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Jüdische Rundschau · 1936-09-01 · Heft 70 (1.9.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 70 (1.9.1936)
Date
1936-09-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70, 1. IX.!936 Kunst ״auf Bestellung"!in ״Hapoel Haznir“ wendet sich Israel Kohn gegen die Literatur und die Vorführungen, die sich die jüngsten politischen Ereignisse zum Gegenstand genommen haben und häufig nicht auf künstlerischer Höhe stehen: Es ist schwer zu verstehen, warum wertvolle Dichter in diesen Tagen schwache Gedichte schreiben müssen und wozu wir überhaupt diese Menge von Versninchern brauchen, die unserem seelischen Zustand ״Ausdruck verleihen“. Warum müssen wir unsere kulturellen Ansprüche jetzt so reduzieren? Vor mir liegt der Sammelband ״Sang des Blutes“., in dem ein geschattiger Dichter Gedichte, die in letzter Zeit ln der Presse erschienen sind, vereinigt hat. Im Vorwort schreibt Awigdor Hamciri unter anderem: ״Unter den Gedichten dieses Sanimelbandes findet man solche, die künstlerisch nicht viel bedeuten. Man spürt in ihnen, daß sich der Verfasser aufrafft: ich darf bei dieser guten Gelegenheit (!) nicht schweigen, auch ich muß in den Chor eintreten und meine Stimme im nationalen Sang hören lassen... auch solche Gedichte sind würdig, hier aufgenommen zu weiden.“ Also fühlte auch der Herausgeber die Minderwertigkeit eines Teil der Gedichte, aber er fand sich eine Rechtfertigung, und zwar eine sehr seltsame. Es stimmt zwar, daß unter den Dichtern viele sind, die ״bei der guten Gelegenheit nicht schweigen“ wollten, aber was haben wir gesündigt, daß wir ihnen zuhören müssen. Wenn sie noch wenigstens in Prosa sprächtnl Man weiß wirklich nicht, wer solcher Dichtung bedarf. Der wirkliche Dichter drückt sich in ihnen nicht aus, und der Laie ist vielleicht an dem Abdruck seines Gedichtes interessiert, aber das genügt nicht. Man kann sich nicht vorstellen, daß solche Dichtung wirklich ein Publikum hat. — Bei der Herzl-Bialik-Feler im Amphitheater in Tel-Awiw kam ein ״Gedenken“ (Jjskor) .111 die gefällten Bäume zur Vorführung. Man sah Hunderte junger Leute an einem Anschlagbrett stehen und — den Kucken dem Publikum zugewandt — Zeitungsausschnitte lesen, die standen bewegungslos. Erst nach einiger Zeit löste sich einer nach dem anderen heraus und jeder sagte mit veränderter unnatürlicher Stint me׳ einige Sätze aus den Nachrichten über die Zerstörung von Bitumen, das Verbrennen von t ictreide, Bombenwürfe usw. Es gab dann noch eine Diskussion über die ״Sclhslbe/wirigung“ und einige Deklamationen. Zum Schluß ertönten Kufe: ״Wie lange noch?“, und schließlich gaben die armen Schauspieler der stummen Idinlerung des Publikums nach und schlossen die Vorstellung. Wem 1-4 mit Milchen Vorführungen gedient? Sicher nicht den Scham-pieleni oder den Regisseuren, deren künstlerisches Gewissen unter ihnen leidet. Und auch das Publikum ist nicht zufrieden. Künstlerische Werte werden nicht durch rohe i )ramatisierung dm tiegenwart geschaffen. Beide Beispiele zeigen, was künstlerisclies Schaffen ״auf Be- Stellung‘' bedeutet. Ls fuhrt zur Verfälschung, zu oberfläch־ lieber Sentimentalität, zur (ieschmacksverimiiiK, Und dabei braucht solche Tendenzlitoratur nicht ausdrücklich oder auch nur durch eine Andeutung bestell( zu sein. Sie kommt gleichsam von selbst aus dein Wunsch nach Betätigung und aus der Vorstellung, daß das Publikum jetzt solche Dinge erwartet. Aber das ist ein Fabrikat und keine Schöpfung. Schweigen wäre hundertmal besser. Zahngesundheit in Palästina. Auf dem IX. Internationalen Zahnärztekongreß in Wien war, wie bereits gemeldet, Palästina durch eine Delegation vertreten. Einer der Vertreter, Dr. Manslta c h, trat mit einem Thema hervor, das nicht mir wissenschaftlich interessant war, sondern dem ganzen jüdischen Jischuw zur Ehre gereichte.. Er sprach in der Sektion Kariesprophylaxe und Aetiologie über die Zahngesund heit der jüdischen Kinder Palästinas. Der Redner ging davon aus, daß die Zahnverhältnissc der einwandernden Lltcrngcneration trostlos schlecht seien und den schlechtesten europäischen (irollstadtergebnissen glichen. Das Ergebnis seiner Untersuchung an einer großen Zahl palästimusischer Kinder ist nun das, daß sie im großen und ganzen erheblich zahngesunder sind als Kinder anderer Länder, insbesondere in Europa. Jedoch ist die Zahngesundheit nicht etwa einheitlich besser, sondern es gibt starke Unterschiede, deren Erforschung uns instand setzen wird, der Lösung des Problems der Zahnkanes naher zu kommen. Es zeigte sich nämlich, daß die Zahngesimdhcit unter den Kindern der Kwuzoth fast ausnahmslos eine Höhe erreicht hat, wie sie so gut wie voi! keinem Kulturland erreicht wird. Im Durchschnitt waren kt der untersuchten Kinder in Kwuzoth 7ahnge=uml. Unter zahnge-uiiHl uird liier natürlich nicht zahnbehandelt verstanden, so daß man da« günstige Ergebnis auf!läufigen Be-uich beim Zahnarzt hätte zurückftihren können, sondern zahngesund heißt: Keinen Zahnarzt nötig haben. Im MoM'lmv reichte die ZahngeMindheit nur bis 49 <!״, in den Schehunoth (Arbeit erst,adtramlsiedltm gen) bis 4 t »b und in Jerusalem bi« 1 t >'•. Aus den Moschawoth und Tel-Awiw lagen keine Zahlen in größerem l'infan.,׳ vor. Stichproben zeigten aber, daß sie zwischen denen der Schehunoth und Jerusalem schwankten. Kinder, die selbst eingewandert waren und nicht in Palästina geboren, waren zu 22 ״.!> zahn gesund, Kinder, die erst in den letzten drei Jahren eingewandert waren, hatten eine Zahiigesundheit von 10°«. (Vergleichsweise seien einige Zahlen aus anderen!..ändern genannt, die auf dem Kongreß publiziert wilden. Budapest 9 ״׳״, Dehrerin?0—30 r ,, mit viel Landbevölkerung, Oslo 0,64 <Y0, Haiti 9 י!׳״.) Was also bringt uns in Palästina diese Gesundung, die z. B. in Betli Alpha im Eniek bis zu % ״,'o reicht? lind was bringt diese starken Unterschiede? Es scheinc n in der Hauptsache drei Dinge zu sein: 1. Die starke Sonnenstrahlung in Palästina bewirkt, daß alle Kinder, die in genügendem Maße der Sonne ausgesetzt werden, keinen Lichtmanpel leiden. Durch Licht bildet der menschliche Körper Vitamin!י. Diese Kinder leiden also nicht an Vitamin-D- Mangel. Deshalb sind alle palästinensischen Kinder zahngesünder als andere unter gleichen Wohnbedingungen. Daher sind solche Kinder zahngesiinder, die schon viele Jahre in Palästina wohnen. 2. Orangen, Grapefruit und Zitronen sind die Hauptträger des Vitamin C. Die Wissenschaft hat festgesteift, daß Vitamin C ebenfalls sehr wichtig für die Zahngesundheit Dt, 3. Aber weder Vitamin f) noch Vitamin C allein können eine vollkommene Zahngesundheit schaffen, sondern nur eint* gut a))gestimmte, vielseitige ErnShrung. Soweit wilde Völkerstämme zahn gesund waren, war auch ihre Ernährung instinktiv richtig zusammengesetzt. Vor allen Dingen waren Wilde niemals überernährt. Kulturmensehen sind diese sicheren Instinkte verlorengegangen, und so sehen wir, daß die Gruppen, die Kwuzoth, die sich am planmäßigsten mit Kiiulercrziehung und Kinderernährung abgehen, auch weitaus die größten Erfolge in der Zahngesundheit erreichen. Licht und Luft, knappe, fleischarme, vitaminreiche Kost, Vermeidung insbesondere von viel Zucker «nd Süßigkeiten sind die Hilfsmittel zur Zahtigesundheit unserer Kinder. Die erste Gruppe englischer Chaluzim verließ am 26. August England. Die Gruppe hestand aus 10 Chawerim und hatte ein Jahr Hachscharah auf der ״Jewish Trainingstarn!“ hinter sich. Sie wird vorerst nach Kwuzah Kinnereth gehen. Erziehung und Kultur In der Monatsschrift ״Hapoel Hazair“ klagt Z. Zim choni bitter über die Abnahme des Interesses an kultureifen Fragen und die schwache Verwurzelung des Hebräischen in Palästina: Es gab eine Zeit und sie ist noch nicht ferne, da man im Klub, in der Baracke und im Zelt über nicht״ aktuelle Fragen lebhaft diskutierte. Damals hatte man freilieh noch nicht das Gefühl, daß man auf einem Vulkan sitze. Die Entwicklung in Palästina vollzog sich damals noch langs a m, und die Stellung der luden in der Diaspora war noch unerschüttert. Wenn schon diese Lage der Dinge die Denkfähigkeit und damit unsere kulturelle Kraft lähmt, so kommt noch etwas zweites Schwereres hinzu, was unsere kulturelle Entwicklung bedroht: weite Schichten sind hier derSprache beraubt. Hebräisch wird nicht mehr bis zu jenen Tiefenschichten gelernt, die für ein Leben in der Sprache nötig sind. Die Hauptanstrengung konzentriert sich auf die ״richtige Aussprache“ tiefere Ansprüche werden nicht gestellt. Dabei wird die Muttersprache vergessen und an ihre Stelle tritt eine dürftige wurzellose Sprache. Der Mensch verarmt, er hat nichts, worin er denken soll. Am schlimmsten ergeht es den Frauen. Ihre Kenntnisse sind meist gering, aber sie zwingen sich zum Hebräischsprechen. Und mit solchen Grundlagen sollen sie ihren Kindern Geschichten erzählen, die Atmosphäre der Familie erfüllen, kurz eine ganze Welt aufbauen. Nicht an der Bibel und den Geschichten des Talmuds und des Midrasch kann sich ihre Phantasie entzünden, denn das sind ihnen verschlossene Bücher. Womit sollen sie alles bestreiten? Und obgleich es keine Statistik gibt, kann man wohl behaupten, daß dieser Zustand die Mehrheit des Jischuw angelit. Und solange Vater und Mutter nicht richtig Hebräisch können und das Kind nicht im Elternhaus eine wirkliche Sprache empfängt, solange wird auch die Schule nichts nützen. Sie kann diesen Mangel nicht ersetzen, und schon überschwemmt eine kulfurcK verarmte Generation unsere Straßen. — Was aber ist der Ausweg? Nur ein Studium der Quellen: der Bibel, des Talmud und des Midrasch. Nicht was von außen kommt, kann hier Einfluß nehmen, nur die innere Angst jedes Einzelnen vor der Verarmung seiner Seele und die Erkenntnis, daß keine Schule dein Kinde helfen kann, wenn das Elternhaus der Kultur entbehrt. Die Finanzpolitik der Palästinaregierung Genf, 27. August. (JTA.) In ihrem Bericht an den Völkerbundsrat über Palästina unterzieht die Mandatskomm iss io n auch den finanziellen Teil des Palästinabericlites der englischen Mandatarmacht einer Kritik. Es wird darauf hingewiesen, daß die Palästina-Administration, obwohl sie Ende 1935 einen Ueberschuß von mehr als fünt Millionen aufgehäuft hatte, von diesem Ueberschuß lediglich 9518 Pfund in Palästina-Sicherheiten, aber 450 219 Pfund in außerpalästinensischen Sicherheiten investiert hat. Weiter wird darauf hingewiesen, daß die Palästina-Administration eine viel geringere Zinsrate aus ihren Investieren bezieht, als sie auf die von ihr aufgenommene Anleihe zahlt, wodurch ein erheblicher Zinsvcrlust für das Land entsteht. Es wird gefragt, ob nicht die Regierung einige ihrer ״holdings“ konvertieren könne. Diese Kritik wurde insnesondere vom schweizerischen Kommissionsmitglied Rappard geübt, Generalstaatsanwalt A. H. Trusted, der in den Sitzungen der Kommission die britische Mandatarmacht vertrat, gab zu, daß die Palästina-Anleihe jetzt beträchtlich über pari stehe und bei Konvertierungsoperationen eine Prämie zu zahlen sein würde. Es bestelle keine Möglichkeit, Regierungsüberschüsse in Palästina selbst zu investieren. Es sei ein Vorteil für Palästina, gewisse äußere Sicherheiten zu besitzen. Geld könne natürlich im Lande ausgegeben werden, aber wenn es investiert «׳erden solle, hafte die Administration es für praktischer, Sicherheiten in weitgehendstem Maße zu erhalten. Aus dem Finanzbericht der Palästina-Regierung geht hervor, daß die Ueberschusse und Anleihefonds in Britisch- Guinea, Ceylon, Jamaika, Kenya, Natal, Nigeria, Nord- Rhodesien, Straits Settlements, Trinidad, Uganda, Australien, Kanada, Indien, Neusiidwales, Neuseeland, Queensland, Südaustralien, Ulster, Victoria, Westaustralien, sowie britischen Munizipalitäten und in Ausgaben der Federated Malay States investiert wurden. Die meisten dieser Investierungen bringen von 2>4 0/0 bis 4 <V0, einige 5 0/0 ein. Auf die Palästina- Anleihe werden 5 0/0 gezahlt. SSuglingsfttrsorge In Palästina Dr. S. Zaludkowski, ״La puericulture eher les Juifs et son Evolution cn Palestine“, Prdface Dr. Weiü-Halle, dirccteur de!’Institut de Puericulture, Paris, Lib. Picart, 1936. Die,Arbeit des jungen palästinensischen Arztes ist der Pariser Medizinischen Fakultät vorgelegt worden und hat dort Anerkennung gefunden. Sie wurde von Prof. Wei 11- Halle eingeleitet. Die Arbeit gibt zuerst einen Uebcrblick über die Säuglingspflege in Frankreich. Sie untersucht weiter die Vor- Schriften über Säuglingspflege in Thora und Talmud, um in dem Hauptteil einen liebcrblick über die Fortschritte der Säuglingspflege in Palästina zu geben, Dr. Zaludkowski schildert die außerordentlichen Leistungen des Jischuw in dieser Richtung und unterstreicht die Arbeit der ״Hadass a h“. K. Thorarolle in Meged eingeweiht. Uns wird geschrieben: In Meged bei Pardeß-Hannah wurde eine zweite Thorarolle eingeweiht. Meged ist eine Siedlung von Olim aus Deutsch- Land, die neben Pardeßwirtschaft Gemüsebau, Hühner-. und Bienenzucht betreiben. Das religiöse Leben ruhte, wie bisher fast liberal! in den Kolonien, auf ein paar Familien, die mit Mühe ein Minjan aufrcchterhielten. Als vor kurzem der Kibbuz Rodges eine Zweiggruppe landwirtschaftlicher .Arbeiter nach Meged entsandte, erhielt die kleine Gemeinde willkommener. Zuwachs, Verstärkung durch Jugend. Dem Wachstum in der Anzahl der Beter entsprach nun das Hinzukommen der neuen Thorarolle, aus der im Morgengottesdienst erstmalig vorgelesen wurde. Nachmittags fand in größerem Kreise ein Oneg Schabbat statt. Beide Veranstalhingen erhielten besondere Bedeutung durch die Anwesenheit von Rabbiner Dr. Emil Levy (Tel-Awiw). Anschließend an seine Rede fand die סעידה שלישית statt und die fröhlichen Gesänge der Teilnehmer, besonders der im gesetzestreuen Jugendbund der B’ne Akibah zusammengeschlosscnen Kinder, leiteten zur Habdalah über. Besonders üläueil ebscUi&teH DR. MICHAEL TRAUB DIE JÜDISCHE AUSWANDERUND AUS DEUTSCHLAND Wetteuropa <׳ Uebersee / Palästina Paüs 60 fytf.!. Jüdische Wanderungen vor «nd nach dem Kriege II. Die jüdische Auswanderung־ aus Deutschland seit 1933 RI, Ein Wanderungspitm für die Zukunft FV. Jüdische WanderunjfspoÜtiW V, Aufierpalastinenfiaohe StedltiDguvenuch• Zu beziehen durth den Buchhandel oder direkt ftftn Vor«; men düng des Betreg׳«* zuzüglich Porto vom VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU G.M.B.H. Berlin Wtfl, MelnekestraBe 10 / Ruf: J 1 »031 2 Jahre religiöse Jugendalljah Die Ersten der zweiten Jugendalijahgruppe im Lande — in Rodges — haben vor einigen Wochen ihre zweijährige Hachscharah beendet und gingen fast geschlossen zunächst nach Kfar Jona, um dort ein Arbeitslager zu errichten, Kibbuz Rodges hatte eine Gruppe von 60 Jugendlichen zur körperlichen und geistigen Hachscharah vor nun fast zwei Jahren aufgenommen. Eine nicht leichte Aufgabe für einen jungen Kibbuz, der selber noch im Aufbau seiner Wirtschaft und seines gesellschaftlichen Gefüges stund und eine neue Form des kibbuzischen Lebens suchte, in dem das Lebensideal der jüdischen Tradition seine eigentliche Erfüllung erhalten sollte. Trotz manchen Schwierigkeiten, die dieser neue Weg mit sich brachte, die Erziehung junger Menschen aus Deutschland gemeinschaftlich in Erez Israel zu vollenden, hat der Kibbuz auch in diesem Stadium sich fällig erwiesen, diese Jugend zum religiösen Kibbuz zu erziehen. Im Laufe der zwei Jahre wurden die Jugendlichen in allen Zweigen der Wirtschaft des Kibbuz, ausgcbildet. Sie arbeiteten im Pardeß, Garten, auf dem Felde, in der Tischlerei und Schlosserei, im Kuh- und Hühnerstall, bei den Pferden; ein Teil der Mädchen arbeitete in verschiedenen Zwei- {׳en der Hauswirtschaft. Fast alle kamen außerordentlich gut in die körperliche Arbeit hinein und empfanden sehr stark die Verantwortung für den Wirtschaftszweig des Kibbuz, in dem sie arbeiteten. Als vor einem Jahre eine Typhusepidemie in Rodges ausbrach, wurde ein Teil der Wirtschaftszweige vorübergehend von den Chawerim der Jugend geleitet. Die geistige Arbeit wurde im letzten Jahre in allen Gruppen ausschließlich in hebräischer Sprache geführt. Man beschäftigte sich mit den verschiedenen Epochen und wichtigsten Schöpfungen der hebräischen Literatur, man lernte große Teile des Tenach, Miscluia oder Gemara, eine Reihe wichtiger Epochen aus der jüdischen Geschichte, genaue Kunde des Landes und des Jischuw und theoretische Fachkunde. In Sichoth wurden die wichtigsten Fragen, die sich bei der Bildüng einer religiösen Weltanschauung ergeben, besprochen. Die gemeinschaftlichen Fahrten führten die Chawerim während der zwei Jahre durch fast alle Teile des Landes. Schiurim, Sichoth wie Tijulim verbanden die Jugend mit allen wesentliehen Fragen des Jischuw. Doch auch von den Leiden, die mit dem Aufbau des Landes verknüpft sind, blieb die Gruppe während der beiden Jahre nicht verschont. Einer der besten und aktivsten, Eli Michaelis, und der erste Führer der Gruppe, Lutz Feil* chenfeld, wurden nach schwerer Krankheit dahingerafft. Dann kam die Epidemie im Kibbuz. Und es ist klar, daß die nun monateiaiig währende Zeit der Unruhen, die fortwährende Spannung, ihre Wirkung nicht verfehlen. Im Gegensatz zu allen anderen Jugendgruppen fm Lande bemühten wir uns, z. B. durch einen eigenen Speisesaal, eine eigene Atmosphäre der Jugend zu ermöglichen, aus der Erkenntnis heraus, daß die Arbeit und das Wollen der Gruppe eines besonderen Rahmens bedürfen und im Kibbuz nicht ge-!lügend zum .Ausdruck kommen können. Trotz dieser Scheidung beteiligten sich die Chawerim der Jugendalijah von Beginn an mit großem Interesse an allen Diskussionen des Kibbuz. Rodges wurde ihnen zum zweiten Heimatsort, die Schwierigkeiten und Probleme des Kibbuz wurden ihre eigenen. Als die Frage nach der Zukunft sich erhob, — sie stand während des zweiten Jahres im Mittelpunkt der Erörterungen ---, gab es für die Mehrheit der Gruppe nur einen Weg: nach dem linde der zwei Jahre eine besondere Plugah der Jugendalijah zu bilden. Sie erkannten, daß, nachdem sie zwei Jahre lang zusammen waren und von den Erfahrungen des Kibbuz gelernt haben, es gerade ihnen möglich sein wird, einen geschlossenen Kern eines Kibbuz aufmbauen. Würde diese Jugend in den bestellenden Gruppen aufgeteilt werden, so würde sie nicht die Entfaltungsmöglichkeiten haben wie in der eigenen Plugah, deren Lebensform in ihrer Gesamtheit von der Jugend selber gestaltet werden kann. Außerdem sind die Chawerim sich bewußt, daß ihre Plugah später die Aufgabe haben wird, weitere Gruppen der Jugendalijah und Mittlcrenliachscbarah aufzunehmen. In vielen Sichoth wurden die für die Bildung eines Kibbuz notwendigen Voraussetzungen in menschlicher, weitanschaulieber und wirtschaftlicher Hinsicht besprochen. Einige Chawerim des Kibbuz. Rodges gehen als Helfer mit der Gnippe mit. Bei allen Varbercitungsarbciten, der Suche nach einem geeigneten Platz, der Auswahl der Chawerim, der Sorge für deren fachliche Vervollkommnung bewiesen sie ein bemerken»* wertes Mall von Unabhängigkeit. Stark war der Wunsch, in den Galil zu gehen und in der Landwirtschaft zu arbeiten. Der augenblickliche Zustand im Lande verhinderte die sofortige Durchführung dieses Zieles. Daher ging die erste Gruppe zunächst nach Kfar Jona, um in den dortigen Pardessim zu arbeiten. Miß Szold stand mit ihrem Rate der Gruppe zur Seite. Im übrigen aber wurde ganz aus eigenen Kräften, mir mit Hilfe des Kibbuz, das Lager errichtet: Zelte und Hölzer für die ersten Baracken wurden aus dem Kibbuz mitgenommen. Trotz der Müdigkeit am Anfange wurde gleich ein Programm der kulturellen Arbeit fest* gesetzt, das auch hei vollen Arbeitstagen Schiurim für fast jeden Tag vorsieht. Hier ist das Hebräische wirklich zur Herrschenden Sprache geworden. Der Abschied der ersten Gruppe (die andern haben Ihre Ausbildungszeit noch nicht beendet) wurde zu einem Ereignis innerhalb des Kibbuz. Man sah in ihnen Chawerim, die den Weg von Rodges, die Verwirklichung der Tradition im g»• mcinschaftlichen Arbcitslebcn fortzusetzen entschlossen sind. E. R. (Schluß des Pallstinateils)

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