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Jüdische Rundschau · 1936-09-08 · Heft 72 (8.9.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 72 (8.9.1936)
Date
1936-09-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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T Seite 12 JÜDISCH E RUNDSCHAU Nr. 72. 8. IX 1934 Briefe an die Redaktion »Mut und Verzweiflung” Rerhowoth, den 30. August 1936 Sehr geehrte Redaktion! Der Leitartikel unter <.>!־ig׳׳m Titel in Nr. 66 der ״J. ’k.“ werkt in mir jolgemle Reininiszenz: Bereits im AmmPheU 1913 der von mir rnithmmnettun und -redigierten A1t־th!!ft I hu Kn istatt-‘ veröltem lichte ich eite n Artikel ״XiomMi.-cbe Nmvrcmlig־ keiten“, in dem ich vcinuehte, eine Synthese zwischen Herzlsehen», und Ach.nl il a.m hwt Zionismus herzuPclk n. Ganz im Sinne obigen Artikel-. .*־Iiiieb ich: ״Der (udai.ke 1L» Xio- Tüsmus ist.: emt al-, gehlo-M/ne nationale Es^eiiwirt י! ha:!, die pol i t i 5 r h e Bedeutung hat, wird man uns, nnwrr Art. anerkennen. Kr erst!*.־!!! du* Anerkenrmng. nmh! 1 1;יי!mag des judi-dien V־׳!h<-•.. Gum 1״ gt seine Rech! kn;;unw I b rm d! jüdt'Che \\>1k bat cuit-n Leib, tu-- willen, -! gm 1־י■ ic! ־.׳< ndt me andere Nation. Und diu-mr Le. henswillu 10 rn< hr 1d•••!1■ ז als matei ieilrr Nah». I n! •!ig״ U --am. ist die zMii-n-du: Ih \o■;11 :׳.g ein K u 1 t u t t a k? o r er; t!! Ranges. Der z!׳>m-•׳ < bc Ai’׳>jr,t! wäre eine L.1< nerii׳ hk;!, --wlku er iirrwie maturuikii Gon־! schützen. Das (Mg־.־־׳,«i;•׳ d׳׳r LA!: d 1 e rn :׳ t e r 1 e Her! Gute! d e (יי׳ I 11 ׳ w <■ r!! 1 n e 1 n - g e s e t 1 י . um d 1־ 1 1> י!■ e 1 . len hin!'! du- \ 1 k <׳ s zu € r h .<!! r!ו u r; d 7 11 m ״■ h .. r e n. Nur du c; Avuw k!nn und H r t Lmnn iV,]o!in- Ich ge -1.־hc׳ ten Ibammalt d:e- ת hip Auf a!. . hb,׳e /,i* i־o an ein Aufgeben dt■ HidwLn \b־!- ke.» in i'al.twm.! :.Gm zu ,!<־!:־ ken; die M u h‘ko;.z;:!ו!- ..ס.!!,־ Palästina LMut ho!!.!, :n die letzte Voraussetzung zw eitler starken Volks{*.!]!!ik. Was hat. der Komplex jüdt* scher Aufgaben wie MilGtatig* keil, Auswanderertur.snrge, Go- Iu-s-Orgamsierung. UoluwEi zieii• ui'g. Kulturkampf und Spradien• trage direkt mit 11er IN1hi.-f.mu־ Kolons -at um zu tun! (JewiiJ, alle> I.el>en euu .י־ lH!ent!!g<־ts Volke- -teilt in innigem Zu.'.111־- imnhang; ... aber e- •;!bt außer die.-er ( Palä-t mapoluik } noch!!linderte wiibtiger, eigenartiger Interes-wn des judm ben Volkes. Ich debnieite weiter Politik im a!!gemeinen abdas Sueben, ..den gegeben« n M acht luktoren einen se!l)-tan׳bgm1 entge• genzu-etzen“. Der Zum 1 ווי־»!' erschien mir als du Schul!»'! i״r solche Politik. Die Kihaliung *1er Volk״, ■ubsuuiz ist hiernach m u! -» i!.!׳::» w 1 r 1 m 11 a I t ־ 11! h und pohU'eh zu eireichm. ibuli und uni dieser Krhul- 11 n1 g wi.d glei! h/.ei'ig die Krhaltung der m1 ־ G i 1! t׳ n Suh- -! 1/. tlf. \״lk IN t.'ütli .11t. Ai>er ,111■ zu di v um IrUU’M n Zwei.ke! ' H" ■. 1! '1 Vt< 11 k Stu A nstren- .;11' d ■•*:■וt ל i ׳׳ - 1 ■י 1 R Natur er-!IG u־!!' ״. Sie nm L' l; 11, wie i־׳i! tlu■ vd י1,.ו, •b *MU, ■ untui tfeni £ei- (inn tu n c r -11;׳t il , A10!u-! i l ■ b C" *•-ז u wn. diu die N. : UI-U■ bl iMI!! UUiUlü 1 .i.ifim'.dlun! <־ ■I i zu ■ ur i ia duuiu t. dr vo!;11:«■ - 1;׳ im N1UH־ A c h a d i 1 . י; 11! 1 a .... ,1 um A׳!t<> t <k1־ U!1;.Hi 1 um; r -׳um lull < u:Rr!m! entsj■! 1! Au .! wz, dt r t nie Z! o ־ י ת 1 u י 1 t י :1 e .,KeU'ß ׳:P vor- .V ,i ׳La ,״11!! d-m ־saL f 19 13!) .wh m dtl ZI• 1׳ Lun W. U meines׳. W'i -■W’1k mm Bl׳.p hm n£ twtundu״ b Kr 1 ludtu 1)1. Cf״ , ‘ m seinun! ,.;u-M :A'n11 ‘ Teilt־, huu!e ak-! U* 11;am n (, 1, ״ btu nwvnil Dr. Asch! ג r M e i r Juden und Araber Ciwath Brenner, den 25. August Sehr geehrte Redaktion! In der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 64 vom 11. August wird unter der Uehersrhrut ,.Juden und Araber“ eine Polemik von M. A .mal gegen Beil K a t z - nelson erwähnt, der in tiffentli her Rede erklärt hat. daß wir die Freundschaft der Araber immer wieder gesucht haben und daß es jetzt an der Zeit sei. mit soh hem Entgegenkommen Schluß zu maehen. Die-r Charakteristik der Rede Beil Katzneisons ist eine Kntsteüung seiner wirklichen Mcinung. Betl Katznelson redete keineswegs davon, ,,mit solchem Schabbat in Jeiu.-alem, 1. September 1936 Sehr geehrte Redaktion! Nachdem Ral4>iner Dr. Unna in den Spalten der ״J. R." ü!>er die unerfreulichen Szenen vor dem neuen Kalftmbaus in Reluvia sieh gGiubert hal. ist es notwendig, einige- Einseitigkeiten seinen Berichte* zu korrigieren. Der Leser muß durch seine Au-iubjungen den Kindruck erhalten, ah. hatten hier Einwandeur aus Deutschland ,die vom Judentum nichts wissen“, einen Mir jenisalem ganz neuen und revolutionären Zustand gesehnf*!ui. Dem i-t keineswegs sei: in / dil;eie}i<m Restaurants und Kafn el1a1.׳sCr u wird am Scdmbbat w■! zehrt, Lt׳:mhif und gefaucht. Hingegen ist das Rehavia-KafieGiJüs unter ihnen das einzige, dm seine (Liste hittit, das Raudien am S<־h:1W>at zu unterlassen. Fs trifft auch nicht zu, das Geh seine Besucherschaft ausschließlich oder auch nur in der Majorität aus Einwanderern au* Deutschland zusammen setzt. Entgegenkommen Schluß zu machen“. Er bemühte sich vielmehr, die Grenzen einer p o 1 i - tischen Verständigung mit der arabischen Kuhrerschaft aufzuzugen. Herl KatzneUon hat weder von ,,Freundschaft-Suchen“ noch von ״Entgegenkommen“ gesprochen, sondern von einer viel konkreteren Sache: nämlich von einem }>o]ittsehen Uelxreinkommen mit der arabischen Führerschaft. Wir waren der Redaktion verbunden, wenn sie dies richtigsteilen würde. llamachlekah Lealijah Migermaniah i. A. Rafi Meiseis Jerusalem Es wird von altangcsesscnen Einwohnern und sogar von ״Sabbres“ in gleichem Maße frequentiert. Man sollte auch nicht 50 tun, ab sei die Auffassung über die wünschenswerte Art der Schabhat-Ruhe in Erez Israel ungeteilt die der Orthodoxen. Es ist ein Irrtum, wenn Rabbiner Unna meint, nur Menschen, die ohne jüdi-chc Erziehung auigewachsen sind, könnten es über sich gewinnen, am SG!!!»bat öf- {entlieh zu rauchen. Wenn einmal die Zeit, für eine breite Diskussion dieser Krage gekommen sein wild — die heutige ist dazu waht lieh nicht gceignet! —, wird man ertuhren, ein wie großer 'Peil der jüdi• sehen Bc\öiketung Errz Krack es stakt abldint, Fragen wie die des Rauchens oiler Nichtrauchcns am Schabhat als ein Kriterium jüdisdi-religiömr, geschweige denn jüdisch-nationaler Kultur anzusehen. HochachUing>v< >11 C. Z. K 1 o c t 2 c 1 Letzte Postschlüsse nach liebersee vom 9. bis 16. September (Abkürzungen: BFA. — Bahnpostamt) Palästina: Bahnpost: 9. Septbr. München BFA. 1 Q.iQ Uhr; 10., 12., 11. Septbr. München BFA. 1 9 Ohr, 13. Septbr. München BFA. I 9 Uhr, Frankfurt a. M. 19 Uhr; 16. Septbr. München BFA. 1 9.30 Uhr — Luftpost: Ab Halle-Leipzig Mittwoch und Sonnabend 8.15 Uhr; ab Brindisi Montag und Freitag 6 Uhr. Vereinigte Staaten von Nordamerika: 12. Septbr. ״Columbus“ ah Bremerhaven;!4. Septbr. ״Bremen“ ab Bremerhaven; 16. Septbr. ״Queen Mary“ ab Cherbourg. Luftpost: 15. Septbr. ab Köln 10 Uhr; 17. Septbr. Luftschiff ab Frankfurt a. M. Argentinien: 10. Septbr. ״G. Biancamano“ ab Genua; 11. Septbr. ״Madrid“ ah Hamburg; 12. Septbr. ״Higltl. Monarch“ ab Boulogne. Brasilien: 9. Septbr. ״Hjelmaren“ ab London; 10. Septbr. Biancamano“ ah Genna; 12. Septbr. ״Higlil. Monarch“ ab Boulogne. Luftpost nach Südamerika: Mittwoch '20 Uhr ab Frankfurt a. M-, Sonnabend 2.-15 ab Fans. Südafrika: 11. Septbr. ״Edinburgh C“ ab Southampton. — Luftpost: Donnerstag und Sonnabend ab Brindisi 6 Uhr. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 8. September: Luxemburg (1304), 13.40: MendeLsohn- Bartholdy: FnihHngdjed. -— Wien (506), 16.05: Schallplatte»: Offenbach: Pariser L(-l>en, Potpourri. Miitwoch, 9. September: IleromünGer (540), 12.40: Rubiustem: Ma>kcnlta!h — BmhijK'st I (550). 13: Offenhach: Ouvertüre zu ״Orpheus“. —־ Hilversum II (302), 19.55: Mcyorbcer: Fackeltanz. — Biünrt (325). 20.35: Mcndels.-tohn: Scherzo E-M01L ■—■ Mittel-Italien (421), 20,40: Ruhinstoin: KIavierkonzc*rt. Donnerstag, 10. September: Siraßburg (349). 12: tfifcnbach: Fan* tade au-: ״Ritter Blduitari“. -- \Vicn (506), 16.05: Sehallj.'l.tUen, u. a. Mo.-zktiwski; Lid »c. kleine Nachtigall. — Budafx.*.־>L l (550), 19: Mendc1>*.,)hn: J־'rü hling.dieih —׳ I f ilver'-urn l (1875), 19.50: U• a. MendeK-olm: llchridcn-Ouvertüre. ■— Bukarest (365). 20.25: M<-'szko\v״ki: Maütmieis.1. Freitag, 11. September: Hilversum I (1875), 13.40: Bruch: Kol »!drei. .־ Piag-Stia-t hnitz (249), 15: .,Artisten“, i lötsj.iel von Felix Langer. .— j1׳ ag-i älil i r 1 (470), 16.10: RubinMein: \'aLe eajuice: 19.20: G>r)5s: Kommt ein Vogel getingen, im Stile bekannter Mei* ster. —- Reval (410), 20.35: lialevv: Ballettnmsik aus: ,,Die Jüdin“. Solidarität mit Erez Jisrael Dl• ZianUtiaoh« Vereinigung für Deuteehland spricht zur gaganwirtlgan Lag• 9. September ln Freiburg Dr. David Schloßberg 9. ״ ״ Cotibus Dr. Hans Capell 9. ״ ״ Hagen Dr. Max Nußbaum 10. ״ ״ Kassel Dr. Max Nußbaum 10. ״ ״ Karlsruhe Dr. David Schloßberg 10. ״ ״ Stettin Dr. Joachim Prinz 10. ״ ״ Mannheim Dr. Hans Friedenthal 12. ״ ״ Mönchen Dr. Franz Meyer 14, ״ ,, Lelpzia Dr, Hans Friedenthal | Ur. Ueorg Josepnina! : 27. ,, ״ Hannover Dr. Joachim Prinz I* | OHI'II״ vv IJ, iviBineuesu1 .׳c! 1 rusiscneur dki mii co«> Zvt gegenwärtigen Lage sprechen in MANNHEIM Donnerstag, 10, Sept., 20.39 Uir DR. HANS FRIEDENTHAL Im Kampf um Palästina und die jüdische Zukunft S LETTIN Donnerstag, 10. Sept., 20.30 Uhr DR. JOACHIM PRINZ Die Unruhen in Palästina und die Politik des jüdischen Volkes MÜNCHEN Sonnabend, 12. Sept., 20.30 Uhr DR. FRANZ MEYER Der Kampf um Palästina und die jüdische Zukunft ZIONISTISCHE VEREINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND Berlin W 15 Meinekestraße 10 Der Kampf um Palästina und die jüdische Zukunft Zur gegenwärtigen Lage sprechen Rabbiner Dr. Max Nussbaum HAGEN Mitrwoch, 9. September, 20.30 Uhr, in der Synagoge KASSEL Donnerstag, 10. September, 20-30 Uhr, in der Synagoge Dr. David Schiossberg FREIBURG Mittwoch, 9. September, 20.30 Uhr, in der Synagoge KARLSRUHE Donnerstag, 10. September, 20.30 Uhr, in der Synagoge Kronenstraik 15 ZIONIST. VEREINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND Berlin W 15 MeinekcstraOe 10 II, Zwei-, dreimal «iffnete?",andre den Mund und wollte mit Meri reden. Aber er kam nur bis z.u einem heiseren Stammeln, wie eine Knurre. Der Snirm und Schnee hallen seine rauhe FleisclierfU imme noch rrnther gemacht. Und wenn Meri sein u״«eschlaelHes Brummen hörte, warf sie ihren Zopf in den Nacken und fragte: ״Wasmit einer so gedehnten, hochmütigen Stimme, <1111? es!’andre das Innerste umk ehrte. Als Pandro com Wolf errettet war und den Kadaver in die Stadt Resihleppt. hatte, mitsamt dem Eisenhaken, an dem er hing, legte er ihn zuerst vor Senders Haus. Da! dachte er -- nun muß sie das sehen --- und sie wird hinausschauen und mich bemerken. Dann muß sie mit mir reden! Ein bißchen hntte or’s getroffen. Meri mußte wohl neugierig werden. Sie rannte hinaus, in einen Schal gehüllt, und riß die .Augen auf. Sie befühlte den schleimigen Wolfsrachen mit ihren hingen weißen Fingern, tastete tlic Schärfe des Gebisses. Und als dann Sender erzählt hatte, wie Pundre den Wolf erschlagen, wie er die Pferde gerettet hatte, unter Lebensgefahr, meinte Noah, es glänzte ein Blitz von Bewunderung in Nleris Augen. Nie im Lehen war er so glücklieh gewesen. Seinetwegen hätte Sender bis in die Nacht ao dastehen können, die Peitsche in der Hand, und seine Geschichte erzählen. Aber Meris Blick berauschte ihn. Er wurde verwirrt und verlor das Gleichgewicht. Er ging zu dem toten Wolf und fing an, damit zu spielen wie ein Schuljunge, schob ihn im Schnee herum, drehte ihn erst mit dem Bauch aufwärts und dann wieder auf den Rücken. Er merkte selber, daß er sich närrisch benahm, daß nur dumme Jungen solche Schau- Stellungen geben, vor älteren Mädchen. Aber er konnte sich nicht zurückhalten. Und da hörte er, wie Meri ihrer kleinen alten Mutter zuflüstertc: ״Da schau, wie er seinen Wolf herumzerrt, wie einen Bettelsack!“ Noah fühlte, wie er blaß wurde. Er schämte sich plötzlieh vor allen Leuten, die sieh um ihn geschart hatten und ihn bewundernd um!arrien. Der tote Wolf, und seine ganze Stärke, die er bewiesen hatte, wurde ihm plötzlich verleidet wie einem Kind ein Spielzeug, über das es hinausgewachsen ist. Wirklich, was war denn die ganze Geschichte! Daß er einen schweren Haken nach dem Wolf geschleudert und ihn getötet hatte? Schließlich bringen Kinder so eine Fliege um und stecken eine Nadel durch. Da* war der Grund, warum Noah sich nachher nicht mah? •eheo ließ, als der Leichnam dos Wolfes auf dem Marktplatz ausgestellt war, vor der Fuhrmannsgilde. Er schämte sich, sich zu zeigen. Lieber blieb er drinnen um Schanktisch, umgeben von den jungen Kutschern, und goß ein (das Schnaps nach detn andern hinunter. Und das Herz tnt ihm dabei weh. Dann wurde es allmiiliHcli Ostern, wo der Schnee schmilzt und die Wege überschwemmt sind und die Chaussee voller Löcher, so daß der Schlitten nicht mehr darüber gleiten kann und kein Rad sich dreht:. Dann arbeitet man mehr als die Pferde. Aul' halbem Wege nach Orscha, bevor man zum Gasthaus von Alexandria kommt, muß rnan sieh selber ins Geschirr legen, zusammen mit den Gäulen, lim den Wagen den Berg hinaufzukriegen. Die Gedärme reißt es einem heraus. Und man kommt heim, bis zum Gürtel mit Schmutz bespritzt. Aber zuerst muß man die Pferde waschen, dann erst kommt: mar! selber. Und dabei darfst du die Pferde nicht aus den Augen lassen, damit die ermatteten Tiere nichts Kaltes trinken. Sender meint, sie könnten sterben. Besonders Schinendrik, ein junges Tier, das erst seit anderthalb Jahren eingefangen ist, ist eine zarte Sache. Nach einem solchen harten Tag fällt man ins Belt wie ein Stein. Kein Gedanke an Meri. Uebrigens hat Noah, seit er Meri zu ihrer Mutter hat flüstern hören, einen bitteren Haß gegen sie. Wenn er sie nur erwischte, er würde sie am liebsten mit der Peitsche verprügeln, die Schlampe mit ihren Vogelbeincn. Haut und Knochen ist sie. So ein bleichschniiuziges Nichts. So eine.. .. Nur wie zum Trotz wurde es auf einmal Sommer. Der Boden wurde weich und Pandres Herz auch. Er war voller Verlangen mitzublOlien. Hinter Orscha liegt ein grünes Paradies, von dem Pandre in seiner Schlächterzeit nichts geahnt halte. Die Bauernhatten, die großen Heuschober und die dreckigen Ställe liegen in der grünen Weite verstreut wie Düngerhäufchen. Was spielt so ein Dorf für eine Rolle? Das ist wie ein Tropfen im Sehklower See. Spuck in den Dnjepr so viel du willst, der Dnjepr bleibt immer blau. Pandre trieb seinen Wagen an den kleinen Ententeichen vorbei, und plötzlich schien die Luft zu zappeln und ein sonderbares trockenes Murmeln war überall. Die Pferde hatten einen Schwarm von Heuhupfern aufgestöbert, grüngoldene lange Leiber mit durchsichtigen doppelten Flügeln. Sie flogen auf wie ein gläsernes Netz und stoben nach allen Seiten auseinander, mit einem zarten Geräusch wie zerreißendes Spinnweb. Pandre stand der Mund offen. Das war anders als im Fleischerladen! Hier blühte die Erde, eine Welt voll Last! schau hin, Noah! ״Und Gottes Segen ruht auf allen Geschöpfen...“ wie es die Mutter aus der Bibel vorzulesen pflegte... ״Ilüoh! Ilü! paß auf, Schmarwoz!“ An der nächsten Lichtung, die voller Butterblumen und Margueriten war, stöberte Noah mit seinen Pferden eine Ge״ Seilschaft von grünlicltweißen Schmetterlingen auf. Die ganze Versammlung löste sich auf und erhob sich im Ziekzackiluge, schwankte ein wenig, flatterte «in wenig und flog, eine Kette bildend, davon. Ein paar blieben eine Sekunde lang auf dein schwarzen Kummet der Pferde sitzen, betrachteten die Lage und schwebten weiter. Noah schien cs, als waren die weißen Margueriten von den grünen Stengeln abgerissen und in die Luft geflogen. Einige schwebten, einige wuchsen. Welche blühten und welche lebten? Noah mußte eine Weile die Augen schließen, «r war ganz verwundert. Als er sie wieder uufmaehte, dunkle er Gott im Ilerz-en. Und Dank auch dem Rabbi, daß ich aus dem Fleischerladen herausgekommen bin! Je weiter er fuhr, desto mehr Sommer wunder sah er. Man kommt in den Wald, und der starke Duft der Pilze überlullt einen. Ein Stück weiter riecht es nach bitteren Mandein. Weiterhin nach Birkenrinde — das ist so stark und harauschend wie Branntwein. Dann riecht es nach Harz. Die Düfte wechseln, und die ganze Luft. Bald atmet der Wald heiß, bald nur warm, bald kühl. Bald ist es ein Hauch von Feuchtigkeit wie in einem Keller, dann trocken wie auf dem Boden, wo die Weiber die Bohnen dürren. Das hängt alles davon ab, was für Bäume da stehen, welche Kräuter, und wie dicht. F.in hellbraunes Eichkätzchen klettert auf eine hohe Fichte. Jetzt hat es die Spitze erreicht und springt von einem Baum zum andern. Eine Weile versteckt es sich, und dann lugen die schwarzen blanken Aeuglein nach dem Vorübergehenden unter ihm aus. Was mag Noah mit seinen Pferden von solchen Witzen denken? Man kann den buschigen Schweif spielerisch wibbeln sehen. Guck, Pandre, kannst du mich fangen? Dann läßt sich der Specht hören. Tuck, tueJk, tack. Sorgsumes, fleißiges Picken. Auf einmal hört er auf. Offenbar hat er sich die Sache überlegt und ist zu dem Schluß ac kommen, daß es sich nicht lohnt, die ganze Arbeit steht Für nichts! Und er fliegt auf und schwebt davon wie ein Bflsehed bunter Federn. Kaum glaublich, daß das ein wirklich lebendiigor Vogel sein soll — sieht viel eher aus wie enn zu buntes Spielzeug vom Bauernmarkt. (Fortsetzung folgt.)

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