Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70. 1. IX. 1936 Jüdische Kulturtagung des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde Sorgerecht und jüdische Beeinflussung Die ״Juristische Wochenschrift“ vom 29. Aug. veröffentlicht einen Beschluß des Landgerichts Berlin vom 23. April 19:36, durch den die einstweilige Entziehung des Sorgerechts einer deutschen Kindesmutter wegen jüdischer Beeinflussung des Kindes gebilligt wurde. Die betreffende arische Mutter hatte 1925 einen Juden geheiratet. Sie trat /um Judentum über und führte auch ihren 1923 geborenen unehelichen Sohn arischer Abstammung der jüdischen Religionsgemeinschaft 7.11, lieft ihn am jüdischen Religionsunterricht teilnehmen und vom jüdischen Hilfsverein unterstützen. Im April 1935 erklärte die Kindesmuttcr auf Veranlassung des die Amtsvormundschalt führenden Jugendamts den Austritt des Kindes aus der jüdischen Religionsemeinde und läßt es seit Oktober 1935 am evangelischen eligionsunterricht teilnehmen. Die Mutter weigerte sich jedoch, das Kind dem Vormund, der es im Sinne der nationalsoziaüstischen Weltanschauung erzogen und aus dem jüdisehen Haushalt entfernt wissen will, herauszugehen. Der Vormund beantragte, der Mutter das Recht der Sorge für die Person des Kindes zu entziehen und dem Jugendamt zu übertragen. Bis zur endgültigen Entscheidung wurde vom Vormund- Schaftsgericht bereits im Wege einstweiliger Anordnung der Mutter das Sorgerecht entzogen und dein Jugendamt übertragen. Die gegen diese Anordnung von der Mutter erhobene Beschwerde wurde durch den eingangs erwähnten Beschluß zurückgewiesen. In den Gründen heißt es u. a.: ״Imt״־h der! TV:'־״hl de- 11!׳!וויו!.:׳׳:״״■ i-t d,1rc;1׳tnn. dal? das Kind durch sein A11iwach.cn in fk■!!! 1üd1..chcn Haushalt der licaehwenäeinhie-he nie! der. 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Es wird eine Fidle von Entscheidungen aus den letzten Jahren aufgeführt, in denen Kommentarstellerl jüdischer Juristen zur Beweisführung lieraiige/ogen werden. Diese Stellungnahme des Reiehsfinan/hofs ird als imvereinbar mit den §§ 1 und 2 des Stell eranpassungsgesetzes bezeichnet, wonach die Steuergeset/e nach nationalsozialistischer Weltanschauung auszulegen und bragen der Billigkeit und Zweckmäßigkeit nach nationalsozialistischer Wcltanschauung zu beurteilen sind. Dr. Backhaus wendet sich daegen, daß neuere Auflagen einzelner Kommentare von Juden erausgegeben werden. Auch die Neuherausgabe eines jüdischen Kommentars werde notwendig immer ein typisch jüdisches Intellekterzeugnis bleiben, genau so, wie es'zweifellos z. B. die Modernisierung der Lehren Spinozas oder des Alten Testaments wäre. Nachprüfung von Grenztrauungen Der Referent im Reichsjustizniinisteriuni, Amtsgerichtsrat Massfeller, fuhrt in der ״Juristischen Wochen- Schrift“ aus, daß die große Zahl galizischer Juden, die nach dem Weltkrieg in Deutschland einwaiiderte, vielfach ohne Ausweispapierc angekommeit sind. Ihrer Eheschließung in Deutschland hätten sieh häufig Schwierigkeiten entgegengestellt, weil sie die zur Heirat notwendigen Urkunden nicht beibringen konnten. Seit!920 habe man in steigendem Malie eine Umgehung dieser Seim Irrigkeiten daduieh beobachtet, daß ausländische Juden mit ihrer Braut sich für einige Tage an einen Grenzo r t in der T sch e c I! o > I o w a k e i (seltener in Oesterreich) begeben hätten, und dann als getraute Eheleute nach Deutschland /un1ckgek1״n1nen seien, Dr. Hübschmann habe in der ״Zeitschrift für das Slandesaintswesrn“ vor Jahren ausfübriieh dargelegt. daß damals eine Reihe von Matrikelfuhren!, insbesondere aus Urten in der Nähe der Grenze, bei den Interessenten bekannt wurden, die, ohne die tschechoslowakisch״!’. < Ksi tze />. 1 beachten, teils diesseits, teils jensei Ls der Bfahle, teils sogar auf der Grenze (11 am lieh der Rabbi- Her auf tschechischem, die Brautleute und Zeugen auf dcutschein luden), in Hotels und auf freiem Ackerland Trammgen vorgenommen hätten. Eine Zeitlang habe das Geschäft so geblüht, daß manche die-er Geistlichen wöchentlich mit 5—t) Paaren Zeit mul Ort der Handlung vereinbart hätten. Ein Rabbiner sei sogar in bekannten Berliner Wohnungsvierteln von Haus zu Haus gegangen und habe briefliche Trauungen angehote״. Allem m Berlin gehe die Zahl dieser ״Ehen“ in die Tausende. Amtsgerichtsrat Massfellcr betont, daß heute ein erheblieh es praktisches Interesse an einer Klarstellung der Rechtsverhältnisse s o I c h e r E h e t r a u u n g e n bestehe. Wenn sie für absolut nichtig erkannt würden, dann sei der Geschlechtsverkehr der ״Ehegatten“ nach dem Blutschut/gesetz strafbar. Auch die rassische- Einordnung der Kinder sei eine offene Frage. Ob im Linzelfalle die Ehenichtigkeitsklage durchzuführen sei, liege irn pflichtgemäßen Ermessen der Staatsanwaltschaft. In den Fällen, in denen kein öffentliches Interesse an der Nichtigkeitsklage bestehe, werde darauf hinzuwirken sein, daß die Eheschließung in ordentlicher Form in Deutschland wiederholt wird. Vergehen gegen CS c9 TS* die Nürnberger Gesetze In Essen wurde, wie die Essener ״National-Zeitung“ berichtet, ein 23jährigcr jüdischer Angeklagter wegen Rassen- Schande zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Die deutsch blutige Frau, mit der er verbotene Beziehungen unterhalten hatte, wurde wegen Begünstigung zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Beziehungen hatten im Jahre 1933 begonnen und waren auch nach Erlaß der Nürnberger Gesetze fortgesetzt worden. Als der indische Angeklagte in Untersuchungshaft genommen wurde, fand man bei ihm einen Brief der Frau, in dem es hieß, er solle aussagen, ״daß alles einmal war und heute nicht mehr ist. Du weißt ja alles! Ich werde dasselbe sagen,“ Die Anklage sah darin den strafbaren Versuch, den Angeklagten durch Begünstigung der Bestrafung zu entziehen. Der Anklagevertreter beanfragte gegen den jüdischen Angeklagten eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten, gegen die Frau eine Gefängnisstrafe von 3 Monate״. Die Große Strafkammer fällte dann das oben erwähnte Urteil. Der Reichsverband der Jüdischen Kulturb ü n d c veranstaltet vom 5. bis 7. September in Berlin eine große Kulturtagung, die der zukünftigen Programmgestaitung der jüdischen Kulturarbeit in Deutschland gewidmet sein soll. An der Tagung werden in künstlerischer und organisatorischer Hinsicht führende Persönlichkeiten der Kulturbundarbeit aus Berlin und dem Reiche teilnehmen, die wichtigsten künstlerischen Exponenten, Regisseure, Schau- Spieler, Sänger usw., die Delegierten der jüdischen Gemeinden, sowie Vertreter der Reiehsveriretung der Juden in Deutschland und der großen jüdischen Organisationen. Die Tagung wird den Charakter einer Arbeitstagung haben. Die Verhandlungen werden am Sonnabendabend mit einer Plenarsitzung eröffnet. Nach einer musikalischen Einleitung spricht der Vorsitzende des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde, Intendant Dr. Kurt Singer, Berlin, über: ״Die Arbeit der Jüdischen Kulturbünde. Rückblick und Vorschau.“ Es folgt ein Referat von Dr. Joachim Prinz über die kulturelle Situation der Juden in Deutschland und das jüdische Theater, worauf die Zusammensetzung der verschiedenen Kommissionen und ihre Aufgabengebiete bekanntgegeben werden. Der Sonntag ist den Sitzungen der K o ni - missionen gewidmet. Die Tagung gliedert sich in eine Kommission für Theater, in eine Kommission für Musik und in eine Kommission für Kleinkunst, ln der Theaterkommission werden Kurzreferate gehalten über das Stoff- Problem des jüdischen Theaters und das Bildungsproblem des jüdischen Schauspielere. 111 der Musikkommission wird referiert über jüdische liturgische Afusik und jüdisches Volkslied, über jüdische Orchester- und Kammermusik, jüdische Cliormusik und das jüdische Kunstlied. Die Kurzreferate werden von Demonstrationen begleitet. Ferner wird ein Die deutsche Rassenpolitik Anläßlich einer Tagung für auslandsdeutsche Sippenkünde in Stuttgart hielt der Leiter des Rassepolitischen Amtes der NSDAP, Dr. Walter Groß, einen Vortrag über ״Das Ausland und die deutsche Rassenpolitik“'. Nach dem Bericht des DNB. führte er u. a. folgendes aus: ,,Träger der Angriffe gegen unsere Kassciipoliiik im engsten Sinne ist. das Judentum. Deutschland hat den Juden wieder entdeckt, ihn, den die liberalistisrhen Mensehen einst wcgdiskutieit haben, Iäicsc Entdeckung, daß Juden nicht Deutsche sind, ist nichts anderes als die Beschreibung einer Tatsache. Daß wir die* Erkenntnis in gesetzliche Form gebracht haben, ist eine rein iiineideinschc Angelegenheit, die die Welt nichts angeht und die gleichlautend ist etwa mit den Maßnahmen gegen den Marxismus und amluo staatsgciährlichcn Erscheinungen. Unsere Ablehnung der Rassenmischling überhaupt schließt keine negative Wertung jener anderen Rassen in sich, vielmehr handelten wir aus Achtung vor den beiden gleichwertigen Partnern, weil wir erkannt haben, daß eine solche Vermischung das (äute, das in beiden Teilen lebt, zerstört. Damit nützen wir beiden Teilen, und unsere Ablehnung der Ras.-enmischung und des Mischlings, der immer eine tragische Existenz darstollt, hat nichts zu tun mit einer Mißachtung oder einer höheren oder niederen Bewertung einer anderen Rasse.“ Hilfsaktion für nichtarische Evangelische Nach einer Meldung aus Kopenhagen hat, wie die ״Frankfurter Zeitung“ vom 28. 8. berichtet, der evangelische Bischof Ammtindsen als Vorsitzender des Weltbundes der Kirchen eine Sammlung eingeleitet, die zur Unterstützung außerhalb Deutschlands lebender nichtarischer evangelischer Christen dienen soll. Da viele Länder den Einwanderern die Arbeitserlaubnis verweigern, besteht bisher für diese Menschen nur selten die Möglichkeit einer dauernden Ansicdlung. Man beabsichtigt nun, Siedlungen in überseeischen!,ändern zu schatten. Der hierzu nötige Befrag wird auf 2,5 Millionen •dänische Kronen berechnet. Englische und amerikanische Kirchcngcincindcn haben sich bereit erklärt, davon je eine Million zu beschaffen. Der Rest soll von den evangelischen Kirchen in anderen Ländem, besonders in Skandinavien, beschafft werden. Das dänische Kirchenministerium gab die Erlaubnis zu einer Kollekte, die am 30. August in ganz Dänemark stattfinden soll. Wiener Brief Von unserem Berichterstatter J. R., Wie n, 30. August Eine im Amtsblatt der ״Wiener Zeitung“ verlautbarte Bekanntmachung teilt mit, daß laut der an! 2, April 1936 bekanntgemachten Wahlaussclireibung am 8, November d, J. die Neuwahl von 36 Mitgliedern des Kultus- Vorstandes und 120 Vertrauensmännern der Kultusgemeinde stattfindet. Die Kultusgemeindc hat bereits verfügt, daß die Wählerlisten zur Einsichtnahme der wahlberechtigten Personen in den einzelnen Bezirkstempeln aufgelegt werden. Diese Verzeichnisse liegen vom 1. bis 1L September auf. Die Reklamationsfrist für die wahlberechtigten Personen läuft am 14. September ab. Die Wald erfolgt nach dem System der Verhältniswahl auf Grund von Wahlvorsc hl ä - gen, die von den an den Wahlen beteiligten Gruppen frühestens am 4. September und spätestens am 9. Oktober bei dem Präsidenten der Kultusgemeindc einzureichen sind. Obwohl bis zum festgesetzten Wahltermin nurmehr etwas über zwei Monate für die Wahlvorbereitungen zur Verfügung stehen, wobei noch in diese Zeit die hohen Feiertage fallen, ist gegenwärtig noch nichts von der Tätigkeit wahlwerbender Gruppen festziistellen. Im Gegensätze zu den vergangenen Kultuswahlen vor 8, resp. 4 Jahren, denen bereits viele Monate hindurch ein erbitterter Wahlkampf vorangegangen ist, scheint man jetzt in den maßgebenden Kreisen einem ״stillen“ Wahlkampt das Wort zu reden, zumal das bestehende allgemeine Versammlungsverbot eine rege Wahiversainmlungstätigkeit im vorhinein unmöglich macht, inzwischen aber hört man von gewissen Partcienverhandlungen innerhalb der örupnen. Vorläufig verdient eine in der letzten Zeit zwischen dem Vorstand der Kultusgemeinde und der ״A daß Jisroe 1“ erzielte Verständigung, die ein friedliches Zusammenarbeiten beider Institutionen erwarten lassen, Beachtung. geplantes musikalisches Preisausschreiben beraten. In allen drei Kommissionen sollen Richtlinien für die Arbeit auf dein betreffenden Gebiet aufgestellt werden. Am Abend des Sonntag findet für die Tagungsteilnehmer eine Besichtigung der Kulturaussteilung der Berliner Zionistischen Vereini* gung, Jeincj Bialik, auf der der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde einen besonderen Stand haben wird, statt. Der Abend schließt mit einem zwanglosen Zusammensein der Tagungsteilnehmer. Am letzten Tage, 7. September, tritt das Plenum wiederum zusammen. Dr. Kurt Singer w׳ird die Ergebnisse der Kommissionsarbeit bekanntgeben. Ferner soll der Inhalt des musikalischen Preisausschrei• bens verkündet werden und die Tagung mit einer Kundgebttng der jüdischen Kulturbundarbeit ihren Abschluß finden. Diese Tagung stellt ohne Zweifel einen interessanten Versuch dar, die Kulturbundarbeit auf eine breitere geistige Basis zu stellen, und wird zweifellos bei allen jüdischen Gruppen. Deutschlands und besonders in den mit der künstlerischen Arbeit verbundenen Kreisen großes Interesse finden. Wir glauben, daß das Echo der Tagung nicht zuletzt darin bestellen sollte, daß der Kreis derer, die an der Arbeit Anteil nehmen, über das bisher erreichte Maß hinaus wächst. In der Tat genügt es ja nicht allein, durch Erklärungen die Sache zu fördern, sondern es kommt darauf an, durch aktive persönliche Mitgliedschaft und durch den Besuch der Veranstaltungen die Basis des Kulturbundes zu stärken. Es ist klar, daß die materiellen Schwierigkeiten der künstlerischen Arbeit des Kulturbundes außerordentlich groß sind. Darum ist es erforderlich, daß alle jüdischen Kreise, die dazu in der Lage sind, den Kulturbund unterstützen und ihm beitreten. Wir hoffen, daß auch dieser Zweck von der Tagung gefördert werden wird. Die jüdische Auswanderung aus Deutschland Wir haben an dieser Steile bereits auf eine Broschüre hingewiesen, die soeben im Verlag der ״Jüdischen Rundschau“ erschienen ist und zum Verfasser Dr. Michael Traub hat. Das Thema der Arbeit ״Jüdische Ausw a n d e r 11 n g a 11 s I) e 1t t s c 111 a 11 <1“ erweckt naturgemäß das größte Interesse, zumal der Verfasser, Dr. Traub, durch seine Reden und Aufsätze und nicht zuletzt auch durch sein im Jahre 1930 erschienenes Buch ״Jüdische Wanderung vor und nach dem Weltkriege“ als hervorragender Fachmann auf diesem Gebiete bekannt geworden ist. Die neue Broschüre beschäftigt sich in ihrem ersten Kapitel mit dem Umfang und der Problematik der jüdischen Wanderung vor und nach dem Weltkriege, um sodann zur jüdischen Auswanderung aus Deutschland seit 1933 überzugehen. Gliederung, Riehtung und Einordnung der Auswanderung in den Ankuiiftsliindern werden untersucht. 1111 dritten Kapitel stellt der Verfasser einen Plan für die Zukunft auf und beschäftigt sich mit der Auswanderung in den nächsten fünf Jahren, um sodann die Frage zu stellen, wohin die Auswanderung gerichtet werden kann, ln diesem Zusammenhang werden die Einwanderungsmöglichkeitcn in den hauptsächlichsten Aufnahmeländern erörtert. Ein weiteres Kapitel ist der jüdischen Wandcrungspolitik gewidmet, nämlich dem Verhältnis von jüdischem Kapital und jüdischer Arbeit bei der Wanderung, der Frage der Aufnahmefähigkeit der Länder, dem Assimilationsproblem und der Umschichtungsfrage. Das Schlußkapitel behandelt sodann die jüdische landwirtschaftliche Siedlung in Uebersee und ihre Ergebnisse, wendet sich gegen die immer wieder auftatichenden territorialistischen Illusionen und stellt ihnen gegenüber die Forderung einer planmäßigen Regulierung des Wanderstromes unter Betonung der zentralcn Bedeutung Palästinas auf. Die Broschüre, die auf kurzem Raum einen sehr insfruktiven Ucberblick über Struktur und Ausmaße der bisherigen Auswanderung gibt, und die Probleme, die es zu lösen gilt, erörtert, ist geeignet, viele Irrtiimer zu zerstreuen und dem Leser eine Vorstellung von den großen Aufgaben zu geben, die vor den Juden Deutschlands und auch vor der zionistischen Bewegung stehen. Kleine Nachrichten Das Kreisgericht in Czenstochau hat den bekannten nationaklemokratischen Agitator Valentin M 1 i n i a r c z i k, der im Januar zu den judenfeindliehen Ausschreitungen in Truskolas aufgeiief/t hatte, zu dreißig Monaten üefäng• nis verurteilt. Im Londoner ״Daily Telegraph“ beginnt Pierre Dreyfus, der Sohn des Hauptmanu Alfred Dreyfus, eine neue Dar- Stellung des berühmten Prozesses. Es sollen dabei unbekannte Briefe und Stellen aus dem Tagebuch des Verurteilten veröffentlich! werden. Das bisher von der Firma Gebrüder Alsberg GmbH, in Hamm i. W. betriebene Texfilwaren-Kaufhaus ist auf die Firma Franz Fahning und damit in arischen Besitz übergeleiiet worden. A11 dem Internationalen Philologenkongrell, der am 26. August in Kopenhagen eröffnet wurde, nehmen mehrere jüdische Gelehrte teil. Dr. Max Weinreich, Mitglied des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts in Wilna, wird einen Vortrag über die Bedeutung der jiddischen Sprache fiir allgemein philologische Studien ha!- ten. Ein Referat über ״Gesellschaft und Sprachen der Primitiven“ wird der Gelehrte Lövy-Bruhl erstatten und Dr, Roman J a c o b s o n - Prag wird über Linguistische Beziehun• gen zwischen Nachbarvölkern sprechen. Laut Mitteilung des Pester Rabbinats scheint die Austrittsbewegung aus dem ungarischen Judentum, die im vorigen Jahre bereits die Rekordhöhe von über 1000 erreicht hatte, abzuebben. Dagegen mehren sich in jüngster Zeit immer mehr Rückkehrer, die ihren Schritt bereuen. Der Keren Hajessod ist derTräger des jüdischen Aufhaus in Palästina Zentrale für Deutschland, Berlin W16 Meinekestraße 10 / Postscheck: Berlin 1049 51