dieser Gelegenheit^ interessant, zu erwähnen, daß eine der einflußreichsten Familien Chiles mit Namen Eyzaguirre den Beinamen Herzl führt. Ein Verwandter dieser Familie, der vor einigen Jahren verstorbene Erzbischof von Santiago, Monsignore Crescente Errdzuriz, hatte in seinem Arbeitszimmer ein Bild Theodor Hcrzls, so daß anzunehmen ist, daß irgendwelche, wenn auch noch so entfernte verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Theodor Herzl und dieser chilenischen Familie bestehen. Die Juden Chiles sind z.ttm größten Teil in Industrie und Handel tätig. Eine Anzahl hat sich akademischen Berufen?!!gewandt, und vereinzelt sind auch jüdische Offiziere im Heer und bei der Polizei anzutreffen. Die Juden Chiles haben sich durch ihren Fleiß und ihre Rechtschaffenheit die Achtung der Chilenen erworben, so daß Juden verantwortungsvollste Posten inne haben. Es soli erwähnt werden, daß der frühere chilenische Geschäftsträger in Washington und jetzige Chef der Diplomatischen Abteilung im Außenministerium Benianiin Cohen Jude ist. Herr Cohen ist vor einigen Tagen von König Leopold von Belgien mit dem Koininandeurkreuz seines Ordens ausgezeichnet worden. Die erste weibliche Rechtsanwäitin Chiles, Frl. Leibovitz, ist ebenfalls Jüdin. Dr. Israel Drapkin, dessen Bruder hier Zuelithausdirektor ist, bereist als Regierungsdelegierter zusammen mit einer beiischcn wissenschaftlichen Gesellschaft die Osterinsel, um die eprakrankheit zu studieren und war wiederholt Chiles offiziellcr Delegierter auf medizinischen Kongressen in Europa. So könnte man noch eine ganze Reihe jüdischer Personlichkeiten auffüliren, die sich um das Land verdient gemacht haben, doch würde das im Rahmen dieses Artikels zu weit führen. Einwanderuagimöglichkeiteo Wer nach Chile ein wandern will, bat allerdings, soweit .es sich um Akademiker handelt, wenig Aussichten, da es fast ausgeschlossen ist, daß ein Ausländer hier nochmals sein Examen ablegen kann, um die Berechtigung zur Berufsausiibung zu erwirken. Die diesbezüglichen Vorschriften und Verbote werden sehr streng durchgeführt, da es eine große Anzahl chilenischer Akademiker gibt, die wegen Ueberfütlung der Berufe nichts verdienen. Die Auswanderungslustigen in Deutschland machen sich von Chile leider oft ein falsches Bild. Chile, dessen Flächeninhalt anderthalbmal so groß ist wie Deutschland bei einer Einwohnerzahl von etwas über vier Millionen, kann nur solche Menschen aufnehmen, die einen Beruf ausiiben, der für Chile paßt. Handwerker wi*it kleinem Kapital sowie Berufslandwirte dürflen die günstigsten Aussichten haben. Für K a u f I eu t e o h n e Mittel ist es sehr schwer, hier unferztikommen, da der Arbeitsmarkt überfüllt ist. Man muß sich vergegenwärtigen, daß Chile niemals eine Unmenge von mittellosen Kaufleuten aufnehmen kann, und auch Kaufleute mit Kapital müssen sich klar darüber sein, daß bei etwaigen Neugründungen industrieller Unternehmungen der Absatz mir beschränkt sein kann, weil von den vier Millionen Einwohnern ein großer Prozentsatz als Konsumenten überhaupt nicht in Frage kommen. Immerhin sollten Kaufleute mit Kapital den Auswanderungsschritt schon eher wagen. Leider wird von den Auswanderungshistigen die Tatsache oft nicht berücksichtigt, daß der chilenische Peso seit 1912 auf den vierten Teil seines früheren Wertes gefallen ist, während die Vordienstmögiiehkeiten nur die gleichen sind wie vor der Ent- Wertung der chilenischen Wahrung. Bei dieser Gelegenheit sollen einige Vergleichsziffern des Statistischen Amts des Internationalen Arbeitsbüros in Genf angeführt werden. Die Preise (1935) für Lebensmittel sind im Vergleich mit 1929 um 80 ס״• gestiegen, für Kleidung um 220 ס״ und für Licht und Heizung um 135 0״. Lediglich die Mietspreise liegen unverändert. Dazu ist zu sagen, daß die Statistik 1935 anfgestellt wurde und heute alles mindestens um weitere 50 0״ im Preise gestiegen ist. Es sollte also nur der nach Chile auswandern, der diesen Tatsachen Rechnung trägt und einen der Berufe ausübt, für die das Land aufnahmefähig ist. Nebenbei bemerkt wird die in der jüdischen Presse oft erwähnte Projektierung einer Masscncinwanderung nach Ecuador hier sehr skep- ׳tisch aufgenommen. Als Kenner südamerikanischer Verhältnisse kann man sagen, daß die klimatischen Bedingungen in Ekuador sehr schlecht sind. Auch ist cs noch sehr unklar, wie man in Ekuador für Masseneinwanderung Lebensmöglichkeiten schaffen will. Juden aus Deutschland Die Juden aus Deutschland haben sich hier zu einem ״Geineindcbund deutsch sprechender Jude n“ zusammcngesehlossen, der auch die Betreuung der neu ins Land Gekommenen übernommen hat und diese Arbeit zusarnmen mit dem Komitee der H i a s, dessen Präsident Dr. Mauricio Weinstein und Geschäftsführer Herr Leon Diamand ganz vorbildlich wirkten, in mustergültiger Weise durchführt. Der Gemeindchund veranstaltet regelmäßig Vorträge, Konzerte, gesellige Zusammenkünfte und richtet Gottesdienste nach dem in Deutschland üblichen Ritus ein. Die Gemeinde der sephardischen Juden hat dem Gemeindebund ihre Räume zur Verfügung gestellt, und von den Veranstaltungen der letzten Zeit war besonders ein Vortragsabend über das Thema ״Einblick in die jüdische Presse" interessant, bei welcher Gelegenheit E>r. Josef Mir sch her g (früherer Leiter der ZOG. in Glatz) eine aus Nachrichten der ,,Rundschau“ sehr geschickt zusammengestellte Darstellung der Palästina-Ereignisse gab, während Benno Kiwi über ״jüdisches Leben in Deutschland“ und Walter Wolf über ״jüdische Presse in Chile“ interessante Vorträge hielten. Fast alle weiblichen Mitglieder des Gemcindcbnndcs wurden Mitglieder der ״Wizo“, und die jüdischen Einwanderer aus Deutschland beteiligen sich sehr aktiv an allen zionistischen Aktionen. Bei dieser Gelegenheit »oll nicht unerwähnt bleiben, daß die letzte Keren-Kajemcth- Aktion den dreifachen Ertrag der vorherigen Sammlung ergab. Der Besuch von Dr. Arthur Runpin in Chile hat sehr dazu beigetragen, das zionistische Leben zu aktivieren, ebenso auch die Propaganda des Kcreri-Hajessod-Delegicrten M. G r e i v e r. Kunst Es gibt in Chile eine ganze Anzahl jüdischer Kiinst-! e r, die zu einer wertvollen Bereicherung des Musiklebens in Chile beitragen. Theo Buchwald ist der Dirigent des Symphonieorchesters und wurde letzthin zu einem Konzert nach Lima (Peru) anläßlich des Staatsbesuches des Präsidenten von Kolumbien in der Nachbarrepublik eingeladen. Vielleicht der beste Violinist Chiles ist der in Deutschland ausgebildetc Victor T e v a 11, der ebenso wie die Violinisten Z h e r n i a k und Enrique Klein mann, Jude ist. Rebeca Chechiln i t z k i ist eine bekannte Pianistin, und von den in letzter Zeit eingewanderten Juden muß der Pianist Paul Freund (früher Saarbrücken) erwähnt werden, der auch im Gemeindeblind ein Konzert gab, das mit einem vollen Erfolg für ihn endete. (m vergangenen Jahre gaben Mischa Elmar, und Jascha H e i f e t z hier Konzerte, während in letzter Zeit der Violinist Joseph Szigetti und der Cellist Emanuel Feuermann Chile besuchten. Diese Künstler haben hier beispiellose Erfolge gehabt und wurden auch vom Präsidenten der Republik, Arturo Alcssandri, empfangen. In seinem Abschiedskonzert spielte Emanuel Eeuermann im voll besetzten größten Theater Santiagos Kol Nidre meisterhaft, wofür ihm die Zuhörer mit riesigem Beifall dankten. In diesen Tagen wird das berühmte K o I i s c h - Q u a r t ett aus New York erwartet, das im Augenblick im größten Theater Südamerikas, dem Teatro Colon in Buenos Aires, konzertiert. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß in Chile ein reges jüdisches Leben herrscht. Hierzu trägt auch der vor zwei Jalut-n hauptsächlich von jüdischen Einwanderern aus Deutschland ins Leben gerufene Makkabi in hohem Maße bei. Wenn sich der Verfasser dieser Beschreibung auch nur auf die Hauptstadt Chiles, Santiago, beschränken kann, in der übrigens 90 ״<, aller jüdischen Einwanderer aus Deutschland sich niedergelassen haben, so sind die jüdischen Ge• meinden auch in den Provinzen nicht müßig; nur ist die Verbindung mit ihnen von Santiago aus durch die großer! Entfernungen lose. Uebrigens ist man damit beschäftigt, die in Santiago existierenden 15 jüdischen Organisationen zu einer Dachorganisation ziisammenzufassen, und es würde sieh sehr vorteilhaft auswirken, wenn diesen Bestrebungen ein Erfolg bcschieden wäre. Von den nächsten Veranstaltungen ist besonders den zionistische Landeskongreß zu erwähnen, der vorn 18. bis 20. September in Santiago stattfindet. H.G, Emwanderungsscliwierigkeiten in Brasilien Von unserem Berichterstatter Sao Paulo, 16. September Die von den brasilianischen Polizeibehörden in den letzten Tagen getroffenen Maßnahmen gegen die Touristen-Emigrafion haben in den Reihen der jüdischen Emigranten aus Deutschland ein starkes Unsicher• Iicitsgefühl hervorgerufen. Obwohl es den Anschein haf, als ob die polizeilichen Vernehmungen in den letzten Tagen an Intensität abnehmen, besteht doch weiter die Gefahr, daß es zu einer Anzahl von Ausweisungen kommen wird, Die hiesigen Hilfsstellen sind in aufopferungsvollster Weise bemüht, diese Dinge zu ordnen. Es ist zu hoffen, daß durch diese Bemühungen das Schlimmste verhütet wird. * Als Gast der brasilianischen Bundesregierung weilte der Dichter Stefan Zweig mehrere Tage in Rio de Janeiro und Sao Paulo und war in beiden Städten der Gegenstand geradezu fürstlicher Ehrungen. In einer von der Staatsakademie veranstalteten Festsitzung sprach der Dichter über das Thema: ״Geist und Universum“. Der Präsident der Republik empfing Stefan Zweig in einer längeren Sonderaudienz, die gesamte brasilianische Presse brachte an Hervorragender Stelle lange Abhandlungen, in denen der Dichter und sein Werk gewürdigt wurden. Es ist bezeichnend, daß das Judesein des Dichters nirgends Erwähnung fand. * Schon im vorigen Jahre waren zu den hohen Feiertagen von der ״Sociedade Israelita Paulista“ Gottesdienste veranstaltet worden. Auch zu den diesjährigen Festtagen werden sich die Angehörigen dieser Vereinigung, die sich imitier deutlicher zum Grundstock einer selbständigen deutschsprachigen Gemeinde entwickelt, zur Abhaltung von Gottesdiensten zusammenfinden. Die Andachten werden diesmal ihr besonderes Gepräge durch die Teilnahme des in ciiesen Tagen eingewanderten früheren Heidelberger Bezirksrabbiners erhalten. _ H. B, Die Rechtslage aus Deutschland Ausgewanderter Prag, 13. September. (JTA.) Das tschcchoslowakische Nationalkomitee, die Spitzenorganisation aller in der Tschechoslowakei arbeitenden Stellen für Auswand e r e r f ii r s o r g e, hat ein Memorandum ausgearbeitet, das der Septemberfagung des Völkerbundes vorgelegt werden soll. In dem Memorandum wird insbesondere die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der privaten Fürsorge mit den amtlichen Stellen hervorgehoben. Unter Hinweis auf die Nürnberger Gesetze wird die Gleichstellung der Answanderer aus Deutschland mit den Staatenlosen verlangt. Den in den Asylländern Neugeborenen soll das ins soli (Erwerb der Staatsangehörigkeit des Geburtslandes) eingeräumt werden. Unter den sozialen Forderungen steht die nach arbeits- und sozialrechtlicher Gleichstellung des Auswanderers mit den Burgern des Gastlandes an der Spitze. Als Sofortmaßnähme wird die Notwendigkeit staatlicher Subventionierung der Fürsorge betont. Die vorzugsweise Erteilung von Arbeitscrlaubnissen an Jugendliche wird als besonders dringlich bezeichnet. Das Memorandum wird sämtlichen Delegationen des Völkerbundes übergeben werden. Verschärfung־ der südafrikanischen Einwanderungsbestimmungen Die ״Frankfurter Zeitung‘‘ vom 19, September veröffentlicht einen Bericht aus Johannes b u rg,dcr sich mit der Verschärfung der südafrikanischen Einwanderung bcschäftigt. Danach ist die tan Wanderung in die Südafrikanische Union ab 1. November nur noch denjenigen erlaubt, die einen gewissen Bar bet rag niitbri ngen. Das bisher gültige System, das an Stelle eines mitzuführenden Rarbetrages die Ochernähme einer Garantie in gleicher Flühe durch einen Südafrikaniseheri Bürger erlaubte, ist abgeschafft. Am 31. August wurden sämtliche Einwanderungsbehördeii der Union vom Innenministerium in Pretoria angewiesen, die Annahme solcher Garantien zu verweigern, und wenige Tage später wurden die neuen Bestimmungen veröffentlicht, die, wie betont w ird, für Einwanderer aus allen nicht unter die besonderen Quotahcstimmungcn fallenden Ländern gelten, auch für solche, die aus Großbrifannien kommen. Ein׳ Angehörige derjenigen östlichen europäischen Länder, für die eine Einwanderungsqiiota seinerzeit geschaffen wurde, bestehen ohnehin schärfere Bestimmungen, wie hoch der Barbetrag sein soll, den der Einwanderer aus qiiotafreien Staaten künftighin mitbringen soll, ist nicht gesagt, vielmehr soll die E ת t s c h e i d u n g darüber, was jm Eüi/elfnil als angemessen zu betrachten ist, dem jeweiligen Einwanderungshe a ni t e n ausdrücklich u b erlassen werden. Schon angenommene Garantien sind mir dann gültig, wenn der Einwandernde, zu dessen Gunsten sic übernommen wurden, bis zum 1. November das Gebiet der Union betritt; wer später kommt, fällt unter die Neuregelung. Diese neuen Bestimmungen müssen in der Praxis zu einer Drosselung der Ein Wanderung aus denjenigen Ländern führen, die Devisenbcschiänkiingen haben. Bisher gaben sich die siidafrikanischen EimvaiulcrungsbUiorden mit HK) Pfund je Person zufrieden, die entweder vorzu/eigen waren oder den Garantiebetrag aiisinachen mußten, so daß auch jedeir Mittellose emwandern konnte, wenn er nur jemand hat 1c, der dem Staat dafür bürgte, daß der Einwanderer nicht den Behörden zur East fiel. Da das Sestern der Bürgschaften insbesondere auch für jüdische F. i n w anderer aus I) e 11 t s c h 1 a n d vielfach angewandt wurde, bedeutet diese Neuregelung eine erhebliehe Erschwerung auch dieser Immigration. Auswanderungsfragen Demnächst wird ein neues hiformationsheft des Hilfs- Vereins über Auswaiiderungsfragen erscheinen, das in hesonders eingehender Form die Auswandcriingshcdingungen nach Südamerika behandelt. Aus diesem Anlaß gab der Hilfsverein einige Mitteilungen bekannt, die für die jüdische Oeffentlichkeit von Wichtigkeit sind, Anhaltspunkte für die Lenkung des Wanderungsstroms sein und irrtümliche Auffassungen beseitigen sollen. Unter den AuswanderungsUindem ist der siidamerilc a n i s c h e Kontinent im Augenblick immernoch der aussichtsreichste. Leider entspricht der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit eines Landes nicht immer die Praxis der Einwandcrungsgcsetzgcbiing. So ist Brasilien beispielsweise wirtschaftlich gesellen eins der aussichtsreichsten Länder, eine Industrie wächst dort auf und ungeahnte Möglichkeiten bieten sieh einem großen Kreis. Demgegenüber ist die Einwanderung nach Brasilien faktisch fast lmniögüch oder jedenfalls nur mit großem Kapital zu vollziehen. Die Lebenshedingungen in Brasilien sind sehr gute, mau kann bereits mit 3000—4000 Mark sich eine selbständige Existenz aufbauen. •Hetezl~due$e 1A0 Edmund Meyer, Berlin V5Ö, Bnmberjfer Str. 61. PoM'.rhrex : 815 ״ יי׳ס Ein großes Problem sind dort die Umschiehticr, die sich nicht immer bewährt haben, andererseits aber immer noch egenüber den eingeborenen Handwerkern in gewissem Maße onkurrenzfähig sind. Eine besondere Gefahr ist Proletarisierung, die sehr leicht vor allem den zahlreichen Kaufleuten droht, die ohne Sprachkenntnissc ins Land gekommen sind. Eine weitere Gefahr liegt darin, daß zahlreiche Ein- Wanderer dem Judentum verloren zu gehen drohen, indem sie Mischehen eingehen. Das Problem der Praticnau-Wanderung ist darum gerade auch für jene Länder akut, in denen Juden aus äußeren Gründen keine sehr starke Verbindung mit dem Judentum haben. Nach Argentinien sind bisher etwa 4000 Juden eitigewandert (nach einer neuerlichen Schätzung des I lillsvereins deutschsprecliender Juden in Argentinien), Das land ist vorwiegend ein Agrarland und industriell kaum mehr entwichlungsfähig. Die Eingewanderten haben allerdings vorwiegend Fuß gefaßt. Auch das Ecuador-Projekt faucht immer wieder auf; die Stellung des Hilfsvereins dazu ist, daß vielleicht für Einzelpcrsonen irgendwelche Möglichkeiten in Ecuador bestehen, daß aber eine Massensiedlting nicht durchführbar ist. Chile ist für unbemittelte Menschen so gut wie gesperrt. Bolivien und Paraguay wünschen keine jüdische Einwanderung. Ebenso ist U r 11 gu a y ein Land ohne besondere Ziiknnfismöglichkeiten. Aber eine Hoffnung gibt es in Südamerika: Columbien. Dieses Land befindet sieh in einer aufsfeigenden Ent- Wicklung. Es ist reich an Bodenschätzen und bietet fas( jedem Beruf Entfaltungsmöglichkeiten. Etwa 2000 Juden haben dort bereits ihr Domizil aufgeschlagen; alle dorthin Gegangenen sind untergekommen. Das Vorzcigegcld beträgt mir '270 RM. Besonders selbständige Unternehmer und 1 landwerk er werden sich dort einordnen können. Auch politisch sind die Verhältnisse beständig; klimatisch allerdings ist das Land sehr schwierig, und nur gesunde Menschen werden den Anforderungen entsprechen. Alle Einzelheiten über wirtschaftliche und kulturelle Fragen der verschiedenen Stände wird die erwähnte Publikation des Hilfsvereins enthalten. Es sei auch nochmals auf die Forderung hingewiesen, daß niemand nach Südamerika auswandern möge, ohne die jeweilige Landessprache zu beherrschen; auch die Kenntnis des Englischen ist von großer Bedeutung. Solidarität mit Erez Jisrael heißt Opfer bringen Spenden für neuen Boden in Erez Jisrael an den _Keren Kajemeth Lejisrael, Berlin, Postscheckkonto 282 47