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Jüdische Rundschau · 1936-08-25 · Heft 68 (25.8.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 68 (25.8.1936)
Date
1936-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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27 8 1936 Nr« 68 / Jahrgang 41 ווו Preis 25 Rpf. Sdirlftleltnng,Verlag a. AnzeigenVerwaltung: Berlin W1S, Melnekeetr.l• Fernruf 1 Summe!.Nammer J 1 (Bismarck) »031. - Bciuitspm» «■m»chlic8lich B»(rtcll*eld je Monat RM 2,—, je Vicrtelintir RM 5.75, bei Abholung RM 1,88 brw. RM 539. — Pontacbrck - Konten der Vertrieb« - Abtriluny: Berlin 71579 (für Groß- Berlin), Berlin 17392 (für «in« übrige Rrich). in Fällen höherer Gewalt beateht kein Anspruch auf Nachliefeninjr oder Eritnttnng etwa schon gerahlter :Bemgagebfihren. — Erscheint jeden Dlenatag ■ad Freitag. BERLIN ז׳ אלול תרצ״ו DIENSTAG, 25. AUGUST 1936 Gültig t Anzeigenprelsliete Nr• 5. Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf., fuF Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für Hie Aufnahme von Anzeigen in bestimmte» Ausgaben oder «n bedirnmten Platzen wird keine Gewahr geleistet. Gelegenheit*־ Anzeigen nur get^n Vorauszahlung auf Postscheck ״ Konto Berlin 71618 oder har Montag׳ h i «s Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag > Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch!3 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das (Odlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Zwischen den Fronten ״Faschismus und Kommunismus“ Ganz Europa, vielleicht die ganze Welt, lebt beute in. der Furcht, es könnte der Augenblick nicht ferne sein, wo der Uebergang in einen Zustand neuer politischer und geistiger Ordnungen sich durch den erbitterten K a m p f z weier ein a nder g c g c 11 ii b e rstehenden weitaus c h a 111 i e h e 11 I. a g e r vollziehen könnte. Wie beim Ausgang des Mi tclalters religiöse Kämpfe das ganze Abendland durchtobten, so — meinen manche Betrachter — könnten religionsähnliehc Ueberzeugiiiigeii über die rechte Art gesellschaftlichen Aufbaues auch heute wieder aufeinandcrpralleii. In diesein Sinne spricht man von der drohenden Auseinander- Setzung ״zwischen Faschismus und Kommunismus“, und der spanische Bürgerkrieg erscheint dann als ein Vorspiel hierzu oder als ein Bifcl der heutigen Welt im kleinen. Die (ieschichte lehrt, daß Kriege zwischen Nationen furchtbar sind, daß aber Kämpfe, die uin Ideen geführt werden, noch unerbittlicher sein können. Juden auf der politischen Bühne In einer solchen Weltsituation, in der alle friedliebenden Faktoren recht vorsichtig sein müssen, um nicht Gefahren zu verschärfen, ist das um seine Existenz ringende jüdische Volk in einer besonders schwierigen Lage. Das jüdische Volk steht gewissermaßen ״zwischen“ der politischen Welt, es hat als solches keinen Anteil an diesen Auseinandersetzungen. Die ein- /.einen Juden freilich sind überall dort, wo sie am Staatsleben Anteil nehmen, auch mit der Sache ihres Landes verbunden; so z. B. werden heute in Italien fasebistisch gesinnte Juden ebenso wie ihre nichtjüdischen Gesinnungsgenossen im Staatsleben eine Rolle spielen, in Rußland w irken jüdische Kommunisten rieben nichtjüdischen Kommunisten. Anders kann es nicht sein, da ja das faschistische Italien die Nichtfaschisten (seien sie nun Christen oder Juden) ausschaltet, während Sowjet-Rußland die Bourgeoisie (einschließlich der jüdischen) vernichtet hat. In jedem Lande gibt es also als aktive Teilnehmer am politischen Leben nur noch solche Juden, die dein betreffenden System entsprechen. Das liegt im Wesen der Sache, gilt fiir Nichtjuden genau so wie für Juden. Es wäre z. B. ungerecht, wenn Antifaschisten heute den italienischen Juden vorwiirfen, sie seien faschistisch; die Wahrheit ist, daß mir Faschisten (Juden wie Nichtjuden) in Erscheinung treten. Und ebenso ist es in Sowjet-Rußland. Wer auch nur das geringste über das russische Judentum bis 1 QlS weiß, dem braucht nicht nachgcwiesett zu werden, daß die überwältigende Mehrheit der russischen Juden der Rourgeoisie und dem Kleinbürgertum angehörten und daher antibolschewistisch waren. Wer aber heute in Rußland noch agieren kann, muß notwendig Bolschewist sein. Der russische Bolschewismus von heute ist zwar in der politischen Doktrin international, in seinem Wesen aber sehr stark vom russischen Volkstum gefärbt, und vielleicht ist dies der Grund, warum wir immer wieder vor dem Phänomen der Ausscheidung jiidi scher Boise he wiki stehen. Der jetzt in Moskau abrollende Prozeß, so undurchsichtig sein Hintergrund und Zweck auch sein mag, scheint fiir eine ganze Reihe von Juden, die mit dem Aufstieg des bolschewistischen Systems in Rußland eng verknüpft waren, eine persönliehe Tragödie zu bedeuten. Der Kampf gegen die Opposition in Sowjet-Rußland hat gewiß nichts mit ״jiidischen“ Angelegenheiten zu tun, aber für uns, die wir alle Dinge vom jüdischen Gesichtspunkt zu betrachten gewohnt sind, hat dieser Vorgang auch eine jüdische Note sozialer und psychologischer Natur. Es ist eben doch nicht so einfach, wie es manchen erscheint, den Bolschewismus als ״jüdisch“ zu bezeichnen. Jüdische Intellektuelle haben an der antizaristischen russischen Revolution aus vielen, auf der Hand liegenden Gründen Anteil gehabt, aber der größere Teil dieser Revolutionäre war zweifellos liberal oder menschewistisch eingestellt. Eine Anzahl dieser Intellektuellen war auch unter den Führern des Bolschewismus, aber die meisten von ihnen sind von dieser russischen Bewegung mit der Zeit ausgestoßen worden, und manche prominente Figur, die vor Jahren in der Welt als Inkarnation des ״jüdischen Bolschewismus“ dargestellt wurde, erlebt jetzt in Rußland ein trauriges Ende ihrer Wirksamkeit. Fine Bestätigung der These, der Bolschewismus sei ״jüdisch‘', kann hieraus schwerlich gewonnen werden. Angesichts der vom Bolschewismus verhängten Todesurteile gegen Juden, die einst durch ihre bolschewistische Tätigkeit die ״Welt erlösen“ wollten, drängt sich, der Gedanke auf, was diese Männer hätten schaffen können, wenn sie - wie soviel«; andere russische Juden auf den Weg des Aufhaus ihres eigenen Volkstums geleitet worden wären und dort Betätigung ihres Idealismus gefunden hätten. ״Jüdischer“ Bolschewismus? Auch in der letzten Zeit haben wir öfter die Erfahrung gemacht, daß in Zeitungen und auch bei anderen Kuratoriums -Tagung־ der Universität Jerusalem Am 23. August wurde in Zürich ein e für zwei Tage anberaumte Sitzung des K ti r a t o r i u m s d e r Ileb r ii i s c 1! e n Universität J e r u s a I e!11 eröff net. A11 den Beratungen nehmen teil: der Vorsitzende des Kuratoriums. Dr. Chain! Wciz in a!1 11, der Vorsitzende des Fxekutivrats, Salm,311 Schocken, der Rektor der Universität, Prof. I)r. Hugo Bergmann, der Präsident des Zionistischen Aktions-Comites und des Jüdischen Nationalfonds, M M. IJ s s i s c h k i 11, der politische Dezernent der Exekutive der Jewish Agency in London, Prof. I >r. Selig Brodetskv, der Oberrabbiner des Britischen Reichs, Dr. J. H, Hertz, der amerikanische Bundesrichter Julian W. Mack, die Präsidentin der Zionistischen Frauenorganisation Amerikas ״Hadassah“ Mrs. Jacobs, und andere Persönlichkeifen. Dagegen hat der Präsident der Universität, Dr. Juda L. Magnes, mit Rücksicht auf die Lage in Palästina das Land jetzt nicht verlassen. Die Tagung, die zehnte seit der Gründung der Dniversitat ist hauptsächlich den finanziellen P r o 15 I e rn e n der Universität gewidmet. Am Montagabend findet unter den Auspizien der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität in der Schweiz in Zürich ein öffentlicher Empfang statt, bei dem Dr. W e i z. 111 a 11 11, Professor Bergmann, Salmati Schocken und andere Redner Ansprachen über die gegenwärtige Situation in Palästina halten wählen. Aus dem Bericht d e r IJ 11 i v e 1 s i t ii t s b e h ü r d e geht hervor, daß im Studienjahre 1035 3t) 700 Studenten an der Universität inuiiafrikuüert waren, gegenüber nur 400 im voraiigegaiigenen. Der Anteil der Frauen an der Studentenschaf! beträgt etwa 32 385 .״״ Studenten stammen aus Polen, 135 aus Palästina, 46 aus Deutschland. Die übrigen verteilen sieh ihrer Herkunft nach auf Rumänien, die haltischen Länder, Oesterreich, die Tschechoslowakei usw. Sieben Studenten stammen aus Amerika. Von dem Ausgabenbudget der Universität im laufenden Jahr wird fast die Hälfte von der Judenheit Amerikas getragen. Das Gesamtbudget beträgt 76000 Pfund. Die erste Sitzung am Sonntag wurde von Richter Julian W, Mack geleitet. Der Präsident des Exekutivrates Salmati Schocken und der Rektor Professor llugo Bergmann erstatteten Bericht über die Arbeit der IJuivetsitat in den letzten Jahren. Zu Beginn der Sitzung hielt Richter Mack einen Nachrut fiir Nalnim Sokolow, Dr. M. D. Eder und Sol La in per♦ aus New York, der eine eigene Stiftung an der Universität errichtet hat. Professor Bergmann sprach Worte des Gedenkens: für den am Freilag in Jerusalem ermordeten Dezenten Dr. Lcvi Billig mul die als Opfer des arabischen Terrors gefallenen Studenten Moschejow und Caiitarrw. Ls wurde auch bekannt gegeben, dal) der Präsident der Universität, Dr. Magnes, Protcsttelegramme gegen den brutaten Terrors, dem ein Angehöriger des akademischen Senats zum Opfer gefallen ist, an die führenden Universitäten der Welt gerichtet hat. Salm,in Schocken berichtete, dal) die Universität auf dem Sk opusberg ein neues Terrain für den Betrag; von 25 000 Pfund erworben hat. Der Betrag wurde als Darlehen gewährt und wird innerhalb von zwölf Jahren vom Jmliseiten Nationalfonds zuruckgezahlt werden. Der Referent forderte im Hinblick auf die Errichtung der Univcrsitäts- Klinik und des Medizinischen Forschungsinstituts den Bau eines Studentenheimes bei der Universität, da die Mehrzahl der Studenten aus unbemittelten Kreisen der Diaspora stammen lind für ihr Studium die größten Opfer bringen. Dr. Bergmann feilte mit, daß das im letzten Jahre versuchte Experiment akademischer Selbstverwaltung׳• an der Universität erfolgreich gewesen sei. Er wies darauf hin, dal) an der Universität noch eine Reihe von Abteilungen für praktische Berufsausübung fehlen. Infolgedessen müssen lügendliehe aus Palästina europäische Universitäten aufsnehen. Es müßten Mittel und Wege gefunden werden, 11:11 die Ihiiversität so atisznbauen, daß dies in Zukunft nicht mehr notwendig sei. Der Sitzung wurde fiir das Studienjahr 1036 37 ein Etat von 86 868 Pfund vorgelegt. In «liesein Etat sind Posten für die Anstellung von über 20 Dozenten und Wissenschaftlern aus Deutschland vorgesehen, die nach «lern Verlust ihres früheren Wirkungskreises an die I lebri.isclte Universität berufen wurden. Gelegenheiten Bo I s c 11 e w i - m u s mit dem Juden* tum identifiziert wurde. Ls ist daher notwendig, sich einmal zu überlegen, auf welche Schichten der Bolschewismus j!1 Rußland sich überhaupt stützen konnte. Von den jüdischen .M.o-eii in Rußland war die «große Mehrheit streng o r 111 ״ tl o x uml traditionstreu, lind schon aus diesem ()runde ablehnend gegenüber einer l ehre, die die (1 <! 11 I u ■י e tt - P r o p a g a n «1 a zu einem ihrer Hauptbe-handu-ile machte und die Ausübung der jüdKch-religitKen Gebote verbietet. Der :Masse der ru-Mschen Juden, Kleinbürgern und Kleinhändlern, die die kleinen Städtchen des An-iedlung-rayoiis füllten, hat der Kommunismus durch seine Ausschaltung des Händlertunis die wirtschaftliche I .cben-grundlage entzogen, und nur wenn man meint, daß eine Metiscliengntppe sich ihren Henker selber wählt, kann man der Theorie huiciigen, daß die -e jüdischen .Schichten sich als besondere Vorkämpfer cito Bolschewismus betätigt hatten. Und schließlich ist die große Gruppe der Zionisten zu erwählten, die im russischen Judentum eine ausschlaggellende Rolle spielten; dies zeigte sich z. B. während des kurzen Zwischenspiels der demokratischen Republik (Kcrenski-Zeit), wo in allen frei gewählten jüdischen Gremien die Zionisten die Mehrheit erlangten. Der Bolschewismus hat den Zionismus von Anfang an bekämpft und ist dieser Gegnerschaft treu geblieben. Wir erfahren aus zahlreichen Berichten der deutschen Zeitungen, z. B. des ״Völkischen Beobachters“, daß der Bolschewismus auch bei den jetzigen gegen die Juden gerichteten Aufständen in Palästina die Hand im Spiele hat. Auch die Zionisten kommen also nicht in den Verdacht, dem Bolschewismus mit Sympathie gegenüberzustehen oder daran aktiv beteiligt zu sein. Die Bolsehew iki betrachten die Zionisten als Feinde. Wenn aber die große Masse der russischen Juden nichts mit dem Bolschewismus zu tun hatte, wenn ferner gerade das Wesen des Judentums, der jüdischen Tradition, mag man sie nun als religiös oder als national auffassen, den Bolschewismus als fremd und zerstörend empfinden muß, was, so fragt man sich, berechtigt dazu, den Bolschewismus als .,jikiKch“ zu bezeichnen? Ist die Tatsache allein, «laß unter den Bnlschcwiki auch einige jüdische Intellektuelle sind, die zum grollten Teil fiir sich persönlich alle Verbindungen mit jüdischer Religion und jüdischem Volkst u in sowie mit d e r organisiert e n j ii 11 i s c h e n (1 e 111 eins c 11;1 f t gelost haben, ein Grund, eine Be- Ziehung zwischen Bolschewismus und Judentum an/unehmen? Gibt es nicht bei jedem Volk solche Intellcktuelte? Jüdische Wandlungen Die Wahrheit ist, daß die Masse der Juden außerhalb der erwähnten politischen Einteilung steht. Die Juden kämpfen um ihre Existcii/möglicdik«■it in einer Welt, die sieh immer mehr nach neuen Prinzipien umbildet, nachdem gerade eist die Mehrheit der Juden geglaubt hatte, eine neue Lebensform entsprechend den für unwandelbar gehaltenen Grundsätzen des lö. Jahrhunderts gefunden zu haben. Auch viele Juden selbst sind sieh dessen noch nicht bewußt, wie tiefgehend die Wandlungen der Gegenwart sind. Wir befinden uns auf dem Wege vom Individualismus, der das charakteristisehe Merkmal der vergangenen Epoche war, zu einer neuen Form des Kollcktivbevvußtseiiis. Die Not bringt uns zusammen, die Erinnerungen an die Vergangenheit erhalten uns, aber erst der Wille zu einem Zukunftweisenden Werk gibt uns Leben. Diese Bedentung hat für die Jüdische Gemeinschaft in den letzten dreißig Jahren Palästina gehabt. Im jetzigen :Moment der beiiien Kämpfe merken wir, wie sehr das jüdische Volk mit dem Palästina-( jedanken verbunden ist. Das palästinensische Judentum ist uns in diesen Tagen das Vorbild einer jüdischen Gemeinschaft, die sich in Dis/iplin zu fügen und in hartem Willen ihre Existenz zu verteidigen weil). Wir wissen, daß die jüdische Arbeit in Palästina trotz allen Unterbrechungen weitergehen wird. Sie kann erschwert oder erleichtert werden, aber sie kann nicht verhindert werden, weil die Lage des jüdischen Volkes gerade in unseren Tagen־ die Notwendigkeit dieses nationalen Zentrums so deutlieh gemacht hat wie nie zuvor, und darüber hinaus: weil der jüdisch« Evvigkeitsgedanke mit Zion verknüpft ist und durch alle Wandlungen der Geschichte

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