Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1936)
- Date
- 1936-09-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653992--29468-2690999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 73, 11. SEPTEMBER 1936 Die Beziehungen von Mensch zu Mensch Anton Tesarek, ״Du und dein Kind. Eine Scclcnkundc des Kindes für Alle“. Saturn-Verlag, Wien 1936. Franz Carl Endres, ״Sittliche Grundlagen menschlicher Be- Ziehungen". kascher-Verlag, Zürich und Leipzig 1936. Die beiden angezeigten Werke sind populäre Darstelhingen, die einem weiten Leserkreis viel für die Gewinnung der eigenen inneren Klarheit zu geben vermögen. Beide Bücher sind von einem hohen sittlichen Gehalt erfüllt, der in einer immer liebloser und kälter werdenden Welt wie eine wärmende Flamme wirkt. Tesarek gibt in seinem (manchmal etwas sprunghaften) Buch einen Ueberbliek über die Entwicklung des Kindes bis zum Eintreten der Pubertät und legt an zahlreichen Beispielen und Ratschlägen dar, welches die vernünftigste Art ist, in der Eltern ihre Kinder auf/iehen sollten. Es gibt eine Fülle solcher Bücher; seit Jahrhunderten schreiben die Menschen über dieses Thema. Aber es bleibt natürlich immer ein neues Problem, weil die Menschen bekanntüch aus Geschichte und Erfahrung nichts lernen. Die Darstellung Tesareks ist darum im Grunde auch nicht neu; sie faßt zusammen, was man seit Rousseau und Pestalozzi über diese Dinge gedacht hat und was die moderne Seelenkünde an Erkenntnissen noch hinzufügen konnte. Aber der Geist der Güte und des Verstehens macht dieses Buch zu einem Gewinn. In nicht minder starkem Maße ist diese gleiche Gesinnung iri dem zwar nicht umfang-, wohl aber inhaltreichen Buch von Endres enthalten, ln kurzen, von Lebenserfahrung und hohem ethischen Wollen getragenen Kapiteln schreitet Endres (den wir als Verfasser von Palüstinabüchern kennen) den Kreis menschlicher Beziehungen ah; nachdem er die Begriffe des Alleinseins und der Liehe auf ihren Gehalt hin geprüft hat, ruckt er in den Kapiteln über die Ehe, über Eltern und Kinder, über die Stellung des Menschen zum Beruf, über die sozialen Beziehungen sowie über das Verhältnis des Mensehen zum Fier immer wieder die Forderungen höchster Moral, der Rücksichtnahme, der Liebe und des Verstehens in den Mittelpunkt. Fine verinnerlichte Welt wird hier gezeichnet, die vielleicht in der Wirklichkeit nur sehr schwer aut/!!bauen sein wird, die aber doch immer Ideal und Ziel einer Kulturniensehheit bleiben mul׳!, solange sie nicht selbst ihre eigenen sittlichen VXVrtset/ungen aufgeben will. Dr. N. Die Anfänge des Liberalismus Harold J. Laski, ״The Rise of European Liberalism“; Vorlag: George Allen K Umvin, London 1936. Jede Arbeit, die einen möglichst objektiven Beitrag zum Problem des Liberalismus liefert, wird man gerade in dieser Zeit begrüßen, in der die große Schlufiauseinanderset/img einer neuen Weltanschauung mit dem Liberalismus erfolgt. Daß wir Juden, die wir oft als die typischen Vertreter des Liberalismus angesprochen werden, ein besonderes Interesse an einer Klärung haben, bedarf keiner Ausführung. Das Buch, das der Londoner Professor Laski vor kimzcm erscheinen ließ, ist NLii'r>ltor'7 Buchhandlung Martin Salotnon lav U 11 W I 5 Berlin NO 43, tt«ua K8niö»treß* 79 ״ Tal®phon. £ 3 263$ keinesfalls eine Lösung aller Zweifelsfragen. Aber es stellt doch einen sehr wesentlichen Beitrag zur geschichtlichen Erkenntnis der Probleme dar. Der größte Teil des Werkes befaßt siel! mit der Entwicklung vom 15. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution und untersucht den praktischen Einfluß der Theorien Macchiaveilis, Bodins, Hobbes’, Lockes, Bacons und anderer Denker bis zu Rousseau, Voltaire und den Enzyklopädisten hin, die den französischen Reformern das geisiige Rüstzeug lieferten. Der Autor wendet sein Augenmerk vor allem den (ökonomischen Faktoren zu, die in der pohtisehen Entwicklung in Lngkuid, Frankreich, Holland und Anierika eine Rolle spielten, mul sucht zugleich den philosophischen und religiösen Wurzeln des Liberalismus nach/uspiiren. Die Laskische Auffassung vom Liberalismus ist, daß er die Verkörperung einer Theorie ist, die der ״Mittelstand“ (in der bei uns üblichen Terminologie ״dritter Stand“) in seinem Kampf um seine politische Gleichberechtigung seit dem 1(1. Jahrhundert aufgebracht hat; er bezeichnet den Liberalisimis einmal als ״ein Nebenprodukt der Anstrengungen des MitteFtandes in seinem Kampf um den Platz an der Sonne“. Vor allem aus der späteren Entwicklung im 17, Jahr״ hundert glaubt Laski folgern zu können, daß die eigentliche Kraft des 1 iberahsmiis mit den Bedürfnissen des unterdrückten Mittelstandes ziisammcnliängt und daß auch trotz seiner Umdeiitung ins Universale sich dieser tlerkiinftseharakter nicht verleugnen läßt. Das Seilwinden der Autorität des Liberalismus sieht Laski darin begründet, daß allmählich die Unzulänglichkeit der Begründung offenbar wird. Das Sclilußkapitel ,,Nachlese" ist besonders interessant in der Darstellung der Krise des Liberalismus im heutigen Amerika, aller weniger befriedigend im Ausblick auf die Zukunft. Denn wenn tler Autor am Ende keiner anderen Hoffnung Ausdruck zu gehen vermag als der, daß eine spätere Generation einen ״schöneren Frühling“ herbeiführen wird, so ist das keine .Antwort auf die Lebensfrage, vor die wir heute Lebenden gestellt sind: wie bringen wir das in uns angelegte Gedankengut der Vergangenheit in Beziehung und Ueberein- Stimmung mit den Zielsetzungen einer neuen Zeit? Dr. Gerhardt Neumann Jüdische Musik im Frauenbunds-Kalender. Bertha Pappenheim, die kürzlich von uns geschiedene Gründerin des Jüdischen Frauenbundes, gab die Anregung zum Thema dieses Kalenders, der, wie alljährlich, als ein vertrauter Gast in diesen Tagen im jüdischen Hause erscheint und ihrem Gedenken gewidmet ist. Anneliese Landau zeichnet in knapper Einleitung die Entwicklung der Musik im biblisehen Judentum. Lisbet Cassirer und Hannah Karrninski wählten mit gewohntem Geschmack alte und neue, zum Teil wenig bekannte Darstellungen jüdischer Musik und jüdischcr Musiker in Malerei und Plastik — angefangen von dem Bildnis des ersten Flötenspielers Jubai im Dom zu Florenz bis hin zu dem ״Tubiscli’at-Lied“ (15. Jalirli.) der indischen Kinder in Erez-Israel, dessen Text und Melodie Alice Loewenson beisteuerte. Arno Nadel gab manche Probe aus seiner Sammlung von synagogalen und volkstümlichen Meiodien. Acußerungeii aus alten und neuen jüdischen Büchern über die Rolle der Musik im jüdischen Leben begleiten das anmutige Büchlein, über dem in unsichtbarer Schritt Goethes Mahnworte geschrieben zu sein scheinen; ״Nur nicht lesen — immer singen!“ Daß der Schabbat in Berlin und in Frankfurt zum ersten Male im Frauenhundskalendcr in diesem Jahre auch einen Anfang und nicht nur ein Ende hat, das wird von allen Lesern und Leserinnen begrüßt werden. Der hübsche und wertvolle Kalender ist durch den Jüdischen Frauenbund, Berlin-Charlottenburg 1, Kantstr. 158, zu bcziehen. Der Preis für den Kalenderblock betragt 1,75 M., für den Abreißkalender 2,25 M. -ss. ״Die unsichtbare Rette“ Herbert Friedenthal: Die unsichtbare Kette. Roman eines Juden. Verlag Atid, Berlin. Unseren Lesern ist ״Die unsichtbare Kette“, der erste Roman des jungen Herbert F r i cd e!1 t h a 1, bereits durch den Vorabdruck in der ״Jüdischen Rundschau“ bekannt. Die Buchausgabe ist allerdings etwas umfangreicher, und das StifTirnungsniäßige, das ideologische wie das psychologische Gerüst der Handlung kommen hier ausführlicher zur Geltung, und ansprechende Landschaftsschiklcrungcn runden das Bild. So wirkt diese Geschichte eines jungen Juden von heute und hier, seine Wandlung von der Indifferenz oder Hilflosigkeit dem großen Judcnproblcm gegenüber zur Bewußtheit und zur Einfügung ins allgemeine Schicksal, sein Fluchtversuch aus der Front dieses Schicksals in eine ferne, schöne Welt und seine Heimkehr, seine Erkenntnis, daß man nicht diesem Schicksal entfliehen kann und darf, — so wirkt nun dieses typische Erlebnis im Buch noch einmal und gesammelter auf uns und verfehlt auch hei der neuerliehen Lektüre den Eindruck nicht, aus dem heraus es entstand. Es ist, von der Wirksamkeit und Lauterkeit des mutigen Aufzeigens dieses jüdischen Bekenntnisses abgesehen, kein durchweg eindeutiger Eindruck, und eben hier, an der Stelle, wo dem Roman zuerst zur Öffentlichkeit verholfen wurde, eiart auch ein Wort der Kritik gesagt werden, dürfen auch die Schwächen des Romans als eines Kunstwerks angedeutet werden: der innere Zusammenhang zwischen den Geschehnissen in Berlin und denen in Italien ist nicht dicht, nicht zwingend genug; die Figuren, besonders die männliche Hauptfigur, ist allzu impressionistisch Umrissen, zu wenig als Charakter gestaltet; die Diktion ist ungleichmäßig, die frappant scharfen Formulierungen der, sagen wir einmal: theoretischen, Oedankengänge stechen von der leichten, oft allzu flüssigen Sprache in den reinen Geschehnis-Schildcrungen nicht immer wohltuend ab. Aber das ändert nichts am allgemeinen Wert der Arbeit, die der erste Versuch eines jungen Talents und auch in den Schwächen eine Talcntprobe ist und bleibt. Es handelte sich ja darum, eine Art Lehrstück zu gehen, einen vorgefaßten Gedankenweg am lebenden Objekt zu demonstrieren. Darzustellen war der innere Weg eines jungen Menschen in der Richtung auf ein positives Ziel, und das ist in einer durchweg' ansprechenden Weise geschehen, in so romanhaft gelungener Art, daß weder die Tendenz aufdringlich wird, noch die Unterhaltung das Niveau drückt. Und das ist eine bemerkenswerte Leistung. H. ZUSPRUCH Von Ilse B1 u m e n t h 01 We i k Wisse: noch Ist olles Leben Delnl Wisse: noch darfst Du vollendet sein Seinem Wort und Seinem Angesicht. — — — Klage nicht! - Zage nlchll Wisst: noch aus dumpfem Trieb und Sinn Mahnt Sein Erbe Dich dem Nfidislen hlr Weiset alle Liebe, alles Licht. — — — Klage ntchtl — Zage nlchll Wisse: nie erml&t Dein Maß Sein Reich. Leben, das ist Tag und Nacht zugleich, Huld und Gnade, Sünde und Gericht. — — — Klage ntchtl — Zage nicht! Wisse: noch der Leiden Gegenwart, Gröber, die Jahrtausendschritt gescharrt. Sind nur Schatten Seiner wehsten Pflicht. — — — Klage nlchll — Zage nlchll Wisse: Du bist Immerdar Sein Ktnd: Jede Stunde, die in Dir verrinnt. Ist Sein Anruf, der Dich weckt und ruht. Ist Sein Name, der nur Liebe tut. Ist die Stimme, die die Tröstung spricht: Klage nicht! — Zage nlchll 111:m11M111111mt1m1m11nm1n111111m!111111m11111111111111111111111111m11M111111n11m11m1!111!11111m1m11tmn1m!i1111mH1tmM111 Alfred Wolfenstein, ״Die gefährlichen Engel. Dreißig Go schichten.“ Verlag Julius Kittls Nachf., M. Ostrau-Leipzig. Wir erinnern uns noch der stillen, zarten und oft grotesken Vers- und Prosalyrik Alfred Wolfensteins aus früheren Jahren. Sein Hang ztitn Schauerlichen und Abgründigen wird in seinem neuen Kurznovellenband nochmals sehr konz.cn• friert verdeutlicht. In den Geschichten, in denen auf wenigen Seiten ganze Menschenschicksale abrollcn, jagt eine Furchtbarkeit die andere, und die seelischen Abseitigkeiten in diesen dreißig Geschichten bringen den Leser, der es gar nicht so genau wissen wollte, manches Mal in peinliche Verlegenheit... manchmal freilich auch zum Lachen. Alan wird andererseits nicht leugnen können, daß in diesen Geschichten — obwohl nichts Jüdisches an ihnen ist — gewisse Grundzüge aus der jüdischen Herkunft des Autors zu erklären sind. So wenn immer wieder die Idee der Gerechtigkeit als Leitmotiv aufleuchtet, der zuliebe sich die Wolfensteinschen Gestalten aufopfern. _ -nn. Jüdisches Festbuch. Nach zweijähriger Vorbereitung erscheint im Jüdischen Verlag, Berlin, ein Sammelwerk, herausgegeben von Prof. Dr. Friedrich Thiebergcr und Dr. Else t?abin, unter dem Titel: ״Jüdisches Fest — Jüdischer Brauch“. Das umfangreiche Buch, im Format des ״Jüdischen Lexikons“, init zahlreichen Textillustrationen, Bildtafeln und Notenbeilagen, stellt eine Enzyklopädie der jüdischen Feste und Bräuche dar. Der allgemeine Teil enthält einleitende Aufsätze der Herausgeber über die religiöse Haltung und das jüdische Haus, dann Beiträge von Rabb. Dr. I. Ziegler, Karlsbad, über die ״Gemeinde“, von Univ.-Prof. Max Eisler, Wien, über ״Bau und Einrichtung der Synagoge“, von Arno Nadel über ״Die synagogale Musik“ und schließlich einen umfangreichen Beitrag des verstorbenen Oberrabb. Dr. David Feuchtwang, Wien, ״Der jüdische Alltag“. Es folgen hierauf Abschnitte über den Schabbat, die Hohen Feiertage, Pcßaeh, Schawuot, Sukkot und die anschließenden Feste, über die freudigen Tage (Chanukka, Purim, Rosch Chodesch, Lag Baomer tisw.), über die traurigen Tage (Tischa beaw itsw.) sowie schließlieh Darstellungen der persönlichen Feste, nämlich Beschneidüng, Barmizwah, Hochzeit, ferner Trauer-Vorschriften und -Bräuche tisw. Dann folgt eine große Zahl von Stücken aus der Literatur aller Zeiten, die zur Lektüre für die betreffenden Feste und Gedenktage bestimmt sind. Jüdisches Jugendbuch (6. Jahrgang des Jüdischen Jugendkalenders). Im Jüdischen Verlag, Berlin, gibt Rabbiner Dr. Emil Bernhard Cohn den neuen (VI.) Jahrgang des Jüdischen Jugendbuches heraus, das früher unter dem Titel ״Jüdischer Jugendkalender“ erschien. Dem Buche liegt ein zweifarbiger Wandkalender bei. Der Inhalt des diesjährigen Jahrangs ist sehr reichhaltig. So erscheinen mehrere spannende!■Zahlungen des Herausgebers, z. B, die von der Entdeckung Amerikas durch Columbus und seine jüdischen Begleiter, dann eine Geschichte aus dem jüngsten Araber-Aufstand in Palästina ״Land in Aufruhr“. Zu erwähnen sind ferner Erinnerungen an Heinrich Heine und an die ersten Anfänge der neuhebraischcn Bewegung in Berlin vor vierzig Jahren usw. Ein schottischer Dichter Eric Lindater: Ripeness is all. Albatross Verlag, Hamburg- Paris. Der Schotte Linclater ist einer der gescheitesten Köpfe der jungen — immerhin nicht mehr allzu jungen — eng- Iischen Dichtcrgencration. In Aberdeen geboren, hat er in׳ Indien und Amerika als Journalist und Dozent gelebt; und von überall brachte er scharf beobachtete Lebens- und Menschenbilder mit. Der Albatross-Verlag brachte uns schon früher seinen ״Juan in America“ und zwei andere seiner Werke; er hat sich ein Verdienst erworben, als er nun dazu noch die witzige üesellscbaftskomödie mit dem schönen Shakespeare-Motto ״Ripeness is all“ (Reifsein ist alles) fügte. Da hat ein reicher Sonderling, der Major Gandcr, der als Junggeselle starb und zeitlebens eine (platonische) Vorliebe für grolle Familien hatte, im Testament sein großes Vermögen demjenigen seiner Verwandten hinterlassen, der bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die meisten Kinder in die Welt gesetzt hat. Wie die verheirateten und unverheirateten Verwandten alle miteinander nun einen Wettlauf nach dem ersehnten Ziel, wo ihnen £ 75 000 winken, anstellen; wie ein nichtsnutziger Neffe aus Indien, der seine Liebste und ihre zahlreiche Familie als seine Sprößlinge ausgibt, beinahe das Rennen gewonnen hätte — das führt zu den ergötzlichsten Verwicklungen. Nebenbei erhalten wir scharf gesehene Skizzen aus dem heutigen englischen Leben; die wohltätigen Garden- Parties der älteren Generation (״zur Verbesserung der Schlachthäuser“) sind ebenso drastisch geschildert wie die robuste Sportbegeisterung der modernen Miß und die ״graphischen“ Meisterwerke des jungen Lyrikers, der jedes Gedicht auch figürlich darstellt oder die höchst beliebten englischen Korrespondenz-Schulen, die mit ungeheurem Aufwand an Reklame versprechen, den Schülern alles beiz.ubringen, ob sich's nun um hinterindische Dialekte oder um die Kunst handelt, erfolgreiche Kurzgeschichten zu schreiben. Wir sind mit dem Autor froh, daß nicht der Taugenichts Georg, noch der tugendhafte Arthur das Vermögen erbt, sondern der brave Vikar mit seinen vier ״schwierigen“ Kindern, den seine £ 75 (XX) nur mit Miihe trösten können, daß er als ein illegaler Sprößling des seligen Erblassers geboren worden ist. Das König Lcar-Motto nimmt sieh auf den ersten Blick über dieser menschlichen Komödie ein wenig .,. verirrt aus. bs. Eine Lanze für den Idealismus Arthur Lieber!, ״Die Krise des Idealismus“. Rascher-Verlag, Zürich und Leipzig 1936. Ob es möglich ist, ein neues Zeitalter des Idealismus heraufzuführen, das ist die Fragestellung in Prof. Lieberts neuem Buch. Eingehend setzt er sich mit den Einwänden gegen den Idealismus auseinander, die von den verschiedensten Standorten!!er erhoben werden, gibt ein Bild von der Spannung zwischen den Einzelwissenschaften und der ideaiistisehen Philosophie und sucht den Gründen hierfür nachzugehen. Nach einer Darstellung des Wesens des Realismus und eingehender Kritik sucht Liebert das Wesen und die Notwendigkeit des Idealismus darzulegen, ohne freilich restlos zu überzeugen, daß die idealistische Auffassung tatsächlich die einzig gemäße für unsere Zeit sei. Die Darstellung geht von der unbewiesenen Voraussetzung aus, daß der Idealismus eine höhere Stufe der Philosophie als der Realismus sei. Aber selbst wenn dies wahr wäre, bestünde noch immer keine Möglichkeit, ein einmal vorhandenes Zeitgefühl, das wesentlich realistisch orientiert ist, zum Idealismus zu ״bekehren“, Dies wäre nur möglich, wenn das Leben selbst Ansatzpunkte für eine neue idealistische Auffassung bieten würde. N- Ria Siekcnv: Flammen in Palästina. Verlag W. P, van Stockum & Zoon, Den Haag 1936. Diese tagebuchartigen Aufzeichnungen einer Nichtjüdin, die bei ihrem Aufenthalt in Palästina vor Abenteuern nicht zurückgeschrcckt ist und daher mehr erlebt hat als die meisten anderen Reisenden, sind mit frischem Temperament geschrieben und geben — meist sehr subjektiv gesehen — Einblicke in das palästinensische Leben. Interessant sind vor allem ihre Erlebnisse mit den Arabern und die Begegnungen mit (lern arabischen Nationalismus. Die Autorin zeigt deutliehe Sympathien für die jüdischen Leistungen und die menschliche Haltung der Juden, wenn sie auch manches nicht immer richtig sieht. Im ganzen ein Buch, das Palästina von einer Seite zeigt, von der man es selten zu sehen bekommt. Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Friiz Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Straße 4344־ Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon Bismarck 6506 Zusendung nach allen StadtteHeo