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Jüdische Rundschau · 1936-08-28 · Heft 69 (28.8.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 69 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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jüdische Rundschau NR.69, 28. AUGUST 1936 Ein Pentateuch - Kommentar Der Pentateuch und die Haftaroth. Hebr. Text. Englische 1 Uebersetzung mit Kommentar. Herausgegeben von Chiefrabbi Dr. I. H. Hertz. Oxford University Press. 5 Bande. Vor sieben Jahren begann Dr. Hertz, Chiefrabbi des Britischen Reiches, seinen inzwischen berühmt gewordenen Kommentar zum Pentateuch. Nun liegt der fünfte und abschließende Band dieses Werkes vor uns, und wir halten es für eine Notwendigkeit, auf diese Publikation hinzuweisen. Was diesem Kommentar seine Einmaligkeit und seinen Reiz gibt, ist nicht der fachwissenschaftliche Apparat von Grammatik, philologischen und sonstigen Theorien der Bibel- Wissenschaft — wir haben genug derartiger Kommentare in vielen Sprachen und nur die Fachgelehrten kümmern sich darum —, es ist vielmehr der erstmalig unternommene und meisterhaft gelungene Versuch, dem gebildeten jüdischen und nichtjüdischen Publikum von der sicheren Basis des Pentateuch aus einen Einblick zu geben in das gesamte Kultursystem des Judentums und seinen Einfluß auf die Entwicklung der menschlichen Zivilisation. Die Methode, die dem Werk in dieser Beziehung zugründe liegt, hat der Verfasser selbst folgendermaßen umschrieben: ״...Man muß sehr darauf bedacht sein, die allegorische Meinung und allgemeine Bedeutung des biblischcn Textes nicht aus dem Auge zu verlieren, seine Anwendbarkeit auf die täglichen Probleme des menschlichen Seins und seine ewige Kraft im Leben Israels und der Menschheit.“ Dabei kommen die Darstellung des einfachen natürlichen Sinnes und die sachliche Erklärung des Bibeltextes keinesfalls zu kurz. Vor allem der Lehrer wird in dem Werke ein hervorragendes Hilfsmittel für seine Vorbereitung zum Unterricht finden. Ein ungeheuer weiter Kreis von Kommentaren aus allerlei Sprachen ist hcrangezogen, antike, mittelalterliche und moderne, jüdische und nichtjüdische. Ihre Namen und Lebenszeit sind in einer besonderen Liste angegeben, die allein eine kurze Literaturgeschichte biblischcr Kommentatoren darstcllt. Berichte moderner Ausfrabungc-n, historische und geographische Beschreibungen erühmter Autoren sind in den Dienst des Werkes gestellt. So wird auf viele Bibelstellen, deren Text man kaum verstand, von dieser Seite her ein neues Licht geworfen, und sie erhalten neue konkrete Wirklichkeit. Viele kulturelle Errungenschäften von heute werden als Selbstverständlichkeiten hingenommen, und wer denkt daran, daß sic auf biblische Postulate zurückgehen und wie fremd diese der damaligen Zeit waren. Einige Beispiele: Griechische und römische Schriftsteller spotteten über die Idee des Schabbat, welcher den Menschen um ein Siebentel seiner Arbeitszeit berauben würde. Und doch ist die Idee des wöchentlichen Ruhetages eine Selbstverständlichkeit für die zivilisierte Menschheit geworden. Die Antike lachte darüber, daß es bei den Juden ein Verbrechen sei, Kinder zu töten. Der Kodex Hamurabi schließt mit dem Fall des Sklaven, dessen Ohr abgeschnitten wird, weil er die Freiheit wünscht, während das mosaische Zivilrecht damit beginnt, daß dem Sklaven als symbolischer Akt das Ohr durchbohrt wird, wenn er es nach sechs Jahren von Knechtschaft ablehnt, die ihm als Mensch zustehende Freiheit anzunehmen. — Herodot berichtet, daß in der Zeit von Pharao Necho II (609—588 '׳. d. ehr. Z.) 120 000 Arbeiter sich zu Tode arbeiteten bei der Konstruktion eines Kanals. Als der jüdische König Jehojakim, ein Zeitgenosse desselben ägyptischen Königs, es wagte, dessen Beispiel nachzuahmen, und sich einen Palast durch Zwangsarbeit bauen ließ, wurde er von den verdammenden Strafreden des Propheten niedergeschmettert... ״Wehe dem, der sein Haus mit Ungerechtigkeit aufbaut, Unterdrückung und Gewalt ausübt, er soll begraben werden wie ein Esel, geschleift und hingeworfen weit weg von den Toren Jerusalems.“ ״Diese Worte von Jeremias“, schreibt Hertz, ״sind nichts als das prophetische Echo des jüdischen Schreis für Freiheit, der in Moses Zeiten zum Himmel drang, sie sind nur die Uebersetzung des Trompetenschalles des Auszugs aus Aegypten und der Offenbarung am Sinai, mit ihrer göttlichen und ewigen Proklamation der Menschenrechte.“ So wird durch Gegenüber- Stellung biblischer Postulate und antiker oder auch moderner Kulturanschauung dem Leser vor Augen gebracht, wie die Thora das Angesicht der Weit verändert hat, und welche Rolle sie noch in der Geschichte der Menschheit zu spiekn hat. Das Wertvollste am Kommentar sind vielleicht die einzelnen, besonders wichtigen Kapiteln folgenden Anhänge und Exkurse. Sie enthalten die wesentlichsten Probleme jiidischcr Theologie, Religions- und Gcschichtsphilosophic in bewundernswert klarer Darstellung, stilistisch hervorragend, einfach, für das intelligente weitere Publikum verständlich. Es ist dabei von besonderem Wert, daß Zitate nichtjüdischer Autoritäten aus den verschiedensten Fachgebieten gebractit werden, die objektive Urteile über das darstellen, was Judentum und Juden auf diesen Kulturgebieten geleistet haben. Daß das national-religiöse Element des Judentu ms in diesem Kommentar seinen gebührenden Platz findet, ist bei Dr. Hertz eine Selbstverständlichkeit. Zu den Problemen der Bibelkritik ist mehrfach in Exkursen Stellung genommen, wobei die bibelkritischen Haupttheorien mit guten Gründen widerlegt werden und die jiidisch-traditionellc Auffassung aufrecht erhalten wird. Da der Kommentar auch die Haftaroth mit umfaßt, war Gelegenheit gegeben zu vielen feinsinnigen Bemerkungen über Propheten und Prophetie. Die angefügten gcographisch-historisehen Zeittafeln aus der jüdischen Geschichte erleichtern sehr die Orientierung des Lesers. Wie man hört, ist eine deutsche Uebersetzung des Werkes geplant. Aber auch bis zum Erscheinen dieser Uebersetzung wird es sicher viele Juden in Deutschland geben, die Englisch genug verstehen, um zu dieser neuen Quelle jüdischen Wissens Zugang zu haben, die, wie kaum eine andere, gceignet ist, der jüdischen Generation von heute seelische Kraft und innere Stärke mit auf ihren schweren Weg zu geben. - J. 0. Säumiger Tod. Erzählung aus einem Leproserium von Gcorgij Schilin, Verlag Julius Kittls Nachfolger, M.-Ostrau-Lcipzig. Man kann das Buch nicht aus der Hand legen, ohne die letzte Zeile gelesen zu haben. Es handelt sich um die Schilderung eines Leproseriums, d. h. eines Hauses für Leprakranke, der furchtbaren Leiden dieser totgezcichneten Menschen, die durch die Liebe und Fürsorge ihres Arztes, eines großen Menschenkenners, Linderung ihrer Leiden erfahren. Der Autor, sicherlich selbst ein Arzt, verfügt über tiefes Wissen um diese Kranken, ihre ßedürfnisse und Notwendigkeiten, und hat nur den einen Wunsch, zu helfen und zu heilen. Ch. F. Englische Geschichte — in Teetassen serviert Latirence Housman, ״Victoria Regina. A Dramatic Biography“. The Albatross, Hamburg-Paris-Bologna. Um es gleich zu sagen: lange hab ich mich nicht so gut amüsiert wie beim Lesen dieser ״Dramatischen Biographie“. Die englische Geschichte hat zwei bedeutende Herrscherinnen gehabt. Königin Elisabeth, die große Zeitgenossin Shakespeares, und Königin Victoria ״The Queen“ wie ihr Zeitalter sie nannte: als Persönlichkeit sicher viel unbedeutender als ihre erlauchte Vorgängerin, aber dennoch durch ihr Nein wie durch ihr Ja (mehr vielleicht durch ihre Negationen!) fällig und imstande, ihrem Zeitalter ihren Stempel aufzudrücken. In den letzten Jahren sind in reicher Fülle Briefe und Tagebücher dieser Frau mit bis dahin niemals erhörter Großzügigkeit veröffentlicht worden; dennoch ist ihre eigene Persönlichkeit noch immer nicht ganz eindeutig bestimmt. War sie willenloses Werkzeug in der Hand kluger Minister? Hat sie die Politik ihrer Zeit beeinflußt — oder nur geschehen lassen, was man ihr riet? Einen Teil dieser Fragen möchte das vorliegende Buch beantworten; auf eine besondere, lebendige, nicht ungründliehe und dabei doch von allein Schulslaub weit entfernte Weise. Englische Kulturgeschichte kennt diese Art; vielleicht hat da Walter Savage Landor und seine Imaginarv Conversatioas weithin eingewirkt. Da diese dramatischen Szenen von vornherein auf die Bühne Verzicht tun, so konnte der Verfasser seiner klugen Spotflust, hinter der sich doch — wie bei manchem Engländer — ein warmer Patriotismus verbirgt, freien Lauf lassen. Es entstand auf diese Weise eine höchst ergötzliche Ucbcrsicht über alle entscheidenden Phasen englischer Politik in den langen Zeiträumen, in welchen diese kleine hartnäckige Frau die Geschicke ihres Landes führte —• und sie, was vielleicht mehr das Verdienst ihrer klugen Ratgeber war, zu hoher Blüte brachte. Housman selbst nimmt in seinem Vorwort sehr ergötzlich manchen Vorwurf der Kriii! <er vorweg, die der historischen Glaubwürdigkeit mancher Kapitel mißtrauen könnten. Neben de״ Ministern, die Victoria haßt, wrie Palmer* stone, oder die sie ablehnt, wie Gladstone, spielt der Minister, der sie zur Kaiserin von Indien machte, Benjamin Disrae li (Lord Beaeonsfield) natürlich eine wichtige Rolle. Aber es will mir scheinen, als ob diese Form des dramatischen Zwiegesprächs verwunderüchenveise der eigentümliehen Größe des Mannes nicht so völlig gerecht werden könne. Zwar die Gartenszene in Balmoral offenbart sehr anschaulich das sonderbare Gemisch von ritterlicher Verehrung und politischer Mitarbeit, die Victoria ״im II. Jahre ihrer Witwenschaft“ mit dem Minister, der gleichfalls seine Ehepartnerin betrauerte, verband. Aber die unheimliche Vision des Primeltraun!es ver* sucht vergebens, den östlich gefärbten Träumen des Mannes nabezukomnien, den noch heut ganz England am ,,Primrose Day“ feiert. —- Bei der sonstigen weitschichtigen Bildung Housnians überraschen einzelne Verstöße gegen die . .. ״awful German Language“ wie Mark Twain sagen würde. ״Liebe Frauchen“ hat der Princc-Consort. der ein deutscher Prinz war, sicher nicht gesagt... B. B. St. Fremde Länder ״Abessinien“. Von Friedrich Wencker-Wildberg. Kurt Wolff-Vcrlag, Berlin 1936. Obwohl die Hochkonjunktur der Abessinien-Literatur ■überschritten ist, nachdem die militärischen Ereignisse in diesem Lande zu einem Abschluß gelangt sind, hat dieses Buch auch jetzt noch Interesse. Es gibt eine übersichtliche Schilderung des Landes, der Völker, der Städte, des Handels lind des bisherigen abcssinischcn Herrscherhauses und illustriert den Text mit einer grollen Zahl zum Teil sehr schöner Aufnahmen. — Im Rahmen der Behandlung der Völkerschäften Abessiniens werden auch die Falaschas erwähnt und dabei auf das Interesse der Judenheit an diesem Stamm hiiigewiesen. Der Verfasser polemisiert dabei gegen die Betonung ihrer besonderen Leistungsfähigkeit für Abessinien lind sagt, daß ״diese reklamchaftc Anpreisung der Leistungsfähigkeit der abcssinischcn Juden stark übertrieben ist und die harmlosen Falaschas wohl selber über den romantischen und heroischen Nimbus lächeln, mit dem die Zionisten sie umgeben.“ Woher dem Verfasser die Idee gekommen ist, daß die ״Zionisten“ sich mit den Falaschas besonders beschäftigt haben, ist allerdings unerfindlich. ״Im Weltkrieg vor Indiens Toren.“ Von Oscar Ritter von N iedermeyer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1936. Dieses Buch, das als dritte Auflage des Buches ״Unter der Glutsonne Irans“ erschienen ist, behandelt den Zug der deutschen Expedition nach Persien und Afghanistan, die während des Krieges ausgerüstet wurde und dem Ziele dienen sollte, das Britische Reich in Indien zu beunruhigen und die Völker Persiens und Afghanistans zum Anschluß an die Sache der Mittelmächte zt! bewegen. Der Zug dieser Expedition, die oft als Gegenstück zur englischen Lawrence- Expedition bezeichnet wurde, stellt ein besonders abenteuerliebes Stück der Geschichte des großen Krieges dar und hat für uns als Ausschnitt aus dem Kampf um die Vorherrschaft im Orient Interesse. Die Bewegungen, die in jener Zeit angebahnt wurden, besonders auch das Selbständigkeitshestreben Persiens und Afghanistans, sind auch für die weitere Geschichte jener Länder nicht ohne Fortwirkungen geblieben. ״Japans Expansionsdrang.“ Von Georg G o t h e i n. Rascher- Verlag, Zürich. In der rasch anschwellenderi deutschsprachigen Literatur über Japan nimmt das Finch Gotheins einen besonderen Platz ein. Es beschäftigt sich in erster Linie mit den wirtschaftlichen und sozialen Zuständen Japans und behandelt in diesem Zusammenhänge Japan als Konkurrenten in der Fertigwaren-fndusfrie und das Problem des Dumpings. Im zweiten Teil wird sodann auf dieser Grundlage Japans Machtpolitik dargestellt und seine Auseinandersetzung mit seinen verschiedenen weitpolitischen Gegnern. Das Buch kommt zu dem Ergebnis, daß die Aussichten einer friedlichen Verständigung innerhalb des pazifischen Raumes nur gering seien. —n. ״Brasilien als Abnahmeland der jüdischen Auswanderung aus Deutschland.“ Von Herbert f rankenstein. Joseph Jastrow Verlagsbuchhandlung, Berlin. Die Broschüre von Fruiikenstein gibt einen Ueberbfick über die Einwaiiderungsmöglichkeiten in Brasilien sowie über die Lebensbedingungen, die den Einwanderer in Brasilien erwarten. Das mit einer Reihe von Bildern ausgestattete Heft kann als Vermittler eines ersten Eindruckes vom Lande gewertet werden, wenn es naturgemäß auch die eigentlichen Probleme, die mit der Einwanderung nach Brasilien verbunden sind, nur streift. -n. Durch drei Wüsten. Von Georg Le ich 11 er. A. J. Payne Verlag. Leipzig 1036. Georg Leichner durchquert die Sinai-, die Lybische und Nubische Wüste mit seinem Motorrad und versteht es, den Leser durch die Schilderung seiner gefahrvollen und kühnen Expedition in Atem zu halfen. Er kommt am Beginn seiner Reise nach Palästina, und dort setzt unser besolideres Interesse an seiner Schilderung ein. Er wird gleich mit dein jüdisch-arabischen Problem bekannt. Auf der Straße, die nach Hebron führt, bleibt sein Motor im tiefen Schlamm stecken. Es gelingt ihm nicht, das Fahrzeug allein von der Stelle zu schieben. In der Ferne sicht er eine Gruppe Araber stehen, die mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt sind. Sie verhalten sich vollkommen abweisend, als er auf sie zukommt. Mit den üblichen Worten begrüßt er sie, aber man erwidert den Gruß mit einem ihm unverständlichen Wort und wendet sich gleich von ihm ab. Nachdem er durch einige Bemerkungen versucht, sic zu einem anderen Verhalten zu bringen, sagt er im Weggehen: ״Ena albnani tsahaffi.“ ״Ich bin ein deutscher _ Journalist.“ Kaum hörten das die Araber, kamen sie ihm freundlieh entgegen und reichten ihm die Hand. Er mußte ihnen von seiner Reise erzählen, und wie er bis nach Palästina gekommen ist. Viele Fragen haften sie zu stellen, unter anderem auch, ob er ein Jude sei. Auf seine Antwort: ״Ich bin nicht ein Jude, ich hin ein Deutscher“ wich der Haß aus ihrer! Augen und alle Hände streckten sich ihm entgegen. Nun halfen sie alle das Motorrad aus dem Schlamm ziehen und verabschiedeten sich mit großer Herzlichkeit von ihm. — Die Schilderung der zweiten Reise nach Nordafrika ist spannend und instruktiv. Zahlreiche Bilder unterstützen die Darstellung. C.h, F. Herder Johann Gottfried Herder: ״Blätter der Vorzeit“, Dichtungen aus der morgenländischen Sage. Mit einem Nachwort von Friiz Ba m berge r. Schocken-Vcrlag, Berlin 1936. In der Reibe der Bücherei des Schockcn-Verlages ist vor kurzem dieses Bändchen erschienen, das biblische Dichtungen und Fabeln Herders einer größeren jüdischen Öffentlichkeit zugänglich macht. Im allgemeinen kennt ja der jüdische Gebildete Herders Schrift ״Vom Geist der ebräischen Poesie“; als Vorarbeit hierzu und in ihrer Weiterführung sind drum die ״Blätter der Vorzeit״ entstanden. Sie sind heute wenig bekannt, und es ist daher ein verdienstliches Unternehmen des Herausgebers gewesen, sie neu zu publizieren. Herder bat in der ersten Vorrede hierzu, die im Jahre 178! im ״Tcutschcn Merkur“ erschienen ist, auf ihre Eigenart hingewiesen und fand für die jüdische Literatur, die sich an die Bibel anknüpft, ergreifende Worte, wenn er von ihrer Beurteilung durch Außenstehende sagt: ״Aber nun, was hatte diese Dichtungsart, diese Einkleidung und Anheftung scharfsinniger Gedanken an die Sprache der Bibel — was hatte sie für ein Schicksal, da sie in die Hände andrer Nationen fiel, die dies alles für die eigentliche Auslegung des Worts Gottes hielten? Wo der Rabbi am scharfsinnigsten gewesen war, ward er am dümmsten; eben wo er den feinsten Witz angebracht hatte, schien er ein rasender Schwärmer. Man machte lächerlich, was man hin und wieder gar nicht verstand; und indem man den schönen glänzenden Staub auf dem Flügel des Schmetterlings mit groben Händen angreifen, ja gar zersägen und zerteilen wollte, freilich so ging der Schmetterling und sein Flügel verloren, und man besudelte sich nur die Hände. Die die Geschichte dieses Volkes und seiner Behandlung kennen, werden auch literarisch hierüber keine Beweise verlangen; eine Reihe Bücher, zum Teil sehr neuer Bücher, sind davon redende Beweise.“ Man wird diese Sätze Herders verstehen, wenn man erfährt, daß Herder die Quellen zu den hier veröffentlichten Texten nur selten im Original kannte und die Kernsäfze 11. a. aus Eisenmengers ״Entdecktes Judentum“ nehmen mußte Die Dichtungen und Fabeln sind nur zum kleinsten Teil in der Form, wie sie vorliegen, in der Tradition gegeben, die meisten sind von Herder selbst gestaltet. Lr hat die Legenden in eine bestimmte Form gebracht und das Bibelwort in der Art des Midrasch entwickelt. Wie er dies tat. bewies allerdings seine tiefe Gabe der Einfühlung m den Geist einer fremden nationalen Dichtung, obwohl gewiß, wie Barnberger richtig bemerkt, das, was im Jüdischen ״Auslegung ist, bei Herder 711 ״Mythologie“ wird, einem Stück aus dem Wörterbuch der Seele. Die jetzt erfolgte Veröffentlichung wird für a״ die* jenigen ein Dokument besonderen Ranges sein, die mit Interesse und Freude sehen, in welcher Art jüdische werte auf einen edlen Geist einer fremden Nation, der sich ihnen hingab, wirken konnten. 06י lender der Jüdischen Künstlerhilfe 5697/98. Joseph Jastrow Verlagsbuchhandlung, Berlin. Auch in diesem Jahre hat die Leitung der Künstlcrhine Berlin einen Kalender herausgegeben, dessen bildliche i textliche Gestaltung Professor Franz Landsberger 1 Dr. Osborn unter Mitarbeit von Dr. Irmgard S c h u - r clürc!1p־e führt haben. Der Kalender bringt neben den! lendarium auf den einzelnen Blättern Wiedergaben von dern und Plastiken jüdischer Kimstler, und zwar, neben er Reihe bereits verstorbener Großer eine Anzahl von beiten der lebenden jüdischen Künstler, zum großen Teil; Deutschland, aber auch aus dem Ausland und aus if ist in a. Es sind auf diese Weise eine Anzahl repraseniver Werke zusanimeiigestellt, die einen guten Einblick das Schaffen der lebenden jüdischen Künstlergeneration [)je begleitenden Texte führen in das Werk der zelnen Künstler in kurzer, prägnanter Weise cm. Einige ttcr bringen statt der Bildwiedergaben Gedichte von -ndt Götz, Mascha Kaleko, H. L. Michael Kauffmann* hur Silbergleit, Manfred Sturmann und Ilse Blumenthaliß. Der schön gedruckte und gut ausgestattete Kalender vi t.irh in diDQum Jahr viele Freunde erwerben. ־n- ■m ■ ■ ׳'. m. m י ■ ׳■' HardanberaslriZSa Etil IS J u we l e n * Robert Bucho & Co. :;*v*

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