Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1936)
- Date
- 1936-08-28
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 KlNDER-RUNDSCH AU Nr. 16 rang. ״Wohlan“, sagte der Maimuni, ״wenn mein Gast nicht essen will, so möge er doch wenigstens trinken. Eile in den Keller, Peter, und zapfe ein Faß des besten Weines an!“ Als Rabbi Meir den unjüdischen Namen des Dieners hörte, sank seine Hoffnung gänzlich, denn es ist verboten, den Wein durch einen Nichtjuden anzapfen zu lassen. Rabbi Meir lehnte also auch den in goldenen Bechern gereichten Wein betrübten Herzens ab und beschloß, nach dem Mahle den Maimuni zur Rede zu stellen. Als dieser nun mit großer Andacht den Tischsegen gesprochen hatte, erhob sich Rabbi Meir und wollte ihn fragen, wie es denn möglich sei, nach dem Genüsse eines auf verbotene Weise getöteten Tieres in solch heuchlerischer Weise zu beten, aber der Maimuni kam ihm zuvor und begann: ״Mein lieber Rabbi Meir, ich weiß, ohne daß du es mir sagtest, in wessen Auftrag du zu mir kamst und was der Grund deiner Reise ist. Ich weiß aber auch, daß du eben anheben wolltest, ein vorschnelles Urteil über mich zu fällen. Zwar gabst du dir Mühe, dich mit deinen eigenen Augen von meinem Wandel zu überzeugen, allein merke: der Augenschein trügt oft. \ o: T. K י,V־V S׳V%S(Vw ־. 1. % \־tv^ ־K׳, 1 xmi Der Diener schlachtete das Kalb ohne weitere Umstände Gestern abend vermeintest du, es sei eine Speise aus unreinem Fleische aufgetragen worden — mitnichten! Sie war aus einem Fische zu bereitet, den m an in Spanien kennt, nicht aber in den nördlichen Ländern deiner Heimat. Und da die Schuppen des Fisches lösbar sind, wie das Gesetz es befiehlt, so ist er statthaft, und alle Frommen dürfen sein Fleisch genießen. Zweitens aber meintest du doch, mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie das Kalb, von dem ich soeben genossen, heute morgen auf verbotene Weise geschlachtet wurde, allein du vergaßest, daß der Talmud einen Fall ausnimmt von der Pflicht, die Tiere vorschriftsmäßig zu töten, nämlich wenn sich im Leibe einer geschachteten Kuh ein Kalb befindet, dann muß dieses nicht mehr geschachtet werden. Und siehe: ein Kälbchen dieser Art war jenes. Drittens aber schlossest du von dem unjüdischen Namen ״Peter“ meines Dieners auf dessen Glauben. Auch hier täuschtest du dich. Wohl war Peter früher kein Jude, aber aus Liebe zu Gott und seiner heiligen Thora ließ er sich aufnehmen in die Gemeinschaft Israels und ist nun der gelehrteste meiner Schüler, und ein Mann von gewaltiger Frömmigkeit. Nun aber, Rabbi Meir, geh hin und urteile.“ — Als Rabbi Meir solches hörte, schlug er beschämt die Augen nieder und bat den Maimuni inständig um Verzeihung. Dieser aber nahm ihn an der Hand und führte ihn in das Studierzimmer und begann mit ihm das strittige Buch, den ״More nebuchim“ durchzunehmen, Abschnitt um Abschnitt. Und Rabbi Meirs Staunen und Bewunderung wuchs von Seite zu Seite. Er schwieg ehrfürchtig und nur, wenn er etwas nicht sogleich verstand, fragte er demütig, wie ein Schüler seinen Lehrer fragt; Maimuni aber antwortete ihm liebreich, wie ein Vater seinem Kinde. Und als sie das ganze Werk gelesen hatten, ging Rabbi Meir zurück nach Deutschland und verkündete in allen Gemeinden, durch die er zog, das Lob und den Ruhm des Maimuni, indem er sprach: ״Seit Mose, unserem Lehrer, war keiner wie dieser Mose ben Maimon!“ Mit Mose, dem Knecht Gottes, verglichen zu werden, aber ist das höchste Lob, dessen ein Jude teilhaftig werden kann. — Die Feinde des Maimuni brachte Rabbi Meir zum Schweigen, indem er ihnen erzählte, wie er selbst von dem Meister belehrt wurde. Nach dem Legendenbuch des Gedalja Ihn Zentja (1515—1582): ״Schalscheleth Hakabbala“, neu erzählt von Britz Rosmthul (Ben-Chorinj. — Zeichnungen von Toni. Das erste, was ich sah, als wir Aufführenden die Empore betraten, war ein umgefallener Stuhl. Er lag aut dem Boden und streckte seine vier hölzernen Beine in die Höhe, daß er aussah wie ein Maikäfer, der auf den Rücken gefallen ist und nicht wieder auf die Beine kommen kann. Ich nahm ihn auf, zog ihn an das vordere Gitter und setzte mich. Wenn ich aufgeregt bin, konzentrieren sich meine Gedanken auf alle Kleinigkeiten: und so auch jetzt. — ״Knacks“, sagte es plötzlich hinter mir. Ich drehte mich um. Was war das nur? Ach ja, diese verflixte Verkleidung. Hoffentlich war nichts zerrissen. Nein, Gott sei Dank nicht. Ich schaute jetzt in den Zuschauerraum hinunter. Dort unten summte, brummte und huschte es wie in einem Bienenkorb. Hier liefen einige Lehrer auseinander, wieder zusammen, auseinander; dort stürzten sich einige Jungen mit großem Hallo auf ein paar freie Stühle. Als ich all diese Menschen sah, zog mir plötzlich ein beklemmendes Gefühl von der Magengegend durch die Brust und blieb als Pfropfen im Halse stecken. Ich schloß die Augen. Durch die geschlossenen Lider fühlte ich das elek« irische Licht wie eine Menge kleiner roter Teufelchen. Plötzlieh verstummte das Gesumme im Zuschauerraum. Irgendwo sprach eine Stimme etwas klar und deutlich. — Der Ansager! Es huschte mir direkt am Gehör vorbei, und ich verstand nichts. Die Klänge der Musik brachten mich wieder zu mir. Ich fragte meinen Nachbarn, was da gespielt würde. ״Fünf Kontertänze von Beethoven“ war die Antwort. Darüber vergaß ich alles. Und dann wieder Stille. Eine kurze quälende Stille! — Jetzt begann der Schulchor mit Orchesterbegleitung. Die letzten Töne waren kaum verklungen, als der Direktor auf die Bühne trat und ein paar einleitende Worte sprach. Eben hatte er geendet, als das Licht erlosch. Nur die Bühne war hell erleuchtet. — Der Gong ertönte! Wieder der Ansager! Darin wurde ein kleines hebräisches Stück gespielt. Obwohl ich sprachlich so gut wie gar nichts verstand, paßte ich anfangs gut auf und versuchte, aus den Bewegungen den Inhalt zu erraten. Da sagte plötzlich eine Stimme hinter mir: ״Nur noch 20 Minuten!“ Das Lanipenfieber legte sich jetzt wieder mit aller Wucht auf mich. — Ein kleines Spiel von Hans Sachs folgte noch. Jetzt paßte ich kaum noch auf. Der Bauernknecht hatte plötzlich zwei Hosen, der Scholar zwei Köpfe. Die Zeit lief rasend schnell: Nur noch 10 Minuten, — — 5 Minuten! Der Direktor winkte uns. Leise schlichen wir uns aus dem Raum und die Treppe hinunter. Dann ging es schnell durch den Saal. Noch 3 Minuten — eine Minute — eine halbe Minute — Dong! — Der Ansager geht auf die Bühne — eine Viertelminute — Dong! — und ich taumele dem Licht entgegen« Rolf Friedmann, Hamburg Eine arabische Geschichte Es wird erzählt, daß Luqmän, der weise Nubier, der Sohn des Anqaa ibn Barwaq, von seinem Herrn ein Schaf bekam, um es zu schlachten; und er sollte ihm die beiden schlechtesten Teile bringen. Er tat so und brachte das Herz und die Zunge. Darauf erhielt er noch ein Schaf, um es zu schlachten; und er sollte die beiden besten Teile bringen. Er tat so und brachte das Herz und die Zunge. Da fragte man ihn wie dies zuginge, und er antwortete: ״Mein Herr, es gibt nichts Schlechteres als diese beiden, wenn sie schlecht sind. Und es gibt nichts Besseres als sie —־ wenn sie gut sind!“ _ Mikhael Meine schönsten Bücher Mein schönstes Buch ist: ״Emil und die Detektive“« Es gefällt mir daher so gut, weil Emil und die anderen Jungen dem Dieb nachschlichen. ״Kai aus der Kiste“ gefällt mir auch sehr gut. ״Das verschlossene Buch“, ״Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“, ״Das lustige Buch fürs jüdische Kind“ sind auch sehr schön. המלך והגבן m ist ein sehr schönes Buch. Noch zwei andere hebräische Bücher התרנצל הג13ד und א• חנן הגנן׳ ב• אגדת הרקפת sind schön. ״Land der Jugend“ gefällt mir auc^gut, besonders das Gedicht vor Fritz Johann, Hanna Molberg, Würzburg (8 3.)