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Jüdische Rundschau · 1936-08-21 · Heft 67 (21.8.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 67 (21.8.1936)
Date
1936-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU LITERATUR-BLATT NR. 67, 21. AUGUST 1936 Jüdische Numismatik Das Schabbat-Buch / \ on Dr. Oskar Wolfsberg, Jerusalem Das Wissen nnd Sammeln von Münzen und Medaillen, die von jüdischem Interesse sind, ist bei uns nur wenig ausgebildct. Die jüdischen Museen besitzen natürlich Abtei, lungen für dieses Gebiet; Privatsammler gibt es hier kaum noch. Eine der umfassendsten und wahrscheinlich ersten Sammlungen jüdischer Numismatik, die des Dresdener Kunstsanunlcrs Albert Wolf, ist seit 1907 dem Berliner Jüdischen Museum einverleibt, dessen Grundstock bekanntlich auch sonst die ״Wolfsche Stiftung“ bildet. Das Sammeln jüdischer Münzen und Medaillen ist von eigenem Reiz. Diese metallenen Zeugen jüdischer Geschichte!und Kultur sind ja nicht nur unter Umständen wichtige historische Quellen, sondern zugleich Objekte künstlerischen Genusses. Eine Sammlung jüdischer Numismatik -- Verkehrs-, Gedenk-, religiöse Münzen — könnte wie folgt aufgebaut werden: 1. Palästinensische Verkehrsmünzen: a) V o r m a k k a b ä i s c 11 e Münzen, die in Palästina kursierten (persische, ptoleniäischc, Seletizidenmiinzen u. a.), b) Jüdische H o h e i ts münzen: makkabäische, herodianische Fürsten, Jüdischer Krieg, BarKochba (1. und 2. Aufstand), c) Römische Münzen (der Proktiratoren und Kaiser), d) Münzen der späteren Fremdherrscher (Araber, Kreuzfahrer, Türken u. a.), e) Jetzige Mandats münzen. 2. Kabbalistische und A m u 1 e 11 medaillen des Mittelalters. 3. Biblische Phantasie münzen. 4. Gedenkmünzen auf jüdische Persönlichkeiten und Ereignisse von öffentlichem Interesse sowie auf Privatanlässe. 5. N i c h t j ü d i s c h e Prägungen mit jüdischer Beziehung: a) Biblische Darstellungen, b) Spott münzen auf Juden, c) Andere M i s z e 11 a n münzen. 6. Prägungen jüdischer M ii n z 111 e i s t e r. 7. Schöpfungen jüdischer Medailleure (Porträts usw.). Das Erscheinen eines Buches von M. Narkiss ״Matbeot Erez Israel“ Jerusalem 1936, Bialik-Stiftung der jewish Agency — als Band 1 und 2 einer neuen ,,Bibliothek der Palästinakunde der Jewish Palestine Exploration Society“ gibt mir Veranlassung zu einigen Bemerkungen unter Hinweisen auf Stücke aus meiner eigenen Sammlung. Zu 1.) Das Narkiss’sehe Werk beschäftigt sich in dem bisher erschienenen 1. Teil (Matbeot hajehudiin, 100 S.), der dem ehemaligen Direktor des berühmten Gothaer Münzkabinetts Prof. Bohrend Pick gewidmet ist, zunächst nur mit den jüdischen H o h e i t s m ii 11 z e n aus der Zeit des 2. Tempels. Es behandelt einleitend grundlegende Fragen rmmismatischer Methodologie und Technik überhaupt und der jüdischen Miinzwissenschaft speziell und katalogisiert sodann sorgfältig die wichtigsten der vorhandenen hasmonäischen, herodianischen und Aufstandsmünzen. Bibliographie, verscliiedene Register und 10 Tafeln mit weit über 100 guten Abbildungen vervollständigen die Brauchbarkeit des Buches auch für den numismatischen Liebhaber. (Prof. Pick arbeitet übrigens an teilweise völlig neuen Deutungen einiger dieser altjüdisciien Münzen.) Der in *Vorbereitung befindliehe 2. Band soll die römischen Münzen in Palästina behandeln. — Echte Silberschekel, ganze und halbe, die der Hasmonäcr Simon (142—135) zum Zeichen der errungenen Selbständigkeit prägte, sind leider sehr teuer. Dem Privatsammler bieten die wohl seit dem 15. Jhdt. aufgekommenen falschen Schekel, recht plumpe Nachbildungen, einen fragwürdigen Ersatz; Narkiss erzählt über vermutliche Herkunft und vielseitige Verwendung dieser sog. ״Görlitzer“ manches Interessante. Zu 2.) Ich besitze aulfer einigen jüd. A m 111 e tf medaillen, 1. B. zur Beschneidung, auch Stücke der christlichen Kabbala mit ausschließlich hebräischen Inschriften, wohl aus dem 16. Jahrhundert. Zu 3.) Von der humanistischen Epoche an, die ja zuerst archäologische Neigungen zeitigte, wurden auch altisraelitische Münzen ״gefragt“. Da es von Moses und aus der Königszeit keine Münzen gibt, so stellte man an Hand literarischer Unterlagen (Bemerkungen in Midrasch, Talmud, bei Nachmanides, Asarja de Rossi u. a.) Kopien her. Nur bedachte man nicht, daß die Israeliten vor dem babylonischen Exil noch nicht die sog. Quadratschrift (unsere Druckschrift) kannten! Aber auch ohne diesen Lapsus erweisen sich diese Pliantasiemiinzen — Fälschungen wäre für sie nicht der richtige Ausdruck — als neuzeitlich. Eine mir vorliegende ״goldene“, d. h. bronzene D a v i d münze, mit obligater Harfe und Psalmvers. trägt zum Glück die Randschrift: Paris 1827; eine (seitenc) S a I o m o münze aus Blei mit Hexagramm aus dem 17. Jahrhundert kennzeichnet ihre U11ecl1t!1eit selbst mit dem feprägten Kohelctvvort von der Eitelkeit aller Eitelkeiten. Eine esusmedaille harrt noch der endgültigen Entzifferung ihres Textes, den ein offenbarer Nichthebraist gezeichnet hat. Eine Mo s es inedaille, die aus dem Orient stammen dürfte (um 1600?), zeigt Moses gehörnt (nach 2. Buch Mos. Kap. 34, 29 ff.), aber nicht mit aus der oberen Stirn hervorbrechenden Hornstiimpfeii, wie ihn Michelangelo nach Vorgängen des 14. Jahrhunderts dargestellt hat, sondern mit schneckenförmigen Seitenhöriiern. Zu 4.) Die ältesten dieser Prägungen gehen nach unserer Kenntnis in das 15. Jahrhundert zurück; vgl. hierzu Jiid. Lex. Bd. III, S. 5 (Medaillen). Sehr viel älter ist übrigens auch die allgemeine Medaillierkunst nicht. Das 18. Jahrhundert ist mit der silbernen Marcus Herz-Medaille von Abramson und einem BronzegulS der von dessen Vater geschaffenen schönen Mendelssolinniedaiilc vertreten, auf deren Revers der ״Phädon“ durch den auf einem Totenschädel sitzenden Schmettcrling als Verkörperung der Auferstehung symbolisiert ist. Gabriel Riesser, Heinrich Heines Onkel Sabnion, der Philanthrop, dem der Neffe das schmerzliche Gedicht von dem tausendjährigen Familienübel, der ״unheilbar großen Brüderkrankheit“ (Zeitgedichte) gewidmet hat, der Rabbiner und Gelehrte Adolf Jellinek, Moses Montefiore gehören beispielsweise hierher, ferner Erinnerungsmünzen auf Synagogen-, I ogen-, Krankenhallseinweihungen (eine Art Bmrtalerj, Huldigungsmedaillen usw׳. Eine silberne Medaille für eine Hamburger Privathochzeit aus dem Jahre 1832 mit dem hebräischen Masaltow, zwei Wappenschilde nicht zu vergessen, ist immerhin nicht alltäglich. In Hamburger jüdischen Kreisen w׳ar man im 19. Jahrhundert überhaupt sehr medatllenfreudig. So sind z. B. des Stempelschneiders Abraham Abramsons Hamburger Kalender- und Torschlußmedaillen, die auf dem engen Raum weniger Quadratzentimeter eine Fülle kalendarischer Notizen enthalten, unbedingt ein Kuriosum. Zu 51) Es handelt sich hierbei vielfach um die sog. Joachimstaler Münzen (16. Jhdt., mit Darstellungen von Josua, Simeon, Daniel usw.), die jedoch eine jüdisch-numismatische ln der verwirrenden Fülle der geschichtlichen Phänomene und geistesgesdiichtlichen Linien unserer Tage, inmitten vielfaltigen Nieder- und Untergangs, aber auch manchen Beginns und mancher Verheißung ward uns vor kurzem ein Buch zuteil, das mehr sein will und ist als eine ephemere Angelegenheit: das!1 השברB0׳ Erez Israel, das in schwerem Ringen sich befindet, schenkt dieses Werk der jüdischen Gesamtheit. B i a 1 i Ic ist der geistige Vater auch dieser literarischen Tat. Der Plan, alles, was den Schabbat betrifft, systematisch zu sammeln und den Gedanken des ״Kinns“ diesmal nicht einer Literaturgattung, wie der Aggada, nicht einem Dichter, sondern einer zentralen Institution zugute kommen zu lassen, erfüllte ihn, neben anderen Plänen, in der letzten Zeit seines Lebens. Nicht zufällig wandte sich sein Interesse gerade dem Schabbat zu. Die geniale Intuition des Dichters hatte ja seit Jahren die vitale Bedeutung des siebenten Tages erfaßt und ihm in der Schöpfung des ״Oneg Schabbat“ ein iebensvolles Instrument gereicht. Es war natürlich, daß seine auf Sammlung unserer Kultur- und Literaturgüter gerichtete Tendenz sein Wirken für den Schabbat abrunden wollte. Es war Bialik nicht bcschieden, das Werk zur Durehführung zu bringen. Aber sein Ruhm, einer der fruchtbarsten Hüter des Scliabbat zu sein, Mehrer seines Glanzes und Verherrlicher seiner Schönheit, ist gesichert. Viele, viele reiche Gedanken hat er in zahllosen Reden und Bemerkungen im Ohcl Schein in Tel-Awiw dem Scliabbat gewidmet; auch im ״Schabbat-Buch“ sind Spuren seines dichterischen, literarischen und rednerischen erfolgreichen Mühens für den großen Ruhetag der Juden verbanden, und es sind nicht die geringsten Abschnitte des Buches. — So erscheint es als ein natürlicher Akt der Dankbarkeit, daß eingangs seines Namens als des Begründers dieses Buches gedacht ist. Es ist hier nicht der Platz, die kulturgeschichtliche Bedeutung des Schabbat zu skizzieren. Wie sehr sich das Judentum hier gegenüber anderen Völkern schöpferisch erwiesen hat, ist oft genug gesagt worden. Da aber die wirkende Kraft dieser grundlegenden Einrichtung Einbußen erlitten hat, da äußere Hemmnisse und inneres tragisches Versagen immer weiteren Kreisen den Segen versagt, der in ihm geborgen liegt, so ist es von größtem Wert, daß die ungeheure Mannigfaltigkeit der literarischen Zeugnisse — in entsprechender Sichtung — einmal gesammelt und geordnet erscheint. Ich kann mir keine passendere Art der Werbung für die Idee lind die Praxis des Schabbat vorstellen als diese Form der Anthologie. Alle Propaganda, alle sentimentale Verheerlichung kann sich nicht der eindrucksvollen Sprache vergleichen, die uns aus dieser mächtigen Anthologie entgegenklingt. Sammlung, da den eigentlichen Rahmen sprengend, unbedenklieh ignorieren könnte. Medaillen mit biblischem Bezug haben auch die nichtjüdischen Logen vielfach geprägt. Zu 5b.) Ein trauriges Kapitel! Angeblicher Kornwuchcr, das mühselige Gewerbe des Federjuden (17. Jhdt.) werden dargcstellt. Eine (leider nur mäßig erhabene) Spottnninze auf die Türkenkriege Leopolds I. zeigt einen Türken und einen Juden an einem Schmelzofen beschäftigt. Zu 5c). Hierzu rechneich auch die zahlreichen Münzen der Städte, weltlicher und geistlicher Herren des Mittelalters ווווווווו!וו!וווווווו1ווווווו!ווו11ווו!וווווווו!ו1ו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1ווווווווווווווווווו1ווווווווו>1וווווווו!ווו1ווווו«ו1ווו1וווו Die Saat von Manfred Sturmann Ausgestreut seid ihr und hingeweht Uebers Feld der Erde, nackt und blind. Und Ihr treibt so willenlos, so müde - seht. Wie die Pollen vor dem Frühlingswlnd. Flüchtet nidit in Klage wie das Kind, Tr&ditet. da& Ihr wieder aufrecht geht. Und der Trßnenslrom in eu<h gerinnt Zum Basalt des Willens, er besieht Einzig vor dem Richtspruch eurer Zell. Wisset, eure Lenze leuchten noch. Streut die Saat des Stolzes in das Leid! Aufgehn wird die Saat und fruchtbar sein Und im Lidife stehen, schwer und hoch: Beugt zu Boden euch und erntet elnl 11Hmtt11111111H1NNn1111111n111n1N1111!11N1111Hm11H11m!11111111u111m!111111m1111111m!111111!m1m1111m!1H11111M11111m111m11m1 mit dem strahlenden hebräischen Gottesnamen; die anläßlich des Tolcranzpatcnts Josefs II. 1782 geschlagenen Gedenkmünzen (die meinige zeigt einen römischen und einen protestantischcn Geistlichen und einen Juden ״ecce anbei“); einen sog. Purimtaler auf den Sieg Gustav Adolfs bei Leipzig 1631 (DIEN PURIM); die dänischen I lebräerniarkstiicke (z. B. 1645). Die Gruppen zu 6) und 7) überschreiten m. E. das Gebiet jüdischer Numismatik. Die jüdischen Münzlieferanten des Mittelalters, die die fürstliche Münze in Pacht hatten, ließen (vgl. Jüd. Lex. Bd. IV, Münzjuden) die Präge- Stempel teilweise mit hebräischen Zeichen versehen. Jüdische Medailleure bzw. Graveure sind der Numismatik zahlreich bekannt; der bedeutendste des 18. Jhdt., der friderizianische Münzkünstler Jacob Abraham, wird als der Schöpfer des neuen preußischen Adlers genannt. — Medaillen auf bekannte jüdische Persönlichkeiten (Politiker, Künstler, Gelehrte usw.) gibt es zahllose; sie gehören jedoch nur dann in eine Sammlung jüdischer Numismatik, wenn die durch die Prägung geehrten Personen im jüdischen Bezirk tätig waren. Die neuere Zeit ist bei mir u. a. mit der auf dein II. Zionistenkongreß von Herzls Freund, Sam. Friedr. Beer, geprägten Medaille, einer Großmedaille der Münchenloge U Q B B 1922 und der vorjährigen Plakette des Aufbringungs- Werkes der Berliner Jüdischen Gemeinde vertreten. Vielleicht regen diese kurzen Hinweise weitere Kreise an, der jüdischen Numismatik die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ich bitte bei dieser Gelegenheit etwaige Besitzer und Sammler jüdisch-interessanter Münzen und Medaillen, mit mir in Verbindung zu treten. Dr. Kirsch 11er, Berlin-Nikolassee Das Werk bringt das Material quellenmäßig. Alles Biblische, die Midraschim, die Halacha, das rabbinische Schrifttum (Exegese), der Scliabbat in der kabbalistischen und chassidischcti Literatur, in der Dichtung, der religiösen und der modernen, im modernen Schrifttum der Denker, Melodien, die zu Schabbatliedern gehören, darunter alte berühmte Weisen, und endlich der Scliabbat in der darstellenden Kunst, das Kunstgewerbliche usw. Hierzu hat K. Schwarz einen größeren Aufsatz beigesteuert. Was die Midras c h i m betrifft, so verdient Erwähnung, daß die neueren Lunde der Ginsc Schecliter berücksichtigt und durch einige vorzügliche Aussprüche vertreten sind. Das rabbinische Schrifttum, durch eine Reihe von Auszügen repräsentiert, bringt Autoren und Bücher, die der Mehrzahl der Leser kaum zugänglich sind. Abschnitte aus dem S o 11 a r werden im aramäischen Text und gleichzeitig in der hebräsehen Ucberseizung gebracht. In hebräischer Ueberlragung begegnen wir auch Partien aus Hermann Cohen, dem schönen Schahbat-Aufsatz von N. A. Nobel u. a. Die Auswahl des Materials setzt umfassende Literaturkenritnis voraus und kritisches Sichfungsvcrmögen. Die Bearbeiter des Buches, j. Nacht, .8. Epstein und J. L. Barn eh, haben ihre Aufgabe mit großer Befähigung und schönem Erfolge gelöst. Ls verdient dabei Hervorhebung, daß den Löwenanteil an der Arbeit Dr. Nacht hat. Ls erscheint deshalb etwas verwunderlich, daß als Redakteur und Verfasser des Vorworts nur Barucli erscheint. Für Bialik ist das Buch ein Ehrenmal, für den Oneg Schabhat des ,,()hei Sehein", in dessen Verlag es erscheint, ein Ruhmesblatt. Ls gibt der Institution des Oneg Scliabbat ein tragfühiges bundanient und stellt den wöchentlichen Leistungen, bei denen der Zufall und die Improvisation ihre legitime Rolle in der Sphäre des ׳Lebens haben, eine umfassende, grundlegende Tat an die Seite. Dein Scliabbat selbst ist in dem Werk ein ehrlicher, wirksamer Helfer und Weggenösse erstanden. Wir hoffen zuversichtlich, daß hier nicht lediglich ein literarisches Lrcignis stattgefunden bat, sondern einer der seltenen 1 alle vorliegt, wo ein Buch epochemachend ist. In einem zweiten Aufsatz werde ich noch Einzclfragen, z. T. kritischer Natur, behandeln und an charaktcristiscncn Beispielen den Reichtum und die Tendenz des Buches zeigen. Das Buch aber, dessen Reichtum weder die Besprechung ausschöpfen noch Beispiele dartun können, gehört in die Hand vieler Leser. (Ein zweiter Aufsatz folgt.) Ein Beitrag 7.11r jüdischen Strafrechtslehre ״Die Religionsverbrechen nach jüdischem Recht“ betitelt sich ein wegen seiner historischen und juristisch analysierenden Darstellung interessanter Versuch von l)r. Simon Gut, der nach juristischer Ausbildung in Deutschland jetzt am Jews’ College in London tätig ist. Der Verfasser, der auf gesetzestreuem Boden stellt, gibt mit modern wissenschaftlicher Methodik eine systematische Darstellung der weitverstreuten Vorschriften dieses Teiles jüdischer Strafrcchtsordming. 111 dem allgemeinen Teil seiner Darstellung werden die Unterschiede zwischen weltlicli-staatiidieiii und jüdischem Religions-Strafrecht auf gezeigt und gleichzeitig das eigenartige Verschuldens- Prinzip irn jüdischen Recht in seiner Verknüpfung mit den Ideen von Einzel- und Gemcinsehaftsschuld wissenschaftlichsystematisch untersucht und in einer auch dem Nichtjuristen das Verständnis erleichternden klaren Sprache dargcstellt. Nach der Einführung in die Sonderheiten des jüdischen Straf- und Strafprozeß-Rechts und seine Gedankenwelt werden die einzelncn Tatbestände der Religionsverbrechen dargcstellt, die gleichzeitig an die Probleme der öffentlichen Ordnung und des sozialen Friedens rühren. Line besonders eingehende Dar- Stellung hat die iiatra'a, die dem jüdischen Strafrecht eigene formelle Verwarnung gefunden. Die der Schrift beigcgcbeite Uebersieht über das jüdische Schrifttum ist durch die den Werken des Altertums und den Verfassern des Mittelalters und der Neuzeit bis zur Namengebung beigefügten Daten beinahe zu einem Grundriß der jüdischen Literaturgeschichte geraten. Es wäre zu wünschen, daß solche systematischen, ein wirkliches Eindringen in abgeschlossene Sachgebiete ermöglichenden .Arbeiten, die sonst nur in englischer Sprache am Dropsi-Gollege in Philadelphia zu finden sind, häufiger angefertigt würden und so die fa׳-t vereinzelt gebliebenen Darstellungen, die Marcus C o h n in Basei durch seine ausgezeichneten Darstellungen einzelner jüdischer Rcchtsgebiete im jüdischen Lexikon gegeben hat, weiter ausgebaut würden._ F. ü. Hipolit Olgerd Boczkowski: Grundlagen des Nationaiproblems, lieft 1 der ״Kleinen zionistischen Bücherei“, Prag. Von Prof, (ioldf Iniann ist eine zionistische Bücherei ins Leben gerufen worden, die in kleinen Heftchen die Grundlagen der zionistischen Erkenntnis bringen soll. Als erstes Heft ist eine Arbeit über das Nationalproblcm erschienen, die von einem ukrainischen Theoretiker stammt, aber auch für den jüdischen Nationalismus von Interesse ist. Die Schrift beschäftigt sich mit der Struktur und den Elementen der Nation, dem Verhältnis von Nation und Staat, mit den Fragen der Minderheiten und den Richtungen der nationalen Ideologie, Ein umfangreiches Literaturverzeichnis zum Thema macht das Heftchen als Einführung besonders brauchbar. —11. Zionistische Schriften in Frankreich. Der sehr rührige Verlag E d i t i o n s des Cahiers J 11 i f s in Paris (9, Ruc Lesucur) gibt seit geraumer Zeit Broschüren heraus, die in sehr instruktiver Form Grundfragen des Zionismus darstelien. Soeben ist eine Broschüre von Simon Levitte unter dem Titel ״Le Sionisme. Quelques pages de son histoire“ erschienen, in der der Verfasser nach einer Uebersieht über die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina auch nach der Zerstörung des Tempels die Gedanken von Moses Heß, Pinsker und Herzl darstellt und auch die Bewegung der Chowewe Zion schildert. ״Der Zionismus ist noch sehr unbekannt in Frankreich“, schreibt der Verfasser im Vorwort; es ist zu hoffen, daß eine solche populäre Arbeit ihm die Resonanz bei den französischen Juden verschaffen wird, die er beanspruchen kann. AUSWANDERER (UMn GASOFIX-Benzingaskochherd ■Ich dan ohne Vorwirmung, voller Ersatz für das, vollständig kostenlos u. unverbindlich durch unsere Vertreter nach teief. Anruf verführen HEINRICH RAUH * Co. 2329 Berlin-Charlottenburg 4, Kaiser-Friedricb-StraBe 55

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