Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-08-25 · Heft 68 (25.8.1936) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 68 (25.8.1936)
Date
1936-08-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653987--29365-2690891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

»*!״ Seife 8 JÜDISCHERUNDSCHAU Nr. 68, 25. VW. 1936 UMSCHAU Gesundheitswesen / Fritz Noack. Im Zeichen der Unruhen Die Unruhen haben auch das Gesundheitswesen vor besondere Aufgaben gestellt, die hier nur kurz angcdcutct werden Können. Die erste Versorgung der Verwundeten und der Transport in Krankenhäuser liegt im wescntliehen in den Händen des ,,Magen David Adom“. Seit Monate•״ sind die Ambulanzen mit Aerzten, Chauffeuren, Helfern Tag und Nacht in Dienstbereitschaft, um — oft unter Lebensgefahr - die Verletzten zu bergen. Erfolgreich wurde auch dem Problem der gesundhritlicbcn Versorgung der Flüchtlinge zu Leibe gegangen. Die Unterbringung von Tausenden von Flüchtlingen in improvisierten Massetujuartieren, die dafür in keiner Weise eingerichtet waren, brachte die Gefahr des Ausbruchs von Epidemien mit sich. Durch Organisierung eines Gesundheitsdienstes von Aerzten, Schwestern, Sanitätern. Reinigungspersonal in allen Lagern, durch Einrichtung von Isolierräumen und besonderen Krankenstationen ist es gelungen, den Ausbruch von Epidemien in den Lagern bisher zu verhindern, »ine Leistung, die höchste Anerkennung verdient. Sehr ernst zu nehmen uml von unangenehmen Folgen war 1111• Tatsache, dal! •das Infektionsspital der Regierung!1) Jaffa für die Aufnahme jüdischer Patient׳, n wahrend dir Unruhen kaum in Frage kommt, 11,1 es mitten m arabischer Umgebung hegt, ^aduri 11 hat die Ueberfullung des Sladti-ehen "rankenlmises m Tel-Awiw weiter /ugenommrn. Nun mehr hat die Regierung ein besonderes Inivktion •spital im JUdischen Bezirk in! Ihn• R.rnk eröffnet, was eine außerordentliche Ve; lies •frung der Hospitalisicrung für Tel-Awiw!»׳deutet. Arabisches Gesundheitswesen f)ie ( u fahren f 11 r die arabische Bevölkerung durch die l 'nniiteit sind zweifellos großer als die für die jüdische. Du׳ Versorgung der arabischen Bevölkerung not ärztlicher Hilfe ist schon in normalen Zeiten unzureichend. Infolge der 11״ruhen sind nun eine größere Zahl )udiuhrr Aer/te. die m arabischen Gegenden prakti/urtui, gezwungen gewesen, ihre bisherigen Wohnorte zu verlassen, dem! die arabischen Patienten, die bisher zu jüdischen Aerzten gegangen waren, wagen es nicht, ihre Acrzte auf/usiicheti. Infolge des arabischen Streiks sind auch die Kommunikationen der Araber mit den Hospitälern in den Städten starker behindert als die der Juden. Dazu kommt, daß es ein selbständiges arabisches Gesundheitswesen, das sich den veränderten Anforderungen anpassen kann, Kaum gibt. Wahrend der jüdische lischuw ein Gesundheitswesen mit eigenen Krankenhäusern, Krankenkästen, Satt glitt gsfur sorgest eilen, Schulhygiene, Tuberkulosefürsorge iisw. entwickelt hat, werden die Araber durch Institutionen versorgt, die keinen nationalen Charakter tragen. Außer den Einrichtungen der Regierung sind cs in erster Linie die Missionen, die die arabische Bevölkerung ärztlich versorgen. Diese Jnstitutionen setzen auch jetzt ihre Arbeit mit anerkennenswerter Hingabe und großem Nutzen für das arabische Volk fort, aber sie reichen doch nicht aus, um Ge-iindheit und Leben der arabischen Nation so zu fordern, wie es eine kulrun!at1{1!1 hraiuht. Und die Selbst- Verantwortung dea; .!bischen Volkes .1111 diesein (lehnte 1-t bisher nullt zu spuren. Die kulturelle Reife der Araber in der Sorge für die Gesundheit ihr!.-, Volkes bat mit ihrer allgemeine ח po!in-׳.׳!v:1! ntwu klung ir-ht Schritt geiulten. Gesundheitszustand des Jischuw Der allgemeine (iesuiidlu it'/ustand des jitdischer! jischuw krau als 11 e! r i e d i g e n d hezeichnet werden, wub!i allerdings beruck-dchtigt wen!: 1;!null, daß wir zur Zeit erst im Beginn der Summ rsaisoi! stehen, die m Palästina mit euer 11• ׳her11 .׳ üesundheitsgefährdüng eiiilicrgehi. Von den Vulkskrankheiicn ist che Malar;.! [11-ln׳r nicht 111 stärkerem Malle aufgetreten; es i-d zu hoffen, daß infolge des trockenen Wintci % und der Sanicrung-artn :teil der letzten Z> it;11 dir sein Jahre eine gröbere Epidemie nusbh. ibt; doch bringe״ da׳ Unruhen auch eim■ Erschwerung der laufenden Arbeit!•״ in der Mucke 11bcka111[;f1mg mit sich. Auch Typhus und ily-cntcin• sind bisher nicht epidcmisch aufgetreten Es ist nicht nuxgeechlossen, daß in den Unrnhcii auch gewisse Momente liegen, die der Verbreitung dieser Krankheitert cntgegenwirkeii; das sind insbesondere die stärkere Einschränkung der Reisen und Ausflüge im Lande, die zunehmende Selbst- Versorgung des jischuw mit Nahrungsmitteln und das Verschwinden arabischer Erzeugnisse vom jüdischen Markte. Bemerkenswert ist das stärkere Auftreten von Flecktyphus in diesem Jahre, der eine größere Epidemie im Oalil und eine Anzahl Krankheitsfälle in Judäa und Scharon aufweist. Ls handelt sieh aber, wie ausdrücklich hervorgehoben werden muß, nicht um das europäische FU-ckfieber, das durch Läuse übertragen wird, sondern um eine!eichtere Form, die durch Ratienflöhe verbreitet wird. Die Lebensgefahr ist dabei gering. Ernst bleibt nach wie vor das Problem der Tuberkulose, deren Bekämpfung energische Maßnahmen erfordert. yergiftungspsychosc Vor kurzem durcheilte Jerusalem das Gerücht über zahlreiche Vergiftungsfälle; cs wurde behauptet, die Araber hätten Melonen mit Arsen vergiftet und auf den Markt gebracht; oder es seien verdorhene Fische verkauft worden und ähnliche Dinge mehr. Tatsächlich sind im Laufe einer Woche mehrere hundert Personen in den Ambulatorien der Krankenhäuser behandelt worden, die an Vcrgiftungserscheinungen zu leiden schienen. Einige von diesen waren ernstlich krank, auch ein Todesfall ist vorgekomnten. Bei den meisten ist aber anzunehmen, daß es sich nur um eine psychische Ansteckung handelte. Wahrscheinlich sind einige Personen infolge des Genusses von verdorbeiten Nahrungsmitteln erkrankt, was immer Vorkommen kann und in erster Linie eine Frage der persönlichen Hygiene ist. Durch Ausstreuen des Gerüchtes ist dann in einzelnen Bezirken geradezu eine Panik entstanden. Die Untersuchungcn haben keinen Anhaltspunkt für eine terroristische Handlung ergehen. Das Vorkommnis zeigt aber, in welcher seelischen Spannung sich die jüdische Bevölkerung bcfindet unter dem Druck eines Terrors, der auch vor dem Anzünder! von Säuglingsheimen, Bornbeinverfen in Schulen und ähnlichen Handlungen nicht zurücksclireckt. Zunehmende Notlage der Jlerzie Die zunehmende Proletarisierung und Ver* elendung der Aerztc ist ein soziales Problem, das die ernste Sorge unserer nationalen Institutionen in Anspruch nehmen muß. Die Unruhen haben die Lage der Aerzte noch verschärft. Eine Anzahl von ihnen ist — zum mindesten vorläufig — aus der arabischen Praxis herausgerissen. Die rückläufige Wirt- Schaftskonjunktur veranlaßt den Einzelnen — vielleicht mehr als für ihn gut ist —, mit der Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe zu zögern. Der frei praktizierende Arzt ist in hohem Maße der Konkurrenz der Krankenkassen und vor allem der öffentlichen Anibulation ausgesetzt, die zu geringen Sätzen behandeln. L>azu kommt, daß die Aerzte selbst noch sich für ärztliche Tätigkeit an öffentlichen Instituten und in der Wohlfahrtspflege zu geringen Gehaltern oder gar umsonst zur Verfügung stellen, nur um im Beruf tätig zu bleiben. Es ist schon jetzt so, daß eine erhebliche Zahl von Aerzten sich in unmittelbarer Not befindet. Es sind gewisse Bestrebungen im Gange, die dahin zielen, durch Vermehrung der Stellen an öffentliehen Instituten eine weitere Anzahl Aerzte zu beschäftigen; aber diese Maßnahmen erfordern Geld, und das steht nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Es ist sicher, daß nur durch die jüdischen Aerzte selbst den notleidenden Aerzten in Palästina geholfen werden kann: durch die jüdischen Aerzte besonders in den l ändern, in denen es ihnen noch gut geht. Wie die jüdischen Aerzte Amerikas durch Ausbau der medizinischen Fakultät der Universitat zugleich dem Aufbau Palästinas, der medizinischen Wissenschaft, den Aerzten und den Kranken dienen, so sollten jüdische Aerzte anderer Länder Mittel aufbririgen, die, den Trägern des jüdischen Gesundheitswesens im Lande zur Verfügung gestellt, zahlreiche Aerzte in das öffentliche Gesundheitswesen cinordnen könnten. Soziale Arbeit / Marg. Tumowski-Pmner (Schluß aus Nr. 61) Zum Problem der Kinderehe Soweit es sich um palästinensische Staatsangehörige handelt, ist das palästinensische Person airecht auf der Grundlage der Vorschriften der religiösen Gemeinschaften geordnet. Danach ist für jüdische Knaben die Eheschließung normalerweise mit 13 Jahren und einem Sage, bei Mädchen mit dem Monun! der Geschlechtsreife möglich; als Grenze wurde■ hier im allgemeinen aas zwölfte Jahr angenommen; diese Grenze wurde aber sehr häufig nicht beachtet. Heiraten von 9—lljährigen waren nichts Seltenes. fönen Ueberblick über das normale H e i r a t s a 11 e r der Araber gibt eine Statistik, die 1934/35 in einer arabischen Fürsorgestelle der Jerusalemer Altstadt aufgestellt wurde. Es wurden dort Erhebungen über dreihundert Frauen gemacht. Von diesen wareu zwei mit 7 und 8 Jahren, sieben mit 9, vierundsiebzig mit 10, 11 und 12 Jahren, einundfünfzig mit 13 und vierunclfiinfzig mit 14 Jahren verheiratet worden. Das dreizehnte und vierzehnte Jahr bilden demnach die gebräuchlicbste Heiratszeit; dann gehen die Zahlen erheblich herunter, und nur noch acht von den dreihundert Frauen wurden als überalterte Mädchen mit 21—26 Jahren verheiratet. Diese Erscheinung hängt offenbar mit der Tatsache des Frauciikaufs und der fast ausschließlichen Bewertung der Frau als Geschlechtswesen und niedere Arbeitskraft zusammen. Das arabische Mädchen ist dementsprechend von sehr früher Jugend an ganz auf die mit der Ehe zusatnmenhängenden Fragen konzentriert. Nach allgemeiner Erfahrung ändert sieh dies, sobald die Frau geistig entwickelt wird. Indien, \cgynfcn und die Türkei, in denen die Früh- und kiiidcrehe allgemein war, sind im Laufe dieser Entwicklung in den letzten Jahren zu einer Heraufsetzung der Ehefähigkeitsgrenze bis zu 15 und 57 Jahren übergegangen, und es erscheint fraglos, daß die wachsende Ausbreitung des arabischen Sehulwerks in Palästina und die fortschreitende Erweckung der Frauen durch die Nationalisierung (unabhängig von der Gesetzgebung) die palästinensischen Araber in die gleiche Richtung führt. Sehr viel weiter ist die Entwicklung bei den Juden. Vor einigen Jahrzehnten war die Frühehe bei sämtlichen Landsmannschäften Palästinas eine Alltäglichkeit. Die Begründung von Mädchenschulen durch die verschiedcnsten Organisationen erfolgte immer zu dem mehr oder weniger klar ausgesprochenen Zweck, den Mädchen neue Inhalte für ihr Lehen zu geben, und sie damit auch vor der Friihche zu schützen, die ihre Kräfte vorzeitig verbrauchte und den Nachwuchs vielfach gefährdete. Die Erziehungsarbeit gelang zunächst unter den aschkenasischen Juden und wirkte von hier aus auf die orientalischen Gruppen ein. Warnend noch vor zehn Jahren ein unverheiratetes jemenitisches Mädchen von 17 bis 18 Jahren als ״alt“ galt, sind heute bei den längere Zeit im Lande ansässigen Jemeniten frühere Ehen auffällig. Kommen die Einwanderer neu aus dein Orient, so bringen sie mit den Sitten ihres Landes oft die Frühehe wieder mit; der dauernde Anpassungsprozeß ist dann deutlich zu beobachten. So ist es interessant festznstellen, daß die in ihrer gesamten Lebenshaltung wenig assimilationswilfigen Alcppoer Juden auch noch am häufigsten Kindereben schließen. Hätte die Gesetzgebung vor zehn Jahreu versucht, gegen die Frühehe zu kämpfen, so wäre sie zu einem gewaltsamen Eingreifen in die bestehenden Volksbräuche gezwungen ewesen. Dies widerspricht ihrer Tendenz, esouders wo es sich um religiös begründete Sitten handelt. Sie folgt dort gern der natiirliehen Entwicklung der Anschauungen und f" kämpfen, die dem Volksempfinden bereits widersprechen. Im Entwurf von 1933 werden nicht die Eltern oder die Ehepartner, sondern die trauenden Kultusbeamten mit einer Strafe bedroht. Der Entwurf nahm als Grenze das vollendete dreizehnte Jahr bei Mädchen; es ist erfreulich, aus dem Brief der Regierung zu hören, daß eine weitere Heraufsetzung bis zum vollendeten fünfzehnten Jahre geplant ist. Wenn es dazu kommt, so wird man dies als Verdienst des palästinensischen Vereins für Gleichheit der Frauenrechte anzusehen haben. Seit dem Jahre 1926 arbeitet der Verein in dieser Richtung. Durch Angehörige der jemenitischen Gemeinschaft selbst aut einen Fall aufmerksam gemacht, in dem ein elfjähriges Mädchen mit ihrem verwitweten sechzigjährigen Schwager verheiratet wurde, ging er den Mißständen sorgfältiger nach, sammelte Berichte über die zahlreichen Fälle von Kindermißhandlung, die derartige Ehen in Wahrheit bedeuten, und zog Outachten von Aerzten ein. fliese Gutachten widerlegten vor allem die vielvcrbreitctc Ansicht, daß die Geschlechtsreife in den östlichen Ländern früher als in Europa eintritt, daß sich also rein physiologisch die frühere Ehe rechtfertige. Der Verein reichte Denk- Schriften in Genf ein und suchte innerhalb der internationalen Frauenbewegung Interesse zu gewinnen. Bis zum Jahre 1929 arbeitete der Verband mit einer ähnlichgerichteten arabischen Frauenorganisation des Landes Hand it! Hand. Seit den Unruhen von 1929 hörte dieser direkte Verkehr völlig auf; eine Verständigung erfolgte nur noch" durch das internationale Frauenamt in London. Viele Jahre lang blieben die Bemühungen des Verbandes erfolglos, da sich die palästinensische Verwaltung dagegen verschloß. Der genannte Strafgesetzentwurf von 1933 bahnte zum ersten Mal die gesetzliche Regelung an. Wieder war es der Frauenverband, der liier als einziger die Unzulänglichkeit dieser Regelung aufdeckte und die weitere Heraufsetzung der Grenze verlangte. Die Regierung wandte sich daraufhin an die religiösen Oberhäupter, um ihr Einverständnis zu erfragen, und die Ant- Worten scheinen bejahend gewesen zu sein. Erst wenn der Wortlaut des Gesetzes vorliegt, wird allerdings zu ersehen sein, ob nicht eine Umgehungsmöglichkeit für die trauenden Kultusbcamten gegeben ist. Immerhin ist zu hoffen, daß T’ädagogen, Aeizie und Sozialarbeiter in dem Gesetz ein neues Mittel zur Durchführung des Kinderschutzes finden werden. Hebräische Literatur / jisraei kohen ״Blutige lieder“ Die Unruhen in Palästina brachten neben einer Fülle von Artikeln und publizistischen Arbeiten auch eine Reihe von literarischen Produkten. Das Gros der Skizzen und Oedichte dieser Art — wir sprechen nur von solchen, denen literarische Bedeutung zukommt — sind überall in der Tagespresse und den verschiedenen Journalen verstreut. Es ist aber auch ein Heft erschienen, in dem 1 Jeder hebräischer Dichter, die unter dem Eindruck der Unruhen entstanden sind, zusammengefaßt wurden. Das lieft nennt sich ,,Schirath Hadamim“ (״Blut-Lieder“) und enthält Klagelieder und Trostgedichte ebenso wie Satiren. Die Einleitung stammt von Avigdor Hameiri. Darin heißt es u. a.: Der maischlich-cthisch-jüdisclm Wert dieser Lieder liegt weniger darin, daß sie ein Trauergesang sind für die Nachwelt, als daß sie sich zum anspor-!!enden Siegessang aneinanderreilmi. Das ist keine ״Mcgilatii Etha“, sondern ein ״Megilath Kaclia“, keine Trauer über den Tod, sondern ein Plan des L.ebens für Israel in Ewigkeit. Nicht in der Zerstörung von Kischinew entstanden diese Lieder, sondern in den Feldern von Scharon und Galiläa, wo an Stelle des gefällten Baumes von neuem der Baum des Lebens blühen wird für die kommenden Geschlechter. In Kischinew gab es Pogrome, aber Tel-Awiw steht wie ein unerschütterlicher Fels, der mit Verachtung die Kaubinstinktc zurückweist... Gesegnet sei das Lied, an dessen Geburt und Entstehen das Leben stand. ״ Volk und Buch“ ׳ Unter diesem Namen (״Am Wasefer“) hat fn Tel-Awiw, herausgegeben vom hebräischen Wettverband, eine Monatsschrift zu erscheinen begonnen. Die Herausgeber sind Schimon Ginzbürg und Nathan Grünblatt. Die Hefte sind der hebräischen Bewegung und dem hebräisehen Buch in Palästina und im Anslande gewidmet. Die Redaktion umreißt in der Einführung folgenden Arbeitsplan: 1. Information über Erscheinungen und Strömungen der 110brätschen Bewegung durch kurze Berichte über die kulturelle Lage in Palästina und den einzelnen Ländern der Gafuth und durch kurze Nachrichten über die kulturellen Aktionen in jedem Lande. 2. Umfassende Information über liebräische Buchersclieinungen durch Zusam-!Umfassung der Publikationen auf den versehiedenen Gebieten itn Laufe der letzten Jahre und Kritiken über wichtige Neueracheinungen. Schließlich kurze Nachrichten aus der hebräischen und allgemeinen Literatur. Das erste Heft entspricht dem angegebenen Programm. Die Schritten von Jledtak Ben Zwi Zum 50. Geburtstag von Ben Zwi, des bekannten Arbeiterführers und Vorsitzenden des Waad Leumi, bringt der Verlag Mizpah seine Werke in fünf Bänden heraus. Bisher sind drei davon erschienen. Sie enthaften Me• moiren, Berichte über palästinensische Persönlichkciten und Ereignisse. Weiter finden wir Arbeiten über die Geschichte des jüdisehen Jischuw in Palästina, über palastinen• sische Altertümer, über die Juden von Pekiin (die der Tradition nach seit der Zerstörung des Tempels das Land nicht verließen, nicht in die Galutli gingen und bis heute Ackerbauer sind) und über die Samaritaner. Der Autor hat vor kurzem ein wichtiges Werk über die Geschichte der Samaritaner veröffentlicht. Darin sind .spannende Kapitel über diesen Stamm, der seinerzeit in der jüdischen Geschichte eine so große Rolle spielte und von. dem heute mir ein kleines Häuflein übrig ist, das mit vorbildlicher Hartnäckigkeit an seiner Tradition, seiner Lehre und seiner Rassenreinheit festhält. Die Schriften von Ben Zwi stellen einen besonderen Typus in der hebräischen Literatur dar. Sie sind eine Mischung von rein wissenschaftlicher Forschungsarbeit, Publizistik und Literatur. Die Beziehung von Ben Zwi zu seinen! Material ist überaus leben• dig. Auch rein wissenschaftliche, wie z. B. archäologische Themen sind lebendig behan• delt und zur Gegenwart in enge Beziehung gesetzt. Das Buch der Bgadah Sefer Agadali ist das große Werk, das Bialik und Rawnitzki fast ihr ganzes!.eben hindurch beschäftigte. Es stellt bekanntlich eine umfassende Sammlung der schönsten und wichtig• sten Teile der Agadah dar, Sinnsprüche, Oe• schichten, Urteile, die im Meer des Talmuds und der Midraschim verstreut waren. Jetzt ist bei ״Dwir“ eine neue Auflage erschienen, die verbessert und vergrößert und durchweg punktiert ist. Das Buch, das den Abonnenten des ״Dawar“ zu billigerem Preise geliefert wird, hat eine große Verbreitung. ״Denken und Logik" Im Verlag ״Miflat“ hat Ben Zwi Rappaport Unter dem 3'itel ״Denken und Logik“ ein wichtiges Buch herausgcgebeii. Es enthält mehrere Arbeiten auf dem Gebiete der allgemeinen und jüdischen Philosophie, die einzeln bereits früher erschienen sind. In der Einleitung gibt der Autor als Ziel des Werkes an, das Publikum mit etlichen Problemen und neuen Strö• mtmgen der Philosophie der Gegenwart bekannt zu machen. Zugleich hofft er auch dem Berufsphilosophen einiges Neue in diesem Buche bieten zu können. Die einzelnen Aufsitze beschäftigen sich mit dem Rambam, mit Schlomoh Maimon, Hermann Cohen, Bergson, Hans Duesei, Husserl u. a. Die Sagen des Landes Im Dwir-Verfag ist der erste Band der ״Sagen des Landes“, von Ascher Beil Jisraei redigiert, erschienen. Er zerfällt in vier Teile; die Höhle Machpclah, der Tempel, die Klagemauer und die Davidsstadt. Der Autor hat sorgfältig alle Erzählungen und Ueberlictertingen gesammelt, alle Gespräche, Sagen und Märchen, die in der mannigfaltigen jüdischen Literatur in ihren verschiedenen Sprachen verstreut sind, und sie nach genauer Prüfung in diesem Werke zusammengestellt. Am Schlüsse jeder Erzählung ist ihre Quelle angegeben, ln der Einleitung sagt der Herausgeber: Die Juden haben, als sie in die Diaspora gingen, nicht nur die Pergamentrollen ihrer Lehre mit sich genommen, sondern auch die Sagen ihrer Heimat, Erzählungen voller Geheimnisse, als Trost auf ihren Wanderungen.' Die Geschichte der ״Halachah“ Chajim Tschernowitz (unter dem Pseudonym ״Raw Zair“ bekannt) hat den zweiten Teil des ersten Bandes seiner Geschichte der Halachah herausgebracht. Er ist als alter Fachmann auf dem Gebiet der Talimulforscliung und der Halachah im allgemeinen bekannt. Tscliernowitz hat mehrere Versuche zu einer ״Kürzung des Talmud“ unternommen, d. 11. er hatte meh• rere Traktate gekürzt, korrigiert und jeden mit einer Einleitung und einem Wissenschaft• liehen Kommentar versehen, die dem des tra• ditioncllen Lernens Unkundigen das Studium des Talmuds erleichtern. In seiner Geschichte der ״Halachah“ gibt er ein Bild ihrer Gesamt• entwicklung in drei Abschnitten: die Quellen, in denen er die Grundlagen und frühen Wur• /.ein der Halachah, ihre Schöpfer und Systeme aufzeigt; der Gottesdienst, in dem er den Anteil der Priester im Tempel (Cohanim und Leviten) an der Schaffung der Halachah er• klärt; die Sekten, in dem die Entstehung der Sekten, der Pharisäer und Sadduzäer, ihre Fehden, samt ihren philosophischen, politischen und wirtschaftlichen Gründen dargesteift sind. Die Fachkritik nimmt die Arbeiten anerkennend auf. ״Die Juden in der Galuth“ Im Dwir-Verlag hat der bekannte Historiker Ben Zwi-Dünaburg den 6. Band seines Werkes ״Die Juden in der Galuth“ herausgegeben. Es enthält Quellen, nach sachlichen und chro• nologischen Gesichtspunkten geordnete Doku• mente, dazu Anmerkungen und Erklärungen, ans der Zeit von den Kreuzzügen an bis zur Vertreibung der Jttden aus Spanien und Portifgal. Die Kapitelüberschriften geben einen Begriff des Inhalts; Die religiöse Gärung in der Zeit der Krctizziige; Rabbi Mosch eh Ben Maimon und die Befestigung des Judentums; die Knechtung der Juden, ihr werden und ihre Formen; von der Knechtung zur Taufe; die Entwicklung der philosophischen Erkenntnis und der Streit um die Schriften des Rambam. (Schluß de» Palästina-Teil»)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.