Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 65 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 KINDER-RUNDS CH AU Nr. 15 Das wüste Tal Ein Qescli!echt geht, ein Geschlecht kommt. Hunderte von Jahren sind verflossen seit dem Tage der Verbannung Israels aus seinem Lande. Das schöne und fruchtbare Emek Jesreel wurde zur Wüste. Von seinen Quellen sind viele ausgetrocknet und. viele zu Sümpfen geworden, die die Umgebung vergifteten und schwere Krankheiten verbreiteten. Dornsträucher bedeckten das Tal und wurden zum Versteck für Diebe und Räuber, die liier eine Zuflucht fanden. Nur hier und da fand man einzelne arabische Dörfer, die elend aussahen. Wandernde Beduinen zogen von Ort zu Ort mit ihren Herden. Wer durch das Emek ging und die Verwüstung und Verlassenheit sah, die hier herrschten, sprach: Nennt es nicht -Jesreel“, sondern ״Schmameel“, denn Gott hat es in eine .Wüstenei verwandelt. Der prachtvolle Berg Tabor mit seinem runden Gipfel, der an der Grenze des Emek liegt und sein treuer Wächter von alters her ist, war sehr traurig darüber und sprach: .,Weh mir, mein Bruder, daß ich dich so sehe. Wieso kam es, daß du zum Verdruß wurdest für jeden Vorübergehenden? Wir beide, Berg und Tal, sind doch geschaffen, um das Auge des Menschen zu ergötzen und sein Herz zu erfreuen, und nun flieht dich jeder wie die Pest.“ Und das Emek Jesreel dachte an seine Vergangenheit und seine jetzige Lage, trauerte sehr und klagte vor Gott: ״Bis wann, Ewiger? Wie lange noch werde ich einsam und verlassen sein? Wann werden zu mir die Kinder Israel zurückkehren? Wie lange werden sie noch im Lande ihrer Verbannung bleiben? Bis wann noch?“ Aber keine Stimme kam, keine Antwort. Und nicht einmal und nicht zweimal nur wandte sich das Emek an die Vögel, die von weitem kamen und seine Grenzen passierten: ״Ihr Vögel, vielleicht habt ihr gehört, vielleicht wißt ihr, wann ich zu meinem alten Zustande zurückkehren werde, wann ich meine Jugend wieder feiern werde?“ Die Vögel gaben immer dasselbe zur Antwort: ״Zwitz, *witz, zwitzl Wir wissen nicht, wir hörten nichts!“ Sie flogen weiter und verschwanden im blauen Himmel. Und nicht einmal und nicht zweimal nur wandte sich das Emek an den Kischon, der auf seinem Wege zum Mittel* raeer an ihm vorbeifließt: ״Mein Sohn, du strömst doch nach dem Mittelmeer, das an vielen weiten Ländern liegt, — du hörst doch immer Neuigkeiten. Vielleicht hast du gehört, vielleicht weißt du es, wann meine Erlösung kommt?“ ״Ich weiß nichts. Ich habe nichts gehört.“ Und das Emek flehte den Tabor an und bat ihn: ״Mein Bruder, du bist doch den Sternen Gottes nahe, die oben schimmern, frage sie doch bitte: Wann werde ich erlöst? Die Sache wird ihnen doch nicht verborgen bleiben?“ Und der Tabor antwortete: ״Ich fragte die Sterne, und sie sagten es mir nicht, aber sie antworteten mir auf meine Frage mit einem wunderbaren Glanz, der bei den Verkündüngen von Rettung und Erbarmen vorkommt. Ein Zeichen ist es mir, daß deine Hoffnung nicht verloren ist.. Jahre auf Jahre vergingen. Und eines Tages, als das Emek mit seinen üblichen Klagen kam, erscholl auf einmal eine Stimme von oben: ״Eine frohe Botschaft erhältst du, Emek: es kommt bald deine Erlösung und die Befreiung deiner Seele; das Ende deiner Verwüstung kommt, und du wirst deinen Kummer vergessen, denn es kommen Tage, wo in dem Emek das Lied der Arbeitenden erschallen wird, das Lied der Pflüger und Schnitter, der Pflanzenden und Weinlesenden, Stimmen der Kinder werden die Luft durchdringen und dein Name* Emek Jesreel, wird zum Segen und Lob im Lande sein.“־ Und so geschah es auch. Emek Jesreel wurde erlöst, es kamen die Chaluzim aus dem Volke Israel, sie trockneten die Sümpfe, bahnten Wege, Sie besäten Felder, pflanzten Weingärten, bauten Dörfer, Ihre Bewohner sind jüdische Arbeiter, lachende und jubelnde Stimmen der Weinlesenden und Kinder erklangen in den neuen Siedlungen. Der Berg Tabor, der das Emek seiner Jugend wieder erleben sah, freute sich und erlangte wieder seine alte Ruhe. D. N. Krapiwner. — Aus dem Hebräischen übertragen von F. K Tiere in Palästina Die meisten Tiere, die wir hier in Palästina haben, kommen auch in Europa vor, viele nur mit Variationen, viele aber mit wesentlichen Veränderungen. Da ist z. B. die Eidechse, die nur selten in der ge* wohnten braunen Färbung zu sehen ist. Sie ist hier meist grau mit stumpf rosa Ringen um den Schwanz, hat einen dreieckigen Kopf und ist ungefähr dreimal so groß wie eure Eidechse. Sie kann nicht schwimmen, dafür um so besser klettern. Eine völlig steile senkrechte Wand hinaufzusteigen, macht ihr keinerlei Schwierigkeiten. Wenn wir abends auf unserer Veranda sitzen, hören wir oft ein Geräusch wie von kleinen leisen Schrittchen. Und was sehen wir? Der sonst so scheue Frosch spaziert mit seiner Frau und seinen Kleinen direkt in unsere Wohnung hinein. Er ist sandfarben mit violetten und grünen Flecken. Er macht so kleine Sprünge, daß man denkt, er lauft Man kann ganz nahe an ihn herantreten; erst wenn man nach ihm greift, macht er sich langsam aus dem Staube. Wie würdet ihr euch freuen über die vielen Schildkröten in jeder Größe, die man hier in Massen findet. Man hält sie sich in größeren Kisten und gibt ihnen Grünes zu fressen, denn die Schildkröte lebt hier nur von Pflanzenkost. Die Kinder spielen mit ihnen wie mit ihren Puppen. Wie reizend sieht es aus, wenn sie mit ihren plumpen Pfoten aus dem Schildhause herauskommen oder leise fauchend das Mobige Mäulchen aufreißen. Meine kleine^ Freundin Techijah hat eine besonders hübsche Schildkröte in ihrem Garten gefunden. Ihr Vater nahm ein Stück Holz, machte vier kleine Räder darunter und eine lange Schnur vorne zum Ziehen. Und so fuhr Techijah täglich ihre Schildkröte spazieren. Den Igel lieben wir nicht sehr. Er frißt sehr gern Meto neu, und wie ärgerlich ist es, wenn man in den Garten geht, um sich eine schöne Frucht abzupflücken und der stachelige Dieb hat bereits davon gespeist. Doch für den Schuppen, in dem die Mäuse hausen, ist er sehr wichtig. Vor einigen Wochen hatten wir junge Hunde. Wir machten ihnen im Schuppen ein hübsches Eckchen mit Stroh zurecht, so daß sie mollig und bequem liegen konnten. Eines Tages hören wir ein jämmerliches Quietschen der Kleinen, das stärker und stärker wird. Und was sehen wir? Der Igel ist in das Hundenest gefallen und die kleinen Hunde stoßen sich so sehr an seinen Stacheln, daß sie vor Schmerzen quietschen. Wir ziehen ihn natürlich schleunigst heraus. Der Schrecken aller sind die Schlangen. Nur mit hohen Schuhen sollte man im Grase gehen, doch wird dies im allgemeinen nicht befolgt. Wir haben einen Taubenschlag zu ebener Erde. Wie oft sind unsere jungen Täubchen, die noch nicht fliegen konnten, von Schlangen abgewürgt worden. Wir schworen Rache und konnten sie auch eines Tages nehmen. Als wir den Wassernapf in die Höhe hoben, um frisches Wasser zu geben, lag friedlich schlummernd eine giftige Schlange, eine der gefährlichsten ihrer Art, unter dem Napf. Wir erschlugen sie sofort Aber im Schlaf eine Schlange zu töten, ist kein Kunststück. Wie schwierig ist es, sie In ihrem rasenden Lauf mit einem Beil oder einer Hacke zu fixieren und dann mit gut gezieltem Griff ihr den Kopf zu zertrümmern. Die Schlange greift in ihrer Todesangst den Menschen an, und oft geht ein Biß tödlich aus. Wenn man es geschickt versteht, die Schlange am Schwanz zu greifen und sie senkrecht mit dem Kopf nach unten zu halten, ist sie völlig wehrlos, denn sie ist nicht imstande, sich an sich selbst hochzuringehl. Aber dazu gehört eine besondere Geschicklichkeit. Toni Stern, Afuleh Das schönste Geschenk für jeden jüdischen Jungen und jedes jüdische Mädchen In Halbleinen gebunden 112 Seiten, 79 Textabbildungen, mehrfarbiges Titelbild Preis nur RM 2.85 LAND DER JUCEND DAS BUCH DER KINDER ״RUNDSCHAU Dieses Jugendbuch enthält die schönsten Beiträge aus den ersten drei Jahrgängen der Kinder״Rundschau und dazu viele neue Erzählungen und anderes, was in ihm zum ersten Mal erscheint. Viele von Euch haben am ״Land der Jugend“ selbst mitgearbeitet, da ein großer Teil aller Beiträge von Kindern und Jugendlichen stammt Bestellungen bei Eurem Buchhändler oder direkt beim Verlag der Jüdischen Rundschau, Berlin W15,Meineke*tr,10 gegenVorrinsendttng des Betrages zuzügl. 3ÖPfg. für Porto auf das Postscheckkonto der Verlagsabteifung Berlin 71576