Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Slonim 2× ep/1000502
- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 70, 1, IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite TI Besinnung in schweren Tagen Das tägliche Leben des Jischuw in Erez Israel nimmt trotz ider Unruhen und der Gefährdung der Wege fast unverändert seinen Gang. Auch die Zurückhaltung und die außerordentliehe Disziplin der Juden trotz aller Provokationen ist eines der besonderen Merkmale unserer Situation. Trotzdem aber darf es nicht wundernehmen, daß im Gegensatz zu den früheren Unruhen der nun schon permanent wirkende Kriegszustand das seelische Leben und die geistige Haltung des Jischuw in ganz entscheidendem Sinne beeindruckt. Eine tiefe Enttäuschung Der Zionismus wurde von seinen besten Vertretern nie nur als eine nationale Freiheitsbewegung aufgefaßt, sie verbanden ihn vielmehr stets mit den tiefsten Sehnsüchten der Menschheit. Durch ihn sollte ein jüdisch und menschlich!edleres Gemeinschaftsleben in Erez Israel geschaffen werden. Die hohen!11 enschliehen Ideale, von denen alle Alijoth getragen wurden, sollten nach innen und außen im Zusammenleben mit den Nachbarn, soweit man diese überhaupt in Rechnung stellte, verwirklicht werden. Für jeden, der mit Aufmerksamkeit das geistige Leben und die Reaktion des Jischuw aut die Ereignisse verfolgt, ist es klar, daß dieser menschheitlieh fundierte Zionismus sich in einer starken Krise, wie sie vielleicht noch nie bestanden hatte, befindet. Sie beruht auf der Erkenntnis, daß fast das ganze arabische Volk mit den Terroristen sympathisiert, daß nach einem 50jährigen Aufbauwerk in Erez Israel auch nicht eine arabische Stimme sich erhebt, die unser Wollen versteht und sich gegen die Herrschaft der brutalen Gewalt im eigenen Volke wehrt. Unser Werk ist bedroht und alle Kräfte sind seit einer Reihe von Monaten eingestellt auf Abwehr und Verteidigung im Kampfe gegen Meuchelmörder und im Kampfe gegen die fDlitische Verkürzung und Liquidierung des Aufbatis. Die ntfaltung der schlechten Instinkte im Menschern bei unserem Machbarvolke, die Tatsache, daß selbst bei den Engländern das Verständnis für den heroischen Kampf des Jischuw und für den Sinn des Aufbauwerkes ein geringes ist, weil es von politischen Spekulationen durchkreuzt wird, die Tatsache, daß m der gesamten Kuiturwelt der furchtbaren Not der Juden keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, dies alles hat dazu beigetragen, den Glauben an die Menschheit zu untergraben und zu einem inneren Sichabschlicßen gegenüber den anderen Völkern zu führen. Glieder des jüdischen Volkes werden fast jeden Tag in irgendeinem Lande ermordet, ohne daß die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Die Verwicklung der internationalen Lage ist ein noch verstärkender Faktor dieser inneren Erschütterung in Erez Israel, dessen Ausdruck in zahllosen Artikeln und Geschichten in den führenden Zeitungen und in Gesprächen mit neuen und alten Einwanderern sich findet. Zu tief wirken die Ereignisse, als daß es sich hier nur tun eine vorübergehende Krise handeln könnte. Haltung der Kinder Besonders stark beeinflussen die Ereignisse naturgemäß das Erleben der Kinder und formen ihre noch ungestaltete Persönlichkeit. An sich neigt die palästinensische Jugend nicht zur Sentimentalität, zur Hingabe an allgemein mcnschliehe ideale. In kleinen Dingen des Alltags zeigt sie sich im Gegenteil im allgemeinen recht hart. Die Ereignisse ernüchterten daher gerade diese Jugend vollauf. Der tägliche Inhalt der Zeitung, die täglichen Schreckensnachrichten, die sie lesen, die Verteidigungsmaßnahmen, die Brandstiftungen und Ueberfälle, die sie im eigenen Lande, oft am eigenen Orte sehen, die Wachbereitschaft in jeder Nacht, alles dies bestimmt natürlich entscheidend die kindliche Phantasie. Sie leben gewissermaßen dauernd an der Front. (Nur ein kleines Beispiel ans ihren Spielen: Kinder im Einek spielen, Nage! auf der Chaussee auszustreuen. Sie laden die Kinder aus dem Kindergarten, mit denen sie sonst nie ztisammenspielen wollen, zum Spiele ein, unter der Bedingung, daß sie Araber sein wollen.) Bomben, Gewehre und Morde stellen für sie das Leben in diesem Lande und in der Welt überhaupt dar. Der Weg ihrer Zukunft gestaltet sich für sic als ein Weg des ständigen Kampfes. In einem Artikel Steinmanns im ״Dawar“ kam diese Sorge um die Kinder zum Ausdruck. Der Vater hofft von Tag zu Tag auf das fände der Unruhen und stellt sie nur als das Werk einer kleinen Gruppe Streitsüchtiger hin, während sein Sohn tagtäglich die gegenteiligen Erfahrungen macht — immer wieder imgesühnte Morde und Brände — sich innerlich gegen seinen Vater zu wehren beginnt, ihm nicht mehr glaubt und schließlich seinen Idealismus verlacht. ,,Was soll ich tun, mein Junge, da ich einem Geschlecht angehöre, das auf dem Schoße des menschlichen Idealismus erzogen wurde. Euer Vater ist ein starrsinniger und konservativer Idealist, auch wenn du ihn mit dem Hammer der Wirklichkeit zermalmst, wird er seine Ansichten nicht ändern.“ Der tiefe Schmerz über das, was im Lande vorgeht, das fehlende Gegengewicht eines Verankertscins in den Tiefen der menschlichen und jüdischen Kuiturwelt, läßt sie sich früh bewußt als die Vertreter der reinen Wirklichkeit hinstellen, die sich nur vom Instinkt leiten lassen, sich den neuen Lebensbedingungen anztipassen. ״Was gleicht dem Schmerze über den frühzeitigen Abfall der Blüten der Jugend. Unter den Strömen des Blutes und Feuers reift unsere Jugend besonders schnell. Wir trauern um den Mord unserer Heiligen, um den Verlust unseres Be- Sitzes. Aber unsere Toten leben im Gedächtnis der Nation, das verbrannte Feld wird neu erblühen. Wo aber bleibt der Ersatz für die vorzeitig abgerissene Blüte der Jugend? Ein Geschlecht, deren Jugend in Feuer und Blut aufgegangen ist, wird cs nicht ewig verkümmert bleiben, kraftlos und müde werden?“ (״Dawar“.) Parolen de« Kampfes Wie gezeigt, geht es hier um eine Entwicklung, die zwar besonders stürmisch die Jugend, im übrigen aber den gesamten Jischuw׳, vor allem die Arbeiterschaft als exponiertesten Posten, erfaßt hat. Mau beginnt, angesichts der fast aussichtslosen politischen Situation, die Verwirklichung des Zionismus als einen unvermeidlichen Kampf mit dem Nachbarvolke zu begreifen. Diese Töne werden im Gegensatz, zu dem viel gemäßigteren ״Haarez“ besonders im Organ der Arbeiterschaft ״Dawar“ zum Ausdruck gebracht ״Die Rückkehr Israels zu seinem Boden stellt einen historischen Prozeß dar. Deswegen ist es unmöglich, daß diese Rückkehr nicht zu einem Zusammenstoß mit entgegengesetzten Kräften führt. Die Geschichte der Völker ist keine Idylle. Sie stellt ein unaufhörliches Ringen dar. Viel mehr ist dies noch der Fall bei einem Volke, das seine Unabhängigkeit verloren hat und das von neuem um seinen Platz ringen muß. Jedes Volk, das nach Unabhängigkeit strebt, das Subjekt in der Geschichte und Herr seines Geschickes sein will, muß die Last dieses Ringens auf sich nehmen. Und Israel siebenfach... Je mehr der Zionismus aufhört, Traum und Vision zu sein, und zu einer Massen- und Volksbewegung ganz. Israels wird, um so mehr wird der Zusammenstoß mit den anderen Kräften immer stärker. Wer geglaubt hat, daß dieses historische Werk in eigenen Volkes um sein Recht im Kampfe gegen andere gesehen, so erscheint in demselben Organ der Kampf der Araber unter Verkennung des Charakters einer nationalen Bewegung nur als der Kampf einiger, die mittels des Terrors den ruhiger Arbeit, im friedlichen Schaffen, nur im Ringen mit der Natur allein vollbracht werden kann, der hat die Größe und den Wert der Rückkehr Israels in sein Land in dem Rahmen der an Erez Israel interessierten politischen Kräfte nicht erfahren, der muß jetzt seinen Irrtum eingestehen. Auch die anderen Völker mußten Jahrzehnte von Kriegen für ihre Freiheit bezahlen... Solange bis die Kraft Israels in seinem Lande jeden Angriff des Feindes im voraus zur Niederlage verurteilt.“ (22. Juni 1936.) Diese Stelle zeigt, wie groß die Gefahr heute ist, aus einer an sich richtig gezeichneten Situation eine neue Ideologie, fast eine üeschichtsphilosophie zu entnehmen, die diese Ereignisse als unvermeidbar, als unabänderlich in der Zukunft und gar als die eigentliche ך——י---- [.' P Ä; L : a: 8 T I N A i KA LEA DE R Redaktion: Dr. Joachim Prinz Bilder: Acnne Mosbad1er»Kassef Nahum Gidaf »Jerusalem u, a. rn. 1׳ HCRAtlSCI&ER: ZIOMSTlSCIIE-VEWlilNICnlSC ITH DEUTSCH! VERLAG J 0 D I S C 11 E RUNDSCHAU C. «. 8 , H.. BERLIN .: "V- Lcil ' } RM 1,90 Erhäftfidi In den jüdischen Buchhandlungen oder zuzügf. 15 Rpf. Porto direkt bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU ״ Berlin W 15, McinekcstraDc 10 Postscheckkonto der Verlagsahte; ־v Berüa 71576 Trauben aus Hebron Aus Tcl-Awiw wird uns geschrieben: Kürzlich veröffentlichte der ״Dawar“ anläßlich des Todestages der jungverstorbeneri Journalistin Ne'lv M o s s i n s o h 11 Uebersetzungen einiger ihrer kleinen Skizzen, die die Unruhen 1929 zum Gegenstände hatten, und in vielem an die Fragen der Gegenwart erinnern: ״Ißt du in diesem Jahr Trauben?“ fragte Hafewi. ״Selbstverständlich“, antwortete Ben-Ariel. ״Selbstverständlich nicht!“ schrie ich im selben Augenblicke. ״Da haben wir ja Dr. J... Fragen wir ihn, er war dort. Herr Doktor, essen Sie dieses Jahr Hebrontraubeii?“ ״Hebrontrauben, hmm . . antwortette er ruhig, ״ja, die sind jetzt reif. Das ruft mir das Fest zurück, das Slonim jedes Jahr zur Zeit der Traiibenernte feierte. Er briet ein Lamm im Weinberg und lud all seine arabischen und jüdischen Freunde ein. Kannte jemand von euch Slonim?“ ״Ja“, meinte Ben-Ariel, ״ich entsinne mich seiner aus der Zeit, als er Lehrer in Haifa war. Ein wunderbarer Mensch, nicht wahr? So regsam!“ ״Nehmen Sie sich einen Charakter wie Slonims zum Beispiel“, fuhr der Arzt fort. ״Fünf Generationen in Palästina, traditionell erzogen. Als er in die Schreibstube kam, konnte er zuerst nicht zwei und zwei addieren. Mit 29 Jahren war er Leiter der Bank, und wie groß war sein Verantwortungsgefühl! Seine Kunden lernten von ihm. Die Bankfiliale in Hebron war eine Art Klub, ein Versammlungsort für die arabische Intelligenz ... Und wie führte er erst sein eigenes Haus! Eine so schöne Gastfreundschaft! Ich war an dem letzten Donnerstag dort und hatte ein schönes Gespräch mit seinem Schwiegervater, der in talmudischer Medizin und auch in arabischer Literatur bewandert war. Wir setzten die Fortsetzung dieses Gesprächs für Schabbat fest — wir haben nicht mehr miteinander gesprachen.“ ״Sie wurden alle getötet, außer dem jungen Kinde, nicht wahr? Ja, Slonim, der Lehrer, erinnert mich a!1 Dawid Wiliiai, der in Jerusalem bei der Verteidigung fiel. Er war Schüler des Lehrerseminars und ein so schöner Junge! Ich traf ihn im Hause meines Onkels. Die Kinder liebten ihn so, und er blieb oft bei ihnen und spielte mit ihnen Bail. Ich habe gehört, er sei der Enke! eines berühmten Rabbiners gewesen.“ ״Das erinnert mich an Rabbi Salman Schach“, mischte sich Lew! ins Gespräch. ״Er war schon sehr alt und so machte sein Tod wohl keinen so großen Unterschied. Fr war ein Mann, der keiner Fliege etwas zuleide hin konnte. Am Schabbat war sein Haus allen Menschen offen. Einen alten Bettler führte er in sein Haus wie einen Fürsten. Daß das Los gerade ihn traf...»“ ״Ja, es ist Ironie des Größe des Zionismus allsmachend hinstellt und dadurch unsere zukünftige Politik mitgestaltet. Wird die eigene Bewegung, der Zionismus, überscharf vor allem als das Durchsetzen des Streik erzwingen, die sich mit Munition bewaffnen und friedliehe Juden, Engländer und Araber töten, oder als eine Bewegung, die nur uni die Herrschaft im Lande kämpft —, vyie es an sich jede nationale Bewegung im allgemeinen als ihr Ziel hingcstdlt hat und mit Unrecht die Araber den Juden vorwerfen. Die ständige Bedrohung und die Bereitstellung weiter Kreise zur Verteidigung bringt es mit sich, daß zwangsweise, fast unmerklich der Soldat und der Gafir das Erzichungsideaf zu werden beginnen. Wieder als Beispiel ein Stimmungsbericht aus Naanch: ״Gestern waren die Straßen Rcchowoths bewegt von den vielen neuen Gafiriin, die Waffen und Kleidung erhielten. Einen großen Eindruck machte die Gruppe aus Naaneli. Sie alle, Pelzmützen auf ihrem Kopfe, gekleidet in gelbe Militärröcke, in der Hand ein Paar Schuhe und das Gewehr. Iin Lager wurden sie natürlich mit großem Lärm empfangen. Jeder der (iafiriin gewinnt in seiner gelben militärischen Kluft ein interessantes Aussehen.“ Für Tiefersehende, für diejenigen, die seit langem in Erez Israel an vorderster Stelle im Aufbauwerk standen, war unser Werk in Erez Israel in ständiger Bedrohung. Sie teilten nicht die rationalistische Berechnung der sich sicher Fühlenden, die die weitere Entwicklung Erez Israels nach festen Statistiken ausrechnen zu können glaubten. Diese, besonders manche der neuen Olim, stehen tum fast vor einem Abgrund. Sie sind an ihrer Sicherheit, an ihren Idealen irre geworden und retten sich in einen Kult des Nüchternen, des Rassengegensatzes und der Macht. Der Revisionismus hat heute große Chancen — und auch in dieser schweren Stunde dürfen wir nicht darüber schweigen um der entscheidenden erzieherischen und geistigen Werte willen, die auf dem Spiele stehen —, weil er weite Teile des zionistischen Lagers von innen her erobert, weil die Dinge, die heute ihnen die entscheidenden geworden sind, seit je den Inhalt seiner Bewegung gebildet haben. Darum wird heute kein ernsthafter Gegensatz zwischen der neuen und alten Zionistischen Organisation in weiten Kreisen gespürt, und darum wird die Frage der Einheitsfront nicht nur als eine Frage der Taktik, die der schwere Augenblick erfordert, gesellen. Stärker als je wird gerade aus der Arbeitcrschaft das Sehl,׳; וwort des hebräischen Erez Israel erhoben, das lediglich den Arabern deren politische und biirgergerlichc Rechte, ohne deren genauere Abgrenzung, sicherzustellen hat. (Dawar 12. (>. '!6.) Die Aufgabe Fast stets in der jüdischen Geschichte führten große Erschütternngeri im äußeren Geschehen zu einer verstärkten Aktivität im Innern, die verhinderte, daß man sich ganz von der Gefahr bestimmen und treiben ließ, und sich auf sie völlig konzentrierte. Der N'ot/nstand gerade führte 7. B. in der Form des Taanith zu einer Prüfung des eigenen Werkes, zu einer Erweckung der inneren Werte. Bei aller notwendigen Konzentrierung unserer Kräfte auf die Verteidigung unseres Werkes haben wir diese innere Rechenschaft notwendig, um nicht unversehens in den Zustand einer geistigen Militarisierung hineinzugerafen. Eine Rechenschaft über den seichten Rationalismus vieler Kreise im Lande, die verkannten, daß dieses Land fast ständig der Gefahr ausgesetzt war, und damit das Sein im Lande mit einer um so größeren Verpflichtung für den Bewohner verbünden war; seine Lage zwischen den sich befehdenden Großmächten mußte immer zu der einzig möglichen Haltung, der Distanz zur Weltpolitik führen. Der Besitz dieses Landes stellt eben für dieses Volk eine Prüfung dar, die es in jeder Generation neu zu bestehen hatte. Rechenschaft über die Gefahr, daß unversehens durch den Zwang׳ der Umstände der Zionismus heute im Begriffe ist, seines hohen menschlichen Gehaltes iin Bewußtsein vieler ihn vertretenden und verwirklichenden Kreise beraubt wird. Wir werden diese Prüfung nur bestehen, wenn wir lieben der Sorge um unsere politische und materielle Existenz des Volkes und den sie bestimmenden menschlichen Werten wachen. Auch im Sturm dieser Tage verlieren wir nicht den Glauben an den Menschen, an die hohe Bestimmung des Zionismus auch für unsere Zeit, weil dieser Glaube nicht ein Erlebnis des Tages ist, sondern in den Tiefen des Judentums gegründet ist. Das jüdische Volk hat diesen Glauben bei aller Bedrückung und Vergewaltigung durch die Völker auch durch die finstersten Zeiten hindurchgetragen. Dr. Erich Rosen hl ü t h, Kibbuz Rodges Schicksals, daß gerade solch,e Menschen gefallen sind. Niemand von euch hat die Witwe Masal Koben aus Safed gekannt. Sie hat viele Jahre in arabKchen Dörfern gelebt, sie war bei ihnen als kluge Frau berühmt und sie fragten sie in allen Dingen tim Rat. Und all dies hat nichts genützt, als die Stunde kam.... Vielleicht wollen Sie ein paar Trauben?“ ״Aus Hebron?“ fragte ich mißtrauisch. ״Das ist ein sciitimentaler Einwand“, ließ sich Ben Ariel vernehmen. ״Nach diesem System müßte ich in Spanien und Italien fasten.... selbst in Frankreich und sicher in Ungarn, Rumänien oder Rußland. Gibt es denn überhaupt einen Ort auf der Welt, wo man die Juden nicht getötet hat? Nun schon, betreten wir den Vatikan nicht mehr, weil ׳die Päpste unsere Vorfahren gef01־ tert haben — Palästina aber N etwas anderes. Ich las einmal, daß die Juden ein Volk sind, das nicht vergessen kann. Zum Glück stimmt das nicht. Denn wäre es wahr, wir wären alle an gebrochenem Heizen gestorben. Niemand verstellt es wie wir zu vergessen.“ ״Und noch etwas“, sagte der Arzt, ״vor einem Jahr waren wir zu dreißig in ein Zimmer eingepfercht und warteten auf sie. Unser Hausbesitzer hatte versprachen uns zu beschützen, aber wer konnte wissen....? Aber eine Verwandte von ihm, ein pockennarbiges Weib, setzte sich vor die Tür und begann Kaffee zu mahlen. Und seht, sic tat ihr Kind zu uns, sie steckte ihr vierjähriges Kind zu uns. ״Laßt uns herein“, schrien sic, ״sind die Juden drin?“ ״Die Juden, nein, die sind alle gestern wie Schafe geflohen“, gab sie zur Antwort und mahlte' den Kaffee weiter. ״Du lügst“, kreischte einer, ״was ist das für ein Geräusch dort?“ ״Das ist mein kleiner Junge, er spielt mit Knöpfen. Hätte ich euch denn nicht reingelassen, wenn sic drin waren? Die Schurken sind geflohen — sucht sie doch in den leeren Häusern dort.“ Und sie mahlte weiter, während sie sich fluchend entfernten. Wer kann so etwas verstellen? ״Haben Sie nicht Appetit auf mehr Trauben?“ Wir alle griffen ohne weitere Worte nach den Früchten. ״In Wahrheit“, sagte Ben-Ariel lächelnd, ״sind dieses sogar Trauben aus der Traubenstadt, auf hebräisch kann man sagen aus Kirjath-Anawim.“ Die Ergebnisse des diesjährigen palästinensischen Anwaltsexamens sind jetzt bekanntgegeben worden. Von 92 Kandidaten haben 29 bestanden. Unter den neuen Anwälten befinden sich folgende früheren Juristen aus Deutschland: Felix Bergmann, Hans Hopp aus Potsdam, Jacob Kost aus Berlin, Arnold Kurt zig aus Berlin, Benjamin Levy aus Berlin, Otto Levy aus Düsseldorf, Dr. Hans Mcscritz aus Berlin. Ernst Nccheles aus Hamburg, Werner Orgler aus Oppeln, Benzion Schereschewsky aus Königsberg-Berlin, Günther Stulz. aus Berlin, Fritz Wdfsolm. I