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Jüdische Rundschau · 1936-09-08 · Heft 72 (8.9.1936) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 72 (8.9.1936)
Date
1936-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 72, 8 IX. 193« JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 11 Tel-AwKwer Hafen Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״Da war“ wendet sich gegen Beschwerden, die in der beigischen Presse über den Tel-Awiwer Hafen erschienen: In einer Antwerpener Tageszeitung erschien ein Artikel, in dem die Schiffahrtsgesellschaften aufgefordert wurden, einer Landung ihrer Schiffe in Tel-Awiw nicht ziizustimmen. In einem zweiten Artikel wird ausgeführt, daß Tel-Awiw nur ein Anhang von Jaffa sei, daß der Strand offen und allen Winden ausgesetzt sei, daß ein Wellenbrecher fehle und die Schiffe 1500—2000 Meter vom Festland entfernt ankern müßten und daß nur günstige Witterung das Ausladen von Waren an dieser Stelle zulasse. Das Meer sei aber meist stürmisch und die Waren nähmen Schaden. So sei Beton, das von einem jugoslawischen Schiff dort ausgeladcn wurde, stark beschädigt worden. Als Quelle dieser Nachrichten wurde eine arabische Schiffsagentur festgcstelft. Die Angaben über das Verderben des Betons erwiesen sich als falsch. Aehnliche Versuche sind möglicherweise von arabischer Seite häufig gemacht worden, ohne daß sie zur Kenntnis der ()Öffentlichkeit kamen. Aber man spürt auch Widerstand von anderer Seite, nämlich von seiten der palästinensischen Beamtenschaft. Die Zollbehörde zeigt sich in keiner Weise entgegenkommend. Man scheint dort aut ein Scheitern des Experiments zu hoffen, ja man tut wohl manches, um es herbeizuführen. Ein Gesuch, in der Nähe des Tel-Awiwer Hafens Warenspeiehcr errichten zu dürfen, wurde mit der Begründung abgewiesen, daß die Zollamtstelle dort nur temporär sei. Aber auch die jüdischen Importeure tun nicht genug, um den neuen Hafen zu fördern. Tagelang erscheint überhaupt kein Schiff. Ein Schiff, das erwartet wurde, änderte eigenmächtig den Kurs und fuhr nach Haifa. Es scheint auch, daß viele Importeure Vorwände suchen, um sich vor dem Ausladen in Tel-Awiw׳ zu drücken. Die Schifffahrtslinie ״Atid“ hat sicli erboten, zu denselben Preisen wie in anderen Häfen in Tel-Awiw׳ auszuladen. Aber die Schiffe der Linie sind nicht voll beschäftigt, sie müssen eine Woche in Port Said auf Waren warten, während Waren mit anderen Schiffen an andere Häfen kamen. Man scheint in Tel-Awiw noch nicht zu verstehen, wie sehr die Zukunft der Stadt von der Entwicklung ihres Hafens abhängt. Sephardische Juden als Arbeiter Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ enthält seit einiger Zeit eine besondere Rubrik für das oft vernachlässigte G c b i e t der o rie n ta i i s c h e n Juden. Hier wird über die ökonomische, politische und Kulturelle Lage der einzelnen Gemeinschaften des orientalisehen Judentums fortlaufend berichtet. Nach einem Bericht über Juden aus Saloniki arbeiten jetzt Lastträger aus Saloniki im Hafen von Tel-Awiw. Ein Teil dieser Arbeiter war im letzten Winter unter sehr schweren Bedingungen beim Einladen der Orangen im Jaffaer Hafen beschäftigt. Sie waren zu zwei Gruppen von zwanzig Mann zusammengcschlossen. Sie kannten kein Ermatten, mar. hatte ihnen gesagt, daß es ihre Aufgabe sei, jüdische Arbeit im Hafen von Jaffa durchzusetzen. So nahmen sie den Wettstreit mit den schlechtbezahlten Arbeitern ans dem llanran auf, arbeiteten von morgens bis abends, häufig gefährdet durch ihre arabischen Kollegen, die mit ihnen Streit suchten. Als die Orangensaison vorüber war, wunden sie arbeitslos und saßen enttäuscht in den Kaffeehäusern. Am Tage, da das erste Schiff am Strande von Tel-Awiw vor Anker ging, strömten sie in Scharen dorthin und mit ihnen andere Arbeiter aus Saloniki. Ihre Freude kannte keine Grenzen, und sie begannen dort zu arbeiten. Ihr Gesang in den Straßen und die Freude, die sich über Tel-Awiw ergoß, werden nicht vergessen werden. Sie w׳aren an die schweren Bedingungen im Hafen von Jaffa gewöhnt, und so erschien ihnen die Arbeit hier wie ein Spiel. Sie standen im Wasser, sie schleppten die Boote, sie achteten der Ungunst der Arbeitebedingungen nicht. Der Lohn w׳ar 8-9 Piaster für den Arbeitstag. Der ganze Jischuw feierte, und sie litten Not. Erst später setzte man für sie einen Arbeitslohn von 20 Piastern pro Tag ein. Ein anderer Bericht gilt der Lage der scphardischcn Arbeiter: ln den letzten Monaten wurde ein Versuch gemacht, statistische Grundlagen für die Lage der sephardischen Arbeiter zu erhalten. 111 Tel-Awiw wurden 210 Arbciter erfaßt. Ihre Anzahl ist natürlich viel größer, aber trotzdem lassen sich aus den Unterlagen gewisse Schlüsse ziehen. Es handelt sich um 64 Junggesellen, 25 kinderlos Verheiratete, Das schönste ר״ ה Geschenk; P A I i A.S TIN A .:4.ll.,:E N -■*;MB h: Zt1.׳*»tyn1C!If VK«Sf?MCliNC PUB i>* ' VtlUJlt J t D ז & t H t RU N p 5 C ft A ו C. M, i.fl.. *IRJ.1N W 15 mit Gedenktagen, Schabbatzeiten usw. Redaktion: Dr. Joachim Prinz Bilder: Aenne Mosbadier*Kassel Nahum GidaU Jerusalem u. a. m. Herausgegeb. von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Preis RM 1,90 Erhältlich in den jüdischen Buchhandlungen oder zuzügi. 15 Rpf. Porto direkt bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU ^j־}; Berlin W 15, Meinekestraße 10 Postsdie&konto der Verlagsabteilang Berlin 71576 52 Verheiratete mit einem Kind, 24 mit zwei Kindern, 16 mit 3 Kindern, 7 mit 4 Kindern, 11 mit 5—6 Kindern. Die meisten sind vor 3—4 Jahren eingewandert. Ein kleiner Prozentsatz von ihnen ist organisiert. Hebräisch können sie meist nicht. Die Frauen arbeiten nicht außerhalb ihres eigenen Hauswesens. Von den palästinensischen Verhältnissen wissen sie wenig, die meisten von ihnen sind nicht über Tci-Awiw hinausgekommen. Die meisten Kinder besuchen keine Schule. 80 0״ wohnen in einzimmerigen Baracken und zahlen dafür mindestens £P 1,200 per Monat. Fast alle waren schon vor Beginn der letzten politischen Ereignisse arbeitslos, eine Ausnähme bilden die Hafenarbeiter und einige andere Fälle. Viele vcm ihnen können noch nicht einmal in irgendeiner Sprache ihren Namen unterschreiben. Ihre Bildung ist gering, aber sie sprechen viele Sprachen, denn die meisten kommen aus den Hafenstädten der Levante, aus Saloniki, Konstantinopel und Smyrna und verstehen und sprechen Griechisch, Türkisch, Französisch, Italienisch oder Bulgarisch. Sehr wenige von ihnen sind in einer Krankenkasse, die meisten leben ganz ohne ärztlichen Beistand. Barmt'zwah-Termln: Am 12. September (25. Klub: Raphael Blumenf e I d, Sohn von Kurt liltniciiiehl. Jemsalom-Kcvhnvia, Altasi Sir. 5, Von der Woche In der ״Official Gazette“ werden neue Verfahrens* Vorschriften für Konkurse veröffentlicht. In der ״Official Gazette“ wird bekanrftgegeben, daß eine neugegründete ״Pa lest ine Petroleum Company in das Handelsregister eingetragen w׳urde. Aufgabe der Ge- Seilschaft ist die Erschließung und Ausbeutung von E r d o! - Vorkommen in Palästina. Mitglieder der Gesellschaft sind vier Araber und ein Jude, ein Kolonist aus Rechowot. Die amerikanischen Senatoren haben von Haifa aus die Rückreise nach New York angetrctcn. Der offizielle Handelsbevollmächtigte Südafrikas, Herr Haskcll, ist zu längerem Aufenthalt in Palästina eiligetroffen. In diesen Tagen waren es 15 Jahre, seitdem die ersten Siedler sich in der heutigen Etnek-Kolonie JN a 11 a 1 a 1 niedergelassen haben. Von einer Feier größeren Stils wurde mit Rücksicht auf die Zeitverl1itltnis.se abgesehen. Zehn C 11 a 1 u /i m aus England, darunter drei Mädchen, trafen in Haifa ein und wurden von dort aus nach der Kwu/ali Kineret h weiter befördert. Dies ist die erste organisierte Gruppe von englischen Chalttzim, die ihre Hachscharah in England durchgemacht haben. Im Namen des Waad Leunti he gaben sicii Ben Zvi und E I nt a I i e h zum ägyptischen Konsul in Jerusalem, um die (1 I ii c k w i't n s c h c des J i s c 11 u w anläßlich des Ab- Schlusses des Anglo-Aegyptischen Paktes dar/ubringen. Wo sind die ersten Tausend? Aus Tci-Awiw wird uns geschrieben: Unter dieser lieber- Schrift bringt der ״Da war“ eine Bewertung der erzieherischen Leistung des ersten hebräischen (h mitasittms in 1'יlästina, des li c r :׳. I - (i v tu t! a s 1 11 m s in Tel-Awiw. das sich rühmt, seit der Zeit seiner Bcgi uiiiitim; tausend Absolventen ins leben entlassen zu Italien: Wo sind diese Tausend, welche Rolle spielen sie int Leben des Jischuw, weiche Prägung gaben sie der palästinensische״ Gegenwart? Wir kennen diese Anstalt, die einmal der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens der Stadt Tel-Awiw war - , was ist also die Ernte dieses Werkes seit seinem Beginn bis zu diesem ersten TausemiV Eine besondere Verantwortung lastet auf jedem Lr/ieliungsinstiiut in unserem Lande, und besonders auf dieser An-tait, die schon eine langjährige Tradition hat. Welche Tendenz hat die padagogiselie Arbeit dort und weiches ist ihre Tnicht? Wir wiwn, daß Absolventen dieser Schule in den Peilten der chaliizischen Bewegung sind, aber man kann nicht sagen, daß die Schule mc clorlhin gebracht hat. Man weiß sogar, daß man jahrelang sei eilen I endenzeu in der Schule entgegenwirkte, aller das clialuzische Lehen war stärker und bahnte sielt einen Weg in die s.hitie. Noch vor dem Kriege fanden sieh aus jedem Jahrgang ein oder zwei Schüler, die *ich der (Ihaluz-Bewegung anschlossen, aber das war nicht der normale Lebensweg eines Abiturienten des Gymnasiums. Tausend Absolventen, die wirklich im Lande und mit ihm lebten, die ihm treu wären, würden in Palästina eine große Macht repräsentieren. Aber das ist ja eben die Frage: Wie leben sic im Lande? Da genügt nicht die Statistik: so und so viele Beamte, Lehrer und Arbeiter sind aus unserer Schule hervorgegajtgcn, da erhebt sich die Frage: wie bewähren sie sicii als Beamte und als Lehrer, wie repräsentieren sie das jüdische Palästina in der Diaspora? Das Ben-Jehuda-Gymnasium in Tel-Awiw gibt irt seiner Jahresbericht einen l/ebcrhiick über die Entwicklung des Unternehmens im verflossenen Schuljahr. Der Aufbau ist abgeschlossen, so daß die Schule heute als hebräisches Voligvnniasium anzusehen ist. Gleichwohl bleibt die Vorhereitung von Kindern der neuen Aiijali ein integraler Bcstandteil des Attfgabcnkrcises der Anstalt. Die Zahl der Schüler betrug 210, während des Schuljahres 1036 37 sind 60 neue Schiller eingetreten. Jetzt konnte zum ersten Male das Abiiitrietitenexamen teils vor der Regierungskommission in Jerusalem, teils in Tel-Awiw abgelegt werden. 5 Schüler bestanden, ein Ergebnis, .las als besonders günstig angcseiten werden kann, wenn mau bedenkt, daß sicii sämtliche Prüflinge kaum mehr als zwei Jahre im Lande befinden. Infolge der ständig zunehmenden Schuler/ah! hat sich die Notwendigkeit ergehen, das bislterigc Schulgebäude einem Um- und Erweiterungsbau zu unterziehen. (Schluß des Palästinateils) SALMAN SCHN EUR Autorisierte Uebersetzung von Grete Fischer 9• Forts*txung־ Nachdruck verboten ACHTES KAPITEL / PANDRE WIRBT I. Und Sender schob seine Brille mit den Messingbügeln hoch, und er sah, daß Noah Pandre ein strammer Bursche war, und daß ihm alles geriet, was er anfing, (hülfe traeliteten ihn in Stücke zu reißen, und er verkaufte ihren Pelz. Die Fuhrleute mißgönnten ihm seinen Verdienst, und auf einmal war er ihr Ileld. Sogar der Rabbi hielt große Stücke auf ihn, und die feinsten Leute im Ort rissen sich um einen Platz in seinem Wagen. — So bedachte Sender, daß Pandre heiraten sollte. Und wen? Nun, warum nicht seine eigene Tochter, seine Jüngste, die Meri? Hätte jemand Sestder diesen Vorschlag ein Jahr zuvor gemacht, er Hütte ausgespuckt. vor Verachtung. Erstens war Noah noch vor dem Militürjahr, und in der ganzen Stadt verrufen — ein Auswurf, ein verbummelter liederlicher Taugenichts, Simehe Turcrus Kumpan — viele Juden hielten nicht einmal seine Ware für koscher. Zweitens aber hatte sich Sender immer einen Studenten zum Schwiegersohn gewünscht; er wollte einen armen Tnlmudscitüler auf Kost ins Haus nehmen. Seine älteren Töchter halten alle Fuhrleute geheiratet, und er hatte gehofft, wenigstens einen gelehrten Schwiegersohn zu haben, der das Kaddisch fehlerlos sagen könnte, Und auf einmal kam dieser ehemalige JFleischerbursch und warf alle Pläne über den Haufen. Aber ehe noch Sender daran dachte, zum Rabbi zu gehen und ihn um Rat zu fragen, hatte Pandre bereits einen Weg gesucht, Meri kennenzulernen und ihr Herz zu gewinnen. Meri war ein großes sehhyikcs Mädchen mit einem langen dunkelblonden Zopf und feurigen braunen Augen. Weil sie 80 ungewöhnlich groß war, nannte man sie die ״lange Meri", und boshafte Leute nannten sie den Storch, weil sie dünne Beine hatte. Man war in der Stadt nicht gewöhnt, ein paar lange zierliche Müdchenbcfne unter dem groben Rock herausgucken zu seiten, der beim Wäschewaschen am Sceuler der Bequemlichkeit wegen hochgeschürzt war. Und weil sie rote wollene Strümofe trug, sah sie heim Waschen wirklich aus wie ein Storch, wenn man sie von weitem sali - wie eia S.orcii, der im Schlamm steht und sich hflekt, tun nach Fröschen zu suchen. Man konnte sie eine Meile weit erkennen. Nein, solche Beine waren die Leute nieiit gewöhnt! Weiberbcine mußten dick sein, stramm und gesund, rund wie irdene Milchtöpfe. Das waren richtige W’eiber! Aber Noah Pandre, der selber vollblütig und muskekstnrk war, verliebte sich gerade in die dünnen zierlichen Beine der Meri. Sie erinnerten ihn an junge Füllen. An die hüpfenden jungen Ziegen, die er gebunden so oft. zum Schlachten gebracht hatte — einstmals, vor langer Zeit. Noah spannte die Pferde mit besonderem Eifer und Eleganz, ein, wenn Meri zuschaute. Sobald ihr blasses längliches Gesicht, an Senders Fenster mit den vier Scheiben erschien, zwängte er die schweren Flanken der Gäule zwisehen die Deichseln, und warf ihnen das gewichtige Kummet, um den Hals,, daß es ihnen über die Köpfe glitt wie ein Ring nuf einen Finger. Fr schnallte die Riemen um ihre Bäuche wie ein junger Herr seine Schuhbänder bindet. Aber sie lächelte ihm niemals zu, die lange Meri! Noah war solche Zurückhaltung nicht gewöhnt. F.r kannte die Dienstmädchen, die alle in ihn vernarrt waren. Aber dieses Mädchen da schaute ihn, was immer er uueh tun mochte, nur fremd mit ihren braunen Augen an, als kenne sie ihn nicht. Und dann auf einmal warf sie ihre dicke braune Flechte in den Nacken, wie ein Füllen, das mit dem geflochtenen Schweif schlügt, und weg war sie. Und das Fenster war leer. i Noah ärgerte sich. Er fing an, ihre Fehler zu sehen. Sie war wirklich dürr. Paßt nicht für eine Frau. Haut und Knochen! Und blaß wie eine geschälte Kartoffel. Gar nichts zum Anfassen! Sie hätte in Senders Haus wirklich etwas mehr Fleisch ansetzen können. Wenn er, Pandre, die in die Arme kriegte, würde sie zerknacken wie ein frischer Zwiehack, wie ein dürrer Span. Ohnmächtig würde sie werden in seinen Händen. Was sollte ihm so eine Frau nützen! Er brauchte ein kräftiges Frauenzimmer, Milch und Blut, und gesund und stark wie die Erde. Auf diese Art wollle Pandre sich einreden, daß ihm Senders Tochter mißfiel. Er machte einen kalten Umschlag um sein Herz. Aller ,sein Verlangen wurde nur noch größer. Oft wenn er unterwegs war, auf seinem killst hbock, überwältigte ihn der Gedanke an sie. Und alle ihre Mängel wurden zu Vorzügen. So blaß war sie ja nur, weil sie immer zu Hause saß. Sender spielte den Frommen. Keine seiner Töditcr durfte mit den Schneidergesellen herumiaiticn oder auf den Hochzeiten anderer!.eilte mit den Btirsrhen tanzen. Und nie ließ er sie am SamstaguachmiUag mit den jungen Leuten in den Waid gehen oder n ru 111 s hinter den flecken wispern, wie es gewöhnliche Mädchen tun. Sender war ein strenger Vater. So!»lieh sie zu Hause. Das war ganz gut so! Kr kutschierte durch Felder und Wälder, besuchte den Rabbi, ging in den Tempel, aller Meri hatte zu Hause zu bleiben. Die dumpfe Luft in der Stühe mit ihrem Geruch nach Leder und Pferden saß ihr in den Knochen. Aber wenn so ein Storch, so ein langbeiniger, erst einmal verheiratet war und gut gefüttert wurde und gestriegelt und geliebt, wenn man die zuweilen in der Kutsche mitnahm und hinausfuhr zu den Bauern, um Hühner und F.ier zu kaufen, dann würde ein festes, dralles Weihslück daraus werden. Eine Schönheit würde sie sein! Willst du wohl Schritt halten, Djirka! — Noah Pandre richtete seinen Zorn gegen Senders Stute. Denn wenn er an Meri dachte, schlug ihm das Herz schneller. F.r atmete schwer und knirschte mit den Zähnen vor Schmerz. Ein sonderbarer Schmerz, war das, er hätte nicht sagen können, wo er saß, er hatte keinen Namen dafür, und doch ging es durch Mark und Knochen. Djirka sclilug im Laufen mit dem llintcrhuf gegen die Kutsche aus, als Antwort auf Pandre» Peitschenhieb. Das hieß: Wenn du in Senders Tochter verliebt bist, warum schlägst du mich? Hau dich selber! Pandre verstand ganz gut, was Djirka meinte, und lächelte verlegen. Wirklich, warum schlug er das arme Pferd? Er war doch schon längst kein Metzgerbursch, der alle 'Piere nur darauf ansah, ob sie reif fürs Schlachthaus wären. Jede Kreatur fühlt Schmerz. Voriges Jahr noch hatte er mit Dienstmädchen geliebelt, mit Batternmädeln hinter den Hecken und Scheunen. Derbe Leiber, feste Brüste, stramme Waden, rote, sinnliche Gesichter, runde Glieder. Sie rochen wie warme Milch und alle hatten sie geile Münder. Und Meri — die lange Meri halte ein Paar Aepfel unter ihrem Kleid, unter dem lustig geblümten dünnen blauen Kleid. Ein Paar kleine Aepfel mit spitzen Stengeln, chen vom Baum gepflückt und ans Herz gedrückt, einen rechts, einen links. Der Gedanke daran gab ihm keine Ruhe.

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