Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 74-75 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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2 KINDER-RUNDSCHAU Nr. 17 Am Riisttag von Rosch Haschanaii Chanoch hörte von seinem Vater, daß am Rüsttag des Rosch Haschanah die Juden einander jede Beleidigung und Kränkung verzeihen. An diesem Tag bat sein Vater alle seine Bekannten um Verzeihung. Chanceh dachte: ״Mein Vater hat doch niemandem etwas Böses getan, und trotzdem bittet er jeden um Verzeihung — und ich? Ich zankte mich das ganze Jahr hindurch mit meinen Freunden und ärgerte sie immerfort — wie kann ich denn nicht um Vergebung bitten? Wenn sie mir heute nicht vergeben werden, dann wird es mir nie vergeben, so sprach der Vater.“ Chanoch begann alle Streitigkeiten aufzuzählen, an denen er beteiligt war. Wieviele waren es? Sicher haben seine Freunde das alles vergessen und werden ihn auslachen, wenn er sie jetzt daran erinnert. Er seinerseits verzeiht allen Kindern das ihm zugefügte Unrecht. Aber einige schwere Sünden lasten auf ihm, und um diese muß er um Verzeihung bitten. Er geht zuallererst in die Küche. Dort bleibt er an der Tür stehen. Seine Mutter ist mit den Vorbereitungen zum Festtage beschäftigt und sieht ihn zuerst nicht, dann bemerkt sie ihn auf einmal..., — ״Was willst du, hast du Hunger?“ fragt sie. Chanoch kann kein Wort hervorbringen. ״Warum schweigst du? Bist du krank? Tut dir etwas weh?“ ״Nein, Mutti.“ ״Warum bist du denn in die Küche gekommen? Geh spielen. Oder vielleicht willst du die Hühner füttern oder etwas im Garten arbeiten?“ Chanoch faßt Mut und flüstert: ״Mutti, Ich werde das alles tun. Aber .... du weißt, heute ist Erew Rosch Haschanah, und ich kam, um Verzeihung zu bitten.“ ״Um Verzeihung? Was hast du denn gesündigt?“ ״Erinnerst du dich, Mutti? Einmal, gegen Abend, als du Kopfschmerzen hattest, batest du mich, die Hühner in den Stall zu treiben und die Tür zuzuschließen. Ich versprach es dir, aber als ich hinausging, sah ich meine Freunde radfahren. Ich schloß mich ihnen an und vergaß die Hühner. Am nächsten Morgen fand man fünf Küken tot. Damals erzählte ich es nicht, aber jetzt gestehe ich es ein und. bitte dich: Verzeih mir.“ Chanoch brach m Tränen aus. Die Mutter küßte ihn und sprach gerührt: ״Ich habe dir verziehen, mein Junge, und auch alles andere.“ Jetzt geht Chanoch in den Pferdestall, sich nach dem Füllen ״Dali“ zu erkundigen. ln einer Ecke des Stalles steht das Füllen, das auf einem Bein hinkt Vor drei Wochen ist es erst geboren. Chanoch prahlte vor den Freunden aus der .Klasse über das Füllen, und sie kamen alle es anzusehen, und wollten auf ihm reiten. Chanoch wies sie zuerst ab, aber willigte dar.n ein und versuchte selbst, als erster auf ihm zu reiten. Kaum hat er sich gesetzt, da fiel das Pferd und brach ein Bein. Armes Dali! Es sieht Chanoch kommen und springt auf ihn zu. Chanoch streichelt seinen Kopf und flüstert ihm ins Ohr: ״Schlecht habe ich an dir gehandelt, mein Liebes. Bitte, verzeih mir doch. Von nun an werde ich dich wie meinen Augapfel hüten.“ Und Dali antwortet ihm, indem es seine Hände leckt: ״Ich habe dir verziehen.“ Chanoch geht in den Garten. Dort findet er seinen Freund Amichaj. Amichaj ist der fleißigste Schüler in der Kksre. Er kann schön lesen, Aufsätze schreiben, schwere Rechenaufgaben lösen. Der Lehrer lobt ihn immer, und die Schüler beneiden ihn. Aber Amichaj ist gar nicht stolz. Der Arme ist bucklig. Alle Kinder haben Amichaj gern und zanken sich nicht mit ihm. Eines Tages ließ der Lehrer etwas auswendig lernen. Keiner bereitete die Aufgabe vor außer Amichaj. Chanoch, sein Nachbar, versuchte das Gedicht aufzusagen, blieb aber gleich stecken.... Alle Kinder brachen in Lachen aus, und auch Amichaj war darunter. Chanoch merkte es und rief voll Wut: ״Buckel!« Alle Gesichter wurden dunkel.... Das Lachen hörte auf, und alle Augen wandten sich zu Chanoch und Amichaj, der in Tränen ausbrach.... ״Amichaj, erinnerst du dich? Ich habe dich gekränkt, damals in der Schule.... Und jetzt bereue ich. Es tut mir schrecklich leid. Vergib mir, Amichaj....« ״Ich verzeihe dir und habe schon längst vergessen. Aergere dich nicht, ich habe dir verziehen!“ Den ganzen Tag arbeitete Chanoch fleißig, fütterte die Hühner, begoß die Obstbäume und jätete 1m Garten. Gegen Abend badete er, zog seinen Festanzug an und war froh. Alle haben ihm seine Sünden verziehen. Hebräisch von Jacob Halperin; übersetzt von F, R. Der Fisch und der Schneider Während der römischen Herrschaft in Palästina gab es eine große Kolonie von Juden in Rom. Innerhalb der jüdisehen Niederlassung lebte ein Schneider, der alle jüdischen Bräuche streng beobachtete. Am Rüsttag des Jom Kippurim ging der arme Schneider auf den Markt, um einen Fisch zu kaufen, Zu gleicher Zeit schickte der Statthalter Roms sei» Ben Diener, Fische zu kaufen. Auf dem Markte herrschte damals Knappheit an Fischen. Es war nur noch e i n großer Fisch zum Verkauf da, alles andere war ausverkauft. Nun standen beide vor dem Fischstand, der arme jüdische Schneider und der Diener des Statthalters einander gegenüber. Jeder suchte durch Ueberbieten des Preises den Gegner zu verdrängen. So trieben sie den Preis immer weiter in die Höhe, bis der arme Schneider den Preis von 12 Dinaren bot, der selbst dem Diener des mächtigen Statthalters zu hoch erschien. Er nahm Abstand von dem Kauf und kehrte nach Hause zurück, ohne den Auftrag seines Herrn auszuführen. So erstand der einfache Schneider, der sein ganzes Vermögen opferte, um einen jüdischen Brauch zu erfüllen, den Fisch. Dabei war er sich bewußt, daß er sich dem Zorn des Gebieters aussetzte. Und wirklich, als der Statthalter seinen Diener ohne Fische nach Hause kommen sah und erfahren hatte, wer ihm den Kauf strittig gemacht hatte, geriet er in Zorn und ließ sofort den Schneider kommen. Er sprach zu ihm: ״Wie kommt es, daß du dir erlaubst, einen Fisch für 12 Dinare zu essen? Du hast wohl geheime Schätze?« — ״Mein Herr«, sprach der Schneider, ״ich bin nicht reich und habe für den Fisch alles gegeben, was ich besitze und was ich mit großer Mühe zusammen gespart habe, aber wir Juden haben einen Tag, an dem uns alle Sünden, die wir im Laufe des Jahres begangen haben, vergeben werden. Und wenn dieser Tag kommt, müssen wir ihn ehren«. Die Worte des Schneiders gefielen dem Statthalter, und er entließ ihn in Frieden. Wie belohnte aber der Ewige den Schneider? Als er nach Hause kam und den Fisch aufmachte, fand er darin eine Perle und konnte sein ganzes Leben lang sorglos leben. Aus Beresclüt Raba. — Uebr. von D. i. Bornstein in ״Giijonoth“; Heft 3. — Verlag Rubin Maß, Berlin. mC^IOGQ״ Zahlenr&isel In jedes der Kästchen ist eine der Zahlen von 1 bis 9 zu setzen, so daß die Zahlen von oben nach unten, von rechts nach links und schräg gelesen immer 15 ergeben. Isi Zierler <8 J.), Berlin x Auflösung des Buchstaben-Rätsels aus der Kinde r-Rundschau Nr. 16 1. Tel Chai; 2. Rischon le Zion; 3. U; 4. Merchawia; 5. Petacli Tikwah; 6. Erez Israel; 1. Ludd; 8. Degania; 9. Or; 10. Rechobot Trumpeldor Das schönste Geschenk zu Rosch Haschanah und allen anderen Gelegenheiten: LAND DER JUGEND / Das Buch derKinder-Rundschau In Halbleinen gebunden — 112 Seiten — 79 Textabbildungen mit mehrfarbigen! Titelbild Preis nur RH 2,85