Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 74-75 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653993--29491-2691023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr 74/75, 16. IX. 1936 kleinen Gelier naehzusteilen, das jetzt erst seine Verstecke zu verlassen pflegt. Nur der Widder bleibt bei Arnos. Sein weißer, wolliger Körper leuchtet wie ein irdisches Gestirn. Hochbeinig ist das Tier, mit kräftigem Hals und fast seidig weichem Kopf, aus dem sich die zwei starken Hörner wölben wie heilige Stäbe Da kommt der Hund angehetzt, leckt Amos das Gesicht und die Hände, hellt klagend, umkreist den Knaben und versucht, ihm etwas begreiflich zu machen. Er fühlt, daß das Tier ihn wohin führen will, und folgt ihm. Uebcr Steine und Sträucher springt der Hund, immer wieder seinen Herrn umkreisend, bis zu einem Gestrüpp, bei dein er in klagendes Geheul ausbriclit. Ainos eilt herzu und findet einen alten Mann mit brechenden Augen. Rasch nimmt er das armselige Bündel Menseli;auf lind trügt es zur Hütte. So leicht scheint ihm die Last, <l;di er sie kaum spürt. Er bettet den Alten in der Höhle auf ein Lager von Gras und Wolle, flößt ihm Milch ein und sinkt vor ihm nieder, um zu beten. So schleicht die N;teilt vorüber. Manchmal kommen der Mund und auch der Widder hcrangesrhlichcn; sie lecken dem Alten die Hände oder die wunden Füße. Sogar das schlaftrunkene Rind hebt seinen schweren Kopf und streckt seine Zunge nach den Füßen des Alten aus. Es wird aber in dieser Nacht nicht völlig dunkel in der Höhle, und Arnes sieht mit heißen Augen, wie über der Stirne und den Zugctancn Lidern des Greises ein sanfter Schimmer liegt. Er hält dies lür den Vorboten des sich nahenden Todes und beginnt die Sterhegebete zu sprechen. Mit dem ersten Lichtstrahl der Sonne aber, der draußen aufglänzt, öffnet der Alte die Augen imd sagt: ,,Es ist der erste Tag im Elul, Sohn Judas, reich mir den Scholar!“ Ainos zeigt seine leeren Hände, er hat ja keinen Schofar. Der Alte wiederholt seine Worte immer dringender, immer stärker, schließlich in einem Fon, als 011 er nicht alt und krank sei, sondern bei besten Manm sk; aiten und mehr noch: eine ewaltige Stint ui e bricht aus ilun, wie lief eil 1 und Ruf au.s er Holie. Arnos reckt und streckt sich. Fr Suhlt, wie die Kindheit von ihm abfallt, einem abgetragenen Gewände gleich, und wie Kraft und i/nt-chluii des ,Mannes von ihm 'Besitz ergraft. So sicht er auf den Alten. Da drangt sich?wischen diesen und ihn der weiß schimmernde Widder, beugt den Kopf seinen f In ״den entgegen, so daß die starken Hörner sie berühren. Wieder tönt die mächtige Stimme des Alten: ״Es ist der erste Tag im Elul. Sohn Judas, reich mir den Schofar!“ Da ermannt sich Amus, greift ein Hont des Widders und bricht es gleich einem dünnen Reis oder dem Stengel einer Blume. AVit festen Händen reicht er das Horn dem Alten. Der setzt es an den Mund und entlockt ihm einen Ton, wie ihn Amos noch nie in seinem Leben gehört hat. Dieser Ton stößt die Tiere aus der Höhlj. Ein Sturmwind scheint sie zu heben und auf die Wiese za setzen. Auch Amos kann kaum noch stehen oder gehen, aucli er fühlt sich durch die Macht des Schofartones vom Boden der Höhle emporgehoben — hinaus auf die grasige Erile. Hier zieht jetzt die Sonne herauf in glühender Pracht. Der Schofarton aber ist noch nicht verstummt — er schwillt über die Berge und Abgründe bin. Das Sonnenlicht scheint in ihm zu schwingen und zu klingen, Da weiß Amos, daß dies der Ruf an ihn sei, der Ruf zur Tcschuwah, nun und diesmal der Ruf zur Umkehr und zum Abstieg ins Land und ins tätige Leben. Er steht mitten unter den drei Tieren, zum mannbaren Jüngling geworden, und streckt seine Arme der Sonne entgegen. Der Greis tritt aus der Hölilc, legt zuerst Amos und dann dein Widder die Hände auf und verschwindet. Hoch aufgerichtet geht er dahin, von Krankheit und Schwäche befreit. Amos meint, der Fremde schreite auf den Strahlen der Sonne wie aut einem Pfad von Licht dahin. Lange steht der Jüngling, bis das letzte Zittern des gewaltigen Schofarton es in ihm verklungen ist. Dann wendet er sich dem Widder nt, den er eines Harnes berauhi hat. Aber das Tier trägt seine beiden Hörner wie eil und je. Nun weiß Amos, daß der Prophet Elijah« zu ihm gekommen war, um ihn in die Verantwortung zu rufen. Er kehrt in die Höhle zurück. Dort liegt noch ein letzter Scliim- 111er über dem Lager, auf dem der heilige Mann geruht hat. Amos spricht ein Dankgebet. Dann packt er das Geringe an Habe zusammen und tritt wieder hinaus in den strahlenden Morgen und unter seine Tiere. Mit ihnen macht er sich auf den Wog ins Tai. Hier stößt er auf ein Häuflein Juden, die fromm der Teschuwah cntgegenleben und sich zu einer neuen Rechenschaft und für die neue Gnade des Allmächtigen bereit halten. Zu ihnen gesellt sicli Amos und erlebt mit ihnen die Tage der Umkehr. Dann nimmt er eine von ihren Schwestern?tun Weibe und wird von ihnen, trotz seiner Jugend und ohne dafl er etwas dazu tut, als Ihr Führer anerkannt. Er gründet mit ihnen die erste jüdische Siedlung in denn zur Wüste gewordenen Land der Väter. ״Habent sua fata libelli“ Zum zweihundert jährigen Todestage David Oppenheims (23. September — 7. Tisdiri) Von Dr. Felix Falk, Den Haag Wenn ,,Bütlier ihre Schicksale haben“, so trifft dieser zum geflügelten Wort gewordene Ausspruch des TercnSiailus Maurus in ganz besonderem Maße auf die Bücher des einstigen Nikolsburgor und Prager Olnnrabliiners David Opp e n 11 e i m zu, die heute eine Zierde der Bibliotiieca Bodlciana in Oxford bilden. Bevor wir aus der (jeschichte der weifberühmten jüdischen Büchcrsaininlung berichten, wollen wir uns mit dem!.eben und Wirken ihres Sammlers befassen. Zunächst die wichtigsten Zeitangaben seines Lebenslaufs: 1064 als Sol in des frommen, reichen und wohltätigen Gemeindevorstehers Abraham Oppenheim in Worms geboren und dort im elterlichen Hause in den Lehren des Judentums erzogen. Die Tainiudsciiulen berühmter Kabbinen in Friedberg,!Metz und Landsberg nehmen den lut :)!!wachsenden Jüngling auf, vermehren und vertiefen sein Wissen, 1681 vorbeiratet sich der Bachur David mit Gehcndel, der Tochter des einflußreichen Oberhoffaktors I.effm;um ß e 11 r e n d s in Hannover und setzt als siebzehnjähriger Ehemann seine Talmud- Studien fort. 1000 im Alter von 2(1 Jahren geht David Oppenheim als Lamlesrabbiner nach N i k 0 l s b u r g in Mähren, wo er nun sei Iler an der durch den ,,hohe» Rabbi Lön“ herühmt gewordenen Jcschiha eine Lehrtätigkeit ausubte. 1701 wird er zum Na*ri des Heiligen Landes ernannt. Die liiauisclie Gemeinde Btisl<, saue Heimat, die Kurpfaiz, und die große jüdische' Gemeinde in Prag werben um ihn. Er entscheidet sich fiir letztere und tritt 170 i das Amt des Prager ()Herr :1 11 bi 1! er s au, von den Kaisern Leopold i. und Joseph I. in seinem neuen Wirkungskreis bestätigt. 1714 nach dem Tode seiner (iaitin Geilende! heiratet er die Witwe lsak B o r! d i s, mic Tochter des Rabbiners Wolf Spiro. 171! beurkundet Karl VI. David <)ptviiheim zum Landesrahbincr von ganz. Böhmen. Im Alter ■.011 72 Jahren, arn 23. September 1736, wird er in die Ewigkeit abberufen. Aus diesen lalires/aiilen spricht eiii!.* glanzende Laufbahn. Gewiß sind auch David Oppenheim Widerwärtigkeiten und Kämpfe, wie sic jeder Mensch zu beteiien hat, nicht ei spart geblieben, aber im ganzen hafte ihm das Schicksal ei'nen recht sanften Lebensweg bereitet, Der Reichtum der durch Heirat versippten Familien ()ppciiheiin-IVIi remis und seine eigene Wohlhabenheit scluit/ten ihn vor Not und verschafften ihm Beziehungen, durch dem! Einfluß er irianche Hindernisse aus dem Wege räumen konnte. Oppenheims Tätigkeit als Leiter mul L e 11 r c r der 1Jeschi ba muß eine recht frtidithnimeiulc gewesen sein. Seinen Schülern, die aus seinen ta!11 indischen Frklärungcii und Vorträgen fiir ihren zukünftigen beruf großen Nutzen zogen, war er Freund und Beratet. Die fleißigen und begabten unterstützte er durch Geldmittel, wenn es ihre Lage erforderte. Dal! die Jugend bratmet, wie das Sprichwort sagt, und austoben will, dafür hatte er als Mensch und Lehrer ein feines Verständnis, Und bei allem Ernst, den das Talmudstudjutn erforderte, gestattete er seinen Schülern auch fröhlich imd ausgelass-cn zu sein. Wenn Miami Jacob Sciiudt in *einen ״Jüdischen Merkwürdigkeiten׳‘ von der Aufführung einer Komödie ״I )ie Vcrkauffung Joseph“ berichtet, die Prager Upd Hamburger Studenten verfertigt hallen sollen, so werden Wir dabei in erster Reihe an die Baeluiritn der Jeschiba Oppenheims denken. Es ist auch bekannt, daß in Prag seihst ein Purimspiel ״Acta E>111 er mit Ahasver 0S" zur Darstellung gelangte. Eine Handschrift des Librettos befindet sich in der Oppenheimschoi Sammlung der Bibliotiieca Bodlciana, chenso *Ine Druckatisgabe vom Jahre 1720, aas deren Titel zu er- *dien ist, daß das Stück von David Oppenheim selbst durchgesehen und von seinen Schülern in einem öffentlichen Theater mit Musik und allem, was dazugehört, aufgeführt wurde. Das Urteil über Oppenheims literarisch -wissen- *chaftliclic Tätigkeit wollen wir den dazu Berufenen, den Rabbiner!, überlassen. Die Meinungen hierüber sind geteilt. Der Geschichtsforscher G r a e t z, dessen leidenschaftliche Art, Dinge und Menschen zu beurteilen, oft das Richtige trifft, hat. die literarischen Leistungen Oppenheims nicht sehr hoch ein geschätzt. Irgendein selbständiges gedrucktes Werk hat der mit jüdischem Schrifttum so vertraute Prager Oberrahbincr und Jeschibalciter nicht veröffentlicht, und sein Handschriftlicher Nachlaß, der Rcsponsen, De rasch as und Kommentare zu Tatnvudteilen umfaßt, scheint vielleicht mit Ausnahme der kulturgeschichtlich beachtenswerten Rcsponsen nicht von der Bedeutung zu sein, daß auch spätere Gelehrte in der Herausgabe von Oppenheims Schriften eine besondere Bereicheruug der Wissenschaft erblickt hätten. An den geldlichen Mitteln zur Drucklegung hat cs Oppenheim jedenfaiis nicht gefehlt. Neben einen! ausgedehnten Briefwechsel hat er sich offenbar darauf beschränkt, das auszuarbeiten und niederziischreibcn, was er in der jeschiba alljährlich seinen Schülern vortrug. Darüber hinaus ließen ihm die Verwaltung des L a 11 d es r a b b i n a ts und die mit vielen Reisen und geschäftliclien Verhandlungen verbundene Verwaltung seines Vermögens sowie seiner B ü c herlieb haberei kaum Zeit zu einer geregelten und fruchtbaren literarischen Tätigkeit, aus der vielleicht ein Werk hätte entstehen können wie der hei den Talmudforschcrn so geschätzte Kommentar ״Pnc Jehosclnia“ des Jakob Josua Falk, Oppenheims um sechzehn Jahre jüngeren Zeitgenossen. Trat er also nicht selbst mit bedeutsamen literarischen Schriften und wissenschaftlichen Werken an die Oeffentlichkeit, so bereicherte er trotzdem das jüdische Schrifttum, indem er die Gelehrten unterstützte und ihnen die Drucklegung ihrer Werke ermöglichte. Die Bücher, die Oppenheim durch sein ״Approbatur“ empfahl, gingen in die hundert, und der hebräische B u chdrnck hatte diesem freigebigen Mäzen eine neue Blütezeit zu verdanken. 1t Ein unsterbliches Verdienst aber hat sich Oppenheim um die jüdische und hebräische Literatur dadurch erworben, daß er als I) 11 c 11 e r 1 i e b 11 a b e r einen großen Teil seiner reichliehen Ciddinitlei zum Ankauf der kostbarsten und seltensten Ausgaben von gedruckten Werken und Handschriften aus וווווווו!ווו>ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו»וווו!ווווווו!)1ווווחווווווווווווווווחוחוווווו!ווווווויו!ווווווו!וווחוווווווווווו1ווווווווחוו1וווווווח PER WEG Von Manfred Sturmann Wir sind auf dem Wege. Wir wandern alle, Seit der Kindheit gehen wir. Wir »ind oft müde geworden. Wir haben off verzagt Und gehadert mit ihm, Der uns auf den Weg schickte. Viele Morgen erstanden Vor unsera Augen. Ein purpurnes Hoffen, Stiegen sie auf aut dem Schofce Der Nacht. Immer sahen wir Tage sterben, Monde und Jahre vergehen. Und wir trugen zu Grabe. Was einmal un* leuchtete Auf dem Weg. Ach, so ofl sind dl* Knie Schwach geworden, wir wankten. Immer aber kam einer Und rl& uns empor, Manditnal war es der Ruf Eines Vogels Oder das Kosen des Windes, Manchmal ein Wort nur. Und wie ein Wunder Drang es In uns Und machte uns neu. Ueber uns zeichnet Der Herr die Kreise der Jahre. Wir «her wissen nicht, Wieviel« der Kreise Uns nod! umsdilleSen. Sommer verklingen Und Herbste verdämmern. Bald sind wir mfide ... Wir sind auf dem Wege, Wir wandern alle, Seil der Kindheit gehen wir. dieser Literatur verwandte. Schon als Knabe soll er eine he- »andere Leidenschaft für Bücher besessen und oft aus dem Speicher der Wormser Synagoge nach solchen gesucht haben. Bald nach seiner Verheiratung legte er sich ein Verzeichnis von hebräischen Büchern an, die er nach und nach anzuschaffen beabsichtigte. Diesen Plänen kam sein reicher und kunst- «inniger Oheim Samuel Oppenheim, der Bankier Leopolds I., f, .. wardein und Belgrad, befreundet. Der Prinz, aut dem Gebiet der schönen Künste und Poesie ebenso bewandert wie im Kriegshandwerk, besaß selbst eine sehr kostbare Bibliothek und brachte von »einen Kriegszügen auch wertvolle hebräische Bücher und Handschriften heim, um sie Samuel Oppenh e i m, dem Finanzierer der Türkenkriege, zürn Geschenk zu machen. Diese Schätze gingen schon zu Lebzeiten Samuels und nach dessen Tode auch die übrige Sammlung in den Besitz seines Neffen David über. Mit einem ungeheuren Eifer und mit großem Kostcnaufwande suchte dieser den Bestand seiner Bücher durch planmäßiges Sammeln zu vergrößern. Seine häufigen Reisen, die er in geschäftlichen Angelegenheiten und zum Besuch seiner weitverzweigten Verwandtschaft unternahm, galten geichzeitig dem Erwerb neuer Bücher und Handschriften, die man dem schnell entschlossenen und zahlungsfähigen Käufer v<>n überallher anbot. Als Oppenheim uni die Jahrhundertwende seine Bücherei, Utn sic einer etwaigen Beschlagnahme durch die strenge bischöfliche Zensur zu entziehen, zu seinem Schwiegervater nach Hannover befördern ließ, umfaßte sic bereits gegen 6000 bi» 7000 Bände und 1WK) Handschriften, in Hannover machte er sie dem nichtjüdischen Hebraisten Johann Christian Wolf zugänglich, der auf Grund der Üppenheimschen Sammlung eine vicrbawfige ״Bibliotiieca Hebraea“ aufertigie, eine wissenschaftliche Bibliographie, die lange Zeit ein wertvolles Nachschlagewerk zur hebräischen Literatur bildete. Sie wurde später überholt durch das berühmte I lauptwerk der niodernen hebräischen Bibliographie, Moritz Steinschneiders ״Cafalogus librorum hebraeorum in Bibliotiieca Bodleiana“. Oppenheims Sohn Joseph, Hoffaktor in Hannover und gleich dem Vater ein eifriger Förderer der hebräischen Literatur und Wissenschaft, erbte nach dessen Tode die Bibliothek. Er überlebte seinen Vater nur um zwei Jahre, und als er 1739 starb, gelangte sie in den Besitz von Isaak Seligmann Cohen, Enkel des Stifters der Hamburger Talmudklause Beh.ends Cohen. Der neue Besitzer war in einen langwierigen Prozeß verwickelt. Die Sammlung wurde von Hildesheim aus, wo die Tochter Joseph Oppenheims, des Rabbiners Hirsch Isaak Oppenheims sei. Witwe lebte, mit Arrest belegt und nach weiteren Prozessen der Üppenheimschen Erben erst im Jahre 1826 freigegehen. In der Zwischenzeit wurde allerdings nichts unversucht gelassen, uni die kostbaren Bücher und Handschritten, die in 28 Kisten verpackt auf einem Hamburger Speicher standen, zu verkaufen, und hervorragende Gelehrte boten hierzu ihre Dienste an. Es bestellt ein von der Son- C i n o-Qes e 11 s c h a f t veröffentlichter aufschlußreicher Brief- Wechsel zwischen dem Göttinger Philosophieprofessor Johann David M i c h a 1 i 8, Hirschei Isaak Oppenheims sei.Witwe und Moses Mendelssohn wegen der die für einen Verkauf der Sammlung zu beobachtenden MaBnalimen und über die Abschätzung der Sammlung. Michaelis, der sich ausführlich zu der Anfertigung eines Katalogcs äußerte, schlug gleichzeitig vor, daß Käufer und Verkäufer sich auf ein Taxatum ״des nicht bloß unter Juden, sondern auch unter Christen wegen seiner Gelehrsamkeit und Redlichkeit völlig bekannten Herrn Moses Mendelssohn in Berlin‘‘ verständigen sollten, warnte ,aber vor einer, übereilten Versteigerung. Moses. Mendelsäolin berichtete!in seinem Gutachten vom 24. August 1775, daß die berühmte Öppenheiijierische Bibliothek eirtäts;, Schatz der auserlesensten gedruckten Sachen enthalte in ein# atändigkeit, in Welcher Bücher dieser Art wohl nie gesammelt worden »eien. Er schätzte die Sammlung auf 50(100 bis 60000 Reichstaier und war der Meinung, daß es nicht schwer sein könne, sie um diesen Preis loszuwerden, wenn man sich die gehörige Mühe gibt und Zeit gelassen wird, die Gelegenheit abzuwarten. Noch zehn Jahre später hält dbr Besitzer Isaak Seligmann Bercnd Saloinon zu Hamburg an diesem Schätzungspreise fest, zu dem er die Sammlung am 24. Oktober 1785 1m ״Frankfurter Journal“ anbietet. Durch diese Anzeige wurde die Aufmerksamkeit von neuem auf die Oppenhcimsche Büchersamniiung gelenkt. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie wäre in die Stadt gekommen, wo ein Verwandter der Familie Oppenheim, der unter dem Namen Jud Süß bekannte Finartzniaiiti, ein so unrühmliches Ende gefunden hatte. Eines schönen Tage»■, im Februar 1786, erschien Herzog Karl Eugen von Württemberg mit dem Kanzler der Tübinger Universität, Christian Friedrich von Sc h n 11 r r e r, in Hamburg, und obwohl es Schabbat war, bestand er darauf, daß ihm die Bibliothek sofort gezeigt werde. Nach fast zweistündiger Besichtigung machte der Herzog, der seine Stuttgarter Bibliothek immer noch mehr vergrößern wollte, ein Angebot von 15 000 Gulden. Die Verhandlangen scheiterten aber an diesen! Preise. \ Als im Jahre IS 20 endlich die Freigabe der Bibliothek erfolgte, wandte sich Michaelis an die reichen Berliner Juden, aber weder Daniel 11 z i g noch David Friedlander, die sich warm für den Ankauf der Sammlung einsetzten, gelang es, das Geld aufzubringeii, obwohl man mit dem Verkaufspreis bedeutend heruntergegatigcfr war. Daß die ״Aufklärer“, zu denen die reichen jüdischen Krei.sc■ in Berlin zählten, für den Erwerb der Sammlung keine Teilnahme gezeigt haben sollen, weil ihnen die rabbinischc Literatur nichts sagte und ihnen die ganze Sache zu jüdisch war, ist eine grundlose Vermutung. Inzwischen hatte nun die Bibliotheca Bodleiana der Oxforder Universitätsbibliothek ein Gebot von 9000 Talern abgegeben, das angenommen wurde, und im Sommer 1829 lief ein stolzes Segelschiff den Hamburger Hafen aus mit dem kostbaren Frachtgut einer Büchersammlung, die nach dem Urteil der Gelehrten jener Zeit in der ganzen Welt unter den Juden ihresgleichen nicht hatte. Die hebräische Abteilung der Bodleiana, die bereits 1693 recht ansehnlich war, wurde durch den gleichzeitigen Ankauf der Sammlungen David Oppenheims und des Hamburger Bibliophilen Hcimann Joseph Michael zu einer der vollständigsten und wertvollsten Sammlungen, die heute gegen 30 001) Bünde und 3000 Handschriften zählt. Wenn anläßlich des 20Ojährigen Todestages David Oppenheims in London eine Ausstellung von Büchern aus seiner S a m in lung veranstaltet wird, und die Besucher Gelegenheit haben, die unschätzbaren Handschriften, die köstlichen Ausgaben von Bibel und Talmud, die alten Gebetbücher, die talniudischen Schriften, die kabbalistischen Werke, die seltenen Ausgaben der altjiddischen Literatur und vieles andere mehr zu betrachten, dann werden sie sich mit uns in Dankbarkeit des Mannes erinnern, der diese Schätze jüdischen und hebräischen Schrifttums für die Nachwelt erworben hat: des Prager Oberrahbinera David ben Abraham Oppenheim. HUGO JACOB <M 0 M 6 « IN FIRMA JACOB A VAtENTlN ANFRAGEN, I >'TE HSATIOXAI.E SAMM EI״- l'N'D tTBERSEE-VEBKEHRS-EMBII Frachtagentur der London 4 North Eastern Itailway für den Schnellverkehr BERLIN NW 40 / HEIDESTRASSE 73 Hoek von Holland - Harwich. - Ablieferung binnen 20 Stunden ab Berlin (nah. 1.1«״ Bahnhof! / Farn,p,«eher, s«nm.t.N״mmer c 5 4718 Umrüga nach England otifia Umladung in Fährbootwagan / E « p a d! 1 i o n von Raitagapäek Im tiglldian ladungidian«) ✓ Um,Cg« nad) dam Ausland und Obana* In llftvant