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Jüdische Rundschau · 1936-08-28 · Heft 69 (28.8.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 69 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69, 28. VIII. 1936 Zur Lage der Juden in Spanien Von unserem Berichterstatter IN ALLER KURZE In dein Dorf Raczince, Kreis Zalesczyk? (Galizien) dranen Banditen nachts in das Haus des jüdischen Krämers eib Kamiel ein und töteten ihn, seine Frau und seine beiden Kinder. In der Sommerfrische Nicmenczyn bei Wilna versuchten judciifcimllichc Ex/olcntcn Unruhen" hervorzurufen. Polizei trat ihnen entgegen und stellte die Ordnung wieder her. Unter dem Namen ״Kooperative Kredit/entrale“ ist ei«! zentrales jüdisches genossenschaftliches Kreditinstitut für Polen in das Handelsregister eingetragen worden. Auf dem Währinger jüdischen Friedhot im XVIII. Wiener Gemeindebezirk sind in der letzten Zeit wiederholt Grab• steine 11 in g e w o r f 1• n 1md beschädigt worden. Zerstört wnrden u. a. Grabsteine, die schon 200 Jahre alt sind. Der Friedhofsverwalfer, der die offenbar aus politischen Motiven hau• delnden jugt ndiiehen Grabschäitder überraschte, wurde von ihnen mit Steinwürfen empfangen. Jetzt ist es der Polizei düngen, fünf der Täter festzunehmen. Sie wurden dem ugendgerieht eingeliefert. Die I lias-Ica-Pmigration Association (Hicem) gibt bekannt, daß mit Rücksicht auf die Möglichkeit einer verstärkten jüdischen Einwanderung in nächster Zeit die Arbeit des Ver- Landes aut Peru ausgedehnt wird. Jugendliche russische Weißgardisten haben fr! Charbin (Mandschurei) judenfeindliche Ausschreitungen organisiert. Drei jüdische Einwohner wurden verwundet. In Hclsjngfors wurde ein Kongreß der jüdischen Jugendverbände der skandiitavischen Lander und Finnlands abgeltalten. Aut dem in Kopenhagen stattfimlenden Internationalen Kongreß für I.ogopädik und Phoniatrie wird der Direktor der Israelitischen Lamlesfaiib-tmnnicnanstalt in Budapest, Desider K a n i z s a i einen Y״r 11 ׳.:!,׳״ her die Frgebnissc von ihm zu>,a!1!11:;!1 mit ihm Clictaizi I tr Pani Kepes an I luiulcn von1!111;!;1׳1׳v:u׳r I xpenmente ul'er Besseiungstiiöglichkeiteit der Tatibhcii halten. Das Jiild'-.che Wkstnschuitliclic Institut in Wilna ver* öffenllii ht eine Studie von I >r. E. Rin ge 1hl um über die Geschichte dts jüdischen Bin. lies und Buchdrucks in Polen. Wie uns aus Saloniki geschrieben wird, feiert die Zionistische Organisation Griechenlands dieser Tage das zehnjährige Jubiläum der <irimdunt' des (spaniolischen) Organs ״l.a Rcnmis-encia I!ioudia״. Alts diesem Anlaß erscheint eine 1׳ cstausgabe des genannten Blattes mit iiegrüiningsschreiben der Zionistischen!exekutive und der Hauptbüros vom Keren Hajcssod und Keren Kajenietll Ecjisracl. Die Zeitung hat der zionistische״ Sache in guten und schlechten Zeiten wertvolle Dienste geleistet, und wir wünschen ihr auch weiter bestes Gedeihen. In Behiiar, New Jci.-ey, ist Rabbi Morris S. Mar• golics, einer der ältesten Rabbiner Amerikas und Gründer des Verbandes orthodoxer Rabbiner in Amerika und Kanada, am 25. August gestorben. Im Älter von 50 Jahren starb in Paris Rene Koval, der als Operettemlarstellcr sich durch die Schaffung eines eigenen Genres auf dem Gebiet der Operette und der leichten Singspielhallenkmist einen Namen gemacht hat- In dem von der Pariser ״Revue Musicals“ ausgeschrlebenen Wettbewerb für die beste Kammerkomposition für Blasinstrumente erhielt den ersten Preis der Briinner Kom* ponist Theodor Scharfer, den zweiten Preis der jüdische Komponist Sclmar Meyrovvitz, der in Rom lebt. ״Pestcr Lloyd“ (Budapest) berichtet, daß die Aufführung des Werfelschen Dramas ״Weg der Verheißung“ unter der Regie Reinhardts i!1 New York neuerdings ver• schoben wurde und im besten Fall Anfang des nächsten Jahres stattfinden wird. In New York ist der zweite Band der gesammelten hebräischen Schritten Ruhen B r a i n i n s erschienen. Freunde des französischen Politikers und Gelehrten Paul P a i n 1 e v e haben seine Schriften gesammelt und herausgegeben. In dem!!sieh nehmen Painh'ves leidenschaftliche Acußerungett zur I) r e y f 11 s - A f f ä r e einen beträchtlichen Raum ein. Der Direktor des New-Yorker Jiddischen KunsttJicatcrs, Morris Schwarz, hat ein europäisches ״Morris Schwarz- Ensemble" /tK:1mmeu;.w>tci[!, dem die prominentesten jiddisehen Schatispuäer Polens angeboren. Die neue Truppe wird nicht nur in Polen anftreten, sondern regelmäßig Tourneen zaneh 11.ich Rtnn.inii 11, Litauen, Lettland, Oesterreich, die Tschccho.-Juwakci und andere europäische Länder mit grüßerer judi-Gic,■ Bewä'keruug unternehmen. Morris Schwarz selbst kehrt nach .Amerika zurück. Seit fünfzehn Jahren wird in Mexico City jüdisch gearbeitet. Ls gibt da bereits dn j i <1 d i s c h e s Theater, jüdische Scimicn und andere kulturelle Institutionen, 7. B. eine I1ter.1ri-.clu■ Monatsschrift, die kürzlich zum Jubiläum der zwanzig!.■i11״i:;en Tätigkeit des bekannten Schauspielers S, T11 r k o w, der jetzt eine Europa-Tournee macht, ■eine Sondernummer!1! rai'sbraehtc*. Ls gibt ein Wochenblatt ״Der Weg“ und neuerdings ein zweites ״Die Zeit“. Der Dirigent Julius Uhr lieh, der nach einer Dirigententournce, die ihn durch die Städte Amerikas und Europas führte, auch in Beograd mit großem Erfolg in der Oper dirigierte, wurde nim von der Beograder < 'per als ständiger Dirigent für die kommende Saison verpflichtet. Herta Schein-Arno und l.uz-Martin Schein gaben in den Bädern der Grafschaft. Glatz mit großem Erfolg ״Bunte Abende“. Die Begleitung hatte Selma Wolf-Sobcrski. Marion Koegel wurde zu Gastspielabenden in Warschau, Krakau, Zakopane und zu einer Tournee durch Nordamerika verpflichtet. Vor kurzem hat sich in Amsterdam eine Reihe gesetzes* treuer Juden unter dem Namen ״Studienkreis TecMUah“ zusammcngeschlosscn rnit der Aufgabe, die Ursachen der innerjüdischen geistigen Auflösung zu untersuchen, insbesondere die Probleme, die Ln dieser Hinsicht beim Aufbau Ercz Israels anftreten. Interessenten werden zur Einsendung ihrer Anschrift gebeten an: S. Pinkhoff, Bissboschstraat 20II, Amsterdam-/!., oder M. J, Premsela, N. Hccrcngracht -15, Amsterdam-('-. Barcelona, 23. August Aalitamiiiicha Strömungen Die Ankündigung einer zweiten Judenvertreibung aus Spanien, die ein bei einem aufständischen Offizier gcftindener Entwurf einer neuen spanischen Verfassung enthielt, ist keine leere Drohung, wie die Vorfälle in Saragossa beweisen. Saragossa befindet sich seit Beginn der Revolufion in der Hand der Aufständischen, wird jedoch seit Wochen belagert. Die Erregung, in der sich die Belagerten befinden, richtete sich nicht nur gegen die als Anhänger der Madrider Re״icrung bekannten Kreise, sondern auch gegen die Juden. Die Zahl der Juden in Saragossa ist verschwindend gering. Drei jüdische Angestellte des Warenhauses Scpti, an dessen Gründung Emigranten aus Deutschland beteiligt sind, wurden verhaftet und .sollten nach La Coruiia geschafft werden^um von dort aus Spanien ausgewiesen zu werden. Ucber ihr Schicksal ist bisher nichts bekanntgeworden. Radio Sevilla setzt seine Anschuldigungen gegen die Juden fort. In Marokko wurde der jüdischen Gemeinde T etu an, die etwa 7000 Köpfe zählt, eine Kriegsstcucr von 50('000 Peseten auferlegt. Die Gemeinde Ceuta (zirka 3000 Juden) mußte 450 000 Pes. zahlen. Viele marokkanische Juden sind durch den Zwang, ־zu dieser Steuer beitragen zu müssen, in eine wirtschaftliche Notlage gekommen. Denn der Betrag von 150 Pes., wie er z. B. in Ceuta auf den Kopf der Gemeinde entfiel, bedeutet eine Summe, mit der viele Familien des!Mittelstands in Marokko im Monat nuskommen müssen. Um die grolle Zahl der Verdächtigen, unter denen sich viele Juden befinden, unter sicherer Aufsicht zu haben, ist von General Franco ein Konzentrationslager geschaffen worden. In Tanger sind zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Spanisch -Marokko eingetroffen. Auf Grund einer Intervention des italienischen Konsuls, der der Präsident der diplomatischen Konirollkommission in Tanger ist, wird ein großer Teil der Flüchtlinge nicht iti das *internationale Territorium in Tanger hineingelassen werden. Vorgänge in Barcelona Die Tatsache, daß das ״Komitee der katalanischen Bürgerwehren“ das Lokal der jüdischen Gemeinde und der Zionistischen Vereinigung in Barcelona be- Handel und Verkehr mit Juden ״Der Enz-Bote“ in Vaihingen bei Stuttgart enthält einen Artikel, der ״Eine letzte Warnung an die Lauffeuer Judenfrctinde“ tiberschricben ist. Geschäftsleute und die Findliehe Bevölkerung von Lauf{ en am Neckar verkehren und handeln immer noch mit Juden. Wenn trotz aller Ermahtiungcn gewisse Volksgenossen glaubten, nun erst recht beim Juden kaufen zu müssen, so müßten gegen die Volks- Schädlinge andere Mittel ergriffen werden. ״In nächster Zeit wird an der Geschäftsstelle ein Anschlagbrett angebracht werden. Wenn nun in Erfahrung gebracht wird, wer beim Juden kauft oder geschäftliche Beziehungen unterhält, wird an diesem Brett angeschlagen, damit unsere Volksgenossen auch wissen, wer zu diesen Volksverrätern in Lauffeil zählt. Diese Anschlagungen werden solange erfolgen, bis auch der letzte Lauffener Volksgenosse erkannt hat, um was unser Kampf in Deutschland geht.“ In der gleichen Ausgabe wird dagegen Stellung genommen, daß auf dem Vieh markt in Vaihingen immer noch jüdische Händler tätig sind. ״Angesichts der Vorgange in Spanien, deren geistige Urheber Rassegenossen der Fländler sind, von denen deutsche Bauern immer noch Vieh kaufen, ist es nötig, den Bauern wieder einmal auf seine Pflicht gegenüber dem Staat hinzuweisen, der ihm sichere Lebensmöglichkeit gewährleistet hat.“ Ueberführuag jüdischer Geschälte in arische Hände Die Zeitung ״Neue VoIksblätteru, Osnabrück, berichtet über eine Rede des Kreisleiters Münzer beim Kreistag der NSDAP. Osnabrück-Stadt 11. a. folgendes: ״... Da.-. Amt. <1י..:׳ K!!■i ovirf><-h;tluUD-nfers wpiniete sich der Schulung der Wiri-rhutl und doü einzelnen fn der Wirtschaft. Hierhei verweilte Kreideifer Münzer auch kurz lx!i der Aktion, welche die Ueb; rfuhrung jüdhrher Desrhafte in :ni-rhe I lande zum Ergebnis hatte. Kt gehe langsam vorwärts, ein jiifli-vhrs Ge-whdt .sei nach dem anderen vtivhwur.'Im, und die ('DnahiiDker halfen sieh allmählich daran gewohnt, daf' 05 an der (־rohen SfraO kein jüdisches Geschäft, mehr gehe. Der Kampf miDse aber noch fortgesetzt werden. Man dürfe Molz darauf sein, daß man ohne jeden /wis־׳henfall die größten judKrhcn (ie<»־itai'u־ in Osnabrück in ari.sch<* Hände habe iihcrSühren können, und es ,sei eine sthune Y.c it gewesen, einmal wieder etwas revolutionär h.־md«.ln zu können. 1 Os mache Freude und frische das Blut auf. {Kcbhalter Beifall.) Es denke jeder gern an die Kundgebung der 30 000 auf dem Lcd־■ nhof zurijrk; daß hier solche Menschenma-'wn zusammengrkornmen semn» lasse erkennen, wie weit schon die Bevölkerung im nationalsozialistischen Sinne ausgerich-?et bei•”‘ Gegen Bedrohung der Einwanderung Kundgebung der englischen «Judenheit Für den 7. September ist von der englischen Abteilung der Jewish Agency for Palestine eine außerordentliche Konferenz der Juden Englands einberufen worden, die zu der Bedrohung der jüdischen Einwanderung nach Palästina Stellung nehmen soll. Die Eröffnungsrede wird Lord Mel* chett halten. Ein politisches Referat wird von Professor Selig Brodetsky erstattet werden, worauf der Präsident des Board of Deputies, Neville L a s k i, unterstützt durch den Vorsitzenden der Exekutive der Zionist Federation of Great Britain and Ireland, Rev. J. K. G old b 10 0 m, entsprechende Resolutionen vorlegen wird. schlagiiahmt hat, hat Beunruhigung in jüdischen Kreisen hervorgerufen. Diese Maßnahme richtet sich jedoch, wie mitgeteilt wird, nicht gegen die Existenz der Gemeinde und der Zionistischen Vereinigung, sondern verfolgt den Zweck, die bishcr_ von der Gemeinde und dem Hilfsverein Esra ausgeübte sozial^ Fürsorge_ einer neuen Leitung zu unterstellen, die Hand in Hand mit der Zentrale der Bürgerwehr arbeitet. Die Wirtschaft Die Richtlinien der Wirtschaftspolitik der Linken beginnen sich allmählich abzuzcichnen, obwohl noch täglich neue Maßnahmen, wie Beschlagnahmen, Sozialisierungen, Eingriffe der Gewerkschaften erfolgen, die nicht immer einer einheitlichen Linie folgen. In Katalonien ist jetzt ein aus Mitgliedern der Regierung und der Gewerkschaften zusammengesetzter Wirtschaftsrat einberufen worden, der folgende Prog r a in m p u n k t e festgelcgt hat: Monopolisierung des Außen- Handels durch den Staat, Entwertung des städtischen Grundbesitzes durch Midshcrabsetzungen und Steitcrerb&hungen, Sozialisierung der Großindustrie und der gemeinnützigen Betriebe. Beschlagnahme und Sozialisierung van Betrieben, die von ihren Eigentümern aufgegeben wurden, Betriebskontrolle durch Betriebsräte in allen Betrieben. Mit Ausnahme des ersten Punktes ist mit der Realisierung des Programms bereits begonnen worden. Gerade dieser erste Punkt hat jedoch für die jüdische Bevölkerung in Spanien sehr hohe Bedeutung, da eine verhältnismäßig hohe Anzahl Juden als Importeure, Exporteure und Vertreter ausländischer Firmen tätig ist, deren Arbeit durch eine Monopolisierung des Außenhandels bedroht würde. Von den Maßnahmen gegen die Großbetriebe und den Grundbesitz sind die Juden in Spanien nur in geringem Umfang betroffen. Dagegen sind bereits eine Reihe von Betrieben von Juden, auch von Emigranten aus Deutschland, die jetzt aus Spanien geflüchtet sind, beschlagnahmt worden. Die Frage des Problems der Auslnnderarbeit ist vor einigen Tagen in einem Finzelfall akut geworden, als in Barcelona der StraÜenhandei, der lange Zeit verboten war, wieder freigegeben wurde. Die Ausgabe der Erlaubnis zum Handeln erfolgte durch die Gewerkschaften, und wurde Ausländern dann erteilt, wenn sie nachweisen konnten, daß sie keine Gegner des herrschenden Regimes seien. W. A. Verstölie gegen die Nürnberger Gesetze Ein -ISjährigcr Jude hatte 1t. ״Frankf. Ztg.“ vom 25. Aug. in' Erfurt zwei Zimmer seiner Wohnung an ein arisches Ehepaar vermietet. An Stelle einer Mictzahlung besorgte die arische Untermieterin den Haushalt für den Wohnungsinhaber, der von seiner Frau geschieden war. Ein früherer Mieter, der einen Prozeß wegen rückständigen Mietzinses mit dem jüdischen Wohnungsinhaber hatte, erstattete gegen ihn Anzeige wegen Vergebens gegen die Nürnberger Gesetze, da die arische Ehefrau, die bei dem jüdischen Wohnungsinhaber Haashaltsarbeitai verrichtete, erst 43 Jahre alt war. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, er habe seine Mieterin für mindestens 45 Jahre alt gehalten, da sie vollständig ergraut sei. Er habe das Miet- und Dienstverhältnis sofort gelöst, als er von ihrem wahren Alter erfahren habe. Die Große Strafkammer hielt diese Angaben für unglaubwürdig; zum mindesten hätte der Angeklagte das Alter aus den polizeilichen Meldezetteln ersehen müssen. Da es sich jedoch um einen weniger schweren Fall handele, sei eine Geldstrafe von 500 Mark ausreichend. Der Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängnis beantragt. Ein 33jä!1rlger arischer Angeklagter wurde?n Wiesbaden zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, weil er Beziehungen zu einer jüdischen Hausangestellten auch nach Erlaß der Nürnberger Gesetze fortgesetzt hatte*. Im November 1035 war aus dieser Beziehung ein Kind hervorgegangen. Die jüdische Abstammung der Frau war anläßlich eines Heiratsaufgebots bekannt geworden; die Frau, die staatenlos war, war schon im zweiten Lebensjahre zu christlichen Pflcgceltern gekommen, die sie christlich erzogen und konfirmieren iießen. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Zuchtnaus beantragt. Konstruktive Auswanderungspolitik. Von Max Apt, Philo- Verlag Berlin 1936. Die Broschüre von Apt dient der Propaganda für die in der jüdischen Oeffentlichkeit seit mehreren Jahrzehnten bekannte territorialistische Idee. Wenn die Bedeiitung der jüdischen Auswanderung für die Lösung der ludenfrage in Europa und die Wichtigkeit der Landwirtschaftliehen Kolonisation im Rahmen der Wanderungsbewcgung dargelegt wird, so kann dem Verfasser nur jedermann zustimmen. Allerdings leidet die Broschüre wie alle Aeußerungen dieser Art daran, daß das Wichtigste fehlt, nämlich jeder konkrete Hinweis auf ein Land, das bereit und geeignet wäre, eine jüdische Masseneinwamletung aufzimehmen. Mit dem guten Willen und schönen Worten ist es in dieser Frage allein nicht getan, und es nützt auch nichts, noch so gilt gemeinte Pläne und Rechnungen aufzustellen, solange diese Grundbedingung jeder kolonisatorischen Arbeit fehlt. Aus diesem Grunde enthalten wir uns auch einer eingeltenderen Prüfung der von Apt aufgestellten Berechiiungen über die finanziellen Voraussetzungen der Koloritsationsarbelt, die uns einigermaßen dilettantisch zu sein scheinen. — Bedauerlich bleibt, daß auch in dieser Dar- Stellung mehr oder weniger versteckte Angriffe aut die zionistische Arbeit nicht fehlen, obwohl der Verfasser selbst betont, daß eine jüdische Ucbcrsee-Kolonisation außerhalb Palästinas in keinem Gegensatz zur Palästina-Arbeit zu stehen braucht. Es scheint aber, daß derartige ״Spitzen“ nun einmal nicht zu vermeiden sind. —n. Berthes Weinschenk, Schülerin von Olga Eisner, sang vor kurzem in Florenz und Forte dei Marmi in Konzerten, die der Solobratschist des Philharmonischen Orchesters von Nev,׳ York veranstaltete, mit großem Erfolg. Fräulein Weinschenk wird in der nächsten Saison auch in Amerika singen. Ä Zukunft Ihrer Kinder Landschulheim Florenz Häher• Schule und Interaet 1. Schulbildung bis zum Abliurlum 2.!,Up Knaben und Mldchen von 6 — 18 Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen inteneivate Spraohenptlege 4. Studienberechtigung in fett eiten Staaten 8. Eigene HAUSHALTSUCHULE, Stenographie, Schreibmaschine 6. Werkunterricht, Land- und Gartenarbeit 7. Vorbereitung tllr AuswanderungelBnder 8. HaueBrztlicha Ueberwachung, Individuelle Förderung g. Schönete Umgebung, gutes Klima, Spart 10. Erstklassige Verpflegung, zeltgemBBa Preise, ketoe Trenefareehwlertgfcetten AaekBnile u. Prospekte durch die Leitung: Oherregierungsrni Br. Werner Peiser Floretts, Villa Passt, Plan dei Giuliarl Neunafn ahmen snm Wintersemester i

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