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Jüdische Rundschau · 1936-09-11 · Heft 73 (11.9.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 73 (11.9.1936)
Date
1936-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 73, 11. IX. 936ו Jüdische Rundschau Seite 3 ,Times* zur Regierungserklärung ״Ein Volk, das sich erinnert, hat ein Recht“ Unter Bezugnahme auf die von der Regierung in Aussicht genommenen energischen Maßnahmen gegen den Aufruhr in Palästina schreibt die ״Times“ vom 9. Scptbr. in einem Leitartikel, daß nur verblendete Parteigänger an dem äußerst gemäßigten Ton der Regierung Abstoß nehmen oder die Genauigkeit ihrer Chronik der lezten Ereignisse anfechtcn können. Unruhen in Jaffa führten zu einem arabischen Generalstreik, der wiederum in wilden Terror ausartete, begleitet von Morden, oft außergewöhnlich brutaier Art, Brandstiftung, Einschüchterung und Angriffen aut Polizei und Militär. Die Führer dieser Bewegung behaupten, daß sie über ihre Anhänger keine Kontrolle hätten, scheinen jedoch die schlimmsten Exzesse nur auf Drängen ihrer europäischen Freunde verurteilt 7u haben. Sie und die fanatischen Geister, die ihnen folgen, oder denen sic folgen und von denen sie nicht getrennt werden können, haben cs sich zum Ziel gesetzt, die Politik der Regierung durch Drohungen und Gewalt zu beeinflussen. In anderen Worten, sic versuchen, die Mandatannacht zu einem Nach gebe 11 zu zwingen, was eine Verletzung des Mandats und einen Verrat sowohl an den Juden als an ihren eigenen berechtigten Interessen bedeuten würde. Die britische Regierung und die Palästina-Verwaltung haben äußerste Nachsicht walten lassen; es ist sogar Kritik daran geübt worden, daß diese Nachsicht einen Grad erreicht hat, der die radikalen Elemente in ihrem Treiben bestärkt hat. Die Regierung hat die ungewöhnliche, wenn auch wohlgemeinte Einmischung unabhängiger arabischer Staaten in die inneren Angelegenheiten des Mandatsgebietes geduldet in der Hoffnung, daß das Oberste arabische Komitee Entgegenkommen zeigen würde. Diese Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen. Der Mufti von Jerusalem, der Vorsitzende des Komitees, verhandelte mit dem irakischen Außenminister, akzeptierte dessen Intervention und rief dann die Araber zur Fortsetzung des Streiks auf, der mit politischen Verbrechen und dein Zustand des Guerilla-Krieges untrem!- bar verbunden ist. Nach einer Meldung aus Jerusalem versuchen die Kollegen des AAufti jetzt dessen Manifest wegzuerklären; für den unbefangenen Leser jedoch hat dieses Dokument nur eine Bedeutung. Die Mandatarmacht hat die Herausforderung angenommen. Eine Division unter Oberbefehl von Generalleutnant Dill ist nach Palästina entsandt, und es ist anzunehmen, daß zumindest in gewissen Teilen des Landes die Proklamierung des Standrechts erfolgen wird. Polizeiliche Maßnahmen allein werden das Palästina- Problem vom arabischen Standpunkt aus nicht lösen. Eine Einschränkung der jüdischen Einwanderung auf ein Minimum würde lediglich neue Kornplikationen mit sich bringen, ganz zu schweien von dem Prcstigeveriust der englischen egierung. Andererseits muff der andauernde Zustrom von Juden in dem Tempo der letzten Jahre die arabische Feindseligkeit verschärfen, den Einfluß der radikalen Elemente verstärken und die Aussicht auf eine Versöhnung der beiden Völker in weite Ferne rücken, wenn nicht gar völlig zunichte machen. Beide Völker haben Rechte im Lande. Die Araber waren trotz der Episode der Kreuzzüge und der türkischen Eroberung das herrschende Element in Palästina für mehr als 12 Jahrhunderte; sie haben dem Lande ihre Sprache und ihre Kultur aufgedrückt, und die Majorität der arabischsprechenden Palästinenser betrachtet sich heute, wie immer ihre rassische Herkunft tatsächlich gewesen sein mag, als Araber. Was die Juden betrifft, so können sie sich von einem Lande nicht lossagen, mit welchem sie durch eine Tradition, die weit hinter die Zeit der arabischen Eroberung des Landes zurückreicht, und durch eine Hoffnung, die sie während der schwersten Bedrängnisse aufrecht erhalten hat, verbunden sind. ״Ein Volk, das sich erinnert, hat ein Recht“ und die zionistischen Errungenschaften beweisen die Kräfte, die in Erinnerung und Tradition liegen. Die beiden Rechtsansprüche sind jetzt miteinander in Konflikt geraten; beide Völker liegen jetzt faktisch in Krieg miteinander, die Araber in der Offensive, während die besser disziplinierten Juden sich mit Zorn und Widerstreben in die Defensive fügen, die ihnen von ihren Führern und von den britischen Behörden auferlegt worden ist. Frieden kann zeitweilig durch die strenge Hand der Armee vviederhergestellt werden, die den Handschuh noch nicht abgelegt bat, aber ein dauernder Friede kann nur durch eine konstruktive Politik zuwege gebracht werden, die sich der vollen und unbeugsamen Unterstützung sowohl der britischen Regierung als ihrer Beamten in Palästina erfreut. Auch die Aufgabe der Kommission darf sich nicht darauf beschränken, einen zeitweiligen Waffenstillstand in Palästina herbeiziifülircn. Ihre Kompetenzen sind weit genug gezogen, um eine Untersuchung zu rechtfertigen, die die gegenwärtigen Verwaltungsmethoden in Palästina und die Taktische Auslegung des Mandats durch die verschiedenen ritischen Regierungen und Oberkotnmissarc umfaßt. Man dart nie vergessen, daß die Engländer, gerade so wie die Araber und Juden rechtmäßig in Palästina sind, und daß die britischen Regierungen und die englischen Verwalter Palästinas gerade so verantwortlich für den gegenwärtigen Stand der Dinge in diesem Lande sind wie die zionistischen Juden und die nationalistischen Araber. Es mag zugegeben werden, daß allzuviclc Zionisten nicht frei sind von dem Fehler so vieler tüchtiger Leute in jedem Lande und nicht die Fähigkeit besitzen, den Standpunkt der Gegen seite zu verstehen; daß zionistische Ausschließlichkeitstendenzen mit Recht arabische Handwerker und arabische Arbeiter aufgebracht haben; daß der Mufti von Jcrusalem und andere arabische Führer selten eine Gelegenheit vorübergehen ließen, um nationalen Haß und Eifersucht zu entflammen, um furchtbare Verbrechen zu beschönigen und zu verzeihen und um in einer völlig phantastischen Propaganda zu schwelgen, die bekanntlich britische Kommissionen und Politiker in die Irre geführt hat — all das mag wahr sein, aber ist die Mandatsregierung ganz frei von Schuld an den Ursachen ständiger Spannung und häufiger Ausbrüche in Palästina? Der Mufti von Jerusalem wurde in sein hohes religiöses Amt nach den antijüdischen Ausbrüchen von 1920 berufen. Aber es kann nicht geleugnet werden, daß die britischen Behörden zu jener Zeit die Wahl eines Führers begünstigten, der jetzt seine Anhänger in eine höchst mißliche Lage gebracht hat, hauptsächlich infolge seiner Eifersucht auf gemäßigtere Poiitiker und auf den Emir von Transjordanien, gegen dessen von Gemeinschaftssinn getragenen wiederholten Appelle für ein Aufhören der Gewalttaten er seine Ohren verstopft hat. Die Entwaffnung der Bevölkerung, eine notwendige Vorbedingung für jede öffentliche Ordnung, ist vernachlässigt worden. Es gab allzu viele Lücken in der Kontrolle der jüdischen und arabischen Einwanderung, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die lokale Verwaltung für den gegenwärtigen Ausbruch nicht mehr vorbereitet war als im Jahre 1929 und daß sie den Streik, der das Vorspiel zu einer Periode von Mordtaten und Brandstiftungen war, in seinen Anfängen nicht ernst genug genommen hat. 5000 Palästmaeinwanderer aas Deutschland im ersten Halbjahr 1936 Das Palästina-Amt Berlin der Jewish Agency 10 r Palestine teilt mit: Der dem Aktions-Comite in Zürich übergebene Bericht des Zentralbüros für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland enthält die statistischen Angaben über die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Palästina im ersten Halbjahr 1936. Danach sind über die Häfen Haifa und Jaffa in dem genannten Zeitraum 4396 Personen cingewandcrt. Diese Zahl erhöht sich um die im gleichen Zeitraum in Palästina legalisierten Touristen (327), so daß die offizielle Statistik 4723 jüdische Einwanderer aiis Deutschland in den Monaten Januar bis Juni 1936 umfaßt. Wie bereits bei früheren Anlässen mitgeteilt, erfaßt die palästinensische Statistik nicht die Gesamtzahl der aus Deutschland stammenden Einwanderer, da die früher in Deutschland wohnhaft gewesenen nichtdeutschen Staatsangehörigen nicht mitgezählt werden, sofern sic nach einem Zwischenaufenthalt in anderen Ländern nach Palästina weiterwandern. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes kann festgestellt werden, daß die Gesamtzahl der aus Deutschland stammenden Einwanderer im ersten Halbjahr 1936 die Zahl von 5000 bestimmt erreicht, wahrscheinlich aber überschritten hat. Jüdische Einwanderung nach Amerika New York, 7. September. (JTA.) In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind 6803 Juden in die Vereinigten Staaten gekommen. In einem Bericht der Auswandercrhilfsgescllschaft Hias (Hebrew Shcltering and Immigrant Aid Society ot America) wird bekanntgegeben, daß bis Ende Juni Einwanderer von 282 Schiffen durch Vertreter des Verbandes aufgenommen und betreut wurden. Von den angekommenen Juden waren 3943 klassifizierte Einwanderer, 2869 Nichteinwandercr. In dem gleichen Zeitabschnitt des vorangegangenen Jahres sind 2136 Juden als Quoteneinwanderer und 1819 als Nichteinwanderer nach Amerika gekommen. Englische Judenheit im Abwehrkampf London, 7. September. (JTA.) Am Sonntag nachmittag fand im H yd e Park in London die erste vom Abwehrk omitee des Board of Deputies veranstaltete Volksversammlung unter freiem Himmel statt. Mit dieser Veranstaltung hat die öffentliche Abwehraktion des Board of Deputies gegen die in letzter Zeit gegen die englische Judenheit unternommenen Angriffe begonnen. Die Tribüne war mit der englischen Flagge und einer weißen Flagge mit blauem Magen David geschmückt. Ueber 3000 vorwiegend nichtjüdische Zuhörer folgten den Ausführungen des Versammlungsleiters P. H o r o w i t 7. und der beiden anderen Redner Turncr-Samucl und Captain Gerald S. So man. Es wurde bekanntgegeben, daß nunmehr rn jedem Sonntag solche Versammlungen im Hyde Park stattfinden würden, bis die tinprovozierte Kampagne gegen die englischen Juden aufhören werde. Nach den Ansprachen forderte der Vorsitzende das Publikum auf, Fragen zu stellen; es meldete sich jedoch niemand zum Wort. Landon gegen Rassenkampf New׳ York, 7. September. (JTA.) Gouverneur Alf M. Landon, der republikanische Gegenkandidat Rooscvclts in der gegenwärtigen Präsidentschaftswahlkampagne, hat zum erstenmal im Laufe dieses Wahlkampfs zu der Rassenfrage Stellung genommen, die gelegentlich in diese Kamnagne hineingetragen wird. In einer Ansprache, die er in Wichita im Staate Kansas vor einer Versammlung der Atnerikanischcn Legion hielt, trat er entschieden für Duldsamk c i t und gegen Rassenfeindschaft in Amerika ein. Er forderte die ehemaligen Frontkämpfer zum Kampf gegen diese Strömung auf, die er als gefährlich hezeiennctc. Die Aufpeitsclning von Rassenfeindschaft, erklärte er, hat bei uns noch nicht ernste Formen angenommen. Es wäre tragisch, wenn sie ernst werden sollte. Man nimmt an, daß Landon mit dieser Rede der Behauptung einiger Blätter, er sei Antisemit, entgegentreten wollte. Im Alter von 61 Jahren starb nach längerer Krankheit in New York der jüdische Statistiker und Sozialarbeiter Dr. Isaac Max Rubi now, Aus der Haftarah für Schahbat, den 12. September SEIN, meines Herrn, Gelstbraus ist auf mir, weil ER mich gesalbt hat, midi gesandt hat, Gtücksmär zu bringen den sich Hinbeugenden, zu verbinden Herzgebrochne, zuzuruten Gefangenen: LoslaufI Elngekerkerien: Auferhellung I auszurulen ein Jahr SEINER Gnade, einen Tag der Ahndung unseres Gottes, alle Traurigen zu trösten, den um Zion Trauernden zu ersetzen: Ihnen zu geben prächtigen Sdimudc statt Sdimufzes, Wonneöl stait umflorender Trauer, Lobpreis statt verglimmenden Geistes. Rufen soll man sie die wahren Gofleichen, SEINE Pflanzung, damit zu prangen. Trümmer der Vorzeit bauen sie auf, Verödungen der Frühen stellen sie wieder her, zertrümmerte Städte erneun sie, Oednisse von Geschlecht um Geschlecht. Jesciutjahu 61, 1 — 4 Uehersetzung von Mariin Bubcr Generalleutnant Dill Der Abtransport der Truppen London, 8. September. (JTA) Generalleutnant J. G. Dill, dem das Oberkommando über alle Streitkräfte in Palästina und die Aufgabe übertragen wurde, die Ruhe im Lande wiederher/ustellen, ist einer der hervorragendsten Strategen der englischen Armee. Generalleutnant Dill, der im 55. Lebensjahr steht, stammt aus Irland. In die Armee ist er l(A)l eingetreten. Wahrend der ganzen Dauer des Weltkrieges hat er in Frankreich Dienst getan. Nachher war er Konimandant einer Infanterie-Brigade in dem englischen Haupt- Truppenlagcr Aldershot, ln- Struktur an der Reichs-Wehr- Akademie, Generalstabsoffizier in Indien und Kommandant der Generalstabs-Schule, Generalleutnant Dill ist am 8. September nach Palästina abgercist. Die ersten Teile der nach Palästina abkommandierten neuen Truppendivision verlassen England am kommenden Freitag, die restliehen Teile der Division in der nächsten Woche. Die Mehrkosten für die Absendung der Truppenverstärkungen hat Palästina zu tragen. Generalleutnant Dill war bei seiner Abreise nach Marseille von zwei Stabsoffizieren begleitet. In Marseille geht General Dill an Bord des Zerstörers ״Douglas“, um mit diesem die Reise nach Haifa fortzusetzen. Am Sonnabend gebt mit dem Truppentransportschiff ״D o r s e t s h i r c“ das größte englische Truppenkontingent ab, das seit dem Kriege aus der Heimat befördert wurde. Es wird aus den ersten sieben Detachements der nach Palästina beorderten Division bestehen. * In einer Meldung; des Londoner Korrespondenten der ״Frankfurter Zeitung“ vom 8. 9. wird über den Transport der Truppen noch folgendes mitgeteilt: Das Kriegsministerium hat die Vorkehrungen zu dem Transport von I0000 Manu nach Palästina bekanntgegeben. Fine kleinere Vorhut geht bereits morgen ab. Das Gros verläßt England am 14., IS., 20. und 22. September. Am 14. September begibt sieh auch der Kommandant der ersten Division mit Stab nach Palästina. Für diesen Zweck ist der seit einem Jahre aufgelegte Dampfer ״Laurentic“ der ״Cunard White Star“ gechartert worden. Generalleutnant Dill Foto: Aaiociitec! Preß Die Hilfsarbeit des Joint, lins wird geschrieben: In dem ״Pariser Brief“, veröffentlicht in Nr. 70 vorn l. September, wurde mitgeteilt, daß der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, vor Vertretern der Presse über die Richtlinien der künftigen Flüchtlingsarbeit in Frankreich gesprochen habe. Fs wurde dann w'eiter gesagt, daII der Joint für diese Hilfsarbeit seit!933 2 Millionen Dollar ausgegeben habe. Diese Angabe ist mißverständlich: Der Joint hat in den Jahren 1033 bis 1935 für das gesamte Hilfswerk der Juden innerhalb und außerhalb Deutschlands $ l 96t 700 ausgegeben, davon 8 155 300 für Administrations-Ausgaben. Für das Hilfswerk innerhalb Deutschlands (immer nach den Berichten des Joint) 8 993 200; für das Hilfswerk in den Flüchtlingsländern 8 97! 500. Web eher Teilbetrag dieser 8 971500 auf das Hilfswerk in Buchhandlung H. W. Kaufmann LEIPZIO C1 leiert alle Ritualien und BDcher billigst Frankreich entfiel, ist aus den Berichten des Joint nicht mit Genauigkeit zu entnehmen. Der Beitrag des Joint für die Hiltsarbcit in Frankreich während dieser drei Jahre dürfte — einschließlich der Ausgaben für Berufsausbildung und für Emigration von Flüchtlingen — höchstens & 200 000 betragen. DAS SPEZIALHAUS för Stoffe Wäsche Kleidung Teppiche Gardinen Möbel 99 Ausrüstung für Palästina und Ubersee SicbrittHäze Anfragen an die Ubersee-Abteilung t Telefonische Verabredungen unter £2 0011 m BERLIN C 2 SPANDAUER KON IG STR. :ייח•*!

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