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Jüdische Rundschau · 1936-08-18 · Heft 66 (18.8.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 66 (18.8.1936)
Date
1936-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 J 0 Dl SC H E RUNDSCHAU Nr. 66, 18. VIII. 1936 Vermehrte Spannungen Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. T e 1 - A w i w, 11. August Die Aktionen der arabischen Aktivisten und damit die gespannie Aufmerksamkeit der Regierung und des Publikums haben in den letzten Tagen ihren Schwerpunkt nach Haifa verlegt. Seit kurzem wird dort in auffallender Weise Militär konzentriert, in den Straften der Stadt patrouillieren die Matrosen der im Hafen liegenden Schiffe, sogar die offiziellen Communiques der Regierung, die immer noch der schon bei Beginn der Unruhen cingeschlagenen Richtung folgen, die Dinge möglichst harmlos und lakonisch darzustellen, sprechen von ״Erregung‘' in der Nordstadt. Zugleich haben die letzten Tage wieder eine größere Anzahl von Toten und Verwundeten gebracht, neue jüdische Opfer sind zu beklagen, englische Soldaten sind gefallen, dabei auch der erste Offizier seit Beginn der Unruhen, und von den Zusammen- Stößen mit den Terroristenbanden werden erhebliche arabische Verluste gemeldet. Palästina verzeichnet eine neue Hochwelle der Unruhen, die sich in verstärkter arabischer Propaganda und Aktion ebenso manifestiert wie in der erhöhten Wachsamkeit der Truppen, der Polizei und des jüdisehen Wachdienstes. Im Mittelpunkt des Interesses und auch der Sorgen Stehen die Dinge in Haifa. Diese■ Sfadt hat seit Beginn der Unruhen eine relativ sehr gute Zeit gehabt. Der Streik hatte hier sehr viel mildere Formen als in Jaffa und Jeru- Salem. Nicht nur in den jüdischen Vierteln, sondern auch in den gemischten spielte sich vielfach das Leben in normalen Formen ah. Ausbruche kamen nicht vor, wenn man von einzelnen Gewaltakten absehen will, die erst in der letzten Zeit einer! wirklich ernsthaften Charakter annahmen und auch zu Todesopfern führten. Die Arbeit im Haifaer Hafen, der zentralen Import- und f:\portsteIle des Landes, ist während der bald vier Monate der Unruhen ohne nennenswerte Störungen weitergeführt worden. Hier wurden die ankotninenden Schiffe ein- und ausgeladen, Juden arbeiteten Seite an Seite mit Arabern. Ebenso ging die Arbeit an anderen Wirtschaftsstellen relativ glatt weiter und etliche Versuche, auch Haifa ganz oder teilweise in den Streik cinzubeziehen, schlugen fehl. Der ('!rund für diese leichtere Situation in Haifa lag vermutlich sowohl fr! den dort herrschenden sehr engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Juden und Arabern wie in der Wahrscheinlichkeit, daß die Regierung eine Stilllegung von Haifa nicht ebenso schweigsam hinnehmen würde wie die von Jaffa. Der Nordhafen ist wirtschaftlich wie strategisch von zu einschneidender Bedeutung, um einem Streik dort tatenlos zuzusehtn. Ein Zeichen für die Wendung der Dinge in Haifa war die Erschießung des arabischen Polizeileutnants Achmed N a i f durch Terroristen, über die wir berichteten. Seit der Zeit ist es in der Stadt unruhiger geworden, und in der letzten Woche ist die arabische Propaganda rasch gestiegen. Sie wurde diesmal von Beginn an mit unmißverständlichen Drohungen geführt. .Man stellte denjenigen, die sich den Forderungen des Streikkomitees nicht beugten, nicht nur den Tod, sondern — siehe das Beispiel von Na'ff — auch die Ver- Weigerung eines religiösen Begräbnisses in Aussicht. Seit zwei Tagen beginnt diese scharfe Propaganda Resultate zu zeitigen, fm Hafen bleibt eine beträchtliche Anzahl von Arbeitern von der Arbeit fort, und zwar handelt cs sich nicht so sehr um Lastträger, sondern um die gelernten Arbeiter beim Laden. Sofort hat man alle Anstrengungen gemacht, um trotzdem die Arbeit aufrecht zu erhalten. Juden sind in die verlassenen Stellen eingeruckt, und wenn Leute fehlen, werden sic von auswärts herangebracht. Es ist auch gelungen, die Arbeit ohne Unterbrechung aufrecht zu erhalten, Schiffe auszuladen und zu versorgen. Zugleich hat ein großer Teil der in den Eisenbahn- Werkstätten in der Haifa-Bav beschäftigten Arbeiter die Arbeit niedergclc-gt, und mit ihnen haben Teile des Zug- Personals der! Streik begonnen. Der Zugverkehr, der ohnedies durch die jetzt Monate anhaltende Sabotage, die auch durch starke Patrouillen nicht ausgeschaltet werden konnte, eingeschränkt worden ist, hat sich seitdem noch mehr verkleinert, obwohl die Maschinen zu einem Teil durch Matrosen vor! den Schiffen, zu einem Teil von Juden und schließlich auch von den nicht streikenden Arabern bedient werden. Auch an anderen Stellen in Haifa macht sich die Ausbreitung des Streiks geltend, sowohl in der Zementfabrik von Ne sc her, wo nach einem ersten Streikversuch vor Monaten die arabische Belegschaft bisher erschien, wie auch bei der Irak Petro! Compjnv. Diese hat ohnedies bittere Zeiten, denn seit längerem wiederholen sic!! die Allgriffe auf die Oelleitung, die an der und jener Stelle unterbrochcn wird, so daß Oel verloren geht, Reparaturen gemacht werden müssen und genaueste Wachsamkeit erforderlich ist, die jedoch auch nicht immer hilft. Die neue Terrorwelle und die konzentrierte Aktion in Haifa fol gen den V e r m 1t tl 11 ngs versuchen des Emir Abdullah. Die Konferenz in Amman, bei der sich auf Einladung des Emir Vertreter der leitenden arabischen Schichten versammelten, war ja in der Tat ein groß angelegter Versuch dieses arabischen Fürsten, eine Vergleichsbasis zu schaffen, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Abdullah bei diesen Versuchen in engster Kooperation und auf Veranlassung der Engländer arbeitet. Die arabische Presse hat — bis auf das Blatt des Mufti — über den Gang und die Resultate der Animaner Verhandlungen Schweigen bewahrt, aber es ist offensichtlich, daß sie jedenfalls fürs erste ihren Zweck nicht erreicht haben. Eine Beruhigung der Stimmung ist nicht erfolgt. Man wird sogar wahrscheinlich nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die verstärkte Aktion der letzten Tage eine Antwort der Extremisten auf die Vermitthmgsversuche ist. Mit neuen Angriffen, mit verstärkter Propaganda, mit Drohungen wird hier auf jeden Friedensversuch, der nicht zugleich die bekannten arabischen Forderungen befriedigt, geantwortet. Und zugleich läßt inan diejenigen Ftihrer, die verhandlungswillig sind, spüren, daß die Radikalen Waffen in der Hand haben, mit denen sie *ehr unangenehm werden können. ... Die dem Emir nahestehende Presse jedoch, also insbesondere die von Naschaschibi, gibt die Hoffnung auf Verhandlungen durch Vermittlung über Amman nicht auf. Sie erinnert die Araber an die Fähigkeiten des Emir, seine Steilung bei den Engländern und sein Eintreten für die palästinensisch-arabische Sache. Sie erinnert zugleich die Eng•!ander daran, daß cs auch für sie Zeit sei, eine Lösung der Konflikte anzubahnen, und weist in diesem Zusammenhang auf die sich steigernde Propaganda für die arabische Sache in den Ländern des Nahen Ostens und Indiens hin. Insbesondere hat in arabischen Kreisen der sehr weitgehende Beschluß indischer Moslems, die arabische Sache zu stützen und England zum Nachbeben zu zwingen, Eindruck gemacht. Daß trotz aller Verstärkung der Aktionen unter den Arabern zugleich die Sucht herrscht, immer wieder auf den dicht bevorstehenden Sieg hinzuweisen, zeigen die verschiedenen Nachrichten, die kurz nacheinander ins Publikum geschleudert werden, so daß die Regierung eine nach der anderen dementieren muß. Nachdem jetzt nochmals erklärt worden ist, daß bisher über eine Sperrung der Einwanderung nicht beschlossen wurde, hat man jetzt in der arabischen Presse die Nachricht gebracht, daß Truppen aus Palästina bereits nach Gibraltar abgezogen werden. Die Tendenz einer solchen Nachricht ist klar: sie soll andeuten, daß man in Palästina von arabischer Seite wieder weniger zu fürchten hat, oder sogar, daß England hei der gegenwärtigen intcrnationalen Situation es sich nicht leisten kann, 15 000 Mann in Palästina zu halten. ... Ein Cominunique der Regierung hat jetzt diese Gerüchte dementiert und noch hinzugefügt, daß keine Absicht zu derartigen Verschiebungen bestehe. Die Haltung der jüdischen Presse hat sich gegenüber den Ereignissen der letzten Tage, der Erschießung Für eine klare Definition des Blnatlonal - Staates Durch mehrere Nummern hindurch behandelt die Halbmonatsschrift ״Hascbomcr Hazair“ die polilischen Kon- Sequenzen der gegenwärtigen Lage, in polemischer Auseinandersetzung mit Meinungen, die im .,Dawar“ vertreten wurden: Wir dürfen uns den schweren Schaden nicht verhehlen, den die Unklarheit unserer politischen Ziele angerichtet hat. Wollen wir den Judenstaat oder einen Binationalstaat? Solange unsere Führer sich hierzu nicht unmißverständlich äußern, solange sie sieh nicht selbst klar darüber sind, was die Eroberung des Judenstaates wirklich besagt, solange werden auch die Befürchtungen der Araber für ihre politische Zukunft fortbestehen. Wenn wir sagen, daß die Araber in diesem Lande keine ״politischen“, sondern nur ״bürgerliche“ Rechte haben, so werden wir alle Araber, bürgerliche und proletarische, gegen uns haben, denn für sie alle ist Palästina ihre Heimat. Liebenstein hat ihnen im ״Dawar“ die Aufgabe zuerteilt, als Abgesandter der ״erhabenen arabischen Nation“, die ihren Sitz im Ausland hat, unter uns zu leben, aber damit werden sie sich nie begnügen wollen. Es gibt keine Plattform für Verhandlungen, bevor wir es nicht deutlich machen, daß wir den binationalen Staat wollen, bei gleichen politischen Rechten der Juden und der Araber unabhängig vorn Zahlen- Verhältnis.,, Wir haben gewiß keinen Grund, auf viel Verständnis bei der Königlichen Kommission zu hoffen, die mm bald kommen soll, aber nichts wäre falscher von uns, als sie zu boykottieren. Die alten Argumente gegen uns werden wieder auftauchen, die Frage der jüdischen Arbeit, unser Verhältnis zum arabischen Arbeiter, die Bestrebungen nach wirtschaftlicher Absonderung und die Verfassungsfrage. Wir werden auch über das Endziel des Zionismus Auskunft geben Presseschau Der Sinn des Mandates Zu den von uns ausführlich wiedergegebenen Ausführungen des früheren Kolonialministers Amcry (s. Nr. 64) über die Notwendigkeit der Herstellung einer staatsrechtlichen Parität zwischen Juden und Arabern in Palästina äußert sich Lord Lamington, der 1917 die Balfoiir-Deklaration befürwortet, aber schon zwei Jahre später sich von dieser Politik abgewandt hat und seitdem ein Für- Sprecher der Araber geworden ist, in der ״Times“ vom 11. August auf die Bemerkung Amerys, daß die Juden ebenso gut ein Recht hätten, in Palästina zu leben wie die Araber. Lord Lamington verweist auf Art. 22, Abs. 4 des Völkerbtindsabkotumens, der verschreibe: ״Die Wünsche dieser Gemeinschaften (die früher zum türkischen Reich gehörten) müssen ein zu berücksichtigender Hauptpunkt bei den Entscheidungen der Mandatarmacht sein.“ Zur Erfüllung dieser Verpflichtung hätte man damals mit der Einsetzung einer Kommission sowohl für Syrien wie für Palästina begönnen, zu deren Vorsitzenden der Amerikaner Grane eruannt worden war, aber die Franzosen wollten keinen Vertreter entsenden, da es sicher war, daß die Syrer der Uebernahme des Mandats durch Frankreich nicht zustimmeri würden: auch war es ungewiß, oh die Engländer das Mandat für Palästina erhalten haben würden — infolgedessen hat die Kommission nie funktioniert. (Die Kommission ist als rein amerikanische ״King-Cranc-Coinmission“ nach den Mandatsländern gegangen und hat ihren Bericht an Präsident Wilson erstattet. — A. d. Red. ״J. R.“) Da der Völkerbund versäumt hätte, sich über die Wünsche des Volks in Palästina zu vergewissern, fehle dem Mandat die Gültigk e i t, doch anerkennt Lord Lainington, daß es jetzt nicht mehr möglich sei, davon zurückzutreten. Daß es aber zu einem Zusammenstoß der Interessen kommen würde, sei immer vorausgesehen worden. Eine katholische Stimme In der französischen Zeitschrift ״Revue Cathoii• q u e“, die vor allem die katholische Jugend Frankreichs vertritt, veröffentlicht Marcel Lobignan unter dem Titel ״I s m a e 1 o u I s a a k“, Regards sur la Palcstine, einen gut dokumentierten und objektiven Artikel über die Unruhen in Palästina. Nach einer eingehenden Schilderung des bisherigen Ablaufs der Unruhen stellt der Verfasser fest, ״daß die unruhen durch die Furcht der Araber, die sich den Juden weder in organisatorischer noch wirtschaftlicher Hinsicht gewachsen fühlten, auch noch die numerische Ueberlegenheit zu ver- Heren, hervorgerufen worden sind. Lobignan erkennt bewundernd die großen kolonisatorischen Leistungen der Juden an und begreift die dynamische Kraft des Zionismus, der die Judennot als Motor hat. Nicht die Mandatarmacht, die Juden haben Palästina aufgebaut. Die Stellung der Juden in Palästina ist rechtlich unangreifbar, sie haben sogar den Boden zu teuren Preisen gekauft. Die Juden haben aber den Arabern gegenüber große psychologische Fehler begangen. Sie haben sich dem irrigen Glauben hingegeben, der von jüdischen Wächtern an verschiedenen Stellen des Landes und der Lage in Haifa erheblich verschärft. Der ״Haarez“ fordert nach den Erfahrungen jener Wächter, die den Angreifern mit nichts als einem Jagdgewehr gegenüberstanden, wirklich wirksame Waffen, und darüber hinaus eine viel weitgellendere Bewaffnung der jüdischen Bevölkerung, damit sie sich gegen die immer erneuerten Angriffe verteidigen kann. Zugleich wird nochmals wiederholt, was im Laufe der letzten Monate immer von neuem vorgcbraclit worden ist, daß die Regierung sich endlich entschließen solle, alle Mittel gegen die Araber einzusetzen, vor allen! die verantwortlichen Streikkomitees, die die Propaganda tragen, zu arrcstieren. Der Ton der übrigen Zeitungen ist ähnlich. Man hält der Regierung immer von neuem vor, daß man auf den bisher eingeschlagenen Wegen nicht viel weiter gekommen ist, daß gar nichts übrig bleiben wird, als gründlich durchzugreifen; jede, auch durch Vermittler geführte Beziehung mit den Arabern abzubrechen und ihnen noch unmißverständlicher als bisher klarzumachen, daß auf eine Aenderung der englischen Politik vor dem Kommen der Kommission in keinem Falle zu rechnen sei. Zugleich mit dem Neuaufwallen des Terrors verstärkt sich die Suche nach einem Ausweg aus der gegenwärtigen Lage und die damit verbundene Diskussion im arabischen Lager. Es hat nach der Konferenz in Amman eine wichtige Sitzung des Obersten arabischen Rates stattgefunden, bei der anscheinend viele Stimmen für Vermittlungsvorschläge laut geworden sind. Eine Deklaration des Rates beruft eine Zusammenkunft des Streikkomitees auf den 20. August ein. Der Rat kann sich durch eine solche Konferenz bei etwaigen Beschlüssen die Unterstützung weiterer Kreise sichern und braucht die folgenschwere Entscheidung über Streik- oder Terrorabbruch nicht allein zu tragen. müssen. Die Zionisten müssen vor die Kommission mit einem konstruktiven und konkreten Plan kommen. In diesem Plan muß die Idee sich plastisch ausdrücken, daß Palästina die gemeinsame Heimat zweier Völker sein kann und daß seine Verfassung bi national sein soll, mit allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen, die aus dieser Konzeption folgen... Weizmann hatte seine große Zeit im Zionismus, die Zeit, als er mit Energie die Verwirklichung des Zionismus im Rahmen des binationalen Staates forderte. Das war kein lapsus linguae, das war kein Irrtum des Führers, das war der starke Ausdruck vereinter maxinialistischer und fortschrittlicher zionistischer Bestrcbimgen. Weizmann fiel wegen dieser Stellungnahme. Auch Arlosoroff versuchte vergeblich diese Linie im Zionismus durchzusetzen. Und jetzt? Jefzt spricht man wieder davon, daß Palästina uns und nur uns gehört und daß die Araber keine nationalen Rechte beanspruchen können. So spricht man, während wir noch die Minderheit sind. Der Gedanke an Parität wird als hochverräterisch angesehen. Man schwört, daß man immer den Frieden gewollt habe, und währenddessen erscheinen reuevolle Bekenntnisse von Ben- Awi; Kalvariski weiß von vernachlässigten Gelegenheiten zu erzählen und sogar Medzini bringt in seinem Buche charakteristische Aufklärungen zu dieser Frage. Wir leugnen ja nicht, daß die führenden Kreise nach einem Wege zur Verständigung mit den Arabern suchen. Aber cs fehlt die klare Linie, alles verläuft im Zickzack. Einmal hofft man aut den High Cominissioner, dann wieder verzweifelt man an England. Man hört die Meinung, daß keine Hoffnung auf Frieden mit den Arabern bestehe und daß wir ein englisch-jüdisches Bündnis suchen müssen, und dann heißt es wieder, daß wir ohne eine aktive Araberpolitik im Nahen Osten keine politische Rolle spielen könnten. Und dieses Fehlen jeder klaren Linie bei der politischen Führung richtet Verwirrung in unseren eigenen Reihen an. materielle Fortschritt würde die Araber über ihre ideellen Verluste trösten. Die Araber aber, die auf ihre alte Kultur stolz sind, wollen in ihrer kulturellen und moralischen Atmo- Sphäre leben. Der Araber fühlte bei vielen Juden die Verachtung. Er wurde von der Irreligiosität und den freien Sitten vieler jüdischer Kreise abgestoßen. Die politische Lage im Vorderen Orient war weiterhin ein wichtiges Element für den Ausbruch der Unruhen. Die Araber rechnen mit dem baldigen Ausbruch eines Konfliktes zwischen den üroßmächten, in dein man wieder ihre Hilfe gebrauchen wird. Sie wollen aber für diese Hilfe diesmal keine vagen Versprechungen, sondern reale Konzessionen. Die Rolle Englands ist nicht mit dem Begriff des Doppelspieles abzutun, sie ist sehr kompliziert. England leidet an den objektiven Schwierigkeiten der Lage in Palästina und an seiner zu geschickten Politik. England zögert *ich zu entscheiden, da es sich in jedem Falle dann einen erbitterten Feind machen wird. Es befolgt den Grundsatz: ״Wait and sec“ und hofft, den längsten Atem zu haben. Vorläufig sammelt es in Palästina geniigend Machtmittel, um jeder Eventualität Herr zu werden. England braucht heute Palästina mehr als je in seinem pol!- tischen System, Der Verfasser versucht keine Lösung des Konfliktes zu geben, er glaubt nur, daß sie nicht mit einer einfachen Formel gefunden werden kann. Es ist leicht, die beiden kämpfenden Rassen in Palästina entweder als Banditen oder als Eindringlinge zu sehen. Doch wird diese Stellungnahme der Tragik des Kampfes in Palästina nicht gerecht. _ Neue Hilfspolizisten Der High Commission er hatte eine längere Unterredmig mit Moshe Schertok über die politische Lage und insbesondere das Problem der Sicherheit. Sir Arthur Wauchope erklärte sich damit einverstanden, daß mehrere hundert neue jüdische Hilfspolizisten eingestellt werden. Die jewish Agency hofft, daß damit die ursprünglich geforderte Anzahl von 2300 erreicht wird. Musikstudium In Palästina. Das unter dem Protektorat des Oberkommissars stehende Konservatorium in Jerusalem (״The Palestine Conservatory of Music and Dramatic Art in Jerusalem“) ist in der Lage, einer Anzahl besonders talentierter Schüler aus Deutschland unter vorteilhaftesten Bedingungen Studienmöglichkeiten zu eröffnen. Das Konservatorium verfügt über 31 hochqualifizierte Lehrkräfte und hat Unterrichtsklassen für sämtliche Instrumental* gruppen eingerichtet. Die Aufnahmeprüfung wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats in Deutschland stattfinden. Interessenten, möglichst unter 20 Jahren, wollen sich nur schriftlich unter Beifügung eines Lebenslaufes, einer ausführlichen Darstellung des bisherigen Studienganges und fachmännischer Referenzen bei der Künstlerhilfc der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, Gth., melden, die über Ort und Zeit des Vorspielens Mitteilungen ergehen lassen wird. (Schluß des Palästina-Teils)

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