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Jüdische Rundschau · 1936-09-16 · Heft 74-75 (16.9.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 74-75 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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w : Seit• 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nf. 74/75. 16. IX. 1936 Formel zu suchen — in dem üefüh!, daß wir gewonnen haben, wenn wir sie finden, und ins Bodenlose sinken, wenn es uns nicht gelingt, sie zu finden. Die Bewegung kann die nolitische Arbeit in erster Reihe nur fördern durch die Hai* tung, die sic cinnimmt: dadurch, daß sie mit vervielfachter Treue zu Erez Israel und zum Palästina-Aufbau steht und so ein bescheidenes Gegenstück zur Haltung des palästinensisehen Jischuvv liefert. 2. Die Exekutive sollte das Programm, das ihrer praktischen Arbeit unausgesprochen aber effektiv zugrunde liegt, zu einem klaren Programm ausgestalten und es publizieren, soweit nicht etwa politische Bedenken entgegen:..hen. Die Bewegung kann nur Einfluß auf die Fundamente des Programms nehmen. Man kann sagen, daß sich in gewissem (irade und mit gewissen Einschränkungen iri den letzten Tagungen der ״P a r i t ü t s“- Uedanke als Furnlament des Programm es durchgesetzt hat. Die Aufgaben der Bewegung im gegenwärtigen Augenblick liegen klar auf der Hand. Fs kann nicht Sache der Bewegung sein, unmittelbar die fremden Faktoren zu beeinflussen oder gar zu bekämpfen. Die Aufgabe kann nur darin bestehen, unsere Faktoren, die Faktoren, die den politischen Gefahren entgegenwirken können, zu verstärken. Dies geschieht durch: a) Stützung der Politik der Exekutive, b) Ermutigung des Jischuw in seiner Haltung, c) Stärkung des Jischuw, Der Jischuw — dessen Bedeutung gerade auch als politischer Faktor wir gesehen haben — ist durch die fünf Monate Unruhen in seiner Leistungskraft geschwächt. Wir müssen dafür sorgen, daß er nicht moß so stark wird, wie er bei Beginn der Unruhen war, sondern daß darüber hinaus die wirtschaftlichen Entvicklungsmöglichkeiten verwirklicht werden, die sicli gerade in der jetzigen Zeit bieten. Kundgebung: an Dr. Weizmann Die Sitzung des Landesvorstandes beschloß die Absendüng folgenden Telegramms an Dr. Chaim Wei z - mann, London: ״Namens Zionistischen Landesvorstandes Übermitteln Ihnen einmütigen Dank der Zionisten Deutschlands für außerordentliche Leistung und bekunden unser volles Vertrauen zu Ihrer Führung. Moses. Meyer.“ Wanderung nach Palästina in ein kritisches Stadium getreten war. Das jüdische Volk und die für seine Palästina-Politik verantwortlichen Faktoren wissen eine solche Hilfe zu schätzen, gehen sie doch von der Anschauung aus, daß eine wohlmeinende Stimmung der Welt für die Durchsetzung der berechtigten jüdischen Palästina-Forderungen nötig ist. Wir müssen daher alles tun, um diejenigen kreise in den Völkern zu stärken, die die große Bedeutung des palästinensischen Experiments für die Erleichterung der Judenfrage und als Werk menschlicher Gesittung erkannt haben. Dennoch kann man sich nicht eines Bedenkens CTwehren, das bei dem Studium der Motive auftaucht, die zu dem Schritt des polnischen Botschafters in London geführt haben und in der polnischen Presse diskutiert werden. Gewiß ist die Auswanderung als solche und die Emigration nach Palästina speziell eines der wichtigsten Mittel, um die Judennot in Polen zu erleichtern, und gewiß ist es richtig, wenn verlangt wird, daß die polnische Regierung und Ge- Seilschaft sowie das polnische Judentum selbst in dieser Richtung Hand in Hand arbeiten, um die Möglichkeiten der Auswanderung zu vergrößern. Es wäre jedoch ein gefähr- Jieher Irrtum, wenn man annchmen wollte, daß unter den gegenwärtigen ökonomischen und politischen Bedingungen der Welt, ohne daß tiefgehende Veränderungen in der Struktur des Völkerlebens eintreten, Emigration in einem solchen Umfang möglich wäre, daß dadurch eine radikale Lösung der polnischen Judenfrage erfolgt. Wir müssen vielmehr betonen, daß die Not der Juden, die zugleich eine Belastung der Völker und Volkswirtschaften ist, in deren Mitte sie leben, nur in den Ländern selbst gelöst werden kann, In denen die Juden heute beheimatet sind. Es geht nicht an, durch irgendwelche phantastischen Emigrationsprojekte diese Sache von sich abzuwälzen und etwa den Versuch zu machen, die eigene Verantwortung für die Lösung des Problems anderen Staaten — in diesem Falle England -— in die Schuhe zu schieben. Die Ablehnung dieses Gedankens ist von England selbst gelegentlich im Völkerbund zum Ausdruck gebracht worden. Ganz besonders deutlich wird diese Unmöglichkeit, wenn es sich um eine Juden m a s s e n Siedlung von dem Ausmaße handelt, wie es in Polen der Fall ist Mag es vielleicht auch angdien, die Fragen einer kleineren jüdischen Gemeinschaft, wie sie z, B. die Judcnhcit Deutschlands darstellt, durch Emigration in Verbindung mit Ueberalterung einer allmählichen Lösung zuzuführen, so ist es doch anz unmöglich, dieses Beispiel im großen für die Länder er jüdischen Massensiedlung nachanmen zu wolle«. Aus diesem Grunde scheint cs uns verhängnisvoll, wenn von jüdischer Seite selbst derartige Illusionen bei den Rcgienmcn und Völkern, auf die es ankommt, genährt werden. Der lau jabotinskys, von dem in diesem Zusammenhänge die Rede ist, muß als eine solche verhängnisvolle Illusion bezeichnet werden. Die polnisch-jüdische Zeitung ״Nasz Pr z eg lad“ hat mit Recht dagegen betont, daß Jabotinsky den Teil der Balfour-Erklärung übersehen habe, in dem cs heißt, daß durch die Errichtung des Nationalheims in Palästina die Rechte der Juden in anderen Ländern nicht beeinträchtigt werden sollen. Sein Projekt müßte die Leiden der iuden ungeheuer verschärfen. — Gewiß kann heute niemaml Voraussagen, welche Aufnahmemöglichkeiten für neun Einwanderer in Palästina in den nächsten zehn Jahren geeben sein werden. Daß aber Zahlen, wie sie in Jabotinskys rojekt genannt werden — U/s Millionen in 10 Jahren! — bei dem gegenwärtigen Stand der wirtschaftlichen Kräfte des jüdischen Volkes und auch im Hinblick auf die ökonomischen und politischen Verhältnisse Palästinas und des Vorderen Orients völlig aus der Luft gegriffen sind, liegt auf der Hand. Es Ist bedauerlich, daß in diesem Augenblick eine solche Manifestation von jüdischer Seite ausgeht, die nicht allein die Illusionen, die in der Frage der jüdischen Emigratlon hier und da bestehen, starken muß, sondern die auch geeignet Ist, einen anderen Komplex weiter zu verwirren, der in der politischen Diskussion der letzten Monate eine entscheidende Rolle gespielt hat. Ob mit oder ohne Bcrechtitigung —־ in jedem Fall ist in der öffentlichen Meinung. Englands immer wieder betont worden, dal! eine der.wichtigsten Ursachen des arabischen Aufstandes in Palästina die Furcht der Araber ist, die sie vor den Juden haben, weil sie annehmen, daß Juden das Land überschwemmen.und sie dann unterdrücken würden. Proklamationen, wie sie jetzt von Jabotinsky in Polen ausgingen, sind geeignet, eine sojehe Furcht zu verstärken bzw. auch die englische öffentliche Meinung zu irritieren. Wir wollen nicht hoffen, daß die Proklamation gerade in diesem Augenblick vorgenommen wurde, um die politische Arbeit und die Stellung der Exckutive der Jewish Agency zu erschweren. Bisher konnten wir im allgemeinen in diesen schweren Monaten der politischen Auseinandersetzungen feststellen, daß Quertreibereien von dieser oder jener Seite im jüdischen Lager unterblieben sind. Es wäre bedauerlich, wenn das jetzt veröffentlichte Projekt Jabotinskvs sich als ein solcher Versuch erweisen sollte, der für das Gesamtfeld der politischen Arbeit in einem entscheidungsschweren Augenblick gefährlich wäre. Darüber hinaus aber muß auch unter dem Gesichtspunkt der Nöte der Galuth und ihrer Behebung dagegen Protest erhoben werden, daß von unserer Seite aus diejenigen Kräfte Unterstützung finden, denen an einer wirklichen Lösung des Judcnproblems in den Ländern, in denen die Kranken-Versicherung Günstigste Tarife / Zuverlässig« Beratung Dhilinn li#lfA Bl RUN־WI LMER8DORF Brandenburglschs Str. 22 / J 2 Oliva 7443 Mltgl. d. Jüd. Gern. Günstigste Angebote für Versicherungen allsr Art Juden wohnen, im Grunde nichts liegt; Jabotinsky selbst hat in dieser Hinsicht ja bereits gewisse Erfahrungen gesammelt. Bekannt ist der Konflikt, der s. Zf. zu seinem Ausscheiden aus der Zionistischen Exekutive führte, als seine in der Ukraine in den Jahren der Revolutionswirren geführten Verhandlungen mit Petijura der (.)Öffentlichkeit bekannt wurden. Das Problem, um das es heute geht, kann nur dann erfolgreich behandelt werden, wenn beide Teile — Juden und Nichtjuden — Opfer bringen. Auf eine Kooperation kommt es hierbei gewiß an, und alles hängt davon ab, daß in naher Zeit schon sich dieser Gedanke durchsetzt; ihre Riehtung aber kann nicht die eines chimärischen Wunschtraumes sein, sondern sie muß alle Faktoren miteinander in Einklang bringen: Emigration, sozial-ökonomische Umschichtung, Festigung der vorhandenen Positionen, und sie bedart daher in den Ländern selbst der gesetzgeberischen und achninistrativen Maßnahmen, die darauf abzieleti, die Juden in ihnen zu einem Glied des Wirtschaftslebens zu machen, das nicht besser, aber auch nicht schlechter gestellt ist als die entsprechenden Schichten der Oesamtbevölkerung, Polen und Projekt «Jabotinskys — Schritt des Warschau, H. Septemln-r. (JTA.) Die ״Neue Z io• n i s t i s e 11 0 O r g a n i s a ז i <> 11" (11. i. die revisiollistisehe ()1 gamcation, die mit der Zionistischen < )rgatiisation und der als einzigen offiziellen In>tanz. Völkerrechtlieh anerkannten ״Jewish Agency" nicht verbunden ist) hat mit Rücksicht auf die 1 age in Palästina eine politische Aktion eingeleitet, die darauf abz.ielt, Polen zur Einberufung einer Konferenz vom Staaten zu veranlassen, die an jüdischer Massenauswaiulerung nach Palästina interessiert sind, liine solche Aktion wurde in 1 im׳r in W'arschau abgehaltencu Pressekonferenz, durch *Jen Pra-identen der N/.O., Scew Jabot inskv, bekaimtgegcbcii und gleichzeitig von Jabotinskv und anderen NZO.-Führern in der Tageszeitung ״L z a s“, dem Oigan des konservativen Flügels des Regierungsiagors, aueeiiiandergcsct/l. Jabotinsky ei klärte, das neue Statement der englischen Regierung enthalte keineswegs die Zusicherung, daß die jüdische Fhnvandenmg na. 11 I,ahi-tiim nicht eingestellt werden wird. Wollt aber hätten die arabischen Beamten offiziell die Mitteilung erhalten, daß eine Einwanderungst-pcrre von der Regierung erwogen werden wird. Die politische Lage des Zionismus sei nach der letzten Regierungserklärung sch wieriger geworden, als sie es variier war. Falls England den uden heim Aufbau ihres Nationallieüns in Palästina nicht chilflich sein wolle oder könne, dann müsse es das Mandat auf geben. Sobald dies geschehe, werde die Frage einer U ebertrag un g d e s M a n d a t s an ein Staatenkonsortium, das die Verwaltung Palästinas kollektiv übernehmen soll, aktuelle Bedeutung gewinnen. Der Zionismus, fuhr Jabotinsky fort, müsse eine grundsätzlicli positive Stellung gegenüber allen an jüdischer Massenauswanderung interessierten Staaten entnehmen, setfern deren Regierungsprogramni nicht von vornherein jndenfeindiieh ausgerichtet ist. Nach den von der N7.G. allsgearbeiteten Pläner, sollen 1 500 000 Juden, die Hälfte von ihnen aus Polen, in den nächsten zehn Jahren nach Pa- I ii s t i n a a 11 s w a n d e r n. Als das Land, das *die meisten Einwanderer für Palästina stellt, habe IAalen das Recht, bei England und heim Völkerbund zwecks Beschleunigung der Umwandlung Palästinas in einen Juden Staat zu interverlieren. Polen solle hierbei mit allen an der Frage intercssiertai Staaten Zusammenarbeiten. Der Plan der N/O. sehe eine unter den Auspizien der interessierten Regierungen aufzulegende große i!1 t e r n a t i 0 ת nie A n 1 e i h e vor. Ueber einen Schritt des polnisch e 11 B ots chaffers in London berichtet der Korrespondent des ״Berliner Tagebiatts" ans Warschau unter dem 11. September folgendes; ״Nach einer Meldung der Poin. Tel.-Ag. hat der poltusche Botschafter m l!>1!d״n, Rar? v n 5 k i, gestern den Uiitcrstaat.ssckrctär im Foreign Office, Sir Robert Vans i t t ,1 r t, aufgesucht und i 11m die Anerkenn 11 n g der p o 1 n 1 s e 11 e 1: R e g i e r tt 11 g f ii r die ,e n t s c h i e d e 11 e II 11 d w 11 r 11 i g e 1 i a i t 11 11 g, d i e E n g 1 a n d; n d e 11 p a - i ä stin e!1 s i s 1. 11 e!1 A n g e 1 c g e 11 h e i t e n finden o in - men hat', 11 ה s g e d r ii e k t. i )er Botschafter betunle die Li u artimg de! n!,,;!■s,!1!■ n Rt g!1 rung, da1’, die Rechte der J u d e ii zur Ansiedliing in Palästina n i c h t b e s c 11 r ä 11 k t werden, f he polnisch.׳ Regierung messe der Frage der jüdisclie״ Auswanderung die grollte Bedeutung bei, nachdem der größte Teil der jüdischen Auswanderer üb.-rhaupt von den Jwfen Polens gegellt werde, für die die Möglichkeit, nach Palästina aiisziiwniulern, eine!'.rennende Lebensfrage sei, Die /iazeta P o I s k a' befaßt sich in! Anschluß an diese Mehlung mii dem n neu Auswanderung-phm, den Jabotinskv 1 orgrlegt I1.it und der voll der ganzen polnischen Presse atl-fuiirlich 1״ handelt wurde. Jabcdinskv setzte sich dafür ein, daß Polen gemeinsam not der Neuen Zionistischen Organisation einen g r e> I“ z 11 g i g e n 1* 1 a n der Evaklii e r un g für die Juden ausarbeiten wird, der neben gewissen Maßnahmen interner Art, wie des Aushaues und der Errichtung einer Fmigrationshaiik, der Erleichterung bei der Regelung des Vcrinbgensst,•indes, Erleichterungen im Paßwesen usw., auch Interventionen hei den zuständigen Stellen des Völkerbundes im Verein mit anderen an dieser Frage interessierten I ändern Ost- und Mitteleuropas vorsehett soll“ Weiter berichtet der gleiche Korrespondent Einzelheiten über das Projekt Jabotinskys und die Stellungnahme des ״C/as“ hierzu: ״Der konservative ,Oas* beschäftigt sich in drei groß«! Artikeln mit einem Z e h n j :111 r e s p 1 a ri f ii r d i e j! ii d 1 s c h e Auswanderung. Fr hc/eidinet es als völlig unnötig und ungesund, daß in Pa'astina. als dem eigentlichen Vaterlande der Juden, heute nur 400 090 Juden lebten, d. h. nur 2,5!ס, des Weltjiideiitums. Iler Zehnjahresplan des ,Czas‘ sicht eine Rückwanderung von 1 500 000 Juden im Laufe der nächsten zehn Jahre vor, wovon jährlieh 75«00 Juden aus Polen aiiswamlcrn sollen. Diese Ziffer begründet er damit, daß auch in den Jahren 1919 bis 1935 das Itidenfum Polens die Hälfte der Rückwanderung nach Palästina gestellt habe. Mit Rücksicht auf die realen Verhältnissc schlägt der ,Czas‘ vor, diesen Plan nicht etwa schematisch Palästina polnischen Botschafters in London aufznfasscn, so daß jährlich 150 000 Juden in Palästina angesiedelt werden sollten, sondern elastisch zu handhaben und die Zahl der Rückwanderer im optimalen Falle 250 000, im schlechtesten 50 000 betragen zu lassen. Würde dieser Emigranteiiplan durchgeführt, so müßten nach Auffassung des ,Czas‘ in der Bevölkerungsstruktur Polens sich innerhalb der nächsten zehn Jahre um so größere Ver- Schiebungen ergeben, als die gedachte Durchschnittszahl an Auswanderern um 150 0,״ höher sei, als der Geburtenüberschuß der Juden in Polen jährlich sei. Am Ende des Zehnjalircsplans wurde das statistische Bild nach Ansicht des Blattes folgendermaßen aussehen: Gesamtbevölkerung davon Juden 1936 33 791 000 3 312 000 . 9.5 0/0 19-16 37 201 000 2 792 000 7,5 0/0 Das seit einiger Zeit zu beobachtende starke Interesse des ,Czas‘ an dieser Frage ist um so bemerkenswerter, als dieses Blatt früher in der Judenfrage eine gänzlich andere Stellung einnahm. Damals vertrat es noch die Hoffnung, die jüdische Frage auf dem Wege der Assimilation lösen zu könneu. Diese Hoffnung ist etappenweise aufgegeben worden. Heute gehört es zur festen ueberzeugung des ,Czas‘, daß die Lage sowohl der Juden wie der Polen nur entlastet werden kann in ihren gegenseitigen Beziehungen, wenn man zu einer großangelegten, systematischen Auswanderungspolitik den Juden gegenüber gelangt,“ Ministerpräsident General Skladkowski hat am 11 September Jabotinsky in längerer Audienz emnlangen. Ueber die Unterredung wird nur mitgeteilt, daß Jabotiusky mit dem Ministerpräsidenten das Problem der iüdisehen Palästina-Wanderung erörtert hat; über diese Frage sind bereits Besprechungen zwischen Jabotiusky und dem polnischen Außenminister Oberst Beck in Warschau und in Genf abgehaltcn worden. Das Echo Der Plan Jabotinskys hat in der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit ein lebhaftes Echo gefunden. Die gesamte jüdische Presse und weite Kreise der jüdischen Oeffenflichkeit wenden sich gegen die verschiedeneu ״Evakuierungspläne“, in denen sie ein Attentat aut die Bürgerrechte der Juden in den Galuthländern erblicken. Die bürgerliche polnische Presse dagegen setzt sich nachdrücklich für diese Pläne als ״einzigen Ausweg für die Lösung der Judenfrage“ ein. Sclialom Asch hat sich in einem Gespräch mit dem Vertreter der Tageszeitung ״Hajnt“ zu den Plänen Jabotinskys u. a. folgendermaßen geäußert: Jabotinskys Erklärungcii vor der polnischen Oeffentlichkeit, denen zufolge die Juden aus Polen evakuiert werden sollen, schädigen den Zionismus und gleichzeitig die jüdischen Lebensinteressen. Ein solcher ,,Zionismus‘•, der sich mit einem Evakuieren von Juden identifiziert, muß in der ganzen Welt erbittertsten Kampf hervorrufen, denn er wird zum gefährlichsten Werkzeug in den Händen unserer Feinde und untergrabt unsere nackte Existenz. Noch gibt es nirgends einen Winkei der Zuflucht für uns, noch sind vor uns alle Türen und Tore verschlossen. Vor die einzige kleine Tür, die uns in Palästina offenstand, hat Herr jabotinsky sich mit seinen rednerischen Fähigkeiten gestellt, um auch sie für uns zu verschließen. Jetzt helfen die Herren mit ihren leeren Worten die Juden von den Orten zu verdrängen, an denen sie leben, mit deren Boden sie durch hunderte Wur- /ein als Ergebnis eines Jahrhunderte- und jahrtausendelangen historischen Prozesses verwachsen sind. Das Streben, die Juden aus Polen mit der Zustimmung und Beihilfe Herrn jabotinskys zu evakuieren, wird nicht dazu beitragen, die Tür irgendeines Emigrationslandes auch nur um Spaltbreite weiter zu öffnen. Im Gegenteil, Herr Jabotinsky wird nur dazu verhelfen, daß die Tore jeder Auswanderungsmöglichkeif sich noch weiter schließen, weil eine zur Aus- Wanderung gedrängte Bevölkerung in jedem Land als utierwimschtes Element, als Einfuhr billiger Arbeitskraft hetrachtet und schon im voraus Widerstände in der! dortigen arbeitenden Massen auslösen wird... Wir haben, erklarte Sclialom Asch, keine Invasion vorgenommen, daß man uns evakuieren müßte. Ein gefährliches Projekt Die vorstehenden Nachrichten aus Polen müssen unser starkes Interesse erwecken. Es ist gewiß anzuerke1111en{ daß die polnische Regierung an jüdischen Fragen Interesse nimmt, beherbergt doch Polen die größte Massensiedlung von Juden in Europa. Wir müssen es auch begrüßen, wenn sich Polen in einem wichtigen Augenblick für unsere Interessen einsetzt, wie es nach der amtlichen polnischen Meldung iri London der Fall war, als die Frage der jüdischen Ein- IST. Zukunft Huer Kinder K',,,׳',”; Landschulheim Florenz HBhere Schule und Internat 1. Schulbildung bl• zum Ablturium 2. Für Knaben und MHdohen von 6 — 1« Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen intenelvsie Spreehanpfiege 4. StudienberecMigung 1*1 *•et eilen Staaten 5. Eigene HAU8H A LY8 « CHIILE, Stenographie, Schrtibmaschin» 0. Werkunterricht, Land- und Gartenarbeit 7. Vorbereitung W3r AuewanderungelSndor 6. Haueirztlich• Überwachung, individuelle Förderung 9. Sohönete Umgebung, gute« Klima, Sport 10. 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