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Jüdische Rundschau · 1936-08-28 · Heft 69 (28.8.1936) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 69 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 69, 28. m 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU ו Amerikanische Senatoren in Palästina Die drei amerikanischen Senatoren Royal S. Copeland aus New York, Warrcn R. Austin aus Vermont und Daniel O. Hastings aus Delaware haben sich nach Palästina begeben, um dort die Fortschritte des jüdischen Aufbauwerkes zu studieren. Ueber die Gründe dieser Studienreise äußerte sich Senator Copeland vor seiner Abreise aus New York folgendermaßen: ״Palästina hat Probleme der Einwanderung und Hilfsarbeit, die wir in Washington aus unmittelbarer Anschauung kennen sollten. Wir wissen, daß die Lage in gewissen europäischen Ländern für die Juden schwierig ist und daß große Wanderungswellen zur Linderung dieser Notlage kommen werden. Vielleicht wird Amerika zur Mithilfe bei der Lösung dieses Wanderungsproblems herangezogen werden.“ Senator Copeland fügte hinzu, daß er vor achtzehn Jahren von Nathan Straus «ungeladen worden sei, eine Untersuchung der Gcsundhcitsvcrhältnissc in Palästina vorzunchmen. Bisher habe er aber dazu nicht Zeit gefunden. Wir alle drei, erklärte Senator Copeland, haben die Ueber- Zeugung, daß Palästina als religiöses Zentrum der Welt die Aufmerksamkeit aller Völker verdient; es gibt vieles außer den Gesundheitsverhältnissen, was wir untersuchen wollen. Die amerikanischen Senatoren trafen in Haifa ein. In ihrer Begleitung befindet sich ein Vertreter des amerikanisehen Zeitungsverlages Hearst. Zu ihrem Empfang hatten sich Nathan Kaplan und Rose Hai per in als Vertreter der amerikanischen Juden, sowie ein Vertreter der Jcwish Agency, Joshua Gorilon, eingefunden. Ein Regierungsbeamter ersuchte die Ankömmlinge im Namen des High Com■ missioner, sich ohne Aufenthalt sofort nach Jerusalem zu begeben. Die Senatoren haben eine Erklärung an die palästinensische Presse herausgegeben. Sie betonen, daß sie nicht In ihrer Eigenschaft als Beamte, sondern in ihrer Eigenschaft als amerikanische Bürger nach Palästina gekommen sind und daß daher ihre Anwesenheit in Palästina in keinerlei Zusammenhang mit der amerikanischen R « - gierung stehe. Sie beabsichtigen, während ihres Besuches für den Zeitungskonzern Hearst genaue Information über die Lage in Palästina zu beschaffen. Sie seien sich jedoch bewußt, daß die amerikanische Regierung an den Problemen des Landes sehr interessiert und daß daher jede Information für sie als Senatoren wertvoll ist. Sie versichern ferner, daß sie ohne jede Vorurteile und gänzlich unparteiisch den Verhältnissen gegenüberstehen und daß alle Amerikaner an der Wohlfahrt und dem Frieden Palästinas aufrichtig interessiert seien. Inmitten der Weltkrisis, von der auch Amerika in Mitleidenschaft gezogen wurde, haben die Amerikaner voller Bewunderung auf das blühende Palästina geschaut. Amerika habe viel zum' Wiederauf■ bau des Landes zugunsten aller Bevölkerungszweige beigetragen und hoffe, daß eine baldige Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung die weitere Entwicklung des Landes ermöglichen werde. Die Senatoren statteten der Jcwish Agency einen Besuch ab, wo sie mit den Herren Schcrtok, Ruppin und Dr. Joseph eine längere Besprechung über die Lage in Palästina hatten. Abgewiesene Petitionen Genf, 25. August. (JTA.) Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes hat folgende neun auf Palästina sich beziehende Petitionen, die ihr anläßlich ihrer 29. Tagung Vorlagen, zurückgewiesen: 1. Eine Petition des Grafen Le mos, Präsidenten des Komitees der Katholiken von Palermo, in der der Völkerbund aufgefordert wurde, die Rechte der Katholiken in Palästina zu verteidigen. Die Abweisung erfolgte aus dem Grunde, daß die Petition ״zu vage“ sei, als daß man auf sie eingehen könne. 2. Eine Petition der Jüdischen Gemeinde K a 11 o ■ witz gegen die Proklamierung eines Legislative Couneil wurde als ״vollkommen vage und unbeweiskräftig“ zurückgewiesen. 3. Bei der Zurückweisung einer namens der palästinensisch - arabischen Partei von Dschemal el Hussein! unterbreiteten Petition, in der gegen das Palästinamanciat Einspruch erhoben und die Forderungen der arabischen Nationalisten dargelegt wurden, erklärte der Rapporteur, daß nach seiner Ansicht dem Rat in dieser Beziehung keine besonderen Empfehlungen zu machen seien. 4. Zurückgewiesen wurde auch die Petition Israel Am ikams, in der dieser seine Beschwerden in bezug auf die Beförderung von Telegrammen in hebräischen Schrift Zeichen wiederholt. Der Rapporteur sprach dabei die Hoffnung aus, daß die Verhältnisse es bald ertnögliehen würden, die verlangten Einrichtungen zu treffen. 5. _ Die Zurückweisung von Petitionen des Emirs Shekib Ars! an in Genf, in denen gegen eine Verstärkung der jüdischen Einwanderung mit dem Ziel der Umwandlung Palästinas in einen Judenstaat protestiert wurde, erfolgte unter dem Hinweis auf die Erklärung der Mandatarmaeht, ״daß von der Errichtung eines Judenstaats in Palästina keine Rede" sei. 6. Die Petition von M. E. Karwassarsky in Tel- Awiw, in der die Langsamkeit des Verfahrens in Bodenroz essen kritisiert wurde, wurde mit Rücksicht auf die rklärung der Mandatarmaeht abgelehnt, daß die bereits durchgeführten Reformen eine günstige Wirkung haben würden. 7. Die Petition des Oberrabbiriers Scliorr vom Waad Adat Aschkenasitn in Jerusalem, in der die Anerkennung dieser Organisation als selbständige jüdische Oemeinde verlangt wird, wurde mit dem Bemerken abgewiesen, daß keine Veranlassung zu besonderen Empfehlungen an den Rat betreffend diese Sache gegeben sei. 8. Die Petition des Sekretärs der Nationalen Aerztc-Vereinigung in Haifa, Dr. R. T a m i n i, in der gegen die ZulassungWeiterer ausländischer Acrzte zur Praxis in Palästina Einspruch erhoben wird, wurde aus dem Grunde abgelehnt, daß die Verordnung vom 25. Juli 1935, darcli die die Zahl der zur ärztlichen Praxis zugeiassenen Personen beschränkt wird, die Ursache für die Beschwerde beseitigt habe. 9. Die Petifion des Ali Hassan e I Y a w f a w 1 aus Haifa, in der er Entschädigung für Schäden fordert, die er während der Unruhen der Jahre 1921 und 1921 erlitten zu haben behauptet, wurde mit Rücksicht auf die Bemerkung der Mandatarmaeht zurückgewiesen, daß diese Beschwerde völlig unbegründet sei. Der Rapporteur für den Begleitbrief Dr. Weizmanns zu dem Bericht der Jcwish Agency, Graf de Penhagar* c i a, schlug auf Grund der Bemerkungen der Mandatarmaeht zu den in dem Brief berührten Punkten vor, die Kommission solle in einer Resolution aussprechen, daß ״keine Empfchlungen an den Rat im Zusammenhang mit diesem Memorandum erforderlich“ seien. Zum Tode von Dr. Levi Billig. Anläßlich der Ermordung des Dozenten an der Universität Jerusalem, Dr. Levi Billig, veröffentlicht die ״Times“ vom 25. August einen Nachruf, in dem es heißt, daß die Kunde von dem Mord ein großer Schlag für alle die gewesen sei, die ihn in Cambridge Kannten und mit ihm auch in Kontakt geblieben seien, nachdem «r nach Palästina gegangen sei. Billig sei die Verkörperung der populären Idee des Gelehrten gewesen. Er war glücklich in seiner Arbeit, glücklich mit seinen Freunden in Palästina und betrachtete sein Arbeitsgebiet, die arabischen Studien an der Universität Jerusalem, als ein wertvolles kulturelles Bindeglied zwischen Juden und Arabern. Seine ganze Haitung war die eines Vermittlers zwischen den beiden Nalionen, und er erhoffte viel von der Achtung vor der Kultur, die den beiden gemeinsam ist. In Billig, so schließt der Nachruf nach einer Ucbersicht über seinen Werdegang und seine Arbeiten, habe die Universität Jerusalem einen idealen Leiter für ihre arabische Abteilung gefunden: einen wirklichen Gelehrten englischer Herkunft und Erziehung, einen frommen Juden, einen Freund der Araber und den gütigsten und vornehmsten Menschen, den man sich denken könne. Einbürgerung in Palästina. Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben. Im ״Dawar“ wird über die Entwicklung der Einbüreerungsabteilung, die bei der Moazah der Histadruth in Tel-Awiw eingerichtet wurde, berichtet. Diesem Bericht ist zu entnehmen, daß sich bis zum 31. Juli dieses Jahres ungefähr 2100 Chawerim der Histadruth an diese Abteilung wandten und Auskünfte und Hilfe in Einhürgcrungsfragen erhielten. Von diesen Chawerim reichten — nach Ordnung ihrer Papiere durch die Einbürgerungsabteilung — zirka 350 ihre Einbiirgerungsanträgc bei der Regierung ein. Zirka 40 «0 dieser Chawerim waren Einwanderer aus den Westeuropaischen Ländern. In dem Bericht wird weiter mit besonderer Betonung aut die nationale Bedeutung der Einbürgerung in Palästina hingewiesen. Der Bericht schließt mit einem Appell an die Einbürgcrungsberechtigten, von diesem Recht Gebrauch zu machen. — Die Einburgerungsabteilung bei der Moazah der Histadruth in Tel-Awiw (ßeth Brenner, Zimmer 19) ist täglich von 11—1 Uhr vormittags und am Montag und Mittwoch von 4—8 Uhr nachmittags geöffnet. Die Makkabi-Fußballmannschaft Tel-Awiw hat sich von Haifa aus nach Europa auf eine Tournee begeben. *״ÄS״״ f bei jedet geeigneten Kurse palästinensischer Papiere. Am 20. August hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tel-Awiw׳ folgende Kurse: Allgemeine Hypothekenbank 5 ״Viigc Pfandbriefe 38 55 97, 6 ׳״oige Pfandbriefe 34/54 102״'1 א ,ן.יige kum. Vorzugsaktien 106•־»'!, gewöhnliche Inhaberaktien 10S’ ■>, p. l. n. c., gewöhnliche Inhaireraktien, 100, 6 ״oige kum. Vorzugsaktien 961/4, Keren Kajemeth Lejisrael 2l 2°.״ige Pfandbriete 05, Bizur Ltd. 6 Eigc Pfandbriefe 99, Palestine Potash Company 5<■'! ״oige Vorzugsaktien sh. 16,9. Unter dem Namen ״Orientküstenlinie“ wurde in Tel-Awiw eine neue Schiffahrtsgesellschaft gegründet. Die Eigentümer der neuen Linie haben zwei Frachtdainpfer angckaiift, die die jüdische Flagge führen und ausschliedlieh niit Juden bemannt sein werden. Sara Ha Fell m a n n, die vor 52 Jahren aus Polen nach Palästina kam und die erste Frau war, die sich mit landwirtschaftlicher Siedlung beschäftigte, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Prüfung im Haifaer Technikum Die Studenten bei der schriftlichen Arbeit Foto: W. Ldweobeim, Haifa Die Finanzpolitik der Palästina-Regierung Die wirtschaftliche Halbmonatsschrift ״Hameschek haschitufi“ bringt folgende Ausführungen: Aus der Rede des Finanzsekretärs der Palästina-Regierung Mr. Johnson im Rotary-Klub wie aus der letzten Rundfunkrede des High Commissioncr ist zu entnehmen, daß sich die Regierung auf einen entscheidenden Umschwung m ihrer Finanzpolitik vorbereitet. Die konstruktiven Ausgaben sollen eingeschränkt, hingegen die Ausgaben für den ,Sicherheitsdienst in voller Höhe erhalten, ja vielleicht sogar vergrößert werden. Diesen Tendenzen der Regierung gegenüber gilt es wachsam zu sein und durch den Druck der öffentlichen Meinung und der politischen Instanzen der Juden für eine Aeriderurig dieser Absicht oder doch /tun mindesten für eine Milderung zu wirken. Die Regierung muß bei Wiedergutmachung der Schäden helfen, sie muß den jüdischen Gesundheitsdienst und die jüdischen Schulen auch weiterhin unterstützen, sie muß auch die agrikulturelle Ersciiließung des Landes fördern. Die Verminderung des Fr/iehtings- und Gesundheitsdienstes unter den Arabern würde den subversiven Elementen unter ihnen nur willkommen sein. Es wäre Wasser auf ihre Mühlen. Die Juden müssen sich solch unerwünschten Tendenzen mit aller Kraft entgegenstellen. Kulturarbeit der HOG. in Haifa. In Ergänzung zu den Berichten über die Kulturarbeit der IfOG. in Tel-Awiw und Jerusalem (״Jüd. Rundsdi.“ Nr. 61) wird uns über die Arbeit in Haifa folgendes berichtet: Auch im Juli wurde die Aufklärungsarbeit über zionistische Fragen unter den alten und neuen Olim fortgeführt. Pressereferate vermittelten eine Ucbersicht über die Ereignisse. Eine ״gesprochene Zeitung“ erweckte lebhaftes Interesse und den Wunsch nach Wiederholung. ln der Vortragsreihe sprachen Dr. Solowcitschik und Dr. Gins bürg über die politische Situation. Walter Roth hielt einen Vortrag in hebräischer Sprache über ״Sokolow, der Schriftsteller“. Die hebräischen Kurse — sieben an der Zahl — wurden weiter fortgeführt. Nach der Ferienpause im August und September soll gemeinsam mit der Jüdischen Volkshochschule ein Hebräisches Seminar eröffnet werden, für das jetzt bei der wachsenden Anzahl hebräisch sprechender und verstehender Olim ein Bedürfnis bestellt. Entwicklung von Kirjath Bialik. Mit der Herstellung von 30 Häusern, von denen die meisten bereits den Bauherren übergeben sind, ist diese Siedlung ausgebaut. Es sind im ganzen in den Jahren 1934—1036 etwa 150 Häuser errichtet worden, 70 0׳״ der Bewohner stammen aus Deutschland, jetzt wird es darauf ankommen, die Siedlung zu verschönern, der! noch vocjtandcncn Bauschutt zti entfernen, die Wege in Ordnung zu 'halten, mit der Anpfan/ung von Alleen zu beginnen und alle Bewohner zur Anlage von Gärten zu veranlassen, was erfreulicherweise schon zu einem erheblichen Teil geschehen ist. Alle diese Aufgaben werden allerdings zur Zeit durch die Sorgen um die gegenwärtige Situation in den Hintergrund gedrängt. Für die Kulturarbeit, insbesondere die 1 lehraisierung der Siedler, fehlt noch Schule um! Volkshaus. Doch schon jetzt bemüht sich eine besondere Kornmission um Vorträge, hebräische Kurse, Ausstellungen. Eine Rembrandt-Ausstellung in der Lesehalle auf dein Hof der Allava fand grobes Interesse, eine Ausstellung ״Liebermann und Zeitgenossen“ wird jetzt folgen. Neben Kirjath Bialik soll jetzt mit dem Hau der Siedlung Kirjath Bialik־ B. durch die Rascco (Rural and Suburban Settlement Corporation Ltd.) nach Entwürfen von Prof. Klein begonnen werden. Jüdischer Briefmarken-Sarrtrnler-Verein in Haifa. Vor kurzem wurde in Haifa unter starker Beteiligung aus Deutschlarid stammender Philatelisten ein Sammler-Verein gegründet, der schon im Anfang über eine zahlreiche Mitgliedschaft verfügt. Er befaßt sieh mit Abhaltung von Vorträgen, Mitteilung von Nachrichten über Ausstellungen, Neuersehei• nttngen, Fälschtmgs-Bekämpfung, N ruh eit eti-Beschaff urig, Markeniausclt. Interessenten bittet der Verein, sich an I)r. Max Zirker, Haifa (Palestinej, P. O .15. 1308, zu wenden. Es durfte sich hier schon um den vierten jüdischen Sammlerverein in Erez Israel handeln. Es sind Bestrebungen im Gange, diese Sammlervereine zu einem größeren Verband ztisammenzuschließen. Neue Briefmarken in Erez Israel, Nach den neuesten aus Erez Israel kommenden Nachrichten ist jetzt eine neue Serie von Briefmarken in Vorbereitung, die Ende des Jahres an die Postsdialter kommen und die seit 1927 benutzten Bildermarken ersetzen soll. Genaueres über Zeichnung und Drucker ist im Augenblick noch nicht veröffentlicht worden, doch ist an zu• nehmen, daß der Druck wieder, wie. bisher, in London erfolgt, wo für diesen Zweck die besten und modernsten Maschinen zur Verfügung stehen. (Schluß des Palästina-Teils) Körperliche und geistige Ausbildung in gesunder jüdischer Jugendgemeinschaft Wissenschaftl. Unterricht: Hebrätsdi, Engl., Naturwissensdi.usw. Praktische Ausbildung: Gartenbau, Tisdilerei, Schneidern Körperl. Ertüchtigung: Gymnastik, Sport, Mandern PALÄSTINA-VORBEREITUNG ‘IW;4 Landschulheim Kristinehoy Schweden Leitung: Dr. Ludwig Posener Adresse: Internats kola Löberöd Verlangen Sie Prospekt! Reisekosten ab Berlin UM 27,-

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