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Jüdische Rundschau · 1936-08-25 · Heft 68 (25.8.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 68 (25.8.1936)
Date
1936-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 68, 25. VIII. 1936 Verantwortung des Völkerbunds und des Schicksals — Jahrhunderte schrumpfen dabei zu kurzen Zeiträumen zusammen — von Zion nicht lassen wird. Das «zmkämpite Palästina Wir alle haben stets gewußt, daß der Aufbau des Jüdischen Nationalheims mit Schwierigkeiten ver• bunden sein wird; worüber man sich wundern mußte, war eher der durch mehrere Jahre bei oberflächlicher Betrachtung entstehende Anschein allzu glatten Fort• schreiten* als das Auftauchen von Schwierigkeiten. Heute stehen wir in einem Moment der höchsten Anfordernngen. Die Unruhen haben in den letzten Tagen eine außerordentliche Erbitterung erreicht, und das Gefühl, daß es so nicht weitergehen kann, ist fast allgemein. Zwar ist es übertrieben, wenn die englischen Zeitungen von ״jüdischen Racheakten“ zu berichten he• ginnen; mtiß doch jeder Unbefangene anerkennen, dal] die Juden sich fast übermenschlich beherrscht haben und daß die Cireueltaten der letzten Woche eine ungewöhn• liehe Nervenprobe darstellen. Aber inan hat das Gefühl, daß die Dinge immer verwickelter werden. Auch das scharfe Vergehen englischer Truppen, die in den leisten Tagen wieder viele Kampfe mit Arabern zu bestehen hatten, macht anscheinend keinen Eindruck. Man fragt sich vergeblich, welches Ziel die Araber eigentlich im Auge haben, da sie doch nicht darauf hoffen können, England zu besiegen. Oder aber ist dieser Aufstand aus der oben charakterisierten Weltspannung zu erklären? Vielleicht rechnen die Araber mit größeren Ereignissen, und auch England ist zweifellos durch die Rücksicht auf andere Dinge behindert, den palästinensischen Aufstand nach Krieg •,recht zu behandeln. Ein schwere Sitzung Das Zionistische Aktions *Co tn i t c, das heute in Zürich Zusammentritt, wird dieser rituatie* 11 eingedenk sein müssen. Ein Jahr ist seit dem Kongreß in Luzern!ergangen, es war kein glückliches Jahr für die zionistische Bewegung und für das jüdische Volk, ür. Wei/ninmi, der 1031 von einer unglücklich zusammengesetzten Kongreß-Mehrheit gemünzt wurde, weil er Thesen vertrat, die heute wahrscheinlich von niemanden mehr bestritten werden, hat nach seiner Wiederwahl 711111 Präsidenten der jewish Agencv kein leichtes Amt gchabt. Es ist ein günstiger Umstand, daß in diesem Jahr kein Zionisten-Kongreß stattfindet, sondern nur eine Aktions-Cäunite-Siizung. in dieser viel weniger auf Außenwirkung ahgestellten Versammlung wird die Lage gründlicher und aufrichtiger durchberaten werden konnen. Im Laufe einer Woche hat das Comite eine gewaltige Arbeit zu leisten. Alle anderen Aufgaben aber treten zurück vor der einen; einen Weg zu findeil zur Erleichterung der Wiederherstellung des Friedens in Palästina. Es handelt sich dabei nicht nur um den gegenwärtigen Moment. Auch nach dein Aufhören des Aufstandes werden Juden und Araber miteinander im Lande leben müssen, und durch die vielen Blutopfer der letzten Wochen ist diese Aufgabe nicht erleichtert worden. Es bedarf des Höchstmaßes von politischer Einsicht, Willenskraft und menschlicher Ucberlegenheit, um eine Form zu ersinnen, in der sieh die politischen, wirtschaftlichen und menschlichen Ptobicine Palästinas lösen lassen. Die Initiative muß dabei von den Juden ausgehen, weil ja die Juden es sind, die eine Veränderung des Zustandes des Landes \erlangen müssen. Wir hoffen, daß das Aktions-O.mite einen Schritt vorwärts 711 machen intstände sein wird. Niemals war cs so klar wie heute, daß das jüdische Volk ein nationales Zentrum habet! muß, das als maßgehend in Erscheinung tritt, so daß es unmöglich wird, das Judentum als solches mit Erscheinungen zu identifizieren, mit denen wohl einzelne Juden, entsprechend ihrer historisch entstandenen Diaspora- Position, insofern sie sich vom Judentum entfernen, verbunden sein mögen, die alter nicht Judentum repräsentieren. Das Antlitz des Judentums zu formen ist Aufgabe derer, die sich als Träger der jüdischen Erneuerung fühlen. Um so größer ist auch die Vera n t w ortung für alle politischen und geistigen Ent- Scheidungen, die im Umkreis des sich emanzipierenden jüdischen Volkes, vor allem also in allen Palästina betreffenden Fragen fallen. Cuzisten * Exzesse in Rumänien Cernaufi, 21. August. (JTA.) Am 9. August wurden auf der Strecke Carapciu—Arlane,ata mehrere jüdische Hei- *ende von Anhängern der Cuza-Ooga-Partci überfallen und schwer mißhandelt. So wurde in der Station Carapciu der Kaufmann ,Mendel Kat/, aus Cuciurul Marc mit einem Knüppel am Kopf derart verletzt, daß er mehrere Tage im Bett bleiben mußte. Am Bahnhof Adancata wurde der Kaufmann Niederhoffer aus demselben Ort von Exzedenten derart mißhaiKielt, daß er zwischen zwei Waggons zu Boden fiel. H«uptschriftleit«r: Dr. Rotiert W t I t 5 c h, Berlin ■ Ch«rIottenbu:g 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenilein, Berlin W 15, Anzcigenleiter und verantwort, lieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Prei-Iiste 5 vom 1. April 1938. Vrrlog und An. leigenvetwaltung: Jüiioche Runda! hau, B rün W 15, MemekesCr. IQ D.-A. Juli 35 077. — I)r*J<k: Siegfried Schillern, lkrltn.Sclnmc׳l1c!g. Mandatskommission fordert Bericht über Palästina-Unruhen Ci e n f, 20. August. (JTA.) Die Ständige Mand a t s k o m nt i s s i 0 n des Völkerbundes erhebt in dem Bericht über ihre letzte Tagung, der dem Völkerbundsrat vorgelegt werden soll, die Forderung, daß Englanrt als Mandatarmacht für Palästina der Kommission anläßlich ihrer I Icrbsttagung einen Nachtragsbcriclit über die Unruhen in Palästina und deren Ur- Sachen .vorlege, ohne Rücksicht darauf, oh bis dahin eine Entscheidung über die künftige Palästinapolitik bereits getroffen sein wird oder nicht. Der auf Palästina bezügliche Teil des Berichtes der Mandatskommission hat folgenden Wortlaut: Zur Zeit, als die Mandatskommission entsprechend ihrer üblichen Prozedur die Prüfung des Jahresberichts der britischen Paläsfinaregierung für 1933 in Angriff nehmen wollte, waren die scltweren Unruhen, die sich in dem Mandatsland im Frühjahr 1936 ereignet haben, noch nicht beendet. Der akkreditierte Vertreter erklärte daher, die Mandatskommissicm könne nicht einen Versuch, die Gründe der gegenwärtigen Unruhen in Palästina zu analysieren, oder eine Vorweg»,ilime des llntc-rsuchungsergehiiisses der Kgl. Konint i ss i ott, deren Einsetzung die Kritische Regierung beschlossen habe, dadurch erwarten, daß sie einen Gegenstand erörtere, der von der Kgl. Kommission erst untersucht werden soll. Die Mandatskommission hat diesen Vorbehalt zur Kenntnis genommen. Hätte der akkreditierte Vertreter der Mandatarmacht der Kommission versichern können, daß seine Regierung einer Prüfung der Ursachen der Unruhen durch die Kommission bei ihrer Herbsttagung bereitwillig zustimme, so hätte diese die Debatte über den Bericht für 1933 bis zum Herbst vertagt, da die im Frühjahr 1936 ausgebrochenen Unruhen in diesem Bericht in vieler Hinsicht ihren Schatten vorauswerfen. Fs wäre wünschenswert gewesen, den Bericht und die Erklärung 1115er die Unruhen gleichzeitig zu behandeln. Dadurch wären die Besorgnisse der Mitglieder der Kommission gemildert worden, Besorgnisse, die sicherlich berechtigt sind im Flinblick darauf, dal! die Erklärung der Mandatarmacht über die Gründe, Umstände und Bedcutiing von Ereignissen, die in den letzten Wochen Gegenstand allgemeiner Sorge waren, auf etwa zwölf Monate, d. h. bis nach der Prüfung des Berichts für 1936, zurückgestellt werden sollte. Da jedoch die Mandatarmacht der Kommission mitteilte, daß sie gegenwärtig nicht den Zeitpunkt festsetzen k ö 11 n e, zu welchem sie in der Lage sein würde, die für eine gründliche Prüfung dieser Unruhen erforderliehen Informationen zu liefern, beschloß die Kommission, den Bericht für 1935 bei ihrer jetzigen Tagung so weit wie möglich zu prüfen und sich das Recht vorzubelialteii, später auf Dinge zunkkzukoinme», die anscheinend im Zusammmenhang mit den gegenwärtigen Ereignissen stellen. Die Kommission hofft, daß die Mandatarmacht, sobald der Flieden in dem Lande wiederhergestelit sein wird, ihr bei ihrer Herbsttagung Informationen über die Pariser Brie( Von unserem Berichterstatter Ka. Paris, im August 1936 Da■ französische Refugiestatut Die Vorarbeiten für die Schaffung eines gesetzlichen Statufes für die Refugies in Frankreich sind jetzt abgeschlossen, die entsprechenden administrativen Verordnungen werden im Laufe des Monats September publiziert werden und damit eine endgültige Regelung der Stellung der Refugies in Frankreich herbei führen. Die Flüchtlinge, die sich vor dem 5. Juli 1936 in Frankreich niedergelassen haben, werden von der französischer! Regierung einen Paß erhalten, der sie in die Lage versetzt, sich unbehelligt in Frankreich aufzuhaltcn und ins Ausland zu reisen. Die Ausweisungen aus administrativen Gründen, die Hunderte in schwere Notlage gebracht hatten, werden also aufhören. Die französische Regierung hat in den Besprechungen ihre Bereitschaft ausgedrückt, auch die Nachsuchen um Arbeitskarten seitens der Flüchtlinge in wohlwollendem (leiste zu prüfen. Das neue Regime erstreckt sich auf alle aus Deutschland kommenden Refugies ohne Unterschied der Nationalität, doch wird den Saarfliichtlingcn eine Sonderregelung zuteil werden. Um eine gerechte Verteilung der neuen Pässe liurcluufiihren, die nur ״wirklichen Flüchtlingen“ zugeteilt werden sollen, hat die Regierung eine Kontrollkommission geschaffen, der auch Vertreter der Flüchtlinge angeboren. Diese Kontrollkommission wird die Akten der Flüchtlinge prüfen und der Regierung ihr Gutachten mitteilcn. Die neue Kommission, die in enger Zusammenarbeit init dem französischen Innenministerium arbeiten soll, setzt sich aus Vertreten! der Flüchtlinge, sowie aus den. Delegierten der wichtigsten Hilfsorganisationen für Refugies wie ״Comite National“, ״Quaker״ ,״Centre de Liaison pour .le droit d’Asvle“ zusammen. Die französische Regierung wird in dieser Kommission durch den Abgeordneten Jean Longuet vertreten sein, der bereits als!)elegierter Frankreichs an der Refugiekonferenz der Regierungen in Genf teilgenommen hat. Der französische Ministerpräsident Leon Blum bat die Kontrollkommission vor einigen Tagen empfangen; bei diesen Besprechungen waren auch Vertreter der frauzösischeu ״Suretc Nationale“ anwesend. In Erwartung der juri- *tischen Formulierung der neuen Refugiebestimmungen hat das französische Imien1״inistcri11m bereits in den letzten Tagen Anweisungen über die Behandlung der Flüchtlinge den Präfekten zugehen lassen. Die Präfekten sind angewiesen, während der Zeit bis zum Erscheinen der Verordnungen keine administrativen Maßnahmen gegen Refugies mehr durchführen. Die Regierung beabsichtigt, eine Amnestie für die Flüchtlinge 7u erlassen, die bisher ihre Papiere nicht in Ordnung gebracht haben. Die Formalitäten für die Regularisierting der admfnistrativen Lage der Flüchtlinge sollen möglichst vereinfacht werden. Di« Stimme eine■ Arabers In der Pariser Zeitung ״Le Journal“ nimmt der arabische Agitator Ihn e I A t h i r zu der palästinensischen Frage Stellung. Ihn ei Athir ist, wie mitgeteilt wird, ein Araber mit Univcrsltätsbikiung und gehörte zeitweise auch zu den gegenwärtigen Unruhen und ihre u n m Ittelbaren Ursache 11 erteilen wird. Sie erachtet dies al« wünschenswert auch für den Fall, dal! die Mandatarmacht bis zu jenem Zeitpunkt noch nicht in der Lage sein sollte, ihre Politik im Lichte der Arbeiten der Kgl. Kornmission, deren Einsetzung vorgeschlagen Ist, festzulegen. Der Bericht der Mandatskommission weist weiter darauf hin, daß im Laufe der Debatte über die Art der Prüfung des Palästinaberichtes der Vizepräsident der Kornmission, der Belgier Pierre Orts, folgende Erklärung abge» geben habe, die die' Ansicht der gesamten Kommission widerspiegele: ״Die Verantwortung sowohl des Völker!) 11 ndes als der Mandatarmacht ist auf verschiedene Weise durch das, was in dem Mandatsgebiet geschehen ist, berührt worden. Die Mandatarmacht ist durch ihre Bcauffragten über die gegenwärtigen Ereignisse in Palästina dauernd auf dem laufenden gehalten worden. Andererseits sollte sich die Mandatarmacht als die Stelle betrachten, durch die der Völkerbund Informationen erhält. Bei ihrem Vorschlag, daß die Mandatarmacht anläßlich der Herbsttagung der Kommission dieser die völlig unerläßliche In- Formation über die gegenwärtige Lage geben solle, hat die Kommission sowohl die Schwierigkeiten, denen die Mandatarmacht begegnet, als auch ihre Pflicht in Betracht' gezogen, den Völkerbundsrat auf dem laufenden zu halten. Die Ein- Setzung der Kgl. Kommission mag eine ausgezeichnete. Maßnähme sein, um über das, was in Palästina geschieht. Licht zu verbreiten, doch scheint die Prozedur zu fähigsam zu sein. Die Mandatarmacht batte recht mit ihrem Beschluß, doch ist diese Macht nicht der einzige in Betracht kommende Faktor, und der Völkerbund könnte kaum damit einverstanden sein, daß die Einsetzung der Kgl. Kommission' als Grund für die Verweigerung von Auskünften angegeben wird. Die Kgl. Kommission geht den Völkerbund nichts an. Die entstandene Situation war keineswegs eine unwichtige» Sache. Was würde von dem Ueberwachungs• recht des Völkerbundes über ein in seinen» N a tu e n verwaltetes Gebiet ü b r i g b 1 c i b e n, wenn man anerkennen würde, daß der Rat darauf angewiesen sein soll, ausführliche Informationen über ernste Ereignisse in jene m Gebiet aus Presseberichten zu c r h a I - teil? Die Kommission hat infolge der jetzigen _ Unruhen bereits zahlreiche Petitionen erhalten, viele weitere werden wahrscheinlich noch cinlaufcn. Was würde von dem Petitionsrecht iibrighlcibcn, wenn Petitionen in dringenden lind ernsten Umständen erst ein Jahr nach den Ereignissen, aut die sie sich beziehen, geprüft werden sollten? Würde offenkundige Gleichgültigkeit des Völkerbundes zur Beruliigung der Lage in Palästina oder zur Erhöhung der Autorität des Völkerbundes anderwärts beitragen? Die Autorität des Völkerbundes ist bereits von allen Seiten imterhöhlt worden und Versprechungen auf Grund des Völkerbundsnaktes wurden immer wieder gebrochen. Dieser Augenblick bietet die Gelegenheit, zu bekräftigen, daß Artikel 22 kein toter Buchstabe, das Mandatssystem keine Fiktion und die von der Mandatskommission geübte Aufsicht keine leere Formalität ist.“ Schülern des französisch-jüdischen Orientalisten Sylvain Levi, Nach der Ansicht Ibn el Athirs ist vor allem England für das Andaiicrn des jüdisch-arabischen Konfliktes verantwortlieh. Ein großer Teil der Araber erkennt die Wohltaten tldr jüdischen Einwanderung an und glaubt nicht die Lügen, die von einigen arabischen Extremisten über die Absichten _ der Juden verbreitet werden. Die Beziehungen zwischen der jüdisehen und der arabischen Bevölkerung werden aber von den dem Zionismus feindlichen englischen Kolonialbeamtcn vergiftet. England versucht durch die wcdiselnde Verlagerung des politischen Gleichgewichtes in Palästina Herr des Landes zu bleiben. Die Araber werden aber bis zum letzten für ihre politische Unabhängigkeit kämpfen. Ibn el Athir leugnet den Einfluß Italiens auf die Unruhen in Palästina. Die Araber werden auch, auf sich selbst gestellt, England zur Einhaltung seiner Versprechungen zwingen. Ibn el Athir verzweifelt nicht, einmal ein 11 n a b h ii n g i g e s bi-n ati o n a 1 es Palästina unter der Kontrolle des Völkerbundes entstehen 7,u sehen. Die Jaden in französischer Beleuchtung Die französische Zeitschrift ״C ra p o u i II o t“ gibt eine Sondernummer ״Les Juifs“ heraus. Der ״Crapouillot“, ursprüngtich eine Soldaten/eitung im Weltkriege, hat in den letzten Jahren immer mehr in das Fahrwasser der linken Parteien eingelenkt und behandelt — ineist in sensationeller Form — aktuelle Tagesprobleme. Auch die vorliegende S011dermimmer, die von Raymond A. Dior herausgegeben ist, nimmt der Judenfrage gegenüber die Haltung der radikalen Linken ein. In einer Broschüre von 72 Seiten, die mit reichem, teilweise interessanten! Bildmaterial ausgestattet ist, versucht der Verfasser einen Uebcrblick über die jüdische Geschichte, über die antisemitische Bewegung und über die Lösungen der Judenfrage zu geben. Es kann angesichts der gestellten Aufgabe nicht überraschen, daß die Arbeit Diors oft einen oberflächlichen und sensationslüsternen Charakter trägt und geschickt aufgemachte Tagesjournalistik bleibt. Audi eine Artzahl sachliche Fehler sind dem Verfasser unterlaufen. Seiner Einstellung gemäß sieht Dior die Judenfrage mir als ein Teil des großen sozialen Problems an, das heute die Menschheit erschüttert. Nur mit der Lösung der sozialen Frage könne auch die Judenfrage ihre Lösung finden. Dior leugnet die Existenz eines jüdischen Volkes; wenn eine Judenfrage existiert, so sei das nur eine Folge der antisemitischen Propaganda. Dior sieht auch im Judentum die Klassenscheidung zwischen Kapitalisten und Proletariern. Unter diesen Gesichtspunkten muß die Broschüre naturgemäß zu einer ableimenden Haltung dem Zionismus gegenüber kommen. Trotzdem kann er der zionistischen Arbeit in Palästina seine teilweise Anerkennung nicht versagen. ״Die Arbeit des Zionismus in Palästina verdient Anerkennung. Die Juden haben dort mit ihren Händen Fabriken ge baut, landwirtschaftliche Betriebe eingerichtet, ein Heim aufgebaut, das zum erstenmal in der Geschichte kein Ghetto ist, Das ist sauber und klar, das hält stand.“ Das Araberproblcm ist (ür Dior von den Effcndis künstlich geschaffen und gleichzeitig auf die Agitation ausländischer Agenten zurückzuführen. In den folgenden Ausfülirungen weist dann aber Dior den Zionismus als Irrweg zurück und stellt ihm die Lösung de* Jinlenprobletns in Sowjetrußland, die Kolonisation in Biro-Bidschan gegenüber. WbUplüsch, Woilperser mit Franse Brücken Vorlagen r״ a a rs-f m m. CQ MM * Cfl AM CQ M Jk ASt CQ VerkauFnur Berlin C2 M 4a Span dauer Sfr. 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