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Jüdische Rundschau · 1936-08-14 · Heft 65 (14.8.1936) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 65 (14.8.1936)
Date
1936-08-14
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 15 KlNDER-RUNDSCHAU Seif« 3 DerWunderbaumdesHerrnBen Masel Der Wunderbaum Es war einmal •ein Mann namens Ben Masel, der besaß einen herrliehen Baum. Was Herr Ben Masel sich wünschte, das fiel von dessen Zweigen. Er mußte nur dreimal um ihn herumgehen und dreimal seinen Wunsch aussprechen, da fiel schon der Gegenstand von den Zweigen zum Boden. Wollte Ben Masel einen neuen Hut, so mußte er es nur seinem Baume sagen; wollte er Lebkuchen oder Gänsebraten essen, Wein oder Bier trinken, wünschte er ein schönes Reitpferd oder ein Automobil, brauchte er Geld, Bücher, Spielzeug für seine Kinder, er hatte wenig Sorge. Er sagte es seinem Baume, und schon besaß er es. Er konnte das reinste Schlemmerleben führen, und der Glüeksmensch rührte, wie man sagt, keinen Finger. Er wurde feist und dick und bekam einen großen Bauch. Jankele, Moschele und Dudale, die drei Brüder im Alter von zehn, zwölf und vierzehn Jahren, waren seine Nachbarn. Ihre Mutter, die arme Witwe Jente, plagte sich schwer, um sie zu ernähren. Sie verdingte sich oft zur Arbeit bei den reichen Leuten, und da hatten Jankele, Moschele und Dudale den ganzen Tag über nichts als trockenes Brot zu essen, und erst spät am Abend, wenn die Mutter heimkam, konnte sie Ihnen noch eine wässerige Kartoffclsuppe kochen, die sie mit Heißhunger auslöffelten. Dann legten sie sich schlafen und träumten von den herrlichsten Speisen, Torten, Braten und feinen Getränken. Eines Tages hörten sie von dem Wund er bäum des Nachbarn Ben Masel. Das wäre etwas für sie, dachten sie. Mit >0 einem Baume würden sie immer was Warmes zum Essen haben, die Mutter könnte zu Hause bleiben und müßte sich nicht mehr so plagen, und Geld hätten sie dann auch in Hülle und Fülle. So gingen sie zu Ben Masel und baten ihn, er möge ihnen doch auch erlauben, ein wenig mit seinem Baume zu sprechen. Er aber lachte sie aus und sagte, wenn sie mit so einem Baume sprechen wollten, so müßten sie zuerst arbeiten, wie er es getan habe. So leicht wäre es auch Ihm nicht angekommen. Und er erzählte ihnen, wie er fünfzehn Jahre beim weisen und mächtigen König Maschal vom Lande der Wunderschätze Hagadah gedient hatte, wo er viele schwierige Arbeiten ausführen und zahllose ge- Jährliche Kämpfe mit Drachen, Riesen und sonstigen Ungelümen bestehen mußte. Dann erst habe ihm der König den Samenkern gegeben, aus dem nach fünfjähriger Pflege und sorgfältigem Begießen der Baum erwachsen ist. Wo aber das Land der Wunderschätze war, das konnte er ihnen nicht verraten, da es ihm vom dortigen König verboten worden war. Das würde den Jungen übrigens nicht viel genützt haben, wenn sie es auch gewußt hätten. Denn Sie merkten, daß der Wunderbaum *ich von den anderen nicht unterschied erstens wollten sie ihre Mutter nicht allein lassen, dann aber hätten sie nicht fünfzehn oder gar zwanzig Jahre warten können, da sie jetzt hungrig waren, da sie jetzt Kleider und Schuhe brauchten und ihre Mutter sich quälte, um sie halbwegs zu ernähren. So beschlossen sie, da sie anders sich nicht zu helfen wußten, den Baum des Herrn Ben Masel zu stehlen. An einem Abend, es war pechfinstere Nacht, schlichen sie sich in den Garten. Der Mond war von dichten Wolken verdeckt Kein Sternlein blinkte am düsteren Hirnmel. Ein böser Wind heulte drohend, als ob er das Rufen eines Nachtgespenstes hätte nachahmen wollen. Die Furcht kroch den Knaben bis ans Herz, aber sie kehrten doch nicht um. Schon waren sie am Baume angelangt. Sie betasteten ihn und merkten, daß er sich gar nicht von anderen unterschied. Sie hatten drei Schaufeln mitgebrachi und begannen, ihn von drei Seiten auszugraben. Dudale, der Jüngste, ward ungeduldiff, und so ließ er die Schaufel fallen, lief dreimal um den Baum herum und sprach: ״Ich will Lebkuchen; ich will Lebkuchen; ich will Lebkuchen 1“ Die Brüder ließen nun alle von ihrer Arbeit ab und blickten erwartungsvoll in die dunklen Zweige. Aber statt des Lebkuchens sprangen — o Schreck — drei Polizisten vom Baume, faßten die Knaben am Rockkragen und führten sie vor den Richter. Dieser verurteilte sie zu ie Er sprach: ״Ich will Lebkuchen 1 ״! drei Monaten Haft Aber sie sollten die Strafe erst abbüßen, wenn sie noch einmal einen Diebstahl begingen. Das ta* ten sie indessen nie mehr. Sie wuchsen heran, Wurden tüchtige Arbeiter und verdienten red־ lieh ihr tägliches Brot, das sie mit ihrer alten Mutter teilten, die nicht mehr arbeiten konnte. Aber einen Wunderbaum, wie ihn Herr Ben Masei besaß, konnten sie sich doch nicht schaffen. David Rubin Zeichnungen von Pitta k k 1 / Vor dem Richter Meine schönsten Bücher Mein schönstes Buch ist ״Die Jungen vom Gusch״. Es fefällt mir so gut, weil es so ein lustiges Buch ist. ״Die ier von Kinnereth“ und ״Der Retter von Chula“ gefallen mir auch sehr gut. Von letzteren hat mir die Geschichte *Zwei Jungen im Boot״ am besten gefallen. Walter Jos. Speyer, Frankfurt a. M. (9 J.) x Ich habe von meinen Eltern das Buch ״Land der Jugend״ eschenkt bekommen. Ich lese es sehr gerne und mein chwesterchen Ruth hört immer zu. Am besten gefällt mir die Geschichte ״Barak das Füllen״ und der Ruthehen das Gedicht vom Fritz-Johann. Bald habe ich Geburtstag und wünsche mir dann wieder ein schönes jüdisches Buch. Adolf Mckel, Köln $ J.) Ich lese immer sehr gerne Bücher und möchte heute einmal darüber schreiben. Von den jüdischen Büchern gehören ״Schmulche Leben״ ,״Die Familie y Aquillar“, sowie ״Er- Zählungen aus Midrasch und Hagada״ zu meinen Lieblingsbüchern. Die spannendsten Bücher, die ich bisher gelesen habe, sind: ״Tom Sawyer״ mit Fortsetzung ״Huckleberry Finns Fahrten und Abenteuer״ von Mark Twain. ״Deutsche Heldensagen״ ,״Tausendundeine Nacht“, ״Der Waldteufel“ von Gustav Höcker und ״Lederstrumpf״ von Cooper, sowie noch viele andere lese ich sehr gern. Lothar K ahn, Gern finden (12y& J.) dU h&cksU fände*.- Rundschau■ erscheint am Freitag, dem 38. August Redaktion•- schlufl hierfür am Donnerstag, dein 20. August

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