Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1936)
- Date
- 1936-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 64, 1t. VIU. 1936 Jüdische Rundschau Seite T Das Neueste in Kürze Kulturarbeit der H.O.G. . .P- Hebräische Seminar Tel-Awiw der Hi• tachdutn Olej Germania hat sein drittes Semester ab• geschlossen. Das Sommersemester war kurz. Der Tag, an dem die Eröffnung stattfinden sollte, brachte den Ausbruch der Unnihen und die Verhängung des Ausnahmezustandes über Tel- Awiw. trst mit einer Verspätung von zwei Wochen konnte die Arbeit aufgenommen werden, und eine Verlängerung über die erste Juliwochc hinaus verbot sich von selbst. Die durchschnitthehe Teilnehmerzahl je Kurs ist gegenüber den beiden vorangegangenen Semestern weiter gestiegen, wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß sich das Sommerprogramm auf sechs Kurse beschränkte, während im Winter zehn Kurse durchgeführt worden waren, insgesamt haben sich 217 Persouen ־— ohne die gelegentlichen Besucher — zur festen Mitarbeit eingeschrieben. Eine zentrale Stellung nahm wieder der Geschiclitskurs von Jakob Sandbank ein, der in Fortsetzung seiner beiden ersten Kurse diesmal die Epoche der jüdischen Anfkl;irmig, der Haskalah} behandelte und seinen Hörern aus dieser entscheidenden Auseinandersetzung zwischen jüdischem Geist **11^ europäischer Kultur wichtige Ausblicke auf lebendige Triebkräfte der Entwicklung erschloß. Nachum Lewin las m seinem Kurs Kapitel aus verschiedenen Teilen des Tenaclt, ausgcwählt nach ihrem sozialpolitischen und nationalgesebichtliehen Gehalt, als Quellen jüdischer Volks- und Gesellschaftsauffassung. ßraslawskis Lichtbildervorträge zur Landes- und Volkskunde gaben namentlich manchem N'cueinwandcrer «inen Ersatz für die heute kaum möglichen Studicnfahrten durchs Land; er ging besonders auch auf die Siedlung.*- geschichte einzelner Landschaften ein und schloß mit einer Bekanntgabe eigener Forschungen über mittelalterliche Alijah aus Deutschland. [Ir. Percikowitzs Kurs über neuere hebräische Publizisten konzentrierte sich vornehmlich auf gemeinsame Lektüre einiger programmatischer Schriften von Achad Haam; im Anschluß daran fanden Diskussionen über die Aufgaben des jüdischer! Volkes in der Weit und in Palästina statt. Der im engeren Sinne politiseh-zeitgescliichtliebe Kursus, dessen Einführung sielt schon im vorigen Semester so gut bewährt hatte, war diesmal in drei Abschnitte geteilt worden. Im ersten Teil behandelte Michael Assaf Aegypten als Beispiel für die Entwicklungstendenzen der erwachenden Länder im östlichen Mittclmecrhcckcn und insbesondere für die Auseinandersetzung zwischen englischer Wcitreichpolitik und arabischer Nationalhewegting. Im zweiten Teil zeigte Klinow die verschiedenen (mindstrümungen der zionistischen Gedankenwelt, um aus ihnen die konkrete Stellungnahme der einzelnen Parteien gegenüber den Gegenwartsfragen der Diaspora und Erez Israels abzulcitcn. Der dritte Teil, ein Vortrag von Gerda Luft über bestimmte Fragen der Siedlungspolitik, konnte infolge der Terminver- Schiebungen nicht mehr im Rahmen des Semesters stattfinden. Er wird als einer der Ferienvorträge, die zur Aufrecliterhaltung der Zusammenarbeit geplant sind, nachgeholt werden. Auch die im Programm vorgesehenen Sonderveranstaltiingen konnten wegen der Kürze der Zeit lind der Ungunst der äußeren Verhältnisse, bis auf einen Vortrag Nathan Grünblatts über das Buch Ruth, nicht durchgeführt werden. Iin Anschluß an die erwähnten Ferienveranstaitungen soll ■erstmalig versucht werden, das Seminar auch in erweitertem Rahmen für die gesamte hebräische Kulturarbeit der Hitachduth Olej Germania nutzbar zu machen und einen größeren Kreis von Mitgliedern der HOG. wenigstens zu einzelnen Dar- Bietungen des Seminars heranzuziehen. Das Gelingen dieses Versuchs wäre eine Fern Wirkung des Seminars, , das schon vorher wiederholt Gelegenheit hatte, seine beson- ■deren Erfahrungen für den Aufbau ähnlicher Institutionen in anderen Städten des Landes zur Verfügung zu stellen. Allerdings wird es immer nur bis zu einer bestimmten Grenze möglich sein, ein solches Institut in den Rahmen anderer, größerer Organisationen, in denen notwendigerweise andere Aufgaben und Interessen vorherrschen, einzuspannen. Wä!1rend andere Organisationen sich den wechselnden Ziel- Setzungen des Tages nicht entziehen können und sollen, verlangt ein solches Kultur inst itut einen festen, kleinen Kreis von Mitarbeitern, der sich unbeirrt auf ein Werk konzentriert, und es verlangt einen übersehbaren Kreis von Mitgliedern, der durch ein gleichgei ichtctcs geistiges Interesse untereinander und mit dem Institut verbunden ist. Etwas mehr als die Hälfte der Seminarteilnehmer besteht aus Mitgliedern der HOG. Mehr als hundert Mitglieder In der ״Official Gazette“ wird der Entwurf einer Patents and Designs (Amendment) Ordinancc veröffentlicht, die neue Bestimmungen über das Verfahren bei solchen Patentanmeld ungen vorsieht, die mit früheren Eintragungen oder Anmeldungen kollidieren. Eine weitere Ergänzung bchandelt den Fall der Ausstellung einer Erfindung oder die Verlesuiig einer Erfiiulungsscbrift vor einer gelehrten Gesellschaft, die unter gewisser Voraussetzung die Rechte des Erfinders auf Eintragung des Patents nicht beeinträchtigen. . Durch Order des High Commissioner sind die patästinensischen ZollbcfreiungsvorSchriften über die Einfuhr von Gegenständen durch religiöse, erzichungswissenschaftliche mul W ohlfahrtsansLalten geändert w orden, soweit sie sich auf Ausstattungsgegenstiinde, technische Apparate usw. beziehen. Die Palästina-Regierung hat in Fowl Cholera Rules 1936 Bestimmungen zur Bekämpfung der Geflügelcho- 1 e r a erlassen. Die Zenfralkommission für städtische Planungen hei der Regierung hat einen Plan bestätigt, der die Trockenlegung eines Meeresstrcifcns vor Tel-Awiw vorsieht. Es soll sich um eine Fläche v'011 250 Dursani handeln, von denen ein Teil die Tel-Awiwcr Stadtverwaltung erhalten, der andere Teil als Bauplätze zur Verfügung gestellt werden soll. Die Kosten der Trockenlegung werden auf 100 0U0 Pfund geschätzt. Aut den palästinensischen Eisenbahnen sind neue Tarite f ii r die Güterbeförderung von Haifa nach Tel- Awiw/Jaffa und Jerusalem festgesetzt worden. Sie bringen eine Erhöhung gegenüber den Mitte Mai vorübergehend angeordneten Tarifen für Waren, die infolge des Generalstreiks statt in Jaffa in Haifa gelöscht werden. Während diese Tarife bisher 300 hzw. 400 Mils betrugen, ist jetzt eine Festsetzung auf 375 Mils je Tonne für die Strecke Haifa—Jaffa/Tel-Awiw und aut 475 Mils nach Jerusalem erfolgt. Während des Monats Juli sind 2100 Immigranten in Palästina gelandet. Nach einer Statistik des Einwanderungs-Departements der Jewish Agency sind in den vergangenen sieben Monaten des Jahres 1036 bis zum 31. Juli 18 800 jüdische F. in- Wanderer, darunter 4000 Kapitalisten, nach Palästina gckommen. Der Gcncralanwalt der Palästina-Regierung, Trust cd, ist von seiner Urlaubsrcisc nach Jerusalem zuriiekgckchri. Richter Copeland hat einen Araber, der einen Bombenanschlag auf das Postamt in Kn mich versucht hatte, zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Drei arabische Einwohner des Dorfes Rehaina wurden unter dem Verdacht verhaftet, die jüdischen Hilfspolizisten Zoller und Kalischeuski ermordet zu haben. In der Wohnung des einen Arabers wurde ein Gewehr gefunden. Die Jerusalemer Wasserleitung ist in der Nähe von Latrun durch arabische Terroristen beschädigt worden. Die illegale ״Populär Front“, das juden feindliche Organ der palästinensischen Kommunisten in arabischer Sprache, vertritt die Ansicht, daß zionistische Insind dem Seminar aus früheren Semestern treu geblieben, rund hundert konnten im dritten Semester neu für die Arbeit gewonnen werden. Eine Gliederung nach Herkunftsländern (wobei aber weder die Staatsangehörigkeit noch das Geburtsland berücksichtigt werden konnte) ergab, daß 162 Teilnehmer aus Deutschland gekommen sind, davon immerhin mehr als zehn Prozent vor der großen Alijah von 1933, und 55, darunter ein eingeborener Palästinenser, aus anderen Ländern in allen Teilen der Welt, W. D ii s t c r w a 1 d Deutsche Informations-Vorträge der H. O. G. in Jcrusalern. Die Hitachduth Olej Germania hat den Versuch unternominell, ihren Jerusalemer Mitgliedern an Schabbat-Vormittagen informierende Vorträge in deutscher Sprache zu bieten. Am 1. August sprach in diesem Rahmen Dr, Duisburg (Haifa) über Parlament, Colonial Office und Erez Israel. stitutionen den Bombenanschlag auf die jüdische Talmud• Torah-Schule in Tel-Awiw rmgestifiet haben, um die arabische Freiheitsbewegung in Mißkredit zu bringen. (!!) In dem Dorf Mugltar ist eine Wcrksfätte zur Er- Zeugung von Bomben entdeckt worden. Der Besitzer des Hauses wird vor, der Polizei gesucht. 13er Korrespondent der United Press erhielt die folgende Mitteilung aus Syrien: Die arabische Bevölkerung Syriens beteiligt sielt zwar nicht an dem palästinensischen Streik, sie zwingt jedoch die wohlhabenden jüdischen Einwohner, Bankiers, Geschäftsleute usw., Beiträge für den Streikfonds der Araber Palästinas zu leisten. Die ״Beiträge“ werden als ״Gesellenk der Araber Syriens an ihre Bruder in Palästina‘׳ iihmviescn. Die italienische Zeitung ״S I a 111 p a“ (Turin) veröffentlicht ein ausführliches Interview ihres Jerusalemer Korrespondeuten Leo Rea mit dein Leiter der politischen Abteilung der Exekutive Mosche S c h er t o k. Schertok gab dem Berichterstatte!■ ein genaues Bild der Lage und drückte zum Schluß die Ueberzetigung aus, daß eine Einigung zwischen Juden und Arabern möglich ist. Her Berichterstatter versieht diesen Schluß mit einer skeptischen Bemerkung, anerkennt aber, daß objektive Faktoren die judrdie Einwanderung nach Palästina erzwingen. (Vgl. auch S. T) Der Direktor des arabischen Lehrerseminars von jeru• Salem, ein Bruder des Bürgermeisters I )r. K h a 1 d i, hat sich im Auftrag des Arabischen Obersten Komitees nach Syrien begehen. Seine Reise steht im Zusammenhang mit den Vor- Bereitungen für das Eintreffen der Kgl. Kommission in Palästina. F.s verlautet, daß K!1:1 lei 1 111 I ).niiaskns gemeinsam mit dem dortigen a 1 a b 1 s c 11 e 11 Historiker Mohammed Knrd Ali die Hauptpunkte■ der der Kgl. Kommission var/ulegenden a r a b i s c 11 e n B r e e b w e r d e!1 aiisarbeiten wird. Ehr die ersten vier Monate dieses Jahres hat P a I ä s t i n a zuin erstenmal, seitdem es um Polen in 1 laiidelsbeziehtingcn steht, eine aktive H an ■J 1■ 1 s b i I a n z gegenüber diesem Lande aufzuweisen. Polen 11,1t in diesem Zeitraum von Paiastina für 4 824 (>50 Zlotv Waren be/ogen, während der Export Polens nach Pal.isima in derselben Zeit einen Wert vor, nur 2 3(10 637 Zlotv h pr.1-s ntiei!e. In ihrer m o 11 a t 1 k: 11 c ״ \\ j r t s e 11 a f t s 11 b c r s i c h t, die am 15. Juli ab:: es,- Id; ,sseii worden ist, schildert die Barel ay’s Bank die V i.'Kchaftsiage in Palästina in folgeiidcn griimK.it/li du■11 Aiisiiiimingcti: ,,Hie Hamlclshcdingungen sind 1y1 Vergleich /tun vorigen Monat unverändert geblieben. Die < ictrciilcanhilir aus dem Auslände ist bloß bis Lade Juli erlaubt vouien, weil zu diesem Zeitpunkte bereits damit zu rechnen ist,!laß palästinensisches Getreide zu haben sein ward. Die Preist, haben sich nicht geändert. Eine Bautätigkeit vinl nur hei Haifa tortgeführt, sonst ist sie im ganzen Lande eingestellt worden.“ In Kfar S a 1! a weuieit demnächst •10 neue Wohnhäuser für Arbeiter errichtet werden. Die Bizzur-Gesellschaft hat zu diesem Zwecke eine )jährige Anleihe gewährt. Der Streit um K a s c hrut h in T e 1 - A w i w ist durch den Beschluß des Stadtrats, niehtkoschcres Schlachten im Stadtgebiet zu verbieten, beigelegt worden. Das Palästina-Orchester, in Ergänzung seines Interviews filier das Huberman-Orchester (״J. R.“ Nr. 5(1) gibt uns Hans Wilhelm S t e i!1 b c r g folgendes bekannt : Um Mißverstandnissen int Hinbiirk auf die Tätigkeit der anderen Dirigenten (Dobrowen, Taube) vorzubciigtn, wünscht Steinberg festzustellen, daß die Bezeichnung ״erster ständiger Dirigent“ nur chronologisch zu verstellen ist und nicht etwa im Sinne einer Rangordnung. Wie bekannt, wird er die künstlerischen Vorbcrcitungsarbeiten (Vorprohen, Einstudierung der ersten Programme) übernehmen und dann die erste Konzertserie nach Toscanini dirigieren. (Schluß lies Palästina-Teils) Teppiche / Möbelstoffe ל Gardinen 'N| BLUMENFELD. Nürnberg, Adlerstrafle 36 g Bulan von Belendjer Von OSKAR BAUM Vorbemerkung! Wir \* ,* ר beuk■ ein Kapitel uns dem noch unverölicniliclitcn mann Roman ..Da s Volk des (rar teil Schlafs“, von O.kar Baum.!)er Rennau spielt in dem Reiche öpf Clnisrncn, jenes \ oUe-sininnics wahis! lieinbeb tinni-ob-ah ui-aber Herkunft, der im 0. 1:11111 min Irrt vom Nnrdahhnng des KaukiiMis seine Mach! über einen großen Li! Siiilru l.damls;mirachtele, und dessen lieir-rhcnde Seid,!11’ im 8.!.iluleinderl nun Jmlonliim übertrag worüber wir .jeenünu anHc le.inlur■ he atz: 11.!)ie-e*s nnnhtme jüdische Reu!» be.armd eiwj hi, zum 11. 1,1111!mnderl. Seine Ih'cub kemng ist uuiiuchcinH■ h in »kn Mnhu■ '!׳■■ hen judenhett. :11111:,gongt n. I)ai veiliegomle Kapitel i >! die Jum ndge-ehi־׳lue dr ץ Hi lden, der nachher als Feldherr d1 '1 .׳ Koat:׳n ihr Reich durch einen (110:11:0de ״den Sie״ übet die Amber ivticl und ihr König wird. Das Volk tiitt — auch durch aii.hie Pin.-imelc bewogen —• zum J11:!«■nliim über, und es wird inmeu-11 des Idul ig-gi ■in •amen mitul,111:•: Ii: h: 11 (.!laulxuiezwa״״s aller Well — e: ist da, 0. Jahrhundert — au! Grund des biblischen Gcbois mens, 11: nheundlieli: r lieli.mdhmg der l'icniden ״in deinem Lande“ cm (nieinw esen von voroildliiher l)u:dsarnkt'u und unpanciUeher Reehispflrge geschaffen. Die ״lxa.de Gewalt im Su-.u hat ein Neun-Richtet-Kollegium, das au, je zwei Juden, zwei Mo-lim, zwei ('Inäsien, zwei 1 leiden und einem Feilesan!>cfer bestand, da es oberstes <i׳m:.u war, daß jeder nur von einem Richter seine.* Glaubens gelichtet weiden duiite. Auf dem Wege in die Stadt kam man an den Weidefilzen der Leibgarde vorbei, wo um die erste Sonnenstand« ne Menge der schönsten Pferde sich tummelten. Die bcobditete Bulan gern in ihren wilden, kraltvollen Bewegungen, anchmal blieb der Vater stehen und kam mit einem der nldatcn ins Gespräch, um Bulnn richtig Zeit für den Anick zu lassen. Dann kam man an das Lfer, und der i «ihrann, der schweigsame Zagachur, der gewiß ein Feueribeter war — Bulan erkannte die Perser an der eckigen »rUracht — setzte ihn und den Vater in seiner Führe über sn gewaltigen Itil. Das gab eine gute Weile ein gefährliches :haukein und Schwanken, daß Bulan vor Lust das Blut: die Wangen stieg. Das war noch etwas anderes, als enn man sieh von den dicken Aesten der Pappel über den Zaldteicli hinabhiingen ließ! v Nicht sehr oft, aber dann und wann nahm der Vater »lan mit auf diesen seinen!״glichen V\e*■ J' Kn Vater nicht, daß diese Wege trotz allem für ihn keine , große Freude bedeuteten, wie der Vater vermutete. Bulan itte keine Furcht vor dem Vater; es war mehr el,®״ ie vor einem feinen Herrn, mit dem inan ohne we,- res spricht. Es war auch etwas Mitleid und Verachtung!bei. Aber das hatte nichts mit dem zu tun, was Ephra, der neben Bulan auf der Matte im I.ehrhaus ,saß, ihm kürzlich in seiner traurig-singenden Sprechweise mit tiefem Bedauern und als großes Geheimnis zugeflüsterl hatte: daß nfimlieh Butans Vater Chanoch Ganvliselinr, genannt F.no von Kypros, bei den Acltesten der Gemeinde im Verdacht stehe, heidnische und christliche Schriften der Gliechen zu kennen und von Mischnuh und Gcmerah sehr wenig zu ■w issen. Seine W’ortknrgheit im Umgang und daß er sich an den Debatten in Schul nie beteilige, lege man ihm als einen Rest des Hochmuts aus der Zeit seines großen Reichtums aus. Bulan lachte. F.plrn» sab ihn erstaunt an. Es war Bulans kurzes, böses Lachen zwischen den /:ihnen hervor, das F.phr« von gefährlichen Augenblicken bei Balgereien kannte. Da mußte man sich vorsehen! Es sollte hier >v«hl heißen: das also sind die weisesten Männer, die so falsch und ungerecht urteilen? Von Grieehenschriflcn verstund Bulan nichts. Aber wenn sie beim Vater von Hochmut sprachen, dann war auch alles andere falsch. Warum mischte sich übrigens Ephra so gern unter die Erwachsenen, ihre Reden zu erhaschen? Glaubte er, das sei notwendig, wenn man einmal Schriftgelehrter werden und an die Hochschule der Gaonim nuch Pumbudithu kommen wollte? Auf das Gewisper der beiden Schüler in der letzten Reibe wurde F.lejscr ben Isru, doi׳ Lehrer, mitten in seinem singenden Vortrag Uber die Fcstgcwändcr der Hohenpriester beim Opferdienst am Versöhnungslag aufmerksam, drohte mit dein Stübchen und erhob sich von seinem Polster, das freilich eher ein ausgedienter Futtersack für Pferde sein mochte und aus dem auch wirklich überall das Stroh hervorsab. Bulan spürte immer etwas von Ungeduld dem Manne gegenüber, der so langsam sprach mit der hohen, dünnen, fast weiblichen Stimme, mit der er die heiligen Sätze der Lehre geduldig wieder und wieder vorsang und sorglich daraut achtete, daß jeder Schüler sic genau in derselben Melodie wiederholte, denn nuch im überlieferten Tonfall der Weisheiten, Gebote und Berichte liegt etwas von ihrer Auslegung und Erklärung. Da trotz seiner Ermahnung das Gewisper in der letzten Reihe, der Reihe der Größten, nicht aufhören wollte, kam Elejser mit seinen wiegenden kleinen Schrillen zwischen den blatten auf die Störer zu. Ephra sah sogleich geradeaus, die Hände fromm auf den Knien, als hatte er keinen Augenblick an anderes gedacht, als aufmerksam dem Unterricht zu folgen. Bulan nber brach sein grimmiges Farben nicht ab, es 'zischte noch zwischen seinen Zähnen hervor, und es versteifte sieh sein Gesicht in der höhnischen Grimasse, als Elejser vor ihm stand. Und er snh mit kalter Ruhe dem Lehrer in die Augen. Der Zorn Elejser ben Isras war nicht ungefährlich. Aber wenn man im richtigen Augenblick eine jämmerliche Miene aufzog, oder gar in Tränen zerfloß, war der Zorn gleich verflogen, und das Männchen nahm sich hinter dem ,Schein tincrbililkhcr Strenge alle Mühe, den Schüler, was er auch verbrochen haben mochte, mit der mildesten Strafe hiinlur: Ir/ulot->en, ,,Wiederhole!“ Klejoer streikte drohend den langen Zeige• fingen vor, daß es beinahe war, als stc1.be er Bulan ins Gesicht. Er meinte den Satz, der dien von der gesamten Schülerschaft nnthgCsungi-n worden war. Bulan blieb mit gekreuzten Beinen auf seim׳r Matte Ina keil und verweigerte däe Antwort, obgleh 11 man den harten, grauen Augen, die gar nicht mehr wie die \ ugen eines Kindes waren, deutlich ansah, daß er jenen Satz wußte. Elejser ben lsra, wenn man ihn durch Ycrstm kl heil zu hartem Vorgehen zwang, wurde rasend. Er hol, das Stäbchen; Bulan hatte die f Hindu hinzuhalten, aber er 11״<k1e reglos. Das Stäbchen sauste und hätte wohl sein (ieshlrt ::et rot len, aber jetzt hielt Bulan die Hand hin und fing das Stäbchen. Vergeblich riß der Lehrer daran, es wieder ITu/ubt kommen. Mit großen Augen starrten atemlos die Kinder ringsum auf den Verlauf des unerhörten Vorgangs. Elejser wurde fassungslos. Die eisern verkrampften Finger des Knaben waren stärker als die seinen mit ihren erschhilllen Muskeln. Er wollte mit den Fäusten gegen den geduckten Kopf des Kindes losfnhren, aber Bulan hob, schwang die nun frei gewordene Gerte durch die I.uft, indem er von seiner Malte nufsprung. Bulan war es, als treflc er in diesem ihrem Untergebenen die weisen Männer der Gemeinde, vor denen .sich alle so ehrfürchtig beugten, und die doch seinen Vater zu verachten wagten. Schon sahen alle versteinert, wie er das geweihte, gefürchtete Stübchen gegen den Lehrer brauchte. Abc•: er stand nur einen Augenblick so vor dem erbleichten Mann mit dem sprachlos geöllnelen Mund und schritt dann mit dem hoeligehohenen Arm durch den totenstillen Raum zur Tür, indem er die Gerte dabei in Stück« zerbrach und hinter sieh in den Winkel warf. Draußen auf der koicinnhweichten Straße im warmen Frühlingswinil schwand silier schnell das Gefühl der stolzen Befreiung. Nicht daß er St rufe fürchtete! Sein Vater würde nur verwundert den Kopf schütteln, ihn vielleicht dabei mißbilligend ansehen. Und wer wollte ihm sonst etwas anhaben? Aber er wußte, daß er das Lchrhaiis nun nicht mehr betreten konnte. Ni« mein■! Die Heilsamen Begebenheiten aus dem!.eben der Urväter, der Propheten, der Könige, vor allem aber die Berichte von den großen Heldentaten in den Zeilen der Not würde er nicht mehr hören. Und seine Schritte, die auf die flüchtig gezimmerte ungefüge Hütte am Waldrand zugingen, wurden langsamer und langsamer. Er fühlte tief innen, daß er nicht nur durch Ephras Gewisper mit seinem heuchlerischen Bedauern in die wild entschlossene Auflehnung geraten war. Er wußte nicht, was es war, das ihn gegen die heiligem Dinge erboste, gegen die Lehren