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Jüdische Rundschau · 1936-08-18 · Heft 66 (18.8.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 66 (18.8.1936)
Date
1936-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 66, 18. VIII. 1936 war, durch gegenseitiges Einvernehmen geregelt worden ist. Sowohl dem englischen als auch dem amerikanischen Teil gehören nun je zwei Zionisten und zwei Nichtrionisten an, ie sich in jedem der Länder auf einen gemeinsamen Vorsitzenden geeinigt haben. Wie die Frage der Verfügung über die in Amerika zugunsten der Auswanderung von Juden aus Deutschland gesammelten Gelder geregelt worden ist, geht aus dem Communiquc nicht hervor. Bisher haben die amerikanischen Organisationen sich ihr eigenes Verfügungsrecht Vorbehalten, so daß der Council praktisch nur über das in England gesammelte Geld verfügen könnte. Um Hubermans Rücktritt Von unserem Wiener Berichterstatter J. R., Wien, 16. August Um Hubermans Rücktritt von der Leitung der Meisterklasse für Violine an der Wiener Musikakademie, über den wir bereits berichteten, hat sich in den letzten Tagen in der Wiener Presse eine lebhafte Disk u s s i o 11 entwickelt. Die gesamte Presse, einschließlich der amtlichen ״Wiener Zeitung“, beschäftigt sich mit diesem Schritt des berühmten Geigers. Allenthalben wird als Motiv die größere Inanspruchnahme des Künstlers bei der Organisierung des Palästina-Orchesters angeführt und gleichzeitig dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß Wien den Künstler verlieren soll. So schreibt die amtliche ״Wiener Zeitung“ unter der Ueberschrift: ״Wenn Huberman wirklich ginge...“ 11. a.: ״Sollte sich tatsächlich eine Neubesetzung der Violinklasse notwendig erweisen, dann wird man wohl mit größter Umsicht zu Werke gehen müssen, ...man müßte von Haus aus daran denken, den besten und akkreditiertesten Geigenlchrer, der heute in der Welt zu finden ist, an Wien zu binden. Das ist Wien seinem Rang als Musikstadt schuldig.“ Eine einzige Ausnahme freilich machen die ..Wiener Neuesten Nachrichten“ das Organ der ,,betont Nationalen■', die an die Absicht Hubermans, Wien zu verlassen, anknüpfend u. a. meinen: ״...Klagen über diesen Verlust sind kaum am Platze. Wien wird den Abgang des 1וerniiuiten Geigers mit Fassung tragen; seine Kunst in Ehren, sie wäre vollkommener und reiner geblieben, hätte 1 In her man sich aut sic beschränkt und nicht, wie er es in den letzten Jahren tat, den Geigenbogen des öfteren mit der Feder des politischen Agitators und Polemikers vertauscht. Nicht mir daß er versuchte, sich als Vorkämpfer für Pan- Furopa mn jeden Preis in den Vordergrund zu rücken — der in OenstcH'hawa in Polen Gebürtige entfaltete eine rege Propagaudatä tigkeit für die Ziele und Interessen des intcrnationalen Judentums.״ Schließlich wird dem berühmten judisehen Künstler vorgeworfen, daß er den Nationalismus nur anerkenne, v,cnn er sich auf Palästina beziehe,!das Blatt schließt: ,.Das Wiener Publikum hat dem Geiger Huberman oft genug Beifall geklatscht. Will er aber von Wien nichts mehr wissen, wird es ihn ohne Abschiedsschmerz ziehen lassen.“ Der Bolschewisxntis in Palästina Der ״Völkische Beobachte r“ vom 16. August veröffentlicht einen Aufsatz ״Moskaus Hand in Palästina“, in dem dargelegt wird, daß die palästinensischen Unruhen von der Komintern an gestiftet worden sind. Der Artikel weist darauf hin, daß in Moskau eine eigene Universität zur H eranbildung arabischer Revolutionärc errichtet wurde und zitiert die Rede des palästinensischen Vertreters hei der Komintern-Tagung, in der gesagt wird, daß die national-kommunistische Bewegung Palästinas die Form eines Angriffs auf den englischen Imperialismus und den Zionismus annehmen mußte. Die arabische Bewegung, so heißt es weiter, steht unter dem besonderen Schutze Diinstroffs. Der ״Völkische Beobachter“ schreibt: ,.In Vcriolg die^r Resolutionen sandte die Komintern den Leiter der Ilandrls;1ht1׳il11ng .Vo.uvaj:‘ namens Vuiiett auf eine Rundreise d 11 rrh die a 1 a b 1 - c!1 e 11 Lande r. Diese angebliche ,Handelsreise' in gernn inn emein ZusonrnreMirelien Yurichs aiir dem ständigen kmmnierf.^oooi kenn!!!11 Hub.'h;!.,. DsUe! uix rg,tb etolerer Kelim eine hui־•- S11״me zu Revolution׳-?»!•! km! und!11»' ruht teile ihm die Iteiel.h• M.> ■I.ni-. Anhlirüewl zinf; die , 11,1 n<lekrt'i.w' durch Transjonijnicn. ‘'-vn.׳:׳,!!nn 11nd!hu Pak. Du- Krgelvmdieser Reise waien h'kilr Ternirukte. D1< e \! ׳!■gange selben all!■ Kenner aralu-rtier fäk.1:'- in K1 --011.׳ on. UeberlieU rung-c'ernati erholten sich die Aral.« 1.!-(;״ in v!;i nimm, so da Li ein W 1<k־r Mand ra sch aut du■' m k-mzeiitr!« rt >!: ׳ *■,erd'-it kit11i!1e, Aunniel ir aber ׳■! > ׳ ■ ■ 1 ׳:;•־׳ ■׳V• r .' ■Ai u ׳: : - dn■ :׳ T׳d und an den V1 1 . : ■<!! ■ -; ■ : tu ״o I - ft'.\ .c ■n D!n,-r Iir-c Tel 'Tori'lfH 1-ir!!.1 ■'׳? ■1m Hr - V!!!Ir 1e -:er Walten i Gründen, Nun i 1a* och 1110.111-- ><■״!. d.D bin 15 ׳1־!: ׳ -ttjl vintT ,Hamit ■Hi n*e* h iiix-r!;. A i* '.V; 1־!!K ,,׳״,---r .,•.re •!. .' j 1 > ■ 11 u 1 •>i en 1>r u■ nt it'iif und nach v I י f ’ ׳x .״ ׳1׳ K : י! 1;1u־t! ׳4 f וזי >■- •- b׳ ui! Lw 1 . r M e! 1!!«m Bo ■ mb e n ו־ u d M t - 1!! i 1; e r, a r a ehr* vt Mn diesen Sr! ״!)״HKrn r״ -F:, 7 .dl *• - 1 11־u'h dun!1,-1, Ln!!der! 1. um die Aralx*r m Ha׳ •II..,'11״! der Waben zu , ml! rru in en und ihnen a 11■ h die A n ■ At י;! | k ’ 1 ' i . - \ •H-t'i״ l;. 1.» -׳ 1 ähniieh u v .• ■ ■ :• י■ ־, . י dt ׳ 15 .^׳ ■- d 11 j•(־ < ׳.״ ii.iHcn, m 1' 1t־i»e : ׳,!־:.■ a >׳! afr dt ' 1 u I «' h*׳mahj׳e 1 St hu )er ,1« r Araber- Ln 1 י>c־■?■ -,ifstt m \b>■ -kau D<'h<>r״׳i1rn.“ In dem Artikel wird dann bemerkt, daß das plötzliche Auftreten gesclauItt■ r und bewaffneter Aufständischer in Palästina ohne weheres den Schluß nahelegen müßte, daß hier fremde \\ 3 r h t c mit im S p i e I e waren und sind. Die Komintern benutze den Kampf ״egen den Zionismus nur dazu, urn den revolutionären Funken in die ganze arabische Welt zu tragen. Für uns Juden ist an diesem Artikel im ״Völkischen Beobachter“ besonders interessant die Feststellung, daß der Kommunismus im Bunde mit den judenfeindlichen Arabern Palästinas steht. Durch diese These wird die manchmal auch in deutschen Zeitungen auftauchende Behauptung, daß die Juden den Bolschewismus nach Palästina tragen, auf das schlagendste widerlegt. Vor der Warschauer Gemeinde wähl Die bevorstehende Neuwahl der Leitung und Repräsentanz der Warschauer jüdischen Gemeinde wird von der Warschauer jüdischen Bevölkerung mit außerordentlichem Interesse erwartet. Einen geradezu grotesken Ausdruck findet die Zersplitterung der jüdischem öffentlichen Meinung in der Tatsache, daß bisher zu dieser Wahl nicht weniger als 41 Wahlvorschläge — drei bloß fiktive Listen nicht miteingerechnet — mit einer Gesamtzahl von etwa 4000 Kandidaten angemeldet worden sind. Allerdings wurden in letzter Zeit einige Konzentrationsversuche unternommen, deren Ergebnis zu der Erwartung berechtigt, daß der ei gen tliehe Wahlkampf sich zwischen fünf bis sechs Wählergruppen absptelen wird, während die übrigen Splittergruppen ziemlieh im Hintergrund bleiben werden. Anklage wegen Verleumdung Ein Proxefi wegen Ritualmord In dem Rechtsverfahren, das, wie der Generalstaatsanwalt von England vor einiger Zeit im Parlament angekündigt hat, gegen die Zeitschrift ״The Fase ist", das Organ der ״Imperiai Fascist Leaguc“, wegen Verbreitung der Blutbcschuldigunggegen Juden eingeleitet worden ist, hatte Polizeirichter Dummett am 141 August über die Zulassung der öffentlichen Anklage vor dem Strafgericht zu entscheiden. Nach umfangreichen Darlegungen des Anklagevertreters Eustace Fulton und Vernehmung der beiden Beschuldigten, des Eigentümers des ״Fascist“, Arnold Spencer Leese, und des Druckers Walter whitehead sowie von zwei Zeugen erklärte Richter Dummett die Allklageerhebung gegen Leese und Whitehead wegen Veröffentlichung einer aufrührerischen Verleumdung für gerechtfertigt. Der Prozeß wurde für die nächste Session des Hauptstrafgerichts (Central Criminal Court) festgesetzt. Anklagevertreter Fulton crkläHe, er beschuldige Leese ab Eigentümer dm־ Zeitung ״The Fascist“ in dieser Zeitung eine aufrührerische Verleumdung veröffentlicht zu haben und Whitehead, sie gedruckt zu naben. Beide seien auch wegen gemeinsamer Teilnahme an der Erregung öffentlichen Un- Heils vorgeladen. Das Wesentliche ihres Vorhabens sei, daß sie diffamierende Dinge gegen eine Personen- Gemeinschaft veröffentlicht halten. Nach Zitierung juristischer Autoritäten über das Wesen der ״aufrührerischen Verleumdung“ fuhr der Anklagevertreter fort: Es wird behauptet, daß das vorliegende Dokument offenkundige Absicht zeigt, zu Groll und Feindseligkeit zwischen den jüdischen Untertanen Seiner Majestät und anderen aufzureizen. Der Anklagevertreter machte den Richter sodann auf eine Stelle eines Artikels unter der Ueberschrift ״Die Lage in Palästina“ aufmerksam, die, wie er bemerkte, nur ein Beispiel für die Art des Inhalts des ganzen Blattes sei. Die Stelle lautet: ״Die luden sind nirgends auf Erden erwünscht. Leider sind sie auf der Welt und vernichten überall auf ihr alles Gute und Anständige durch ihren verderblichen Einfluß. Dagegen gibt es nur folgende Möglichkeiten: 1. sie zu töten, 2. sie zu sterilisieren, 3. sie abzusondern; unsere Politik ist die letztere und wird auf ihre eigenen Kosten geführt.“ Weiter zitierte der Anklagevertreter eine Stelle aus einem Artikel, der die Rituaimord-Beschuldigung enthält. Nach Anführung weiterer Stellen und der in dem Blatt enthaltenen Aufforderung, das Hakenkreuz zu tragen, womit der Träger sich verpflichte, niemals von Juden zu kaufen, niemals Juden zu beschäftigen und alles zu tun, um ״die jüdische Invasion in unser Laud“ aufzuhalten, stellte der Anklagevertreter fest, daß durch solche Dinge nur Groll zwischen den Juden und den anderen englischen Untertanen erregt werden könne. Er forderte den Richter auf, das Dokument als ״aufrührerische Verleumdung‘ zu be* zeichnen und zu erklären, daß ausreichende Beweise für die Berechtigung der Anklageerhebung vorlägen. Anklagevertreter Fulton stellte einem Wunsche gemäß fest, daß die Imperial Fascist League mit den Faschisten Sir Oswald Mosleys nichts zu tun habe. Der Drucker Whitehead sagte, er habe nicht zu Oesetzesverletzung aufgefordert und keine Erklärungen gemacht, die ihm verleumderisch erschienen wären. Er gebe zu, daß in den Artikeln scharfe Kritik an den Juden geübt wurde, aber dies sei nichts Neues. Im Lauf der Geschichte sei dies immer wieder geschehen, aber cs sei ihm nicht bekannt, daß in einem Falle dagegen gerichtlich eingeschritten worden wäre. Er glaube, daß man 111 dieser Sache Äußerungen Für und Wider drucken könne, sofern sie nicht eine absichtliche Aufreizung zu Gewalttat enthalten. Was die Erklärungen über Ritualmord betreffe, so wisse er, daß diese Beschuldigung von vielen Leuten jahrelang erhoben wurde. Er glaube, daß es sich um eine Sache handele, die diskutiert werden könne und die sehr oft in Druckschriften diskutiert worden sei. Er verlange darum vom Richter, festzustellen, daß er sich keines Vergehens schuldig gemacht habe. Der Herausgeber des ״Fascist“, Arnold Spencer Leese, baute seine Rechtfertigung darauf auf, daß eine Verleumdung sich gegen eine eindeutig bestimmte Gemeins c h a 11 richten müsse. Die Juden seien nicht eine solche. Leese zitierte Kapitel 8 Vers 44 aus dem Evangelium Johannis, in dem Jesus von den Juden sage, ihr Vater sei der Teufel und sie würden nach der Lust ihres Vaters handeln, der ein Mörder von Anbeginn war. Wenn ich, sagte Leese, angeklagt werden soll, weil ich ungefähr dasselbe sage, dann sollte der öffentliche Ankläger die Anklage gegen die Herausgeber des Neuen Testaments selbst erheben. Ich habe nur die Verschwörung des Schweigens gebrochen, und das ist durchaus etwas anderes als Unzufriedenheit zu erwecken. Schließlich behauptete Leese, die Stelle über den Ritualniord sei von der Anklage aus dem Zusammenhang eines dreispaltigen Artikels herausgerissen worden. Er mache besonders auf den letzten Absatz dieses Artikels aufmerksam, in dem er, weit entfernt davon, zu Gewalttätigkeit aufzufordern, für ein Vergehen nach dem Beispiel des größten englischen Königs eintrete, der die Juden im Jahre 1290 vertrieb und in dem gleichen Ausweisungfidekret jedem seiner Untertanen, der gegen die Juden Gewalt anwenden sollte, Strafe angedroht habe. Richter Dummett stellte zum Schluß fest, der Fall gehöre vor das Geschworenengericht. Leese möge die Darlegung seiner Ansichten für dieses aufsparen, Die beiden Angeklagten wurden nach Hinterlegung einer Kaution von je 10 Pfund aus der Haft entlassen. Jaden and spanische Revolution Von unserem Berichterstatter W. A* Barcelona, 11. August Durch den Nachrichtendienst des aufständischen Militärs in Spanien werden Nachrichten verbreitet, daß die Juden eine führende Rolle in der Revolution in Spanien spielten, und daß ״jüdische Delegierte aus Frankreich, Belgien und Italien“ in Barcelona hetzerische Reden gehalten hätten. Tatsächlich kann jedoch von irgendeinem maßgeblichen Einfluß von Juden auf die Entwicklung der spanischen Politik und der aktuellen Geschehnisse nicht die Rede sein. Die geringe Anzahl der Juden und die Tatsache, daß sie zum allergrößten Teil erst vor kurzer Zeit eingewandert und nicht im Besitz der spanischen Staatsangehörigkeit sind, ist die Ursache, daß es in Spanien weder jüdische Abgeordnete gibt noch Juden in den Parteileitungen vertreten sind. EKe ״jüdischen Delegierten aus Frankreich, Belgien und Italien“ waren in Wahrheit Mitglieder jüdischer Sportvereine aus Paris und Brüssel (Italien war nicht vertreten), die an der Internationalen Folklore- und Sportwoche in Barcelona teilnehmen sollten und ebenso wie die Führer anderer Sportmannschaften bei der Abscbiedsfeier der katalanischen Regierung für ihre Fürsorge während der Revolutionstage dankten. Eine aktive Beteiligung von Juden an den gegenwärtigen Kämpfen findet nur insoweit statt, als einige, insbesondere gewerkschaftlich organisierte Juden, dem sich auch an die Aus- [ander richtenden Ruf der Regierung zur Bildung einer bewaffneten Bürgerwehr als Hilfstruppe für die treu gebliebenen Truppen und die Polizei gefolgt sind. In der katalanisehen Bürgerwehr, die gegenwärtig um Saragossa und Huesca kämpft, finden wir neben anderen Ausländem daher auch einige Juden. Erheblich größer ist aber die Zahl der Juden, die sieh als Fremde in einem Gastlande fühlen und sich nicht berechtigt glauben, in die Geschehnisse einzugreiten. Für einen großen Teil von ihnen haben die Ereignisse der letzten Wochen schon tiefeinschneidende Wirkungen wirtschaftlicher Natur gehabt. Die sehr zahlreich unter den Emigranten aus Deutschland zu findenden Vertreter leiden besonders unter der Kaufunlust, Nervosität und der Stockung des Wirtschaftsverkehrs, die die natürliche Folge der Unruhen sind. Für die selbständigen Kaufleute bildet die in einer wachsenden Reihe von Betrieben durchgeführte S o - zialisierung ein schweres Problem. Sozialisiert worden sind in den letzten Tagen z. B, sämtliche Kinos in Barcelona, die von der anarchistischen Gewerkschaft C. N. T. iibernommen wurden. Auch hiervon sind verschiedene Emigranten betroffen worden. Es steht allerdings noch nicht fest, ob die Sozialisierung sich auch auf Ausländern gehörige Kinos erstrecken wird. Geflüchtet sind aus Barcelona bereits zirka 50 jüdische Familien. Ebenso sind die wenigen Juden, die in Palma de Matlorca, Ibiza und San Sebastian ansässig waren, fast samtlieh abgereist, da diese Orte bombardiert wurden und den Ausländern vor dem Bombardement Gelegenheit zur Abreise gegeben wurde. General Franco gegen judenfeindliche Propaganda Casablanca, 16. August, (JTA.) Mit großen Schwierigkeiten ist es gelungen, mit den jüdischen Gemeinden in Spanisch-Marokko in Verbindung zu kommen. Immerhin konnte bisher festgestellt werden, daß von den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde von Mel lila, die von den Auf ständischen verhaftet wurden, keines erschossen worden ist. General Franco, der Oberbefehlshaber der nationalistischen Truppen, hat an die Jüdische Gemeinde von Tetuan ein Schreiben gerichtet, in dem die Juden auf gefordert wurden, die judenfeindlichen Reden, die zu Beginn der Aufstandsbewegunp im Sender von Sevilla gehalten wurden, nicht zu beachten und nicht ernst m nehmen. Obwohl General Franco auf diese Weise von den mit der nationalistischen Bewegung verbundenen judenfeindlichen Tendenzen abrückt, sind den jüdischen Gemeinden in Spanisch-Marokko doch recht empfindliche freiwillige ״Abgaben“ zugunsten der Aufständischen auferlegt worden. Die Jüdische Gemeinde von Tefuan ist zu einer Kontribution von 500 000 Pesetas gezwungen worden. Die acht in Spanisch-Marokko bestehenden jüdischen Gemeinden setzen nach den bisher erlangten Informationen ihre Arbeit fort. Wandertrieb und Rasse In der ״Pommerschen Zeitung“, Stettin, finden wir einen interessanten Aufsatz zu dem Thema ״Welfwanderung und Ariertum“, worin ausgeführt wird, daß der arische Mensch durch seine Weltweite und sein Unendlielikeitsgefültl zum Wandern getrieben wurde, wobei er Kulturen und Reiche gründete. Der Verfasser charakterisiert den Unterschied zwischen Ariern und Semiten wie folgt: ״Pas II ö h 1 e n b e w 11 ß t s e i n ist im Orient beheimatet, es verrät siel! in den semitischen Religionen dieser (.;egend, dem Ilanstil der Kuppeln, der psychiwhon Ilahung der vorwiegend semitischen Bevölkerung. Das Weltweiten hewußtsein der Unendlichkeit scheint, ohne es rassisch durchaus binden zu wollen, den arischen Völkern im hohen Grade eigentümlich zu sein. Ks erzeugt aus sich den Begriff der eigenen inneren Weite, der inneren Freiheit, die lloltnung auf das wenn;»ich unerreichbar Bessere, den Wanderineb nach unixrkannten Kt men. wo die Insei Thule oiler ICly-ium oder das Land Unsterblichkeit zu linden .sind. Der Mensch der Weltweite hat den unstillbaren Wandertrieb in sieh, ihm widmet ja auch der arische Mensel! einen so erstaunlich großen Teil seiner Poesie, aus ihm heraus ist er sicherlich auch der Vater aller Kulturen und der große Kolonisator geworden....“ Im weiteren Verlauf des Artikels heißt es: ״.... In der Hand des arabischen Märchenerzählers von 1001 Nacht wird aus Odys-etis ein Kaufmann, da der Semit nicht Ix'greifcn kann, warum jemand aufs Meer geht, wenn er nichts dabei profitieren kann. Ahasver, auch er ein ewiger Wehenwunderer, ist sogar verllmht. Line grölx-re Vcrilerbung läßt sich nicht mehr vorstelicn. Der Mvthos vom Welte 11 «׳anderer in jüdischen Händen w i r 11 buchstäblich in sein O egen teil verkehrt, weil der Mensch mit dem Höhlengefühl einen Sinn in der Sehnsucht der Weltweite nicht finden kann.“ Uns Juden erscheint diese Charakteristik etwas einseitig. Unsere Geschichte und Literatur ist erfüllt von Wanderungen, aber wir können nicht zu geben, daß z. B. die Wanderung des Abraham, den Gott auf die Wanderschaft ins Ungewisse schickte, oder die Wanderung aus Aegypten (weg von den ״Fleischtöpfen“), bei der die Feuersäule dem Volk durch die Wüste voranzog, als eigensüchtiger Materialismus aufgefaßt werden. Auf der anderen Seite haben die Kauffahrer vieler arischer Völker Kolonien gegründet, weil sie wirtschaftliche Stützpunkte suchten, arische Menschen sind häufig ausgewandert, weil sie in ihrer Heimat keine Nahrung oder Beschäftigung finden konnten, ebenso wie die Juden oft zur Wanderschaft gezwungen werden, wenn sie in ihrem bisherigen Wohnlande keinen Lebetisraum mehr haben. Die Legende vom ״verfluchten“ Ahasver ist nicht jüdischen Ursprungs, sondern wurde von arischer Seite erfunden und auf den Juden angewandt. Das jüdische Volk sehnt sich ebenso wie andere nach Seßhaftigkeit und Ruhe. Man wirft ihm auf Grund seines Schicksals oft vor, es besitze keine Seßhaftigkeit; ist es nicht ungerecht, nun auch sein tragisches Wandernmüssen herabzusetzen? Hauptjchriftleiter: Dr. Robert W e 11 8 c h, Berlin - Charlottenburg 8 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzeigenlciter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Fi an, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigen vetwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.-A. Juli 35 077. — Druck: Siegfried Scholcm, Berlia-Schöneberg.

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