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Jüdische Rundschau · 1936-09-16 · Heft 74-75 (16.9.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 74-75 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 74/75, 16. IX 1936 jüdische Rundschau Seife 7 Die Volksmenge zwischen den Marutslanden . : ÜHf ' *יין ■ rwc« lüiii »v. t*» _. L» k OjjL 1)1110■' י,«; ' ■ X kM Aus dem Londoner Judenviertel Whitechapel Ein Lehen zwischen Ost und West Photoreportage von Liili Szkolny Ein Lederwarenstand Jiddische Plakate ׳ק|. דיסמע. f!!•w» n ■ "K| I* ß\ . * * *י. ..,»««ט Im Londoner Stadtviertel Whitechapel wohnen viele Zehntausende von Juden, die dort ein Ghettoleben führen. Aus Israel Zangwills Schilderungen sind die Zustände, die in Whitechapel herrsche 11, bekanntgeworden. Die Not des jüdischen Volkes, das Elend der aus dem Osten Europas nach England Verschlagenen lommt in diesem Leben zu starkem Ausdruck. Die räumliche und wirtschaftliche Enge des Zusammen- Icbens erzeugte ein tJhettodascin, das von unserem nationalen und menschlichen Ideal weit entfernt ist. Diese Ansammlung von Juden aus dem Osten an einem Ort des europäischen Westens, die Tragik, die darin liegt, daß die Mißstände, unter denen das Judentum des Ostens so sehr leidet, sich auch hier breit gemacht haben, beleuchtet die Problematik des jüdischen Wanderprozesses. Auch hier ist jüdische Encrgie, die nicht zur echten Entfaltung kommt, eine große Aufgabe der nationalen Erziehungsarbeit. Die Jugend sehnt sich fort aus einer dumpfen und unproduktiven Atmo- Sphäre, und so sind denn aus jenem Kreis schon starke Kräfte für den Aufbau Palästinas ausgelöst worden für ein Leben unter schöneren, freieren und gesünderen Verhältnissen. Links: AltkleiderhämUer. Rechts: Umlagerter Verkaufsstand. Juden zur See Vom Schulschiff ״Theodor Herzl“ ln diesen Tagen läuft das vom Rigaer jüdischen sozial ökonomischen Verein unterhaltene Segel- Schulschiff ״Theodor H e r z l“ Kopenhagen an. Der jüdischc sozialökonomische Verein in Riga hat seit Jahresfrist die Aufgabe übernommen, jüdische Seeleute auszubilden, und sein Unternehmen genießt weitgehende Unterstützung der offiziellen Stellen Lettlands. Der erste Schritt war die Erwerbung eines Segelschiffes, für welches der Name ״Theodor Herzl“ gewählt wurde. Es handelt sich um einen Dreiinaster von 330 Tonneu Wasserverdrängung, eines der größten Segelschiffe der lettischen Handelsflotte. Als bekanntgegeben wurde, daß 15 freie Plätze auf diesem Segler für Seckadetten vorhanden seien, meldefen sich am ersten Tage ungefähr die sechsfache Zahl von Jugendlichen aus den verschiedensten Kreisen Lettlands und druckten den Wunsch aus, als Matrosen auf diesem Segler antreten zu dürfen. Aus dieser Anzahl wurden die geeignetsten ausgewählt, und am 3. August 1935 stach ״Theodor Herzl“ Das Schulschiff ״iheodor Herzl" von Tallinn aus zum erstenmal in See, mit einer rein jüdischen Mannschaft an Bord unter der Leitung des lettischen Kapitäns A. I k n e r. Obgleich alle diese jungen Matrosen Neulinge im Segeldienst waren, entledigten sie sich bereits auf ihren ersten Seereisen ehrenvoll der ihnen auferlegten schwierigen Aufgaben. Im Laufe des Jahres 1935 besuchte der Segler viele Häfen Lettlands, Finnlands, Dänemarks und Schwedens und tranportierte dabei verschiedenartige Ladungen, wie Holzmaferialicn, Seegras, Bausteine usw. ״Theodor Herzl“ hat bis heute ca. 6300 Seemeilen zurückgelegt und 2730 Tonnen Fracht befördert, hn Oktober vorigen Jahres auf der Fahrt von Finnland nach Lettland wurde das Schiff, das eine volle Ladung Holz mit sich führte, von einem starken Gewitter und Sturm überrascht. Eine ganze Woche lang kämpfte der ״Theodor Herzl“ mit Wind und Wellen. Die jungen Matrosen bewiesen jedoch ihre Geistesgegenwart und ihr Können. Der Segler traf mit heiler Mannschaft am Bestimmungsort ein, hatte allerdings durch den starken Sturm schwer gelitten. Nach der Instandsetzung stach er erneut bei Beginn der Navigationssaison 1936 in See. Er hat mehrere baltische Häfen besucht und war auch in Memel. Kapitän A. Essenb e r g, ein viel erfahrener Seemann, führt jetzt das Kornmando. Beide Kapitäne sind mit ihren Zöglingen sehr zufrieden und schildern sie als geschickte, arbeitsame und lebensfrohe Menschen. Sämtliche Matrosen des Seglers besitzen abgeschlossene Mittelschulbildung. Vier sind Hochschulstudenten. Einer von ihnen hat die Seemannsschule in Civita-Vecchia mit dem Grade eines Kapitäns absolviert. Die Sozial-Oekonomische Gesellschaft hofft, daß cs ihr gelingen wird, den Besten der Kadetten die Möglichkeit zu geben, ihre praktische Ausbildung durch das Erwerben von entsprechenden theoretischen Kenntnissen in der lettischen Kr. Valdcmar-Seemamisschule zu vollenden. Die praktischen Erfolge der Kadetten und das Interesse, welches diesem Unternehmen seitens breiter jüdischer und nichtjüdischer Kreise entgegengebracht wird, bedeuten für die Gesellschaft eine große moralische Unterstützung in ihrer Arbeit. Warme Empfänge wurden dem Segler in allen ausländischen Häfen bereitet, die er aiigelaiifen hat. Der jüdische so/ialökonomische Verein, der mit großen Opfern das Segelschiff unterhält, ist aut die Unterstützung der jüdischen Oeffcntlichkeit außerhalb Lettlands angewiesen, soll das Werk aufrechterhalten und erweitert werden. Demzufolge ist man zur Zeit bestrebt, die Juden Skandinaviens zti 1.׳:”cen1 Zwecke zu aktiviere n, damit evtl, eine breite Besatzung des Schulschiffes!״<״׳•: u. h,*» Basis für eine regelrechte Hachscharah zur See auf mehreren Einheiten in den baltischen Gewässern geschaffen werden kann. Der Besuch des ,,Theodor Herzl“ in Kopenhagen dürfte den Auftakt hierzu geben. Interessenten und Freunde des Unternehmens werden gebeten, sich mit Zidu sociali ekonomiska biedriba Riga, Valdemara icla 39, dz. 16, in Verbindung zu setzen. Türkisch 8

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