Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 74-75 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 Jüdische Rundschau Nr. 74/75, 16. »X. 1936 wie in ״Faust“, ״Aida“ und ״Rigolctto“ und kann reich werden. Ich muH hinzufügen, daß er im Vorbeten ein wahrer Künstler ist. Ich glaube kaum, daß es noch einen gibt, mit solchem Temperament, das so enthusiastische Begeisterung bei den Zuhörern erweckt. Diesen Schabbat werde ich niemals vergessen.“ Folgt ein Name, ohne Adresse. in dieser Art ließen sich noch Dutzende ״religiöse Inserate" zitieren. Sie sind in den Augen des hiesigen Lesers sicherlich merkwürdig, aber doch nicht merkwürdiger als die Aeußerungsformen des religiösen Lebens in Amerika überhatipt, wo ja die Zeitung und das Inserat eine wesentlich andere Rolle spielen als bei uns. H. Pater Coughlin gegen den Vorwurf des Antisemitismus Chicago, im September. (]TA.) In der ״Social Justicc“, dem Organ Pater Charles E. Coughlins, wird in Abrede gestellt, dali der Radiopriester von Detroit Antisemit sei. Iss wird darauf hingewiesen, daß Pater Coughlins Angriffe auf die ״Geldwechsler“ sich nicht auf Juden allein beschränkt hatten, sondern auch gegen hervorragende Katholiken und Protestanten gerichtet gewesen seien. Es gäbe keine Judeiifrage in den Vereinigten Staaten, so wird in dem Artikel weiter ausgeführt, wenn gewisse furchtsame Juden aufhören würden, den Einbrecher unter dem Bett zu suchen, und wenn manche andere Bürger jüdischer Rasse mutig genug wären, den unsozialen Juden ebenso wie den unsozialen Christen öffentlich zu verurteilen, da beide den armen Juden und den armen Christen die ganze Geschichte der menschliehen Zivilisation hindurch ausgebeutet haben. Wenn solche heimtückische Propaganda von Juden der Unterschicht zum Schaden der Juden der besseren Klassen, die zahlreicher sind als jene, fortgesetzt wird, darf man gewiß sein, daß der Nationaiverbaiiii für soziale (iereehtigkeit (die Organisation Pater Conghlin■;) und die tausende Juden, die ihm angehören, nicht müßig bleiben «•■״■■!די׳ Griechische negierung und Juden Saloniki, 12. September. (JTA.) Auf einem Bankett, das die Leitung der Intern a tionalcn Messe von Saloniki /u Ihren des Diadovhen von Griechenland, Prinz Paul, und des griechischen Ministerpräsidenten Metaxas veranstalicte, stellte dieser auf eine Frage mit allem Nachdruck fest, daß die in letzter Zeit verbreiteten Meldungen über ein angeblich antisemitisches Programm der griechischen Regierung uii/utreffend seien. ״Uh Fan Midier'', sagte Ministerpräsident Metaxas, ״das diejenigen gneehodien Juden, denen diese phantastischen Nachriehten zu Ohren gekommen sind, über sie gelacht haben. Sie kennen mich gut und wissen aus meiner ganzen Vergangen heit, daß sie mit mir bei der Verteidigung ihrer Rechte bei ieder (iclegeiiheit rechnen können. Ebenso wie aut mich können die Juden auch auf die ganze nationale Regierung zählen, eieren Programm es ist, jede Unterscheidung zwischen den Bürgern, falls eine solche vorhanden sein sollte, unabhängig von ihrer Rassen- oder Religionszugehörigkeit nun Verschwinden zu bringen. Der Zionistische Gruppenveroand Mitteldeutschland veranstaltet eine Versammlungsaktion in der Zelt vom 20. September bis Oktober mit dem Thema ״Im Kampf um das Jüdische Nationalheim“. Folgendes Programm ist aufgestellt: 20. Sept. in Altenburg: Erich Cohn (Bernburg); 21. Sept. in Plauen: Prediger Gunsberg (Plauen); 22. Sept. in Aschersleben׳ Kurt Goldmann (Leipzig); 2'3. Sept. in Dresden: Dr. L. Lehrfreund (Leipzig): 23. Sept. in Köthen: Kurt Goldmann (Leipzig); 23. Sept. in Zittau: R.-A. Alfred Moser (Leipzig); 21. Sept. ווו Dessau: R.-A. Alfred Moser (Leipzig); 27. Sept. in Halle: Rabh. Dr. Max Nußbaum (Berlin); 27. Sept. in Meiningen: Prediger Fritz Cohn (Gera); 23. Sept. in Erfurt: Rabb. Dr. Max Nußbaum (Berlin); 28. Sept. in Halberstadt: Dr. L. Lehrfreund (Leipzig); 28. Sept. in Wcißenfels: R.-A. Altred .Moser (!.einzig); 28. Sept. in Gotha: Prediger Fritz Cohn (Cicra); 2<). Sept. in Chemnitz: Prediger Fritz Cohn (Fiera); 20. Sept. in Magdeburg: Rabb. Dr. Max Nußbaum (Berlin); '3. Okt. in Eisenach: Dr. Hans Capell (Berlin); 3. Okt. in Schmalkalden: Kurt Goldmann (Leipzig): 3. Okt. in Suhl1 ־ )r. Norbert Mmiehin (Leipzig); 3. Okt. in Zwickau: Hans Postier (Leipzig): 5. Okt. in Bernbiirg: Hans Posner (Leipzig); 5. < >kt. in Bleieherode: Kurt Gokimann (Leipzig); 5. Okt. in Mühlhausen: Dr. Norbert Mmiehin (Leipzig); 5. Okt. in N'ordhatiM-11: Dr. Hans Capell (Berlin). ,Jewish Morning Journal‘: Inseratenseite (Zu dem Artikel ״SynagöKcnreklamc4‘ auf Seite 9) jrtftm wwwnto 30nmjtc--1 s■»*»ווpi. ״uta Rccrtr »4, mr אן א־בעי׳אשתנ פאר וי* אירע; פו; דהדזת igjp למםמותד■ #r*a *רדפ 1?6r געז?אמאד שדידשד«דימן עריאס נאב^דצע׳ ים לפניכם חזן ח ייטראל בריא דפאליק נאלדירענער )!'”ייאנג. עדת ימורזז' ח מרדכי ברוקס 14 צ ע עוועדו אץ 52בע משה׳לע לענמשיץ. א בשור־ טובה *א• »•cs פיעטבועו מעיודמו ויד. 4?:. 5:1203 ז3?ז פפרס, גרתיז . דאלינעי יבי-ר׳ ישכר בער רובץ סיפ^י״ז ל־1ט0יוי יומ*!V1 ייזזוז »•־••פא: «nu* p •- חיזיי. «»:'8 וי•,•* תפארת“'הצראל" בעגכאנהדרסם ד ממגרעגיישאו שומרי אמזני? 14מע ע־זעגיו או; 52מע סמרים, בארא פאי־ר" ברוקי•; הרבר׳'יצחר)צב;"וראלבערג ®1. שד PS *־ ד:: טווחן ד שמחה לאנהאוו הרב המון ר *נרחם תהה שסמי כאנג. «סי ספרד. *V כיע* םמד*פ. ברדקליז א שליח ציבור,האס איי כדר. ו 1ךכצכ פאי־ פרעמבויש •אשון רציוז^ופייעצנדש.. חזן שיינוואלד 1ידו־" יאס דש:,־, ויום בוו r אפיריאן מקנאי, 6 י8?Bir •י—- חיברו אלייענם שבת שבעדבין אליל, אויגדסט 15 ש• הלסוו מורה הכוח«שי 5דן * נד י*וז י ן8ידו8?דן:~ «״• ודד־; א*־עז* ■א־; 1M3 קאני אי-לעגי עוועג־ז, אנודת אחים כני• יעקב חזן פייסעלע נעודד־ץ רע-:••ע־ שצער; rc דעו המ״מע־ דע לס!!! ע$מ. דזשואיש 5ע::ד 6וו מגי *"מגו אח תרסוד תז־־ד. מחזיר,* רדת. דדב י׳-ך׳ עזלסד. םמ1עכאן :ר*מס דושמדש ס5נ5ער- '*איס רעבונא *מ י״ז :א, 380 ניז לאמס עחעניו, ברוקיץ זורה כובד. זו א״ע א־דז תלמי V ב־1 סין ו פ־־ו־עז 5 כ־ז 8)] חזן מרדכי לייב מריינער ולא קם בישראל כ?ןשה חזן ומננן צו אלע ב־יררדינע* אייתן בכלל או; צו אלע-אידע« פי! איסש פ״עמכיש כס־־־ט ט.־ י.«ד*־ ■יי״מי־ס »«י סר״הווו »« ׳:“6;יי»י£ ra «•־:חי s:us. ■ jישיבת ר׳ מאיר ■שמחה הבהן ־ cc rt63 cc*k. *•: משדרפ׳ש זק" כרוקלץ Autorisierte L'ebersetzung von Grete Fischer 8, Fonsetmitjf Nachdruck verboten Meri hörte ihn un, ohno auch nur zu. lächeln, und sagte: ״Ich — dich heiraten? Weiter nichts?“ Und sie wandte sieh kurz, um, warf den Zopf nach hinten und sagte ganz, ruhig, aber ohne Stimmkraft, und gar nicht stolz, fast murmelnd: ״Nicht erlelien sollst du’s!“ Und dann rannte sie ins Haus und schmetterte die Tür Ins Schloß, als wollte sie ihr© Worte bekräftigen: ״Das erlebst du nicht!1‘ IV. Noah wurden die Knio weich, und er sank mitten in der Remise auf einen Haufen Sattelzeug. F.r wischte sieh das Blut von der Nase. Sein Auge tränte, und ihm war zum Ersticken. Nun war es aus mit ihm. Aus mit Pandre. Wie ein verprügelter Schuljunge kam er sieh vor, der nicht schluchzen will. Wie lange er so dasaß, wußte er nicht. Vielleicht ein, zwei Minuten, vielleicht eine halbe Stunde. Er wußte nur, daß plötzlich die Tür kreischte und Meri hereinrückt« — erst ihr Kopf, dann die Schultern, dann di« ganze Meri. Sie halte «in nasses Handtuch in der Hand. Ohne ein Wort zu sagen, hall) verschämt, halb herausfordernd ging sie auf Pandre zu, stellt« sich, so wie er da auf dem Kummet hockte, mit ihren beiden schlanken Beinen zwischen seine Knie und fing an, das nasse Handtuch uin seine Stirn zu wickeln, so daß sie damit sein wundes Auge verband. An der Sicherheit, mit der Meri auf ihn zukam und ihre Beine zwischen seine Knice stellte, fühlte Pandre, daß das Wunder geschehen war. Er war ein Roß, ein Dummkopf war er! Und Meri war sein! Sie würde ihn heiraten! Gott, wie schon war das Leben! Die kühle Berührung des feuchten Tuches erfrischte ihn vollends. Die Kälte des Wassers und der brennende Schmerz an seiner Braue mischten sich bittersüß. Zitternd wie ein Schuljunge umschlang er Meris Beine. Diesmal wehrte sie ihn nicht ab. Von seinem niedrigen .Sitz, auf dem Kummet hob er das unbandagierte Auge zu ihr auf. Meri erschien ihm groß — sehr groß, viel größer, als in Wirklichkeit. Um an sie heranzureichen, fing er langsam an, sich zu erheben, und zog dabei ihre schlanken Formen durch seine -Arme wie durch einen weichen Ring. Diese Bewegung wurde zu einem langen Streicheln, ihren Rücken entlang über das leichte Sommerkleid. Als er endlich auf den Beinen stand, fühlte Pandre, daß er gewachsen war; nun war er ihr gleich. Nun konnte er sie richtig umarmen. Nun durfte er das. Ach, Meri, Meri! Liebe, liebe Meri! Meris braune Augen schauten in Pandres gesundes Auge, auf seinen verbundenen Kopf, und sie lächelte noch nicht einmal, daß Pandre, der große Schlagetot, der \\ olfstöter, so jämmerlich aussah. Aber ihre Pupillen brannten wie bei einer Katze, die sich ein wenig vor dem Kater fürchtet. Sie murmelte nur scheu ein kleines Wort: ״Gut?“ Pandre konnte nicht an sich hallen. ״Meri!“ schrie er mit Lowenstimme. ״Auf der Stelle will ich tot Umfallen!“ * Als Sender nach dem Abendgottesdienst heimkehrte und Pandre in der Remise mit einem verbundenen Auge traf, schaute er zuerst durch die Tür ins Haus, warf dann noch einen Blick auf Pandre, setzte seine Messingbrille atil und fragte sehr sanft: ״Was ist passiert?“ ״Nichts“, sagte Pandre. ״Ich hin über die Leinen gestolpert und habe mich am Auge gestoßen.“ ״Hm. Ich verstehe. Du bist über einen Strick gestolpert, nicht wahr?“ Und er hatte ein schlaues Grinsen unter dem rötlichen Schnurrbart, der nicht grau werden wollte. Eben zuvor hatte er mit dem Rabbi geredet, über Noah und Meri. Und nun kam er nach Hause, und der Segen des Rabbi hatte schon gewirkt! Ohne ein ■weiteres Wort ging Sender zur offenen Tür und schloß sie. Dann ging er händereibend zu Pandre ins Halbdunkel zurück. ״Sag mir die Wahrheit, Noah. Du kannst mir alles sagen, wie deinem Vater. Vielleicht war es gar nicht das Geschirr? Vielleicht hast du dich an was anderem gekratzt?“ Pandre schaute ihn mit dem gesunden Auge an wie ein Hahn, der ein Maiskorn beäugt. Und er tat, als hätte er den M ink nicht verstanden. ״Warum? Was soll es denn sonst gewesen sein?“ Also erklärte ihm Sender sehr gelassen: ״Siehst du, ich meine — vielleicht hat dein Geschirr eine Schürz« getragen?“ Pandre zuckte zusammen. ״Ich... ich verstehe nicht...“, stotterte er. Aber Sender gab nicht nach, er kutschiert« auf sein Ziel los. ״Gib acht, Pandre“, sagte er. ״Nächstens kratzt sie dir beide Augen aus. Und dann traust du dich in deiner Schande nicht auf die Gasse! Ich hab so was schon mal erlebt!“ Auf einmal merkte Pandre, daß der Meister nicht böse war. Er luchte, daß man die weißen Zähne sah, und sein heiles Auge fing an zu glitzern. Sender nahm die Brille ah, schaute Pandre fest an, machte die Tür wieder auf und rief: ״Hallo, Meri! Willst schon?“ ״Ja!“ echote Meris Stimme aus der Küche. Und so also bekam Pandre seine Meri. NEUNTES KAPITEL / DER BRAND Nach der Hochzeit überließ Sender das halbe Haus und den halben Wagen Noah und Meri, und alles ging wohL Wenn auch Pandre nun kein angestellter Kutscher mehr war, sondern Eidam und Partner, so folgte er doch seinem Meister nach mit der Miene großer Hochachtung wie ein Füllen, das hinter der Stute hertrottet. Nicht wie die jungen Leute, die, sobald sie die Mitgift in der Hand haben, anfangen, mit den Schwiegereltern zu zanken. Jeden Samstag und Feiertag saß Noah im Tempel neben seinem Schwiegen ater und ließ sich sagen, welche Gebet« an der Reihe waren und wie weit die Gemeinde darin war. Während des Vorlesens lief er nicht aus der Synagoge, um draußen herumzubummeln, wie die gewöhnlichen Leute, sondem blieb auf seinem Platze sitzen wie ein gesetzter junger Mensch. Und wenn der Gottesdienst vorüber war, wartete er geduldig, bis Sender ganz fertig war Und sich zum Rabbi durchgedrängt hatte, um ihm Gut Schabbes zu wünschen.