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Jüdische Rundschau · 1936-09-16 · Heft 74-75 (16.9.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 74-75 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Roscli Has cli an ah- Beilage NR. 74/75,16. SEPTEM&ER 1936 Zu den Jamim Noraim Von Dr. Erich Rosen blüth, Kibbuz Rodges Die ימים נוראים, di« Tage der Ehrfurcht, stellen im cigentliehen Sinne die innere Rechenschaft des Menschen über seinen Lebensweg dar. Nicht seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft, nicht eine besondere Seite dieser Gemeinschaft wird betont, sondern der Mensch schlechthin steht im Vordergründe, gleichsam gelöst von allen Besonderheiten der Gruppierung — angesichts seiner allinenschlichen Aufgabe. Aber der Mensch beginnt diese Tage der Prüfung nicht mit der persönlichen Rechen- Schaft. Gerade die Gebete des Rosch Haschanah zum Unterschied vom Jom Kippur werden gekennzeichnet dadurch, daß das Persönliche^ völlig zurücktritt, wenn nicht gar ausgcschaltet wird. Vielmehr prüft der Mensch an diesem Tage seine Haltung zur Welt, zu Gott, zur Menschheit und zu seinem Volke. Er beginnt von Grund auf zu fragen: Was ist mir die Welt, Gott, die Menschheit, er sucht in diesen elementaren Gegebenheiten einen Sinn zu finden, der ihm das Geschehen, seine Umwelt und seine Existenz verständlich werden läßt. Die Tefiila des Rosch Haschanah beantwortet dem Mensehen diese Fragen seines kreatürlichcn Lebens — aber von der Zukunft aus. ובכן תן פתדך ה׳ אלהינו על כל מעשיך ואימתך על כל ... ויעשו כולם אגודר. אחת לעשות רצונך בלבב שלם. In die Zukunft ist das Ziel gestellt, das dem Leben in der Vergangenheit und in der Gegenwart seinen eigentlichen Sinn gibt, das das Dunkel des Geheimnisvollen, Rätselhaften unserer kreatürlichcn Existenz erhellen läßt. Bei aller Fragwürdigkeit und Verwirrung im einzelnen ist der Geschichte ein Ziel, ein Rahmen gesetzt, der sie davor bewahrt, ein bloßes Wirrwarr atiseinandcrlaufender Schicksale von Völkern und Menschen zu sein. Die Geschichte ist trotz aller Katastrophen, trotz aller Gegnerschaften der Menschen untereinander, die kein anderes Volk stärker als die Juden am eigenen Körper spürten, auf die Errichtung einer konkreten Vereinigung der Völker der Menschheit' gerichtet. Kein Mensch, kein Volk herrscht in ihr. Auch der größte menschliehe Herrscher verstummt vor dem eigentlichen Herrscher der Welt, dessen Gesetz wie früher nur in der Natur, nun auch in diesem Weltbund der Völker die Verfassung und die Grundlage des Zusammenlebens bilden wird. Wichtig scheint mir, diesen unerschütterlichen Idealismus, den konk r e t c n Glauben an den Menschen und an die Verantwortung für ihn aufzuzcigen - den schönsten Ausdruck hierfür finden wir in den beiden Teilen des Alenti- Gebetes — trotz aller Leiden, die das jüdische Volk erdulden mußte. Diese Haltung steht im Gegensatz zur wachsenden Skepsis auf Grund eines oberflächlichen, aus einer Zeitlage entstandenen Idealismus in Erez Israel angesichts der Lage im Lande und in der Welt. Noch ausholender erscheint die Welt über dem Nichts, über dem Abgnind hängend תולה הארץ על בלי מה״*, ein Gedanke, der in verschiedenen Variierurigcn in den Gebeten der Jamim noraim wiederkehrt — nur zusammengehalten von den ge- Weimnisvollcti Armen des VVeltenschöpfers. Die Schöpfung der Welt — nach der Tradition am Rosch Haschanah geschchen — stellt nicht einen einmaligen Akt in der Vergangenheit dar, sondern die Welt ist in dauernder Veränderung, in ständiger Weiterentwicklung, jedes Jahr gleichsam im Schwängern היום הרת עולם״". Diese Stimmung im Menschen vorzubereiten, ihn allmählicu herauszureißen aus dem gewöhnlichen Getriebe des Alltags, ihn empfänglich zu machen für die eigentlichen Fragen seines krcatürliclien Lebens, ist der Zweck des gesamten, diesem Tage vorangehenden Monats, des E1 u I, der Slichothtage und ganz besonders der am Erew Rosch Haschanah gesprochenen Gebete. Es ist kein Zweifel, daß die Slichoth des Erew Rosch Haschanah später entstanden sind als die Gebete des Rosch Haschanah. Und doch erscheinen sie uns heute wie eine Einleitung in die Gedankenwelt des Rosch Haschanah. Der Mensch wird — dies ist der durchgehende Gedanke der Slichoth an diesem Tage, die am Jom Kipnurim wiederholt werden, seines gewöhnlichen Umhanges entkleidet, aus allen seinen alltäglichen Beziehungen gerissen und — wie am Rosch Haschanah die Weit insgesamt — vor das Nichts, vor den Abgrund gestellt, sein Leben wird ihm deutlich als gespannt in den Rahmen von Geburt und Tod, ein ewiger Kampf zwischen den Trieben. Alle anderen Zuordnungen des Menschen werden demgegenüber unwesentlich. (Vgl. die Slichoth u. a.: אדון בפ^קדך׳ אדם איך תכה und das ständig am Jom Kippur wiederkehrende Motiv: אלה עד שלא נוצרתי אינו בדאי ועכשיו שנוצרתי פאלי לא נוצרתי.• — ומיותר את האדם מן הבהמה אין׳ כי הכול הבל.) Erst aus dieser Erkenntnis der Fragwürdigkeit und Bedingtheit aller Gegebenheiten, aus diesem Deutlichwerden der über dem Nichts gestellten, zwischen Leben und Tod cingespannten menschlichen Existenz, wird der Mensch recht eigentlich offen für das letzthin Wesentliche. Er wird angesichts des von allen Seiten lauernden drohenden Nichts, des nahenden Todes — gleichsam wie in der Gefahr -- empfänglich für die Dringlichkeit der Aufgäbe, für die notwendige Zusammenfassung alles Lebenden, für die Konzentration der Kräfte auf das alle lebende Wesen zusammenschweißende Ziel. (Vgl. das Kricgserlebnis Franz Rosenzweigs als psychologische Voraussetzung seines Systems im ״Stern der Erlösung‘1.) Die Gebete des Rosch Haschanah, besonders der erste Teil des Mussafgebctes, Malchujoth genannt, geben dem durch das Erlebnis des Erew Rosch Haschanah aufgclockerten Menschen den positiven Inhalt und bewahren ihn vor der sonst unvermeidlichen Resignation. Gott wird מלך ״regierender König“ immer und immer wieder in diesen Tagen genannt, die gewöhnlichen Bezeichnungen der Gebete werden durch dieses Wort ersetzt. Gottes Eigenschaft als Schöpfer wird betonf, als Regierer der Natur, vor allem aber als das Wesen, das die Menschheit leitet und ihre einstige Zusammenfassung garantiert. Die Besinnung auf dieses Ziel, auf das allein Wesentliche in unserem Leben, das allem Seienden erst den Gehalt gibt, bleibt aber nicht im Theoretischen stecken. Ihr, gleichsam der Schaltung des ' Achsenkreuzes für das Weltbild des Menschen, ist der Rosch Haschanah gewidmet. Aber bereits am Rosch Haschanah wird betont, daß die Erkenntnis des Zieles, die Rückwendung auf den Menschen selber, die Rechenschaft über seinen Weg im Hinblick auf seine Bestimmung zur Folge haben muß. Der Mensch soll sich ״erinnern, besinnen“ und angesichts der neuerkannten Aufgabe durch Rückkehr ״Tschuwah“ zum eigentlich Wesentlichen im Leben des Menschen seinen Weg verändern, den Willen erneuern zur fortgesetzten Arbeit an sich und seinen Eigenschaften. Auf Grund dieser Umkehr des Menschen prüft Gott nach der Tradition in diesen Tagen den Weg eines jeden Menschen. Dieses doppelte ״Gedenken“ des Menschen und Gottes bildet den Inhalt des zweiten Hauptteils des Mussafgebctes am Rosch Haschanah (זכר1נ1ת) Zeitlich entsprechen dem die Tage zwischen Rosch Haschanah und Jom Kippur und der Jom Kippur seihst, an denen — wie die Malchujoth am Rosch Haschanah — die Sichronoth, d. h. jetzt das Gedenken an die Vergehen (des Widdin), die Konzentration auf das Innere iin Menschen im Vordergründe stehen. Diese innere Erneuerung des Mensehen und die Neubcsinnung auf sein Ziel, durch die ihm die Fähigkeit wird, die Folgen seines bisherigen Wandels auszulöschen, läßt ihn sicherer, froher werden und führt ihn zur Neugestaltung seines Lebens. Daher der durchaus festliehe, fast freudige Charakter des Rosch Haschanah, das Gebot aufrechtzustehen gerade an diesem Tage trotz der durchaus ernsten Bedeutung des Gerichtes. Gott wiederum bestimmt daraufhin das Schicksal eines jeden und damit das Schicksal der ganzen Welt. Die ernsthafte Umkehr des Volkes und der Menschheit erwirkt die Erlösung der Welt. Diese doppelte Erneuerung kennzeichnet den dritten Teil des Mussaf:שופרות, weil der Scholar — wie im Josvcljahre — das Zeichen der Erlösung gibt. Zeitlich gesehen entspricht dem wieder die Ncila und der frohe Ausklang des Jom Kippur, da der Mensch wie sonst nie im Jahre der Erlösung fast gewiß ist. (Vgl. die letzten Ausrufe: שמע ישראל׳ ה׳ הוא האל׳)• Da es sich nur um eine Vorwegnahme, um einen Ausruf, noch nicht um eine Wirklichkeit handelt, dauert dieser Teil nur einige Minuten. Der letzte Schotarhnll hat nicht die Bedeutung der Auf- Mittelung wie am Rosch Haschanah, er zeigt das Nahen der Erlösung an; daher der ihm folgende Ruf: לשנה הבאה . בירושלים זז• Nicht um ein Ffervoniehmen der Bücher und ein Einschreiben des Menschen in das Blich des Lebens oder des Todes in primitivem Sinne geht es, sondern um den Dia log zwischen Mensch und Gott, wie er in diesem Dreiklang der מלכויות׳ וכרוניות׳ שופרות zum Ausdruck kommt, um die Gestaltung des menschlichen und kosmischen Schicksals aut Grund der Initiative des Menschen, seiner Hin- Wendung zu einem neuen Leben. Dieser Dreiklang läßt sicli bei der Mehrzahl der Feste Israels aufweisen. Auch der Schabbat führt von der durch die Enthaltung aller schöpferischen Tätigkeit und der Hciiigung des Tages von der Erkenntnis Gottes als Schöpfers der Welt (vgl. das Maariwgcbet des Schabbat, das die Schöp* fung betont: אתה קושת׳ ויכולו) über• das besondere Bewußtwerden der Bedeutung der Gesetzgebung für die gelebte Gegenwart (vgl. Schacharith, das Morgengebet: — ןשמח משה ושמרו, das die Gesetzgebung hervorhebt) zur dadurch möglichen Schau der Erlösung, des Einswerdens Gottes mit seinem Volke (Minchah: אתה אחד ושמך אהד ומי כעמך ישראל גוי אחד) und das Gedenken an Elijahu hanawi zu Ausgang des Schabbat (vgl. diesen Gedanken bei Fr. Rosenzweig, ״Stern der Erlösung“). Die Erinnerung an den Pessach mizrajim leitet durch die Identifizierung, durch die konkrete Vergcgcn* wärtigung des historischen Erlebnisses (חיב אדם לראיות את עצמו כאלו הוא יצא ממצרים)zum Peßach ieatid, der Zukunft'über, der erneuten Erlösung des jüdischen Volkes in der Zukunft (vgl. den letzten messianisclien Teil des Seiler und das erneute Hervortreten Elijaluis). Das Gedenken an die Zer- Störung Jerusalems führt durch die immer neue Trauer, die sich ganz konkret in den oft auf Tischahbeaw fallenden, immer wiederkehrenden Leiden des jüdischen Volkes manifcstiert, zur Erlösung, zur Geburt des Moschiach am Tischahbcaw. Es ist die auf das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft bezogene Abwandlung des in den ימים נוראים kosmischuniversal bestimmten Dreiklangs der מלכוי1ח׳ זכרונלת׳ שיפרות■ Der geschichtliche Vorgang wird jedesmal erst wirklich durch das Erleben in der Gegenwart und die dadurch hervorgerufene Veränderung im Bewußtsein und Tun des Mensehen führt eine neue Zukunft herbei. Wie wir sahen, wird in den Gebeten wie auch in der Agada der Ts c hu w a, d. 11. der durch diesen Begriff bezcichneten Aktivität des Menschen in der Gestaltung seines Schicksals entscheidende Bedeutung zugemessen. Dem stehen anscheinend die vielfachen Hinweise auf die Begrenztheit des menschlichen Tuns und auf die Ohnmacht des Menschen gerade in diesen Tagen im Wege (זכור ברית אברהם ועקדת יצחק) überhaupt die Hinweise auf das Verdienst der Väter als gleichsam eine Aushilfe für die Gegenwart. ׳עשה למענך ולא למעננו tue es um deine(-, nicht um unseretwillen, und die dauernde Anspielung auf die Kraft <ies ׳יצר הרע des bösen Triebes, die dem Menschen von Beginn an innewohnt und ihn — beinahe in Anlehnung an den Gedanken der Erbscluild — fast zu verschlingen droht, Ueberhaupt aber die Olmmacht des Menschen gegenüber Gott. (כי הנה כה׳ומר כיד היוצר . כן אנחנו בידך) Wie der Ton in des Töpfers Hand, sind wir in Deine Hand gegeben. (Beginn eines bekannten פזמון Kobiiilre.) Es handelt sich nur um einen scheinbaren Widerspruch. Gerade die Aufdeckung der Begrenzung des legitimen Rahmens führt durch das Gefühl der klaren Erkenntnis der Zusammenhänge 7.11 einem verstärkten Sicherheitsgcfi'ihl und dadurch wieder zu einem vergrößerten Tatendrang. Der die Passiv!־ tat betonende Islam, oder der Calvinismus, der den Menscher, als zum Guten oder zum Bösen vorbcstinnnt ansieht, führten gerade zu den stärksten akfivistisehen Bewegungen in der Weltgeschichte. (Die Eroberungs/üge des Islam, der von den calvinistischen Ländern ausgehende Kapitalismus.) Der Faust des ersten Teils, der alles erkennen, überall sein, zu übermenschlichen Mitteln greifen will, gelangt doch nur zur Resignation und zum Entschluß des Selbstmordes. Aktiv wird er am Ende durch die Erkenntnis seiner Begrenztheit in der Urbarmachung׳ der Küste des Meeres. Aehnlich die Freude und die Energie des vor Gott knienden und sich hinwerfenden, im Simdenhckcnntnis ״Widdujzerknirschten Menschen am Ausgang des Jom Kippur, wie es symbolisch in dem Beginn der Vorbereitung zum Bau der Sukkah für das Freudenfest am selben Abend noch zum Ausdruck kommt. Legende vom Sdiofar Von H e r m 4 11 n S i 11 s h e i m e r Ueber die Höhen von Judäa schleicht ein Knabe mit einem seltsamen kleinen Troß. Dieser nämlich besieht aus einem Widder, einem Rind und einem Hund. Wie vier einträchtige Wandergenosscn scheu sic aus, wenn sie an einer verborgenen Stelle im Gebirge lagern, zumal zur Abend- und Nachtzeit, wenn der Knabe' zwischen den Tieren liegt, uro durch ihre Wärme gegen die kühlen Lüfte geschützt zu sein. Wandern sie, dann hat es den Anschein, als ob jeder von ihnen für sich allein ginge. Der Hund streicht voraus und meldet, aufgeregt bellend, Gefahr von Tier und Mensch. Hinter ihm her steigt der Knabe, um gegebenenfalls die beiden anderen Tiere noch in Sicherheit bringen zu können. Von diesen aber sucht und findet der mächtige Widder jede kleine Gras- und ruttersfeüe, und das etwas träge Kind braucht seinem weithin glänzenden weißen Vließ nur zu folgen, um nicht Hunger zu leiden. ln der Nähe von Hebron macht der kleine Zug halt. Hier findet der Knabe aui dem Scheitel des Gebirges eine Höhle mit einer jäh abfallenden Wiese davor — Unterschlupf und Nahrung für Mensch und Tier, ein Bergwinkei, zu dem kein Pfad führt. Hier beschließt der Knabe zu verweilen. Hier richtet er sicli wohnlich ein. Hier ist der Himmel nah, hier ist Licht, Wärme und Schallen und vor allem auch, verborgen im Gestein, eine Uudlr, die hell hervorrieselt wie Milch aus der Brust der Mutter Erde und nach einem kurzen Sturz durch das I iclit wiederum vom Ges fein eingetrunken wird und verschwindet. Der Knabe heißt Arnos. Er ist des i ,־indes wenig kundig, aber da er früh in der Lehre und den Geschichten der Väter unterwiesen worden ist, weilt er von ungefähr, (lall von hier in der Nähe einst der Manu gen Norden gezogen sei» muß, nach dem er selbst genannt ist, der Hirte Ainos, def dann ein großer Prophet geworden ist. Mit Hund, Widdef und Rind also gründet er m dun Berglaml, um wie jenef Große den Ruf des Herrn nb/uwarten. Den Ruf d es 1 'lorrn? is t VT nit .hi auf c\\ ־itf ve rstummt fi'tf dieses I .and? Ist es nicht Ui'l 1 and der ToUm! geworden, trunken vom Blut der J1t r lad׳ en von (iefa 1iunru , die unter Bar Kcx ,hhas L 'ahn, r sich au '11; •״ len Windricht imLH‘;' 1 gesammelt hatten, um ge: gen das Meid he Rout zu 1 ei! > Wo ist mm ihr au! wa IleiK ies Blut, dl e Ki aft ihrer Anne , der kiilme Schlag ihrer 1 1er/( m? Der Kna he. zwischen dun drei abendlieh müden Tieren vor der Hohle sitzend, sieht das Tageslicht lintergehen und die N'achtgestirne aus dem Firmament hervorblüheit. Er senkt den Kopf und spricht einen Psalm, der von Gottes Unerforsdilichkcit handelt. Der fromme Text richtet ihn wieder auf, und in seine Augen dringt Licht aus dem werdenden Dunkel. Arnos war das Kind des ehemaligen Gerbers Juda auf der Insel Rhodos. Dieser war, als der Ruf Ben Akibas, des Weisen, und Bar Kochhas, des Helden, an die Juden der Welt erging, zum Kampf gegen Rom mit seinen fünf ■Söhnen aus der Heimat und Werkstatt aufgebroclmi, um seinem Volk mit der Waffe zu dienen. Er war schon seit Jahren Witwer. Seine Töchter waren verheiratet .Also verkaufte er Werkstatt und Felle und Handwerkszeug, um für sieh und seine Söhne aus dem Erlös Waffen und Wegzehrung zu erstehen. Den Jüngsten, den Arnos, wollte er nicht allein zuriicklassen, obwohl er noch nicht waffenfähig war, sondern eben erst Barmizwah und überdies von zarten Gliedern, vom Vater zum Studium der Lehre bestimmt. Auch Ainos also zog mit auf das Schiff. Er wollte, wie er schon ztt Hause getan hatte, dem Vater und den Brüdern auch im Feld und Lager zur Hand gehen und überdies, wenn sie in die Schlacht zogen, für sie und den Sieg der jüdischen Waffen beten. Aber seine und die abertausende von anderen Gebeten wurden nicht erhört. Zwar reihte sich zuerst Sic״ an Sieg gegen Rom. Bar Kocliba wurde ihrer furchtbaren Legionen und Kriegsmaschinen Herr, auch Herr des Landes der Väter wurde er. Aber Rom schickte immer neue und immer mehr Menselten und Geräte des Krieges, auch seinen besten Feldlierrn, so daß die Juden sich solcher Dcbermacht schließlich nicht mehr erwehren konnten um! alles Blut nutzlos geflossen war. Auch der Gerber Juda mit seinen vier Söhnen fiel im Kampf, einer nach dem anderen, Iris Ainos, das Kind im Lager, allein übrig blieb. Aber sogar in das Lager, unter die Greise, Frauen und Kinder, brachen die Römer ein und vergossen alles jüdische Blut, dosen sie habhaft werden konnten. Des Mordens war kein Ende. Und so fand sich Ainos eines N'aeiifs drohen im galiläischen Norden allein mit einem jüdischen Ureis, der schon aus vielen Wunden blutete und sich znnt Sterinen liinicgte. Um sie waren die drei Tiere: Rind, Widder und Hund, gleichsam die letzten Tiere des Landes, die letzte Milch und Wolle und das letzte wachsame Auge. Bevor der Greis sich bereitete, die Sterbegehete zu sprechen, nahm er den Knaben Arnos in die Arme, segnete ihn und hieß ihn mit den Tieren gen Süden zifltut, wo noch der lezte Rest von jüdischem Atem sei, und dort auf den Ruf des Allmächtigen warten. Ainos nahm die Worte des Alten, der ihn so manchen Tag im J.ager in der Lehn' unterwiesen hatte, mit all seinen jungen Sinnen auf. Der Alle starb. Um! als er ihn begraben hatte, machte er sich mit den Tieren nach Judäa auf. Er wußte ja, daß in Galiläa die Häscher und Spione der Römer, besonders die Samaritaner, allem jüdischen Leben auf der Spur waren, um cs dem Heidentum oder dein Tod zu überliefern. Auf dem Weg nach Judäa gelang Cs Arnos, den Nach- Stellungen m entgehen. Es entstand zwischen ihm und seinen Tieren ein stilles, tiefes Einvernehmen gegenüber den drofienden Gefahren. Wie oft Antos sie davor rettete, daß sie in die Hände der Feinde fielen, so oft sah auch er sich von ihnen gewarnt. Und so waren sie daun angekotnmen auf der Höhe bei Hebron, wo Ainos beschloß, auf den Ruf des Allmächtigen zu warten, wie ihm der Sterbende anbefohlen hatte. Der Sommer gleitet nun schon in die nahende Regenzeit. Aber noch glüht am Tag die Sonne. Wie mit den Händen ztt greifen, so nahe steht sic über der Wiese, auf der Arnos sitzt. Er denkt an die letzten Worte des Alten und fühlt, daß er hier, auf der Beigeshöhe, dem Ruf nabe sei, so wie einst Arnos, der Hirte und Prophet. Wenn er betet, meint er, Gottes Ohr sei ganz nahe bei seinen Lippen, und keines der heiligen Wort« gehe ihm verloren. In Trauer gedenkt er der Toten, des Vaters und der Brüder, aber auch der Tausende und wieder Tausende jüdischer Herren, die der Kampf mit dem heidnischen Rom gebrochen bat. Ist er vielleicht als einziger iibriggeblieben? Schwer atmend legt er einen Arm um der! Widder, der sich selten von ihm trennt. Aber da er den Nonnenball dahinrollen sieht auf seiner Himmelsbahn und die Wärme und Kraft des Tierleihes in sich überströmen fühlt, verzagt er nicht, sondern weiß sich mit der Sonne und dem Tier vom Allmächtigen behütet und aufbewahrt. Jäh sinkt der Abend. Die Kälte zieht heran und stellt sich wie in Säulen um Ainos herum, den Tempel der Nacht bereitend. Das Rind hat schon unter dein Felsendach der Höhle die Ruhe gesucht. Der Hund ist noch fort, um dem

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